Wir lassen uns nicht entmutigen (2Kor 4,16-18)
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Wir lassen uns nicht entmutigen
(2Kor 4,16-18)
Die Überschrift der Predigt lautet: „Wir lassen uns nicht entmutigen“ und der Text befindet sich im 2. Korintherbrief, Kapitel 4,16-18:
2Kor 4,16 Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. 17 Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, 18 da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
Wir werden diese Verse anhand von 3 Punkten betrachten:
Der 1. Punkt lautet: Wir lassen uns nicht entmutigen, da Gott beständig in uns am Werk ist.
Der 2. Punkt lautet: Wir lassen uns nicht entmutigen, weil die künftige Herrlichkeit die gegenwärtige Bedrängnis übersteigt.
Der 3. Punkt lautet: Wir lassen uns nicht entmutigen, da wir auf das Unsichtbare schauen.
Zunächst noch etwas Einleitendes zu diesem Brief. Der vorliegende Brief ist der 2. Brief an die Gemeinde zu Korinth, der auch zum biblischen Kanon gehört. Der Apostel Paulus schrieb diesen Brief zusammen mit Timotheus, einem seiner Schüler.
Er begann das Schreiben mit Lob für Gott den Vater, den er als Gott alles Trostes bezeichnete, der sie tröstete in all ihrer Bedrängnis, damit sie andere trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind. Und die Bedrängnis ist auch Teil des heutigen Themas.
Außerdem geht es Paulus darum, die Gemeinde zu ermutigen.
Der Feind Gottes und der Menschen hat viele Werkzeuge, um das Volk Gottes zu bekämpfen. Eines dieser Werkzeuge ist Entmutigung. Wenn der Teufel es schafft, uns zu entmutigen, lähmt er damit die Arbeit im Reich Gottes. Schon im 1. Vers von Kapitel 4 schreibt Paulus: „Darum lassen wir uns nicht entmutigen.“ Und unser Predigttext beginnt ebenfalls mit den Worten: „Darum lassen wir uns nicht entmutigen!“
Vor unserem Predigttext vergleicht er den Dienst des Neuen Bundes mit dem Dienst im Alten Bund und kommt zu dem Ergebnis, dass der Dienst des Neuen Bundes von größerer Herrlichkeit ist.
Außerdem vergleicht er ihre Körper mit irdenen, zerbrechlichen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von ihnen. Und selbst wenn sie sterben sollten, hofft er darauf, dass derjenige, der den Herrn Jesus auferweckt hat, auch sie auferwecken wird und zusammen mit den Korinthern vor sich stellen wird.
Auch deswegen lassen wir uns nicht entmutigen. Wir wollen nun betrachten, was die Gründe zum Durchhalten und Weitermachen in den Versen 16-18 sind.
In unserem Predigttext gibt es eine Reihe von Gegenüberstellungen: der äußere Mensch steht dem inneren Menschen gegenüber. Die vorübergehende Bedrängnis wird der ewigen Herrlichkeit gegenübergestellt. Das Sichtbare steht dem Unsichtbaren gegenüber. Gegensätze helfen uns dabei, besser zu verstehen, was mit den jeweiligen Elementen gemeint ist, die einander gegenüber gestellt werden. Die Bibel arbeitet auch anderen Stellen mit Kontrasten. Kontraste dienen dazu, Unterschiede klarer erkennbar zu machen und somit eine stärkere Wirkung zu erzielen.
Der Kontrast in Vers 16 besteht zwischen dem äußeren Menschen und dem inneren Menschen. Diesen Punkt habe ich genannt: Wir lassen uns nicht entmutigen, da Gott beständig in uns am Werk ist. Gott ist beständig am Werk.
Vers 16: Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrundegeht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.
Es heißt hier, dass der äußere Mensch zugrundegeht. Wie ist es so weit gekommen?
Der dreieinige Gott, der Schöpfer, hatte uns Menschen in seinem Bild geschaffen. Er hatte Adam und Eva perfekt erschaffen und ihnen den Auftrag gegeben, sich die Erde untertan zu machen. Sie waren im Garten Eden und durften von allen Bäumen essen, bis auf den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Gott wollte ihren Gehorsam sehen. Durch den Einfluss des Teufels übertraten die ersten Menschen das einzige Gebot Gottes. Gott hatte sie gewarnt, dass sie sterben würden, wenn sie davon essen würden. Sie taten es trotzdem und sündigten damit; und die Folge der Sünde ist der Tod. Gott hatte auch zu Adam gesagt, du bist Staub und zu Staub wirst du wieder zurückkehren.
Ja, auch über die gefallenen Menschen wird noch gesagt, dass sie im Bild Gottes gemacht sind (Jak 3,9), doch es ist ein verzehrtes Bild, wir haben nicht mehr die Herrlichkeit, die wir vor Gott haben sollten. Es ist bemerkenswert, was das Wort Gottes über den dritten Sohn Adams sagt: „Und Adam war 130 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte, ihm selbst gleich, nach seinem Bild, und er nannte ihn Seth.“ (1Mo 5,3)
Wir tragen nun auch das Bild Adams, der gesündigt hat. Und die Sünde ist auch der Grund dafür, dass unsere Körper verfallen. Das betrifft uns alle, niemand ist davon ausgenommen, auch nicht die Kinder Gottes.
Beim Apostel Paulus kam noch in besonderer Weise dazu, dass er viel für den Herrn gelitten hatte. Sein Körper wurde auch aufgerieben durch die Strapazen und Leiden, die er erduldet hatte; durch die vielen Mühen, die er um Jesu willen auf sich genommen hatte. Er sagte sogar, dass er allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umherträgt. Auf die Leiden des Apostels komme ich später noch zurück.
Doch für Kinder Gottes gibt es eine gute Nachricht: Wenn wir zum Glauben an den Herrn Jesus Christus kommen, zieht der Heilige Geist ein, versiegelt uns und schenkt uns neues Leben.
Der neue, innere Mensch eines Gläubigen hat Lust am Wort Gottes und will das Gute tun und will Gott gehorsam sein (Röm 7). Der Heilige Geist wirkt in unserem inneren Menschen und stärkt uns dort (Eph 3,16).
Der äußere Mensch ist der Erde zugewandt und wird hier bleiben (zusammen mit der innewohnenden Sünde).
Der innere Mensch ist Gott zugewandt und das ist der Teil von uns, der zu Gott geht, wenn es für uns soweit ist.
In Vers 16 steht, dass der innere Mensch täglich erneuert wird. Wir brauchen diese Erneuerung, Erfrischung und Stärkung durch den Heiligen Geist.
Gott wirkt täglich in uns, auch wenn wir es nicht spüren. Es kann frustrierend sein, wenn wir den Eindruck haben, dass sich bei uns so wenig ändert. Vielleicht ringen wir schon lange mit Dingen in unserem Charakter, die uns Mühe machen und wir haben den Eindruck, dass sich nichts ändert.
Doch Gott ist am Werk! Und Er wird sein Werk in uns zu Ende bringen. Paulus sagt in Phil 1,6: „weil ich davon überzeugt bin, dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“
Aber wir müssen uns dem Einfluss des Heiligen Geistes auch aussetzen.
Das tun wir durch das Lesen und die Beschäftigung mit dem Wort Gottes. Im 1. Psalm wird in poetischer Form ausgedrückt: „2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. 3 Der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht, und alles, was er tut, gerät wohl.“
Erstaunlich, wie es zusammenpasst: das tägliche Nachdenken über Gottes Wort in diesem Psalm und die tägliche Erneuerung des inneren Menschen in Vers 16.
Und: wir lassen Gott wirken durch die Gemeinschaft mit ihm im Gebet. Außerdem brauchen wir die Gemeinschaft mit anderen Kindern Gottes. Ich denke da an das Gemeindegebet, wo wir beides haben: das Gemeindegebet wirkt glaubensstärkend und erfrischend für den inneren Menschen.
Aus meinem persönlichen Umfeld habe ich dazu ein Beispiel vor Augen. Ich habe eine Tante, die schon sehr alt ist, so Gott will, wird sie in Kürze 99 Jahre alt! Sie zitiert immer wieder Verse aus der Bibel, aus Liedern und Gedichten. Sie denkt nach über Gottes Wort und wenn es ihr möglich ist, geht sie auch zum Gottesdienst. Dadurch wird sie im inneren Menschen erneuert und bleibt im geistlichen Sinne frisch, obwohl der äußere Mensch verfällt.
Wir kommen nun zu dem zweiten Punkt, in dem die Dauer und das Gewicht gegenübergestellt werden: Wir lassen uns nicht entmutigen, weil die künftige Herrlichkeit die gegenwärtige Bedrängnis übersteigt. Die zukünftige Herrlichkeit übersteigt bei weitem die gegenwärtige Bedrängnis.
Vers 17: Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit
Der nächste Kontrast ist: die vergängliche und leichte Bedrängnis auf der einen Seite; und die ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit auf der anderen Seite.
Lasst uns jetzt die Leiden des Apostels Paulus etwas näher betrachten. Als er noch ein Verfolger der Gemeinde war und Saulus hieß, hatte der Herr Jesus ihn gestoppt und in seine Nachfolge gestellt. Schon am Anfang wurde ihm gezeigt, wie viel er leiden würde um Jesu willen (Apg 9,16). Und das ist auch eingetroffen.
Er wurde von den Juden verfolgt, die auch versuchten, ihn umzubringen.
An einem Ort war es so, dass Paulus einen Gelähmten heilte. Die dortigen Heiden waren so beeindruckt, dass sie ihm und Barnabas sogar Opfer bringen wollten, als ob sie Götter wären. Durch den Einfluss einiger Juden kippte die Stimmung und die Leute versuchten, Paulus und Barnabas zu töten. Sie wurden gesteinigt und vor die Stadt geschleift, weil man der Meinung war, dass sie gestorben waren.
Doch durch Gottes Gnade waren sie nicht tot und zogen weiter, um das Evangelium zu verkündigen.
An anderer Stelle geschah es, dass Paulus einen unreinen Geist aus einer Frau austrieb. Diese Frau war aber eine Wahrsagerin und brachte einigen Leuten Gewinn, dieser Gewinn entging ihnen nun. Daraufhin wurden Paulus und sein Mitarbeiter Silas geschlagen und ins Gefängnis geworfen. Ihre Füße wurden sogar in den Stock geschlossen, was äußerst schmerzhaft war.
Als sie Gott lobten im Gefängnis, geschah ein Erdbeben und die Türen öffneten sich. Der Kerkermeister kam zum Glauben und die treuen Diener Gottes wurden danach auch freigelassen.
Also Paulus erlebte Verfolgung, Ängste, Schläge und Gefängnis. Er war viel unterwegs, kannte Strapazen zu Land und zu Wasser.
Außerdem wurde er beschuldigt und musste sich verantworten vor römischen Statthaltern und vor König Agrippa.
In Kapitel 11 dieses Briefes werden seine Leiden aufgelistet, ich gebe diese wie folgt wieder:
„Paulus hat weit mehr Mühsal, hat über die Maßen viele Schläge ausgestanden. Er war weit mehr in Gefängnissen, öfters in Todesgefahren. Von den Juden hat er 5x 39 Schläge empfangen. Dreimal ist er mit Ruten geschlagen und einmal gesteinigt worden. Dreimal hat er Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht hat er in der Tiefe zugebracht. Er ist oftmals auf Reisen gewesen. Er ist in Gefahren gewesen auf Flüssen, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren vom eigenen Volk, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern. Er hatte Arbeit und Mühe, war oftmals in Nachtwachen, in Hunger und Durst; oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße. Dazu der tägliche Andrang zu ihm, die Sorge für alle Gemeinden.“
Und als er diese Worte schrieb, war sein Leben ja noch nicht vorbei. Und trotzdem sagt er, dass die Bedrängnis schnell vorübergehend und leicht sei.
Ich möchte noch ein Beispiel für großes Leid anführen, diesmal aus der Kirchengeschichte:
Es war im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts, als die Hugenotten durch die katholische Regierung verfolgt wurden. Die Hugenotten waren protestantische Christen calvinistischer Prägung. Über sie wurden schwere Strafen verhängt, um ihres Glaubens willen: lebenslange Haft im Kerker oder sie wurden gezwungen auf Galeeren zu rudern, viele wurden auch ermordet. Das Ziel der Peiniger war es, dass sie ihrem Glauben abschwören sollten.
Das Mädchen Marie Durand wuchs als Kind gläubiger Eltern auf. Leid kannte sie schon von Kind auf. Ihr Bruder wurde als Prediger verfolgt, ihre Mutter wurde verhaftet und starb im Gefängnis. Später kam auch ihr Vater in Haft. Als sie 18 Jahre alt war, wurde sie in einer Festung, die in einer Moorlandschaft lag, in einen Turm eingesperrt; sie war gerade frisch verheiratet.
Zusammen mit anderen Frauen war sie dort eingekerkert, deren „Verbrechen“ es war, dem angeblich neuen Glauben anzuhängen, oder auch nur an einer „religiösen Versammlung“ teilgenommen zu haben.
Im Winter gab es beißenden Qualm vom offenen Feuer oder auch Eiseskälte. Im Sommer machten ihnen die Dünste aus dem Moor, in dem die Festung lag, zu schaffen. Dazu kamen das dürftige Essen und die Eintönigkeit. Im Gefängnis erhielt Marie auch die Nachricht, dass ihr Bruder hingerichtet wurde.
Sie kam auf den Gedanken, sich um die Mitgefangenen zu kümmern. Sie hielt Andachten für ihre Leidensgenossinnen und sie beteten zusammen. Von ganzem Herzen kümmerte sie sich um ihre Mitgefangenen und sie pflegte die Kranken.
Als sich die Zeiten änderten und sie frei werden durften, war Marie die Letzte, die ihre Entlassungsurkunde erhielt.
Zu dem Zeitpunkt war sie 57 Jahre alt, fast 40 Jahre hatte sie in diesem Turm verbracht! Beinahe 40 Jahre ihres Lebens!
Die letzten Jahre verbrachte sie in ärmlichen Verhältnissen mit einer ehemaligen Mitgefangenen, bis sie mit etwa 65 Jahren starb.
Aus menschlicher Sicht ein weggeworfenes Leben. Sie ist ja nun schon lange in der Ewigkeit. Wenn wir sie jetzt fragen könnten: „Marie, kannst du bestätigen, was der Apostel Paulus hier schreibt, dass die Bedrängnis schnell vorübergehend und leicht war, verglichen mit der ewigen Herrlichkeit?“ Sie würde es mit großer Gewissheit bestätigen!
Im Vers 17 geht es nicht darum, Leid und Not kleinzureden. Im selben Brief im ersten Kapitel schrieb Paulus noch über ihre Bedrängnisse, dass sie übermäßig schwer zu tragen hatten, über ihr Vermögen hinaus, so dass sie selbst am Leben verzweifelten.
Es geht also nicht darum dies kleinzureden, sondern es geht darum, die jetzige Not ins Verhältnis zu setzen mit der Ewigkeit, mit der ewigen Herrlichkeit! Die zukünftige Herrlichkeit wird viel größer sein, als die gegenwärtigen Nöte es sind.
Wir werden nicht gesteinigt wie Paulus und müssen nicht jahrzehntelang ins Gefängnis. Was hat uns dieser Text zu sagen?
Bedrängnisse und Nöte können sehr verschieden sein. Körperliche Beschwerden und Krankheiten können einigen große Not bereiten.
Wieder andere haben Bedrängnisse durch die Lebensumstände, in die sie gestellt sind.
Ich denke auch an Schüler und Studenten und dem Druck, dem sie ausgesetzt sind. Sie können Anfechtungen und Anfeindungen erleben, wenn sie sich zu Jesus bekennen und zur Wahrheit stehen. Ein Thema ist z.B. der Glaube daran, dass Gott das Universum und die Erde erschaffen hat. Oder wenn es um die Tatsache geht, dass der Schöpfer genau zwei Geschlechter geschaffen hat, männlich und weiblich, was ja in unserer Zeit heftig angegriffen wird. Das und die Einflüsse dieser Welt kann Bedrängnis für die Schüler und Studenten bedeuten.
Bei jemand anderem sind es bei womöglich anstrengende Arbeitskollegen, die große Mühe machen.
Aber auch innere und seelische Nöte sind Bedrängnisse, unter denen einige leiden.
Schwierigkeiten und Nöte im Gemeindeleben können uns stark zusetzen und Stress verursachen; bei Paulus war es ja auch die Sorge für alle Gemeinden.
Gott will, dass wir uns in den Nöten bewähren, in denen wir uns befinden, denn die jetzigen Nöte haben ewige Auswirkungen.
Gott, in seiner Gnade hat, es so beschlossen, dass wir für diesseitige Bedrängnisse ewige Herrlichkeit erhalten.
Ich möchte auf einen Aspekt ewiger Herrlichkeit zu sprechen kommen:
In Vers 16 war schon der Hinweis auf Gottes Wirken am inneren Menschen. In Kapitel 3, Vers 18 ist die Rede vom Heiligen Geist, der uns umgestaltet in das Bild des Herrn Jesus von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.
Gott will nach unserer Errettung, dass wir dem Sohn Gottes ähnlicher werden. Ein anderer Ausdruck dafür ist Glaubenswachstum, denn wir wachsen zu Jesus hin.
Nach unserer Errettung befinden wir uns auf dem Weg der Heiligung, das ist ein lebenslanger Prozess mit dem Ziel, den Charakter des Herrn Jesus mehr und mehr widerzuspiegeln.
In 2Thess 2,13-14 steht: 13 Wir aber sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt.
Jesus Christus ist die Herrlichkeit Gottes in Person. Das Wirken des Heiligen Geistes in uns läuft darauf hinaus, dass wir ihm ähnlicher werden.
Während unserer Zeit auf der Erde laufen diese inneren Umbaumaßnahmen, das Endergebnis werden wir in der Ewigkeit sehen.
Die Bewährung unseres Glaubens wird Herrlichkeit zur Folge haben (1Pt 1,7). Und bewähren kann sich unser Glaube nur in Bedrängnissen und Anfechtungen.
Die jetzige Bedrängnis verschafft uns eine ewige Herrlichkeit. Damit ist also nicht das Heil gemeint, denn das Heil erhalten wir aus Gnade durch Glauben geschenkt.
Sondern durch schwierige Lebensumstände wirkt Gott in uns; und das Endergebnis wird Herrlichkeit sein.
Der Apostel Paulus lehrt dieses Prinzip auch in Röm 8,18: „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll.“
Das größte Vorbild für das Ertragen diesseitiger Leiden im Hinblick auf die später folgende Freude ist der Herr Jesus selbst (Hebr 12,2). Jesus Christus wusste, wie viel Frucht aus seinen Leiden entstehen würde, wie viele Seelen gerettet werden würden. Und so ertrug er das Kreuz und erduldete die Schmach um unseretwillen.
Wir lassen uns also nicht entmutigen, weil die ewige Herrlichkeit bei weitem die jetzige Bedrängnis übersteigt.
Das bringt uns zum dritten Punkt und zum Kontrast zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. In Vers 18 werden das Sichtbare und das jetzt noch Unsichtbare gegenübergestellt.
Der dritte Punkt lautet: wir lassen uns nicht entmutigen, da wir auf das Unsichtbare sehen. Wir sehen auf das Unsichtbare.
Ich lese nochmal Vers 18 aus der Elberfelder-Übersetzung: „indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig.“
Wie kann man das Unsichtbare anschauen? Denn das steht ja hier.
Mit dem „Schauen“ ist nicht das gemeint, was wir mit unseren körperlichen Augen machen.
Sondern im Glauben und im Vertrauen auf Gottes Wort sehen wir auf das Unsichtbare, denn der Glaube ist eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.
An biblischen Beispielen will ich illustrieren, was damit gemeint ist, (im Glauben) auf das Unsichtbare zu schauen. Ein Vorbild aus dem AT ist David.
Es war am Anfang der Königszeit in Israel. Das Volk Israel wollte einen König wie die anderen Völker und hatte damit den HERRN als ihren König verworfen. Der daraufhin eingesetzte König war Saul, doch dieser war kein König nach dem Willen Gottes. Nachdem Saul den Auftrag Gottes nicht erfüllte, wurde Saul verworfen und das Königtum wurde von ihm weggenommen.
Der Prophet Samuel sollte nun einen anderen zum König salben. Zu diesem Zweck ging Samuel nach Bethlehem zu einem gewissen Isai, der acht Söhne hatte. Der achte und jüngste Sohn war David, der vor den Augen seiner Brüder zum König gesalbt wurde. Durch die Salbung mit Öl war David inoffiziell bereits König von Israel.
Doch wie ging es weiter? Saß David dann sofort auf dem Thron? Nein, zu dem Zeitpunkt war er sicher noch ein Teenager und bis er offiziell König wurde, vergingen über 10 Jahre. David diente dem eigentlich verworfenen König Saul als Harfenspieler. Er wurde aber auch erfolgreicher und beliebter Heerführer, weil Gott ihm Gelingen gab. David wurde öffentlich mehr gerühmt als Saul, der ja noch amtierender König war.
Deswegen wurde Saul neidisch auf ihn und wollte ihn umbringen. Mehrere Jahre war David auf der Flucht vor Saul. Er musste sich verstecken in Felshöhlen und sogar bei den Feinden Israels, den Philistern.
Wenn man sich das mal vor Augen führt: er hatte die Zusage Gottes, dass er König werden sollte. Doch dann war er jahrelang auf der Flucht vor genau demjenigen, dem das Königtum doch genommen werden sollte. Da können Zweifel aufkommen und es kann sich Verzagtheit einstellen. Woran hat er sich in dieser Zeit gehalten?
Er hat sich an Gott und Gottes Wort gehalten. Einige Psalmen handeln von dieser Phase seines Lebens. Zum Beispiel Psalm 56. Ich lese einige Verse aus dem Psalm 56 aus einer anderen Übersetzung: 5 Gott, ich preise dein Wort und vertraue auf dich, warum sollte ich mich fürchten? Was können mir Menschen anhaben? 11 Gott, ich preise dein Wort. Ja, HERR, ich preise dein Wort. 12 Ich vertraue auf Gott, warum sollte ich mich fürchten? Was können mir Menschen anhaben?
Der biblische David ist ein Vorbild für das Schauen auf das Unsichtbare. Er hielt sich an Gott und sein Wort, obwohl es Jahre dauerte, bis die Erfüllung eintraf.
Oder gehen wir in der Bibel noch weiter zurück und denken an Noah. Noah lebte in einer Zeit großer Gottlosigkeit. Die Bosheit der Menschen war sehr groß auf der Erde und alles Trachten der Gedanken ihrer Herzen allezeit nur böse. Und so beschloss Gott, die Erde durch eine globale Wasserflut zu richten.
Noah allerdings war ein gerechter Mann und untadelig unter seinen Zeitgenossen. Gott teilte ihm seinen Plan mit, die Erde durch Wasser zu richten. Und Gott gab dem Noah den Auftrag, eine Arche zu bauen, das war ein Kasten aus Holz. In dieser Arche sollten Noahs Familie und einige Tiere vor der Wasserflut gerettet werden. Gott gab ihm auch die Maße für die Arche und Noah fing an zu bauen.
Wir müssen uns das mal vorstellen: Wahrscheinlich weit entfernt von einem Meer, baute Noah einen riesigen Holzkasten. Das war mit vielen Mühen verbunden und hat lange gedauert. Er hatte nicht die Werkzeuge und Maschinen zur Verfügung, die den Menschen heute die Arbeit erleichtern. Bestimmt gab es auch nicht viele Menschen, die ihm beim Bau geholfen haben.
Es vergingen Tage, Monate, Jahre und Jahrzehnte und Noah baute immer weiter, genauso, wie Gott es ihm gesagt hatte. Ich kann mir vorstellen, dass es Spott und Anfeindungen durch sein Umfeld gab.
Alles, was Noah hatte, war Gottes Wort! Er hatte nichts anderes. Und daran hielt er sich. Die Bibel gibt folgendes Zeugnis über ihn in Hebr 11,7: Durch Glauben baute Noah, als er eine göttliche Weisung empfangen hatte über die Dinge, die man noch nicht sah, von Gottesfurcht bewegt eine Arche zur Rettung seines Hauses; durch ihn verurteilte er die Welt und wurde ein Erbe der Gerechtigkeit aufgrund des Glaubens.
Was für einen Glauben hatte dieser Mann!
Zurück zu 2Kor 4,18: Auf das Unsichtbare schauen wir im Glauben und im Vertrauen auf Gottes Wort!
Auf das Unsichtbare zu sehen, heißt auch, das Ziel vor Augen zu haben. Und das hat ganz praktische Auswirkungen. Wenn wir um Errettung beten für Menschen, die noch nicht an den Herrn Jesus Christus glauben, so geht es dabei um die Ewigkeit.
Auch was unseren Dienst in der Gemeinde angeht und den Dienst angeht an den Brüdern und Schwestern: wir können bei dem, was wir tun, auf das Unsichtbare sehen, wenn wir das Ziel vor Augen haben. Unser Ziel ist die Wiederkunft des Herrn und die Ewigkeit bei ihm
In Heb 10,24+25 heißt es: 24 und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, 25 indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!
Diese Verse aus dem Hebräerbrief passen ebenfalls zu unserem Predigttext.
Das heißt, wenn wir Liebe üben, gute Werke tun, einander trösten und ermuntern, dann lasst uns das im Blick auf die Ewigkeit tun! Und wir sollen in diesen Dingen sogar noch zunehmen, je näher wir den letzten Dingen und der Wiederkunft Christi kommen.
Ich denke da an ein Lied, welches wir auch bei uns singen. Ich zitiere daraus eine Strophe und den Chorus:
„Mit Fokus auf die Ewigkeit
Leb ich für das, was ewig bleibt
Das Ziel vor Augen, Tag für Tag
Bis ich den Lauf vollendet hab
Die Ewigkeit ist mein Zuhause
Du hast sie mir ins Herz gelegt
Auch wenn ich sterben werde, weiß ich
Dass meine Seele ewig lebt
Und diese Hoffnung wird mich tragen
Bis ich Dir gegenüber steh“
Gott will die ganze Ewigkeit hindurch an seinen Kindern den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade in Güte erweisen in Christus Jesus!
Ein anderer Aspekt ewiger Herrlichkeit ist der neue Leib, den die Kinder Gottes erhalten werden.
Die Auferstehung und der neue Leib sind aber das Thema in Kapitel 5, Verse 1-10. Ich wollte es mal erwähnt haben.
Auf diese, für uns noch nicht sichtbare Zukunft, wollen wir im Glauben blicken und uns an Gottes Wort halten!
Als Zusammenfassung und zum Abschluss will ich uns die 3 Punkte als kleine Portionen mitgeben.
1. Wir lassen uns nicht entmutigen, weil Gott beständig in uns am Werk ist.
2. Wir lassen uns nicht entmutigen, weil die ewige Herrlichkeit viel größer ist, als die Nöte, die wir jetzt haben.
3. Wir lassen uns nicht entmutigen, denn wir schauen auf das Unsichtbare und halten uns an Gott und sein Wort.
Es wäre gut, wenn wir das verinnerlichen, auch für den Fall, falls die Verhältnisse in Deutschland für Christen unbequemer werden sollten. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Wind dreht in diesem Land. Aber das soll uns nicht Angst machen, wir wollen ja auch nicht für immer hier bleiben.
Bevor ich zum Ende komme, will ich noch etwas zum Thema „Glaube“ sagen.
Was die Bibel damit meint, ist kein blindes Für-wahr-halten.
Unser Glaube basiert auf dem Wort Gottes und die Aussagen der Bibel können nachgeprüft werden.
Die Bibel hat Voraussagen gemacht über Jesus, die auch eingetroffen sind.
Die Bibel hat Voraussagen gemacht über das Volk und das Land Israel, die sich erfüllt haben und noch erfüllen werden.
Die Bibel hat recht mit ihren Aussagen über die Menschen, über Familie und Gesellschaft.
Außerdem hat das Wort Gottes Kraft zur Veränderung. Schon viele Menschen wurden durch den Glauben grundlegend verändert.
Es ist nicht irgendein Glaube, es ist der Glaube an den Herrn Jesus Christus, der auch heute noch Menschen für die Ewigkeit erretten will.
Am Anfang habe ich darauf hingewiesen, wie der Mensch in Sünde gefallen ist. Durch die Bekehrung zum Herrn Jesus kann das wieder korrigiert werden. Die Möglichkeit dazu besteht auch heute noch.
Amen!
