Kohelet (3)

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Einleitung

Heute schauen wir uns die letzten 6 Verse aus Kohelet 3 an. Luther gab diesem Abschnitt den Titel “Die Vergänglichkeit des Menschen”. Ja, es geht auch darum, aber der erste Vers knüpft an den vorangehenden Abschnitt an. Ihr erinnert Euch, Gottes Ordnung. Daher habe ich einen anderen Titel gewählt: Niemand entgeht Gottes Gericht. Der ist aber nicht einfach nur Drohung, sondern auch ein Versprechen. Wir hören und schauen uns mal diesen Abschnitt an.
Zuerst können wir hier etwas entdecken, was uns im ganzen Buch immer wieder begegnet: Eine Art wissenschaftliches Vorgehen: Der Kohelet ordnet seine Gedanken nach dem Muster Beobachtung (Vers 16 “Ich sah”), Kommentar dazu (Verse 17-21 “Ich sprach zu mir”, inkl. Begründung “Denn”) und einer Schlussfolgerung oder Bewertung (Vers 22 “Ich sah”). Wir halten uns heute mal an diese Struktur und beginnen mit dem ersten Vers, der Beobachtung.

Beobachtung (16)

“Und weiter sah ich unter der Sonne: An der Stätte des Gerichts, da herrschte Ungerechtigkeit; ja, Ungerechtigkeit herrschte an der Stätte des Rechts.“
Der Prediger erkennt eine Unordnung, wo sie nicht sein sollte, ein Frevel. Er nennt dies eine Gottlosigkeit. Da wo recht herrschen sollte, herrscht Unrecht. Ist hier Gottes Ordnung aufgehoben? Ist Gott nicht hier?
Seine Beobachtung erinnert doch an etwas. Ja genau,da gab es doch mal ein Gebot: Exodus 23,2 “Du sollst nicht der Menge folgen zum Bösen und sollst vor Gericht deine Aussagen nicht nach der Menge richten, um das Recht zu beugen.” Es wird im Deut wiederholt: Du sollst das Recht nicht beugen (16,19). Auch wenn Salomo selbst ein weiser Richter war und Verfasser dieser Gedanken, so muss schon zu seiner Zeit an den Gerichten Unrecht gesprochen worden sein. Später wird uns das dann in den Chroniken und Königen bezeugt, in klarer Sprache von Asaph im Ps 82 und auch von Micha:
Psalm 82,2 “Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen?” Micha 7,3 “Zum Bösen brauchen sie beide Hände, um es ja recht gut zu machen; der Fürst fordert, und dem Richter ist es um den Lohn zu tun; der Große sagt, wie er es haben will, und danach drehen sie’s!”
Es ist ja schon schwierig genug, das Leben an sich zu meistern und nicht zu verzweifeln (siehe Verse 3,1-15), auch wenn wir da Gottes Ordnung als Trost erkennen können. Doch Recht den Schuldigen und Unrecht den Unschuldigen? Das ist starker Tobak. Nochmals: Ist hier Gottes Ordnung durchbrochen?

Kommentar (17-21)

17 “Da sprach ich in meinem Herzen: Gott wird den Gerechten wie den Gottlosen richten; denn er hat dort eine Zeit bestimmt für jedes Vorhaben und für jedes Werk! 18 Ich sprach in meinem Herzen: Es geschieht wegen der Menschenkinder, damit Gott sie prüfe und damit sie einsehen, dass sie an und für sich [wie das] Vieh sind. 19 Denn das Geschick der Menschenkinder und das Geschick des Viehs ist ein und dasselbe: Die einen sterben so gut wie die anderen, und sie haben alle denselben Odem, und der Mensch hat dem Vieh nichts voraus; denn es ist alles nichtig. 20 Alle gehen an denselben Ort: Alles ist aus dem Staub geworden, und alles kehrt auch wieder zum Staub zurück. 21 Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufwärts steigt, der Geist des Viehs aber abwärts zur Erde fährt?”
Vers 17
Wir erkennen zwei Dinge: Erstens setzt hier Koh wie selbstverständlich etwas voraus: Gott ist da. Gott ist immer im Hintergrund seiner Überlegungen anwesend. Und er wird richten, ohne Ansehen der Person, den Gottlosen wie den Gerechten.
Jeremia 17,10 “Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem Einzelnen zu vergelten entsprechend seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.”
Zwar beobachtet Koh das Leben in dieser Welt (unter der Sonne!) und kommentiert es, doch sein Blick ist ebenso im Himmel (über der Sonne) gefangen. Zweitens ist sie da wieder, die Ordnung Gottes. Wir lesen ja “dort eine Zeit bestimmt” - auch im Gericht hat alles seine Zeit und seinen Platz.
Vers 18
Aber warum ist es denn so? Warum lässt Gott diesen Frevel zu? Der Prediger sieht hier eine Absicht Gottes. Der Mensch soll erkennen, dass er der restlichen Schöpfung unter der Sonne (!) nichts voraus hat. Es gibt schlussendlich keinen Unterschied. Aber warum sollte Gott das wollen? Da kommt mir ein Psalm in den Sinn: Psalm 90,12 “Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.” Wenn wir erkennen, dass wir auf uns gestellt - unter der Sonne - nichts sind, dann können wir weise werden - “weise sein” bedeutet in biblischer Sprache “auf Gott vertrauen”. Der Prediger sagt also, dass Gott so handelt, damit die Menschen ganz ihm vertrauen.
Verse 19-20
Der Prediger gibt nun eine Begründung (“Denn…”). Es zeigt sich auch, dass der Horizont des Predigers für das Gericht nicht eschatologischer Natur ist, sondern ganz einfach der Tod. Zwei Dinge haben Mensch und Vieh gemeinsam: Beide müssen sterben. Und beide sind vom Lebensatem Gottes bewohnt. Alles wird wieder zu Staub,weil es von Staub gemacht ist, und der muss in dieser Welt bleiben (unter der Sonne). Und darum ist alles nichts. Alles vergeht und verpufft und hinterlässt nur Staub - Ohnmacht pur. Das ist doch zum Verzweifeln. Ist es auch, so ganz ohne Gott …
Vers 21
Und was ist mit dem Odem, dem Lebensatem? Der geht zurück zu Gott. Von ihm kommt das Leben, und zu ihm kehrt es zurück.
Psalm 104,29–30 “verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du ihren Odem weg, so vergehen sie und werden wieder zu Staub; sendest du deinen Odem aus, so werden sie erschaffen, und du erneuerst die Gestalt der Erde.” Kohelet 12,7 “und der Staub wieder zur Erde zurückkehrt, wie er gewesen ist, und der Geist zurückkehrt zu Gott, der ihn gegeben hat.”
Alles andere würde keinen Sinn machen. Wenn der Geist ebenso zu Staub verfallen würde wie der Leib, gäbe es auch kein Gericht, gäbe es kein “über der Sonne” und alles wäre umsonst (nichtig, eitel, hebel).

Schlussfolgerung (22)

“So sah ich denn, dass es nichts Besseres gibt, als dass der Mensch sich freue an seinen Werken; denn das ist sein Teil! Denn wer will ihn dahin bringen, dass er Einsicht in das gewinnt, was nach ihm sein wird?”
Dieser ganze Vers ist durchdrungen von einem Zeugnis. Der Kohelet ist keineswegs nur in dieser Welt behaftet. Er kennt Gott und weiss um die Realität “über der Sonne”. Wer oder was bestimmt denn, was des Menschen Teil ist? Doch nur Gott! Er hat es bestimmt, dass der Mensch Freude an seiner Arbeit, seinem Schaffen haben soll (siehe letzte Predigt). Und immer, wenn der Mensch der Bestimmung Gottes folgt, gewinnt er Ruhe, Frieden - Shalom.
Im Zusammenhang mit der abschliessenden Bemerkung könnte man auch sagen, dass die Gegenwart zählt, denn die Zukunft ist dem Menschen verschlossen. Somit bleibt die Gegenwart als Einziges. Der Prediger sieht es auch als höchst unwahrscheinlich an, dass der Mensch von sich aus für sein Tun berücksichtigen kann, was “nach ihm sein wird” - im Sinne nach seinem Tod - im Gericht. Damit legt er eine grosse Wichtigkeit in die Gegenwart und was der Mensch vor Gott tut. Dass alles nichtig ist, scheint nur so, doch sobald sich der Schleier hebt und den Blick ins Jenseitige zulässt, wird das Tun in der Welt wichtig.
Somit ist das Wirkungsziel des Predigers klar: Gottesfurcht. Er ruft auf zu einem Leben in Gottesfurcht. Er tut es halt nur in einer Art, wie sie uns im Rest der Bibel nicht begegnet - sie ist uns fremd und darum gewöhnungsbedürftig. In diesem dritten Kapitel finden wir zwei Ausgestaltungen der Gottesfurcht: Erstens das Vertrauen in die ordnende Hand Gottes (1-15), und zweitens das Wissen um das göttliche Gericht (16-22), das jeden erwartet.
Diese zwei Säulen der Gottesfurcht begegnen uns in der Bibel immer wieder, von Anbeginn der Zeit, über die Propheten bis hin zu Christus. Nur in Gott zu vertrauen, und sich des Gerichts bewusst sein. In dieser Gottesfurcht finden wir Ruhe und Zuversicht:
Jeremia 29,11 “Denn ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.”
Amen
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