Apg 11,1-18 - Der Umgang mit denen, die anders sind

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Der Rahmen

Eingerahmt ist die Erzählung von Petrus folgendermaßen:
Apostelgeschichte 11,2–3 ELB CSV
2 Als Petrus aber nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm 3 und sagten: Du bist bei Männern eingekehrt, die Vorhaut haben, und hast mit ihnen gegessen.
Dann fasst Petrus zusammen, was in Kap. 10 berichtet wird. Und nach der Verteidigung des Petrus lesen wir:
Apostelgeschichte 11,18 ELB CSV
18 Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gott und sagten: Also hat Gott auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben.
Der Rahmen ist wichtig. Er motiviert die Worte von Petrus und er zeigt uns die Lösung eines Konflikts in der Urgemeinde, der durch ethnische, religiöse, traditionelle Vorurteile entstanden war. Also durchaus relevant für uns heute.

Der Konflikt

Worin bestand der Konflikt?
Apostelgeschichte 10,28 SLT
28 Und er sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Angehörigen eines anderen Volkes zu verkehren oder sich ihm zu nahen; doch mir hat Gott gezeigt, dass ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.
Johannes 4,9 SLT
9 Nun spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie erbittest du als ein Jude von mir etwas zu trinken, da ich doch eine samaritische Frau bin? (Denn die Juden haben keinen Umgang mit den Samaritern.)
Galater 2,12–14 SLT
12 Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. 13 Und auch die übrigen Juden heuchelten mit ihm, sodass selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde. 14 Als ich aber sah, dass sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden, jüdisch zu leben?
Johannes 18,28–29 SLT
28 Sie führten nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium. Es war aber noch früh. Und sie selbst betraten das Prätorium nicht, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passah essen könnten. 29 Da ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: Was für eine Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?

Die Nationen und das AT

Wo kam diese Haltung her? Was ist der AT-Befund?
Das mosaische Gesetz verbietet, Götzendienst, unreine Speise und Heirat mit anderen Völkern, aber nicht den Umgang mit Menschen aus anderen Völkern. Es gab viele Fremdlinge in Israel und die Israeliten unterhielten mit manchen Völkern (außer den Kanaanitern) freundschaftliche Beziehungen, z.B. David und Salomo mit dem König von Tyrus.
Andererseits konnten Götzendiener einen schädlichen Einfluss auf die Gottesfürchtigen ausüben; z.B. ist der eigentlich gute König Josaphat von Juda eine unselige Verbindung mit dem Götzendiener Ahab eingegangen. Das hat Unheil über das Königshaus von Juda und über ganz Juda gebracht, obwohl Ahab auch ein Israelit war.
Jona sollte den Assyrern Buße predigen, damit sie gerettet werden. Aber er war widerwillig.
Daniel wollte sich nicht mit den Speisen des babylonischen Königs verunreinigen. Es geht um die Speisen, nicht um die Menschen.
Z.B. Nehemia pflegte Umgang mit dem König von Persien. Als Mundschenk, ist er unter seinem Dach.
Gottes Plan, nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden zu sich zu versammeln, scheint im AT immer wieder durch:
Der Segen Abrahams:
Genesis 12,2–3 SLT
2 Und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde!
Das erste Lied vom Knecht Jahwes:
Jesaja 42,1–7 SLT
1 Siehe, das ist mein Knecht, den ich erhalte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Heiden hinaustragen. 2 Er wird nicht schreien und kein Aufhebens machen, noch seine Stimme auf der Gasse hören lassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen; wahrheitsgetreu wird er das Recht hervorbringen. 4 Er wird nicht ermatten und nicht zusammenbrechen, bis er auf Erden das Recht gegründet hat, und die Inseln werden auf seine Lehre warten. 5 So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schuf und ausspannte und die Erde ausbreitete samt ihrem Gewächs, der dem Volk auf ihr Odem gibt und Geist denen, die darauf wandeln: 6 Ich, der Herr, habe dich berufen in Gerechtigkeit und ergreife dich bei deiner Hand; und ich will dich behüten und dich zum Bund für das Volk setzen, zum Licht für die Heiden; 7 dass du die Augen der Blinden öffnest, die Gebundenen aus dem Gefängnis führst und aus dem Kerker die, welche in der Finsternis sitzen.
Das zweite Lied vom Knecht Jahwes:
Jesaja 49,1–6 SLT
1 Hört auf mich, ihr Inseln, und gebt acht, ihr Völker in der Ferne! Der Herr hat mich von Mutterleib an berufen und meinen Namen von Mutterschoß an bekannt gemacht. 2 Er hat meinen Mund gemacht wie ein scharfes Schwert; er hat mich im Schatten seiner Hand geborgen und mich zu einem geschärften Pfeil gemacht; er hat mich in seinem Köcher versteckt. 3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, bist Israel, durch den ich mich verherrliche. 4 Ich aber hatte gedacht: Ich habe mich vergeblich abgemüht und meine Kraft umsonst und nutzlos verbraucht! Doch steht mein Recht bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – Israel aber wurde nicht gesammelt, und doch wurde ich geehrt in den Augen des Herrn, und mein Gott war meine Stärke –, 6 ja, er spricht: »Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten aus Israel wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht für die Heiden gesetzt, damit du mein Heil seist bis an das Ende der Erde!«
Verheißung an die Verschnittenen und an die Fremdlinge
Jesaja 56,3–8 SLT
3 Und der Fremdling, der sich dem Herrn angeschlossen hat, soll nicht sagen: Der Herr wird mich gewiss von seinem Volk ausschließen! Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum! 4 Denn so spricht der Herr: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir gefällt, und an meinem Bund festhalten, 5 denen will ich in meinem Haus und in meinen Mauern einen Platz und einen Namen geben, der besser ist als Söhne und Töchter; ich will ihnen einen ewigen Namen geben, der nicht ausgerottet werden soll. 6 Und die Fremdlinge, die sich dem Herrn anschließen, um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben und um seine Knechte zu sein, und alle, die darauf achten, den Sabbat nicht zu entheiligen, und die an meinem Bund festhalten, 7 die will ich zu meinem heiligen Berg führen und sie in meinem Bethaus erfreuen; ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden. 8 Gott, der Herr, der die Verstoßenen Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu ihm sammeln, zu seinen Gesammelten!
Petrus und die anderen Apostel hatten vom Herrn Jesus klar den Auftrag empfangen, seine Botschaft zu allen Völkern zu bringen und sie zu Jüngern, zu Nachfolgern von Jesus zu machen, so wie sie selbst seine Nachfolger waren. Was ihnen offenbar nicht klar war, ist die Tatsache, dass dies nicht unter dem mosaischen Gesetzt geschah, d.h. dass die Heiden sich nicht beschneiden und dem Judentum anschließen mussten, um Jünger von Jesus zu werden.
Zusammenfassung:
Es gab also eine kultische Trennung von Israeliten und Nicht-Israeliten und ein Verbot der Vermischung mit dem Zweck der Bewahrung vor Götzendienst.
Aber aus dem AT kann man nicht die strikte Haltung ableiten, dass man das Haus eines Heiden nicht betreten darf.
Im AT kommt klar die Absicht Gottes hervor, die Heiden mit in den Segen einzuschließen.
Besonders sieht man das in den messianischen Abschnitten in Jesaja.
Aber das Konzept der Gemeinde, ein Leib aus Juden und Heiden, der nicht unter dem mosaischen Gesetz ist, war im AT verborgen.
Die Apostel hatten vom Herrn den Auftrag, alle Völker zu Jüngern zu machen - allerdings verstanden sie noch nicht, was das bedeutete.

Die Nationen und die jüdische Überlieferung

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch: Exkurse zu einzelnen Stellen des Neuen Testaments (Band IV) Fünfzehnter Exkurs: Die Stellung der alten Synagoge zur nichtjüdischen Welt (zu Joh 18, 28; Apg 10, 28 u. Eph 2, 14f.)

Das seit der römisch-herodianischen Zeit immer stärker einsetzende Vordringen der nichtjüdischen Bevölkerung in Palästina nötigte die Synagoge im Interesse ihrer eigenen Erhaltung den Zaun, der schon seit Esras Tagen Juden u. Nichtjuden voneinander trennte, immer enger u. höher zu ziehen. Die Grenzen des Landes gegen die Fremden zu schließen, dazu fehlte allerdings die Macht; aber man konnte im Innern des Landes Abwehrmaßregeln treffen, die, wenn sie streng durchgeführt wurden, geeignet erschienen die gewünschte Abschließung der jüdischen Bevölkerung von den fremdländischen Elementen genügend sicherzustellen. Und an diesen Abwehrmaßregeln haben es die geistigen Führer des Volkes, die pharisäisch gerichteten Schriftgelehrten, nicht fehlen lassen. Gewiß ist das Leben oftmals stärker gewesen als die rabbinische Satzung u. viele Bestimmungen werden bloße Theorie geblieben sein; immerhin zeigen sie uns, wie die Leiter des Volks sich die Haltung gedacht haben, die das gesetzestreue Judentum nach ihren Wünschen gegen die nichtjüdische Umwelt einnehmen sollte. Ein einheitliches Prinzip liegt den getroffenen Abschließungsmaßnahmen schwerlich zugrunde; doch tritt in ihnen unverkennbar die Tendenz hervor, jede Förderung götzendienerischer Interessen zu unterbinden u. jede Berührung mit der Unreinheit der heidnischen Bevölkerung zu verhindern.

Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch: Exkurse zu einzelnen Stellen des Neuen Testaments (Band IV) I. Verhalten des gesetzesstrengen Juden zu den Nichtjuden im gewöhnlichen Leben

Für das praktische Verhalten gegen die Nichtjuden sind diese milderen Urteile aber ohne jede Bedeutung geblieben; da galt vielmehr der andre Satz: der Sinn der Gojim ist auf Götzendienst, Blutvergießen u. Unzucht gerichtet.b Tatsächlich waren denn auch die Verhaltungsmaßregeln, die dem Nichtjuden gegenüber im gewöhnlichen Leben zu beobachten waren, ganz auf jenen Satz zugeschnitten.

Verhalten gegen die Nichtjuden als des Götzendienstes Verdächtige: Die Juden sollten alles unterlassen, was dem Nicht-Juden zum Vorteil gereichen könnte, weil man damit implizit den Götzendienst förderte: keine Geschenke machen, Verlorenes nicht zurückgeben, nicht mit freundlichen Worten Freude bereiten. „man stößt den Nichtjuden nicht in eine Grube hinab, aber man zieht ihn auch nicht herauf“, man bringt ihn nicht in Lebensgefahr, aber man leistet ihm in Lebensgefahr auch keinen Samariterdienst, sondern man überläßt ihn seinem Schicksal u. geht wie seinerzeit der Priester u. Levit teilnahmslos weiter. Um des Friedens mit der heidnischen Umgebung willen konnte aber Toleranz geübt werden, z.B. beim Grüßen, bei Armenunterstützung, Krankenbesuchen, usw.
Verhalten des gesetzesstrengen Juden im Handelsverkehr mit Nichtjuden: Es gab verschiedene Regelungen, die teilweise unfair gegenüber den heidnischen Handelspartnern waren. Berauben durfte man einen Nicht-Juden allerdings nicht.
Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch: Exkurse zu einzelnen Stellen des Neuen Testaments (Band IV) III. Stellung des gesetzestreuen Juden zum geselligen Verkehr mit Nichtjuden

III. Stellung des gesetzestreuen Juden zum geselligen Verkehr mit Nichtjuden

Der gesellige Verkehr des gesetzestreuen Juden mit Nichtjuden war so gut wie unmöglich; denn jede nähere Berührung mit diesen setzte ihn der Gefahr aus, sich levitisch zu verunreinigen: die Frau des Nichtisraeliten galt als Menstruierende, seine Kinder als mit Ausfluß Behaftete;a da nun der Nichtjude als Gatte u. Vater in fortwährendem Umgang mit solchen hochgradig Unreinen stand, so mußte er natürlich selbst als unrein u. verunreinigend erscheinen.b Man betrat deshalb nur ungern ein nichtjüdisches Haus;c noch unangenehmer mußte es dem Juden dünken, den Goi im eigenen Haus zu sehen.d So konnte von einer Tischgemeinschaft zwischen Juden u. Gojim kaum die Rede sein, gleichviel ob der Israelit der einladende oder der eingeladene Teil war.e Überdies war es verboten etwas zu essen, was ein Goi gekocht hatte.f Man brachte deshalb, wenn eine Einladung in ein nichtjüdisches Haus nicht abgelehnt werden konnte, wohl eigene Speisen mit, die man dann am Tisch des Gastgebers verzehrte. ...

Immerhin muß die Tischgemeinschaft mit den Gojim häufiger vorgekommen sein, als nach dem Gesagten zu erwarten war. Das beweisen nicht bloß einige Erzählungen, die uns Israeliten an nichtjüdischer Tafel zeigen,i sondern vor allem jene Mischnastellen, die für das Speisen eines Juden in Gemeinschaft mit Nichtjuden besondere Bestimmungen festsetzen.

Wir sehen also,
dass die Trennung zwischen Juden und Heiden zum Teil aus dem Gesetz kam, und zwar um Vermischung und Verführung zum Götzendienst zu verhindern
dass die übertriebene Absonderung bis hin zur Feinschaft der Juden gegenüber den Heiden nicht aus Gottes Geboten, sondern aus menschlichen Traditionen kam. Das Hauptmotiv - Bewahrung vor Götzendienst - war gut, aber wie man auch aus den Auseinandersetzungen von Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten sieht, trat der Geist von Gottes Unterweisung in den Hintergrund und der Buchstabe gemischt mit menschlich/fleischlichen Motiven in den Vordergrund. Dies führte zu Stolz und Überheblichkeit, zu Missgunst und Feindschaft.

Die Lösung des Konflikts

Epheser 3,4–6 SLT
4 Daran könnt ihr, wenn ihr es lest, meine Einsicht in das Geheimnis des Christus erkennen, 5 das in früheren Generationen den Menschenkindern nicht bekannt gemacht wurde, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist, 6 dass nämlich die Heiden Miterben und mit zum Leib Gehörige und Mitteilhaber seiner Verheißung sind in Christus durch das Evangelium,
Epheser 2,11–22 SLT
11 Darum gedenkt daran, dass ihr, die ihr einst Heiden im Fleisch wart und Unbeschnittene genannt wurdet von der sogenannten Beschneidung, die am Fleisch mit der Hand geschieht 12 – dass ihr in jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen von der Bürgerschaft Israels und fremd den Bündnissen der Verheißung; ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. 13 Jetzt aber, in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe gebracht worden durch das Blut des Christus. 14 Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht und die Scheidewand des Zaunes abgebrochen hat, 15 indem er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinwegtat, um die zwei in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen und Frieden zu stiften, 16 und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz, nachdem er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. 17 Und er kam und verkündigte Frieden euch, den Fernen, und den Nahen; 18 denn durch ihn haben wir beide den Zutritt zu dem Vater in einem Geist. 19 So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, 20 auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist, 21 in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, 22 in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Unterschiede zwischen den Berichten in Kap. 10 und in Kap. 11

Lukas berichtet von der Vision des Kornelius:
Apostelgeschichte 10,4–6 ELB CSV
4 Er aber sah ihn unverwandt an und wurde von Furcht erfüllt und sagte: Was ist, Herr? Er sprach aber zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott. 5 Und jetzt sende Männer nach Joppe und lass einen gewissen Simon holen, der auch Petrus genannt wird; 6 dieser hält sich bei einem gewissen Simon auf, einem Gerber, dessen Haus am Meer ist.
Die 3 Gesandten von Kornelius berichten von der Vision:
Apostelgeschichte 10,22 SLT
22 Sie aber sprachen: Kornelius, der Hauptmann, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der ein gutes Zeugnis hat bei dem ganzen Volk der Juden, hat von einem heiligen Engel die Weisung erhalten, dich in sein Haus holen zu lassen, um Worte von dir zu hören.
Kornelius berichtet von seiner Vision:
Apostelgeschichte 10,31–32 SLT
31 und sprach: Kornelius, dein Gebet ist erhört, und deiner Almosen ist vor Gott gedacht worden! 32 Darum sende nach Joppe und lass Simon mit dem Beinamen Petrus holen; dieser ist zu Gast im Haus Simons, eines Gerbers, am Meer; der wird zu dir reden, wenn er kommt.
Petrus berichtet von der Vision des Kornelius:
Apostelgeschichte 11,13–14 SLT
13 Und er berichtete uns, wie er den Engel in seinem Haus stehen sah, der zu ihm sagte: Sende Männer nach Joppe und lass Simon mit dem Beinamen Petrus holen; 14 der wird Worte zu dir reden, durch die du gerettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.
Wir haben mehrmals leicht unterschiedlichen Wortlaut. Manchmal ausführlicher, manchmal zusammengefasst, manchmal vom Erzähler bzw. Schreiber interpretiert bzw. erklärt. Alles entspricht der Wahrheit. Es geht nicht um buchstabenmäßige Wiedergabe des Gesagten, sondern um wahrheitsgemäße, kontextspezifische Wiedergabe. Ähnliches finden wir bei der Wiedergabe der Worte von Jesus in den Evangelien.
Ein Zusatz im Bericht des Petrus über seine Gedanken
Apostelgeschichte 10,45–48 SLT
45 Und alle Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich vor Staunen, dass die Gabe des Heiligen Geistes auch über die Heiden ausgegossen wurde. 46 Denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott hochpreisen. Da ergriff Petrus das Wort: 47 Kann auch jemand diesen das Wasser verwehren, dass sie nicht getauft werden sollten, die den Heiligen Geist empfangen haben gleichwie wir? 48 Und er befahl, dass sie getauft würden im Namen des Herrn. Da baten sie ihn, etliche Tage zu bleiben.
Apostelgeschichte 11,15–17 SLT
15 Als ich aber zu reden anfing, fiel der Heilige Geist auf sie, gleichwie auf uns am Anfang. 16 Da gedachte ich an das Wort des Herrn, wie er sagte: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit Heiligem Geist getauft werden. 17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie auch uns, nachdem sie an den Herrn Jesus Christus gläubig geworden sind, wer war ich denn, dass ich Gott hätte wehren können?
Hier haben wir eine Ergänzung zum Bericht in Kap. 10. Dort lesen wir nur, was Petrus gesagt hat, hier lesen wir, was er dachte, bevor er der Taufe der Heiden zustimmte.
Diese kleine Ergänzung zeigt uns, wie wichtig es ist, das Wort Gottes verinnerlicht zu haben. Der Heilige Geist kann es in der jeweiligen Situation in unser Bewusstsein bringen, uns helfen Situationen richtig einzuordnen und auf diese Weise unsere Entscheidungen, Worte und Handlungen lenken.
In dieser konkreten Situation wurde Petrus durch das Wort Jesu und durch den Heiligen Geist (siehe Johannes 14,26) gelehrt, dass das “ihr” in “ihr sollt mit Heiligem Geist getauft werden” sich offenbar nicht nur auf Juden, sondern auch auf Heiden bezog.

Anwendung

Unser Umgang mit denen, die den Herrn nicht persönlich kennen, das sind die heutigen Götzendiener, auch wenn sich die verschiedenen Arten von Götzendienst sehr stark von einander unterscheiden können: religiöser Götzendienst, Egoismus, Materialismus, Vergnügungssucht, Karriere über alles, ...
Wie sollen wir mit diesen Menschen umgehen?
Wir sollen nicht an einem Joch mit ihnen ziehen, d.h. wir sollen uns nicht vor ihren (götzendienerischen) Karren spannen lassen.
2. Korinther 6,14–18 SLT
14 Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? 15 Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen? 16 Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein«. 17 Darum geht hinaus von ihnen und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt nichts Unreines an! Und ich will euch aufnehmen, 18 und ich will euch ein Vater sein, und ihr sollt mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige.
Wir sollen sie aber für den Herrn gewinnen und können natürlich Umgang mit ihnen haben. Siehe z.B.:
1. Korinther 5,9–10 SLT
9 Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt; 10 und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt, oder den Habsüchtigen oder Räubern oder Götzendienern; sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen.
Wir müssen uns vom Herrn führen lassen und dabei ehrlich sein und auch Geschwister um Rat fragen, ob wir durch unseren Umgang mit der Welt Salz und Licht sind und den Herrn Jesus Christus bezeugen, oder ob unser Salz kraftlos wird, unser Licht gedimmt wird und die Welt in uns Raum gewinnt.
Aus dem Bibelkommentar Edition C zur Apostelgeschichte:
Apostelgeschichte 7.3. Der Kampf um die Heidenmission beginnt (11,1–18)

Wo Gottes Geist Neues schafft, da sind erst Widerstände zu überwinden, auch und gerade Widerstände von solchen verdienten Christen, die den erreichten Zustand für das Ende der Wege Gottes halten. Wichtig ist dabei natürlich, daß wirklich

Wie offen sind wir für Neues, das Gott schafft? Es gibt eine geistliche Komfortzone, in der alles in gewohnten Bahnen läuft und das muss natürlich nicht schlecht sein, sondern hat viel Gutes. Aber wir müssen offen sein, dass Gott uns Neues beibringt, dass er etwas tut, was wir noch nie erlebt haben. Diese Art des Wirkens Gottes ist zwar in der Bibel angedeutet oder auch deutlich beschrieben, aber wenn es außerhalb unseres Erfahrungshorizonts liegt, dann empfinden wir dein mehr oder weniger große Distanz dazu.
Gerade die Überwindung von Zäunen bzw. Mauern zwischen Kulturen sind solche ungewohnten Dinge, die wir uns nicht vorstellen wollen oder können. Für Missionare ist genau dies das Ziel, und es ist sehr schwierig. Aber da es auch in unserem Umfeld verschiedene Kulturen im weiteren und auch im engeren Sinn gibt, treffen wir auch auf solche Mauern. Lieber bewegen wir uns innerhalb unserer Kultur.
Wir geben uns lieber mit Leuten ab, die uns irgendwie ähnlich sind, mit denen wir viel gemeinsam haben, die wir verstehen und die uns sympatisch sind.
Und dann gibt es die Anderen. Leute, deren Denken und Verhalten wir nicht nachvollziehen können. Es ist alles fremdartig an ihnen. Dazu gehören sicherlich Ausländer, die ihre Kultur mitbringen und oft auch in dieser Kultur bleiben. Allein dafür fehlt uns schon das Verständnis. Warum passen sie sich nicht an, wenn sie zu uns kommen? Ihre Kultur können sie bei sich zu Hause ausleben. Warum lernen sie nicht Deutsch und halten sich an die Gepflogenheiten unserer Kultur? Solche Gedanken kommen mir manchmal.
Missionare haben unglaubliche Strapazen auf sich genommen, um in solche Kulturen in anderen Ländern hineinzukommen. Und sie tun es heute noch. Nun haben wir es viel einfacher, wenn sie zu uns kommen.
Gerade wenn sich dann Leute aus einer anderen Kultur bekehren und trotzdem anders sind als wir mit unserer Gemeinde-Tradition, dann tun wir uns oft schwer. Sollten sie sich nicht anpassen und so werden wie wir?
Nein. Das Evangelium drängt Menschen nicht in eine bestimmte Kultur, sondern es durchdringt Kulturen.
Lasst uns beten, dass wir es verstehen, wenn der Heilige Geist am Wirken ist, und lasst uns mitwirken und ihm nicht im Weg stehen! Dazu müssen wir Gottes Wort gut kennen und verinnerlichen und mit dem Herrn in engem Kontakt bleiben. Dann wird uns der Geist leiten, so wie er Petrus geleitet hat, durch ihn seine 6 jüdischen Begleiter und durch sie wiederum die übrigen jüdischen Brüder, die nicht selbst mit dabei waren.
Es ist nicht schlimm zu hinterfragen, anzuzweifeln, ja sogar zu streiten bzw. eine Auseinandersetzung zu haben - solange wir uns am Ende überzeugen lassen, dass der Herr am Wirken ist - wenn er es wirklich ist. Wir müssen bereit sein, dazu zu lernen, und können Gott preisen für das, was er tut, selbst wenn es für uns vielleicht schwer zu fassen ist:
Apostelgeschichte 11,18 SLT
18 Als sie aber das hörten, beruhigten sie sich und priesen Gott und sprachen: So hat denn Gott auch den Heiden die Buße zum Leben gegeben!
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