Gottes Haus - Abendmahl
Gottes Haus • Sermon • Submitted • Presented
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· 11 viewsDas Abendmahl ist Vergangenheit (Opfer), Gegenwart (Erlösung) und Zukunft (Hoffnung) der Welt.
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Was ist das Abendmahl für dich?
Was ist das Abendmahl für dich?
Heute ist das letzte Thema in unserer Themenreihe: Gottes Haus. Wir haben darüber nachgedacht, was die erste Gemeinde ausgezeichnet hat. Sie haben evangelisiert, getauft, gebetet und Abendmahl gefeiert. All diese Dinge sind auch Teil unseres Gemeindealltags. All diese Dinge versuchen wir in unserer Gemeinde zu leben. Wir erreichen Menschen mit dem Evangelium. Wir taufen Menschen und nehmen sie in unserer Gemeinde auf. Wir beten miteinander zu Gott und reden mit ihm. Wir feiern Abendmahl und erinnern uns an Jesu Wirken hier in dieser Welt. All diese Dinge können aber zu etwas werden, das nur eine Pflicht und kein Herzensanliegen ist. Egal ob Evangelisation, Taufe, Gebet oder Abendmahl, es besteht immer die Gefahr, dass wir die Schönheit, die in alldem liegt, nicht wahrnehmen oder aufhören, sie wertzuschätzen. Es besteht die Gefahr, dass wir die Möglichkeit, Jesus in alldem zu begegnen, nicht erkennen oder uns sogar dafür verschließen. Es besteht die Gefahr, dass wir abstumpfen, innerlich verhärten oder, wie die Bibel es ausdrückt, unser Herz verstockt und wir dadurch nicht die Botschaft verstehen, die in dem liegt, was wir gerade feiern oder erleben. Wir stehen in der Gefahr, Jesus nicht mehr zu erleben. In großer Gefahr stehen dabei Dinge, die wir schon seit Jahren tun und wo wenig Neues passiert. Wo es immer die gleichen Abläufe sind und die Spannung, das Erleben eintönig ist. Das kennen wir ja nicht nur aus der Gemeinde, sondern genauso aus der Familie, wo das gemeinsame Sonntagsessen eher eine Belastung als ein schönes Beisammensein wird, auf unserer Arbeit, wo das Meeting zu Beginn der Woche, um sich auszutauschen und voneinander zu wissen, einfach nur noch nervt oder in unserer Freizeit, wo ein Hobby, das einen früher begeistert hat, einfach nur noch alltäglich ist und ich mich kaum überwinden kann, es noch zu tun. Dinge, die früher Freude oder Spaß gemacht haben, verlieren ihre Wertigkeit, indem sie zu einer Tradition werden und ihren Inhalt, ihren Sinn verlieren. Das ist Teil des Lebens und somit auch Teil des Glaubens. Es gibt dabei allerdings ein Problem. Im Glauben geht es auch in den Traditionen um die Wertschätzung eines Gegenübers. Es geht um die Wertschätzung gegenüber Jesus. Ich glaube, es gibt einen Grund, warum ausgerechnet beim Abendmahl davor gewarnt wird, dass wir es nicht unwürdig essen sollen. Es gibt einen Grund, dass davor gewarnt wird, dass das Mahl der Erinnerung an Jesus und sein Opfer seine Wertigkeit verlieren kann.
Wer auf unwürdige Weise das Brot isst
oder aus dem Becher des Herrn trinkt, muss wissen:
Er macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.
Unwürdig ist schon ein sehr starkes Wort, und es macht uns vielleicht sogar Angst, das Abendmahl einzunehmen, wenn die Chance besteht, dass wir es unwürdig essen könnten. Das Abendmahl unwürdig zu essen, bedeutet, dass wir uns nicht bewusst machen, was wir eigentlich gerade tun. Wenn wir einfach nur das Stückchen Brot in die Hand bekommen und das kleine Schnapsglas mit Traubensaft, es essen und trinken und es einfach nebenher geschieht, dann ist das unwürdig gegenüber dem, was es bedeuten soll. Das Abendmahl ist nämlich nicht einfach nur ein kleiner Snack während des Gottesdienstes, damit man es bis zum Ende schafft. Das Abendmahl sollte mehr sein, und umso öfter wir es einnehmen, ohne uns bewusst zu machen, was wir gerade tun, umso größer ist die Gefahr, dass das Abendmahl und die Begegnung mit Jesus in diesem Mahl zu einer Nebensache wird. Was bedeutet dir das Abendmahl? Wenn ich ganz ehrlich bin, dann ist es bei mir häufiger der Fall, dass es eine Nebensache ist. Häufig esse ich schnell das Stückchen Brot und trinke den Traubensaft, nachdem ich das Abendmahl an alle verteilt habe, weil ich auch einen gewissen Druck verspüre. Es fehlt die Wertschätzung für das, was es bedeutet. Es fehlt die Offenheit, um Jesus beim Abendmahl zu begegnen. Es fehlt die Erwartung, dass das Abendmahl etwas ist, was mir Hoffnung geben kann. In der ersten Gemeinde kamen die Leute täglich zusammen und haben Abendmahl gefeiert. Jeden Tag haben sie die Worte gesprochen: „Nehmt und esst! Das ist der Leib Jesu. Trinkt alle aus diesem Becher. Das ist sein Blut! Eines Tages werden wir dieses Mahl gemeinsam mit Jesus einnehmen.“ Und jeden Tag aufs Neue gab ihnen dieses gemeinsame Abendmahl Kraft und Leben. Wie haben sie das Abendmahl verstanden? Was hat es für sie ausgemacht? Wieso machen wir das nur einmal im Monat und sie jeden Tag? Es war für sie ein Mahl, das sie ausgerüstet hat für ihren Alltag, indem sie sich drei Dinge bewusst machten und erlebten, die sie tagtäglich brauchten. Sie machten sich ihre Vergangenheit bewusst. Sie machten sich ihre Gegenwart bewusst. Sie machten sich ihre Hoffnung bewusst. Es geht um das Opfer Jesu, die Erlösung Jesu, die Hoffnung Jesu. Die Botschaft des Abendmahls hat Einfluss auf unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft.
Das Brot - Inwiefern ist das Abendmahl Vergangenheit (Opfer)? - Das Gedenkmahl
Das Brot - Inwiefern ist das Abendmahl Vergangenheit (Opfer)? - Das Gedenkmahl
Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Vergangenheit durch das Brot, denn es erinnert uns an sie. Es erinnert uns daran, wer wir gewesen sind und was Jesus dafür gegeben hat.
Beim Essen nahm Jesus ein Brot.
Er lobte Gott und dankte ihm dafür.
Dann brach er das Brot in Stücke
und gab es seinen Jüngern.
Er sagte: »Nehmt und esst! Das ist mein Leib.«
Jesus hat seinen Leib für uns gegeben. Er ist das Brot. Er ist das Lebensnotwendige, das jeder Mensch braucht und durch das er versorgt wird. In ihm finden wir alles, was wir brauchen. So wie wir Brot zum Leben brauchen, brauchen wir ihn für unser geistliches Leben. In ihm ist alles, was unsere Seele ernährt. Durch seine Hingabe ist uns alles zugänglich, was wir brauchen, um geistlich versorgt zu sein. Was brauchen wir? Wir brauchen Vergebung, und dafür hat er sein Leben gegeben. Jesus wurde von Gott und den Menschen unseretwillen verlassen und starb am Kreuz. Es war um deinetwillen. Ja, vielleicht denkst du jetzt: Also meinetwegen musste es nicht sein. Ich bin ja gar kein schlechter Mensch, sondern ein guter Mensch, der ab und zu kleinere Fehler macht. Für meine Fehler hätte es kein Opfer gebraucht, sondern höchstens ein Opferchen. Es sind ja nur kleine Dinge, für die ich in meiner Vergangenheit Vergebung bräuchte. Kurz bevor Jesus mit den Jüngern das Abendmahl teilt, sagt er ihnen: Einer von euch wird mich verraten. Es waren seine Jünger. Es waren seine besten Freunde. Ihre Reaktion war nicht: Niemals! Das wird nicht passieren. Ihre Reaktion war folgende:
Die Jünger waren tief betroffen.
Jeder Einzelne von ihnen fragte Jesus:
»Doch nicht etwa ich, Herr?«
Die besten Freunde Jesu konnten nicht ausschließen, dass sie vielleicht der Verräter sein könnten. Ihnen war bewusst: In mir steckt das Potenzial zu Gutem, aber genauso auch zum Bösen. Ich bin schuldig. Ich mache Fehler. Ich bin nicht besser. Es gibt Dinge in mir, die dunkel sind. Das Abendmahl bringt Licht in dieses Dunkel. Es macht das Dunkel in uns hell. Wir essen das Brot im Bewusstsein, dass es Jesus braucht. Dass wir Jesus brauchen. Dass sein Opfer nötig war. Er kam auf diese Welt. Er wurde Mensch. Er lebte hier. Nicht weil er nicht anders konnte, sondern weil er nicht anders wollte. Denn Jesus sieht unsere dunklen Ecken. Er sieht das, was wir verbergen wollen. Er sieht, was böse in uns ist. Er möchte durch sein Opfer Licht in unsere Dunkelheit bringen, indem er sagt: Du hast Anteil an meinem Opfer. Ich habe das weggenommen, was dich von einem erfüllten Leben trennt. Ich habe dir den Weg zu Gott eröffnet, indem ich dir durch mein Leben zeigte, wie ein Leben mit Gott aussieht. Indem ich durch meinen Tod zeigte, dass ich mit dir in der Dunkelheit stehe, so wie ich im Dunkel war. Indem ich dir bewusst mache, dass du keine Angst vor Verurteilung haben musst, denn ich habe das Urteil auf mich genommen und möchte dich heilen. Du bist nicht allein in deiner Dunkelheit, sondern ich bin bei dir und mache das Licht an.
Der Kelch - Inwiefern ist das Abendmahl Gegenwart (Erlösung)? - Das Befreiungsmahl
Der Kelch - Inwiefern ist das Abendmahl Gegenwart (Erlösung)? - Das Befreiungsmahl
Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Gegenwart durch den Becher, denn er zeigt uns eine neue Identität.
Dann nahm er den Becher.
Er dankte Gott, gab ihn seinen Jüngern und sagte:
»Trinkt alle daraus!
Das ist mein Blut.
Es steht für den Bund,
den Gott mit den Menschen schließt.
Mein Blut wird für die vielen vergossen werden
zur Vergebung ihrer Sünden.
Der Becher als Zeichen für einen neuen Bund. Ein Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Dieser neue Bund, dieses neue Versprechen, wird mit dem Leben Jesu, mit seinem Blut, besiegelt. Das Blut zeigt, wie weit Gott zu gehen bereit ist. Das kann jetzt sehr brutal wirken. Es kann einen vielleicht sogar Angst machen: Wenn dieser neue Bund ein Leben kostet, was bedeutet es dann für mich? Jesus ist Gott. Das bedeutet: Gott gibt sich selbst, nicht weil Gott etwas von dir nehmen will, sondern weil er dir alles schenken will. Er kommt uns nahe und gibt alles dafür, dass wir eines verstehen: Dir ist vergeben. Egal, was du getan hast. Egal, woher du kommst. Du kannst frei von deiner Schuld und der Schuld anderer leben. Sie muss keinen Einfluss mehr auf dich haben. Du kannst sie bei Gott lassen. Er kümmert sich darum. Das Abendmahl lässt uns an unsere Vergangenheit denken, aber genauso ruft es uns dazu auf, in der Gegenwart anzukommen. Wir sollen hier sein. Wir sollen wahrnehmen, was es bedeutet, dass wir befreit sind. Was wir anderen angetan haben, was uns angetan wurde, was uns quält oder beschämt, können wir zurücklassen, denn im Abendmahl begegnet uns Jesus selbst und heilt uns. Luther drückt es sehr passend aus, wenn er zum Abendmahl schreibt:
“Hier sollst du mich finden.”
Jesus ist im Abendmahl mitten unter uns. Er ist kein Zaungast, kein Gedanke oder eine Erinnerung. Jesus selbst ist da. Sein Leben ist da. Er wird erfahrbar. Nicht nur sein Opfer im Brot, sondern auch sein Leben im Kelch. Ein Leben, das er mit uns teilen möchte. Ein Leben, das nicht endet, sondern mit seiner Auferstehung erst begonnen hat und noch heute unzählige Menschen bewegt. Es ist ein neuer Bund. Ein Bund, der uns sagt: Das Leben endet nicht mit dem Ende deines Körpers, sondern das hier ist erst der Anfang. Das Leben beginnt erst wirklich mit Jesus. Lass dich nicht von dieser Welt bestimmen, sondern von dem, was ewig Bestand hat. Lass dich bestimmen von der Liebe Gottes, die sich selbst hingibt. Die real ist. Die erfüllt. Du bist ein geliebtes Kind Gottes, das Jesus finden kann. Du kannst Jesus im Abendmahl begegnen. Er ist der Gastgeber, von dem wir das Abendmahl empfangen. Er hat uns den Tisch gedeckt. Er hat das Essen vorbereitet. Er sitzt dort am Tisch und wartet darauf, dass du zu ihm kommst und mit ihm isst. Jesus ist hier. Du wirst jetzt gerade von Jesus geliebt und kannst diese Liebe im Abendmahl erfahren.
Die Verheißung - Inwiefern ist das Abendmahl Zukunft (Hoffnung) - Das Erwartungsmahl
Die Verheißung - Inwiefern ist das Abendmahl Zukunft (Hoffnung) - Das Erwartungsmahl
Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Zukunft durch die Zusage Jesu, denn sie gibt uns eine neue Perspektive.
Das sage ich euch:
Ich werde von jetzt ab keinen Wein mehr trinken –
bis zu dem Tag, an dem ich mit euch
von Neuem davon trinken werde.
Das wird geschehen,
wenn mein Vater sein Reich vollendet hat.«
Das Reich Gottes wird vollendet werden. Gott wird sein Reich zur Vollendung bringen. Das bedeutet, dass die Welt so sein wird, wie Gott es sich vorgestellt hat. In Jesus ist das Reich Gottes auf diese Welt gekommen. Was Jesus ausgezeichnet hat, war seine Nähe zu den Verlorenen. Er hat sich um diejenigen gekümmert, die ungerecht behandelt wurden und von der Gesellschaft ausgestoßen waren. Er hat Menschen gesehen, die kein Ansehen hatten, die nicht beachtet wurden, die schwach waren. Zu diesen Menschen ist Jesus gegangen und hat sie aufgerichtet. Er hat Menschen aus den Strukturen herausgeholfen, die sie gefangen gehalten haben. Er hat die Kranken geheilt. Er hat die Traurigen getröstet. Er hat die Toten wieder lebendig gemacht. Jesus hat Frieden gestiftet. Er hat gefeiert und Freude geschenkt.
Beim Reich Gottes geht es schließlich nicht
um Essen und Trinken.
Es geht um Gerechtigkeit, Frieden und Freude,
die der Heilige Geist schenkt.
Die Umstände dieser Welt, die uns zerbrechen lassen, werden eines Tages nicht mehr sein. Eines Tages wird es keine Täter und Opfer mehr geben. Wir werden alle mit Jesus am Tisch sitzen. Wir werden in Gerechtigkeit, in Frieden und in Freude leben. Das ist die Hoffnung, die uns das Abendmahl gibt. Es wird der Tag kommen, an dem all diese Dinge nicht mehr sein werden. An dem all das, was uns kaputt macht, zerschlagen wird. An dem jeder von uns aufgerichtet wird. Das Abendmahl macht uns Hoffnung, dass wir eines Tages mit Jesus am Tisch sitzen werden und feiern, dass all das wirklich passiert ist. Das Abendmahl ist ein Vorgeschmack auf das, was einmal kommen wird: die Tischgemeinschaft mit Jesus Christus. Er wird wiederkommen. Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Vergangenheit, denn es erinnert uns an sie. Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Gegenwart, denn es gibt uns eine neue Identität. Das Abendmahl hat Einfluss auf unsere Zukunft, denn es gibt uns eine neue Perspektive.
Das Abendmahl ist etwas sehr Besonderes. Es ist ein Mahl des Erinnerns, der Befreiung und der Hoffnung. Ich habe in meinem Leben gerade einen Prozess durchgemacht, der dazu geführt hat, dass eine Sache zu etwas Besonderem wurde, was vorher einfach nur Alltag war: Kaffee. Ich weiß, ich habe schon einmal darüber gesprochen. Vorher hatte ich eine Kapselmaschine und danach einen Kaffeevollautomaten. Der Kaffee wurde dadurch zwar besser, aber noch nicht zu etwas Besonderem. Er wurde erst besonders, als ich anfing, ihn selbst zu mahlen, in meinen Siebträger einzuspannen und dann aus 19 g Kaffeepulver exakt 40 g Kaffee zu extrahieren. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir Abendmahl anders feiern, damit es zu etwas Besonderem wird. Vielleicht sollten wir das Abendmahl zelebrieren – so wie ich das Kaffee machen. Heute wollen wir das Abendmahl anders einnehmen. Ihr selbst werdet das Abendmahl empfangen – allerdings nicht von uns, sondern von Jesus. Wir haben in die Mitte des Raumes einen Tisch gestellt. An diesem Tisch ist ein Stuhl. Dieser Stuhl steht für die Gegenwart Jesu. Dort liegt ein Brot, von dem ihr euch einen Teil des Leibes Jesu abbrechen könnt. Dort steht eine Karaffe mit Saft und Becher, den ihr selbst füllen und so am neuen Bund teilhaben könnt. Auf dem Tisch liegen Zettel mit der Zusage Jesu, dass ihr eines Tages mit ihm am Tisch sitzen werdet, die ihr euch mit nach Hause nehmen könnt. Feiert das Abendmahl. Empfangt es von Jesus.
