Zeit mit Gott - 03.2025
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Mit Gewinn die Bibel lesen
Impulse für Ihre Zeit mit Gott
Jeder Tagesabschnitt bezieht sich auf eine oben angeführte Bibelstelle. Lesen Sie zunächst diesen Text und fragen Sie Gott: „Herr, was möchtest du mir heute sagen?“
Die nachfolgende Betrachtung erklärt Begriffe und Sachverhalte, entfaltet einen wichtigen Gedanken oder stellt ihn in den größeren biblischen Zusammenhang. Die dabei angeführten Bibelstellen müssen nicht alle aufgeschlagen werden. Manche belegen eine Aussage oder sind ein Angebot zur Vertiefung.
Die Leerzeilen bieten Raum für eigene Notizen. Hier können Sie wichtige Erkennt- nisse aufschreiben, aber auch Fragen oder Bibelverse, über die Sie weiter nach- denken wollen. Vielleicht möchten Sie auch ein Gebet schriftlich festhalten, besondere Termine oder ein Vorhaben notieren, das Ihnen beim Lesen wichtig wurde.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Ihnen manche Bibeltexte fremd oder unver- ständlich vorkommen. Wichtig ist, dass wir alles, was wir verstanden haben, in unser Leben einbeziehen und tun.
Wenn Sie an manchen Tagen keine Lust haben, Ihre Bibel zu lesen, ist das ganz normal. Tun Sie’s trotzdem. Glaube lebt von Gottes Wort. Es ist „Same“, der zu seiner Zeit auf- geht und seine Wirkung entfalten wird.
Was auch immer geschehen mag, wie verzagt oder auch schuldig Sie sein mögen, schreiben Sie sich diesen Satz in Herz und Sinn: „Bei Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, bin ich immer willkommen!“
Gebetsvorschlag
So können Sie Ihr Leben dem Herrn Jesus Christus anvertrauen:
Lieber Herr Jesus Christus,
danke, dass du mich liebst und das Beste für mein Leben willst. Mir ist klar geworden, dass ich mein Leben bisher selbst bestimmt habe, dass ich an dir und meinen Mitmenschen schuldig geworden bin. Das tut mir aufrichtig leid, und ich bitte dich um Vergebung. Danke, Herr, dass du die Strafe für alle meine Sünden selber bezahlt hast, indem du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich bitte dich: Sei du der Herr meines Lebens. Dir will ich vertrauen. Hilf mir, dass ich deinen guten Willen für mein Leben erkenne und danach lebe. Amen.
haben Sie auch Bibelworte, die Sie immer wieder neu bewegen? In 1. Timotheus 2,1 und 4 steht ein Wort, das mich vor Kurzem ganz neu angesprochen hat:
Am wichtigsten ist, dass die Gemeinde beständig im Gebet bleibt. Betet für alle Menschen; bringt eure Bitten, Wünsche, eure Anliegen und euren Dank für sie vor Gott. … Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen (Hfa).
Gott sagt uns hier durch Paulus, was sein Wille für alle Menschen ist und wie unser Beitrag dazu aussehen soll: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, und unser Auftrag ist die Fürbitte.
Abraham war einer, der das tat. In 1. Mose 18 lesen wir, wie er um die Rettung der Menschen in Sodom und Gomorra rang. Gott hatte Abraham eingeweiht und ihm offenbart, dass er diese beiden Städte vernichten wollte.
Die Folge davon, dass Gott ihn in seine Pläne eingeweiht hatte, war seine priesterliche Fürbitte für die durch Gericht bedrohten Städte und Menschen.
Abraham „trat in den Riss“ (vgl. Hes 22,30). Er wurde zum Fürbitter. Und Gott hörte Abraham zu und ließ sich von ihm erbitten und in seinem Handeln beeinflussen.
Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Gott sagt das nicht einfach so als Information. Gott sucht bis heute Leute, die er ins Vertrauen ziehen kann. Er sucht solche, denen es nicht reicht, selbst gerettet zu sein, sondern die nun auch für andere eintreten. Gott sucht Beter, und er sucht Zeugen seiner Rettungsbotschaft. Gott sucht Nachfolger, die sein Wort ernst nehmen und sich von seinem Wort bewegen lassen zum Beten und zum Handeln.
Das Gebet, die Fürbitte, hat Priorität als Anliegen und Aufgabe für Einzelne und für die Gemeinde. Abraham nahm diese Aufgabe wahr. Er betete schlicht und doch kühn. Er betete hartnäckig und gleichzeitig voller Ehrfurcht.
„Betet für alle Menschen“ – das ist unser Auftrag, und wir dürfen gewiss sein, unsere Fürbitte an höchster Stelle ist nicht umsonst. Wir dürfen Anteil haben an dem, was Gott tut. Der verborgene Gebetsdienst alleine und gemeinsam mit anderen ist entscheidend.
Nicht immer werden wir dann verstehen, wie Gott unser Gebet beantwortet, aber lassen Sie uns Seiner Fürsorge, Weisheit und Weitsicht trauen in dem, wie er handelt. Herzliche Grüße und Gottes Segen
Ihre
und das Team von „Zeit mit Gott“
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Biblische Themen und Texte
01.07. – 14.07. Gott füllt mein Herz mit Freude – Teil 1: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ ............................ S. 3
15.07. – 22.07. Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher –
Teil 4 (1. Thessalonicher 4,1-12) .................................................................S. 17
23.07. – 03.08. Mose – Gott führt und befreit sein Volk –
Teil 2 (2. Mose 3,1-22) ........................................................................................S. 25
04.08. – 08.08. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von der Aussendung der Jesus-Jünger
(Lukas 9,10-17) ..........................................................................................................S. 37
09.08. – 12.08. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von Jesus, dem barmherzigen und zugleich machtvollen Herrn
(Lukas 9,10-17) ..........................................................................................................S. 42
13.08. – 22.08. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von den Grundlagen der Jesus-Nachfolge (Lukas 9,18-26) ..................... S. 46
23.08. – 03.09. Sicherheit in unsicheren Zeiten – Psalm 91 ................................... S. 56
04.09. – 17.09. Der Glaube – Geschenk und Aufgabe zugleich –
Teil 1 (1. Mose 11,27 - 16,16) .......................................................................S. 68
18.09. – 30.09. Unter der guten Hand Gottes –
Das Buch Esra (Esra 1,1 - 5,1) ......................................................................S. 82
Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................S. 95
Impressum ....................................................................................................................S. 96
Gott füllt mein Herz mit Freude –
Gott füllt mein Herz mit Freude –
Di. 01.07. Teil 1: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ Psalm 4,7.8
Di. 01.07. Teil 1: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ Psalm 4,7.8
Freude – ein Geschenk
Haben Sie sich heute schon gefreut? Oder erinnern Sie sich an einen Moment, in dem Sie richtig glücklich waren? Dann machen Sie es wie David: „Ich will den Herrn loben und nie vergessen, wie viel Gutes er mir getan hat“ (Ps 103,2 Hfa; lies Ps 103,1-4). Wie David leben auch wir in einer Zeit, in der die Sorgen um Zukunft, Frieden und Sicherheit die gesellschaftliche Stimmung überschatten. „Viele klagen: ‚Was haben wir noch Gutes zu erwarten?‘ “ (Ps 4,7a GNB). Wo bleibt da die Freude?
Nach wissenschaftlichen Studien ist Freude ein wesentlicher Bestandteil unserer mentalen und physischen Gesundheit. Freude stärkt das Immunsystem, verbessert die Herzgesundheit, begünstigt den Stressabbau, unterstützt Beziehungen, fördert Kreativität und Motivation … Zur Steigerung der Lebensfreude empfiehlt sich ein gesunder Lebensstil, die Pflege sozialer Beziehungen, der dankbare Genuss kleiner Freuden, das Ausblenden der Sorgen und vieles mehr.
Doch kann man mit solchen Strategien bleibende Lebensfreude entwickeln – vor allem in Zeiten der Kraftlosigkeit? Ist Freude nicht vielmehr ein Geschehen in unserem Herzen, das wir geschenkt bekommen? David erlebte es gerade in notvollen Stunden: „Du hast Freude in mein Herz gegeben“ (V. 8).
Menschen, die ihr Leben in die Hände des allmächtigen Gottes gelegt haben, dürfen erfahren: Der Schöpfer des Lebens kann auch in schweren Zeiten das Herz mit Freude erfüllen. Das bezeugt David selbst in großer Todesnot (lies Ps 30,12.13). Wir finden es auch bei Hanna, die zuvor Kinderlosigkeit und Mobbing ertragen musste (1Sam 2,1).
Und der Psalmbeter Asaph bekennt: „Wenn auch meine Kräfte schwinden und mein Körper mehr und mehr verfällt, so gibt doch Gott meiner Seele Halt. Er ist alles, was ich brauche – und das für immer! … Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn“ (Ps 73,26.28 NGÜ/LUT).
Mi. 02.07. Nehemia 12,27.43; Psalm 9,1-3 Freude – nur erhebende Emotionen?
Mi. 02.07. Nehemia 12,27.43; Psalm 9,1-3 Freude – nur erhebende Emotionen?
Die Loblieder beim Einweihungsfest der Stadtmauer waren so überwältigend, dass man die Freude weit über Jerusalem hinaus hören konnte.
Kennen Sie die erhebenden Momente bei den Klängen eines Oratoriums von Johann Sebastian Bach? Oder man denke an die Freude, die uns beim Pfingstjugendtreffen in Aidlingen überströmte, als wir im großen Zelt mit mehr als 6000 Jugendlichen sangen: „Aber der Herr ist immer noch größer, …“ Ja, es kommt Freude auf, wenn wir in großer Gemeinschaft miteinander singen und Gott loben (vgl. Ps 22,26). Doch was ist an den anderen Tagen?
„An guten Tagen ist es leicht, zu loben, wenn leuchtend mir die helle Sonne lacht … Doch wenn ich meine Schwachheit schmerzlich fühle, wenn unter Seufzen nur die Nacht vergeht. Dein Lob, o Gott, mir in der dunklen Stille nicht froh und leicht von meinen Lippen geht.“
Die Dichterin* dieses Liedes spricht von einer Erfahrung, die viele kennen. Sie machte aus ihrer Not ein Gebet. Wenn Sie die Psalmworte lesen, die den folgenden Liedzeilen zugeordnet sind, entdecken Sie den starken Trost, der darin steckt.
„Mein Gott und Herr, hilf mir doch zu bedenken,
dass deine Liebe auch in Nächten da. Psalm 23,4
In deine Liebe will ich mich versenken und fest dran halten, dass du mir ganz nah. Psalm 73,28 So hilf mir, aus der Tiefe dich zu loben, Psalm 30,2 der immer noch sich zu mir niederneigt. Psalm 88,2.3 Mein Leben soll dich durch Vertrauen ehren. Psalm 34,5.6
Zum Lobpreis öffne Herz und Lippen mir.“ Psalm 51,17
So kann Gott auch in dunklen Zeiten eine stilles „Dennoch-Lob“ schenken.
* Schwester Helga Winkel (1926–2016) hatte zeitlebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Trotz schwerer Zeiten schenkte Gott ihr viele Lieder, durch die sie die Freude in Jesus erfuhr. Diese Freude, die sie stärkte und trug, wollte sie auch anderen weitergeben.
Do.
03.07.
Psalm 5,12; Philipper 4,4
Der Gott der Freude
Die Worte „Freude, freuen, fröhlich sein“ kommen in der Bibel häufig vor. Doch sie beinhalten viel mehr als Heiterkeit, Lachen, Spaß … oder was man sonst oft unter Freude versteht. Die Bibel bezeugt: Der lebendige Gott ist ein Gott der Freude. In seiner Gegenwart ist eine Herrlichkeit, die wir Menschen nicht fassen können.
• Gottes himmlischer Wohnort ist von Freude erfüllt.
„Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht“ (Ps 16,11b). – „Der Herr aber hat den Himmel geschaffen! Majestät und Pracht gehen von ihm aus, seine Stärke und Freude erfüllen den Ort, wo er wohnt“ (1Chr 16,26b.27 Hfa; vgl. Offb 5,11-13).
• Gott freut sich über seinen Sohn.
In ihm schickte Gott seine Freude auf die Erde (Lk 2,10.11). Als er in den Jordan hinabstieg, um sich von Johannes taufen zu lassen, bestätigte ihn der Vater vom Himmel her: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen (Freude) habe“ (Mt 3,17). Mit denselben Worten stärkte ihn der Vater auf seiner letzten Wegstrecke. Drei seiner Jünger durften für einen Moment etwas von seiner Herrlichkeit schauen und Gottes Stimme hören: „Dies ist mein geliebter Sohn, über den ich mich von Herzen freue. Auf ihn sollt ihr hören“ (Mt 17,5 Hfa; lies Joh 1,14; 2Petr 1,17).
Mit Jesus schickte uns Gott sein größtes Freudengeschenk: Er kündete es durch seine Propheten an (Jes 9,1.2), entfaltete es in Bethlehem (Lk 2,10.11) und vollendete es im stellvertretenden Tod (Joh 19,30), in der Auferstehung (Mt 28,5-8) und Himmelfahrt seines Sohnes (Lk 24,51.52).
„Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet’s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.“*
* Johann Ludwig Konrad Allendorf (1693–1773) war Pädagoge, Pfarrer und Dichter von Kirchenliedern.
Fr.
04.07.
Psalm 104,24-28.31-33
• Gott freut sich über seine Schöpfung.
„Der Herr wird sich an seinen Werken freuen!“ (Ps 104,31b SCHL) Im ersten Kapitel der Bibel hören wir am Ende jedes Schöpfungstages Gottes Freude heraus über das, was er geschaffen hat (1Mose 1,4.10.12.18.21.25). Und nach der Vollendung heißt es: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1Mose 1,31). In der Größe und Schönheit des Universums offenbart Gott den Menschen seine unendliche Macht und Herrlichkeit. Gott freut sich, wenn wir ihn in den Wundern seiner Schöpfung erkennen und uns über ihn freuen. „Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine ewige Macht und göttliche Majestät sehen und erfahren können“ (Röm 1,20 Hfa). Unter allen Wundern der Schöpfung nimmt der Mensch eine besondere Rolle ein: Psalm 8,5-9. Darum gilt auch dieses:
• Gott freut sich über seine Menschen.
„Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein“ (Zef 3,17; vgl. Jes 62,5b). Gott freut sich über dich! Manchmal fällt es uns schwer, das zu glauben. Ein Gebet von David kann uns helfen. Vielleicht beten Sie es gern mit: Psalm 139,5.6.13-16.
„Vergiss es nie: Dass du lebst war keine eigene Idee, und dass du atmest, kein Entschluss von dir.
Vergiss es nie: Dass du lebst, war eines anderen Idee, und dass du atmest, sein Geschenk an dich.
Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.
Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du. Das ist der Clou, …“
(Jürgen Werth)
Sa.
05.07.
Jeremia 32,37-41; Apostelgeschichte 14,17; Jakobus 1,17
• Gott freut sich, seinem Volk Gutes zu tun.
„Es wird mir Freude bereiten, ihnen Gutes zu tun“ (Jer 32,41a Hfa). Mit diesen Worten verspricht Gott seinem Volk Gnade zu einem Neuanfang. Und weil Gottes Gnade kein Ende hat, gilt immer noch: Gott freut sich, uns Gutes zu tun (vgl. Klgl 3,22.23; Ps 34,9). Dazu gehört auch das Geschenk seiner wunderbaren Schöpfung.
Im Religionsunterricht staunten die Kinder meiner Grundschulklasse darüber, wie Gott die Schöpfung Tag um Tag vollkommener machte. Sie entdeckten: „Gott hat die Erde zuerst schön gemacht, bevor er die Menschen geschaffen hat. Als sie in die Welt kamen, war alles schon da: Sonne, Mond und Sterne, Tag und Nacht, Wasser zum Leben, Pflanzen zur Nahrung und die Tiere als Helfer und zur Freude der Menschen. Erst als alles fertig war, konnten die Menschen einziehen und sich an ihrer schönen Erde freuen.“ Aus dieser Freude heraus entstanden zu allen Zeiten Lieder, die Gottes Schöpfung besingen.
• Gott freut sich, wenn wir ihn mit Liedern loben (Ps 22,4; 47,6.7).
Darum ergänzen wir dieses Thema immer wieder mit Liedtexten. In diesen Sommerwochen lädt uns eines der bekanntesten geistlichen Lieder zum Mitsingen ein:
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissen und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.
Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder.“*
* Paul Gerhardt (1607–1676), „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, Strophe 1 bis 3.
So.
06.07.
Psalm 104,1-24.31-33
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud“
Wie der Sänger dieses Psalms malt uns auch Paul Gerhardt die Schönheit der Schöpfung vor Augen. Er weiß, dass es gerade an freudlosen Tagen guttut, an die frische Luft hinauszugehen und das Gesicht der Sonne entgegenzuhalten. Dazu muss man sich manchmal einen inneren Ruck geben. Paul Gerhardt tut es, indem er sein Herz direkt anspricht und sich selbst auffordert, ja, geradezu befiehlt: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“! Unter der Weite des Himmels kann das Herz aufatmen und sich über große und kleine Schöpfungswunder freuen:
„Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen.
Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte.“
Viele von uns haben den Wald und die Wiesen vielleicht nicht vor ihrer Haustür. Aber auch beim Bummel durch den Stadtpark oder entlang der bunten Vorgärten kann man etwas zum Freuen entdecken. Oder man macht einen „Spaziergang“ durch Gottes Wort. Viele Stellen in der Bibel erinnern an Gottes Güte, mit der er uns erfreut (vgl. Ps 36,8-10). Manche dieser Impulse hat Paul Gerhardt in seinem Lied „versteckt“ (vgl. Ps 42,2; 84,4; 91,4; Jes 35,6; Jer 8,7; Mt 23,37). „Wie gut ist es, dir, Herr, zu danken und deinen Namen, du höchster Gott, zu besingen“ (Ps 92,2 Hfa). Paul Gerhardt hatʹs gemacht:
„Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“*
* Paul Gerhardt, „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, Strophe 4, 7 und 8.
Mo. 07.07. Römer 15,11.13; 2. Korinther 8,7.9 Freude an Gottes besonderen Gaben
Mo. 07.07. Römer 15,11.13; 2. Korinther 8,7.9 Freude an Gottes besonderen Gaben
Manchmal liegen dunkle Schatten auf unserer Seele, die blind machen für die Schönheit der Natur. Wer seine Wohnung nicht mehr verlassen kann oder dauerhaft bettlägerig ist, fragt vielleicht: „Geh aus mein Herz und suche Freud“? Wie soll ich das denn machen? Die Traurigkeiten des Lebens vergehen nicht durch den Blick auf bunte Sommerwiesen. Das wusste auch Paul Gerhardt. Es ging ihm um mehr als einen fröhlichen Sommerausflug. Darum schickte er nicht seine Füße los, sondern sein Herz!
Gott will uns überreich beschenken mit Gaben, die viel größer sind als die Schätze der Natur. Gottlob Lachenmann* bringt es auf den Punkt:
„Es sind der Gaben auf Erden viel, nur Jesus haben, führt uns zum Ziel.
Mein Herz ist fröhlich und freuet sich in dir, mein Heiland, ich hab ja dich!“
Diese Liedstrophe erinnert mich an eine alte Dame, die in einem kleinen Schwarzwalddorf lebte. Sie konnte schon lange nicht mehr durch die Wiesen und Wälder gehen und den Tannenduft einatmen. Körperlich schwer eingeschränkt, lag sie meist in ihrem Bett. Als ich zum ersten Mal ihre Dachstube betrat, war ich überrascht. Sie winkte mir fröhlich entgegen: „Ich war heute schon in China und Afrika!“ Sie zeigte auf die vielen Fotos von Missionaren, mit denen sie die Wände neben ihrem Bett „tapeziert“ hatte. Diese Frau schickte jeden Tag und in den Nächten ihr Herz hinaus zu Menschen in aller Welt, die ihre Gebetsunterstützung brauchten. Sie hatte „Gottes Gaben“ gefunden in der Gemeinschaft mit Jesus und denen, die zu Ihm gehören. Die Freude, die sie im Aufblick zu ihrem Heiland fand, strahlte über ihr kleines Zimmer hinaus (lies Ps 34,6.9). Oft bekam sie Besuch von Menschen, die ihre Herzenslasten bei ihr ablegten und im gemeinsamen Gebet zu neuer Freude fanden. Lies Epheser 6,18.19; 1. Thessalonicher 5,11.
* Gottlob Lachenmann (1845–1935) war städtischer Kapellmeister in Reutlingen, später Musiklehrer an den Gustav Wernerschen Anstalten (heute: BruderhausDiakonie).
Di.
08.07.
Römer 8,28.31-39; Apostelgeschichte 16,16-26
Lobgesänge in der Nacht
Paul Gerhardt wuchs in den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) auf. Als Sechzehnjähriger hatte er schon beide Eltern verloren. Während seines Theologiestudiums in Wittenberg erlebte er den vernichtenden Ausbruch der Pest. Seine Heimatstadt Gräfenhainichen – auch sein Elternhaus – war bei seiner Heimkehr nach dem Studium fast völlig abgebrannt. Wie konnte Paul Gerhardt in diesen Erschütterungen Lieder dichten? Die Situation in seiner Zeit erinnert an die Worte aus dem Buch Hiob, die bis heute aktuell sind: „Man schreit wohl über die Menge der Bedrückungen, klagt laut über die Gewalttätigkeit der Großen, doch keiner sagt: ,Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Lobgesänge schenkt in der Nacht?‘ “ (Hiob 35,9.10 MNG). Paul Gerhardt kannte die Antwort auf diese Frage. Wie der Beter von Psalm 119 fand er die Kraft und den Mut, seinem Vater im Himmel auch in dunklen Zeiten zu vertrauen und zu singen, allein in Gottes Wort: „Ich aber werde deine Ordnungen besingen, solange ich ein Gast auf dieser Erde bin. … sogar in der Nacht denke ich an dich, mitten in der Nacht stehe ich auf, um dir zu danken“ (Ps 119,54.55.62 Hfa). „So wunderbar tröstet Gottes Wort, dass er dem Frommen mitten im Elend Lieder in den Mund legt“ (H. Lamparter). So auch dieses Lied zum 8. Kapitel des Römerbriefs:
„Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?
Kein Hunger und kein Dürsten, kein Armut, keine Pein, kein Zorn der großen Fürsten soll mir ein Hindrung sein.
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“*
* Paul Gerhardt, „Ist Gott für mich, so trete“, Strophe 1 sowie Zeilen aus Strophe 11 und 13.
Mi.
09.07.
Psalm 16,1.2.5-11; 92,2-5
Wenn Freude das Herz zum Singen bringt
Als Zentrum des Blutkreislaufs transportiert unser Herz ununterbrochen den lebensnotwendigen Sauerstoff durch den Körper. Diese Höchstleistung kann es nur vollbringen, wenn es selbst gut mit Sauerstoff versorgt ist.
Geistlich gesehen ist das Herz die Mitte unserer Person, der Ort, wo unser Fühlen, Wollen und Denken zu Hause ist, wo uns Kummer und Freude bewegen (vgl. Ps 28,7), unser Gewissen schlägt (vgl. 1Sam 24,6), Entscheidungen getroffen werden (vgl. 1Kön 8,61) und Beziehungen verankert sind (vgl. 1Sam 18,1). Um lebendig und stark zu bleiben, braucht unser Herz den „Sauerstoff“ der Freude in Gott.
„Wenn Gott unser Herz berührt, fängt es an zu singen“ (H. Ahrens*). Das erlebte schon David: „Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut“ (Ps 13,6; vgl. Ps 57,8).
Auch Paul Gerhardt spricht in seinen Liedern oft von der Freude, die sein Herz zum Singen bringt. Manchmal spricht er sogar sein Herz direkt an: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“! Schon am Morgen ermutigt er sein Herz: „Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge“. Und am Ende eines langen Tages tröstet er sein Herz mit der Vorfreude auf den ewigen „Feierabend“ bei Gott:
„Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, dass nun zum Ende die Arbeit kommen sei. Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei.“**
Es verändert unsere Tage, wenn wir sie mit Gottes Wort, Gebet und vielleicht sogar einem Lied am Morgen beginnen und am Abend beschließen. „Herr, es macht Freude, dir zu danken, dich, den Höchsten, mit Liedern zu preisen, frühmorgens schon deine Güte zu rühmen und nachts noch deine Treue zu verkünden“ (Ps 92,2.3 GNB; vgl.
1Chr 23,30).
* Hanna Ahrens (1938–2024) war Pastorin und Schriftstellerin.
** Paul Gerhardt, „Nun ruhen alle Wälder“, Strophe 5.
Do.
10.07.
Psalm 34,2-9
Lieder, die zu Herzen gehen
„Ich will den Herrn loben allezeit; … dass es die Elenden hören und sich freuen“ (V. 2.3). Diese Worte Davids* könnte man auch über das Lebenswerk von Paul Gerhardt setzen. Als bedeutendster deutschsprachiger Kirchenlieddichter schrieb er etwa 130 Lieder. Heute, 400 Jahre danach, finden wir noch 26 davon im Evangelischen Gesangbuch. Dass diese Lieder bei den Menschen so gut ankamen, verdanken sie auch Johann Crüger**, der Paul Gerhardts Texten Melodien gab, die die Herzen berührten. Durch die Verbreitung von Johann Crügers Liederbüchern wurden auch Paul Gerhardts Lieder bekannt.
„Ich will den Herrn loben allezeit“ – so schuf auch Paul Gerhardt Lieder für alle Zeiten und Lebenssituationen.
• Zu Weihnachten singt er von der Freude über die Geburt des Retters Jesus: „Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen“ (Lk 2,20).
• Zur Passion dankt er Jesus für sein Opfer am Kreuz: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld …“ (Joh 1,29).
• Zu Ostern verbreitet er Auferstehungsfreude: „Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschieht; …“ (Joh 20,20).
• In Sorgenzeiten ermutigt er: „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt“ (Ps 37,5).
• Für jeden Tag des Jahres lädt er zum vertrauensvollen Singen ein:
„Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut“*** (Apg 2,26a).
Sind Sie neugierig geworden auf die kompletten Texte dieser Lieder? Ein Blick in Ihr Gesangbuch oder Gemeindeliederbuch lohnt sich in jedem Fall.
* 73 der 150 Psalmen werden dem Psalmdichter David zugeschrieben.
** Johann Crüger (1598–1662), Musiker und Kantor der Nikolaikirche in Berlin, veröffentlichte 1647 in seinem Gesangbuch „Praxis pietatis melica“ erstmals 18 Lieder von Paul Gerhardt, in der folgenden Ausgabe von 1653 bereits 82.
*** Paul Gerhardt, „Ich singe dir mit Herz und Mund“, Strophe 13.
Fr.
11.07.
2. Korinther 4,16-18; Offenbarung 21,1-5
Trotzdem Freude!
Ab 1651 erlebte Paul Gerhardt als Probst in Mittenwalde die glücklichste Zeit seines Lebens. Er heiratete und freute sich mit seiner Frau auf das erste Kind. Und er dichtete viele Lieder. Doch acht Monate nach der Geburt der Tochter schrieb die junge Mutter in ihre Bibel: „Maria Elisabeth stirbt. Herr, nun nimmst du meines Herzens Freude.“
„Unter jedem Dach ein Ach!“ – so beschrieb jemand die Nöte in seinem Wohnort. Mit diesem Seufzer beginnt auch Paul Gerhardt den zweiten Teil seines bekannten Sommerliedes. Er weiß: Die schöne Natur, die er im ersten Teil besingt, ist noch nicht das Paradies (vgl. Röm 8,19-22), sondern nur die „arme Erde“:
„Ach, denk ich, bist du hier so schön und lässt du’s uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden: was will doch wohl nach dieser Welt dort in dem reichen Himmelszelt und güldnen Schlosse werden!“
Paul Gerhardt richtet seinen Blick über das Sichtbare hinaus auf die Herrlichkeit der unsichtbaren Welt. Er singt von der ewigen Freude in Gottes Herrlichkeit, obwohl er weiß: Sie kommt erst „nach dieser Welt“, wenn wir von dem drückenden „Joch“ unserer Lebenslasten befreit sein werden (vgl. Mt 11,28-30).
„Doch gleichwohl will ich, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen.“
„Denn auf dieser Erde gibt es keine Stadt, in der wir für immer zu Hause sein können. Sehnsüchtig warten wir auf die Stadt, die im Himmel für uns erbaut ist. Wir wollen nicht aufhören, Gott im Namen von Jesus zu loben und ihm zu danken“ (Hebr 13,14.15 Hfa; lies Joh 14,1-3).
* Paul Gerhardt, „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, Strophe 9 und 12.
Sa.
12.07.
Offenbarung 2,7; 22,1-5
Das neu geschenkte Paradies
„Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein! Wie muss es da wohl klingen, da so viel tausend Seraphim mit unverdrossnem Mund und Stimm ihr Halleluja singen.“
Paul Gerhardt schaut weg von den Gärten dieser Erde, hin zum „Garten Christi“, vom Dunkel der Welt zum hellen Schein der Ewigkeit, von den Klageliedern dieser Welt zum Lobgesang der Seraphim* (vgl. Offb 4,8). Und doch sind seine Worte kein Ausdruck schwärmerischer Weltflucht. Als Pfarrer der Nikolaikirche in Berlin ging Paul Gerhardt standhaft einen harten Weg. Weil er aus Gewissensgründen dem Toleranzedikt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm nicht zustimmte, wurde er 1666 seines Amtes enthoben. Darüber hinaus ging er in dieser angespannten Zeit durch tiefe Trauer: Drei weitere seiner Kinder starben. Das Schmerzlichste aber war der Tod seiner geliebten Frau nach nur dreizehn Ehejahren.
Die Hoffnung, die Gott ihm trotz schwerer Nöte schenkte, gab er weiter an die Menschen seiner Zeit. Er brachte ihnen die frohe Botschaft:
• Die Tür zum Paradies, die durch die Sünde verschlossen war, steht wieder offen (vgl. 1Mose 2 und 3; Joh 3,16.17; 10,9a).
• Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz den Weg zum Himmel frei gemacht (vgl. Joh 14,6; 1Petr 2,24).
• Nun darf jeder zu ihm kommen. Sogar dem Verbrecher, der neben ihm am Kreuz seine Schuld bekannte, versprach Jesus: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (lies Lk 23,42.43; Joh 6,37).
„Erwähle mich zum Paradeis und lass mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen.“**
* S eraphim sind Engel, die in besonderer Beziehung zur Heiligkeit Gottes stehen
(siehe Jes 6,1-7).
** Paul Gerhardt, „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, Strophe 10 und 15.
So.
13.07.
Philipper 3,20.21; Psalm 92,13-16
Bürger zweier Welten
Wir könnten verstehen, wenn Paul Gerhardt im Laufe seines schweren Lebens ein Mann mit einem gebrochenen Herzen geworden wäre. Stattdessen sehen wir einen mutigen Zeugen des Glaubens, der seinen Weg als „Bürger zweier Welten“ ging: mit dem Herzen im Himmel und mit beiden Beinen auf der Erde. Er wusste: „Unsere Heimat ist im Himmel!“ (vgl. Hebr 13,14). Doch gab er seine Verantwortung in dieser Welt nicht vorzeitig ab, sondern blieb dem Auftrag treu, zu dem Gott ihn berufen und begabt hatte.
„Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.
Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.“*
Wie ein standfester Baum blieb Paul Gerhardt auch in Lebensstürmen tief in Gott und seinem Wort verwurzelt (lies Ps 1,1-3; Jer 17,7.8). So blühte selbst in den Dürrezeiten des Lebens, in Mangel und Anfechtung, etwas auf. Gott schenkte reiche Frucht – vor allem durch seine Lieder, die bis heute zahlreichen Menschen weltweit Kraft und Hoffnung geben. Lies Johannes 15,5.16.
In der festen Verbindung mit dem auferstandenen Herrn und gestärkt durch Seinen Geist können auch wir unser Leben tief in Gott verwurzeln – jeder an dem Platz und in dem Auftrag, den Gott ihm gegeben hat. „Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, ... und seid reichlich dankbar“ (Kol 2,6.7).
* Paul Gerhardt, „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, Strophe 13 und 14.
Mo.
14.07.
Epheser 1,3-6.12a; Matthäus 5,14-16
„Zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit!“
„Mit all dem sollte Gottes herrliche, unverdiente Güte gepriesen werden, die wir durch seinen geliebten Sohn erfahren haben“ (Eph 1,6 Hfa) – das ist der wunderbare Sinn eines Christenlebens.
Dazu muss man weder Pfarrer noch Liederdichter sein wie Paul Gerhardt. Durch Jesus sind wir Licht in dieser dunklen Welt. Wir dürfen seine Herrlichkeit widerspiegeln, indem wir Ihn, Seine Liebe, Seine Worte und Taten anschauen und uns dadurch prägen lassen (lies 2Kor 3,18). Das geschieht in der Regel ganz leise, ohne dass wir selbst es merken, zum Beispiel, wenn andere sehen, dass wir auch in unsicheren Zeiten getrost auf Gottes Fürsorge und Hilfe vertrauen (vgl. 1Petr 5,7). Oder wenn wir weitersagen, wer Jesus ist und wie seine Gnade unser Leben verändert (Röm 5,1.2); wenn wir zu unseren Fehlern stehen und Schuld zugeben können, weil Jesus sie uns abnimmt und vergibt (vgl. Röm 4,7; 1Joh 2,12). Und wenn wir die Liebe, die Jesus uns schenkt, an andere weitergeben – „zum Lobpreis Seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,12a MNG; lies Joh 13,34.35; 1Joh 4,19).
Paul Gerhardt folgte nach seiner Amtsenthebung einer Berufung als Archidiakonus* in das kleine Dorf Lübben im Spreewald. 1676 starb er dort im Alter von 69 Jahren. Nun durfte er schauen, was er schon Jahre zuvor in Worte gefasst hatte:
„Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende, nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht. Freude die Fülle und selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht’.“**
* I n der evangelischen Kirche wurde der zweite ordinierte Theologe einer Pfarrgemeinde „Archidiakonus“ genannt. Bis ins 19. Jahrhundert durfte nur der Hauptprediger der Gemeinde den Titel „Pastor“ bzw. „Pfarrer“ tragen.
** Paul Gerhardt, „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“, Strophe 12.
Di. Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher – Teil 4
15.07. (1. Thessalonicher 4,1-12)
1. Thessalonicher 4,1
Bereitwillige Hingabe
Paulus, Silvanus und Timotheus schreiben an die von ihnen gegründete Gemeinde in Thessalonich, die unter Verfolgung steht. Mit Kapitel 1 bis 3 des ersten Thessalonicherbriefes haben wir uns bereits intensiv beschäftigt.
Den Auftakt von Kapitel 4 bildet ein zentraler Wunsch, den Gott an uns hat: die vertiefte Hingabe an ihn. „Dass ihr darin immer vollkommener werdet“ bzw. „dass ihr darin noch reichlicher zunehmt“, legen die Verfasser den Empfängern nahe. Dabei berufen sie sich auf Jesus Christus.
Wie bitte: noch vollkommener leben, „um Gott zu gefallen“? Fälschlicherweise könnte man bei dieser Aussage eine Art Leistungsdruck empfinden. Aber darum geht es gar nicht. Gefragt ist meine innere Haltung: Bin ich bereit, mein Herz ganz auf Gott auszurichten? Oder tummeln sich geheime Regungen in verborgenen Schlupfwinkeln? Gefragt ist zweitens meine Entschlossenheit: Bin ich bereit, mein Leben Gott ganz zur Verfügung zu stellen? Oder gebe ich eigenen Vorstellungen und Sehnsüchten den Vorrang?
Das alles ist nur durch die Liebe von Jesus zu uns möglich: „Er ist deshalb für alle gestorben, damit die, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und zu neuem Leben erweckt worden ist“ (2Kor 5,15 NGÜ). „Er (Christus) bittet um alles, aber erst, nachdem er selbst alles für uns gegeben hat. Deine Rolle ist es, einfach dem Herrn Jesus Christus zu gehorchen und seinen Prinzipien für dein Leben zu folgen. Er wird dich gebrauchen. ... Frage den Herrn, was er heute von dir erbittet. … ob es etwas gibt, das du dem Herrn vorenthältst. Gib es ihm heute! Gib ihm dein Leben! … Alles zu geben, bringt die Erfahrung tiefen Friedens“ (L. Palau*; vgl. Röm 12,1; Phil 3,7-11).
* Luis Palau (1934–2021) war ein international tätiger Evangelist.
Mi.
16.07.
1. Thessalonicher 4,1-3a
Zunehmende Umgestaltung
Wenn sich ein Mensch Gott ganz zur Verfügung stellt, bekommt Gott Handlungsspielraum. Wir können nicht ahnen, was er in und durch einen solchen Menschen tun kann! Gott möchte in diesem Menschen wirken zur persönlichen Veränderung (2Kor 3,18), und er möchte durch diesen Menschen wirken zur Rettung der Welt (1Tim 2,4). Beides geht Hand in Hand und Schritt für Schritt.
Unser Schwerpunkt liegt heute auf dem ersten Punkt. Bereits bei der Schöpfung erhielt der Mensch die einzigartige Auszeichnung: Ebenbild Gottes. Aufgrund des Sündenfalls wurde dieses Bild völlig verzerrt. Aber Gott hält an seinem Ziel fest, den Menschen wieder in sein Ebenbild umzugestalten. Wie kann das geschehen?
1. Indem wir ihn anschauen: „Wir alle sehen mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit des Herrn. Wir sehen sie wie in einem Spiegel, und indem wir das Ebenbild des Herrn anschauen, wird unser ganzes Wesen so umgestaltet, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen. Diese Umgestaltung ist das Werk des Herrn; sie ist das Werk seines Geistes“ (2Kor 3,18 NGÜ). 2. Indem wir uns an Gottes Willen ausrichten: „Und richtet euch nicht nach den Maßstäben dieser Welt, sondern lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten, sodass ihr prüfen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob es Gott gefallen würde und ob es zum Ziel führt“ (Röm 12,2 NeÜ).
Diese Umgestaltung wird auch Heiligung genannt: wir sollen dem heiligen Gott ähnlicher werden. Solange wir leben, wird dieser Entwicklungsprozess nie abgeschlossen sein. Es gibt ein immer noch „Vollkommener-Werden“ (1Thess 4,10b). Das ist unsere wunderbare Aussicht.
Also: Dranbleiben! Nicht stehen bleiben und stagnieren! Und, falls doch: neu mit Gott weitermachen. „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1Thess 4,3a).
Do.
17.07.
1. Thessalonicher 4,1-5
Konkrete Umsetzung (1)
Die Heiligung betrifft alle Bereiche unseres Lebens. Unser natürliches Denken, Fühlen und Handeln soll vom Geist Gottes durchdrungen werden.
Dazu führen die Verfasser vier Bereiche an:
1. Sexualität und Ehe: Verse 3b-5; 2. Handel: Vers 6; 3. Liebe unter Christen: Verse
9.10; 4. Alltagsgestaltung: Verse 11.12.
Wie geschieht die Umwandlung? Indem wir Gott anschauen und uns an Gottes Willen ausrichten. Dazu hat Gott uns Richtlinien geschenkt, an denen wir uns orientieren können: die Zehn Gebote und weitere Anweisungen. Sie stellen keinen Regelkatalog zum „Abarbeiten“ dar. Im Gegenteil, Gott sehnt sich danach, dass wir aus Liebe tun, was ihm gefällt. „Liebe aber denkt nicht an die kühle Erfüllung notwendigster Verpflichtungen und weiß nichts von einem mittelmäßigen, leicht zu erreichenden Ziel. Liebe will die ganze Fülle, … Auch hier wird deutlich, dass es nicht mehr um ,Gesetze‘ geht, mit denen man durch entsprechende Leistungen ,fertig‘ werden kann, sondern um ein neues Leben nach dem Herzen Gottes und Jesu“ (W. de Boor).
Im Folgenden gehen wir auf die im Text genannten Lebensbereiche näher ein: 1. Sexualität und Ehe: Kaum ein Lebensbereich ist so angefochten und umkämpft wie die Sexualität. Sie ist das beliebteste Einfallstor Satans und ein heftiges Streitobjekt selbst unter Christen. Was sagt Gott dazu? „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch“ (1Mose 2,24). Die Ehe, wie sie die Bibel beschreibt, ist eine besondere Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, zu der auch die Intimität gehört. Sie beginnt mit der öffentlichen Eheschließung. Der Umgang miteinander soll von gegenseitiger Liebe und Achtung geprägt sein und die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde als Vorbild haben (Eph 5,21-28). Diese Eckdaten decken sich mit den Aussagen in unserem Text: kein freizügiges Ausleben sexueller Begierde, sondern liebendes Werben um den Ehepartner „in Heiligkeit und Ehrerbietung“.
Fr.
18.07.
1. Thessalonicher 4,6
Konkrete Umsetzung (2)
2. Handel: Der Begriff „Handel“ – im Urtext „Sache, Unternehmen“ – kann auf zwei ganz unterschiedliche Weisen wiedergegeben werden: entweder bezieht er sich auf die zuvor angesprochene Sache(Thema: Ehe und Sexualität) oder er nimmt auf eine Streitsache (Thema: Handel) Bezug.
Wenn es heißt, dass Übervorteilung geschah, war damit entweder Ausleben der Sexualität außerhalb der Ehe gemeint oder – im andern Fall – finanziellen Betrug auszuüben. Beides, sexuelle Ausschweifung und Geldgier, waren im Umfeld der thessalonischen Christen gang und gäbe. Erschreckenderweise gleichen die damaligen Verhältnisse denen unserer heutigen westlichen Welt: Die Moral nimmt ab, das Lustprinzip nimmt zu.
Die Bibel nennt Unzucht und Habsucht oft in einem Zug und bezeichnet sie als „Götzendienst“. (Vgl. Eph 5,5; Kol 3,5; Hebr 13,4.5a.) „Im Leben gehört beides tatsächlich nahe zusammen, und Sünden auf dem einen Gebiet lassen manchmal geradezu mit Sicherheit auf Verfehlungen auch auf dem anderen schließen“ (W.
de Boor).
Wir Christen sollten auf der Hut sein. Gier schleicht sich allzu leicht in unser Herz ein. Mit gezielten Worten oder Taten können wir uns einen heimlichen Vorteil sichern und die Begierde tarnen. Scheinbar läuft alles unbemerkt ab, doch nicht vor Gott. Er erkennt haarscharf jedes Recht und Unrecht. „Der Herr ist der Richter“ (Ri 11,27 NLB). Gott will uns durch seine Richterfunktion nicht bedrohen, aber warnen und schützen. Sie gleicht einem Stoppschild: Bitte anhalten, sonst läufst du Gefahr, Schaden zu nehmen. Gott will aus Liebe zu uns unbedingt verhindern, dass wir in Schuld fallen. Falls wir uns dennoch über seine Warnung hinwegsetzen, gibt Gott uns die Möglichkeit, wieder zurechtzukommen: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt“ (1Joh 1,9).
Wer Menschen zu Gott einlädt, darf das Richteramt Gottes nicht verschweigen (Ps 9,5; 2Tim 4,8). Darin liegt eine hohe Verantwortung. (Vgl. Hes 3,21.) Paulus und sein Missionsteam haben sie von Anfang an wahrgenommen.
Sa.
19.07.
1. Thessalonicher 4,7.8
Reinheit und Heiligkeit – zwei göttliche Eigenschaften
Der Begriff „denn“ leitet in unserem Abschnitt (V. 1-12) fünfmal eine Begründung ein (V. 2.3.6.7.9).
„Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben“ (V. 2).
„Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (V. 3). „Denn der Herr ist ein Richter über das alles“ (V. 6).
„Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung.“ – In Vers 7 geht es um zwei absolute Gegensätze: „Unreinheit“ und „Heiligung“. Wie wichtig Gott diese Themen sind, wird besonders an einigen Stellen im Alten Testament deutlich. „Ihr sollt unterscheiden, was heilig und unheilig, was unrein und rein ist“ (3Mose 10,10). „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ (3Mose 11,45b; 19,2b; vgl. 3Mose 20,26). Reinheit und Heiligkeit sind wesentliche Eigenschaften Gottes. Reinheit bedeutet, sich vom Bösen fern zu halten. „Aus dem Herzen des Menschen kommen Gedanken, die böse sind – Unzucht, Diebstahl, … Habgier, Bosheit, Hinterlist, … Missgunst, Verleumdung, Überheblichkeit und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen in Gottes Augen unrein“ (Mk 7,21-23 NGÜ).
Heiligkeit bedeutet, zu Gott zu gehören und seinen Stempel zu tragen. „Euer Leben soll jetzt ganz von dem geprägt sein, der heilig ist und euch berufen hat“ (1Petr 1,15 NeÜ). Gott soll durch uns sichtbar werden.
Kein Mensch kann von sich aus rein oder heilig sein. Solche Eigenschaften kann nur Gott in uns bewirken. Dazu hat er den Heiligen Geist gesandt. „Ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“ (1Kor 6,11). Sind wir uns dieser Bestimmung bewusst?
Es ist Gottes ausgesprochener Wille, dass seine Kinder rein und heilig leben. Er beruft und befähigt sie: Ihr sollt „euch heiligen, sodass ihr heilig werdet, denn ich bin heilig; und ihr sollt euch nicht unrein machen“ (3Mose 11,44).
So.
20.07.
1. Thessalonicher 4,8-10
Konkrete Umsetzung (3)
Gott legt ein besonderes Gewicht auf die Heiligung. Sie ist sein ausgesprochenes Ziel für einen gläubigen Menschen. Vermutlich gab es in der thessalonischen Gemeinde Christen, die den Willen Gottes nicht so ernst nahmen bzw. die Lehre als zu eng betrachteten. Ihnen musste Paulus klipp und klar mitteilen: „Wer sich weigert, danach zu leben, der missachtet nicht etwa menschliche Vorschriften, sondern er lehnt Gott damit ab, der euch seinen Heiligen Geist geschenkt hat“ (V. 8 NLB). Damit steht jeder Mensch vor der freien Entscheidung, mit oder ohne Gott zu leben – mit den jeweiligen Konsequenzen. Gott möchte nur freiwillige Nachfolger.
Nun wenden wir uns dem dritten Bereich zu: der Liebe unter Glaubensgeschwistern. „Denn* ihr selbst seid von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben“ (V. 9b; vgl. Eph 5,1.2a). Die Thessalonicher erfüllten diesen Auftrag Gottes in vorbildlicher Weise. Und dennoch gibt es eine noch tiefere Liebe, eine noch „vollkommenere Liebe“. Sie lernt, Regungen wie Ichbezogenheit, Neid, Kritiksucht, Feindseligkeit etc. unter die Kontrolle Gottes zu bringen.
Das „Gebet der Familie Jesu Christi“** kann uns hierbei eine wertvolle Hilfe sein:
„1. Vater! Ich liebe meine Schwestern und Brüder. Ich liebe sie, weil du sie liebst. Ich liebe sie, obwohl sie Fehler haben und machen.
2. Vater, ich vergebe ihnen, wo sie sich gegen mich gewandt haben. Ich bitte für mich selbst im Namen Jesu Christi um Vergebung, wo ich sie nicht liebte, wo ich mich von ihnen absetzte, wo ich sie verurteilte und wo ich Verachtung aussprach.
3. Herr, ich will mein Herz, meine Gedanken und meinen Mund bewahren, dass sie nichts Negatives und Zerstörerisches denken und sagen über meine Geschwister.“
* Das fünfte „Denn“ (siehe „Zeit mit Gott“ vom 19.07.2025).
** Nach einem Gebet aus England.
Mo.
21.07.
1. Thessalonicher 4,10b; 1. Johannes 4,7
Anziehende Liebe
Das „Gebet der Familie Jesu Christi“ entstand im 18. Jahrhundert zu Beginn der Erweckung durch John Wesley. Es sollte täglich gesprochen werden. Die Christen damals wussten, dass ihre Liebe und Einheit anziehend auf Außenstehende wirkten.
Zwei weitere Bitten aus diesem Gebet:
„4. Ich erkläre: Ich bin das Ende aller Gerüchte, die mein Ohr erreichen. Und wo ich von Unsegen höre, soll das von nun an nur noch ein Anlass sein, zu lieben, zu segnen und zu vergeben.“
5. Heiliger Gott, füll mich bitte mit deiner Liebe „und lass mich davon überfließen. Nur durch dich wird unter uns das Wunder von Liebe und Einheit wahr. Danke. Amen.“
„Seht, wie haben sie einander so lieb!“ (Tertullian*) – „Das hat die Tür für die Menschen aufgemacht für das Geheimnis. Sie haben gemerkt: Diese Jünger von Jesus, diese Christen, wie sie dann genannt wurden, die sind anders als die Kinder der Welt, als die anderen Menschen. Sie lieben, dadurch sind die Menschen aufmerksam gemacht worden auf die Botschaft, auf das, was dahinter ist. Dadurch hatten sie die Spur Jesu Christi entdeckt, unseres Heilands. Seht, wie sie einander lieben. Die sind anders, von denen geht etwas aus. Von der Botschaft, die sie verkündigen, dass dieser Jesus, den sie gekreuzigt haben, auferstanden ist. An dieser Botschaft kann vielleicht doch was dran sein, weil die Menschen so verändert sind, weil sie lieben können, so wie andere nicht lieben können. Und wir selbst sind gerufen, solche Liebenden zu sein, durch die die Menschen Jesus nahekommen. Wir selbst sind eingeladen, andere in diese Liebe Jesu hineinzunehmen“ (J. Hermanns).
Die Liebe ist das Erkennungszeichen der Christen: Johannes 13,34.35. Auf dieser Liebe ruht der Segen Gottes: Psalm 133,1-3.
„Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1Joh 4,19).
* Mit diesen Worten beschrieb der antike Schriftsteller Tertullian (2. Jahrhundert) den Zusammenhalt der ersten Christen.
Di.
22.07.
1. Thessalonicher 4,11.12
Konkrete Umsetzung (4)
Bis zu ihrer Hinwendung zu Christus war das Leben der Thessalonicher maßgeblich von der griechischen Kultur beeinflusst. Jetzt sollte die Wesensart von Christus ihren Alltag bestimmen: ihre Lebensführung, ihre Einstellung zur Arbeit und ihr Verhalten gegenüber Andersgläubigen. Das war gar nicht so einfach.
Damals hielt „eine unruhige Art“ Einzug, „die dem gegenwärtigen Leben mit seinen Anforderungen und seiner Arbeit nicht mehr den vollen Ernst zuwenden mochte. Typisch ‚griechische‘ Auffassungen und Neigungen kamen dem entgegen. Für den ,freien Mann‘ war ‚Arbeit‘, Arbeit mit den eigenen Händen, im Grunde etwas ‚Unwürdiges‘. Edle, geistige Dinge wie Politik, Sport, Kunst, Philosophie sollten sein Leben füllen. Das war rasch ins ‚Christliche‘ zu übersetzen“ (W. de Boor). Geistliche Inhalte traten an ihre Stelle, zum Beispiel die Teilhabe am Reich Gottes und die aktive Erwartung der Wiederkunft von Christus. Warum sich noch die Hände schmutzig machen? „Es war ein Stück der Evangelisation auf dem griechischen Boden, mit ganzem Ernst klarzumachen, dass der Broterwerb mit den eigenen Händen zum Christsein dazugehöre. Dabei ging der Blick auch zu ‚denen draußen‘. Sie dürfen nicht den Eindruck bekommen, als seien diese Christen … Leute, die es sich bequem machten und andere für sich sorgen ließen. Damit würde ihnen der Zugang zum Evangelium erschwert“ (W. de Boor).
Was hat uns dieser Text heute zu sagen? Christen leben nicht abgehoben, sondern stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. „Stillesein (V. 11) bedeutet, still und im Frieden zu leben, ohne Aufruhr und Auflehnung, ohne Lärm um sich zu machen, sich nicht in andere Angelegenheiten zu mischen, treu und fleißig in der Arbeit zu sein“ (nach R. Liebi; vgl. 2Thess 3,7.8.11.12). Das Ziel ist eine Lebensführung zur Ehre Gottes und zum Zeugnis für Außenstehende (vgl. Kol 4,5; 1Petr 2,12).
Mi. Mose – Gott führt und befreit sein Volk –
23.07. Teil 2 (2. Mose 3,1-22)
2. Mose 3,1.2
Begegnung in der Wüste
40 Jahre ist Mose nun schon Schafhirte in Midian. Er zieht in der Wüste umher und ist an einem Ort, an dem er nie hatte sein wollen. Als Adoptivsohn der Pharaonentochter hätte er nicht einmal im Traum daran gedacht, dass er einmal in einem einfachen Angestelltenverhältnis stehen könnte. Die Tiere, die er hütete, gehörten ihm noch nicht einmal! Privilegiert und gebildet, hatte er seine Zukunft durch eigenes Verschulden verwirkt. Das ließ ihn vermutlich oft an sich selbst zweifeln und rief sehr wahrscheinlich Versagensgefühle hervor. Innerlich und äußerlich lebte er in der „Wüste“. Seinen Landsleuten in Ägypten ging es durch Unterdrückung und Sklaverei nicht besser. (Siehe 2Mose 1,8-14; 2,11 - 3,1.)
Es ist schwer, wenn das Leben plötzlich anders verläuft als geplant, wenn man sich an einem Ort wiederfindet, an dem man nie hatte sein wollen, und sich mit Themen beschäftigen muss, die man sich nicht ausgesucht hat.
Mose verharrt nicht in Bewegungslosigkeit. Er geht trotzdem seiner Arbeit nach, sucht neue Weideplätze und stellt sich seiner Einsamkeit. Mitten im Arbeitsalltag kommt Gott nun in seine persönliche „Wüste“. Der beschriebene Ort „Berg Horeb“ ist vermutlich keine genaue geografische Bezeichnung, sondern beschreibt eine Gebirgsregion, deren Hauptgipfel der Sinai ist. „Horeb“ kann mit „trocken sein, wüst liegen, verwüstet sein“ übersetzt werden. Ein Dornbusch ist in dieser Landschaft keine Seltenheit. Diesen gebraucht Gott für ein Wunder. Er möchte den „unbedeutenden“ Mose für den Dienst befähigen, indem er sich ihm aus dem Dornbusch offenbart. Das Feuer ist der Hinweis auf die Gotteserscheinung – es hat hier keine zerstörende, verzehrende Kraft.
Mose hatte in diesem Moment nicht unbedingt nach Gott gesucht, aber Gott hat Mose gefunden. (Vgl. Jes 65,1.2.24.) Gott brennt darauf, Mose zu begegnen. Er will auch dir begegnen. Lies dazu Jesaja 41,8-10; Jeremia 31,3; 1. Timotheus 2,4.
Do.
24.07.
2. Mose 3,2.3
Erster Schritt: Neugier
Manchmal kommen Dinge in unser Leben – Schönes wie Schweres –, die uns bewegen, nach Gott zu fragen. Mose ist bereit, sich auf etwas Ungewöhnliches einzulassen. Neugierig und staunend nähert er sich dem brennenden Dornbusch. Der erste Schritt auf dem Weg zu seiner Berufung ist seine Neugier. Er will unbedingt wissen, was da los ist und was es mit dem Feuer auf sich hat. Dazu muss er seinen Blick darauf richten und sich dem sonderbaren Ereignis zuwenden. Er muss sich in seinem Alltag stören lassen, von seinem Weg abbiegen und sich mit der wundersamen Erscheinung auseinandersetzen. Im ersten Moment ist das unbequem. Moses kleiner „Neugier-Schritt“ wird später für viele zum Segen werden.
Es ist kein „normales“, kein zerstörendes Feuer – das hat er schnell realisiert. Er weiß noch nicht, dass der lebendige Gott mit seiner Liebe, mit seinem Licht und seiner Kraft im Feuer gegenwärtig ist. Erst später wird er begreifen, dass dieser Busch ein Bild für das ist, was Gott mit ihm vorhat. Der Busch muss noch nicht einmal aus eigenen Reserven heraus brennen, sondern nur das Feuer tragen.
Gott begegnet Menschen bis heute oft anders, als diese es erwarten und sich vorstellen würden. Das kleine Kind in der Krippe (Lk 2,15.16), der Rabbi, der sich über gesellschaftliche Normen hinwegsetzt (Lk 6,6-11), der Mann am Kreuz (Lk 23,33-49), der Auferstandene, der in uns wohnt und wirkt (Lk 24,36-49; vgl. Gal 2,20), – diese Begebenheiten erzählen von ungewöhnlichen Begegnungen mit dem Sohn Gottes hier auf der Erde.
Jesus möchte, dass wir uns ihm in der Stille und im Gebet zuwenden (vgl. Ps 62,2; Mt 7,7; Apg 10,19). Lassen wir uns heute bewusst von ihm „stören“ und fragen wir danach, wo Gott uns in den Alltags-Ereignissen ansprechen möchte! Sein Ansinnen ist eine Begegnung in Liebe und er will uns mit seiner Kraft erfüllen (Joh 14,23; Röm 15,13; 2Tim 1,7).
Fr.
25.07.
2. Mose 3,2-4
Zweiter Schritt: Bereitschaft
Weiter lesen wir, dass Gott aus den Flammen spricht und Mose mit Namen anredet. Mose kann es hören und reagiert darauf. Wir vernehmen heute Gottes Stimme eher leise. Die Bibel, das geschriebene Wort Gottes, ist eine wichtige Quelle für Gottes Reden (2Tim 3,16.17). Dennoch kann Gott auch heute noch auf vielfältige Art und Weise reden, wie zum Beispiel durch seinen Geist, durch andere Menschen oder durch unsere Lebensumstände. Manchmal lassen einen Themen oder Fragen nicht mehr los, und man fragt sich: „Warum beschäftigt mich das so? Was ist da ,im Busch‘?“
Als Mose durch die Steppe zog, dachte er vermutlich an Grünfutter für seine Tiere. Er steckte mitten im Alltagsgeschäft. Aber Gott denkt an Mose, und diesem wird langsam, aber sicher klar, dass es Gott ist, der mit ihm redet. Nach 40 Jahren Wüstenerfahrung und vermeintlichem Schweigen Gottes entscheidet er sich, zuzuhören. „Hier bin ich“, antwortet er. Er signalisiert seine Bereitschaft, sich auf die Stimme und ihren Ruf einzulassen. Es ist eine Begegnung, die sein ganzes Leben umkrempeln wird. Dieses „Hier bin ich“ ist keine Ortsangabe. Es beinhaltet auch keine Selbstdarstellung, bei der die Betonung auf dem Ich liegt. Im Gegenteil: Mose öffnet sich und nimmt eine demütige, empfangende Haltung ein. Er stellt sich Gott zur Verfügung und will ihm zuhören. Er signalisiert seine volle Bereitschaft, ohne zu wissen, was kommt. Mose ist bereit, sein gewohntes Umfeld, seine Komfortzone zu verlassen, und wird erleben, dass Gott Neues wirkt und ihn in eine Wachstumszone führt. Gott ruft ihn, obwohl er nicht perfekt ist. Gott ruft ihn trotz seiner Vergangenheit. Die Bibel berichtet von so manchen Menschen, die Gott gerufen hat – in die Gemeinschaft mit ihm und zu einer bestimmten Aufgabe (vgl. Jes 6,8; Lk 5,27-32). Wozu ruft Gott dich und wie antwortest du?
Sa.
26.07.
2. Mose 3,4.5
Dritter Schritt: Bekenntnis
Nachdem Mose seine Hörbereitschaft mit der Antwort: „Hier bin ich“ gezeigt hat, führt Gott das Gespräch fort. Mose soll seine Schuhe ausziehen. Warum? Im alten Orient galt das Schuhe-Ausziehen als symbolische Handlung für die Besitzabtretung. In der Geschichte von Rut zum Beispiel gibt der Löser seinen Schuh Boas und verzichtet dadurch auf sein Recht, Rut zur Frau zu nehmen und damit das Feldstück Noomis zu erwerben (Rut 4,8).
Mose soll auf sein eigenes „Über-Sich-Verfügen-Wollen“ verzichten. Er soll sichtbar zeigen, dass Gott über ihn und seine Zukunft die Führung übernehmen darf. Er soll sein Recht abgeben, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Im Bibeltext steht nicht explizit, dass Mose seine Schuhe in diesem Moment sofort ausgezogen hat. Aus dem weiteren Verlauf wissen wir, dass er Gottes Berufung angenommen und seinen Auftrag ausgeführt hat. Aber wir lesen in 2. Mose 4 auch, dass ihm dieses „Schuhe ausziehen“ in der konkreten Umsetzung sehr schwergefallen ist. Was hindert mich daran, „meine Schuhe“ Gott zur Verfügung zu stellen? Sind es Enttäuschungen der Vergangenheit, die mich glauben lassen, dass Gott es nicht gut mit mir meint? Sind es Ängste vor dem Unbekannten? Sind es Überzeugungen, an denen ich festhalte? Meldet sich alte Schuld? Möchte ich Liebgewonnenes nicht loslassen?
Mose soll seine Schuhe vor Gott – gewissermaßen auf sein „heiliges Land“ – ablegen. Damit eröffnet Gott Mose, dass er neuen Boden unter seinen Füßen bekommen wird. Gott ist es, der ihn hält und der seine Grundlage sein wird. Gott wird auch in Zukunft der Gegenwärtige in Moses Leben sein. (Lies 1Mose 28,15-17; Jos 1,5b.9; Phil 4,9.) Die schmutzigen Schuhe vor Gott abzulegen, bedeutet auch, Schuld zu bekennen, den innerlichen Schmutz vor Gott zu bringen. Das macht frei (Spr 21,8; 1Joh 1,9).
So.
27.07.
2. Mose 3,6
Vierter Schritt: Ehrfurcht
Gott stellt sich Mose als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Die Gottesbegegnungen und Erlebnisse dieser zentralen Personen für das Volk Israel wurden von Generation zu Generation weitererzählt. Gott hatte sich in der Vergangenheit als der Treue erwiesen. Mose hat gelernt, dass Vertrauen sich lohnt (1Mose 15,6) und Gott Unmögliches möglich machen kann (1Mose 18,14). Staunend hat er erfahren, wie Gott mit Isaak und Jakob Segenswege ging (Hebr 11,20.21), trotz ihres Eigenwillens und trotz Umwegen (1Mose 32,27-29). Mose hat diese Lebensberichte seiner Vorfahren erzählt bekommen und identifiziert sich mit den Geschicken seines Volkes. Mit der Vorstellung Gottes als der Gott seiner Väter ist Mose in den Augen Gottes nicht mehr Fremdling fernab der Heimat. Er ist wieder Glied seines Volkes und wird Teil dieser göttlichen Geschichte werden.
Moses Reaktion auf die Gottesoffenbarung ist von Ehrfurcht und Demut geprägt. Er verhüllt sein Gesicht und vermeidet es, weiter direkt auf das Feuer zu sehen. Durch seine Haltung zeigt er seinen Respekt und wird hörbereit. Er weiß, dass Gott auch wie ein verzehrendes Feuer ist (Ps 29,7; Jes 30,27; Hebr 12,29). Gott ist kraftvoll, lebendig und heilig.
Gott kann auch in deinem Alltag immer wieder seine Heiligkeit zeigen. Gott heiligt, wo wir stehen bleiben und uns ihm zuwenden. Wo Gott hinkommt, wird das Normale heilig. Nur wegen ihm und solange er gegenwärtig ist. Dann sollte unsere Haltung auch Hörbereitschaft und Ehrerbietung Gott gegenüber sein. Ehrfurcht beinhaltet das Vertrauen, dass Eretwas Gutes mit uns vorhat. Durch Ehrfurcht können wir annehmen, dass SeineFührung und Planung die beste für mich sein wird und Seine Platzanweisung aus SeinerWeisheit heraus geschieht. Jemandem, dem ich Ehrfurcht entgegenbringe, höre ich aufmerksam zu. Wenn es sich um Gott handelt, überlasse ich ihm letztendlich die Entscheidung. 5. Mose 10,12.13; 1. Samuel 12,24; Sprüche 3,5-8 und Apostelgeschichte 9,31 ermuntern uns dazu.
Mo.
28.07.
2. Mose 3,7.8
Fünfter Schritt: Gott als Handelnden sehen
Gott möchte, dass Mose mit dem Auftrag, das Volk aus der Sklaverei zu führen, zurück nach Ägypten geht. Mose soll als Berufener den göttlichen Auftrag ausführen. Von Anfang an stellt Gott klar, dass nicht Mose der Handelnde sein wird. Es ist Gottes Anliegen. Er hat gesehen. Erhat gehört. Er hat erkannt. Er identifiziert sich mit dem Leid seines Volkes. Er kommt hinein in die Geschicke und Situationen der Sklaverei. Erleidet bei ihren Schmerzen mit. Er wird sich erbarmen. Erwird erretten und herausführen. Er hat das gute Ziel, die Sklaverei zu beenden und dem Volk Israel ein neues Land zu geben.
Milch und Honig sind Symbole für den Ackerbau und die Viehzucht. Jeder Nomade weiß, dass damit fette Weiden, blühende Pflanzen und fruchttragende Bäume gemeint sind (vgl. Ps 72,16). Dennoch wird es ein Land sein, das bereits von sechs Völkern bewohnt ist. Auch am neuen Lebensort wird es Probleme geben. Die Bewirtschaftung des neuen Landes wird Arbeit und Schweiß kosten. Und doch wird es ein Ort sein, an den Gott führt und an dem er selbst schon da ist.
Gott lenkt Moses Blick von der Vergangenheit, in der er sich als „der Gott seiner Väter“ erwiesen hat, auf die Gegenwart, in der er für sein Volk und Mose jetzt handeln wird. In der Begegnung am Dornbusch erlebt Mose Gott als den, der herabgekommen ist, um sein Volk aus der Hand der Ägypter zu befreien. Das soll ihn vorbereiten, auch in Zukunft auf Gott zu schauen.
An Weihnachten feiern wir, dass Gott in Jesus auf diese Erde und damit in unser kleines Leben gekommen ist (Joh 1,14; 3,13; 6,38). Er war Mensch wie wir und kennt auch heute unsere Lebenswelt, unsere Freuden und unseren Schmerz.
Wie Mose lernten die Jünger von Jesus Schritt für Schritt, der Kraft ihres Meisters zu vertrauen (Mt 14,27-31; Mk 9,14-29). Der Blick auf die Handlungsfähigkeit unseres Herrn kann auch unseren Tag verändern (Ps 77,15; Jes 41,10; Mk 4,39).
Di.
29.07.
2. Mose 3,9.10
Sechster Schritt: Hörbereitschaft
Vielleicht dachte Mose in den Jahren zuvor, Gott habe ihn vergessen. Vielleicht nutzte er auch die Stille und das Alleinsein in der Wüste, um bewusst nach Gott und seinem Willen zu fragen. Hier am Dornbusch ist ihm klar, dass Gott es ist, der mit ihm redet. Mose hört zu. Das ist in diesem heiligen Moment die einzig richtige Entscheidung: Er hört zu, was Gott zu sagen hat und vernimmt Gottes Anliegen. So wie Gott sich über die Israeliten erbarmen möchte, so kümmert er sich auch um Mose. Er erachtet ihn als würdig, einen besonderen Auftrag auszuführen. Mose soll durch seine Berufung als Werkzeug in Gottes Hand zugerüstet werden. Das bedeutet nicht, dass er zu einer „Marionette Gottes“ wird. Stattdessen wird er in besonderer Weise erleben, wie Gott durch ihn wirken wird, sofern er es zulässt.
Auch heute beruft Gott Menschen dazu, einen bestimmten Auftrag für ihn auszuführen. Vielen geht es dabei wie Mose, dass die Aufgabe im ersten Moment unwirklich, seltsam und zu groß wirkt. Es kann aber auch die offene Tür sein, auf die ich schon so lange warte. Berufung bedeutet nicht, dass Gott etwas von mir möchte, wozu er mich nicht begabt hat. Und auch nicht, dass ich durch die Aufgabe zum besonderen Helden werden soll. Das Werkzeug wird erst in der Hand des Meisters nützlich sein.
In Jesus sind wir alle Berufene. Vor allen Dingen sind wir zur Gemeinschaft mit ihm berufen (1Kor 1,9). Aus dieser Beziehung heraus sind wir zu einem Leben in der Nachfolge berufen (Eph 4,1-6). Als seine Geheiligten sind wir berufen, von ihm zu erzählen (1Petr 2,9) und dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren (Phil 3,13b.14). Lebst du in deiner Berufung (2Petr 1,10)?
Mi.
30.07.
2. Mose 3,11
Siebter Schritt: Selbsterkenntnis
In Mose klingt das Gehörte nach. Menschlich betrachtet spricht vieles gegen den vernommenen Auftrag. Im Blick auf sich selbst sieht Mose einen, der aus Angst vor der Bestrafung wegen Todschlags vom Pharaonenhof weggelaufen ist. Sein Hilfseinsatz als junger ägyptischer Fürst war gründlich danebengegangen. Seine Landsleute hatten ihn als Ägypter angesehen, der sich zum Aufseher und Richter über sie gemacht und sich unerwünscht in ihre Angelegenheiten eingemischt hatte, und wollten nicht auf ihn hören (2Mose 2,14). Realistisch betrachtet war er nun ein midianitischer Schafhirte, der sich seit 40 Jahren nicht mehr um seine Volksgenossen und seine Geschwister in Ägypten gekümmert hatte.
„Wer bin ich denn?“, fragt Mose und seine Reaktion scheint verständlich. Oder man könnte auch sagen: „Mit welchem Recht sollte ich nach Ägypten gehen und als Befreier aus der Sklaverei auftreten?“ Er erkennt klar, dass er aufgrund seiner eigenen Unzulänglichkeit, Ungeschicklichkeit, seiner Schwächen und Grenzen diese Mission nicht ausführen kann. Dass es da auch seine besondere Ausbildung gibt, die Kenntnis der internen Abläufe am Pharaonenhof, das Sprechen der Sprache der Ägypter, das Wissen über den Glauben und das Leben der Ägypter, sein natürliches Einstehen gegen Ungerechtigkeiten, sein Training im Führen störrischer Schafe und die Bereitschaft, auf Gottes Stimme zu hören, nimmt er in diesem Moment vermutlich nicht wahr.
Mit seiner Frage „Wer bin ich?“ hält er sich selbst Gott hin. Darin steckt seine LebensÜberzeugung: „Ich kann das nicht!“– Vielleicht denkst du über dich: „Ich bin doch nur …“ Mose betrachtet sich selbst im Licht des Dornbuschs. Seine Selbsterkenntnis, dass er diesen Auftrag nicht ausführen kann, ist wichtig. Das öffnet seinen Blick für Gott und seine Möglichkeiten. Denn in Gottes Augen ist nicht entscheidend, was Mose von sich selbst hält oder was andere über ihn und seine Fähigkeiten denken. Durch Gott wird er der richtige Mann für diesen Auftrag werden (vgl. Jos 1,9; Jes 43,5a).
Do.
31.07.
2. Mose 3,12
Achter Schritt: Zukunftsperspektive
Mose wendet sich mit seinen Selbstzweifeln an Gott und erhält von Gott eine mutmachende Antwort: „Ich will mit dir sein.“ Auf Moses Frage: „Wer bin ich (schon)?“, sagt Gott sinngemäß: Es ist nicht wichtig, wer du bist und was du kannst. Ich bin doch da! Solange du mich hast, hast du alles, was du für meinen Auftrag brauchst. Gott verspricht: „Ich will mit dir sein.“ Das genügt. So einfach – und in der Umsetzung häufig so schwer. Oft muss ich bekennen, dass ich auch Gott nicht zutraue, was ich selbst nicht kann. Oder dass ich so viel eigene Kräfte mobilisiere, dass Gott nur noch die restlichen 10 Prozent dazulegen darf. Immer wieder muss ich bekennen: „Herr, nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“ Ich muss mir bewusst machen: Gott ist wirklich da! Diese Zusage steckt in dem Zuspruch: „Ich will mit dir sein.“ Gott möchte durch seine große Kraft wirken (vgl. Neh 1,10). Dieses Abhängigkeits-Prinzip hat Jesus seine Jünger gelehrt und in dem Bild vom Weinstock und den Reben auf den Punkt gebracht. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“, heißt es in Johannes 15,5. Dazu brauchen unsere Vertrauens-Muskeln tägliches Training (2Kor 3,4.5).
Mit dem Versprechen, dass Mose mit dem befreiten Volk einen Gottesdienst am Berg Horeb feiern wird, gibt Gott im Blick auf die Zukunft ein Zeichen. Mose darf wissen, dass es am Ende gut ausgehen wird. Dieses Wissen wird ihm durch all die kommenden Schwierigkeiten hindurchhelfen. Sie werden opfern und Gott loben und danken. Das ist eine zweite Bestätigung für das Versprechen, dass Gott bei ihm ist. Mose wird die Kraft Gottes erfahren, sodass er gar nicht anders kann, als hinterher Gott die Ehre zu geben. Das sollten auch wir nicht vergessen (Röm 11,36).
Fr.
01.08.
2. Mose 3,13-15
Neunter Schritt: Gotteserkenntnis
Mose beginnt, sich mit der Möglichkeit auseinanderzusetzen, wirklich nach Ägypten zu gehen. Wenn der Gott seiner Väter es ist, der ihn nach Ägypten schickt und der verspricht, mit ihm zu gehen, dann sollte man diesen Gott doch kennen. Mose ist mit der Vielgötterei der Ägypter vertraut. Jedem Naturereignis, jedem Lebewesen, jeder Sache war eine Gottheit mit einer bestimmten Funktion zugeordnet. Mose will wissen, wer Gott ist und wofür er steht. Es würde zudem seine Glaubwürdigkeit beim Volk stark unterstützen, wenn er den Gott, dem er hier am Dornbusch begegnet und der ihn beauftragt, benennen und beschreiben kann.
Der Name Gottes gründet auf dem hebräischen Verb „sein“ oder „werden“. Er ist der Gott, der schon immer war. Es ist der Gott, den die Vorfahren schon erlebt haben. Und es ist der Gott, der ihm jetzt gerade in Gestalt einer Feuerflamme begegnet und der bis in Ewigkeit sein wird. Er ist der Beständige, der Gegenwärtige und der Zukünftige. So kann man auch den Namen „Jahwe“ unterschiedlich übersetzen, wie zum Beispiel mit • Ich werde mit dir sein
• Ich bin, der ich bin
• Ich werde sein, der ich sein werde• Ich werde immer gegenwärtig sein
• Ich bin (für dich) da.
Gott gibt sein letztes Geheimnis nicht preis. Er ist nicht in einem Namen fassbar. Mose bekommt nur eine leise Ahnung davon, welche Kraft in Gottes Namen steckt. Jesus als der menschgewordene Gottessohn hat durch seine Person gezeigt, wer und wie Gott ist (Joh 17,6). Mit seinen „Ich-bin-Worten“ hat er uns einfache Bilder gegeben: „Ich bin das Brot des Lebens“ – „Ich bin die Tür“ – „Ich bin der gute Hirte“ … (Joh 6,35; 10,7.9.11.14; vgl. Joh 8,12; 11,25; 14,6; 15,1).
Dieser unfassbare Gott ist auch der Gott deiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sollte ihm etwas unmöglich sein?
Sa.
02.08.
2. Mose 3,16-18
Zehnter Schritt: Konkretisierung des Auftrags
In aller Ausführlichkeit wird der Auftrag Gottes an Mose wiederholt und konkretisiert. Gott hat beschlossen, das Volk in die Freiheit zu führen. Mose soll sein Diener sein. Als Mose das erste Mal versucht hat, seinen Landsleuten Erleichterung zu schaffen (2Mose 2,14) hatte er eigenmächtig und selbstbestimmt gehandelt. Nun ist er als Berufener von Gott eingesetzt und hat damit eine ganz andere Ausgangsbasis. Mose geht nicht einfach zu den Ältesten; er wird von Gott zu ihnen gesandt. Und das, was er zu sagen hat, gründet nicht auf seinen eigenen Gedanken und logischen Überlegungen, sondern entspringt seiner Begegnung mit Gott.
Er soll sagen:
• Jahwe ist mir erschienen
• Jahwe geht die Not Israels ans Herz
• Jahwe beschließt, sie aus dem Elend herauszuführen
• Jahwe benennt das Ziel der Wanderung.
Die Wiederholung des Auftrags soll Mose Mut und Sicherheit geben. Oft lesen wir im Alten Testament, dass Berufungen wiederholt und mehrfach bestätigt werden (vgl. 1Mose 12,2 und 1Mose 13,15.16; 5Mose 31,7 und Jos 1,6.7). Jahwe will Mose wirklich senden. Mose soll von Anfang an klarstellen, in wessen Name er auftritt.
Jesus hat uns vorgelebt, dass er in allem in Abhängigkeit zu seinem Vater lebte. Er sagt von sich in Johannes 6,38: „Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Diese tiefe Abhängigkeit vom Vater ist auch für unser Leben als Jesus-Nachfolger von zentraler Bedeutung. Jesus ist dazu immer wieder ins Gebet gegangen. In der Stille vor Gott bekam er Klarheit über die nächsten Schritte. Durch das Gespräch mit seinem Vater konnte er zwischen all dem Dringlichen und dem wirklich Notwendigen unterscheiden. In unserer lauten Welt und den vielen Aufgaben müssen wir die Stille bewusst suchen. Jesus lädt uns dazu ein (Mt 6,6; 11,28; lies Ps 62,6-9; 145,18; Eph 6,18; 1Thess 5,16-18).
So.
03.08.
2. Mose 3,19-22
Als Berufene(r) losgehen
Gott führt Mose Schritt für Schritt an die geplante Befreiungsaktion für Israel heran. Und er verheimlicht nicht, dass es auf diesem Weg auch Probleme und Widerstände geben wird. Am Ende wird die Sturheit des Pharao nicht gebrochen sein. Aber Israel wird frei von der Sklaverei sein! Die Israeliten werden das Land Ägypten erhobenen Hauptes verlassen und sogar freiwillig von den Widersachern entlohnt werden. Das liegt zum jetzigen Zeitpunkt weit über Moses Vorstellungskraft. In ihm regen sich – wovon wir im folgenden Kapitel lesen – erstmal große Zweifel. Auch das gehört auf dem Weg der Berufung dazu.
Seine ersten zehn Schritte beim Empfangen des besonderen Auftrags sind wichtige Aspekte, wie auch wir offen und bereit für Gottes Reden werden können. Sie sind nicht im Sinne einer linearen Reihenfolge zu verstehen. Neugier, Hörbereitschaft und Zuhören, sich Gott zur Verfügung stellen, eine ehrfürchtige Haltung, der Blick auf Gottes Wesen und Kraft statt auf meine Unzulänglichkeiten und Begrenzungen sind verschiedene Aspekte in dieser besonderen Gottesbegegnung.
Nicht jeder von uns erhält einen besonderen Auftrag wie Mose. Aber als Nachfolger von Jesus sind wir alle Berufene. Wir sind mit dem Heiligen Geist ausgerüstet und haben den Auftrag, allen Menschen Gott lieb zu machen (Mt 28,18-20). Alle Menschen sollen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und Jesus als ihren Erlöser annehmen (1Tim 2,3.4). Im Gebet dürfen wir Menschen vor Gott bringen und ihnen durch unser Handeln Gottes Liebe sichtbar machen. Wir dürfen erzählen, was Jesus uns bedeutet und das Vertrauen auf ihn vorleben. Und auch für uns gilt: Wir müssen mit Widerständen rechnen.
Darauf hat Jesus seine Jünger vorbereitet (Mt 10,14), und der Apostel Paulus schreibt den Christen in Ephesus: „Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis“ (Eph 6,12). Doch Jahwe steht auch heute zu seiner Verheißung: „Ich bin da“.
Mo. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet
04.08. von der Aussendung der Jesus-Jünger (Lukas 9,1-6) Lukas 9,1-6
Ein neues Tätigkeitsfeld
Dem Bericht des Lukas zufolge hatte Jesus bisher den Dienst an den Menschen und die Verkündigung des Gottesreiches persönlich durchgeführt. Er war der Meister, den die Jünger beobachten und von dem sie für ihre zukünftigen Aufgaben lernen konnten. Nicht nur Petrus, alle zwölf Jünger waren von Jesus zu Menschenfischern berufen worden (Lk 5,10b; 6,12-16). Nun kam der Tag, an dem Jesus die Berufenen aussenden wollte. Sie sollten werden, was sie sein sollten: Apostel, Gesandte des Herrn. Ihr Tätigkeitsbereich, gleichzeitig eine Art Übungsfeld, war zunächst überschaubar: „von Dorf zu Dorf“ (Lk 9,6). Kurz vor seiner Rückkehr in den Himmel erweiterte Jesus ihr Tätigkeitsfeld: „Ihr werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8b).
Hier sollten sie nun die Lektion lernen, ohneihren Meister zu gehen und dennoch mit ihm. Körperlich ging er nicht mit, aber er war bei ihnen. Seine Sendung, seine Vollmacht und sein Segen bildeten die Grundausstattung für den Auftrag, seine Herrschaft unter den Menschen aufzurichten und zu überwinden, was sich dagegenstellte.
Vielleicht fragten sich die Zwölf, ob sie wirklich etwas würden ausrichten können – als Fischer, Zöllner und auf jeden Fall ungelernte Prediger. Doch jetzt galt es zu verinnerlichen, dass das nicht mehr zählte, sondern dass sie nun die Stellvertreter und Bevollmächtigten ihres Herrn waren (Apg 3,6; 4,7-10; 5,32). Am Beispiel von Petrus und Johannes zeigt Lukas in der Apostelgeschichte, dass sie in der Kraft und Vollmacht ihres Gottes handelten. Nachdem sie einen Gelähmten geheilt hatten, sagte Petrus zu den Umstehenden: „Warum staunt ihr uns an, als hätten wir das mit unserer Kraft und unsererFrömmigkeit zustande gebracht? Nein, der Gott unserer Väter … hat auf diese Weise die Macht und Herrlichkeit sichtbar werden lassen, die er seinem Diener Jesus verliehen hat“ (Apg 3,12b.13a NGÜ).
Di. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet
05.08. von der Aussendung der Jesus-Jünger (Lukas 9,1-6) Lukas 9,3
Ohne Gepäck
Wenn wir eine Wanderung von Dorf zu Dorf unternehmen, starten wir gewiss nicht ohne Proviant, auch nicht ohne einen Notgroschen. Je nach Jahreszeit kommt auch ein zweites T-Shirt mit. Jesus wies seine Boten an, nichts dergleichen einzupacken. Selbst die Wanderstöcke sollten zu Hause bleiben. So wie sie waren, sollten sie sich aufmachen und die gute Botschaft von Gottes Einladung in die galiläischen Dörfer tragen. Welchen Sinn sah Jesus darin für seine Leute? Ein Überlebenstraining? Wir können nur schlicht feststellen: Er wollte auch hiermit ihr Vertrauen prüfen und ihren Glauben schulen.
Lukas nimmt später noch einmal Bezug auf diese Aussendung ohne Ausstattung. Er berichtet, dass Jesus sich nach den Erfahrungen seiner Jünger erkundigte: „ ‚Als ich euch ohne Geldbeutel, ohne Vorratstasche und ohne Sandalen aussandte, hat euch da etwas gefehlt?‘ – ‚Nein, gar nichts‘, antworteten sie“ (Lk 22,35 NGÜ). Sie hatten erlebt: Jesus lässt seine Mitarbeiter nicht im Stich. Er bewegt auch Menschen, sie zu versorgen. (Lies 2Kor 6,4.5.10; Phil 4,10-14.18.19.)
Es stellt sich die Frage: Ist denn das Vorsorgen für eine Unternehmung, die Mitnahme von Proviant ungeistlich? Ein Zeichen für mangelndes Vertrauen? Wenn wir in Lukas 22 weiterlesen, entdecken wir, dass Jesus für unterschiedliche Situationen völlig unterschiedliche – ja sogar gegenteilige – Anweisungen gibt (vgl. V. 35 mit V. 36). Jesus macht die nun neue Anweisung an seine Jünger durch die Einleitung deutlich: „Von jetzt an gilt Folgendes …“ (V. 36a NGÜ). Jesus muss man genau zuhören. Er gibt keine in Stein gemeißelten Anweisungen. Wir dürfen bitten: Jesus, leite mich mit deinen Augen (lies Ps 32,8). In der Herzensverbindung mit ihm und in immer neuer Ausrichtung auf seinen Willen werden wir diese Leitung erleben. „Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen“ (Ps 23,3b; vgl. Ps 31,4; Jes 48,17).
Mi. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet
06.08. von der Aussendung der Jesus-Jünger (Lukas 9,1-6) Lukas 9,4-6
Doppelte Wirkung
Bei ihrer Aussendung kündigte Jesus seinen Jüngern eine doppelte Wirkung ihres Dienstes an. Sie würden zum Segen wirken oder Ablehnungerfahren. Die einen würden sie einladen, das Evangelium von Jesus hören wollen und ihm Glauben schenken. Die anderen würden sie nicht einmal in ihr Haus aufnehmen, noch nicht einmal ihre Worte hören wollen. Auf beides musste der Meister sie vorbereiten. Für beides sollten sie gewappnet sein.
In kleinem Rahmen sollten die Jünger auf das vorbereitet werden, was auch ihrem Meister widerfuhr. „An Jesus scheiden sich die Geister“ – das erfährt jeder, der sich für diesen Jesus-Namen einsetzt. Von Gott kann man vielerorts unbeschadet sprechen. Doch wer von Jesus, seiner Rettungstat am Kreuz und seiner siegreichen Auferstehung spricht, muss mit kritischen Reaktionen rechnen. Für viele Christen auf dieser Welt ist es sogar lebensgefährlich, sich zu Jesus, dem einzigartigen Retter von Sünde, Tod und Teufel, zu stellen (vgl. Apg 4,12-21; 7,54-60; 12,1-3).
Was meinte Jesus, als er seine Jünger anwies, den Straßenstaub, der aus ablehnenden Orten an ihren Füßen haftete, abzuschütteln? Kam ein Jude aus heidnischem Gebiet an die Grenze Israels, klopfte er vor dem Grenzübertritt seine Sandalen aus. Aus dem „unheiligen“ Land sollte nichts mit ins „heilige“ Land gebracht werden. Der Abbruch der Beziehung kam damit deutlich zum Ausdruck. Orte, die das Evangelium nicht hören wollten, galten für Jesus so viel wie heidnische, gottlose Orte. Bei der Aussendung der zweiundsiebzig Jünger kündigte Jesus an: „Es wird Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage als dieser Stadt“ (Lk 10,12) – der Stadt mit den Menschen, die nichts von der guten Nachricht hören wollten. Staub von den Füßen schütteln ist somit eine Art Gerichtszeichen. Jesus riet seinen Jüngern nicht zur Rechtfertigung. Weitergehen, dorthin, wo das Evangelium willkommen ist, sich nicht entmutigen lassen – das ist bis heute die Devise, auch für uns.
Do. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet
07.08. von der Aussendung der Jesus-Jünger (Lukas 9,1-6) Lukas 9,10
Wer viel erlebt, kann viel erzählen
Die zwölf Jünger kehrten von ihrem Missionseinsatz zurück zu Jesus. Großartige Erfahrungen lagen hinter ihnen. Jetzt war die Stunde des Erzählens: Menschen hatten ihre Häuser geöffnet, sie als Gäste aufgenommen und versorgt. Viele hatten der frohen Botschaft von Jesus Gehör geschenkt. Menschen waren geheilt worden und Dämonen hatten Menschen freigeben müssen. Sogar bis zu König Herodes hatte sich ihr Wirken herumgesprochen (V. 7a).
Auch wenn Lukas es hier nicht erwähnt: Die Herzen der Jünger waren gewiss voller Freude und Dank über all das, was der Herr durch sie getan hatte (vgl. Lk 10,17). Freude und Dankbarkeit im Dienst des Herrn sollten wir teilen. Entscheidend dabei ist, dass der Jünger nicht sich selbst in den Vordergrund stellt. Alles, was in seinem Dienst gelingt, verdankt er seinem Herrn. „Ohne mich könnt ihr nichts ausrichten“, schrieb Jesus seinen Jüngern ins Herz (Joh 15,5b GNB). Wie schnell gerät dies bei uns in Vergessenheit. Paulus erinnerte die Christen in Ephesus:„Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen“ (Eph 2,10b NGÜ). Wie entlastend, dass wir nicht „die Macher“ sein müssen!
In seiner Bergpredigt hatte Jesus die Jünger bereits darauf hingewiesen, dass bei ihm nicht das Vorweisen von Taten zählt. Für den Tag des letzten Gerichts sah Jesus voraus, dass dann viele (!) mit großartigen Erfolgen vor ihn treten werden, die sie in seinem Namen getan haben wollen. Ihre Werke werden aber wertlos sein – erschütternd, denn Jesus wird ihnen sagen: „Ich habe euch noch nie gekannt“ (lies Mt 7,21-23). „Natürlich kann das nicht heißen: ich wusste nicht von euch. … Es meint also die reale persönliche Gemeinschaft“ (G. Maier). Diese haben sie nicht mit Jesus gepflegt. Räumen wir doch der Gemeinschaft mit Jesus heute Zeit ein. Es lohnt sich (Ps 16,11; 84,11.12).
Fr. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet
08.08. von der Aussendung der Jesus-Jünger (Lukas 9,1-6) Lukas 9,10
Ruhephasen
Nachdem die Jünger ihrem Herrn alles erzählt hatten, sah Jesus den Zeitpunkt für gekommen, seinen Mitarbeitern eine weitere Lektion zu erteilen. Dazu musste er sich mit ihnen an einen ruhigen Ort zurückziehen. Jesus nahm „sie mit sich und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein“ (V. 10b NGÜ).
Es gab zwei Dinge, die Jesus seinen Jüngern hier unbedingt zeigen wollte:
Erstens: Die Jünger sollten lernen, dass das Alleinsein mit Jesus ihre unverzichtbare Kraftquelle ist. Gezielt holte Jesus sie heraus aus dem Tagestrubel. Die wunderbaren Erfahrungen der letzten Tage mussten sie zurücklassen. Jetzt sollten sie allein mit ihrem Herrn und Meister Zeit verbringen, allein auf seine Stimme hören.
Georg Müller*, der viel beschäftigte Waisenvater von Hunderten von Straßenkindern, schrieb in sein Tagebuch: „Die Hauptaufgabe, um die ich mich jeden Tag kümmern muss, ist die Gemeinschaft mit dem Herrn. Die erste Sorge ist nicht, wie sehr ich dem Herrn dienen, sondern wie der innere Mensch genährt werden kann.“
Jesus lobte Maria vor allen, dass sie ihm ihr Ohr lieh, bevor sie ihre Schwester bei der Küchenarbeit unterstützte: „Maria hat das gute Teil erwählt“ (Lk 10,42). Sie hat es in jener Situation besser gemacht als ihre Schwester Marta.
Zweitens: Die Jünger sollten lernen, dass auch Ruhephasenzum Leben und Dienen gehören. Markus notierte in seinem Bericht über diese Situation einen fast sprichwörtlich gewordenen Satz: „Ruht ein wenig“ (Mk 6,31). Oft wollen wir fleißiger sein als unser Gott. Er ruhte ein Siebtel der von ihm geschaffenen Woche. Seine Schaffenskraft war nicht ermüdet (vgl. Jes 40,28) – er ruhte uns zum Vorbild. Demut vor unserem Gott zeigt sich darin, dass wir sein Ruheangebot annehmen.
* Georg Müller (1805–1898), bekannt geworden als Waisenvater von Bristol, war ein deutscher Theologe und Evangelist.
Sa. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von Jesus,
09.08. dem barmherzigen und zugleich machtvollen Herrn
(Lukas 9,10-17)
Lukas 9,10.11
Jesus heißt alle herzlich willkommen
Jesus hatte bei Betsaida* einen Rückzugsort für sich und seine Jünger aufgesucht. Vers 12 lässt erkennen, dass sie nicht in die Stadt hineingingen. In der stillen Gemeinschaft mit ihrem Herrn sollten sie neue Kraft für ihren Alltag schöpfen. Wann fand unser letzter Rückzug allein mit Jesus statt?
Schon bald war es mit der Ruhe vorbei. Die Menschenmenge hatte Jesus und seine Jünger nicht aus den Augen gelassen (vgl. Lk 8,40) und folgte ihm. Vielleicht sagt unser Empfinden: Das ist unpassend und unhöflich, in die Erholungszeit anderer ungebeten einzudringen! Gott sei Dank aber heißt es bei Jesus: „Er nahm sie auf“! Keiner wird weggeschickt. Keiner wird abgewiesen. Bei Jesus kommst du niemals ungelegen (vgl. Mk 10,13-16). „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen; … Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat“ (Joh 6,37b.40a).
Jesus begrüßte die Menschen nicht mit einer Höflichkeitsfloskel, um sich dann wieder zurückzuziehen. Er nahm sich erneut Zeit für das Wichtigste und redete zu ihnen vom „Reich Gottes“. Diese uns vertraute Übersetzung des griechischen Begriffs lautet wörtlich „Königsherrschaft Gottes“. Jesus war gekommen, um alle Menschen zurück unter die königliche Regierung seines himmlischen Vaters einzuladen. Keiner soll verloren gehen. Er selbst bezeichnete sich als „die Tür“ in Gottes Reich (Joh 10,9). Er musste für unseren Eintritt mit seinem Leben bezahlen. Ohne Jesus gibt es bei Gott keinen Zutritt – eine für den Menschen ärgerliche Engführung: „Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn“ (1Kor 1,23b NGÜ). Für die jedoch, die im Vertrauen auf Jesus durch die Tür gehen, gilt: „Ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie“ (Eph 2,19b NGÜ).
* Betsaida lag außerhalb vom Herrschaftsgebiet des Herodes Antipas nahe der Jordanmündung in das Galiläische Meer. Es war die Heimatstadt von Petrus, Andreas und Philippus.
So. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von Jesus,
10.08. dem barmherzigen und zugleich machtvollen Herrn
(Lukas 9,10-17)
Lukas 9,11-13
Jesus weiß, was er tut
Die Menschen, die Jesus bis Betsaida gefolgt waren, hörten nicht nur seine Einladung ins Reich Gottes. Jesus gab ihnen ebenso einen Vorgeschmack auf ein Leben in Gottes neuer Welt: „Die Heilung brauchten, machte er gesund“ (V. 11b). Wer von den jüdischen Geistlichen hatte sich jemals so freundlich, mit so viel herzlichem Erbarmen um sie gekümmert!
Jesus diente ihnen bis in die späten Nachmittagsstunden. Da wurden die Jünger unruhig. Sie dachten an den weiten Heimweg, den die meisten vor sich hatten. Die Leute brauchten bald einen Ort zum Übernachten und Abendessen. Hatte Jesus die Zeit aus den Augen verloren? Wenn er jetzt nicht die Veranstaltung beendete, mussten sie sich darum kümmern. „Lass das Volk gehen“, unterbrachen sie Jesus.
Wie viele sorgenvolle Gedanken machen wir uns um uns selbst und um andere! Wie oft meinen wir, dem Herrn raten zu müssen, was jetzt dran ist. Haben wir vergessen: Sein Name heißt „Wunderbarer Ratgeber“? (vgl. Jes 9,5). Auch in diesem Fall hatte der Herr einen Plan, der allen Beteiligten zur Hilfe werden sollte, sowohl den Jüngern als auch dem Volk. „Er wusste wohl, was er tun wollte“, lässt uns Johannes in seinem Bericht über diese Begebenheit wissen (Joh 6,6b). Diese kurze Bemerkung aus dem Wort unseres Gottes will uns heute zu tiefer Gelassenheit verhelfen.
Jesus antwortete den besorgten Jüngern mit der Anweisung: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lk 9,13a). Die Zwölf nahmen die Worte ihres Meisters ernst, doch ihre Bestandsaufnahme ergab: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische“*. Also Jesus, du musst einsehen, dass das nicht funktioniert. Sie hatten aber einen weiteren Lösungsvorschlag: „Sollen wir uns … auf den Weg machen und für alle diese Leute Essen kaufen?“ (V. 13b NGÜ). Ideen zur Problemlösung dürfen wir Jesus vortragen. Ordnen wir sie aber seiner Regie unter.
* Nur Johannes benennt die Herkunft der fünf Brote und der zwei Fische (Joh 6,9).
Mo. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von Jesus,
11.08. dem barmherzigen und zugleich machtvollen Herrn
(Lukas 9,10-17)
Lukas 9,14-17
Jesus tut nichts ohne seinen Vater im Himmel
Wo Jesus auftrat, fanden sich große Menschenmengen ein. Die Sehnsucht nach Befreiung von einem einengenden Gesetzesglauben hin zu einer getrosten Gottesbeziehung muss groß gewesen sein (Mt 9,36; 23,13). Vor Ort zählte man damals ungefähr fünftausend Männer. Ob Frauen und Kinder nach damaliger Gepflogenheit nicht mitgezählt wurden oder „nur wenige Frauen und Kinder den beschwerlichen Marsch zum Ostufer antraten“ (G. Maier), ist heute nicht mehr zu ermitteln.
Mit seiner genauen Anweisung schaffte Jesus in der Menschenmenge Ordnung und Übersicht. In Gruppen von je fünfzig Personen würde keiner übersehen werden. Die Aufteilung und Lagerung in Gruppen erinnert an eine Anweisung Gottes für das Volk Israel in der Wüste (4Mose 2,1-34). So wie sich das Volk Israel um die Stiftshütte – das „Zelt der Begegnung“ mit Gott – lagerte, lagerte sich nun das Volk um Jesus. Jesus eröffnete ihnen eine neue Möglichkeit zur Begegnung mit Gott. Er nahm das, was ihm die Jünger gebracht hatten, in seine Hände, „sah auf zum Himmel und dankte“ (Lk 9,16). Jesus schaute weg von den irdischen Ressourcen. Er ehrte Gott mit Dankfür das Wenige, das vorhanden war. Ebenso ehrte er ihn mit Vertrauen in seine Wundermacht. Nichts tat er ohne ständige Rückbindung an seinen Vater.
Auch wir sollten uns darin üben: „Bleibt betend in Verbindung mit dem Herrn“, so übersetzte jemand 1. Thessalonicher 5,17. Unser Gott freut sich über jeden Dank, über jede Bitte, aber auch über jede Klage, die wir ihm bringen. Darum: „Mach aus allem ein Gebet!“*
In stiller Gebetsverbindung mit Gott brach Jesus die vorhandenen Brote und Fische, bis alle gesättigt waren, gesättigt durch Gottes Macht. Diese hatte Jesus zuvor in schwerer Versuchung durch Satan nicht für sich selbst in Anspruch genommen (Lk 4,1-4). Hier jedoch diente er durch Gottes Macht den bedürftigen Menschen.
* Dora Rappard (1842–1923), „Hast du eine Sorgenlast“, aus Strophe 6.
Di. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet von Jesus,
12.08. dem barmherzigen und zugleich machtvollen Herrn
(Lukas 9,10-17)
Lukas 9,12-17
Jesus macht Mut durch sein Handeln
Unsere Zeit ist dazu angetan, Menschen zu entmutigen. Eine schlechte Nachricht reiht sich an die andere. Wo sind die Mutmacher? Jesus begegnet uns in seinem Wort als Mutmacher, so auch im Bericht des Lukas über die Speisung der Fünftausend.
Wir lesen von vier Ermutigungen:
• Unsere irdisch-menschlichen Bedürfnisse sind Jesus nicht gleichgültig. Der menschgewordene Gottessohn weiß, wie sich Hunger, Durst, Müdigkeit und Anfeindungen anfühlen (lies Hebr 2,17.18; 4,15). Mehr noch: Er kümmert sich um unsere Nöte und schafft Abhilfe – so wie wir es brauchen: „Aus seinem großen Reichtum wird euch Gott, … durch Jesus Christus alles geben, was ihr zum Leben braucht“ (Phil 4,19 Hfa).
• Unsere eigenen Voraussetzungen spielen bei Jesus keine Rolle. Selbst unsere „Brote und Fische“ benötigt er nicht, um uns zu versorgen. Er, der über alle Wundermacht verfügt, kann uns Geld zukommen lassen, mit dem wir nie gerechnet haben, uns auf einen Arbeitsplatz aufmerksam machen, den wir selbst nie gefunden hätten, uns Ruhezeit schaffen, von der wir nur geträumt haben. Welche göttliche Ermutigung haben wir in letzter Zeit erlebt?
• Wir dürfen mit Jesus zusammenarbeiten. Auch wenn er unsere Mithilfe und Unterstützung letztlich nicht braucht, so bezieht er uns doch gerne mit ein. Unser Herr möchte durch uns, seine Mitarbeiter, wirken. Welch eine Ehre! Die Jünger beteiligte Jesus als Ordner, als Platzanweiser und Servicekräfte. Wo braucht er heute meine Handlangerdienste?
• Jesus gibt reichlich. Er gibt mehr, als zum Satt-Werden nötig ist (Joh 10,10b). Die zwölf Körbe gefüllt mit Übrig-Gebliebenem sind ein deutlicher Hinweis darauf. Die Anzahl Zwölf ist gewiss nicht zufällig. Sie zeigt unter anderem, dass für jeden Jünger, der mitgearbeitet hat, vorgesorgt ist. Vielleicht können wir die zwölf Körbe auch als eine Art Lohn für ihre Mitarbeit verstehen? (Vgl. Lk 10,7.)
Mi. Nachgeforscht und notiert: Lukas berichtet 13.08. von den Grundlagen der Jesus-Nachfolge (Lukas 9,18-26)
Lukas 9,18-20
Jesus möchte, dass wir wissen, wer er ist
Die zwölf Jünger waren schon einige Zeit mit Jesus, ihrem Meister, unterwegs. Dabei hatten sie Entscheidendes mit ihm erlebt. Sie hatten seine eindrucksvollen Predigten gehört, waren Augenzeugen seiner Wundertaten geworden und hatten sein in Liebe zugewandtes und doch so klares Verhalten aus nächster Nähe beobachten können.
Für Jesus war es Zeit, sich wieder in die Stille zurückzuziehen. Die Zwölf durften ihn begleiten. Jesus musste ihnen eine wichtige Frage stellen – die Frage, die bis heute der Dreh- und Angelpunkt für seine Nachfolger ist. Als kluger Lehrer begann Jesus zunächst mit einer Aufwärmfrage: „Für wen halten mich die Leute eigentlich?“ (V. 18b Hfa). Die Jünger zählten auf, was sie gehört hatten: Johannes der Täufer, Elia, einer der alten Propheten. Das Volk hatte eine hohe Meinung von Jesus. Er war in ihren Augen kein gewöhnlicher Mann. Er musste von Gott gesandt sein.
In Wirklichkeit aber dachten die Menschen noch viel zu gering von Jesus. Dass er Gottes Gesandter ist, glauben auch heute noch viele, selbst Vertreter anderer Religionen. Jesus konnte es nicht bei dieser Einordnung belassen. Er stellte den Jüngern die Frage, die ihn viel mehr interessierte als die Frage nach der Ansicht der Leute: „Und ihr– für wen haltet ihr mich?“ (V. 20a Hfa). Dieses „Ihr“ umfasst jene, die schon viel Zeit mit Jesus verbracht, die viel mit ihm erlebt hatten. Petrus antwortete – wie so oft – stellvertretend für alle: „Du bist der Christus Gottes!“ (V. 20b).
Die Antwort der Jesus-Nachfolger ist eine andere als die des Volkes. Das muss so sein. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn wir mit unserem Jesus-Glauben allein dastehen. Es geht bei der Jesus-Frage nicht um Mehrheit, sondern um Wahrheit (Joh 5,31-37a).
Do.
14.08.
Lukas 9,18-20
Jesus ist der Christus Gottes
Matthäus hat die Antwort des Petrus am ausführlichsten wiedergegeben: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Was Petrus bekannte, erkennt man nicht einfach so. Weder intensives Forschen noch Intelligenz bringen einen Menschen zu dieser Erkenntnis. Einsichten von Menschen aus „Fleisch und Blut“ (Mt 16,17b) reichen nicht hinein in Gottes Welt. Paulus schrieb den Christen in Korinth: „Niemand kann sagen: ‚Jesus ist der Herr‘, wenn es ihm nicht der Heilige Geist eingibt“ (1Kor 12,3b NLB; vgl. 1Kor 2,10).
Bis heute ist es Jesus das größte Anliegen, dass seine Nachfolger wissen, wem sie nachfolgen und wem sie dienen. Mit dieser Klärung steht und fällt die Nachfolge. Jesus ist eben nicht nur „Jesus von Nazareth“, der Sohn der Maria.
Er ist mehr. „Christus“ (hebr. „Messias“) bedeutet „der Gesalbte“. Salbungen wurden zu alttestamentlicher Zeit vollzogen als Zeichen göttlicher Bevollmächtigung zu herausragenden Aufgaben. Priester, Propheten und Könige waren die Gesalbten des Herrn.
In allen drei Gruppen sehen wir Jesus Christus:
• Als der sündlose Gottessohn ist Jesus der letzte Hohepriester. Er ist der Einzige, der nicht zuerst für sich selbst Opfer darbringen musste, um Gott zu versöhnen. Zugleich ist er auch das Schuldopfer für die Welt. Sein Opfer am Kreuz ist das letzte und gleichzeitig das einzige, das durch kein weiteres erneuert werden muss (Hebr 4,14; 5,5; 9,14.24-28).
• Als Prophet steht Jesus ebenso am Ende einer langen Reihe: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn“ (Hebr 1,1.2a). Christus ist in seiner Person das letzte prophetische Wort.
• Als König auf dem Thron Davids wird Christus ein ewiges Friedensreich aufrichten (Jes 9,5.6). Es beginnt schon jetzt und hier, wo sich Menschen unter seine Führung stellen. Haben Sie diesen Platz eingenommen?
Fr.
15.08.
Lukas 9,20-22
Der göttliche Auftrag des Christus
Es verwundert zunächst, dass Jesus seine Jünger zum Schweigen verpflichtete. Die einzigartige Erkenntnis, dass der Gesalbte Gottes unter ihnen erschienen war, musste doch publik gemacht werden. Jesus sah es anders. Im Blick auf seine Person musste zuvor für alle sichtbar werden, zu welchem Auftrag Jesus von Gott gesalbt war. Wer Jesus in Wahrheit ist, versteht nur der, der seinen einzigartigen göttlichen Auftrag kennt. Diesen beschrieb Jesus – zuerst nur seinen Jüngern – nüchtern und konkret: „Der Menschensohn* muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tag auferstehen“ (V. 22). Bevor der Menschensohn, von Gott mit Macht und Ehre ausgerüstet, sein ewiges Friedensreich unter allen Völkern und Sprachen errichten würde, musste er zuerst sein eigenes Leben als Lösegeld geben (Mt 20,28). „Der Menschensohn muss viel leiden“, sagte Jesus. Es wird kein Versehen sein, kein Justizirrtum. Er muss es auf sich nehmen, um Gottes geliebte Menschen aus Satans Geiselhaft freizukaufen, auch um der Verheißungen willen (z. B. Jes 53,4-10; Lk 24,25-27). Dennoch gab Jesus sein Leben freiwillig aus Liebe zu uns. Paul Gerhardt dichtet: „Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will dir’s tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen.“**
Noch konnten die Jünger nicht begreifen, worin der Auftrag ihres Herrn bestand. Matthäus hat die Reaktion von Petrus aufgeschrieben. Er „fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht!“ (Mt 16,22). Hier wird deutlich: Petrus hatte Jesus als den Christus erkannt; seinen Auftrag aber hatte er (noch) nicht verstanden. Man kann vermuten, dass Jesus auch aus diesem Grund die Ankündigung seines Sterbens und Auferstehens zwei weitere Male wiederholen musste (Lk 9,43b-45; 18,31-34).
* „ Menschensohn“ ist der Hoheitstitel des Messias im Buch des Propheten Daniel (7,13.14).
** „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“, Anfang von Strophe 3.
Sa.
16.08.
Lukas 9,23-26
Die Kosten der Nachfolge: Selbstverleugnung
Jesus hatte den Jüngern mit wenigen Worten seinen Christus-Auftrag dargelegt (Lk 9,20.22). Was daraus für sie als seine Nachfolger resultieren würde, durfte er ihnen nicht verschweigen. Jesus musste dabei einiges zurechtrücken. Die Evangelisten berichten von manchen sehr menschlichen Vorstellungen der Jünger (Mk 10,3537; Lk 22,24.38; 24,19-21; Apg 1,6).
Jesus verdeutlicht: „Zum leidenden Messias gehört eine leidende Gemeinde“ (G. Maier) und betont dabei: „Wer mir folgen will“ (Lk 9,23a). Keiner wird gedrängt, diesen Weg zu gehen. Jesus spricht nur die an, die wollen. Und die, die ihm nachfolgen wollen, müssen wissen, dass sie keinen Applaus, nicht einmal Toleranz erwarten können. Ist uns das noch bewusst? In unserem Land erlebten Christen viele ruhige Jahre. Man sprach sogar vom christlichen Abendland. Die Worte von Jesus zeigen: Das ist nicht der Normalfall. Zur Jesusnachfolge gehört anderes: „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ Die Art der Jesusnachfolge ist nicht verhandelbar. Etwas später erklärt Jesus noch einmal: „Wer nicht sein Kreuz trägt …, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,27a.33b).
Was meint Jesus, wenn er von Selbstverleugnung* spricht? Wir kennen den biblischen Bericht von der dreimaligen Verleugnung des Petrus. Während der Hohe Rat Jesus den Prozess machte, sprach man Petrus auf seine Zugehörigkeit zu Jesus an. Der wehrte vehement ab: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“ (Mk 14,71b). Petrus verleugnete seinen Herrn, nicht sich selbst. Sein eigenes Überleben war ihm das Wichtigste. Selbstverleugnung kennt nicht mehr sich selbst als den Wichtigsten, dessen eigene Haut gerettet werden muss. Selbstverleugnung, die Jesus meint, hat seine Verherrlichung zum Ziel (vgl. Gal 2,20b). Wie oft schon haben auch wir an diesem Punkt versagt. Wie gut, dass wir unseren Herrn um Vergebung und um einen Neuanfang bitten dürfen!
* Jesus meint nicht Selbstablehnung oder -hass. Wir brauchen ein gesundes Selbst, um es verleugnen, das heißt zurückstellen zu können.
So.
17.08.
Lukas 9,23-26
Die Kosten der Nachfolge: Vom Aufnehmen des Kreuzes
Im Blick auf die Kosten der Nachfolge spricht Jesus neben der Selbstverleugnung vom Aufnehmen des Kreuzes. Jesus meint das Kreuz, das jeder seiner Nachfolger für sich persönlich aufnehmen muss. SeinKreuz, das Kreuz der Erlösung, kann und braucht niemand von uns zu tragen. „Kreuzist ein Ausdruck für den ‚gekreuzigten‘ Eigenwillen. Das ist aber auch ein Ausdruck für alle Last, die die Jüngerschaft mit sich bringt“ (G. Maier). Diese ist nicht zu verwechseln mit irdisch-menschlichem Leid (z. B. Krankheit, Verlust), das man häufig ebenso als Kreuz bezeichnet.
Wenn Jesus vom Aufnehmen des Kreuzes spricht, wird man an die Verbrecher erinnert, die ihren Querbalken selbst zur Hinrichtungsstätte tragen mussten (Lk 23,26). Das war für einen freien römischen Bürger undenkbar. Jesus erwartet von seinen Nachfolgern die Bereitschaft, die größte Schmach und Ablehnung auf sich zu nehmen – um seinetwillen. „Täglich“, betont Jesus. Damit unterstreicht er, dass Nachfolge jeden Tag einen neuen Entschluss erfordert. Wie entlastend und tröstlich, dass Jesus uns keine lebenslangen Versprechen abverlangt. Es geht nur um diesen Tag. Darf seinWille heute meine Gedanken und Pläne im wörtlichen Sinn durchkreuzen? Nur wer zur Kreuzesnachfolge Ja sagt, kann ehrlichen Herzens beten: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ (Mt 6,10b).
Vielleicht denken wir, dass dies alles nur Fortgeschrittene im Glauben betrifft. Doch Selbstverleugnung und Kreuzaufnahme bilden die Grundvoraussetzung, um Jesus nachfolgen zu können. „Christus hat ja für euch gelitten und hat euch damit ein Beispiel hinterlassen. Tretet in seine Fußstapfen und folgt ihm auf dem Weg, den er euch vorangegangen ist“ (1Petr 2,21 NGÜ). In seiner Bergpredigt nennt Jesus diesen Weg den schmalen Weg, „der zum Leben führt“ (Mt 7,14b). Wir können gewiss sein, dass er uns auf diesem Weg niemalsalleinlassen wird.
Mo.
18.08.
Lukas 9,23-26
„Alles um alles“
Jesus hatte zu seinen Jüngern von der Kreuzesnachfolge gesprochen. Nun zeigte er ihnen die für menschliche Logik widersprüchliche Konsequenz auf: „Wer sein Leben (man könnte auch übersetzen: ,sich selbst‘) retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten“ (V. 24). „Jeder von beiden Wegen führt den Menschen gerade zum Gegenteil des Zieles, zu dem er ihn zu führen schien“ (F. Rienecker). Die Jesus-Nachfolge liegt buchstäblich quer zum selbstbestimmten Leben. Sie durchkreuzt menschliche Logik.
Jemand beschrieb die Jesus-Nachfolge mit den Worten: „Alles um alles“. Es geht um eine Entsprechung. Wie bei einer glücklichen Ehe, in der beide Partner aus Liebe um des anderen willen alles geben, so betont Jesus: „um meinetwillen“. Das eigene Leben hinten anstellen kann nur der, der jemanden gefunden hat, für den es sich lohnt, alles zu geben.
Philipp Spitta lernte Jesus als seinen Herrn und Heiland kennen. In einem seiner Lieder stellt er sich und den Sängern die Frage:
„Wo ist solch ein Herr zu finden, der, was Jesus tat, mir tut: mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen teuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, der sein Leben für mich gab, sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab?“*
Unser Leben – alles – Jesus zu geben, ist ein Entschluss, den wir mit der Entscheidung zur Jesus-Nachfolge treffen. Gottes Gegenspieler jedoch versucht unablässig, diesen Entschluss zu untergraben. Beständig versucht er, unser Wohlbefinden, unsere Ehre und Anerkennung, unserenVorteil in den Vordergrund zu stellen. Paulus zeigt die hilfreiche geistliche Sicht: „Ich lebe, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Ich lebe also mein Leben in diesem irdischen Körper im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat“ (Gal 2,20 NLB).
* „Bei dir, Jesu, will ich bleiben“, Strophe 3.
Di.
19.08.
Lukas 9,25
Hindernisse für die Jesus-Nachfolge (1)
Nachdem Jesus seinen Jüngern die Kosten der Nachfolge vor Augen geführt hatte, nannte er ihnen anschließend zwei entscheidende Hindernisse,die den Weg in seinen Fußspuren (1Petr 2,21) blockieren können. Als Erstes sprach Jesus das unermüdliche Bemühen um irdische Dinge an. Seine Frage könnte heute so lauten: Stellt euch vor, ihr könntet euch alle Abschlüsse für eure Karriere kaufen, ihr könntet die lukrativsten Aktien und Wertpapiere erwerben, die neuesten und größten Autos anschaffen, in jedes Land der Erde reisen, jedes gewünschte Konzert hören, euch alles leisten, was man für Geld bekommen kann. Und dann würde euer Leben völlig unerwartet und unvorbereitet von meinem Vater im Himmel beendet werden. Ihr werdet vor ihm stehen und er wird fragen: Hast du das neue, das ewige Leben meines Sohnes dabei? (Joh 3,15.16; 10,28; 11,25.26; 14,6; 1Joh 5,12).
Will ein Mensch nicht „sich selbst“, das heißt „sein Leben“ verlieren, muss er in seinem irdischen Leben das ewigeLeben erwerben. Es gibt nichts, was ein Mensch in dieser Welt gewinnen kann, das es wert wäre, dafür das ewige Leben zu verlieren. Der junge Mann, den wir als reichen Jüngling kennen, scheiterte kläglich in dieser Hinsicht (Mk 10,17-22). Er kam mit der entscheidenden Frage zu Jesus: „Was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ Mit einer herausfordernden Antwort deckte Jesus auf, was sein Hindernis war: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen“ (Mk 10,21). Und dann erfahren wir: „Er aber … ging traurig davon; denn er hatte viele Güter“ (Mk 10,22).
Fragen wir uns, ob uns vielleicht auch irgendein „Gut“ bei der Jesus-Nachfolge behindert. Gibt es etwas, das uns wichtiger geworden ist als Jesus? Unterstellen wir dies seiner Regie, damit es uns nicht zum Stolperstein wird.
Mi.
20.08.
Lukas 9,26
Hindernisse für die Jesus-Nachfolge (2)
Jesus sprach von einem zweiten Hindernis: „Wer sich meiner und meiner Worte schämt“. Fragen wir ehrlich: Wer – außer uns Jesus-Leuten – schämt sich für seine politische, religiöse oder sonstige Überzeugung? Normal ist eher das Gegenteil. Viele gehen für ihre Überzeugung auf die Straße, demonstrieren mit Plakaten, lauthals oder still. Überzeugungen möchte man weitergeben und andere dafür gewinnen. Was ist es, das uns als Jesus-Nachfolger oft so zurückhaltend macht im Blick auf Jesus? Wir verdanken Jesus Frieden mit Gott, Vergebung unserer Sünden, unser ewiges Heil. Wie seltsam, sich für das Beste zu schämen! Paulus ist der Sache auf den Grund gegangen: „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; … wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen (Nicht-Juden) eine Torheit“ (1Kor 1,18a.23).
Fragen wir weiter: Was empfindet der Mensch denn als ärgerlich und töricht am Evangelium? Das Evangelium „kränkt“ den menschlichen Stolz. Es mutet uns den eigenen Bankrott zu: Ich bringe nichts, tatsächlich gar nichts mit, was mein Ansehen bei Gott irgendwie positiv beeinflussen könnte. – Pfarrer Paul Deitenbeck sagte: „Wir sind vor Gott zahlungsunfähig“, und Paul Gerhardt formulierte es so:
„An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.
Mein Jesus ist mein Ehre, mein Glanz und schönes Licht. Wenn der nicht in mir wäre, so dürft und könnt ich nicht vor Gottes Augen stehen und vor dem Sternensitz, ich müsste stracks vergehen wie Wachs in Feuershitz.“*
Der tiefste Grund für unser Schämen liegt wohl darin, dass der Gegenspieler Gottes die Verbreitung der guten Nachricht von Jesus verhindern will. Er sät Scham in unser Herz, damit wir möglichst schweigen. Halten wir es wie Paulus: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“ (Röm 1,16a).
* „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich“, Ende von Strophe 3 und Strophe 4.
Do.
21.08.
Lukas 9,26
Die bittere Konsequenz
Dem, der sich für ihn schämt, zeigt Jesus eine bittere Konsequenz auf: „dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird“. Klingt das nicht wie Vergeltung? Aber so ist es nicht: „Er … vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten“ (Ps 103,10b.11). „Die ihn fürchten“, das sind jene, die in Ehrfurcht vor ihm leben, aus Dankbarkeit und Liebe seinen Willen tun wollen und sich seiner nicht schämen. Von ihnen heißt es: „Darum schämt der Sohn sich nicht, sie seine Brüder zu nennen“ (Hebr 2,11b GNB; vgl. Hebr 11,16).
Was kann uns heute helfen, ohne Furcht und Scham mutig für unseren Herrn Jesus einzutreten?
• Wir machen uns jeden Tag beim Bibellesen bewusst, wem wir nachfolgen. „Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt …!“ (Mi 7,18). Für ihn brauche ich mich nicht zu schämen.
• Wir pflegen Gemeinschaft mit anderen Jesus-Nachfolgern im Gottesdienst, in Bibelkreisen, auf Freizeiten. Geistliche Gemeinschaft stärkt den eigenen Glauben. Man sagt: „Zusammen sind wir stark“. Das wurde vor Jahren einer Schulklasse anhand eines dicken Telefonbuches demonstriert. Die Lehrerin nahm eine einzelne Seite zwischen ihre Finger und riss sie mit Leichtigkeit ein. „Nein!“, rief ein Schüler entsetzt. Daraufhin nahm die Lehrerin das komplette Buch in beide Hände und versuchte, alle Seiten miteinander zu zerreißen, was natürlich wegen der großen Anzahl nicht möglich war. „Genial!“, meinte der Junge. (Lies Pred 4,9-12; Mt 18,19.20.)
• Wir lassen uns ermutigen durch das Beispiel unserer Glaubensgeschwister, die in aller Welt trotz großer Nachteile, trotz Druck und Verfolgung*, sich nicht für Jesus schämen.
• Wir erfreuen Menschen durch Geschenke mit christlicher Aussage. Für solche Kalender, Literatur oder Geschenkartikel brauchen wir uns nicht zu schämen.
* Die Organisation „Open Doors“ veröffentlicht (auch online) ermutigende Zeugnisse und Berichte verfolgter Christen.
Fr.
22.08.
Lukas 9,26
Jesus kommt wieder in Herrlichkeit
Jesus hatte seine Jünger mit der Möglichkeit konfrontiert, dass sich Jünger für ihren Meister, also Gerettete für ihren Retter, schämen können. In der Gefahr, lieber ein angepasstes, wohltemperiertes Kulturchristentum zu leben, stehen wir alle. Bereits der frühen Gemeinde in Laodizea bescheinigte Jesus: „Weil du weder warm noch kalt bist, sondern lauwarm, werde ich dich aus meinem Mund ausspucken“ (Offb 3,16 NGÜ). Jesus lenkte den Blick seiner Zuhörer immer wieder auf den Tag seines Wiederkommens, der auch das letzte Gericht beinhalten wird. „Ausspucken“ ist dann ein hartes Urteil.
Doch am Ende seiner Rede über die Nachfolge sprach Jesus im Blick auf sein Wiederkommen von einer dreifachen Herrlichkeit: der Herrlichkeit des Menschensohnes, der Herrlichkeit seines himmlischen Vaters und der heiligen Engel. Durch diese dreifache Herrlichkeit wird sein Kommen alles je auf Erden Erlebte übertreffen. Auf unserem irdischen Weg Jesus nach ist noch wenig von dieser himmlischen Herrlichkeit sichtbar. Allerdings gilt für die, die für ihren Herrn Hohn und Spott ertragen: „Glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und Gottes ruht auf euch“ (1Petr 4,14b). Verfolgte Christen berichten, wie sie diese Herrlichkeit jetzt schon erlebt haben (vgl. Apg 7,54-56).
Aber auch jeder andere Christ darf mit den vom Heiligen Geist erleuchteten Herzensaugen ein Stückchen Herrlichkeit Gottes sehen (vgl. Eph 1,18), beispielsweise
• wenn er erwartungsvoll seine Bibel liest,
• wenn er Gott sein Herz ausschüttet,
• wenn er Jesus und den himmlischen Vater im Himmel anbetet,
• wenn er Gottes Führung oder Bewahrung erlebt.
Ganz gleich, ob sich hier und jetzt schon ein kleines Fenster zur göttlichen Herrlichkeit öffnet oder ob wir einmal vor der vollen Herrlichkeit Gottes stehen werden – was sind Spott und Hohn der Menschen angesichts dieser göttlichen Realität? Die Apostel beschlossen, sich nicht für ihren Herrn zu schämen (2Tim 1,8.12).
Sa. Sicherheit in unsicheren Zeiten – Psalm 91 23.08.
Psalm 91,1-16; 1. Korinther 1,9
Anhand von drei Fragen wollen wir versuchen, Schätze zu heben, die in Psalm 91 verborgen liegen: Wo wohnst du? Wovor fürchtest du dich? Worauf vertraust du?
1. Wo wohnst du?
Jeder wird auf diese Frage mit seiner Adresse antworten, dem behördlich angegebenen Wohnsitz. Aber haben wir neben „unseren eigenen vier Wänden“ auch einen „inneren Wohnort“? Wo sind wir innerlich zu Hause? Das wird schnell deutlich, wenn wir uns der Frage stellen, wohin unsere Gedanken schweifen, wenn sie nicht durch Arbeit und Verpflichtungen in Anspruch genommen sind. Unsere Gedanken sind das Wurzelwerk unseres Lebens. Es ist deshalb nicht unerheblich, wohin wir unsere Wurzeln ausstrecken – hin zu der lebendigen Quelle des Wortes Gottes oder hin zu dem, was unsere Gesellschaft uns bietet. Wir werden geprägt von unseren Beziehungen und unserer Umgebung, die unter Umständen von ideologischen Überzeugungen und von der Haltung des Mainstreams geprägt sind. Überlassen wir uns deshalb nicht einer Denkweise, die von dem lebendigen Gott wegführt, denn „der Gott dieser Weltzeit hat das Denkvermögen der Ungläubigen verdunkelt“ (vgl. 2Kor 4,4 MNG; lies 1Mose 49,22-24; Ps 1,1-3).
Es gibt also unterschiedliche (innere) Aufenthaltsorte: solche, die uns schaden und Angst machen, und solche, von denen wir reichen Gewinn haben. Psalm 91 zeigt uns den besten Aufenthaltsort: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Gott lädt uns ein, nicht nur in besonders feierlichen oder gefahrvollen Momenten bei ihm vorbeizuschauen, sondern konstant mit ihm und seinem Wort zu leben.
„Bleibt in mir, und ich in euch. … Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (lies Joh 15,1-5).
So.
24.08.
Psalm 91,1.2; 1. Petrus 1,18.19
Alles hat seinen Preis, besonders ein Wohnsitz in herrlicher Lage. Jesus Christus hat für uns den Wohnsitz „unter dem Schirm des Höchsten und im Schatten des Allmächtigen“ erworben. Er hat den Kaufpreis für uns bezahlt. „Ihr wisst, dass Gott euch nicht mit vergänglichen Werten wie Silber und Gold losgekauft hat … Er bezahlte für euch mit dem kostbaren Blut von Jesus Christus, der rein und ohne Sünde zum Opferlamm Gottes wurde“ (1Petr 1,18.19 NLB; lies Mt 20,28; Gal 1,3-5). Durch Jesus steht uns der Platz in Gottes Nähe zu. Wir haben keinen Eigenanteil und keine Kaution zu entrichten. Nur einziehen müssen wir.
Jemand erzählte, wie er von diesem neuen Platz in Gottes Nähe erfuhr und ihn bald darauf einnahm:
„Es waren unruhige Zeiten in meinem Leben. Ich fühlte mich hin- und hergeworfen wie ein Blatt im Wind. In dieser Phase der Verzweiflung mitten in einer Krise lud mich ein Freund zu einem Abendgottesdienst ein. In jener Stunde begegnete mir Gott. Sein Wort sprach genau in meine Situation hinein. Noch an diesem Abend beschloss ich, mein Leben Jesus anzuvertrauen und ihm nachzufolgen. ‚Herr, auf dein Wort hin‘, sagte ich wie Petrus, und so fand ich tiefen Frieden und Geborgenheit.“ (Lies Lk 5,4-11; Joh 1,12.13; Apg 4,12.)
Damit wir uns in Gottes Nähe daheim fühlen, gilt es beim Umzug vom früheren in das neue Leben allen Müll zu beseitigen, Sünde ans Licht zu bringen und zu ordnen. Ein Punkt wäre zum Beispiel, die „Akten“ zu entsorgen, in denen wir die Schuld der anderen uns gegenüber aufgelistet haben.
Jesus sagt: „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben“ (Mt 6,14). Und Gott verspricht uns: „Wenn eure Sünde auch blutrot ist, so soll sie doch schneeweiß werden“ (Jes 1,18).
Mo.
25.08.
Psalm 91,1.2; 2. Korinther 9,8
Nicht nur für das Wohnen „unter dem Schirm des Höchsten und im Schatten des Allmächtigen“ hat Jesus den Preis bezahlt.
• Auch für unsere Versorgung an jedem neuen Tag kommt er auf.
Wir haben einen Herrn, der alle Macht in Händen hält und uns mit seiner Liebe und Aufmerksamkeit beschenkt, – das ist das Großartige an einem Leben in der Gemeinschaft mit ihm: „Ich will mit dir sein“ (2Mose 3,12a) – „Seid um nichts besorgt“ (Phil 4,6a) – „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen“ (Hebr 13,5b LUT 1912). Das sind seine Zusagen, zu denen er hundertprozentig steht. Rechnen wir mit ihm, oder lassen wir uns doch von Sorgen beunruhigen? (Lies Ps 23,1-6; Eph 3,20.21; Phil 4,19.)
• Durch das Wohnen im Schatten des Allmächtigen werden wir verändert.
„Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig!“ (1Petr 1,15; lies 1Petr 2,9-12; 1Thess 4,3; 1Kor 6,18-20). Immer wieder sind wir vor die Entscheidung gestellt, wo wir uns innerlich aufhalten wollen. Wir können uns bewusst im Schatten des Allmächtigen niederlassen, indem wir uns mit seinem Wort beschäftigen und mit ihm im Gespräch sind.
„Was immer mich von der Bibel abhält, ist mein Feind, so harmlos er auch scheinen mag. Was immer meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, wenn ich über Gottes Wort und die ewigen Dinge nachsinnen wollte, gereicht meiner Seele zum Nachteil. Wenn die Sorgen des Lebens die Worte der Bibel von meinen Gedanken und meinem Herzen wegdrängen, habe ich Schaden erlitten, gerade da, wo ich es mir am wenigsten leisten kann. Setze ich an die Stelle der Heiligen Schrift etwas anderes, bin ich der Betrogene: ich habe mich selbst beraubt“ (A. W. Tozer).
„Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie; deine Worte sind mir zur Freude und Wonne meines Herzens geworden“ (Jer 15,16 SCHL; lies Ps 19,8-12; 119,47.72.97.140).
Di.
26.08.
Psalm 91,1.2; 36,8-10
• Wer im Schatten des Allmächtigen wohnt, hat das Vorrecht, alles mit Gott besprechen zu können.
In Gottes Gegenwart lernen wir, Menschen und Verhältnisse aus seiner Perspektive zu sehen. Asaf sagte: „So sann ich nach, ob ich’s begreifen könnte, aber es war mir zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes …“ (Ps 73,16.17a; lies 1Sam 1,1518; Jes 37,1.14-20).
Billy Graham berichtet, wie Gott ihn an Grenzen geraten ließ und ihn dadurch in seiner Nähe hielt: „Der Herr hat mein Leben so eingerichtet, dass ich stets von ihm abhängig war. Ich musste mich auf Gott verlassen, denn meine Grenzen waren mir zu deutlich. Immer und immer wieder ging ich auf die Knie und bat um Weisheit und Leitung durch den Heiligen Geist. Manchmal war ich versucht, vor den Problemen und Schwierigkeiten und vor meiner Unfähigkeit, sie zu bewältigen, einfach zu fliehen. Aber selbst in Augenblicken der Verwirrung und der Unentschiedenheit spürte ich irgendwie die feste Hand des Allmächtigen, der über mir war und mich führte.“ (Lies 5Mose 32,11.12; Ps 84,5-13.)
Oswald Chambers schreibt zu Psalm 91: „Niemand kann dir sagen, wo der Schatten des Allmächtigen ist. Das musst du für dich herausfinden. Wenn du es herausgefunden hast, dann bleibe dort. Unter diesem Schatten kann dir das Böse nichts anhaben. Die Intensität der Zeit, die du im Schatten des Allmächtigen verbracht hast, bestimmt das Maß deiner Brauchbarkeit als Gottes Mitarbeiter. Die Tiefe der Gemeinschaft mit Gott besteht nicht in Gefühlen, ist auch nicht abhängig von besonderen Orten, sondern besteht in der stillen, entschlossenen, vertrauensvollen Ausrichtung auf Gott. Gestatte niemals, dass irgendetwas dich abhalten darf, dort zu sein, wo dein geistliches Leben gestärkt wird.“ (Lies Ps 26,8; Lk 10,38-42; Joh 14,21-23.)
Mi.
27.08.
Psalm 91,1-8; Johannes 16,33
2. Wovor fürchtest du dich?
Wer kennt nicht die Berg- und Talfahrten des Lebens – möglicherweise verbunden mit Ängsten, die den Abstieg in dunkle Täler, aber auch den Aufstieg in eine neue Lebensphase markieren? In unseren Tagen breiten sich Ängste auf vielen Gebieten aus. Das Spektrum reicht von Naturkatastrophen, Kriegen, Terrorismus, Kriminalität über Digitalisierung und künstliche Intelligenz bis hin zu Altersarmut und Krankheit, zum Abnehmen der körperlichen und geistigen Kräfte und zum Verlust der Kontrolle über das eigene Leben. Es sind nur wenige Stichworte, die das Bild einer von Angst besetzten Gesellschaft zeichnen. Auch unsere Fantasie mag uns alle möglichen Schreckensszenarien vor Augen stellen und Ängste schüren, die uns entmutigt, resigniert und verzagt zurücklassen.
Aber unser Gott will immer wieder den Ring der sorgenvollen Ängste um uns her sprengen. „So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum, wo keine Bedrängnis mehr ist“ – „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, ich helfe dir“ (Hiob 36,16; Jes 41,10; lies Ps 27,1-6; 34,5-8; 56,2-5.10-12).
Wer im Schatten des Allmächtigen wohnt und in einer lebendigen Beziehung mit Gott lebt, der ist in einem sicheren Schutzraum geborgen. Der Psalmist schildert seine Beziehung zu Gott mit Bildern, die Geborgenheit und Sicherheit ausdrücken: „Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Dreimal betont er das Wort „mein“. Die Nähe zu seinem Gott ruft dieses getroste Echo in ihm hervor. Für uns persönlich dürfen wir festhalten: Der Höchste ist mein Gott, meine Zuflucht und meineBurg. (Lies Ps 62,2.3.6-9; 63,8.)
„Meine Zuflucht ist in Gott, meiner Rettung Fels ist Er, Bergungsort in jeder Not und im Kampfe meine Wehr, auf dem Wege durch die Zeit meine einzʼge Sicherheit.“*
* Sr. Helga Winkel (1926–2016), nach Psalm 62,7.8.
Do.
28.08.
Psalm 91,3.4; 25,15
Wieder nennt der Psalmist Dinge aus seinem Alltag, die ihn bedrohen wollen. Gleichzeitig wendet er sich an Gott, bei dem er sich geborgen weiß. Seine Erfahrung gibt er auch an andere weiter: „Er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Er wird dich mit seinen Flügeln decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.“
Bei uns ist es vermutlich nicht der „Strick des Jägers“ oder die „Pest“, vor denen wir uns fürchten. Trotzdem sind die Gefahren nicht weniger geworden. Sie haben nur ein anderes Gesicht. Was heute auch auf uns zukommen mag, Gott spricht: „Schützend halte ich meine Hand über euch“ (Jes 51,16 Hfa). Wir dürfen bei ihm geborgen sein wie Küken unter den bergenden Flügeln einer Henne oder wie die Jungen von Adlern, die von deren Flügeln geschützt werden. Diese Bilder drücken eine zarte, liebevolle Fürsorge aus. Sie werden in der Bibel wiederholt für Gottes Handeln an uns gebraucht. Er ist uns nahe, um uns in Gefahr zu bewahren. Keinem noch so scharfsinnig ausgedachten Plan des Feindes soll es gelingen, den zu Fall zu bringen, über dem Gottes Auge schützend wacht. David bezeugt: „Du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich“ (Ps 63,8).
Jesus greift das Bild mit den Flügeln auf und sagt: „Jerusalem, Jerusalem, …! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!“ (Mt 23,37). Gott zwingt sich uns nicht auf. Er lädt uns vielmehr ein, den Schutzraum unter seinen bergenden Flügeln zu suchen.
„Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt, alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.“*
* Paul Gerhardt (1607–1676), „Sollt ich meinem Gott nicht singen“, Strophe 2.
Fr.
29.08.
Psalm 91,5; 3,1-7
„Du brauchst dich nicht zu fürchten vor dem Schrecken der Nacht“ (Ps 91,5a SCHL). Dass wir in tiefem Frieden schlafen, kann Ausdruck unseres Vertrauens auf Gott sein. Manch einer aber weiß von Nachtstunden, in denen Sorgen und Ängste einem den Schlaf rauben. Um zur Ruhe zu kommen, kann ein abendliches Ritual hilfreich sein. Wir bedenken den zurückliegenden Tag noch einmal vor Gott, mit allem, was an Gutem und Schwerem, an Glück und Versagen darin lag. Ungeklärtes, Versagen und Ängste übergeben wir bewusst an Jesus.
Oft ist es eine Hilfe in schlaflosen Nachtstunden, sich Bibelworte oder Liedstrophen dem Alphabet nach ins Gedächtnis zu rufen. Solches Nachdenken lenkt von den sorgenvollen und quälenden Gedanken ab und ermutigt, Gott zu vertrauen.
Martin Luther schreibt in der ihm eigenen Art: „Wenn der Teufel des Nachts an mich kommt, mich zu plagen, gebe ich ihm diese Antwort: ‚Teufel, ich muss jetzt schlafen. Das ist Gottes Befehl und Ordnung, am Tag zu arbeiten und in der Nacht zu schlafen.‘ “
Friedrich Traub (1873–1906), ein Pionier der Chinamission, berichtet, wie er eine Zeit massiver Anfechtungen durchlebte: „Samstagnacht hatte ich wieder eine schreckliche Zeit; da griff ich zu dem alten, bewährten Mittel, dichtete und sang dem Herrn ein neues Lied. So wurden die Schreckensstunden, die der Satan bereiten will, in
Segens- und Siegesstunden umgewandelt.“
Als er schwer erkrankte und von großer Schwachheit gezeichnet war, dichtete er:
„Jesus lebet, Jesus siegt! Halleluja! Amen.
Satan wütend stets bekriegt Gottes heilgen Samen.
Volk des Herrn, o sei getrost, wenn der Feind auch sehr erbost: Jesus lebet, Jesus siegt! Halleluja! Amen!“
Auch David kannte die tiefe Geborgenheit unter der schützenden Hand Gottes: „Ganz ruhig schlafe ich ein; denn du, Herr, … lässt mich in Sicherheit leben“ (Ps 4,9b GNB; lies Ps 121,3-8; Spr 3,24; Mk 4,37-39).
Sa.
30.08.
Psalm 91,5-7; Jesaja 54,14-17
Zunächst ist die Rede von den Angriffen bei Nacht, aber dann werden auch die Gefahren am Tag thematisiert. Die Bedrohung durch Pest und Seuchen waren für den Psalmisten Realität. Und heute? Die Schreckensmeldungen, die uns tagtäglich in den Nachrichten erreichen, sind nicht weniger bedrohlich. Raketen, Sprengstoffdrohnen oder bewaffnete Überfälle auf Kirchen oder christliche Schulen sind in verschiedenen Gebieten an der Tagesordnung. Zerbrochene Beziehungen, Verlust des Arbeitsplatzes, verbale Angriffe oder Mobbing machen auch vor Christen nicht halt.
Aber – das müssen wir uns dick unterstreichen – in Gottes Pläne sind immer Möglichkeiten zu unserer Bewahrung eingeschlossen. Er sagt uns: „Du musst nicht erschrecken“ (Ps 91,5a). – „Befiehl dem Herrn dein Leben an und vertraue auf ihn, er wird es richtig machen“ (Ps 37,5 Hfa). Gott hat Mittel und Wege einzugreifen, von denen wir nichts ahnen. „Es ist in seinem Plan, das Unmögliche für uns zu tun, nachdem er uns zuerst die Unmöglichkeiten sehen ließ“ (P. Brand). (Lies Hiob 42,2; Ps 115,3; 146,1-10.)
Gott ist mit seiner Fürsorge an unserer Seite und begleitet uns auf unseren Wegen. Jakob gab er die Zusage – die auch wir für uns persönlich nehmen dürfen –: „Ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst“ (1Mose 28,15).
Wenn wir uns fürchten, sind wir manchmal wie gelähmt oder wir reagieren aggressiv. Doch wir brauchen uns nicht durch Ängste zu rücksichtslosem Handeln verleiten zu lassen. Wir haben es nicht nötig, es denjenigen, die uns angreifen oder verleumden, mit gleicher Münze heimzuzahlen. Gott will uns die Angst nehmen, damit wir nicht selbst an anderen schuldig werden. „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2Tim 1,7; lies Ps 56,5-12; 112,7b.8a; 118,5-9).
So.
31.08.
Psalm 91,5-16; 73,23-26
„Du musst nicht erschrecken vor den Pfeilen, die des Tages fliegen.“ Es gibt „Gedanken- und Sorgenpfeile“, die uns so niederdrücken, dass wir entmutigt am Boden liegen. Hiob wurde von solch einem Pfeil getroffen, als seine Frau ihn in den schwersten Stunden seines Lebens aufforderte: „Sage Gott ab und stirb!“ Damit wollte sie sagen: „Was hast du von deinem Frommsein, wenn du das Liebste und Wertvollste in deinem Leben verlierst? Schau doch hin, dein Glaube an Gott nützt dir nichts.“ Derartige Brandpfeile wollen unser Vertrauen auf Gott zerstören. (Lies Hiob 2,9.10; Ps 42,4.)
Der Apostel Paulus rät uns im Blick auf ähnliche Vorkommnisse: „Ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr jeden Brandpfeil unschädlich machen könnt, den der Böse gegen euch abschießt“ (Eph 6,16 NGÜ; lies 1Sam 17,10.11.32.45-47; 1Petr 5,8.9; Jak 4,7.8a).
„So begegnet dir kein Unglück, und keine Plage naht deinem Zelt.“ Soll das heißen, dass Jesusnachfolgern nichts zustoßen kann? Wer so denkt, geht mit seinen Überlegungen in eine falsche Richtung.
Der Psalmist weiß von großer Not, aber auch von Gottes Gegenwart mitten in der Not. Richten wir unseren Blick über alles Elend hinweg auf unseren auferstandenen Herrn. Er ist jeder Not gewachsen. „Für die Armen bist du eine Zuflucht, den Elenden in Bedrängnis eine Festung, Schutz im starkem Regen und Schattenspender in der sengenden Hitze“ (Jes 25,4 NLB).
Ein Mann schrieb 1943 aus dem Feldlager in Kiew an seine Familie: „Es hat minus 35 Grad. Ich habe alles angezogen, was mir zur Verfügung steht … Unser Brot ist zu Stein und Bein gefroren. … Doch: ,Es kann mir nichts geschehen, als was er hat ersehen und was mir nützlich ist.‘*“ Welch ein getrostes Gottvertrauen mitten im tobenden Krieg spricht aus diesen Worten!
* Paul Fleming (1609–1640), „In allen meinen Taten“, nach Strophe 3.
Mo.
01.09.
Psalm 91,11.12; Matthäus 4,1-11
Gott verspricht keine heile Welt, aber er verspricht uns seine Hilfe mitten in der Gefahr: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu beschützen, wo immer du gehst“ (Ps 91,11 NLB). Es ist ungeheuerlich, dass Satan Jesus mit diesem Bibelwort zu versuchen wagte. Jesus wies ihn ab und entgegnete ihm: „In der Schrift heißt es aber auch: ,Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern!‘ “ (Mt 4,7 NGÜ). Jesus weigerte sich, Gottes Wort aus dem Mund Satans anzunehmen und für eigene Zwecke zu missbrauchen. Er wollte nichts anderes als den Willen des Vaters tun und ihm gehorchen. An dieser Stelle sollte kein Wunder seine Stellung sichtbar werden lassen. (Lies Dan 3,15-18.)
Jesus blieb für seine Gegner so lange unerreichbar und unantastbar, wie es in Gottes Plan stand. Wiederholt betonte er: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“ (Vgl. Joh 2,4; 7,6.8.30; 8,20; Lk 17,23-25.) Doch als seine Stunde gekommen war, durften seine Feinde ihn gefangen nehmen, misshandeln und ans Kreuz schlagen. Zu Pilatus sagte Jesus: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben her gegeben wäre.“ (Lies Joh 19,10.11; Lk 22,53.)
Mitten in den bitteren Herausforderungen hielt Jesus am Vertrauen zu seinem Vater fest. Er wusste, dass durch sein Leiden und Sterben die Verbindung zwischen uns sündigen Menschen und dem Vater wiederhergestellt werden würde. (Lies Jes 53,3-8; Joh 3,16.)
Zwischen dem Leiden von Jesus und unseren Leiden besteht allerdings ein himmelweiter Unterschied. Eigentlich könnte nur Jesus die Verheißungen dieses Psalms für sich in Anspruch nehmen – doch sie gelten für jeden, der sein Vertrauen auf Gott setzt.
Unsere zweite Frage war: Wovor fürchtest du dich?*
Wir können festhalten: Mitten in allen angstmachenden Szenarien unserer Zeit liegt unser Leben in Gottes Hand. Er bleibt an unserer Seite. Wir können uns getrost ihm überlassen. (Lies Ps 37,24; 139,5.6; Röm 8,35-39.)
* Siehe „Zeit mit Gott“ vom 27.08.2025.
Di.
02.09.
Psalm 91,14-16; Hebräer 11,6
3. Worauf vertraust du?
So lautet die dritte Frage, die wir bedenken wollen. Der Schreiber von Psalm 91 wusste, dass menschliche Sicherheiten brüchig sind. Heute hoffen wir auf politische Stabilität, einen sicheren Arbeitsplatz, die Ressourcen auf unserer Erde, unser Gesundheitswesen, Ernährungssicherheit, stabile Beziehungen oder ausreichende Finanzen – und wissen nicht, ob uns diese Dinge auf Dauer erhalten bleiben. Deshalb ermutigt uns der Psalmist, unser Vertrauen auf Gott zu setzen: „Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue!“ Wie der Beter das machte, beschreibt Gott selbst: „Er klammert sich an mich, … er ruft mich an“ (SCHL). Wir dürfen im Glauben mit Gottes Hilfe rechnen.
Halten wir auch in scheinbar ausweglosen Schwierigkeiten daran fest:
„Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.“*
„Der, der in uns lebt, ist stärker als der, der in der Welt sein Wesen treibt“** (1Joh 4,4) – er ist stärker als alle Angriffe oder Hindernisse des Feindes. Wenn Zweifel aufkommen und der Unglaube uns einflüstern möchte: Was du erwartest, ist reine Illusion, was du tust, ist sinnlos, so soll es ihm doch nicht gelingen, das Vertrauen auf Gott aus unserem Herzen zu reißen.
Gott lädt uns ein, uns in jeder Lage an ihn zu wenden und ihn anzurufen.
„Gott selber sagt: ‚Er hängt an mir mit ganzer Liebe, darum werde ich ihn bewahren. Weil er mich kennt und ehrt, werde ich ihn in Sicherheit bringen. Wenn er mich ruft, dann antworte ich. Wenn er in Not ist, bin ich bei ihm; ich hole ihn heraus und bringe ihn zu Ehren. Ich gebe ihm ein langes, erfülltes Leben; er wird die Hilfe erfahren, auf die er wartet‘ “ (Ps 91,14-16 GNB; lies Ps 18,5-7.17-20; 109,30.31).
* Philipp Spitta (1801–1859), Theologe und Liederdichter.
** Übersetzung von Ludwig Albrecht (1861–1931).
Mi.
03.09.
Psalm 91,1-16; 32,6.7
Der Dichter des Psalms ist sich sehr wohl der Gefahren bewusst, die tagtäglich auf ihn lauern. Doch er ist dem allem nicht ausgeliefert. Gott ist seine Zuflucht und seine Burg. Bei ihm weiß er sich geborgen und in Sicherheit. (Lies Ps 56,2-4; 57,2-4.)
Gefahren und Nöte ganz unterschiedlicher Art können plötzlich auch unseren Alltag durcheinanderbringen. Eine schwere Diagnose oder der Verlust eines lieben Menschen können uns entmutigen, Krieg und Terror rücken näher. In ethischen Fragen werden Gottes Gebote mit Füßen getreten. Doch Stürme gab es schon immer.
Martin Luther, vor dem diese gefahrvollen Situationen ebenfalls nicht haltmachten, dichtete auf seinem Weg zum Reichstag in Worms das heute weltweit bekannte Lied:
„Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“ (Lies Ps 46,1-12.) Luther wusste nicht, wie die Sache für ihn dort ausgehen würde. Aber die Gewissheit, dass sein Leben in Gottes Hand ist, gab ihm in aller Anfechtung den inneren Rückhalt und die feste Zuversicht, dass er nicht einen einzigen Augenblick von Gott verlassen wäre. Wie oft mag er diesen Psalm wohl gebetet haben, um seinen Blick weg von den Gefahren auf den allmächtigen Gott zu lenken? Luther schrieb: „Psalm 91 ist ein Trostpsalm und reizt uns zum Vertrauen auf Gott in aller Not und Anfechtung und ist voll reicher tröstlicher Verheißung“.
Wohin wenden wir unseren Blick in gefährlichen Situationen? Halten wir an Gottes Präsenz, seinem Schutz und seiner Kraft fest?! Unter dem Schirm des Höchsten und im Schatten des Allmächtigen ist in unsicheren Zeiten der sicherste Platz.
„Siehe, ich bin bei dir und geh mit, wohin du gehst, dass du deinen Fuß nicht an Steine stößt.
Friede sei mit dir, denn ich schütze dich mit meiner Hand, dass du sicher läufst, auch durch ein Wüstenland.“
(Sr. Gabriele Goseberg)
Do. Der Glaube – Geschenk und Aufgabe zugleich – 04.09. Teil 1 (1. Mose 11,27 - 16,16)
1. Mose 1,1.26-28; Jesaja 54,4-10
Die ersten elf Kapitel der Bibel befassen sich mit der Urgeschichte der Welt und ihrer damaligen Menschheit (1Mose 1-11). Dieser Teil gibt uns grundlegende Einblicke in das Herz Gottes. Er ist der dreieinige Gott, der seine Schöpfung lieb hat, der den Menschen nach seinem Bild geschaffen, ihm Verantwortung übertragen hat und im persönlichen Gespräch mit ihm sein will. Nur so kann der Mensch der Versuchung zum Bösen widerstehen. Wo dies nicht geschieht und er mit Gott bricht, zieht der Herr ihn zur Rechenschaft und verhängt sein gerechtes Strafurteil über ihn. Doch wer auf Gott vertraut, wer ihn um Vergebung bittet und mit ihm lebt, „kommt nicht ins Gericht“ (Joh 5,24; lies Joh 3,5-16).
Die Urgeschichte gibt uns aber auch Einblicke in das Herz des Menschen und beleuchtet seine vielschichtigen sowie bösartigen Problemzonen. Drei grundlegende Beziehungs-Ebenen werden sichtbar.
Die religiöse Ebene: Sie betrifft die Beziehung des Menschen zu Gott, die durch Misstrauen zerbrach (1Mose 3, Sündenfall).
Die soziale Ebene: Hier geht es um die Beziehung zum Nächsten, die durch Neid und nachfolgenden Brudermord zerstört wurde (1Mose 4, Kain und Abel).
Und schließlich weist die nationale Ebene hin auf die Beziehung des Menschen zum Staats- und Kulturwesen. Die Einheit der Menschen bröckelt und zerbricht – letztendlich an ihrem in Skepsis gebetteten Hochmut (1Mose 11, Turmbau zu Babel). Diese Begebenheit enthält zwar keinen Hinweis auf Gottes Gnade. Aber: Er zeigt seinen Menschen nicht die kalte Schulter, lässt sie nicht fallen. Denn schon längst hat er den roten Faden seiner Heilsgeschichte eingefädelt (1Mose 3,15; 5,3; 6,8-10; 11,10-26).
Kapitel 11,27-32 gibt uns eine Vorschau auf Gottes großherziges Handeln mit Abraham, das schließlich in Jesus Christus zum Ziel kommt (Mt 1,1). In ihm wird die katastrophale Sprachverwirrung überwunden. (Siehe Apg 2,1-3.7-11.42-47.) Durch Jesus werden die Menschen aller Nationen, die sich ihm anvertraut haben, zu einem
Volk werden. (Vgl. Offb 5,9-14.)
Fr.
05.09.
1. Mose 11,27 - 12,1
Die Heilsgeschichte Gottes beginnt „offiziell“ mit der Familie Terachs. Sie gehört zur Generationenfolge „Adam – Set – Noah – Sem“. Ihr Wohnsitz ist das chaldäische Ur* im Land Mesopotamien, dem heutigen Südirak. Ausgrabungen zeigen, dass Ur eine sehr große und reiche Stadt war; aber sie war nicht nur topmodern, sondern auch stockheidnisch. Die Familie Terachs machte da keine Ausnahme. Was ihre Religion anbelangte, heißt es: „Sie dienten andern Göttern“ (Jos 24,2). Der Sternenhimmel, besonders der Mond, wurde als Gott verehrt.
Doch völlig überraschend offenbarte sich in jener multireligiösen Welt der „Gott der Herrlichkeit“. Er „erschien unserem Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran** wohnte, und sprach zu ihm“ (Apg 7,2). Wie sich das „Treffen“ ereignete, wird nicht beschrieben. Aber das Wesensmerkmal dieser Beziehung, Gottes persönliches Reden, ragt deutlich heraus. (Vgl. Jer 1,4-8; Apg 22,6-21.) Gott spricht – auch zu Abram. Und was der Herr sagt, ist geradezu atemberaubend. Abram soll im Auftrag Jahwesein wandernder „Neuland-Forscher“ sein (1Mose 12,1-10; 15,7.18). Dieser heilige Name bezeugt Gottes unantastbare Hoheit („Ich bin, der ich bin“), und er bedeutet zugleich: „Ich bin für dich da“. Ich sorge für dich mit dem „RundumPaket“ meiner Liebe zu dir.
Das Umzugs- und Wanderleben Abrams war keine Kleinigkeit. Aber er zog los und wurde wenig später ein Auswanderer im „Reise-Modus“. Abram – bereits sein Name weist auf seine hohe gesellschaftliche Position hin – soll alleshinter sich lassen und in eine unsichere Zukunft wandern. Hunderte von Kilometern, unzählige Sorgen, Nöte, Konflikte, Gefahren sind zu bewältigen. Aber: Wenn der Herr ruft, macht er selber sich mit auf den Weg. Er führt seine Leute Schritt für Schritt und sorgt für sie rund um die Uhr. (Lies Ps 23,1-6; 32,7.8; Jes 30,21; 48,17.)
* D er Ruinenhügel des alt-historischen Ur – heute Tell el-Muqayyar – liegt etwa 360 km südlich von Bagdad nahe der Stadt Nasiriya.
** Im heutigen Südosten der Türkei gelegen.
Sa.
06.09.
1. Mose 12,1-4; Hebräer 11,8
Nach der Urgeschichte (1Mose 1-11) wird jetzt die Geschichte der ersten Glaubensväter (1Mose 12-50) eröffnet. Mit 1. Mose 12 beginnt eine ganz und gar neue Epoche in der Menschheitsgeschichte. Abram, ein Einzelner, ein Heimatloser, ein Kinderloser wird in einem fremden Land der Stammvater Israels und Träger eines neuen Glaubens. Das Verlassen alter Bindungen und Sicherheiten ist verknüpft mit einem riesigen „Segenspaket“ des Herrn. Wen Gott ruft, den verlässt er nicht, sondern beschenkt ihn – auch auf schwierigen Wegen – mit vielfältigem Segen. Es soll aber nicht nur ein persönlicher Segen sein, sondern auch ein Segen für andere, ein Segen, der in die Weite wächst, bis ans Ende der Welt. „Der Ruf an Abram zielt darauf ab, dass Israel der Segensweg für alle wird. Was mit Abram geschieht, hat deshalb Weltperspektive“ (F. Gutsche). Abram, „in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“. In Jesus, dem „Sohn Abrahams“ (Mt 1,1), schafft Gott das Heil der Welt. So persönlich der Ruf Gottes an den „erhabenen Vater“ – dies die Bedeutung des Namens Abram – ergeht, so wenig darf er auf eine „Privat“-Berufung Abrams verengt werden. Beachten wir, wie Paulus in Galater 3,6-9.13.14 die Mission unter heidnischen Völkern begründet!
Abram zieht los. Besonders entschlussfreudig scheint er sich nicht auf den Weg zu machen (1Mose 11,31). Aber er geht. Eigenartig, wir lesen nichts von Angst, Zweifeln und Sorgen. Nicht, dass Gott sie übersähe. Sie dürfen ihm anvertraut werden. Er hat ein offenes Herz und Ohr für alle möglichen Bedenken und Einwände. Aber grundlegend ist, dass der Erwählte loszieht. Unzählbare Schritte werden auf dem Weg des Gehorsams nötig sein. Allein bis Haran waren es über 1000 km. Dort der schmerzliche Todesfall in der Familie (1Mose 11,32). Jetzt heißt es ausdrücklich von Abram: Er „ging hin, wie der Herr zu ihm geredet hatte“ (1Mose 12,4a).
So.
07.09.
1. Mose 12,4-9
Der Aufbruch aus Haran, jenem bedeutenden Handelszentrum, ist nicht unbedingt leichter als das Verlassen der Stadt Ur. Abram, inzwischen ein älterer Herr, begibt sich mit seiner Frau, seinem Neffen Lot und einem großen Haushalt auf die Strecke in Richtung Kanaan. Auch im vorgerückten Alter haben wir bei Gott Bedeutung. Dass er zu und mit uns spricht, uns kleinere oder größere Aufgaben anvertraut, ist ein Geschenk aus seiner guten Hand. In allem, was wir tun und lassen, soll sein Segen liegen. Das gilt auch für den „Mann im besten Alter“, wie etwa Lot. Er mag kraftvoller, geschäftstüchtiger, gewandter gewesen sein, kann aber auch kräftig vom „Segen Abrams“ profitieren. Und offenbar ist der „erhabene Vater“ seit seiner Erwählung und Berufung ein Segen für andere – für den vaterlosen Lot und für viele seiner gewonnenen „Mitarbeiter“ aus Haran. Denn die Menschen brauchen Gottes Segen ganz dringend. Warum? Fünfmal hieß es im Verlauf der Urgeschichte „verflucht!“: 1. Mose 3,14.17; 4,11; 5,29; 9,25, und fünfmal heißt es in der Berufungsgeschichte Abrams „segnen, Segen“ (1Mose 12,2.3).
Gott lässt Abram nicht im ungewissen Abseits sitzen. Im entscheidenden Augenblick bestätigt der Herr seine Absicht: „Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben.“ Man stelle sich die Atmosphäre und den Ort im Land der Kanaaniter vor – diese Gegend an der Orakelterebinthe, dem „Gottesbaum“ der Wahrsager, wo rauschhafte Feste und Orgien abgehalten werden. Und in dieser Region baut Abram dem Herrn einen Altar. Hier wird nicht nur dem teuflischen Götzendienst der Kampf angesagt, sondern schon zeichenhaft die Landnahme Israels vorbereitet. Dieses Land gehört nicht den Göttern und schon gar nicht Satan, „dem Fürsten dieser Welt“ (Joh 14,30), sondern Gott, dem „Herrn der Herren“ (5Mose 10,17), und seinem Volk. (Vgl. 5Mose 8,1.2.6-10.) Wohin Abram auch kommt: Er ist mit dem Herrn unterwegs, lebt für ihn und bleibt im persönlichen Gespräch mit Jahwe.
Mo.
08.09.
1. Mose 12,10-20; 20,1.2; 26,7
Man möchte rufen: Lieber Abram, was tust du da! Du ziehst nach Ägypten, um dort als Fremder zu wohnen. Du gibst deine Frau her, damit es dirgut geht und du im Fall handgreiflicher Auseinandersetzungen am Leben bleibst. Du erwartest von deiner Frau die Verschleierung ihrer Identität. Darf man so gemein tricksen?! Und schließlich geht dein Plan noch auf! Ja, du wirst obendrein am Ende reich beschenkt!
Diese unrühmliche Begebenheit zeigt: So realistisch sieht Gottes Wort den Menschen des Glaubens. Abram ist kein Star, kein Glaubensheld. Der Glaube ist ein Geschenk des Herrn, das man in starker existentieller Not „vergessen“ kann. „Die Überwindung der Angst im Vertrauen darauf, dass Gott noch einen offenen Weg weiß, war immer das Außerordentliche und wird es immer sein“ (nach C. Westermann). Von „Überwindung“ ist bei Abram nichts zu sehen. Die Harems-Kultur und das Recht des Stärkeren nimmt ihn gefangen. Gott selber greift um Sarais willen massiv und hart ein (1Mose 12,17). Dem mächtigen König Ägyptens steht der allmächtige Gott gegenüber. Wird Abram begreifen, dass Gott sein Tricksen nicht akzeptiert? Wird er sich darauf einlassen, dass die Ehe mit Sarai auf gar keinen Fall preisgegeben werden darf und dass Jahwe selber seine Zusagen schützt (1Mose 12,2.3)?
Und Abram, der Mann des Glaubens, wird von einem Mann des Aberglaubens zur Verantwortung gezogen: Jeder der drei Verse (1Mose 12,18-20) hebt hervor, dass Sarai als Ehefrau zu Abram gehört. So entlarvt der ägyptische König den „erhabenen Vater“ als Lügner.
Wie klar sieht „die Welt“ oft die Gläubigen. Wie sehr können sie sich und besonders Gott öffentlich blamieren. Er aber will das Außerordentliche, das, was wir nicht hinbekommen, in uns wirken: den Berge versetzenden Glauben und die Überwindung des Unglaubens. (Vgl. Mt 21,21; Röm 8,35.37; Phil 4,13; 2Petr 1,1.)
Di.
09.09.
1. Mose 13,1-8
Abram hat die erste große Prüfung in seinem Leben nicht bestanden. Still und beschämt und außerordentlich reich an Viehherden, Silber und Gold kehrt er aus Ägypten zurück in das Land, das unter der Segens-Verheißung Gottes steht. Aber Silber und Gold haben ihm nicht aus seiner Sünden-Not geholfen. Das weiß der Versager. Und wir finden ihn dann wieder am Altar Gottes, ins Gespräch mit Jahwe vertieft (V. 3.4; vgl. 1Mose 12,8). Abrams Gebete sind uns nicht überliefert, wie überhaupt viele sicherlich hilfreiche Gebete von Männern und Frauen Gottes. Im Fall Abrams sehen wir: Das Sprechen mit Gott ist pure Herzenssache; so verborgen, so vertraut und persönlich, dass es keinen anderen Menschen etwas angeht. Abram ist auf dem Weg, ein „Freund Gottes“ zu werden (2Chr 20,7; Jes 41,8; Jak 2,23).
Da steht die nächste Krise ins Haus. In den Zelten Abrams wird es laut. Die großen Viehherden, die gewachsenen Familienverbände mit ihren Hilfskräften sind zu viel für das karge Land. Der knappe Wasserhaushalt und die spärliche Vegetation reichen nicht aus (1Mose 13,6). Der Streit ist vorprogrammiert und wird zum „Tagesprogramm“; bis ins Unerträgliche wird gezankt und gestritten.
Wie so oft, wenn man nicht von außen, von „der Welt“, angegriffen wird – wie es in Kapitel 14 der Fall ist –, gibt es auch heute Konflikte, ja erbitterte Feindseligkeiten im Haus Gottes, in seiner Gemeinde. Auch solche Streitigkeiten, Machtkämpfe sowie Neid und Unversöhnlichkeit dringen nach außen. Welch eine Beschämung für Menschen, die doch Jesus Christus, dem Friede-Fürst, ihr Leben anvertraut haben! (Siehe Eph 2,14; Kol 1,20; 1Kor 3,3; 2Kor 12,20; 13,11; 1Thess 5,13b.) Und welch ein schlechtes Zeugnis sind die Streitereien für den Herrn selber! Dabei sollen die „Freunde Gottes“ Zeichen der Versöhnlichkeit „in dem Land der Kanaaniter und Perisiter“ aufrichten. Abram tut es. Und wir?
Mi.
10.09.
1. Mose 13,8-18; Psalm 133,1.3
Der Zank unter den Hirten wird zum Problem zwischen Abram und Lot. Beide Existenzen sind bedroht. Anders als in Kapitel 12,10-20 denkt Abram nicht zuerst an sich. Aus Verantwortung vor Gott ergreift er die Initiative und bietet seinem „Bruder“ einen Vorschlag an, der es in sich hat. Abram erweist sich als echter Streitschlichter. Die friedfertige Lösung heißt hier: Abram, der „erhabene Vater“, verzichtet auf das Recht des Älteren und macht seine Existenz abhängig von der Wahl Lots. Dabei weiß Abram sich ganz in Gottes Hand, ist im Gespräch mit ihm (1Mose 13,4). Wie sonst hätte er in dieser inneren Freiheit und Gelassenheit eingreifen können? Er wird wohl auch aus der „Operation Ägypten“ gelernt haben, wie gut es ist, allein dem Herrn zu vertrauen. Im Frieden mit Gott können wahrhaft friedliche Lösungen bedacht, gefunden und praktiziert werden. (Vgl. Phil 4,7; 2Thess 3,16.) „Eine überwundene Schwierigkeit vermeidet hundert neue“ (C. Klein).
Während Lot sich in seiner Wahl – wie einst Eva im Garten Eden – von Begehrlichkeiten drängen lässt und dabei das anscheinend große Los zieht, wohnt Abram zufrieden „im Land Kanaan“ (1Mose 13,12). Lot hingegen wird sich zusehends größere Schwierigkeiten einhandeln. Sein „Paradies“ wird ihm noch zum Fallstrick werden; denn „die Leute von Sodom … waren sehr böse und sündig vor dem Herrn“ (V. 13). Abram wird von Gott überreich beschenkt. Noch ist dieses Geschenk Verheißung – sieht er doch lauter Land, das er gar nicht besitzt, und hört sogar von Nachkommen wie Staubkörner auf der Erde, obwohl er und Sara kinderlos sind. Und die zukünftigen Nachkommen sollen das Land sogar „für ewig“ bekommen. Doch jetzt übernimmt Abram die Aufgabe, es nach damaliger Rechtsordnung abzuschreiten und damit abzumessen (Jos 24,3a). Die Besitznahme erfolgt später. Abram lebt – wie auch wir – in der Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung. (Vgl. Jes 60,21; 65,17; 2Petr 3,13.)
Do.
11.09.
1. Mose 14,1-16
Nicht nur persönliche Beziehungen, auch das große öffentliche Leben, Politik und Wirtschaft, können durch Streit belastet sein. Im schlimmsten Fall kommt es zu harten Übergriffen oder gar Kriegshandlungen. In unserem Text geht es um den Kampf einer Großmacht gegen aufständische Vasallen*. Vier Großkönige aus Babylonien** (V. 1.9) marschieren auf gegen fünf kanaanäische Stadtkönige (V. 2.8). Nach einem Rundumschlag Kedor-Laomers von Nord nach Süd (V. 4-7) treten die Stadtkönige in der südlichen Talebene des Toten Meeres den bewaffneten Widerstand an (V. 3.8.9) und müssen eine herbe Niederlage einstecken. Sodom und Gomorra werden brutal geplündert.
Unter den Kriegsgefangenen befindet sich auch Lot. Aus dem Nomaden ist inzwischen ein Stadtmensch geworden. Er wohnt jetzt nicht mehr in Zelten vor Sodom, sondern in der Stadt (1Mose 13,12b; 14,12b). Aber beste Lebensbedingungen schützen nicht vor Bedrängnis, Not und Gewalt. Mit Abram kommt die Israel-
Geschichte ins Spiel (1Mose 14,13). Es ist einzigartig im Alten Testament, dass ein umherziehender „Hebräer“ – eingebunden in die damalige Weltpolitik – zum kriegerischen Retter wird. Er überlässt Lot nicht schadenfroh seinem Unglück, sondern leistet großmütig höchsten Einsatz für ihn. Abram kämpft nicht allein. Er hat Verbündete in der Not. Und sie erringen einen überragenden Sieg! Sie? Geht es nicht vielmehr nach dem Motto: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein“? (2Mose 14,14; vgl. 5Mose 3,22; 2Chr 20,29; Ps 35,1).
Merk-würdig: Abram denkt nicht nur in familiären Kategorien, er geht weit darüber hinaus, indem er auch die Frauen und das sodomitische Volk zurückbringt. Jedes Menschenleben ist wertvoll. Erst recht, wenn es beraubt, entehrt, misshandelt und gefangen ist. „Herr, hilf uns leben; bewaffnet mit Zuversicht, eingebettet in Hoffnung, gestärkt mit Vertrauen, bereit zum Handeln.“
* Ein Vasall war ein dem Herrscher untergebener Schutzherr.
** Babylon wurde im ersten Mosebuch schon an folgenden Stellen erwähnt: 1. Mose 10,10; 11,2.9 – Schinar steht für Babylon.
Fr.
12.09.
1. Mose 14,17-20
Die Befreiungstat Abrams hat einen erstaunlichen Ausklang. Der König von Sodom* zieht dem Sieger entgegen und wird Zeuge einer unvergleichlichen Begegnung zwischen Abram und dem Priester-König Melchisedek von Salem. Er ist eine geheimnisvolle Gestalt: Sein Name bedeutet „König der Gerechtigkeit“ oder „Mein König (Gott) ist Heil“, und „Salem“ (d. h. „Friede“) weist hin auf „Jerusalem“. Als Priester des höchsten Gottes bringt er Brot und Wein – Zeichen der Stärkung, des Schutzes und Friedens.
Abram wird unter den Segen Gottes gestellt. Gott, der Höchste, wird bekanntgegeben als Schöpfer, als Herr über alles Geschaffene und über alle Mächte. Zugleich wird er auch als Herr der Geschichte genannt, der Abrams Feinde besiegt (V. 20a). Beides gehört zusammen: Gott ist Schöpfer undRetter.
Wenn wir nun die Linie von unserem Tagestext zum Hebräerbrief ziehen, wird deutlich, dass der Bericht über den Priesterkönig Melchisedek eine „messianische Spitze“ (O. Michel) hat. In Hebräer 7 wird Melchisedek charakterisiert als Gestalt „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“, die dem Sohn Gottes gleicht und Priester für immer bleibt (Hebr 7,3; vgl. Ps 110,4). Allein der Inhaber des ewigen Priestertums kann uns „völlig retten“, weil er immer lebt, um sich als Hoher Priester für uns zu verwenden (Hebr 7,24.25; vgl. Hebr 6,20). Gibt es dazu Beispiele aus unserem eigenen Leben?
Mit Gottes Segen reich beschenkt, übergibt Abram Melchisedek „den Zehnten von allem“. Konkret: Es ist „der Zehnte von dem Gut seines Hauses“ (J. Calvin). So viel?, könnte man denken. Doch: können wir Gottes Segen, sein Helfen und Retten messen? Sollte in unserem Herzen nicht die Dankbarkeit wohnen? Dank, der sich auch in einem geöffneten Portemonnaie, als Zeitgeschenk oder praktische Wohltat erweist. Dankbarkeit ist mehr als Höflichkeit. Sie ist eine wertschätzende Herzenseinstellung, die sich in konkreter persönlicher Zuwendung zeigt.
* Er war offensichtlich nicht in den Asphaltgruben umgekommen. Das hebräische Wort für „fielen hinein“ (1Mose 14,10b) kann auch übersetzt werden mit „sie ließen sich hineinfallen“ (um sich dort zu verstecken).
Sa.
13.09.
1. Mose 14,21 - 15,1
Krasser geht es nicht: Während der König von Salem gibt und bringt, fordert und nimmt der König von Sodom. Die fünf kleinen Buchstaben d-a-n-k-e kommen ihm nicht über die Lippen. Da nagt nämlich eine Frage in ihm: Wird sich der Sieger Abram mit seiner Beute eine Hausmacht aufbauen? Nach damaligem Recht völlig legal! Und jeder Kriegsheld nahm es gern in Anspruch. Abram aber kann auf sein gutes Recht verzichten, und zwar komplett. Auf alles. „Nichts für mich!“ (V. 24a) Wie begründet er seine Entscheidung? Wir entnehmen es Vers 23: Abram betrachtet die zurückgebrachten Menschen und die wiedergewonnene Habe als zugehörig zum Stadtstaat Sodom. Und – er will sich auf keinen Fall abhängig von menschlichen Größen machen. Abram weiß sich abhängig von Gott, dem Herrn aller Herren, dem Höchsten. Er ist der eigentliche Sieger. Ihm gehören Mensch und Besitztum. Auf diesen Gott schwört Abram (V. 22). Dazu gehört auch, dass er die Verzichtserklärung nicht auf seine Verbündeten überträgt: „… die sollen ihren Anteil nehmen!“ Jeder steht allein für sich vor dem Herrn.
Abram ist wohlhabend und erfolgreich geworden. Aber in seinem Leben brennt eine chronische Not (1Mose 15,2; vgl. 1Mose 11,30). Wie oft, wie lang mag er sie vor Gott ausgesprochen haben. Und Er weiß es und offenbart sich dem Bekümmerten durch sein Wort „in einem Gesicht“. Beschrieben und erklärt wird hier nichts. Dem Wort Gottes wird zentrale Bedeutung beigemessen: „Das Wort des Herrn geschah zu Abram.“ Gottes Wort will im Leben Abrams Geschichte schreiben. Und alles, was nun geschehen soll, ereignet sich unter dem tröstlichen Zuspruch des Wortes Gottes. Jahwe nennt Abram bei seinem Namen. Ihm persönlich gilt: „Fürchte dich nicht!“ In allem, was dir begegnet, bin ich dein Schutz. Ich bewahre dich. Ich sorge für dich. Ich helfe dir. (Vgl. 5Mose 31,8; 1Chr 28,20; Jes 41,10.13.14; Mk 5,36; Offb 1,17.)
So.
14.09.
1. Mose 15,2-6; Jakobus 2,23
Abrams Zweifel sitzen tief. Er spricht sie aus. Ehrfürchtig redet er den Herrn an als „Herr, Herr“ – „Adonaj Jahwe“. Abrams Frage ist Klage, nicht Anklage. Die tiefste Not nennt er zuerst: seine Kinderlosigkeit. Hier steht eine schmerzlich harte Tatsache gegen ein großes Versprechen. Wirklich? Hat Gott etwas versprochen und sein Wort gebrochen? Das kann niemals sein. Denn sein Charakter ist Treue. Gottes Wort wird im Leben Abrams Tatsachen schaffen wie damals bei seiner Schöpfung. Der die Sterne ins Dasein rief, sollte der nicht die Kinderlosigkeit in einen unermesslichen Kindersegen wandeln? Und immer, wenn Abram in den Nachthimmel schaut, kann er Gottes Verheißung „betrachten“. Abram soll nicht den Mangel, das vorgerückte Alter anschauen, sondern dem Herrn und seinem Wort vertrauen. „Und er glaubte dem Herrn.“ Dieser Glaube hat null Voraussetzungen im Menschen. Wir tragen keine Glaubens-Gene in uns. Unsere „Grundausstattung“ ist eher beschämend: „elend, jämmerlich, arm, blind und bloß“ (Offb 3,17b; vgl. Röm 7,24; 2Kor 4,4). Dieser Armut ist Abram sich völlig bewusst. Was kann er dem Herrn auch anbieten? Seinen wagemutigen Gehorsam beim Aufbruch aus Ur? Das entschlossene Glaubenszeugnis im Land Kanaan? Die selbstlose Großzügigkeit Lot gegenüber und seinen heldenhaften Einsatz für den entführten und gefangenen Neffen? Nein, das alles zählt nicht, wenn es um die ewig gültige Anerkennung bei Gott geht. Vor dem Herrn mit leeren Händen stehen, aber sich alles von ihm schenken lassen und es dankbar annehmen, das ist Glaube. Das, was hier in der Nacht unter dem Sternenhimmel geschieht, ist ein Durchbruch im Leben Abrams. Der Glaube ist zutiefst ein Geschenk Gottes, existentielle Antwort auf sein Wort: Abram bindet sein Leben an Gott, an sein Wort, an die Freundes-Beziehung zu Jahwe. „Und er (Gott) rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Dazu Römer 4,1-5; 4,23 - 5,2.
Mo.
15.09.
1. Mose 15,7-21; 17,8
Abrams zweite Not hängt eng mit der ersten zusammen. Kinder, Generationen von Nachkommen, brauchen einen beständigen Wohnraum. Gott hat es Abram bereits verheißen (1Mose 12,1.7). Der lebt in Zelten, ist unterwegs, mal hier, mal dort, … doch wie soll die Zukunft aussehen?
Abram hört und sieht, was Gott tun will:
• Vers 7: Der Herr schenkt Gewissheit. – Ich bin Jahwe, der dich bisher sicher und freundlich geleitet hat. Und ich werde dir, Abram, dieses Land geben, damit du es in Besitz nimmst. Darum nimm es auch ein! (Vgl. 1Mose 13,15-17.)
• Verse 9-12.17-21: Gott bestätigt die Land-Verheißung durch eine Zeichenhandlung. Sie soll ein festes und offizielles Bündnis zwischen Gott und Abram darstellen. Dabei ist zu beachten, dass der eigentlich Handelnde Jahwe ist. Er gibt Abram die Anweisungen (V. 9-11). Er versetzt ihn in einen Tiefschlaf (V. 12). Eroffenbart ihm seine Gegenwart (V. 17). Und Er schließt den Bund mit Abram als eine feste Verpflichtung ihm gegenüber (V. 18). Gott ist und bleibt Abram treu.
• Verse 13.14.16: Der Herr gewährt Abram Einblick in die zukünftige Geschichte seiner Nachkommenschaft. Welche Ereignisse spricht Gott an? Die elend lange Zeit der Unterdrückung Israels in Ägypten (2Mose 1,11.12), das Gericht über den Pharao (2Mose 12,29; Apg 7,7) und der Auszug „mit großer Habe“ nach 430 Jahren (2Mose 3,21.22; 12,40.41; Apg 7,6; Gal 3,17.18). Diese lange Zeitspanne soll den mit schwerer Schuld behafteten Amoritern im Land Kanaan als Chance gelten, den wahren Gott zu suchen. (Vgl. 2Petr 3,7-9.)
• Vers 15: Abram selber wird von Gott nach einem erfüllten Leben ein Sterben „in Frieden“ zugesichert. Gott ist Herr der Geschichte. Er hat den Einzelnen wie die Völker im Blick. Darum können wir in allen Schrecken der Zeit, von seinem Frieden erfüllt, zuversichtlich leben und Menschen zu Christus einladen. Noch ist Zeit zur Umkehr.
Di.
16.09.
1. Mose 12,7; 16,1-6
Eine großartige Verheißung steht im Raum, doch nichts geschieht. Abram wartet seit zehn Jahren auf den Stammhalter (1Mose 12,4; 16,16). Wie lange noch, lieber Gott? Sollte man nicht selber etwas dagegen unternehmen? Sarai will das, und Abram macht mit (V. 2). Sie rechnen nicht mehr damit, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Menschlich verständlich. Dem entspricht Sarais „legaler“, jedoch vom Willen Gottes losgelöster Plan. Die ägyptische Magd Hagar soll als „Leihmutter“ dienen. Nach damaligem Gesetz konnte eine unfruchtbare Frau ihre Magd dem Ehemann zur Frau geben. Der aus dieser Verbindung hervorgehende Nachkomme wurde als das erstgeborene Kind der Ehefrau und rechtmäßiger Erbe angesehen. „Also war Sarais Vorschlag nach den Gebräuchen jener Zeit einwandfrei. Aber Gott verwirft häufig die Gebräuche einer Gesellschaft“ (A. P. Ross).
Die Folgen der Aktion Sarais sind bedrückend: Hagar will nach der Geburt mehr sein als bloß eine „Nebenfigur“. Kinder zu bekommen, bedeutete damals einen Zuwachs an Wert und Ansehen. Sie lässt Sarai ihr neues Image spüren, wird stolz und respektlos (V. 4). – Das wiederum provoziert Sarai. Sie gibt Abram die Schuld und bringt dabei Jahwe als Richter zwischen ihnen beiden ins Spiel (V. 5). Gewiss hätte Abram Verantwortung übernehmen sollen. Aber er scheint des Wartens müde und vielleicht auch ein wenig enttäuscht von Gott zu sein. Mutlos überlässt er Hagar dem verletzten Stolz seiner Frau (V. 6). Jetzt teilt die „Herrin“ aus. Und Hagar flieht.
Fazit: Alle Szenen im Haus Abrams passen nicht zu dem guten Wort, das Gott Abram zugesprochen hat. Wie schwer es dir auch fallen mag, vertrau dich in guten wie in angefochtenen Zeiten deinem Herrn an. Warte auf sein Handeln. Er hat versprochen, dir zu helfen, dich zu schützen, auch „vor dir selber“. (Vgl. Hiob 35,14; Ps 27,14;
31,25; 37,7a; Mt 11,29.)
Mi.
17.09.
1. Mose 16,7-16
Gedemütigt und verletzt flieht Hagar in Richtung Süden. Vielleicht will sie nach Ägypten zurück (vgl. 1Mose 16,1; 21,20.21; 25,12). Gott aber überlässt die Gekränkte und Unterdrückte nicht sich selbst. Er hat ein Herz für verletzte, traurige, aufmüpfige, zerbrochene und schuldig gewordene Leute. So geht er Hagar nach. Und findet sie.* Der Herr hat noch etwas vor mit ihr. Er hilft ihr, wieder zurechtzukommen. Er tut es mit einer Ermahnung und einem Versprechen. Und es soll bei Hagar zu einer neuen Erkenntnis kommen.
Die Ermahnung heißt: Hagar, kehr zurück! Bring die Sache in Ordnung. Steh zu deinem Unrecht. Sprich mit Sarai darüber. Sie hat nun einmal eine andere Position als du. Respektiere sie darin. Das Versprechen sagt: Ich will dir so viele Nachkommen geben, „dass man sie nicht zählen kann vor Menge“ (V. 10).
Gott gibt Hagar – ähnlich wie Abram in Kapitel 15 – Einblick in ihre zukünftige Familiengeschichte. Sie wird mit Ismael beginnen. Der Herr selber teilt Hagar den Namen mit: „Ismael“, das bedeutet: „Gott hört“; „denn der Herr hat auf dein Elend gehört“. Der Sohn selber wird zwar ein wildes Leben führen. Aber „der Name Ismael – ‚Gott hört‘ – schwebt wie eine Verheißung über den Nachkommen Hagars“ (ELB mit Erklärungen).
Eine neue Erkenntnis leuchtet auf: Hagar mag im Haus Abrams von Jahwe gehört haben. Aber persönlich erlebt hat sie ihn noch nicht. Das ist jetzt anders. Der Gott, der sie nicht laufen lässt, der sie ermahnt, der auf ihr Elend hört, der ihr Zukunft und Hoffnung gibt, ist der „Gott, der mich sieht“. Gott hat Hagar Ansehen bei ihm selbst gegeben. Die verachtete Sklavenfrau kehrt mit einer Glaubenserfahrung zu Abram und Sarai zurück. Was mag das für diese beiden bedeutet haben? Der Gott, der mich sieht, ist der Gott, der mich liebt.
* Viermal heißt es „der Engel des Herrn“. Zahlreiche Hinweise im Alten Testament sprechen dafür, dass es sich um eine Gotteserscheinung des noch nicht fleischgewordenen Christus handelt.
Do. Unter der guten Hand Gottes – Das Buch Esra (Esra 1,1 - 5,1) 18.09.
Jeremia 29,10-14
Gottes Zeitplan erfüllt sich
Vor rund 2560 Jahren begannen die ersten Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft in ihr Land zurückzukehren. Diese Rückkehr ist ein überaus wichtiges Ereignis in der Geschichte Israels, vergleichbar mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten. Sie hatte zur Folge, dass Esra um das Jahr 457 v. Chr. damit begann, die Schriften des Alten Testaments zu sammeln und zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen: unserem Alten Testament.
Unter welcher Voraussetzung konnte die Rückkehr beginnen? Die Prophezeiung Jeremias musste erfüllt sein, die dieser von Jerusalem aus in einem Brief Jahrzehnte zuvor an die Weggeführten nach Babel gesandt hatte: „Erst wenn 70 Jahre vergangen sind, werde ich mich wieder liebevoll um euch bemühen. … Wenn ihr dann zu mir rufen werdet, will ich euch antworten; … ,Ich will euch wieder dorthin zurückbringen, von wo ich euch fortgejagt habe‘ “ (Jer 29,10a.12a.14b NLB).
Diesen Brief nimmt ein Mensch ernst und glaubt den Worten wirklich! Es ist Daniel, der mittlerweile seit 67 Jahren in Babel lebt (Dan 9,1-3). Er tut, wozu der Brief auffordert: Er fastet und zieht sich Trauerbekleidung aus einfachem Sacktuch an. Er streut sich Asche auf seinen Kopf. – Alles Zeichen seiner tiefen Zerknirschung vor Gott. Flehend betet er. Wir lesen sein Gebet in Daniel 9,4-19. In tiefster Betroffenheit spricht Daniel die Schuld seines Volkes wie seine eigene Schuld vor Gott aus. „Um deiner eigenen Ehre willen, mein Herr: Lass dein Angesicht über deinem verlassenen Heiligtum leuchten!“ (Dan 9,17b NLB) Daniel bittet Gott, dass er sich über seinen verwüsteten und zertretenen Tempel erbarmt, „denn dein Volk und deine Stadt tragen deinen Namen!“ (Dan 9,19b NLB) Eine tiefe Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott in seinem Tempel erfüllt sein Herz. – Könnte es unser Auftrag sein, wie Daniel für unsere Gemeinde zu beten?
Fr.
19.09.
Esra 1,1-4; Jesaja 44,24-28
Kyrus – ein von Gott erweckter König
Kyrus amtierte zunächst als Mitregent, bevor er im Jahr 536 v. Chr. zum Alleinherrscher über Medien, Persien und Babylon wurde. Noch im selben Jahr verabschiedete er den königlichen Erlass, den wir in Esra 1,1-4 lesen.
Wie kam es dazu? An seinem Hof war der Prophet Daniel als Staatsmann tätig. Wir können davon ausgehen, dass Daniel ihn sowohl über die Prophezeiungen Jesajas als auch über die des Propheten Jeremia (Jer 25,11) unterrichtete. Und König Kyrus stellte sich im Glaubensgehorsam unter Gottes Wort und Willen (lies Jes 45,13)! So wurde er, obwohl er ein Heide war, zu einem gesegneten Werkzeug Gottes.
Schon über 100 Jahre vorher weissagt Jesaja Worte, die Gott über Kyrus ausgesprochen hat: „Mein Hirte! Er soll all meinen Willen vollenden und sagen zu Jerusalem: Werde wieder gebaut! und zum Tempel: Werde gegründet!“ (Jes 44,28). Gott nennt ihn „seinen Gesalbten“, dessen rechte Hand er ergriffen hat (lies Jes 45,1-7). Der spätere griechische Geschichtsschreiber Herodot sagt über ihn: „Wohin sich Kyrus wendete, konnte kein Volk ihm entkommen. Die ungeheuren Reichtümer des indischen Königs Krösus, die Schätze Babels, Ägypten und Arabien – alles musste ihm zufallen!“
Der Name „Kyrus“ heißt auf Deutsch „Sonnenglanz“. Gott selbst hatte diesen Namen zuvor bestimmt, und er entsprach der Wahrheit. Dieser herausragende Mann, dem seine Feinde wegen seines Edelmutes, seiner Freigebigkeit und Gerechtigkeit ein einmütiges Lob spendeten, war ein von Gott geleiteter Herrscher, obwohl er ein heidnischer König war! Aber er verkündet laut, dass der Gott Israels allein Gott ist, dass dieser Gott ihm befohlen hat, den Tempel von Jerusalem wiederherzustellen, und er befiehlt überall in seinem gewaltigen Reich, die ausziehenden Juden zu unterstützen. Unser Gott „tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind“ (Hiob 9,10).
Auch über unserem Leben stehen Gottes große Verheißungen. Wir werden uns morgen eingehender damit beschäftigen.
Sa.
20.09.
Jesaja 45,1-4
Heimliche Schätze
Unser Vater im Himmel beschenkt nicht nur Kyrus königlich:
• Gott nennt Kyrus „seinen Gesalbten“ – Wir sind ebenfalls von Gott gesalbt. Er hat uns damit sein Siegel aufgedrückt. Wir haben seinen Heiligen Geist als erste „Ratenzahlung“ der Herrlichkeit, die Gott für uns bereithält, empfangen (vgl. 2Kor 1,21.22).
• Kyrus bedeutet „Sonnenglanz“ – Auch wenn wir es jetzt oft in unserem Leben schwer haben, Jesus hat uns verheißen: Am Ende der Welt „werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich“ (Mt 13,43; Ri 5,31b)!
• Kyrus ist König – Jesus hat uns mit seinem Blut für Gott erkauft und uns für unseren Gott zu Königen und Priestern gemacht. Er wird uns in seiner neuen Welt mit priesterlichen Regierungsaufgaben betrauen (vgl. Offb 1,5b.6; 5,9.10).
• Gott ergreift Kyrus bei seiner rechten Hand– Wie ein Kind sicher an der Hand seines Vaters durch den dichtesten Straßenverkehr nach Hause kommt, so gehen wir geborgen an Gottes Hand durch unser Leben (lies Ps 73,23.24).
• Vor Kyrus werden Türen geöffnet – Gott gibt uns offene Türen (lies Offb 3,8).
• „Ich will vor dir hergehen“ – Gott bereitet seine Aufgaben für uns vor, die wir heute tun dürfen. Er ist schon vor uns an Ort und Stelle und gibt uns die Fähigkeit, den Dienst auszuführen (vgl. Eph 2,10).
• „Ich will die eisernen Riegel zerbrechen“ – Jesus befreit uns von allen Bindungen des Teufels. „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“ (1Joh 3,8b).
• „Ich will dir heimliche Schätze geben und verborgene Kleinode“ – Gott hält so viele Verheißungen für uns bereit. Darum: Gehen wir täglich auf „Schatzsuche“ in der Bibel! Es lohnt sich, Gottes Kleinode aus Epheser 1 Vers für Vers zu entdecken. • „Ich rufe dich bei deinem Namen“ – Gott ruft uns, ihm ganz zu gehören (lies Jes 43,1.4).
Wie gut haben wir es bei unserem himmlischen Vater!
So.
21.09.
Esra 1,3-6; 1. Johannes 2,15-17
Loslassen und aufbrechen – machst du mit?
Durch Kyrus hatte Gott den Juden die Tür zur Rückkehr nach Israel geöffnet und den Auftrag gegeben, den Tempel und Jerusalem wiederaufzubauen. Nun kam es darauf an, wer bereit war, zu gehen! Zwar hatten alle an den „Wassern zu Babel“ gesessen, ihre Harfen traurig an die Äste der Weiden gehängt und geweint, wenn sie an Jerusalem dachten (Ps 137,1.2). Jeremia tröstete sie in einem Brief und riet ihnen, sich im fremden Land häuslich niederzulassen, Familien zu gründen und „der Stadt Bestes“ zu suchen (Jer 29,1.4-7). Das war wichtig und richtig für 70 Jahre, doch jetzt wollte Gott, dass sie alles verließen und aufbrachen.
Aber viele von ihnen blieben zurück. Ihr Besitz, ihr Haus, ihr berufliches und gesellschaftliches Leben in Babylon waren ihnen zu lieb geworden. Das konnten sie nicht mehr aufgeben. Wohl sprachen sie mit ihren Lippen: „Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein“ (Ps 137,6). Und doch entschlossen sie sich, in Babylon zu bleiben!
Wir singen gern Lieder, die von ganzer Hingabe an Gott sprechen. Wir haben erhebende Gefühle in christlichen Veranstaltungen und beteiligen uns gerne bei Diskussionen, in denen biblische Werte hochgehalten werden. Aber das alles ist nichts wert, wenn nicht das praktische Tun folgt (lies Jak 2,14-26). Gottes Kraft und Königsherrschaft über unser Leben zeigt sich in unserem Tun, nicht in unseren Worten (1Kor 4,20). Könnte ich voller Freude Ja sagen, wenn Jesus heute zu mir sprechen würde: Komm zu mir herauf in den Himmel? Wo ist für mein Herz, für meine Gedanken, meine Wünsche und Sehnsüchte die Heimat – auf der Erde oder bei Jesus und den himmlischen Dingen?
Paulus schreibt weinend von Gemeindegliedern, die „in Wirklichkeit Feinde des Kreuzes von Christus sind. Sie enden im Verderben; ihr Gott ist ihr Bauch; sie sind stolz auf Dinge, für die sie sich schämen müssten, und denken an nichts anderes als an das Leben hier auf der Erde“ (Phil 3,18b.19 NLB).
Prüfen wir uns ehrlich: Wie steht es bei uns?
Mo.
22.09.
Esra 1,4-11; Lukas 22,35
Loslassen und aufbrechen – ich bin dabei!
Nicht alle Nachkommen Judas und Benjamins machten sich auf die Rückreise in ihre Heimat. Es waren vielleicht nur wenige, die wie Daniel mit sehnsüchtigem Herzen Richtung Jerusalem blickten (vgl. Dan 6,11). Wer kehrt schon gern in ein zertrümmertes, verlassenes und verarmtes Land zurück, das erst wieder ganz aufgebaut werden muss und in dem große Schwierigkeiten zu erwarten sind? „Jeder, dessen Geist Gott erweckte“, brach auf, „um hinaufzuziehen und um das Haus des Herrn zu bauen“ (Esra 1,5 SCHL)!
Wie schon beim Auszug aus Ägypten versorgt Gott die Heimkehrenden mit allem, was sie nötig haben (vgl. 2Mose 3,21.22). Es wird ihnen darüber hinaus der ganze Tempelschatz ausgehändigt, über den eine sorgfältige Liste geführt worden war. Gott hatte um seiner Ehre willen bis ins Kleinste über die heiligen Geräte gewacht!
Dass Gott ebenfalls bis ins Kleinste über ihrem Leben wachte, erlebte viele Jahre später Elisabeth Seiler*, als sie sich zur Ausreise als Missionarin nach China vorbereitete. Mit keinem Menschen sprach sie über ihre Bedürfnisse. Sie vertraute Gott, dass er ihr alles Nötige geben würde. Obwohl sie kaum Geld hatte, ging sie einkaufen und bat Jesus, sie dabei zu begleiten. In einem Geschäft machte er sie auf zwei Koffer aufmerksam, die sie kaufen sollte. Sie bat die Verkäuferin um die Rechnung, wohl wissend, dass ihr Geld nicht reichen würde. Die Frau versicherte ihr, dass sie die Koffer später bezahlen könne. Aber die Missionarin bestand darauf, sofort zu zahlen. Nach einer Weile sagte die Verkäuferin, sie habe schon so lange nichts mehr für die Mission gegeben. Sie wolle ihre Spende gern mit dem Preis verrechnen. Als sie das tat, blieb genau der Betrag übrig, den Elisabeth Seiler in ihrem Geldbeutel hatte. So ging es weiter. Am Ende hatte sie so viel, dass sie mit dem Überschüssigen noch einer anderen Schwester zur Ausreise verhelfen konnte.
„Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat“ (Hebr 10,35).
* Elisabeth Seiler (1889–1974) war eine deutsche Missionarin und Autorin, die als Schwester der Liebenzeller Mission über 20 Jahre in China arbeitete. Ihre Erlebnisse vor der Ausreise schildert sie in dem Buch „Erlebnisse einer Chinamissionarin: Berufen und geführt“.
Di.
23.09.
Esra 1,11 - 2,2
Loslassen und aufbrechen – Gott stellt in den Dienst
Der Name Serubbabel bedeutet: „zerstreut nach Babel“. In seiner späteren Stellung als Statthalter des Königs trug er den Titel „Tirschata“ („gestrenger Herr“; vgl. Esra 2,63). Serubbabel war der Urenkel des Königs Jojakim (1Chr 3,15-19) und als Stammesfürst und königlicher Beamter zum Führer geboren und erzogen worden. Jeschua (griechische Form: „Jesus“) war Hoher Priester. Nachdem Gott ihn gereinigt und gekrönt hatte, wurde er zu einem Gott geweihten Mann (siehe Sach 3). Diese beiden standen an der Spitze der Heimkehrenden und trugen die Verantwortung für den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels. Sie ergänzten sich gegenseitig hervorragend – jeder von ihnen hatte einen anderen selbstständigen Aufgabenbereich.
So ist es auch heute bei den verschiedenen Aufgaben im Reich Gottes: Gott sieht die kommende Aufgabe mit all ihren Schwierigkeiten und Besonderheiten. Er sucht Einzelne aus und bereitet sie mitunter viele Jahre für diese Aufgabe vor, indem er sie durch verschiedenste, auch schwere Lebensumstände hindurchführt. Denken wir daran, wie Gott Mose, Josua, Daniel, Markus oder Paulus vorbereitete, ehe sie in ihren eigentlichen Einsatz kamen!
Über dem Leben eines jeden von uns – seinen geliebten Kindern! – stehen wundervolle und geheimnisvolle Gedanken Gottes, die er zur Ausführung bringen möchte. Gute Wege, die er uns führen möchte, in die Aufgabe, die zu unserer Persönlichkeit und unseren Fähigkeiten passt. Vergewissern wir uns bei ihm, ob wir in seiner Spur sind (lies Ps 119,13-18). Wagen wir, eingetretene Bahnen zu verlassen und zu Neuem aufzubrechen!
„Nun gibt es verschiedene geistliche Gaben, aber es ist ein und derselbe Heilige Geist, der sie zuteilt. In der Gemeinde gibt es verschiedene Aufgaben, aber es ist ein und derselbe Herr, dem wir dienen. … Jedem von uns wird eine geistliche Gabe zum Nutzen der ganzen Gemeinde gegeben“ (1Kor 12,4.5.7 NLB).
Es gibt für uns keine größere Segnung, als in Gottes Sache mit hineinverwoben zu sein!
Mi.
24.09.
Esra 2,1-70
Loslassen und aufbrechen – stehe ich mit auf „Gottes Liste“?
Auch wenn dieses Kapitel durch die Nennung der vielen Namen und Zahlen* manchem trocken erscheinen mag, enthält es dennoch wichtige Aspekte für unser Glaubensleben. Auf zwei wesentliche Punkte wollen wir besonders eingehen:
Es werden zwei Gruppen erwähnt, die ihre Abstammung nicht durch einen Stammbaum nachweisen können (V. 59-63). Sie trennten sich vom Leben in Babylon mit seinem Götzendienst und zogen mit dem Volk Gottes in die Heimat. Sie gehörten von außen betrachtet zum Volk Gottes. Aber es blieb ihnen immer der Makel: Wir können unsere Geburt als Söhne Israels nicht nachweisen! Das ist die zutiefst ernste Frage: Gehöre ich selbst durch eine neue Geburt zu Gottes Volk? Bin ich ein wiedergeborenes Kind Gottes? (Joh 1,12.13) Steht mein Name im Buch des ewigen Lebens? „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2Kor 5,17; vgl. Röm 6,4b). Können andere dies an meinem Leben ablesen? (Lies 1Joh 2,9-11; 3,4-10; 5,4.5.)
Warum gaben nur einige der Familienoberhäupter freiwillige Geschenke für den Tempelbau? Sicher hat Gott sie dafür reichlich gesegnet! Es sind immer nur wenige, die Gott wirklich mit Freude und reichlich ihre Gaben für die Ausbreitung des Evangeliums geben. Die meisten wissen gar nicht, dass sie die Träger der Sache Gottes auf Erden sein sollen und sein dürfen! Viele haben nicht das Vertrauen auf Gottes Gebote und Verheißungen. Oder fehlt ihnen die warme göttliche Liebe? Gott lässt sich nichts schenken! Wer gerne wohltut, der wird reichlich gesättigt; und wer andere erfreut, der wird selbst erfreut! Gottes Sache wird vor allem von den kleinen Gaben derer getragen, die nicht viel haben. Sie erleben, wie Jesus sie besonders segnet. Und wie freut sich Jesus, wenn gut Verdienende ihre Ehre dareinsetzen, das Werk Gottes reichlich zu bedenken und zu beschenken (lies Hebr 13,16)!
* Die einzeln aufgezählten Gruppen ergeben zusammengerechnet eine Summe von 29 818. Es wird jedoch eine Gesamtzahl von 42 360 Personen angegeben. Wieso stimmen die Zahlen nicht? Könnten die nicht aufgeführten Personen aus den anderen zehn Stämmen Israels gewesen sein? Wir wissen es nicht.
Do.
25.09.
Esra 3,1-6
Im Neuanfang mit Gott liegt große Freude – Das Laubhüttenfest
Das Laubhüttenfest erinnerte die Juden an die Zeit, als sie 40 Jahre lang mit Mose durch die Wüste gewandert waren. Während dieser Zeit wohnten sie in Zelten und waren ganz von Gottes guter Führung und Versorgung abhängig. Gleichzeitig ist es bis heute ein Fest der Freude und des Dankes für die Ernte. Man feiert es in der Mitte des siebten jüdischen Monats – im September oder Oktober. Eine Woche lang leben und feiern die Juden in selbstgebauten Hütten aus Palmen oder Bachweiden.
Täglich opferten sie im Tempel Widder, Lämmer und Stiere und brachten Gott Speis- und Trankopfer dar. Am achten Tag, dem Höhepunkt des Festes, war eine „heilige Versammlung“. Dazu erschienen alle männlichen Israeliten im Tempel (lies 5Mose 16,13-17). Aber schon seit der Richterzeit wurden die von Gott angeordneten Feste vernachlässigt und zeitweise gar nicht gefeiert.
Jetzt jedoch bauten die Juden als Erstes Gottes Altar an seiner alten Stelle wieder auf. Noch war der Grund des Tempels nicht gelegt, aber ein anderer Grund war da, auf dem Gott sein Volk segnen wollte: Sie waren wieder zu Gottes Wort zurückgekehrt! Jetzt wurde gefragt: „Wie steht es im Gesetz geschrieben?“ Und danach wurde gehandelt (lies Ps 119,30-40). So entstand eine große Freude, da war Gottes Kraft und Segen!
Dies haben wir heute so nötig! Dass wir zu Gottes Wort zurückkehren, dass wir uns tatsächlich in allem ganz danach richten! Jesus spricht: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; … und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren“ (Joh 14,21). Seine Gebote sind nicht schwer. Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht! Das merken alle, die sich darauf einlassen, ganz zu tun, was Jesus sagt. Sie werden auf diesem Weg glücklich und überfließend gesegnet sein.
„Ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle“ (Ps 119,45).
Fr.
26.09.
Esra 3,6-13
Im Neuanfang mit Gott liegt große Freude – Der Altar
Bevor die Juden mit dem Bau des Tempels begannen, hatten sie zuerst den Altar wiederaufgebaut. Inmitten der Tempelruine erkannten sie noch die Stelle, an der früher der Altar gestanden hatte. Aus der Bronze, die sie von Kyrus bekommen hatten, konnten sie den neuen Altar herstellen. Nach dem Gebot Gottes begannen sie wieder mit dem täglichen Brandopfer. Dort am Altar fand die Begegnung mit Gott statt. Durch das dargebrachte Opfer schenkte Gott Versöhnung.
Wir haben einen anderen Altar. Das Kreuz von Golgatha ist der Altar, auf dem Jesus sich als Lamm Gottes opferte. Durch sein Blut sind wir Gott auf ewig nahegebracht worden. Wir dürfen nun Anbeter sein, die Gott als seine geliebten Kinder kennen und seine unendliche Liebe loben! (Lies Röm 3,21-26; 4,5-8.) Gott schenkt all denen das Gerecht-Sein vor ihm, die sich tatsächlich auf den Boden des Vertrauens stellen. Sie werden ganz ohne eigene Leistung gerecht gesprochen. Bei Jesus hat Gott einen Platz geschaffen, wo die Sünde vergeben wird. Er erklärt jeden für gerecht, der sein Vertrauen auf Jesus setzt.
Wahre Anbeter Gottes legen ihr ganzes Herz und Leben Gott auf den Altar (vgl. Röm 12,1.2)! Sie geben sich ihm ganz hin. Auf diese Weise können wir in dieser verlorenen Welt ein Zeugnis für Gott sein, so wie es die zurückgekehrten Juden waren inmitten der sie umgebenden Heiden (lies Tit 2,11-14). Wie ein Mann versammelten sie sich einst in Jerusalem. Ein großer Chor des Lobens und Dankens erscholl bei der Gründung des Tempels, mischte sich mit Jubel und Tränen und war so laut, dass es in der ganzen Umgebung zu hören war. Obwohl sie sich vor den ihnen feindlich gesinnten Nachbarn fürchteten, versteckten sie ihren Gottesdienst nicht!
Psalm 126 erzählt uns von jenen Tagen.
Sa.
27.09.
Esra 3,7-13; Psalm 136,1-26
Im Neuanfang mit Gott liegt große Freude – Lob und Dank
In Frieden und Einmütigkeit legte man im zweiten Jahr nach der Rückkehr in die Stadt Jerusalem das Fundament des Tempels. Das war Gottes Werk: Er wollte dem schwachen Überrest seines Volks nach seiner Verheißung das zurückgeben, was das ganze Volk durch seine Untreue verloren hatte. Alle feierten zusammen ein großes Lob- und Dankfest. Es wurde der 136. Psalm angestimmt: „Seine Güte währet ewiglich“. Die Freude war unbeschreiblich!
Auch wir dürfen etwas von der großen Freude haben und spüren, die Gott uns, seinen Geliebten, schon jetzt in seiner Nähe bereitet hat: „Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich“ (Ps 16,11).
Allerdings mischte sich in den Jubel lautes Weinen der Älteren. Sie hatten noch die Herrlichkeit des von Salomo erbauten Tempels vor Augen. Und doch erlebten sie es an dieser Trümmerstätte, wie Gott sein Volk wieder sammelte, segnete und ihnen sein Heiligtum zurückgab. In ihren Gedanken lebten all die früheren Wunder Gottes wieder auf, von Abraham bis Salomo, von Ägypten bis Jerusalem.
So geschieht es auch heute und bis Jesus wiederkommt: Gott reinigt seine vom Feind Gottes betrogenen Kinder, wo sie sich den Anschauungen von Nichtchristen angeschlossen haben. Er trennt sie innerlich von den anderen, vergibt ihnen und baut sie neu auf. Er gibt ihnen die verlorenen Gnadengaben aus der Zeit des Anfangs zurück! Wenn wir in Einheit und Frieden Gott loben und anbeten und seine Worte aus der Bibel hören und zusammen lesen, werden uns unsere Treffen zur Freude. Die Freude am Herrn ist unsere Stärke – wir dürfen etwas sein zum Lob seiner Gnade!
(Vgl. Neh 8,10b; Eph 1,4-6.)
So.
28.09.
Esra 4,1-5; 2. Korinther 6,14 - 7,1
Widerstand regt sich – Wer kann mitbauen?
Wenn Gottes Volk anfängt, Gottes Tempel zu bauen, naht sich schnell der Feind, um das Werk zu verhindern. In diesem Fall kommen die Samaritaner, eine von den Assyrern umgesiedelte Volksgruppe, die ihre jeweiligen Götzen verehrte und daneben auch Gott fürchtete (vgl. 2Kön 17,24-41). Scheinheilig versuchen sie sich einzuschleusen, um Macht zu gewinnen. Sie drängen darauf, mitarbeiten zu dürfen: „denn wir verehren euren Gott wie ihr, und wir opfern ihm“ (Esra 4,2 ZB). Aber sie fragen nicht nach Gottes Willen, sondern verfolgen ihre eigenen Ziele.
Doch die Leiter Israels wissen, dass sich Gottes Volk nicht mit denen vermischen darf, die zugleich Götzenanbeter sind: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12,2). Mutig und klar sprechen sie es aus: „Es steht euch nicht zu, mit uns das Haus unseres Gottes zu bauen“ (Esra 4,3 NLB).
So erleben es viele gläubige Christen, die in der Arbeit am Reich Gottes stehen. Es kann sein, dass Mitarbeiter, die nicht zu Jesus gehören, das gut begonnene Werk hindern oder sogar zerstören wollen. Das ist die Absicht des Teufels. In manchen Fällen ist es nötig, dem so entschieden entgegenzutreten, wie Petrus es tat, als er dem scheinbar bekehrten Zauberer Simon zurief: „Du hast kein Recht darauf, weil dein Herz vor Gott nicht aufrichtig ist“ (Apg 8,21 NLB; lies Apg 8,4-25; Jud 17-25). Nachdem ihnen die Mitarbeit am Tempel verweigert wurde, zeigen die Samaritaner ihr wahres Gesicht (vgl. Spr 26,23-26). Sie bestechen schlaue Menschen, wie es scheint, aus der Mitte des jüdischen Volks, die durch falsche Ratschläge den Tempelbau zum Erliegen bringen. So geschah es, dass Gottes Werk aufgehalten wurde – fast 13 Jahre lang! –, solange die Zeit zum Bauen unter der Regierung von Kyrus und seinem Nachfolger Kambyses günstig gewesen wäre.
Mo.
29.09.
Esra 4,6-24; 1. Petrus 3,12-17
Widerstand regt sich – Falsche Anschuldigungen lähmen
Gott hatte den Zurückgekehrten einen langen Zeitraum zum Bauen gegeben, in dem trotz des Widerstands der Feinde niemand die Macht gehabt hätte, den Tempelbau zu verhindern, weil der Weltherrscher Kyrus das Werk schützte! Aber sie ließen die Zeit ungenutzt verstreichen. Die Arbeit am Tempel Gottes hörte auf und blieb bis zum zweiten Jahr der Regierung des Königs Darius von Persien liegen.
Die große Freude bei der Grundsteinlegung des Tempels war verraucht, die Begeisterung abgeflaut. Man fürchtete die Drohungen der Feinde und ließ sich vom Bauen abschrecken. Lassen wir die Zeit nicht ungenutzt verstreichen, solange Gott uns eine offene Tür gibt, um Menschen von ihm zu erzählen! Lasst uns die Zeit nutzen, um die Bibel gründlich mit anderen zu studieren, damit wir nicht falschen Einflüssen und Meinungen zum Opfer fallen.
Nachdem Kyrus und Kambyses gestorben waren, begann die siebenmonatige Regierung des großen Betrügers Smerdis, der sich den Königsnamen Artasahsta gab. Seine Anrede „Ahasveros“ bedeutet „Heldenkönig“ oder „Löwenkönig“. Durch einen Brief erreichen die Feinde Israels mit Schmeichelei, Verleumdung und geheuchelter Besorgnis um die Macht und das Ansehen des Monarchen ihr Ziel. Sie nennen Jerusalem eine „aufrührerische und böse Stadt“ (Esra 4,12) – Gott nennt Jerusalem seinen „Thron“ und die „heilige Stadt“ (Hes 43,7; Jes 52,1; vgl. Jer 3,17).
Hier sieht man, wie unterschiedlich das Urteil über Gottes treue Nachfolger ausfallen kann, je nachdem, ob der Beurteiler es von Gottes Geist geleitet oder ohne ihn ausspricht. Darum sollen wir uns nicht erschrecken und mutlos machen lassen durch ein verkehrtes Urteil, das voreingenommene Menschen – manchmal sind es sogar Christen – über uns fällen! Wenn sie lügen, dann dient das treuen Kindern Gottes nur zur Ehre, sogar dann, wenn wir dadurch Verspottung, Verachtung und Verfolgung zu ertragen haben! Jesus verspricht uns: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden werden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln“ (Mt 5,11.12; lies 1Petr 4,12-19).
Di.
30.09.
Esra 4,24 - 5,1; Haggai 1,1-11
Widerstand regt sich – die wahren Gründe des Baustopps
Es scheint zwar vordergründig so, als hätten die Feinde Israels den Bau des Tempels lahmgelegt. Aber die Propheten Haggai und Sacharja lassen uns einen Blick auf die wahren Gründe werfen: Trägheit, Eigennutz, Selbstsucht und eine Gesinnung, die nur auf das irdische Glück gerichtet ist, verhindern, dass sich irgendetwas im Gemeindebau tut.
„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; … ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen“ (Hag 1,6; vgl. 3Mose 26,14.15.20; Jak 4,2-10). Manchmal leiden wir äußerlich keinen Mangel, im Gegenteil: Es geht uns glänzend! Aber genau das kann schuld daran sein, wenn unser inneres Leben Schaden genommen hat. Oft sieht es in uns und unseren Kreisen so aus, wie es hier beschrieben wird: Der gute Same des Wortes Gottes wird zwar ausgestreut, man verkündigt und liest Gottes Wort, aber es bringt wenig praktische Frucht! Wir verändern uns nicht, wir werden Jesus nicht ähnlicher. Die Freude an ihm, die Kraft zum Gehorsam und Dienst gibt, fehlt! Man „arbeitet für den Herrn“, aber die Frucht bleibt aus – kaum einer wird für Jesus gewonnen. Man „kleidet sich“ in die Gewohnheiten und Formen des Christentums, aber das brennende Herz, die Liebe zu Jesus und untereinander fehlt: „Es wird keinem warm“ in einer solchen Gemeinschaft.
Jesus ruft uns zu: „Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht“ (Mt 6,33 NLB). Unsere eigenen Häuser, unsere Familien, Geldangelegenheiten und Kräfte werden ganz sicher nicht darunter leiden, sondern in ungeahnter Weise gesegnet werden, wenn wir unser Hauptinteresse der Sache Gottes zuwenden und uns Jesus mit unseren Möglichkeiten und Kräften ganz zur Verfügung stellen! (Vgl. Phil 3,14; 2Tim 2,3-13.)
Alphabetisches Abkürzungsverzeichnis der biblischen Bücher
Am ....................................................... Amos Apg .............................. Apostelgeschichte 1Chr ........................................... 1. Chronik
2Chr ........................................... 2. Chronik Dan .................................................... Daniel Eph ......................................... Epheserbrief Esra ......................................................... Esra Est ......................................................... Ester Gal ........................................... Galaterbrief Hab ................................................ Habakuk Hag .................................................... Haggai Hebr ...................................... Hebräerbrief Hes .............................. Hesekiel (Ezechiel) Hiob ........................................... Hiob (Ijob)
Hld ............................................... Hoheslied
Hos ..................................................... Hosea Jak .......................................... Jakobusbrief
Jer .................................................... Jeremia
Jes ....................................................... Jesaja
Joel ......................................................... Joel
Joh ........................... Johannesevangelium
1Joh ................................ 1. Johannesbrief
2Joh ................................ 2. Johannesbrief
3Joh ................................ 3. Johannesbrief
Jona ....................................................... Jona
Jos ....................................................... Josua Jud .............................................. Judasbrief
Kap ................................................... Kapitel Klgl .......................... Klagelieder Jeremias
1Kön ............................................ 1. Könige 2Kön ............................................ 2. Könige Kol ......................................... Kolosserbrief 1Kor ............................... 1. Korintherbrief
2Kor ............................... 2. Korintherbrief
Bibelübersetzungen
Lk ................................... Lukasevangelium Mal ................................................ Maleachi Mi ....................................................... Micha Mk .............................. Markusevangelium 1Mose .......................... 1. Mose (Genesis) 2Mose ........................... 2. Mose (Exodus) 3Mose ........................ 3. Mose (Levitikus) 4Mose .......................... 4. Mose (Numeri)
5Mose ......... 5. Mose (Deuteronomium)
Mt ...........................Matthäusevangelium Nah ................................................... Nahum Neh ................................................ Nehemia Obd .................................................. Obadja Offb .......................................Offenbarung
1Petr .................................... 1. Petrusbrief
2Petr .................................... 2. Petrusbrief Phil ....................................... Philipperbrief
Phlm .................................... Philemonbrief Pred .............................. Prediger (Kohelet) Ps .................................................... Psalmen Ri ....................................................... Richter Röm .......................................... Römerbrief Rut ........................................................... Rut Sach ................................................ Sacharja
1Sam ........................................... 1. Samuel
2Sam ........................................... 2. Samuel Spr ...................... Sprüche (Sprichwörter)
1Thess ................. 1. Thessalonicherbrief
2Thess ................. 2. Thessalonicherbrief 1Tim ............................. 1. Timotheusbrief
2Tim ............................. 2. Timotheusbrief Tit ................................................. Titusbrief
V. ............................................................ Vers
Wir zitieren generell nach der Elberfelder Bibel (ELB) oder Luther-Bibel (LUT 84). Das wird in der Regel nicht extra vermerkt, es sei denn, dass es für die Ausl egung von Bedeutung ist. Weitere verwendete Bibelübersetzungen oder Bibelübertragungen:
GNB ........................ Gute Nachricht Bibel Hfa ...................................Hoffnung für alle MNG ..................................................Menge
NeÜ .........Neue evangelist. Übersetzung
NGÜ ..........................Neue Genfer Übers.
NLB ..............................Neues Leben Bibel
SCHL ...........................................Schlachter ZB ........................................... Zürcher Bibel
95 Diakonissenmutterhaus Aidlingen . Zeit mit Gott . 3/2025
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Diakonissenmutterhaus Aidlingen . Zeit mit Gott . 3/2025 96
