Geburtstagsandacht Waldemar
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Einleitung
Einleitung
Lieber Waldemar,
es ist mir eine große Freude und eine besondere Ehre, heute deine Geburtstagsandacht halten zu dürfen.
Obwohl wir uns noch nicht lange kennen, verbindet uns beide etwas ganz Kostbares: nämlich die Liebe zur Heiligen Schrift – zu Gottes lebendigem Wort.
Deine Liebe zur Bibel ist kein äußerer Schein – sie ist tief verwurzelt in deinem Leben. Du willst Gottes Wort nicht nur kennen, sondern auch danach leben. Und das macht deinen Glauben so authentisch und echt.
Wenn Menschen Gottes Wort nicht nur lesen, sondern ihm wirklich vertrauen und gehorchen, wird es – wie Psalm 119:105 so schön sagt – zur Leuchte auf ihrem Lebensweg. Es schenkt uns Orientierung, Licht und Halt – gerade dann, wenn der Weg unklar oder herausfordernd ist.
Und du, Waldemar, bist wahrlich ein lebendiges Zeugnis wie Gott durch sein Wort einen Neubeginn schenken kann. Ein Zeugnis dafür dass Gottes Wort mehr ist als nur ein Buch aus Papier, dass es unsere Herzen bis in die Tiefe durchdringt und verändert.
Ja... und wer Gottes Wort liebt, der bleibt nicht einfach Zuschauer: Gott ruft ihn in seinen Dienst. Durch sein Wort beruft er Menschen – so wie auch dich, Waldemar – um aus diesem Wort zu leben und anderen zu dienen.
Passend dazu wollen wir heute gemeinsam einen Abschnitt lesen, in dem Gott den Propheten Jeremia beruft, ihn befähigt und ihn aussendet – ein Text, der von Berufung, Schwachheit und Gottes Macht erzählt.
Und ich bin überzeugt, dass Gott uns durch diesen Abschnitt auch noch heute etwas zu sagen hat – besonders dir, lieber Waldemar, in deiner Berufung hier im Neuen Land, aber auch in deinem Ruf zur Gemeindegründung und dem dortigen Dienst als Hirte und Lehrer.
Ich lese aus Jeremia 1, die Verse 4 bis 10:
Und das Wort des Herrn erging an mich, indem er sprach: Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt. Und ich sprach: Ach, Herr, Herr, siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin jung. Da sprach der Herr zu mir: Sage nicht: Ich bin jung; denn zu allen, wohin ich dich senden werde, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebieten werde, sollst du reden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und der Herr sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich bestelle dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche, um auszurotten und niederzureißen und zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und um zu pflanzen.
Aus diesem Abschnitt in Jeremia lassen sich drei wichtige geistliche Wahrheiten zur Berufung finden, die wir heute gemeinsam näher anschauen wollen.
Erstens, Gott beruft, bevor wir bereit sind.
Zweitens, Gott befähigt, wo wir uns unfähig fühlen.
Drittens, Gott sendet uns mit seinem Wort, um Geister zu unterscheiden.
1. Gott beruft, lange bevor wir bereit dazu sind.
1. Gott beruft, lange bevor wir bereit dazu sind.
Ja, ... auch wenn wir heute deinen Geburtstag feiern, deiner Geburt gedenken, lieber Waldemar, macht uns Gottes Wort deutlich: Dein Leben begann nicht erst an dem Tag, als du das Licht der Welt erblickt hast. Der eigentliche Anfang liegt tiefer – und zwar im verborgenen Ratschluss Gottes.
So heißt es im Text:
Bevor ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt.
Gott sagt: Ich habe dich erkannt. Noch bevor Jeremia auch nur einen Atemzug getan hat, kennt ihn Gott.
Und was für Jeremia gilt, gilt auch für dich, Waldemar.
Du bist nicht ein Zufallsprodukt, keine späte Eingebung, kein Plan B.
Du bist gewollt, erkannt, geheiligt – von Anfang an in Gottes Plan eingeschlossen.
Und deine geistliche Reise, Waldemar, ist nicht primär das Ergebnis deiner Suche nach Gott – sie ist Ausdruck von Gottes Suche nach dir. Er hat dich gezogen, wie Jesus in Johannes 6 sagt:
Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht;
Wie bei Jeremia beginnt Berufung nicht mit eigener Bereitschaft, sondern mit Erwählung von Gottes Seite. Und oft spüren wir uns genau dann in dem Moment am wenigsten bereit, wenn Gottes Ruf in unser Leben tritt.
Aber: Gott wartet nicht bis wir uns bereit fühlen, bevor er uns ruft –
Er ruft dich sobald es sein Wille ist – und er schafft die nötige Reife und das Wachstum auf dem Weg.
Das ist auch deine Geschichte, Waldemar. Und ich glaube: Nicht nur im Rückblick auf Gottes Führung in deinem bisherigen Leben – sondern auch ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt - Gott hat noch viel mit dir vor - bis zu dem Tag, wo er dich heimholen wird.
Doch genau an diesem Punkt, wo wir gerufen werden, stellt sich oft eine ganz andere, tief menschliche Frage:
„Bin ich dem überhaupt gewachsen?“
„Reicht mein Glaube, meine Frömmigkeit, meine Weisheit, meine Erfahrung?“
Damit sind wir bei der zweiten Wahrheit aus diesem Berufungstext angekommen:
2. Gott befähigt, wo wir uns unfähig fühlen.
2. Gott befähigt, wo wir uns unfähig fühlen.
Jeremias erste Reaktion auf Gottes Berufung ist absolut menschlich:
Ach, Herr, Herr, siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin jung.
Mit anderen Worten: Ich bin zu unerfahren. Ich kann das nicht. Ich bin nicht qualifiziert.
Und genau das ist eine Haltung, die sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht: Auch Mose sagte: „Ich bin kein guter Redner“ (2 Mose 4,10). Jesaja rief gar: „Ich bin verloren!“ (Jes 6,5). Und Paulus bezeugte: „Ich bin der Geringste der Apostel“ (1 Kor 15,9).
Gottes Berufung trifft oft Menschen, die sich NICHT bereit fühlen. Und das ist kein Zufall – das ist göttliches Prinzip.
Warum?
Weil Gott selbst sagt:
„Meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung.“ (2 Korinther 12,9)
Oder wie Luther sos schön übersetzt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Gott erwählt nicht die Starken -
er hilft den Schwachen, damit sein Stärke in ihnen sichtbar wird.
Deshalb begegnet Gott Jeremias Zweifel nicht mit Nachsicht und lässt ihn ziehen, sondern gibt ihm eine Zusage:
Sage nicht: Ich bin jung; denn zu allen, wohin ich dich senden werde, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebieten werde, sollst du reden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der Herr.
Jeremia braucht nicht zu zweifeln, denn die Kraft und die Worte stammen nicht von ihm selbst, sondern von Gott.
...
Waldemar, du stehst an einem Punkt, an dem sich dein Dienst ausweitet auch über das Neue Land hinaus.
Vielleicht fragst du dich wie Jeremia: „Bin ich dem gewachsen?“
Gott antwortet dir hier: „Du musst es gar nicht sein – denn ICH ... bin bei dir.“
Die Frage ist nicht, ob du fähig bist, dem gewachsen bist –
sondern ob du ihm vertraust, dass er genügt und dir die nötige Kraft schenkt.
Und Gott genügt. Immer.
Er genügte damals für Jeremia. Für Mose. Für Paulus.
Und auch heute für dich, Waldemar.
...
Gott begegnet uns in unserer Schwachheit und stärkt uns. Nun stellt sich die Frage: Wozu sendet er uns eigentlich?
Er tut es nicht in die Leere – sondern mit einem klaren Auftrag, mit einem Ziel und mit einem Werkzeug:
Seinem Wort.
Und damit sind wir beim dritten Punkt:
3. Gott sendet uns mit seinem Wort, um Geister zu unterscheiden.
3. Gott sendet uns mit seinem Wort, um Geister zu unterscheiden.
Nachdem Gott Jeremia in seiner Schwachheit begegnet ist, gibt er ihm nicht nur Zuversicht, sondern einen klaren Auftrag:
Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich bestelle dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche, um auszurotten und niederzureißen und zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und um zu pflanzen.
Das klingt erstmal wie eine Kampfansage. Auszurotten, niederreißen, zerstören – das klingt nach Macht, nach Aktion, nach Krieg.
Aber Jeremia zieht nicht in eine militärische Schlacht und was er empfängt, ist kein Schwert aus Stahl.
Seine Waffe war das Wort Gottes.
Er stürzt keine physischen Mauern. Und doch erschüttert seine Botschaft Städte, bringt Könige zum Zorn, stellt die ganze Gesellschaft in Frage.
Denn das Wort, das Gott in seinen Mund legt, hat eine geistliche Sprengkraft.
Gottes Wort richtet nicht nur auf, es reißt auch nieder – nicht im Äußeren Sinne, sondern im Herzen. Es deckt verborgene Motive auf, bringt Licht in Dunkelheit und richtet unser Innerstes neu aus. Es sprengt die Ketten der Gleichgültigkeit, bricht die Mauern der Angst und öffnet Türen zu neuem Leben.
So wie es auch in Hebräer 4,12 heißt:
Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens;
Waldemar,... deine Berufung ist – ganz wie bei Jeremia – im Dienst am Wort Gottes verwurzelt.
Gerade heute, in einer Zeit, in der viele widersprüchliche Stimmen, Meinungen und spirituelle Strömungen aufeinandertreffen, in einer Zeit wo selbst in Kirchen die Irrtumslosigkeit und Inspiration der Schrift in Zweifel gezogen werden, ist deine Bibeltreue so wertvoll und nötig.
Insbesondere als Hirte in deiner Gemeinde trägst du Verantwortung dafür, deine Gemeinde in diesen Zeiten zu schützen und zu führen. Möge Gott dich gerade in dieser Aufgabe stärken und dir helfen die Geister zu unterscheiden, wie es in 1. Johannes 4, steht:
Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen.
So wie Gott Jeremia berufen, vorbereitet und ausgestattet hat, so gilt das auch für dich, Waldemar.
Er hat dich berufen, noch bevor du das Licht der Welt erblickt hast.
Er hat dich vorbereitet und befähigt für das Werk, das er dir anvertraut.
Und er hat dich mit dem Schwert seines Wortes ausgerüstet – nicht, um sinnlos niederzureißen, sondern um das Falsche zu entlarven, das Unwahre zu erschüttern und Raum zu schaffen für das, was trägt: Wahrheit und Leben.
Du bist gesandt, um mit dem Wort zu bauen, zu pflanzen, zu leiten – und zu segnen.
Und in all dem, sagt Gott, der dich berufen hat, zu dir – wie damals zu Jeremia:
„Fürchte dich nicht … ich bin mit dir.”
Amen
