Gemacht für mehr Unterschied

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Guten Morgen, liebe Gemeinde!
Heute sind wir am fünften Sonntag unserer Predigtreihe „Gemacht für mehr“, in der wir gemeinsam durch den Epheserbrief gehen – Kapitel für Kapitel. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die bisherigen Themen: Was waren eure Highlights? Welche Überschriften sind euch im Kopf geblieben?
(Pause für Rückmeldungen oder kurzer Rückblick von dir)
Wir sehen in diesem Brief: Gott hat uns nicht einfach nur gerettet, sondern neu gemacht – mit einer tiefen Berufung. Nicht zum Selbstzweck, sondern damit wir in dieser Welt etwas verändern– einen Unterschied machen. Und genau darum geht es heute:
„Gemacht für mehr Unterschied.“
Es gibt diese Alltagsszenen, die einem hängen bleiben – auch wenn sie nur ein paar Sekunden dauern: Jemand hilft einem Fremden ohne großes Aufsehen. Jemand bleibt freundlich, obwohl er allen Grund hätte, sich zu ärgern. Oder jemand hört wirklich zu – mitten im Trubel, wo sonst jeder nur spricht.
In solchen Momenten merkt man: Das ist anders. Das ist Licht – und es hat Kraft.
Paulus schreibt in Epheser 5,8:
„Einst wart ihr Finsternis – jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts.“
Das ist keine Aufforderung, sich selbst zu verbessern / zu optimieren – das ist eine Aussage über unsere Identität in Christus. Nicht: Werdet Licht. Sondern: Ihr seid es – durch ihn.
Und wenn das stimmt, dann verändert es auch, wie wir leben. Nicht aus Druck, sondern aus Überzeugung. Nicht, um etwas zu erreichen – sondern weil wir schon etwas sind. Lichtträger. Botschafter. Nachahmer Gottes – mitten im Alltag.
Darum wollen wir heute fragen: Wie kann unser Leben heute Licht bringen? Wie können wir diesen Unterschied leben – dort, wo wir sind?

1. Licht sein ist Identität, nicht Leistung

Manchmal, wenn wir solche Aussagen hören, reagieren wir innerlich mit Druck. „Ich muss mehr tun. Ich muss heller leuchten. Ich muss mich mehr abheben.“ Aber das ist genau nicht, was Paulus meint.
Er sagt nicht: Werde Licht. Sondern: Du bist Licht – weil du zu Christus gehörst.
Das ist ein fundamentaler Unterschied. Christsein beginnt nicht mit Aktion, sondern mit Position. Mit einer neuen Realität, die Gott in uns geschaffen hat.
Und diese Realität ist wie ein Licht, das angezündet wurde. Nicht, weil du perfekt bist, sondern weil Jesus dich ins Licht gestellt hat. Das ist die Gnade Gottes.
Vielleicht hilft uns ein Bild: Eine Kerze brennt nicht, weil sie sich anstrengt, sondern weil sie einmal entzündet wurde. Sie leuchtet einfach – weil in ihr das Licht ist.
So ist das bei uns. Wenn wir zu Jesus gehören, hat er dieses Licht in uns angezündet. Und deshalb geht es nicht zuerst ums Tun – sondern ums Sein.
Und das hat Auswirkungen – auch wenn es uns gar nicht immer bewusst ist.
Vielleicht habt ihr das auch schon mal erlebt: Da kommt jemand zur Arbeit oder in die Schule – und mit dieser Person verändert sich plötzlich die Atmosphäre. Nicht, weil sie viel redet oder sich in den Vordergrund spielt. Sondern weil da jemand mit Ruhe, mit Klarheit, mit Güte da ist. Da ist jemand, der zuhört, statt immer zu reden. Jemand, der nicht mit lacht, wenn andere schlechtgemacht werden – und gerade dadurchauffällt.
Kein großes Programm. Kein Bibelvers an der Stirn. Aber man merkt: Da ist etwas anders.
Das ist der Unterschied, den Licht macht. Nicht laut. Aber spürbar. Nicht perfekt. Aber präsent. Nicht aus Pflicht. Sondern aus einer neuen Identität.
So ist das bei uns. Wenn wir zu Jesus gehören, hat er dieses Licht in uns angezündet. Und deshalb geht es nicht zuerst ums Tun – sondern ums Sein. Erst daraus wächst dann auch ein anderes Leben.

2. Licht lebt sichtbar – und unterscheidbar

Paulus bleibt nicht bei der Identität stehen. Er ruft dazu auf, dass das, was wir sind, auch in unserem Leben sichtbar wird. In Vers 14 zitiert er ein altes Lied oder vielleicht ein Taufbekenntnis aus der frühen Kirche:
„Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“
Und direkt danach schreibt er:
„So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt – nicht als Unweise, sondern als Weise.“
Also: Licht sein bedeutet nicht nur, eine neue Identität zu haben – sondern auch, anders zu leben.
Nicht im Sinn von: „Sei moralisch besser.“ Sondern: Sei wach. Sei bewusst. Sei aufmerksam.
Licht lebt unterscheidbar – eben nicht im Schlafmodus, nicht angepasst, nicht gleichgültig. Sondern hellwach. Hellhörig. Klar.
Vielleicht passt hier ein ganz einfaches Bild aus dem Alltag:
Du stehst im Badezimmer, die Sonne scheint durchs Fenster – und plötzlich siehst du auf dem Spiegel oder dem Regal überall Staub. Im Dämmerlicht war alles noch „okay“ – aber jetzt, im Licht, wird sichtbar, was da ist.
Genau das ist die Wirkung von Licht – nicht um zu verurteilen, sondern um wahrzunehmen, was wirklich ist. Und unser Leben als Christen soll genau das tun: Nicht blenden – sondern aufdecken. Nicht überführen – sondern Orientierung geben.
Licht hat Kraft, auch wenn es klein ist. Licht entlarvt nicht nur den Staub, es verändert auch. Es lässt Dinge anders erscheinen. Und genau deshalb sind wir als Christinnen und Christen gemacht für mehr Unterschied.
In der Geschichte gab es immer wieder Menschen, die genau das gelebt haben – Lichtträger in dunkler Zeit. Ein Beispiel ist Nelson Mandela. Trotz jahrzehntelanger Gefangenschaft ließ er sich nicht von Hass bestimmen oder resignierte nicht. Stattdessen blieb er standhaft und hat weiterhin für Freiheit und Gerechtigkeit eingestanden – mit einem Hoffnungsschimmer, der Millionen inspiriert hat. Sein Leben war wie ein Lichtstrahl, der den Staub der Ungerechtigkeit sichtbar machte – und gleichzeitig Menschen Mut machte, anders zu leben.
Solche Menschen erinnern uns daran: Wir sind nicht dazu berufen, einfach angepasst durchs Leben zu gehen. Wir sind gemacht für mehr Unterschied – berufen, Gottes Licht in unsere Welt hineinzutragen.
Christus hat uns nicht wachgerüttelt, damit wir wieder im Halbschlaf weitermachen – sondern damit wir anders unterwegs sind. Bewusst. Weise. Sichtbar.
Und gerade heute ist das ein starkes Zeichen: Nicht lauter, sondern klarer. Nicht schriller, sondern echter. Nicht angepasster, sondern mutiger – weil wir wissen, wem wir gehören.

3. Licht erkennt den Moment – und lebt mit Sinn

Paulus schreibt in Vers 16–17:
„Kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.“
Dieser Vers wurde oft so verstanden: „Nutze jede Minute! Sei effektiv! Tu mehr!“ Muss ich jetzt noch mehr leisten? Noch besser planen? Noch effizienter leben, damit mein geistliches Leben etwas gilt?
Diese Sorge ist verständlich – denn viele von uns kennen den Druck aus dem Berufsalltag: Alles soll schneller gehen, jede Minute muss produktiv sein, es wird optimiert und verdichtet. Und wenn der Mensch nicht mehr mithalten kann, wird er ersetzt.
Und viele sind genau an diesen Satz aus der Bibel erschöpft – geistlich ausgebrannt im Versuch, immer produktiv für Gott zu sein.
Mir ist bei der Predigtvorbereitung etwas Interessantes aufgefallen: In meinen Büchern für Predigtbeispiele und -illustrationen, die nach Bibelstellen sortiert sind, fand ich unter Epheser 5,16 vor allem Beispiele für Zeitmanagement, Effizienz und Produktivität. Wohl gemerkt, dass diese schon ein bisschen älter sind. Aber da wurde zum Beispiel von Friedrich von Bodelschwingh berichtet, dem bekannten Leiter der Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Er soll so effizient gewesen sein, dass er zwei Stenographen gleichzeitig zwei unterschiedliche Briefe diktierte – und dabei noch ein Telefongespräch führte. Als es auf Mittag zuging und seine Mitarbeiter den Arbeitstag beenden wollten, soll er gesagt haben: „Es sind noch zehn Minuten bis zwölf – da kann noch etwas geschafft werden.“ Und dann diktierte er in dieser kurzen Zeit drei mehrseitige Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten.
Beeindruckend? Vielleicht. Aber genau hier liegt auch die Gefahr. Wenn wir solche Geschichten hören – noch dazu direkt unter einem Vers wie „Kauft die Zeit aus!“ – denken wir schnell: Ich muss mehr leisten, mehr schaffen, meine Zeit maximal nutzen, um Gott zu gefallen.
Aber das griechische Wort, das hier für „Zeit“ steht, ist kairos– und das ist entscheidend.
Denn das Neue Testament kennt zwei Begriffe für Zeit:
Chronos – das ist die Uhrzeit. Die messbare, lineare Zeit. Sekunde für Sekunde. Tag für Tag. Das ist der Terminkalender, die Stoppuhr, der Minutenzeiger. Zeit, die wir einteilen, planen, managen – und die uns manchmal auch managt. Chronos bezeichnet die unaufhaltsam fortschreitende Zeit. Deshalb spricht man in der Geschichtsschreibung von Chronologien – eine Abfolge von dem, was sich ereignet hat.
Und dann ist da Kairos – die ganz andere Zeit. Kairos ist eigentlich eine göttliche Gestalt in der griechischen Mythologie. Er wird als kahlköpfige Gestalt mit einer langen Haarsträhne, die vorne auf seinem Kopf sitzt dargestellt. Wenn Kairos an jemandem vorbeihuscht, kann man ihn, wenn man schnell genug ist, sozusagen am Schopf packen. Daher kommt die Redensart: Eine Gelegenheit beim Schopf packen. Der Begriff Kairos wird für ein Moment verwendet, in dem etwas geschieht. Der Punkt, an dem ein Samenkorn durchbricht. Der Augenblick, in dem ein Mensch plötzlich offen ist für ein Gespräch. Der Moment, in dem du spürst: Jetzt ist Gott am Werk – hier darf ich mitgehen.
Kairos ist göttliches Timing. Nicht hektisch. Nicht gedrängt. Sondern vorbereitet. Nicht „Tu mehr!“, sondern: „Sei wach – denn jetzt ist etwas dran.“
Es geht also nicht darum, mehr Programm zu machen, sondern mehr zu sehen: Was tut Gott gerade? Wo ist seine Tür offen? Wo ruft er mich hinein?
Und oft geschieht das nicht in der Gemeinde – sondern auf dem Spielplatz, am Arbeitsplatz, im Café. Da, wo du lebst. Wo du Licht bist.
„Die Zeit auskaufen“ heißt dann: Nicht den Kalender füllen, sondern mit offenen Augen durch den Alltag gehen. Nicht „mehr machen“, sondern das Richtige wahrnehmen.
Es geht nicht um mehr Aktivität – sondern um mehr Sensibilität. Nicht um höhere Schlagzahl – sondern um eine tiefere Wahrnehmung. Das ist der Unterschied.
Manchmal ist ein „ausgekaufter Moment“ nicht spektakulär – aber genau da geschieht Reich Gottes. Dieser Kairos-Moment macht den Unterschied. Denn wir sind nicht gemacht, um einfach mit der Zeit zu gehen. Wir sind gemacht für mehr Unterschied – um Gottes Zeit zu erkennen, seinen Moment wahrzunehmen und darin Licht zu sein.

Ein Leben im Licht – bewusst, sichtbar, bereit

Drei kurze Sätze fassen zusammen, was Paulus uns heute mitgibt:
Ihr seid Licht. Nicht: Ihr sollt Licht werden. Nicht: Strengt euch an. Sondern: Ihr seid es – weil Christus euch verändert hat. Eure Identität ist Licht. Das ist der Anfang.
Lebt als Licht. Nicht angepasst, nicht schlafend, nicht im Schatten – sondern sichtbar, unterscheidbar, hellwach. Die Welt braucht Menschen, die echt sind. Klar. Orientierend.
Erkennt den Moment. Nutzt nicht einfach mehr Zeit, sondern nutzt die richtigen Momente. Achtet auf das, was Gott tut. Auf das, was gerade dran ist. Nicht im Getriebenen – sondern im Geleiteten.
Und dann ist da diese eine Frage, die bleibt – für dich, für mich, für uns als Gemeinde:
Wo ruft dich Gott gerade, ein Unterschied zu sein? Nicht später. Nicht irgendwann. Sondern heute – in deinem Kairos.
Vielleicht ist es ein Gespräch, das du schon länger auf dem Herzen hast. Vielleicht ein Mensch, der auf dein Licht wartet. Vielleicht ein Schritt, der klein scheint – aber genau richtig ist.

Gebetsimpuls

Vielleicht spürst du: Ich möchte das. Ich möchte ein Mensch sein, der Gottes Licht weiterträgt. Der offen ist für seine Momente, mitten im Alltag. Dann darfst du das in einem einfachen Gebet ausdrücken. Vielleicht hilft dir dieses Gebet als deine eigenen Worte:
„Herr, öffne meine Augen für deinen Moment. Lass mich Licht sein, nicht aus eigener Kraft – sondern weil du in mir leuchtest. Zeig mir, wo du mich brauchst – heute.“
Amen.

Segen

Der Herr segne dich und mache dich zu einem Menschen des Lichts. Er schenke dir wache Augen für seine Zeit – für den Moment, in dem du gefragt bist.
Der Herr stärke dich, damit du nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe handelst. Er erfülle dein Herz mit seiner Gegenwart, damit du leuchtest – nicht aus eigener Kraft, sondern weil er in dir lebt.
So geh im Vertrauen: Du bist gemacht für mehr – gemacht für mehr Unterschied. Geh im Frieden Gottes. Amen.
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