Komm heraus! – Der Ruf in die Freiheit
Urlaub fürs Herz – Begegnungen mit Jesus, die verändern • Sermon • Submitted • Presented
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Handout
Wenn das Leben auf Standby läuft
Wenn das Leben auf Standby läuft
Es gab in meinem Leben immer wieder Zeiten, in denen ich an meine Grenzen gekommen bin. Manchmal sogar darüber hinaus. Momente, in denen ich gedacht habe: „Ich kann nicht mehr.“
Ich habe dann einfach nur noch funktioniert. Keine Freude, keine Energie – als hätte jemand die Luft zum Atmen weggenommen. Nur noch der nächste Punkt auf der Liste abhaken. Arbeitsaufträge, die fertig werden mussten. Klausuren, auf die ich mich vorbereiten musste. Hausarbeiten, die geschrieben werden wollten. Deadlines, die immer näher rückten.
Und manchmal habe ich Nächte durchgemacht, einfach nur, um es irgendwie zu schaffen. Da saß ich dann vor dem Bildschirm, starrte auf Texte, die ich schon tausendmal gelesen hatte, und merkte, wie alles in mir leer wurde. Ich war wach, aber nicht wirklich da. Ich habe gelebt – zumindest körperlich –, aber innerlich war da nichts mehr.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du bewegst dich, du tust, was getan werden muss, du redest mit Menschen, du gehst von einem Termin zum nächsten – und trotzdem ist da so etwas wie ein innerer Stillstand. Als würde deine Seele im Standby-Modus laufen. Man könnte fast sagen, wie so ein Zombie – äußerlich unterwegs, innerlich aber tot. Du atmest, dein Herz schlägt, aber das Leben, das du eigentlich spüren willst, ist wie weg.
In solchen Zeiten, wenn ich nur noch auf dem Zahnfleisch unterwegs war, habe ich mir so sehr gewünscht, da rauszukommen. Raus aus dem Stress. Raus aus dem Druck. Einfach mal durchatmen und wieder spüren: Ich lebe.
Jetzt, in den Sommerferien, machen viele Urlaub. Familien sind unterwegs oder gerade zurück. Letzten Sonntag haben auch wir hier im Gottesdienst Urlaub begonnen – nicht so, dass alle Mitarbeitenden Pause machen und nichts mehr stattfindet. Sondern wir sind in eine neue Predigtreihe gestartet: „Urlaub fürs Herz“.
Funktionieren ist nicht Leben
Funktionieren ist nicht Leben
Manchmal braucht nicht nur unser Körper eine Pause, sondern auch unser Herz – weil wir durchs Leben gehen wie im Autopilot: Wir tun, was getan werden muss, aber wir fühlen nichts. Vielleicht sitzt du im Büro, beantwortest E-Mails, führst Gespräche und am Ende des Tages merkst du: Da war keine Verbindung, gar nichts. Es ist, als ob du lachst, obwohl innerlich nichts da ist – als würdest du durch einen Tag ziehen, der für niemanden wirklich lebendig ist.
Forscher nennen so einen Zustand „hochfunktionale Depression“. Menschen, die äußere Pflichten erfüllen – Beruf, Familie, Alltag – und dabei innerlich ausgebrannt sind. Sie fühlen sich leer und erschöpft. Sie funktionieren, aber fühlen sich isoliert, als ob sie hinter einer Milchglasscheibe leben. Da ist Leben im Körper, aber das Herz ist abgekoppelt, die Freude versiegt.
Ein anderes Bild: In manchen Studien erzählen Menschen, sie erleben sich wie in einem Tunnel oder unter einer Glasglocke. Die Welt ist noch da, aber sie fühlen sich abgeschnitten, eingeengt, ohne Ausweg.
Und dann ist da dieses Gefühl einer inneren Leere – nicht wie Traurigkeit, sondern wie ein Niemandsland im Innern. Alles wirkt neutral, als wäre der Schalter im Kopf einfach umgelegt – keine Gedanken, keine Gefühle. Wenn jemand etwas sagt oder tut, dann löst das gar nichts in dir aus. Nicht, weil du innerlich stark oder gelassen bist, sondern weil da drinnen nichts mehr ist, das reagieren könnte. Die Kraft ist weg, und alles fühlt sich belanglos und gleichgültig an.
Wenn du das kennst – dieses zäh fließende Leben, in dem du wie ein Smartphone im Energiesparmodus bist; es funktioniert, aber nichts läuft auf voller Kraft – dann bist du nicht allein. Und es heißt nicht, dass du schwach bist. Es ist ein Zeichen von Überforderung, von Druck, von einem inneren Entzug.
Gerade in Zeiten, in denen du viel Verantwortung trägst und leisten musst, während in dir der Gedanke kreist: „Ich muss einfach weitermachen“ – genau dann kann es passieren, dass du innerlich den Stecker ziehst und dich abkoppelst.
Ich wünsche mir, dass du jetzt spürst:
Da ist jemand, der dich versteht.
Und da ist Gott, der dich sieht – auch dein innerstes.
Er sieht dein Ausgelaugtsein und ruft: „Komm heraus! Lebendig heraus!“
Der Ruf, der die Dunkelheit bricht
Der Ruf, der die Dunkelheit bricht
Ich möchte euch heute mit hineinnehmen in eine Szene aus dem Johannesevangelium, Kapitel 11. Das ist eine der eindrücklichsten Geschichten, die Johannes über Jesus aufgeschrieben hat. Aber bevor wir in den eigentlichen Moment einsteigen, will ich euch den Rahmen erzählen, damit ihr spürt, was da los war.
Da sind drei Geschwister: Maria, Marta und Lazarus. Freunde von Jesus. Menschen, bei denen er oft zu Gast war, wo er sich wohlgefühlt hat. Eines Tages wird Lazarus krank. So krank, dass seine Schwestern jemanden zu Jesus schicken, um ihn zu holen. Aber Jesus kommt nicht sofort. Und während sie warten, stirbt Lazarus. Vier Tage liegt er schon im Grab, als Jesus endlich in Betanien eintrifft.
Man kann die Spannung fast greifen. Marta läuft ihm entgegen, und man hört den Schmerz in ihrer Stimme: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Später kommt auch Maria, weinend. Und Jesus – er bleibt nicht distanziert, er ist tief bewegt, er weint mit ihnen.
Das ist der Moment, in dem wir jetzt ansetzen. Wir steigen ein ab Vers 38. Da steht Jesus vor dem Grab. Ein Felsengrab mit einem schweren Stein davor. Es riecht nach Tod. Alles in dieser Szene schreit: „Zu spät. Keine Chance. Ende.“
Und genau hier, an diesem Punkt, an dem jeder sagt „Da geht nichts mehr“, macht Jesus etwas, das niemand erwartet.
Der Ruf in die Hoffnung – „Komm heraus!“
Der Ruf in die Hoffnung – „Komm heraus!“
Lasst uns noch einen Moment im Grab stehen, bevor wir auf das Unerwartete, was Jesus tut, eingehen. Diese vier Tage, in denen Lazarus tot im Grab liegt, sind kein Zufall. Im Judentum gab es den Gedanken, dass die Seele die ersten drei Tage nach dem Tod um den Körper kreist, als würde sie hoffen, zurückzukehren. Erst wenn der Verfall sichtbar wird – also die Haut beginnt sich zu ändern –, zieht die Seele sich endgültig zurück.
Stell dir vor: Man glaubt, da könnte man irgendwann umkehren. Aber vier, fünf Tage – da heißt es: Schluss. Endgültig vorbei. Keine Rückkehr mehr. Und genau in diesem Moment kommt Jesus. Er kommt nicht früher. Er kommt nicht rechtzeitig. Er kommt nicht, bevor es aussichtslos wird, sondern nachdem es aussichtlos wurde. Gerade dann stellt er sich an das Grab. Er riecht sogar den Gestank des verwesendes Leichnams, obwohl ein schwerer Stein vor dem Grabeingang ist. Und er fühlt den Schmerz und weint mit den Schwestern mit.
Und dann macht er das Unerwartete. Er sagt einfach: „Komm heraus.“
Er wartet nicht ab. Er ruft – und sein Ruf durchbricht die Dunkelheit, die sich im und um das Grab gelegt hat, schwer von Verzweiflung und Trauer.
In diesem Augenblick entfaltet sich die Kraft des Glaubens: Dort, wo alle Erwartungen begraben sind, sagt Jesus: Es ist nicht vorbei. Mit diesem Ruf zeigt er: Nichts ist für mich endgültig. Auch nicht das, was wir als ausweglos ansehen. Er steht vor der Dunkelheit, spürt Rivalität der Mauern und Finsternis – und ruft Licht in diese Nacht hinein.
„Bindet ihn los“ – Freiheit beginnt hier
„Bindet ihn los“ – Freiheit beginnt hier
Die Szene ist aber noch nicht vorbei. Lazarus kommt tatsächlich heraus. Stellt euch das vor: Er steht da, noch umwickelt mit Leinentüchern, das Gesicht mit einem Tuch bedeckt. Er kann wahrscheinlich kaum sehen, die Bewegungen sind eingeschränkt, jeder Schritt ist mühsam.
Und Jesus sagt: „Bindet ihn los und lasst ihn gehen.“
Jesus hätte diese Binden auch selbst lösen können. Aber er wendet sich an die Menschen um ihn herum: „Löst die Binden und lasst ihn gehen!“ Lazarus steht da, das Gesicht noch verhüllt, die Arme und Beine umwickelt. In diesen Tüchern hätte er keinen Schritt weit gehen können. Es brauchte jemanden, der nahe genug an ihn herantritt, um ihn zu befreien.
Das ist stark: Jesus schenkt das Leben, aber er bezieht die Umstehenden mit ein. Er will, dass wir einander losbinden – von dem, was uns noch fesselt. Von alten Mustern, Lügen, Ängsten. Von allem, was verhindert, dass wir in der Freiheit gehen, zu der er uns ruft.
Nach der Befreiung von Buchenwald 1945 standen viele Kinder ohne Familie da. Manche schwiegen tagelang, andere reagierten mit Misstrauen oder Zorn; ein normales Leben war weit weg.
Judith Hemmendinger kam mit der französischen Hilfsorganisation OSE in ein Heim in Frankreich und übernahm die Leitung für eine Gruppe jugendlicher Überlebender. Sie blieb bei den Jungen, aß mit ihnen, brachte Tagesabläufe ein und hielt kleine Rituale am Leben – genau das gab Halt und öffnete nach und nach Räume fürs Vertrauen. Schritt für Schritt kehrte Leben zurück: Einige begannen wieder zu lachen, andere fanden später einen Beruf oder wirkten aktiv im Gemeindeleben. Hemmendinger hat diese Zeit dokumentiert und darüber geschrieben.
Neues Leben ist ein Geschenk – doch oft braucht es Menschen, die uns helfen, die alten Fesseln abzulegen, damit wir den Weg in die Freiheit wirklich gehen können.
Die Binden lösen – gemeinsam
Was hier geschieht, ist mehr als eine historische Begebenheit. Johannes will nicht nur erzählen, wie ein Mann vor zweitausend Jahren aus einem Grab kam. Er will zeigen, wie Jesus wirkt: Er kommt genau an den Punkt, an dem alle sagen „Das ist zu spät“. Er spricht Worte, die stärker sind als jede Grenze, selbst als der Tod. Und er lässt neues Leben nicht halb beginnen – er will, dass es sich entfaltet, dass es frei wird.
Dieser Ruf „Komm heraus“ und das „Bindet ihn los“ gehören zusammen. Der erste öffnet die Tür zum Leben, der zweite macht den Weg frei, darin zu gehen. Das ist das Muster, wie Gott handelt: Er ruft heraus aus dem, was uns festhält, und er stellt Menschen an unsere Seite, die mithelfen, uns zu lösen.
Und diese Wahrheit bleibt – ob es um den körperlichen Tod geht, um den Verlust jeder Hoffnung oder um innere Gefangenschaften, die schon lange dauern. Bei Jesus gibt es keinen Punkt, an dem er sagt: „Hier kann ich nichts mehr tun.“
Vielleicht gibt es bei dir gerade etwas, das sich wie ein verschlossener Raum anfühlt.
Etwas, das schon so lange tot scheint, dass du innerlich den Stein davor gerollt hast.
Etwas, wo du dir selbst sagst: „Da rührt sich nichts mehr. Das Thema ist durch.“
Aber genau da hinein kann Jesus sprechen:
Verlass das Grab.
Und vielleicht ist das heute der Moment, an dem er dich ruft.
Manchmal bedeutet das, dass du einen ersten Schritt machst – aber dann noch Hilfe brauchst, weil die Binden noch da sind. Du brauchst Menschen, die dich begleiten, mit dir beten, dir helfen, wieder frei zu werden. Vielleicht ist es dran, jemanden aus der Gemeinde, einen Freund, eine Freundin, anzusprechen und zu sagen: „Ich will raus aus dieser Situation – hilfst du mir, die Binden zu lösen?“
Und vielleicht bist du heute nicht der, der herausgerufen wird, sondern der, der an der Seite eines anderen steht. Derjenige, der die Binden löst. Der nicht nur den Sieg feiert, sondern mit Geduld hilft, dass der andere wirklich ins neue Leben hineinwächst.
Was wäre, wenn wir heute auf Jesu Stimme hören – egal, ob er uns ruft oder uns beauftragt, anderen zu helfen?
Leben in Freiheit – jetzt
Stell dir vor, du stehst dort, wie die Menschen damals vor dem Grab des Lazarus.
Du hörst Jesu Stimme und sie gilt dir.
Vielleicht heißt es für dich heute:
Komm heraus aus der Angst.
Komm heraus aus der Aussichtslosigkeit.
Und vor allem: Komm ins Licht.
Und dann hörst du, wie Jesus zu den anderen sagt:
Bindet ihn los.
Vielleicht heißt das: Lass dir helfen. Öffne dich. Mach dich verletzlich.
Oder: Sei du derjenige, der anderen die Binden löst. Wie? Indem du geduldig bist. Idem du liebst. Du kannst beten. Und du kannst jemanden im Alltag begleiten.
Was wäre, wenn wir heute nicht nur diese Geschichte gehört, sondern sie erlebt hätten?
Wenn wir nach diesem Gottesdienst nicht nur sagen: „Schöne Predigt“,
sondern jeder von uns an seinem Platz das tut, wozu Jesus uns gerade ruft?
Er ruft dich beim Namen – ins Leben, in die Freiheit.
Wer seiner Stimme folgt, entdeckt Schritt für Schritt: Er löst die Binden und holt dich wie Lazarus ins Leben zurück.
Amen.
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Fragen zur persönlichen Reflexion und für den Hauskreis / die Kleingruppe
Fragen zur persönlichen Reflexion und für den Hauskreis / die Kleingruppe
1. Einstiegsfrage
1. Einstiegsfrage
· Was macht einen Urlaub für dich erholsam?
· Was war dein schönster Urlaub bis jetzt?
2. Fragen zur Predigt / zum Bibeltext
2. Fragen zur Predigt / zum Bibeltext
· Was ist dir aus der Predigt besonders hängen geblieben?
· Welche Details der Geschichte von Lazarus waren dir vorher vielleicht nicht bewusst?
· Warum, glaubst du, hat Jesus so lange gewartet, bevor er nach Betanien kam?
· Welche Bedeutung haben die beiden Sätze „Komm heraus!“ und „Bindet ihn los!“ jeweils für dich?
3. Tiefergehende Fragen – persönlich & ehrlich
3. Tiefergehende Fragen – persönlich & ehrlich
· In der Predigt kam das Bild vor: „Leben im Körper, aber das Herz ist abgekoppelt.“ – Wie würdest du dieses Bild in eigenen Worten erklären?
· Wo in deinem Leben erkennst du Muster, die dich „fesseln“ oder „binden“?
· Jesus bezieht die Umstehenden mit ein, als er sagt: „Bindet ihn los.“ – Was sagt dir das über Gottes Art, mit Menschen zu handeln?
4. Anwendungsfragen / Schritte für den Alltag
4. Anwendungsfragen / Schritte für den Alltag
· Wo ruft dich Jesus heute vielleicht heraus – aus Angst, Resignation oder einer anderen „Grab“-Situation?
· Wer könnte dir helfen, alte „Binden“ zu lösen? Wen könntest du selbst unterstützen?
· Was wäre ein erster, konkreter Schritt, den du diese Woche gehen könntest, um Gottes Ruf zu folgen?
Impuls für die Woche
Impuls für die Woche
„Christus hat uns befreit; er will, dass wir jetzt auch frei bleiben.“
(Galater 5,1 Gute Nachricht Bibel)
Gebetsanregung:
Herr Jesus,
du rufst mich heraus aus allem, was mich gefangen hält.
Zeig mir diese Woche, wo du mir neues Leben schenken willst.
Hilf mir, mutig Schritte zu gehen und anderen zu helfen, frei zu werden.
Amen.
