Gemacht für mehr Liebe

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Muttertag
Guten Morgen und einen gesegneten Muttertag euch allen!
Heute ist ein besonderer Sonntag – ein Tag, an dem wir Danke sagen wollen: Danke für alle Mütter, Großmütter, geistlichen Mütter, Bonusmütter – für eure Liebe, Geduld, Stärke und Treue. Ihr gebt so viel – oft im Verborgenen, oft ohne Pause. Heute wollen wir euch feiern!
Gleichzeitig weiß ich: Muttertag ist nicht für alle ein Tag ungetrübter Freude. Vielleicht denkst du heute an deine Mutter, die nicht mehr da ist. Vielleicht bist du in einer schwierigen Beziehung zu ihr. Vielleicht wünschst du dir selbst sehnlichst, Mutter zu sein – und es ist bisher nicht eingetreten. Oder du trägst den Schmerz eines Verlustes. Wenn das heute dein Empfinden ist, dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht allein. Und du bist heute nicht fehl am Platz. Im Gegenteil. Gerade in solchen Momenten brauchen wir einander – und brauchen wir Gott. Ein Vers aus dem Römerbrief fasst das gut zusammen: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15)
Wir als Gemeinde wollen ein Ort sein, wo beides Platz hat: ehrliche Freude – und ehrlicher Schmerz. Und beides darf heute da sein. Und mit diesem offenen Herzen möchte ich dich einladen, heute gemeinsam mit mir auf ein Gebet zu schauen, das Paulus für eine junge Gemeinde betet – ein Gebet, das nicht nur für sie galt, sondern auch für uns. Ein Gebet, das sich um etwas dreht, was wir alle dringend brauchen – ob Mutter oder nicht, ob voller Freude oder voller Fragen – nämlich: die Liebe Gottes.
Berufen. Geliebt. Gesendet. Gemacht für mehr.
Bevor wir gleich in den Text eintauchen: Wir sind ja mittendrin in unserer Predigtreihe „Gemacht für mehr“. Und der Epheserbrief, durch den wir uns Kapitel für Kapitel bewegen, zieht genau diese Linie. Paulus schreibt an Menschen, die Jesus kennengelernt haben – und jetzt entdecken dürfen, wofür sie eigentlich gemacht sind. Jeder Abschnitt bringt einen neuen Aspekt ans Licht – aber der rote Faden bleibt: Du bist berufen. Geliebt. Gesendet. Gemacht für mehr. Paulus schreibt den Epheserbrief und damit auch das Gebet aus Kapitel 3 nicht aus einem komfortablen Umfeld heraus. Er sitzt im Gefängnis. Und doch ist sein Herz voller Hoffnung, voller Leidenschaft – nicht für sich selbst, sondern für die Gemeinde in Ephesus. Er betet für die Menschen in der Gemeinde und zwar nicht um äußere Veränderung, nicht um bessere Umstände – sondern um innere Kraft. Um eine Tiefe im Glauben, die uns auch dann trägt, wenn das Leben uns müde macht. Lasst uns das Gebet einmal im Ganzem gemeinsam lesen und dann ein paar Gedanken entfalten.
Epheser 3,14-21 (EÜ): 14 Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15 von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde seinen Namen hat. 16 Er gebe euch Kraft aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit, dass ihr durch seinen Geist gestärkt werdet im inneren Menschen. 17 Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet. 18 So sollt ihr mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen 19 und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr erfüllt werden in die ganze Fülle Gottes hinein. 20 Dem aber, der gemäß der Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken, 21 ihm sei die Herrlichkeit in der Kirche und in Christus Jesus bis in alle Generationen für ewige Zeiten. Amen.
1. Gott will dich im Innersten stärken – durch seinen Geist (V. 16)
Paulus Gebet hat wenige Sätze, aber so viel Inhalt. Die erste tiefe Bitte ist, dass wir gestärkt werden – von innen heraus, durch Gottes Geist. „16 Er gebe euch Kraft aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit, dass ihr durch seinen Geist gestärkt werdet im inneren Menschen.
Paulus weiß: Unser Glaube steht und fällt nicht mit dem, was wir nach außen hin zeigen, sondern mit dem, was in uns lebt. Er bittet nicht um Stärke für die Muskeln oder den Terminkalender, sondern für das Herz. Für das, was niemand sieht – aber was alles bestimmt. Und mal ehrlich: Wie oft merken wir, dass wir innerlich müde sind? Nicht einfach nur „gestresst“, sondern wirklich erschöpft – leer, ausgepowert, emotional dünnhäutig. Manchmal funktioniert nach außen noch alles – aber innen fehlt die Kraft. Und genau hier setzt Paulus an: Es gibt eine Kraftquelle, die über das Menschliche hinausgeht. Eine Kraft, die nicht auf Leistung basiert, sondern auf Beziehung. Paulus nennt sie die Kraft „durch seinen Geist“ – den Heiligen Geist, der uns geschenkt ist. Und diese Kraft wirkt im „inneren Menschen“ – also da, wo deine Identität, deine Entscheidungen, deine Hoffnung lebt. Der innere Mensch war ein Begriff, unter dem die Griechen drei Dinge verstanden: als Vernunft, Gewissen und Wille. Wie oft investieren wir in gesunde Ernährung, laufen unsere Kilometer, lesen vielleicht sogar Etiketten auf Lebensmitteln – aber wann haben wir das letzte Mal gefragt: Wie geht es eigentlich meiner Seele? Wann habe ich sie genährt mit der Kraft, die wirklich trägt – Gottes Gegenwart in mir?
Ich finde das unglaublich tröstlich: Gott möchte uns nicht nur äußerlich helfen, er will uns im Kern unseres Seins stärken. Nicht oberflächlich. Sondern so tief, dass unsere Seele wieder atmen kann. Und es beginnt mit einem einfachen Gebet: „Herr, ich brauche dich. Ich schaffe es nicht aus eigener Kraft. Bitte stärke mich – innen.“ Das ist kein Gebet der Schwachen – es ist das Gebet derjenigen, die erkannt haben, dass wahre Stärke dort beginnt, wo ich meine Abhängigkeit von Gott anerkenne.
2. Gott will dich tief verwurzeln – in seiner Liebe (Verse 17–19)
Paulus schreibt weiter: „17 Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet. 18 So sollt ihr mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen 19 und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr erfüllt werden in die ganze Fülle Gottes hinein.“
Was für ein Bild! Und schon das erste Wort hat Gewicht: „Wohne Christus in euren Herzen“ – das klingt fast harmlos, ist aber theologisch tief. Im Griechischen steht hier das Wort katoikeō. Das bedeutet nicht: Jesus kommt mal kurz vorbei, schaut sich um und zieht wieder weiter. Nein – katoikeō meint dauerhaft wohnen, sich niederlassen, ein Zuhause finden. Es steht im Gegensatz zu paroikeo – das ist der Begriff für einen Gast, der wieder geht. Und um das greifbar zu machen, stell dir einmal folgendes Bild vor: Du bist zum ersten Mal bei jemandem eingeladen. Du bist höflich, zurückhaltend, lehnst vielleicht erstmal ab, wenn dir etwas angeboten wird. Du willst nicht aufdringlich sein, wartest lieber ab. Aber je öfter du kommst, je mehr Vertrauen da ist – desto freier wirst du. Irgendwann sitzt du ganz selbstverständlich auf dem Sofa, kennst den Weg zur Küche – und hast keine Scheu mehr, selbst an den Kühlschrank zu gehen. Weil klar ist: Du gehörst hierhin. Du bist willkommen. So will Jesus in deinem Leben wohnen. Nicht als Gast, sondern als Teil deines Alltags. Nicht nur sonntags. Nicht nur in den sauberen Räumen. Sondern auch dort, wo es unaufgeräumt ist. Wo du dich selbst vielleicht lieber verschließen würdest. Die Frage ist: Ist dein Herz ein Ort, wo Jesus wirklich wohnen darf? Oder gibt es Türen, die du lieber geschlossen hältst?
Heute ist eine gute Gelegenheit, ihm neu zu sagen: „Jesus, du darfst hier wohnen – ganz. Nicht nur als Besucher, sondern als Herr dieses Hauses.“
Jesus will nicht dein Besucher sein – er will dein Mitbewohner sein. Dein Herr. Der, der bleiben darf. Und wenn er bleibt, verändert sich etwas. Paulus sagt: Ich bete, dass Christus in euch wohnt – und dass ihr in der Liebe verwurzelt und gegründet seid. Verwurzelt – wie ein Baum, der tief im Boden steht. Gegründet – wie ein Haus auf stabilem Fundament. Paulus sagt damit: Das Fundament deines Lebens soll nicht deine Leistung sein. Nicht deine Erfolge. Nicht, wie gut du durch den Tag kommst oder was andere über dich denken. Das Fundament soll die Liebe Gottes sein. Und damit meint er nicht ein nettes Gefühl oder einen poetischen Gedanken. Sondern eine Kraft, die trägt. Eine Liebe, die nicht schwankt. Die bleibt, auch wenn du selbst zweifelst. Eine Liebe, die uns hält, wenn unsere eigenen Kräfte versagen. Paulus beschreibt diese Liebe mit vier Dimensionen – Länge, Breite, Höhe und Tiefe. Er sagt damit: Gottes Liebe ist größer, als wir sie je begreifen können. Sie reicht weit genug, um jeden Menschen einzuschließen. Sie geht tief genug, um auch die dunkelsten Stellen in uns zu erreichen. Sie ist hoch genug, um uns mit himmlischer Perspektive zu füllen. Und sie ist lang genug, um bis in die Ewigkeit zu tragen. Und dann sagt Paulus etwas Erstaunliches: „Ich bete, dass ihr die Liebe Christi erkennt – die alle Erkenntnis übersteigt.“ Mit anderen Worten: Du kannst noch so viele theologische Bücher lesen – aber wenn du Gottes Liebe nicht erlebst, bleibt sie Theorie. Paulus betet, dass wir sie erfassen – nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Dass wir sie aufnehmen wie ein trockener Boden das Wasser – tief, sättigend, lebensverändernd. Vielleicht ist das heute dein größtes Gebet: „Herr, lass mich deine Liebe neu erleben. Nicht nur wissen, dass du mich liebst – sondern es spüren. Vertrauen. Darauf ruhen.“
3. Gott kann mehr tun, als du dir vorstellen kannst – also bete groß (Verse 20–21)
Paulus endet sein Gebet mit einem kraftvollen Lobpreis – fast wie ein Ausruf, der aus ihm herausbricht: „20 Dem aber, der gemäß der Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken, 21 ihm sei die Herrlichkeit in der Kirche und in Christus Jesus bis in alle Generationen für ewige Zeiten. Amen.“
Das ist ein Vers, den man sich einrahmen kann. Und das vielleicht gerade dann, wenn man an die eigenen Grenzen kommt. Wenn man nicht mehr weiß, was man noch beten soll. Wenn man denkt: „Das wird sich nie ändern.“ Oder: „Für diese Situation gibt es keine Lösung mehr.“
Paulus sagt: Doch. Gott kann. Und zwar mehr, als du je zu bitten wagst. Mehr, als du zu hoffen wagst. Mehr, als du überhaupt denken kannst. Warum? Weil dieselbe Kraft, die Jesus aus dem Grab geholt hat, in uns wirkt – durch seinen Geist. Wir reden hier nicht über Wunschdenken oder positives Denken. Sondern über göttliche Realität. Die Frage ist: Trauen wir Gott das noch zu? Oder beten wir so klein, wie wir denken? Ich glaube, Paulus will uns Mut machen: Bete nicht gemäß deiner Vorstellungskraft – bete gemäß Gottes Möglichkeiten. Ein alter Missionspionier, William Carey, hat einmal gesagt: „Erwarte Großes von Gott. Wage Großes für Gott.“ Das heißt nicht, dass Gott immer so handelt, wie wir wollen. Aber es heißt: Er kann. Und er hört. Und nichts, was du ihm im Gebet hinlegst, ist vergeblich. Vielleicht wartest du gerade auf eine Veränderung. Oder du betest seit Jahren für eine Person. Oder du wünschst dir, dass Gott in dir selbst etwas heilt oder wiederherstellt. Dann erinnere dich heute an diesen Vers: Er kann mehr tun. Viel mehr. Weit mehr. Und am Ende dieses Gebets steht nur noch eins: „Ihm sei die Ehre – in der Gemeinde und in Christus – in alle Ewigkeit. Amen.“
Darum geht’s: Nicht um unser Ansehen, nicht um unsere Kontrolle, sondern um Gottes Ehre. Und darum dürfen wir groß beten – mit einem noch größeren Vertrauen.
Geliebt, gestärkt, gesendet
Wenn wir uns dieses Gebet des Paulus anschauen, dann entdecken wir ein tiefes Herzensanliegen: Dass wir Gottes Liebe nicht nur hören, sondern spüren. Dass wir nicht nur über Gott reden, sondern mit ihm leben. Dass unser Glaube nicht an der Oberfläche bleibt, sondern verwurzelt wird – tief, stark, unerschütterlich. Und vielleicht merkst du heute: Genau das brauche ich. Vielleicht sehnst du dich nach neuer Kraft. Vielleicht kämpfst du innerlich mit Zweifel oder Trockenheit. Oder vielleicht weißt du vieles über Gott – aber du hast seine Liebe lange nicht mehr wirklich erlebt. Dann darfst du heute beten – so wie Paulus gebetet hat. Du darfst bitten: „Herr, stärke mich. Pflanze mich neu in deine Liebe. Tu mehr, als ich sehen kann.“
Denn du bist geschaffen, um geliebt zu werden – und um diese Liebe weiterzugeben. Nicht aus eigener Kraft. Sondern aus der Kraft, die in dir lebt – durch Christus. Zum Schluss lade ich dich ein, innerlich zu fragen: Wo brauche ich gerade Gottes Kraft? Wo darf ich heute neu verwurzelt werden in seiner Liebe? Wo habe ich vielleicht zu klein gebetet – und will neu anfangen, Gott Großes zuzutrauen?
Lass uns gemeinsam beten.
Fragen zur persönlichen Reflexion und für die Kleingruppe / den Hauskreis
Einstieg
Wann hast du dich zuletzt wirklich „gesehen“ oder „geliebt“ gefühlt? Was hat diese Erfahrung so besonders gemacht?
Fragen zur Predigt und zum Bibeltext
Was hat dich an Paulus’ Gebet in Epheser 3 am meisten angesprochen oder überrascht?
Was bedeutet es für dich persönlich, dass Christus in unseren Herzen „wohnen“ will – dauerhaft, nicht als Besucher?
Wie würdest du die vier Dimensionen von Gottes Liebe (Länge, Breite, Höhe, Tiefe) mit eigenen Worten beschreiben?
Vertiefende Fragen
Wo spürst du in deinem Leben gerade einen Mangel an innerer Kraft – und was hält dich vielleicht davon ab, damit zu Gott zu kommen?
Gibt es „Räume“ in deinem Leben, in denen Jesus bisher noch nicht „wohnen“ darf? Was hindert dich, diese Räume zu öffnen?
4. Anwendungsfragen – Was nehme ich mit?
Was wäre ein konkreter Schritt für dich, um tiefer in Gottes Liebe verwurzelt zu leben – im Alltag, im Gebet oder in Beziehungen?
Was möchtest du diese Woche bewusst groß von Gott erwarten – im Vertrauen darauf, dass er mehr tun kann, als du dir vorstellen kannst?
Leseplan
Montag: Epheser 3:14-21
Dienstag: 2 Korinther 4:16, Johannes 15:7
Mittwoch: Römer 8:38-39, Matthäus 19:26
Donnerstag: 1 Chronik 29:11, 1 Korinther 6:14
Freitag: 1 Johannes 4:7-16
Samstag: 1 Johannes 4:17-21
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