Andacht: Schulter an Schulter – gemeinsam standhalten

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Transcript
Einleitung:
Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Jugendlicher diesen Film gesehen habe – 300. Die Geschichte von 300 Spartanern, die sich einer riesigen Übermacht entgegenstellen. Brutal, überzogen – klar. Aber ein Bild hat sich mir eingeprägt: Diese Männer stehen Schild an Schild. Kein Spalt zwischen ihnen. Jeder schützt den neben sich. Wenn einer fällt, wird die ganze Linie schwach. Aber solange sie zusammenstehen, sind sie stark.
Und ich denke mir: Wäre Gemeinde, wäre Kirche, wäre unser Miteinander als Christinnen und Christen doch auch so. Schulter an Schulter. Nicht gegeneinander, nicht nebeneinander – sondern füreinander. Nicht jeder für sich, sondern als Einheit.
Aber oft erleben wir es anders. Verletzlich. Zerrissen. Müde. Und vielleicht vergessen wir manchmal, dass wir tatsächlich in einem Kampf stehen – geistlich gesprochen. Dass wir nicht nur zum „Drinsitzen“ berufen sind, sondern zum Stehen. Zum Standhalten. Gemeinsam.
Der geistliche Kampf – und wo er wirklich stattfindet
Paulus schreibt im Epheserbrief, Kapitel 6, dass wir als Gemeinde in einem Kampf stehen – aber nicht gegen Menschen. Unser Gegner ist subtiler. Es sind Gedanken, die uns trennen. Zweifel, die uns lähmen. Verletzungen, die unaufgearbeitet bleiben. Kräfte, die nicht sichtbar sind – und doch spürbar: in der Kälte zwischen uns, im Misstrauen, im Rückzug, in der Resignation.
Viele denken bei „geistlichem Kampf“ an moralische Krisen oder gesellschaftlichen Wandel. Aber Paulus lenkt unseren Blick nach innen. Die eigentliche Auseinandersetzung beginnt in unseren Herzen. In dem Moment, wo ich denke: „Ich zieh mich lieber zurück.“ – „Ich sag lieber nichts mehr.“ – „Ich trag das halt allein.“
Genau dort will Paulus uns wachrütteln: Erkennt, dass ihr nicht allein seid! Dass ihr nicht aufgeben müsst! Dass der Kampf real ist – aber dass ihr ihn nicht als Einzelkämpfer bestehen sollt.
Wir sind gerufen, stark zu werden – aber nicht aus uns selbst heraus. Sondern „durch die Verbundenheit mit dem Herrn“, wie Paulus sagt. Und wir sind gerufen, uns auszurüsten – nicht jeder für sich, sondern gemeinsam.
Einheit als geistliche Strategie
Was Paulus hier beschreibt, ist keine persönliche „Schutzausrüstung“ für Einzelne. Er ruft die ganze Gemeinde auf: „Zieht die Waffenrüstung Gottes an – gemeinsam!“Das „Ihr“ in diesem Text ist plural. Es geht nicht um einen Einzelkämpfer in der Morgenandacht, sondern um eine kämpfende Gemeinschaft, die gemeinsam standhält.
Denn so funktioniert geistlicher Schutz am besten: Wenn ich nicht nur meinen eigenen Schild hochhalte, sondern auch den neben mir mit schütze. Wenn mein Glaube nicht nur für mich trägt, sondern dich mitträgt – und deiner mich. Wenn wir füreinander beten, einander erinnern, einander stärken. Dann entsteht etwas, das wirklich Kraft hat: eine Einheit, die nicht durch äußere Bedrohung oder innere Spannung zerrissen werden kann.
Das Bild von der Gemeinde ist hier nicht die „heile Welt“ mit Lächeln und Kuchenbuffet – sondern die Frontlinie. Schulter an Schulter. Und je enger wir stehen, desto weniger Raum hat der Feind. Desto weniger Chancen hat Misstrauen, Stolz, Rückzug, Spaltung.
Gerade in der Allianz, in der wir aus unterschiedlichen Gemeinden, Prägungen und Traditionen kommen, ist das ein starkes Zeichen: Wenn wir sagen – wir gehören zusammen. Nicht, weil wir immer einer Meinung sind. Sondern weil wir wissen: Wir haben den gleichen Herrn. Den gleichen Auftrag. Und den gleichen Gegner.
Mut zum gemeinsamen Vorangehen
Paulus bleibt nicht bei der Verteidigung stehen. Er spricht auch von dem, was uns nach vorne bringt: Gottes Wort – wie ein Schwert – und das Gebet – unsere Verbindungslinie. Wenn wir diese beiden Dinge gemeinsam leben, dann bleiben wir nicht nur stehen – dann bewegen wir etwas. Dann wird Gemeinde nicht nur zum Rückzugsort, sondern zum Ort der Hoffnung. Zum Bollwerk gegen Angst. Zum Licht in der Dunkelheit.
Und genau dazu sind wir als Christen berufen: Nicht zu Einzelaktionen. Sondern zu einem gemeinsamen, glaubensvollen Vorangehen. In einer Zeit, die oft polarisiert, spaltet und entmutigt, dürfen wir sichtbar machen, was möglich ist, wenn Menschen in der Kraft Gottes Schulter an Schulter stehen.
Vielleicht ist es gerade das, was unsere Gemeinden, unsere Stadt, unsere Zeit heute am meisten braucht: Eine Kirche, die verbunden bleibt – im Gebet, im Wort, in der Haltung des Miteinanders. Eine Kirche, die sagt: Wir stehen. Nicht gegeneinander, sondern füreinander. Und nicht aus eigener Kraft – sondern in der Kraft Christi.
Gebet zum Abschluss
Herr Jesus Christus, du bist unser Haupt, unser Schild, unser Friede. Du hast uns nicht berufen, allein zu kämpfen, sondern als deine Gemeinde, als ein Leib, als Geschwister.
Hilf uns, wachsam zu sein – gegen das, was spaltet. Stärke uns, standhaft zu bleiben – in dem, was trägt. Und rüste uns aus – mit deiner Wahrheit, deinem Frieden, deinem Geist.
Lass uns Schulter an Schulter stehen, füreinander beten, einander schützen, gemeinsam hoffen.
Denn du gehst mit. Du kämpfst mit. Du bist bei uns – heute und alle Tage.
Amen.
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