Verzaubert? Warum Gnade keine Leistung braucht!

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Transcript

Verzaubert? Warum Gnade keine Leistung braucht!

Thema

Begrüßung

Herzlich willkommen zur dritten Einheit unserer Reihe „Evangelium pur! – Freiheit, Gnade und Klarheit mit Paulus“. Schön, dass ihr da seid. Wir kommen heute mit offenen Fragen, mit Alltag auf den Schultern – und mit der Erwartung, Gottes gute Nachricht neu zu hören. Nehmen wir uns einen Moment der Stille … (kurze Pause)
Kurzer Rückbezug
Beim Start (Gal 1,1–2,10) haben wir gehört: „Nur dieses Evangelium – keine Zugabe!“ Paulus lässt nichts neben Christus gelten. Keine frommen Extras, keine Bedingungen hinter der Gnade.
In der zweiten Einheit (Gal 2,11–21) wurde klar: „Wahrheit vor Harmonie – wenn Klarheit nötig wird“. Paulus widerspricht Petrus nicht aus Rechthaberei, sondern damit die Gemeinde nicht den Grund verliert: gerecht aus Glauben, nicht aus Werken.
Heute führt Paulus die Linie weiter (Gal 3,1–14): „Verzaubert? Warum Gnade keine Leistung braucht!“ Er fragt: Wer hat euch den Blick verdreht? Ihr habt doch den Geist empfangen – nicht durch Leistung, sondern durch das Hören im Glauben (NA28: ἀκοῆς πίστεως). Und er zeigt: Christus hat den Fluch getragen, damit der Segen Abrahams und die Gabe des Geistes uns frei geschenkt werden. Darum: Was Gnade beginnt, vollendet Gnade.

Losung

Psalm 25

gekürzte und rhythmisch geglättete Fassung nach der BasisBibel – geeignet für alle 5 Galater-Abende) I: Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. II: Mein Gott, ich vertraue dir. Lass mich nicht enttäuscht werden.
I: Zeige mir, Herr, deine Wege, II: leite mich auf geradem Pfad, lehre mich deine Wahrheit.
I: Denk an deine Barmherzigkeit, Herr, II: und an deine Gnade – denn sie bestehen seit ewigen Zeiten.
I: Gedenke nicht meiner Sünden und Fehler in meiner Jugend, II: sondern denk an mich in deiner Gnade, Herr – um deiner Güte willen.
I: Gut und gerecht ist der Herr – II: darum weist er die Irrenden den Weg.
I: Die Demütigen leitet er richtig, II: und er lehrt sie seinen Weg.
I: Alle Wege des Herrn sind Gnade und Treue II: für die, die seinen Bund und seine Gebote halten.
I: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet, II: denn er befreit meine Füße aus dem Netz.
I: Wende dich mir zu und sei mir gnädig, II: denn ich bin allein und elend.
I: Bewahre meine Seele und rette mich, II: lass mich nicht zuschanden werden – denn auf dich vertraue ich.
alle gemeinsam:
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist – wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Gebet

Gott der Gnade, wir kommen zu dir mit Dank und mit Fragen. Bewahre uns davor, deiner guten Nachricht etwas hinzuzufügen. Schenke uns offene Ohren für das Hören im Glauben – löse uns aus dem Druck der Selbstleistung, und gib uns die Klarheit, die Paulus suchte, verbunden mit Liebe, die baut und nicht niederreißt. Herr Jesus Christus, du hast den Fluch getragen; öffne uns den Segen Abrahams und erfülle uns mit deinem Geist. Leite unser Gespräch, korrigiere, was schief ist, und tröste, wo wir dünn geworden sind. Dir vertrauen wir – heute. Amen.

Lied: Allein deine Gnade genügt GiuG 14

Essen

Lied Wie tief muss Gottes Liebe sein Feiert Jesus Gold 16

Bibelarbeit

Ziel der Einheit
Paulus’ Kernanliegen in Gal 3,1–14 verstehen: Geist & Gerechtigkeit kommen aus Glauben, nicht aus Leistung.
Falsche „Verzauberungen“ (fromme Selbstoptimierung) entlarven und zum Hören im Glauben zurückfinden.
1) Einleitung
Manchmal wirkt der Glaube wie eine optische Täuschung: Je mehr ich mich anstrenge, desto heiliger müsste ich doch werden – oder? Paulus fragt die Galater: „Wer hat euch verzaubert?“ (NA28: τίς ὑμᾶς ἐβάσκανεν). Sie hatten doch Christus „vor Augen“ – als Gekreuzigten. Und doch gerieten sie in den Sog: Gnade + Leistung = Sicherheit. Heute kennen wir solche Verlockungen: Listen, Methoden, fromme „Scores“. Paulus führt dagegen zurück zum Anfang: Ihr habt den Geist empfangen – nicht durch Gesetzeswerke, sondern durch das Hören des Glaubens. (Basisgedanke nach Gal 3,2–5). Lassen wir uns neu „entzaubern“ – vom Evangelium, das befreit.
Brücke zur Lesung (dialogisch, 1–2 Min):
Kurze Handzeichen-Umfrage (ohne Schreiben): Wer kennt den Druck, „genug zu tun“ für Gott?
Was würde es ändern, wenn Rechtfertigung und Heiligung Gnade bleiben? „Lasst uns hören, wie Paulus das begründet.“
2) Gemeinsame Lesung
• Text: Galater 3,1–14 (BasisBibel) – versweise lesen
• Hinweis: Achtet beim Hören auf die Gegensätze: Werke des Gesetzes vs. Hören im Glauben; Fluch vs. Segen; Fleisch vs. Geist.
Galater 3,1–14 BB
1 Ach, ihr unvernünftigen Galater! Wer hat euch so verhext? Ist euch denn Jesus Christus nicht eindrücklich genug als Gekreuzigter vor Augen gestellt worden? 2 Ich möchte nur eines von euch wissen: Warum habt ihr denn den Heiligen Geist empfangen? Weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft des Glaubens gehört habt? 3 Seid ihr wirklich so unvernünftig? Begonnen habt ihr aus der Kraft des Heiligen Geistes. Und jetzt wollt ihr aus eigener Kraft zum Ziel kommen? 4 Habt ihr etwas so Großartiges umsonst erfahren? – Wenn es denn wirklich umsonst war! – 5 Gott gibt euch den Heiligen Geist und lässt bei euch Wunder geschehen. Geschieht das, weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft des Glaubens angenommen habt? 6 Von Abraham heißt es: »Er glaubte Gott, und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an.« 7 Seht es doch ein: Die wahren Nachkommen Abrahams sind diejenigen, die aus dem Glauben leben. 8 Die Heilige Schrift hat es vorausgesehen: Gott wird die Völker als gerecht anerkennen, weil sie aus dem Glauben an ihn leben. Schon im Voraus hat Gott dem Abraham diese Gute Nachricht verkündet: »Durch dich sollen alle Völker gesegnet werden.« 9 Alle, die aus Glauben leben, werden also zusammen mit dem glaubenden Abraham Segen empfangen. 10 Dagegen stehen alle, die auf die Erfüllung des Gesetzes bauen, unter einem Fluch. In der Heiligen Schrift steht nämlich: »Verflucht ist jeder, der nicht alles einhält, was im Buch des Gesetzes vorgeschrieben ist.« 11 Durch die Befolgung des Gesetzes wird niemand vor Gott als gerecht gelten. Das ist ganz offensichtlich! Denn es heißt: »Aufgrund seines Glaubens wird der Gerechte das Leben erlangen.« 12 Für das Gesetz zählt nicht der Glaube. Hier gilt vielmehr: »Wer seine Vorschriften befolgt, wird durch sie das Leben erlangen.« 13 Christus hat uns von dem Fluch freigekauft, unter dem wir aufgrund des Gesetzes stehen. Denn er hat für uns den Fluch auf sich genommen. Es heißt ja in der Heiligen Schrift: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.« 14 Durch Jesus Christus sollten die Völker Anteil an dem Segen bekommen, den Gott Abraham zugesagt hatte. So wurde es möglich, dass wir aufgrund des Glaubens den Heiligen Geist empfangen.

Sprechmotette

Thema: „Verzaubert? Warum Gnade keine Leistung braucht!“
(Inspiriert von BasisBibel & NA28; paraphrasierte Textfassungen, kurze griechische Schlüsselworte mitgesprochen)
Rollen:
• Stimme I (Paulus-Stimme / Anruf)
• Stimme II (Gemeinde – Erfahrung / Geist)
• Stimme III (Gesetz / Forderung)
• Stimme IV (Evangelium / Zuspruch)
• Stimme V (Abraham / Verheißung)
Aufführungshinweise: Halbkreis, klare Artikulation, dynamisch. Kurze Pausen (… ) setzen, Worte in KLEINEN CAPS = gemeinsam, leise; WIEDERHOLUNG = ostinato. Dauer ca. 5–7 Min.
I. Anruf – „Entzaubert?“
I (klar, scharf): Ihr Unverständigen … wer hat euch verzaubert? Griechisch nennt es: ἐβάσκανεν – ebáskanen … ein Blick, der blendet … eine Stimme, die lockt.
II (ruhig): Doch wir sahen ihn … Christus – als den Gekreuzigten … vor Augen gestellt … nicht verborgen, sondern öffentlich.
ALLE (leise, wie ein Einsatzton): NICHT AUS WERKEN … SONDERN AUS HÖREN IM GLAUBEN.
II. Erinnerung – „Wie hat es begonnen?“ (V.2–5)
I (fragend): Sagt mir: Habt ihr den Geist empfangen, weil ihr geleistet habt …
II (dazwischen, hell): … oder weil ihr das Evangelium gehört habt – und vertrautet?
IV (ruhig, erklärend): Griechisch: ἀκοῆς πίστεως – akoÉS pístheos: das Hören … das Vertrauen … das Empfangen.
III (trocken, fordernd): VOLLENDET es im FLEISCH! Mehr tun. Mehr halten. Mehr schaffen. σάρξ – sárx: Eigenkraft!
I (unterbricht, fest): Im Geist habt ihr begonnen … wollt ihr im Fleisch vollenden?
ALLE (kraftvoll): WAS GNADE STARTET – VOLLENDET GNADE. (kurze Pause)
III. Abraham – „Glauben rechnet Gott zu“ (V.6–9)
V (warm): Hört Abraham: Er vertraute Gott – und Gott rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Kein Lohnzettel. Keine Plusliste. Zurechnung – aus Gnade.
IV (weit): Darum sind Kinder Abrahams nicht die Schnellsten, sondern die Glaubenden. Die Verheißung klingt: Segen für alle Völker.
II (freudig): Nicht Herkunft … nicht Leistung … Vertrauen verbindet!
ALLE (im Kanon, nacheinander einsetzend): NICHT AUS WERKEN … SONDERN AUS HÖREN IM GLAUBEN. NICHT AUS WERKEN … SONDERN AUS HÖREN IM GLAUBEN.
IV. Gesetz – „Die Logik des Fluchs“ (V.10–12)
III (präzise, hart): Das Gesetz spricht: Tu alles. Bleibe in allem. Verfehlst du etwas, trifft dich der Fluch. κατάρα – katára: Last der Forderung. „Wer tut, wird dadurch leben.“
I (klarstellend): Doch niemand wird vor Gott gerecht durch das Gesetz. Eine andere Stimme sagt: Der Gerechte lebt, weil er vertraut.
IV (sanft, bestimmt): Zwei Wege stehen da: TUN … oder VERTRAUEN. Der erste endet im Druck. Der zweite im Leben.
ALLE (gedämpft, wie ein Echo): GESETZ ERKENNT – ABER ES ERLÖST NICHT.
V. Christus – „Vom Fluch zum Segen“ (V.13–14)
I (tief): Christus hat uns losgekauft: ἐξηγόρασεν – exēgórasen. Aus der Sklaverei des Fluchs – ins Freie.
III (staunend, leiser): Er … wurde Fluch … für uns?
IV (hell, bekennend): Ja. Für uns. Am Holz. Was uns band, trug er. Was uns verurteilte, traf ihn.
V (weit, froh): Damit der Segen Abrahams zu den Völkern kommt … und wir die Verheißung des Geistes durch Glauben empfangen.
II (atmet auf): Segen statt Score. Geist statt Getriebensein. Gnade statt Geschäft.
ALLE (kräftig, einstimmig): EVANGELIUM PUR: FREIHEIT – GNADE – KLARHEIT.
VI. Antwort – „Heute hören, heute vertrauen“
I (einladend): Leg ab, was dich treibt: Mehr! Noch mehr! Höre, was dich trägt: Christus genügt.
IV (zart): Sag es mit uns: Wir hören … wir vertrauen.
II, V (im Wechsel): Wir hören – und der Geist wird gegeben. Wir vertrauen – und Gerechtigkeit wird geschenkt.
III (gelöst, mitlächelnd): Auch das Gesetz findet Ruhe, wenn Gnade regiert.
ALLE (leise beginnend, dann steigernd): NICHT AUS WERKEN … SONDERN AUS HÖREN IM GLAUBEN. WAS GNADE STARTET – VOLLENDET GNADE. EVANGELIUM PUR: FREIHEIT, GNADE, KLARHEIT. (kurze Stille)
I (schließt): Christus – der Fluchträger, unser Segen. Amen.

3) Vier Kurzreferate mit Impulsfragen

Kurzreferat 1 – „Entzaubert: Geistempfang ohne Leistung“ (V.1–5)
Paulus steigt ungewohnt scharf ein: „Ihr Unverständigen! Wer hat euch verzaubert?“ Das griechische Wort heißt ἐβάσκανεν (ebáskanen) – „behexen, blenden“. Es geht nicht um Hokuspokus, sondern um eine fromme Faszination, die den Blick verschiebt. Und wohin? Weg vom Zentrum. Dabei war Christus der Gemeinde „öffentlich vor Augen gestellt“προεγράφη… ἐσταυρωμένος (proegráphē… estaurōménos) – wie ein großes Aushang-Plakat: der Gekreuzigte als Mitte des Evangeliums.
Dann stellt Paulus seine Prüffrage: „Habt ihr den Geist empfangen aus Werken des Gesetzes oder aus dem Hören des Glaubens?“ (ἐξ ἔργων νόμου… ἢ ἐξ ἀκοῆς πίστεως – akoḗs písteōs). „Hören“ meint nicht passives Konsumieren, sondern das gehörte Evangelium im Vertrauen annehmen. Es war nicht euer religiöser Score, der den Heiligen Geist brachte; es war Gottes freies Handeln durch die gehörte Christus-Botschaft.
Jetzt kommt die Entlarvung: „Im Geist begonnen – wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?“ σάρξ (sárx) heißt hier nicht „Körper“, sondern menschliche Eigenkraft: ich optimiere mich, ich sichere mich ab, ich „mache“ Heiligung. Paulus widerspricht: Was Gnade startet, vollendet Gnade. Der Weg vom Anfang bis zum Ziel bleibt derselbe: Geist – nicht Selbstleistung.
Ein kurzer Seitenblick auf Vers 4: „Habt ihr so viel vergeblich erlebt/erlitten?“ (ἐπάθετε – e páthete kann beides bedeuten: erfahren oder erleiden). Paulus erinnert ihre Geschichte: Gab es nicht echte Begegnungen, vielleicht auch Gegenwind – alles aus der Kraft des Evangeliums? Soll das nun leer ausgehen, wenn ihr umschaltet auf Selbst-Machen?
Und Vers 5 bekräftigt es: Gott „reicht den Geist dar“ (ἐπιχορηγῶν – epichorēgōn) und „wirkt Kräfte“ (ἐνεργῶν δυνάμεις – energōn dynámeis). Wie? Nicht als Lohn für Leistung, sondern durch dasselbe Hören im Glauben. Paulus argumentiert seelsorglich: Schaut nicht zuerst auf eure Bilanz, sondern auf Gottes Gegenwart unter euch. Das ist das zuverlässigste Indiz, welcher Weg der richtige ist.
Zwei Klarstellungen, damit wir nicht missverstehen:
Paulus ist nicht gegen gute Werke. Er ist gegen Werksvertrauen als Heilsweg. Liebe wächst aus Gnade, nicht als Eintrittskarte zu Gott.
„Fleisch“ ist nicht die Verachtung von Körperlichkeit, sondern die Kritik an religiöser Selbstermächtigung.
Kernsatz: Der Geist kommt nicht, weil wir leisten; der Geist kommt, weil wir hören und vertrauen. Was mit dem Geist begann, bleibt beim Geist – bis ans Ziel.
Impulsfragen (mündlich):
Wo erkenne ich bei mir den Schwenk von Hören zu Machen – „im Geist begonnen, im Fleisch vollenden“?
Welche konkrete Erfahrung mit dem Geist (Trost, Friede, Mut, Liebe) erinnert mich daran, dass Gottes Wirken geschenkt ist?
Wenn Christus „vor Augen gestellt“ ist: Was zieht meinen Blick praktisch davon weg – und wie richte ich ihn wieder auf den Gekreuzigten?
Was würde sich in meiner Woche ändern, wenn ich bewusst Hören im Glauben übe, statt meinen „frommen Score“ zu erhöhen?
Wo merke ich, dass ich „im Fleisch vollenden“ will – also aus eigener Frömmigkeitskraft nachlege?
Welche Erfahrungen mit dem Geist (Tröstung, Freude, Friede) helfen dir, das Evangelium wieder zu hören statt zu „machen“?
Was würde sich in meiner Praxis ändern, wenn ich Gottes Verheißung wie einen unantastbaren Vertrag ernstnehme – ohne nachträgliche Bedingungen?
Wo spüren wir den Sog, im Glauben auf Eigenleistung umzuschalten?
Kurzreferat 2 – „Abraham: Gerechtigkeit aus Glauben, Segen für alle“ (V.6–9)
Paulus holt jetzt weit aus – und stellt Abraham in die Mitte. Er zitiert Gen 15,6: „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Das griechische Verb heißt ἐλογίσθη (elogísthē, „es wurde angerechnet / zugerechnet“). Der Punkt ist scharf: Gerechtigkeit ist hier kein Lohn, sondern Zurechnung – Gott rechnet dem Vertrauenden seine Gerechtigkeit zu. Damit verschiebt sich der Maßstab: „Kinder/ Söhne Abrahams“ sind nicht die mit der besten religiösen Bilanz, sondern – wörtlich – „die aus Glauben“ (οἱ ἐκ πίστεως, hoi ek písteōs). „Aus Glauben“ meint Ursprung und Lebensraum: Wer Gott vertraut, steht in Abrahams Linie.
Wichtig ist auch die Chronologie: Dieses „Anrechnen“ geschieht vor dem Gesetz und vor der Beschneidung (vgl. Gen 17). Paulus sagt damit: Die Grundordnung Gottes – Gerechtigkeit aufgrund von Vertrauen – ist älter als das Sinai-Gesetz. Der Weg ist also nicht zuerst Zeichen (Beschneidung) → Gerechtigkeit, sondern GlaubenGerechtigkeit; Zeichen kommen, wenn überhaupt, danach.
Paulus setzt noch eins drauf: Er sagt, die Schrift habe es vorausgesehen (προϊδοῦσα, proïdoûsa) und Abraham im Voraus das Evangelium verkündet (προευηγγελίσατο, proeuēngelisato). Was war diese Vorverkündigung? Das Segenswort: „In dir werden alle Nationen gesegnet“ (Gen 12,3; 18,18). Gott hatte von Anfang an die Völker (τὰ ἔθνη, ta éthnē) im Blick. Darum ist Abrahams Geschichte keine enge Familiengeschichte, sondern die Weitung: Segen über Israel hin zu allen Nationen. Paulus liest das christologisch: In Christus kommt dieser Abraham-Segen bei den Völkern an (das bereitet V.14 vor).
Das Ergebnis fasst V.9 zusammen: „So werden die aus Glauben Gesegneten zusammen mit dem gläubigen Abraham gesegnet“ (wörtlich: σὺν τῷ πιστῷ Ἀβραάμ, syn tō pistō Abraám – „mit dem glaubenden/treuen Abraham“). Es ist ein Segensstrom, eine Glaubensfamilie: Abraham – Christus – wir. Herkunft, Leistung, Zusatzregeln? Nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist das vertrauende Hören auf Gottes Zusage.
Zwei Klärungen gegen Missverständnisse:
Kein Gesetzes-Bashing: Paulus entwertet das Gesetz nicht; er zeigt nur, dass Rechtfertigung nie sein Job war.
Keine Verdrängung Israels: Paulus behauptet nicht, Israel werde ersetzt; er zeigt, dass Gottes uralte Völkerverheißung in Abrahams Segen inklusive gedacht ist – und in Christus geöffnet wird.
Kernsatz: Wer glaubt, steht in Abrahams Segenslinie. Gerechtigkeit ist Zurechnung, nicht Verdienst. Der Segen Gottes war von Anfang an für alle gedacht – und wird durch Glauben empfangen.
Impulsfragen:
Was löst es in dir aus, dass „Gerechtigkeit“ zugerechnet wird – ohne Vorleistung?
Wo ordne ich mich noch über Abstammung, Zugehörigkeit, Leistungen – statt über Vertrauen?
Wenn Gottes Zusage an Abraham die Völker im Blick hat: Wen lädt das heute in meinem Umfeld konkret ein?
Wie könnte „mit dem gläubigen Abraham“ leben diese Woche praktisch aussehen (Hören → Vertrauen → Schritt tun)?
Was ist befreiend daran, Abrahams Kind durch Glauben zu sein – nicht durch Leistung?
Welche „Plus-Zeichen“ (Glaube + X) schleichen sich bei uns ein?
Kurzreferat 3 – „Gesetz und Fluch: Warum Leistung nicht trägt“ (V.10–12)
Paulus legt jetzt den Finger auf die Logik hinter religiöser Leistungsfrömmigkeit. Er sagt: „Alle, die aus Werken des Gesetzes leben, stehen unter dem Fluch.“ (V.10) Wörtlich: Ὅσοι ἐξ ἔργων νόμου … ὑπὸ κατάραν εἰσίνkatára heißt Fluch, also unter dem Urteil stehen. Warum? Paulus zitiert Dtn 27,26: „Verflucht ist, wer nicht in allem bleibt (οὐκ ἐμμένει, emménei) was im Gesetz geschrieben ist, um es zu tun.“ Die Alles-oder-nichts-Logik ist eingebaut: Das Gesetz fordert durchgehende, lückenlose Erfüllung. Schon ein Bruch macht den Perfektionsweg unhaltbar.
Dann begründet Paulus, dass niemand auf diesem Weg vor Gott gerecht wird (V.11): „Im Gesetz wird niemand vor Gott gerecht – das ist offensichtlich“ (δῆλον). Beweisstelle: Hab 2,4„Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (ὁ δὲ δίκαιος ἐκ πίστεως ζήσεται). Hier wird die Kontrastfolie sichtbar:
Tun-System (νόμος in V.12): „Wer diese Dinge tut, wird durch sie leben“ – ὁ ποιήσας αὐτὰ ζήσεται ἐν αὐτοῖς (Lev 18,5).
Glaubens-System: „Aus Glauben leben“ – Vertrauen auf Gottes Zusage, nicht auf die eigene Bilanz.
Paulus fasst in V.12 pointiert zusammen: „Das Gesetz ist nicht aus Glauben“ὁ δὲ νόμος οὐκ ἔστιν ἐκ πίστεως. Das heißt nicht: Gesetz = böse. Sondern: Anderer Aggregatzustand. Das Gesetz beschreibt, was „zu tun“ ist; der Glaube empfängt, was Gott zusagt. Wer aber sein Heilsvertrauen an die „Tun-Schiene“ hängt, bindet sich an die Perfektionslogik – und damit an die Fluch-Folge von Dtn 27,26. Das Problem ist nicht das Gesetz an sich, sondern unser Herz: Wir bleiben nicht in allem. Darum kann das Gesetz erkennen lassen, eingrenzen, erziehen – aber nicht rechtfertigen.
Zwei Klarstellungen für heute:
Gute Werke bleiben gut – aber nicht als Bedingung für Annahme. In Gottes Ordnung ist die Reihenfolge: Zusage → Vertrauen → Gehorsam, nicht umgekehrt.
Leistung kann vieles leisten – aber nicht Leben vor Gott. Leben kommt „aus Glauben“, aus der Beziehung zu Gott, aus seinem Wort, das trägt.
Kernsatz: Das Tun-System verlangt alles und führt unter die Fluch-Logik; das Glaubens-System empfängt Leben aus Gottes Zusage. Darum trägt Leistung als Heilsweg nicht.
Impulsfragen:
Wo spüre ich die Alles-oder-nichts-Logik in meinem Glauben – und welchen Druck erzeugt sie?
Welche Situationen zeigen mir: „Ich setze gerade mein Vertrauen auf meinen Score – nicht auf Gottes Zusage“?
Wie verändert sich mein Gehorsam, wenn er Antwort auf Gnade ist, nicht Bedingung für Annahme?
Was hilft mir ganz praktisch, heute „aus Glauben zu leben“ (Hab 2,4) – im Gebet, im Dienst, in Entscheidungen?
Warum endet eine Leistungs-Frömmigkeit zwangsläufig in Druck oder Stolz?
Wie hilft dir die Unterscheidung von Tun vs. Glauben, deinen Alltag vor Gott zu leben?
Kurzreferat 4 – „Christus wurde Fluch – darum Segen & Geist für uns“ (V.13–14)
Hier erreicht Paulus den Höhepunkt seines Arguments: „Christus hat uns losgekauft aus dem Fluch des Gesetzes, indem er für uns Fluch wurde.“ Das Verb heißt ἐξηγόρασεν (exēgórasen) – ein Bild aus dem Sklavenmarkt: Freikauf, Herauslösen aus einer Bindung, die wir selbst nicht sprengen konnten. Woraus? Aus dem Fluch (κατάρα, katára) – der Konsequenz der Alles-oder-nichts-Logik des Gesetzes (vgl. V.10). Und wie geschieht dieser Freikauf? „Indem er für uns“ὑπὲρ ἡμῶν (hyper hēmōn)„Fluch wurde“. Paulus zitiert Dtn 21,23 in der LXX-Fassung: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“ (ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου). Das ξύλον (xýlon) – das Holz – verweist auf das Kreuz. Am Kreuz nimmt Christus stellvertretend die Fluch-Folge auf sich, die unsere Unvollkommenheit unter das Gericht brachte. Das ist keine fromme Metapher, sondern stellvertretende Selbsthingabe: Er trägt, was uns gebührte, damit wir empfangen, was ihm gehört.
Vers 14 öffnet die Tür weit und nennt zweimal das Ziel (ἵνα, hina):
„Damit der Segen Abrahams zu den Völkern komme – in Christus Jesus“ (ἵνα εἰς τὰ ἔθνη ἡ εὐλογία τοῦ Ἀβραὰμ γένηται ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ). Der Segen Abrahams ist nicht diffuse Wohlfühlsprache, sondern Gottes Zusage von Gerechtigkeit und Zugehörigkeit für alle Nationen (vgl. Gen 12; 15,6). In Christus erreicht dieser Segen sein Ziel: Er ist die Brücke zwischen Abrahams Verheißung und der weltweiten Gemeinde.
„Damit wir die Verheißung des Geistes empfangen – durch Glauben“ (ἵνα τὴν ἐπαγγελίαν τοῦ πνεύματος λάβωμεν διὰ τῆς πίστεως). Empfangen (λάβωμεν, labōmen), nicht verdienen. Der Heilige Geist ist nicht die Prämie für gelungene Frömmigkeit, sondern die Gabe, die das Evangelium wirksam macht: Er schafft Vertrauen, erneuert Herzen, schenkt Liebe.
Beachtet die innere Logik: Fluch → Segen → Geist. Christus trägt den Fluch, öffnet den Segen, und gibt den Geist. Das ist Evangelium pur: Rechtfertigung (Zurechnung von Gerechtigkeit) und Geistgabe (Gottes Gegenwart und Kraft) sind Gnade, nicht Lohn (χάρις, charis – keine μισθός, misthos). Damit entzieht Paulus jeder religiösen „Magie“ den Boden – jenem Reflex, doch noch ein Plus zur Gnade zu addieren. Denn Christus + X ist nicht mehr Christus, sondern weniger als Evangelium.
Zwei pastoral wichtige Klarstellungen:
Nicht antinomistisch: Paulus erklärt das Gesetz nicht für böse; er zeigt seinen begrenzten Auftrag. Das Gesetz kann entlarven und einhegen, aber es rechtfertigt nicht und schenkt nicht den Geist.
Nicht folgenlos: Gnade macht nicht passiv; der Geist befähigt zum Gehorsam des Glaubens – als Antwort, nicht als Eintrittsbedingung.
Kernsatz: Weil Christus „für uns“ Fluch wurde, stehen wir „in ihm“ unter Abrahams Segen und empfangen „durch Glauben“ den Heiligen Geist. Was uns band, hat er getragen; was wir brauchen, schenkt er.
Impulsfragen:
Was bedeutet es für mein Gewissen, dass Christus „für mich“ Fluch wurde – wo darf ich aufhören, mich selbst zu bestrafen?
Wo versuche ich noch, den Segen durch Leistung zu sichern – statt ihn „in Christus“ zu empfangen?
Wie zeigt sich in dieser Woche praktisch, dass der Geist Gabe ist – nicht Prämie?
Wo könnte ich heute einen Schritt tun, der sagt: Ich empfange – durch Glauben?
Was bedeutet es persönlich, dass Christus „für mich“ den Fluch trug?
Wo darfst du konkret Segen statt Score erwarten – heute noch?
4) Gesprächsphase im Plenum
Fokus: „Im Geist begonnen – im Fleisch vollenden?“ (V.3) – Beispiele aus Gemeinde, Dienst, Gebet, Alltag.
Leitfragen:
Welche Praxis bei uns riecht nach Leistungs-Plus?
Wie sähe dieselbe Praxis aus, wenn sie von Gnade getragen würde?
Ein nächster Glaubensschritt bis nächste Woche – nur hören & vertrauen, nicht „beweisen“.
5) Schlusswort (30–45 Sek.) Heute haben wir gehört: Paulus entzaubert die Leistungsfrömmigkeit. Der Geist kam nicht durch Werke, sondern durchs Hören im Glauben. Abraham wurde gerecht, weil er vertraute – so gehören auch wir dazu. Das Gesetz zeigt Schuld, rettet aber nicht. Christus wurde „für uns“ Fluch, damit der Segen Abrahams und der Heilige Geist uns durch Glauben geschenkt werden. Darum: Was Gnade beginnt, vollendet Gnade.
Gebet (kurz): „Herr Jesus Christus, du hast für uns den Fluch getragen. Befreie uns von religiöser Selbstleistung. Gib uns offene Ohren für das Evangelium und erfülle uns neu mit deinem Geist. Amen.“

Lied Wohin sonst GiuG 28

Gebet

Vaterunser

Segen

Gott der Gnade, du hast uns in Christus vom Fluch befreit und den Segen Abrahams geöffnet. Lehre uns das Hören im Glauben, bewahre uns vor dem Zwang der Leistung und entzaubere falsche Sicherheiten. Erfülle uns mit deinem Heiligen Geist, der in uns begonnen hat und vollendet, was du in Liebe willst.
Richte unsere Herzen auf das Kreuz und unsere Hände auf die Liebe zum Nächsten.
So segne und behüte euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Lied Der Herr segne dich GiuG 59

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