24h Gebet - Zeit

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Gott sollte nicht unser Container, sondern ein Gegenüber sein, dem wir im Gebet begegnen.

Notes
Transcript

Der Container - Was bedeutet es, dass Gott ein Container ist?

Was wäre, wenn wir die Beziehungen zu unseren Mitmenschen so leben würden, wie unsere Beziehung zu Jesus? Stellt euch vor, unser Beziehungsleben wäre so abgekapselt, wie unser Gebetsleben es manchmal ist. Meine Gebetszeit ist jeden Tag von 6:30–7:00. In dieser Zeit habe ich ein Fenster für Gott. Da lese ich Bibel, bete und singe vielleicht noch ein Lobpreislied. Wenn ich meiner Frau erzählen würde, dass unser Beziehungsleben sich auf 30 Minuten am Tag zu beschränken hat und diese 30 Minuten nur vollgepackt sind mit irgendwelchen Dingen, die ich für wichtig halte, aber es keinen Raum für sie gibt, dann wäre das ein echtes Problem. Das klingt super absurd, aber so leben wir manchmal unsere Gottesbeziehung. Wir reden davon, dass Jesus unser bester Freund ist. Aber eigentlich ist unsere Beziehung zu ihm wie das Abhaken einer Pflichtaufgabe einmal am Tag, um dann den restlichen Tag in Ruhe zu verbringen.
Neben dieser Abgrenzung ist das zweite Problem, wie wir Gebet und damit unsere Kommunikation mit Gott gelernt haben. Gebet ist Reden. Wir reden. Wir bitten. Wir danken. Wir tun Buße. Wir beten Gott an in seiner Größe und Herrlichkeit. Und am Ende dieses Gebetsprozesses sind wir erleichtert, weil wir alles bei Gott abladen konnten. Alles, was uns auf dem Herzen lag, wurde gesagt, und wir können jetzt weitergehen, weil die Dinge jetzt nicht mehr bei uns liegen, sondern bei Gott. All unsere Sorgen, Herausforderungen, Ängste, unsere Freude, unsere Siege sind bei ihm – und danach kann es weitergehen. Gott wird zu einem Container. Ein Container, in den wir alles reinladen – ob Gutes oder Schlechtes – und den wir dann stehen lassen, bis wir ihn das nächste Mal am nächsten Morgen füllen. Wenn dann vielleicht die gleichen Sorgen wieder da sind oder ganz andere. Gebet ist ein Abladen. Gebet bringt Erleichterung. Gebet ist zuallererst ein Moment, in dem wir reden. Das Gebet dient uns und unserem Wohlbefinden. Beziehungen, die durch das Containern bestimmt sind, sind vor allem eins: einseitig. Eine Person wird belastet und kommt eigentlich nicht zu Wort. Das Gegenüber wird zu einem Container unserer Belastungen, Emotionen und allem, was wir so mitbringen. Unter diesen beiden Aspekten wird der Vers aus Thessalonicher wie ein unerreichbares Ziel:
1. Thessalonicher 5,17 ZB 2007
betet ohne Unterlass,
Wie soll ich den ganzen Tag mit Gott reden? Was soll ich den ganzen Tag sagen? Wie soll ich den ganzen Tag Bibel lesen? Wie soll ich neben meiner Arbeit dafür die Zeit finden? Das Problem ist nicht die Unerreichbarkeit dieses Verses. Das Problem ist unser Missverständnis vom Gebet. Vielleicht ist die Idee vom Gebet weniger einfach etwas abzuladen und abzuhaken – und mehr ein Wahrnehmen und Teilen. Vielleicht sollte Gott mehr ein Gegenüber als ein Container sein. Vielleicht wird ein Gebet ohne Unterlass realistischer, wenn es nicht darum geht, dauerhaft zu reden, sondern Jesus in unserem Leben wahrzunehmen und ihn zu erleben – egal, ob es gerade zwischen 6:30 oder 18:30 Uhr ist.

Gegenüber - Wie wird Gott ein Gegenüber?

Ja, Gebet kann erleichtern. Es soll uns sogar erleichtern, aber nach der Erleichterung soll die Fülle kommen. Wir sollen die Dinge bei Gott abgeben, damit er uns füllen kann. Wir sollen erfüllt werden durch unsere Beziehung zu Gott.
Epheser 3,14–19 ZB 2007
Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen empfängt, und bitte ihn, euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit durch seinen Geist zum Aufbau des inneren Menschen so mit Kraft zu stärken, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen Wohnung nimmt und ihr in der Liebe tief verwurzelt und fest gegründet seid. So werdet ihr befähigt, mit allen Heiligen zusammen die Breite und Länge und Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt, und so werdet ihr immer mehr erfüllt werden von der ganzen Fülle Gottes.
Ja, unsere Zeit mit Gott soll uns frei machen, aber genauso soll sie uns in der Liebe verwurzeln, die Jesus für uns hat. Im Gebet können wir Gott alles sagen, was wir auf dem Herzen haben, aber es ist genauso Zeit in seiner Gegenwart. Wenn wir Zeit mit Jesus verbringen, dann nimmt er Wohnung in uns ein. Er wird ein Teil von uns. Er ist nicht mehr begrenzt auf den Morgen um 6:30 Uhr, sondern er ist immer bei uns. Er wirkt immer durch uns. Er lebt in uns. Wenn Jesus von unserem Gast am Morgen zum Mitbewohner unseres Lebens wird, dann beten wir ohne Unterlass, weil Gebet mehr als ein Abladen ist. Es ist ein Auftanken und Gefülltwerden durch die Liebe, die breiter, länger, höher und tiefer ist, als wir es jemals verstehen können.
Gebet gibt uns Leben. Deshalb kann es nicht abgegrenzt sein. Deshalb kann es nicht das Beladen eines Containers sein. Gebet braucht ein Gegenüber. Es braucht ein lebendiges Gegenüber – jemanden, mit dem wir leben, der uns vor Augen ist und in uns lebt. Es geht um einen Dialog und nicht um einen Monolog. Es geht darum zu hören und zu sehen. Gebet ist Zeit mit Gott. Gebet ist Zeit in der Liebe Gottes. Gebet ist ein Gefülltwerden, damit wir Gott in unserem Alltag wahrnehmen können.

Begegnung - Wie können wir ihm im Gebet begegnen?

Wie kann unsere Zeit mit Gott mehr als nur ein Abladen sein? Wie kann Gebet uns Erfüllung bringen? Wie wird Gott ein Gegenüber für uns?
Matthäus 6,5–8 ZB 2007
Und wenn ihr betet, sollt ihr es nicht machen wie die Heuchler: Die stehen gern in den Synagogen und an den Strassenecken und beten, um sich den Leuten zu zeigen. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon bezogen. Wenn du aber betest, geh in deine Kammer, schliess die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; sie meinen nämlich, sie werden ihrer vielen Worte wegen erhört. Tut es ihnen nicht gleich! Euer Vater weiss, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.
Jesus sagt hier, wie wir beten sollen. Was macht dieses Gebet aus? Zuallererst ist es in der Stille. Es gibt keine Ablenkung. Es gibt nur mich und Gott, der schon dort auf mich wartet. Gebet passiert im Tagesablauf meist in Eile und mit dem Handy an der Seite. Bei mir ist es meistens nicht das Handy, sondern das Babyphone, was meine Zeit der Stille unterbricht oder mich ablenkt. Wir brauchen einen Raum ohne Ablenkung. Das Handy sollte nicht dabei sein. Wir sollten Ruhe haben und keinen Druck. Es geht nicht darum, eine Aufgabe zu erfüllen, sondern bei ihm zu sein.
Als Zweites sollen wir nicht zu viel plappern. Wir haben sehr viele Anliegen, und Gott kennt all diese Anliegen. Das heißt nicht, dass wir sie nicht vor ihn bringen sollen. Wir sollen unser Herz vor ihm ausschütten. Er ist unser Vater, und es ist für ihn ein Privileg, wenn wir ihm sagen, was wir auf dem Herzen haben. Wir sollen aber nicht einfach nur plappern, denn die größte Einladung im Gebet ist nicht: „Sag mir alles“, sondern: „Komm zu mir.“ Gott sagt: Komm zu mir! Ja, die Vorbereitung darauf ist, dass wir bestimmte Dinge vor ihm loslassen und abgeben. Das alles verliert aber seinen Wert, wenn wir nicht auch zu ihm gehen und seiner Einladung folgen.
Der dritte Aspekt ist Zeit. A. W. Tozer hat es folgendermaßen beschrieben:
Es ist gut, dass wir die harte Wahrheit akzeptieren: Wer Gott kennenlernen will, muss ihm Zeit widmen. Er darf keine Zeit als vergeudet betrachten, die er damit verbringt, seine Bekanntschaft mit ihm zu pflegen. Er muss reichlich der Meditation und dem Gebet widmen. - A. W. Tozer
Wir brauchen Zeit, damit Jesus anfängt, in uns zu wohnen, um Gott kennenzulernen, um seine Stimme von anderen unterscheiden zu können. Ich verbringe so viel Zeit mit meiner Frau, dass ich sie angucken muss, und ich kann wahrnehmen, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Durch die viele Zeit, die wir miteinander verbringen, kenne ich meine Frau so gut, dass ich Dinge wahrnehmen und sehen kann, die andere Menschen nicht bei ihr sehen und wahrnehmen. Wenn wir danach fragen: Wie kann ich lernen, Gottes Willen zu verstehen? Dann ist die Antwort: Zeit. Wir müssen Zeit mit ihm verbringen – ohne Ablenkung. Damit Gott vom Container zum Gegenüber wird, damit auf die Erleichterung die Erfüllung folgt, damit Jesus anfängt, in mir zu wohnen, braucht es Zeit – ohne Ablenkung – in der Gegenwart Gottes. Und diese Zeit wollen wir euch ermöglichen. In den nächsten 24 Stunden ist die Heimatwerkstatt als Raum der Begegnung geöffnet. Es braucht nicht mehr als dich an diesem Ort. Gott wartet dort schon auf dich.
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