Wandergottesdienst - Die großen 5 - Politik

Die großen 5  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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Die entscheidende Frage ist nicht, wo wir politisch stehen, sondern wie wir mit den politischen Spannungen in und um uns umgehen.

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Unsere Position - Warum ist es nicht entscheidend, wo wir politisch stehen?

Wir sind heute nicht in der Schulaula, sondern gemeinsam im Wald und dafür gibt es einen bestimmten Grund: Heute wird gewählt und die Schulaula ist das Wahllokal. Nicht nur hier in Hennigsdorf, sondern in den nächsten Wochen auch in vielen anderen Kleinstädten in unserem Umkreis wird gewählt. Egal ob Velten, Oranienburg oder etwas weiter und idyllischer in Potsdam hängen Wahlplakate. Die Bürgermeisterkandidaten werben für sich. Ihre Partei ist die mit den Lösungen. Sie sind die starke Frau oder der starke Mann der vorangeht. Sie wissen, was zu tun ist. Für uns hier sollte ja klar sein, wen wir wählen, oder? Ich mein, wenn man die Namen und Parteien auf den Wahlplakaten sieht, dann gibt es doch nur eine richtige Wahl. Es gibt doch nur die eine Partei, die wählbar ist. Alles andere wäre ja wahnsinn. So oder so ähnlich fühlt es sich oft an, wenn man über Politik oder auch Politiker spricht. Es kann doch nur die oder der Eine sein. Es geht doch nur die eine Partei. Es ist doch klar, wo wir als echte Christen zu stehen haben. Wir können doch nicht links sein. Wir können doch nicht rechts sein. Wir können doch nicht in der grauen Mitte sein. Wir können doch eigentlich nirgendwo sein. Wo stehen wir eigentlich als Christen? Wo sollten wir politisch stehen? Welche Position sollten wir einnehmen? Eins kann ich euch sagen: Egal welche Position wir einnehmen aus welchen Gründen auch immer: Es wird nie Frieden geben. In uns und um uns herum wird es nie Frieden geben wegen unserer politischen Position. Egal wie Rechts, wie Links, wie Mittig wir stehen. Es ist nicht egal, wo wir stehen. Ich finde es ein großes Privileg, dass wir ausdrücken dürfen, was uns wichtig ist, aber Frieden wird dadurch nicht entstehen. Unsere politische Position wird nicht den selben Unterschied machen, den unser Umgang mit den politischen Spannungen in und um uns herum macht. Ein Beispiel hierfür ist für mich Charlie Kirk. Charlie Kirk war ein Unterstützer von Trump. Er war ein junger Mann aus den USA, der für seine Meinung eingestanden ist und mit seinen Mitmenschen im Gespräch war. Er hat sich zwar nicht von seinem Weg abbringen lassen, aber er hat sich den Fragen der Andersdenkenden gestellt. Ja, er hatte extreme Positionen und ich möchte mich nicht politisch zu ihm äußern, aber auf menschlicher Ebene gibt es vieles, was mich dabei bewegt. Es bewegt mich, dass er Opfer eines Attentats wurde, gestorben ist, weil er die öffentliche Debatte gesucht hat. Es bewegt mich, dass Menschen ihm jetzt selbst die Schuld an seinem Tod geben. Egal wofür er stand, was er vertreten hat, war er ein Mensch, wie du und ich. Er war 31 Jahre alt. Er war Vater von zwei Kindern. Er war verheiratet. Er war Christ. Er wurde erschossen und Menschen trauern um ihn. Er selbst trägt keine Schuld an seinem Tod. Menschen dürfen um ihn trauern. Wenn jetzt politisch Andersdenkende die Trauernden angreifen, ihm selbst die Schuld geben, oder sich sogar sagen, dass er das bekommen hat, was er verdient, dann weiß ich nicht, was ich dazu noch sagen soll. Versteht mich nicht falsch, ich möchte keine politische Meinung zu seinen vorallem rechten Positionen äußern, aber ich möchte fragen: Wie gehen wir miteinander um? Wie gehen wir mit Menschen um, die anders denken als wir? Wie gehen wir mit Menschen um, die anders wählen als wir? Die entscheidende Frage ist nicht, wo wir politisch stehen, sondern wie wir mit den politischen Spannungen in und um uns umgehen.

Unsere Spannungen - Was sind die politischen Spannungen in und um uns?

Denn es ist keine Frage ob es politische Spannungen um uns herum gibt, oder nicht. Wir alle erleben sie. Wir haben eine innere Spannung. Wir standen oder stehen noch heute vor der Wahlurne. Es wird einen Kandidaten oder eine Kandidatin geben, die uns vielleicht näher liegen oder so weit von uns entfernt, dass sie nicht wählbar sind. Unsere Wahl wird sich am Ende vielleicht wie das kleinere Übel anfühlen. Vielleicht wird es sich auch wie ein Protest anfühlen. Vielleicht auch wie ein Achselzucken. Wir werden immer auf bestimmte Aspekte und Überzeugungen verzichten müssen, denn es gibt nicht die eine Partie, die alles hat und richtig macht. Die einen stehen vielleicht gegen vieles, wogegen wir auch sind. Dafür befürworten sie vielleicht wenig von dem, was wir für richtig halten. Genauso kann es andersherum sein. Am Ende wird jemand an der Macht stehen. Wir erleben eine innere Spannung und eine äußere. Die äußere drückt sich in den Gesprächen nach der Wahl aus. Wen hast du denn gewählt? Und die Reaktion auf unsere Antwort kann dann sein: Was wirklich? Den hast du gewählt? Wie konntest du nur? Oder vielleicht kriegst du ein Schulterklopfer und die Leute nicken dir anerkennend zu: Das war die richtige Wahl. Die äußere Spannung ist wir gegen die. Die Rechten, die gar nicht Rechts sind, gegen die Linken, die alles richtig machen und verstanden haben. Das ist jetzt etwas überspitzt und vielleicht geht es euch anders, aber ich nehme diese Spannungen wahr. Und genau in so eine Situation hinein schreibt Paulus an die Christen in Rom. Auch sie standen vor der Frage: Wie leben wir mit politischen Spannungen – innerlich und äußerlich?
Römer 13,1–7 ZB 2007
Jedermann ordne sich den staatlichen Behörden unter, die Macht über ihn haben. Denn es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott gegeben wäre; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt. Also gilt: Wer sich gegen die Autorität des Staates auflehnt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes; die sich aber widersetzen, werden ihr Urteil empfangen. Denn nicht die gute Tat muss die Machthaber fürchten, sondern die böse. Willst du die Autorität des Staates nicht fürchten müssen? Dann tue das Gute, und du wirst bei ihr Anerkennung finden! Denn Gottes Dienerin ist sie, zu deinem Besten. Tust du jedoch das Böse, dann fürchte dich! Denn nicht umsonst trägt sie das Schwert; im Dienst Gottes steht sie, beauftragt, den zu bestrafen, der das Böse tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht bloss im Blick auf eine Bestrafung, sondern auch mit Rücksicht auf euer Gewissen; deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. Beamte Gottes sind es ja, die dazu bestellt sind, ihren Dienst zu verrichten. Gebt allen, was ihr ihnen schuldig seid: Steuern, wem ihr Steuern schuldet, Zoll, wem ihr Zoll schuldet, Respekt, wem ihr Respekt schuldet, Ehre, wem ihr Ehre schuldet.
Ich habe das Gefühl, dass es viele Menschen gibt, die diese Sätze ärgern. Ich mein Merz soll von Gott eingesetzt sein? Wir sollen das tun, was er sagt? Es geht in diesem Text weniger um einzelne Personen als um eine Ordnung, die der Staat vorgibt, um eine Gesellschaft zu organisieren. Der eigentliche Sinn ist es, dass wir Vorbilder sein sollen. Wir sollen Vorbilder in der Art und Weise sein, wie wir mit den Richtlinien des Staates umgehen. Wir sollen Steuern und Zoll zahlen. Wir sollen die Gesetze respektieren. Wir sollen den Staatsdienern Ehre entgegenbringen. Egal ob es sich dabei um unseren Friedrich, die Polizei, das Ordnungsamt oder die Leute in unserem Bürgerbüro handelt. Denn wenn wir das Gute tun, dann wird man kein Anstoß an uns finden. Ganz im Gegenteil: Wir als Christen werden vielleicht sogar hervorgehoben, für unsere Art und Weise mit den Menschen umzugehen. Wir werden als ein wichtiger Teil der Gesellschaft angesehen. Wir werden um Hilfe gebeten. Wir müssen keine Angst vor dem Staat, den Behörden haben, wenn wir das Gute, das Richtige tun. Natürlich gibt es dafür Ausnahmen. Natürlich dürfen wir nicht einfach hinnehmen, wenn Menschen unterdrückt werden. Wir dürfen nicht hinnehmen, wenn Dinge unseren Werten widersprechen. Wir dürfen uns auch Widersetzen, denn trotzallem gilt Apostelgeschichte 5,29
Apostelgeschichte 5,29 ZB 2007
Petrus aber und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Wir dürfen eintreten für unseren Gott, für unseren Glauben, für Jesus Christus, auch wenn es unserer Regierung nicht gefällt. Wir dürfen demonstrieren, aber im Gehorchen auf Gott sollen wir dazu beitragen, dass eine Ordnung, die auch uns und unseren Mitmenschen dient, erhalten bleibt.

Unser Umgang - Wie gehen wir mit ihnen um?

Das was noch bleibt, ist die Spannung im Miteinander. Selbst wenn wir gute Staatsbürger sind, müssen wir nicht mit allem übereinstimmen. Selbst wenn wir die Regierung respektieren, ihre Ordnung mit erhalten, kann es sein, dass wir Geld anders verteilen , anders mit Zuwanderung umgehen oder jemand anderen an der Macht sehen wollen würden. Und diese Themen führen zu Spannung. Diese Spannung führen dazu, dass Familien sich entzweien. Sie führen dazu, dass Freundschaften enden. Sie führen dazu, dass Grabenkämpfe in Gemeinden enstehen. Links gegen Rechts. Liberal gegen Konservativ. Nachdem Paulus die innere Spannung in den Blick nimmt, schaut er auf das Innere:
Römer 13,8–10 ZB 2007
Bleibt niemandem etwas schuldig, ausser dass ihr einander liebt. Denn wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. Das Gebot nämlich: Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren, und was es sonst noch an Geboten gibt, wird in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe fügt dem Nächsten nichts Böses zu. Des Gesetzes Erfüllung also ist die Liebe.
Es geht um die Liebe. Wir sollen einander lieben. Alles, was Gott uns geboten hat, wird erfüllt, wenn wir einander lieben. Wir werden keine ehebrechen, wenn wir einander lieben. Wir werden einander nicht töten, wenn wir einander lieben. Wir werden einander nicht bestehlen, wenn wir einander lieben. Wir werden nicht neidisch sein, wenn wir einander lieben. Die Liebe führt dazu, dass wir loslassen können. Wir müssen nicht mehr auf unser eigenes Recht beharren, sondern können einander stehen lassen. Wir können den Menschen sehen, der vielleicht hinter einer Meinung steht, die ich nicht ganz vertrete oder gegen die ich vielleicht sogar bin. Wir können einander in den Arm nehmen, auch wenn jemand eine Partei wählt, die ich für falsch halte. Wir können sogar miteinander über Politik reden, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Liebe befreit. Liebe gibt uns den richtigen Fokus. Liebe will dem anderen Nichts böses, sondern Liebe möchte das Beste für ihn. Die Liebe sucht den besten Weg, um seinem Gegenüber nahe zu sein.

Fürbitte

Am Anfang habe ich über Charlie Kirk gesprochen, und wie es mich persönlich anfasst, das Menschen, die eine andere Meinung haben und haben dürfen, jetzt mit seinem Tod und dem Leid, was damit einhergeht, umgehen. Es fasst mich aber genauso an, wenn ich erlebe, wie wir Christen untereinander umgehen, wenn jemand eine andere Meinung vertritt als wir. Wie wir uns in Lager aufteilen und gegeneinander kämpfen. Bleibt niemandem etwas schuldig, ausser dass ihr einander liebt. Ich glaube, ich weiß, wo all diese Konflikte aufgelöst werden können: Im Gebet. Jeden Freitag in einer Sitzungswoche gibt es im Bundestag ein Gebetsfrühstück. Dort kommen Abgeordnete aus allen Fraktionen zusammen. Egal ob links, rechts oder mitte sitzen diese Menschen beisammen und beten miteinander. Dr. Rita Süssmuth, die ehemalige Bundestagspräsidentin sagt dazu: Man merkt am Umgangston in der Debatte, wer von den politischen Kontrahenten morgens beim Gebetsfrühstück gewesen ist. Im Gebet können die Konflikte zur Ruhe kommen. In der Fürbitte für unsere politischen “Kontrahenten” kann Frieden in eine Debatte einkehren. Nach einer Diskussion über politische Lösungen oder Probleme ist Gebet eine geistliche Lösung sein. Im ersten Timotheus 2,1-4 steht nicht ohne Grund:
1. Timotheus 2,1–4 ZB 2007
Insbesondere bitte ich euch nun, vor Gott einzutreten für alle Menschen in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung, für die Könige und alle Amtsträger, damit wir ein ruhiges und gelassenes Leben führen können, fromm und von allen geachtet. Das ist schön und gefällt Gott, unserem Retter, der will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Lasst uns miteinander für die Bürgermeisterwahlen und für die Politiker in unserem Land beten. Bete bewusst für die Menschen und Parteien, die dir widerstreben. Sie brauchen dein Gebet mehr, als du es erahnst.
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