Die großen 5: Leben

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Der Wert des Lebens bemisst sich für Christen nicht an der Lebensfähigkeit, den persönlichen Beschränkungen oder der Zeugung, sondern an seiner göttlichen Bestimmung, die ihm schon gegeben wird, bevor wir an dieses Leben denken.

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Der Wert - Was ist der Wert des Lebens?

Wir kommen heute zum Abschluss unserer Themenreihe: Die großen 5. Nachdem wir über Sex, Wissenschaft, Politik und Leid gesprochen haben, geht es heute um das Leben. Es geht darum, was ein Leben Wert ist. Was macht ein Leben wertvoll? Ab wann ist es etwas Wert? Wann ist Leben Leben? Und gibt es Leben, die mehr Wert sind als andere? Die Frage des Lebens wird heutzutage sehr hitzig diskutiert. Gerade im Bereich der Abtreibung ist es ein großes Thema, wo all diese Fragen eine Rolle spielen. Deshalb dachte ich mir: Wie wäre ein erster nüchterner Blick auf das Leben? Vielleicht können wir uns dem Wert des Lebens finanziell nähern. Wir bestehen größtenteils aus Wasser. Der Wert unserer chemischen Elemente liegt deshalb nur bei knapp 300€. Das ist wirklich sehr wenig. Der Wert, den ein Leben aus politischer Sicht hat, ist zwischen 3-5 Millionen Euro. Damit kann man schon etwas mehr anfangen. Allerdings würden wir alle wahrscheinlich zustimmen, dass unser Leben nicht an Geld gemessen werden kann. Wir können nicht unseren Körper in seine Bestandteile zerlegen und dann sagen: Jedes Teil hat folgenden Wert, also ist das der Wert des Lebens. Genauso wenig können wir auf unseren Beitrag zur Gesellschaft durch unsere Arbeit oder ehrenamtliche Engagement gucken und dann sagen: Das ist der Wert des Lebens, den Mann oder Frau durch ihre Arbeitskraft beiträgt. Es wäre irgendwie komisch so den Wert unseres Lebens zu definieren, oder? Aber wie machen wir es dann? Wie entscheiden wir, welchen Wert das Leben hat? Hier können wir von 2 Seiten kommen.

Die Einflüsse - Welche Einfluss können von Lebensfähigkeit, persönlichen Beschränkungen oder Zeugung auf ihn haben?

Die eine Seite geht vom Diesseits aus. Es geht um das, was jetzt ist. Das Bestehende hat mehr Wert als das Entstehende. Ein Leben, dass am entstehen ist, hat weniger Wert als das Leben, was bereits besteht. Das Entstehende Leben ist noch nicht lebensfähig, so lange es im Bauch der Mutter ist. Das entstehende Leben ist weniger Wert, wenn es zu Enschränkungen des bestehenden Lebens führt. Wenn es beispielsweise nicht in die aktuelle Lebenssituation passt oder bereits im entstehen zu sehen ist, dass dieses neue Leben das bestehende Leben so einschränken wird, dass das Bestehende damit überfordert sein könnte. Das bestehende Leben bestimmt über das, was entsteht, denn es entsteht im bestehenden. Es entwickelt sich im Körper der Mutter. Es ist Teil dieses Körpers. Die Frage dabei ist: Reicht der Blick aus dem Diesseits aus, um zu bestimmen, welches Leben mehr Wert ist? Reicht es aus zu sagen, dass ein Leben aus der persönlichen Sicht nicht entstehen, gelebt werden , sein Potential ausschöpfen soll, weil es Einschränkungen für mich bedeutet? Weil es gerade für mich nicht passt? Weil es mich überfordert? Oft wird biologisch argumentiert, wenn es darum geht, ab wann ein Leben Leben ist, ab wann es Wert ist Leben zu nennen. Ich glaube allerdings, dass das meist Scheinargumente sind. Ja, das Leben ist noch nicht lebensfähig. Ja, das Leben kann eingeschränkt sein, aber was bedeutet das für Menschen, die auch nicht allein lebensfähig sind, weil sie zu alt sind, um sich allein um sich zu kümmern. Weil sie noch Säuglinge sind, und zwar schon alles haben, was es braucht, aber gar nicht für dieses Leben vorbereitet sind ohne Unterstützung. Nur weil ein Leben auf dieser Welt ist, bedeutet es nicht, dass es lebensfähig ist. Was machen wir mit Menschen, die mit der Zeit eingeschränkt werden, aufgrund physischer oder auch psychischer Gebrechen und Einschränkungen? Mein Opa hätte ohne unsere Pflege und Hilfe nicht mehr leben können. Jeden Morgen kam ein Pflegedienst und jeden Abend waren entweder mein Cousin, mein Papa oder ich bei ihm, um ihn zu pflegen. Meine Oma hätte das nicht mehr allein gekonnt. War sein Leben noch lebenswert, obwohl er nicht mehr allein lebensfähig war? Und ja, vielleicht sagst du jetzt: Das ist ja etwas ganz anderes. Dein Opa hat sein Beitrag zur Gesellschaft, zur Familie geleistet und deswegen hat er es verdient gehabt, weiterzuleben. Ein entstehendes Leben, ein Zellhaufen, ein Embrio hat das nicht. Und das stimmt, aber wo kommen wir mit dieser Argumentation hin? Wohin wird uns das führen, wenn wir den Wert des Lebens so bemessen? Wo setzen wir den Rotstift an und fangen an zu streichen? Das Problem ist, dass durch die Abwertung des Lebens oder die Kopplung des Wertes eines Lebens an Leistungfähigkeit oder Passung, nicht nur der Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen beeinflusst wird, sondern auch das Bild, was Menschen von sich und anderen haben. Denn wenn man nicht mehr fähig ist, wenn man weniger leistet, wenn man eine Belastung für andere ist, dann ist Mann oder Frau weniger Wert. Es ist egal, ob es sich dabei um einen Sozialhilfeempfänger, ein durch das Alter eingeschränkten Menschen, ein Menschen mit Behinderung oder auch um mich selbst handelt, der vielleicht weniger leistet als andere. Wie oft messen wir unseren eigenen Wert an dem, was wir können oder eben auch nicht?
Die eine Seite ist also das Diesseits aus dem ein Wert bestimmt wird. Die andere Seite ist das Jenseits, dass dir einen Wert gibt. Es ist ein Wert, der unabhängig von dieser Welt existiert. Es ist eine Realität, die über unsere Welt hinausgeht und sie durchdringt, denn sie kann echten Einfluss auf unser Leben haben. Eine Jenseitsperspektive sieht nicht, was vor unseren Augen ist. Sie bemisst nicht den Wert Lebens an Fähigkeiten, Gesundheit oder Erfolg. Es ist die Perspektive Gottes auf unser Leben. Das Diesseits versucht den Wert zu messen. Das Jenseits schenkt dir deinen Wert. Es schenkt dir Liebe, Gnade und Berufung. Unter dem Begriff Jenseits verstehe ich Gottes Realität, die uns zeigt, wer wir aus seiner Sicht sind. Gottes Realität, die andere Maßstäbe hat. Gottes Realität, in der es reicht zu sein und dadurch einen Wert zu bekommen. Beziehungsweise musst du noch nicht einmal sein, damit du einen Wert hast, sondern schon der Gedanken Gottes an dich, gibt dir einen Wert, noch bevor du überhaupt bist. Psalm 139 drückt das wie folgt aus:
Psalm 139,13–16 BB
Ja, du hast meine Nieren geschaffen, mich im Bauch meiner Mutter gebildet. Ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind. Nichts war dir unbekannt am Aufbau meines Körpers, als ich im Verborgenen geschaffen wurde – ein buntes Gewebe in den Tiefen der Erde. Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen. Ja, alles steht in deinem Buch geschrieben: Die Tage meines Lebens sind vorgezeichnet, noch ehe ich zur Welt gekommen bin.

Die Bestimmung - Welche göttliche Bestimmung hat das Leben, dass sie ihm einen Wert gibt?

Du bist ein Gedanke Gottes. Du bist wunderbar. Du bist wundervoll. Dein Leben hat einen Plan. Das spricht dir Gott zu. Das spricht Gott jedem Menschen zu. Das spricht Gott jedem Zellhaufen, Embryo, Kranken, Alten, Jungen zu. Egal wie viel du leistest. Egal was du bist. Egal wo du gerade stehst. Du bist ein Gedanke Gottes, der Realität geworden ist. Du bist ein Werk Gottes. Das gibt uns einen Wert. Unser Wert wird nicht in dieser Welt bemessen, sondern er wird uns schon vorher gegeben, durch das was Gott in uns sieht.
Psalm 139,16a BB
Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen.
Ich finde das Wahnsinn. Gott kennt uns schon, bevor wir überhaupt entstehen. Er weiß, wer wir sind. Er weiß, wie wir sind. Er kennt unser Wesen. Gott wendet sich uns zu, noch bevor jemand anderes von uns weiß. Er liebte uns schon, bevor unsere Eltern uns irgendwann liebten. Er sah uns schon, bevor wir geboren waren. Er hat bereits einen Weg für uns, bevor wir unseren ersten Schritt gegangen sind. Die Zuwendung Gottes gibt uns einen Wert. Seine Liebe gibt uns einen Wert. Sie gibt jedem Leben ob entstehend oder bestehend einen Wert. Weder das eine noch das andere ist mehr Wert. Weder das eine noch das andere entscheidet darüber, welches Leben lebenswert ist, sondern Gott tut das schon bevor das Leben überhaupt beginnt. Er tut es, indem er sich jedem Leben vorher zuwendet. Er tut es, indem jedes Leben ein Werk seines Wirkens ist.
Epheser 2,10 BB
Denn wir sind Gottes Werk. Aufgrund unserer Zugehörigkeit zu Christus Jesus hat er uns so geschaffen, dass wir nun das Gute tun. Gott selbst hat es im Voraus für uns bereitgestellt, damit wir unser Leben entsprechend führen können.
Gott möchte durch jedes Leben Gutes tun. Gott kann durch jedes Leben Gutes tun. Auch wenn wir es manchmal nicht glauben können. Auch wenn wir es uns und anderen manchmal absprechen: In jedem von uns liegt das Potential etwas Gutes zu tun. Das ist unsere Bestimmung. Das ist das Potential, dass in jedem Leben liegt. Egal wie eingeschränkt oder wie frei unser Leben aussieht. Wir können alle etwas Gutes tun. Du kannst etwas Gutes tun. Du hast das in dir. Gott hat es in dich hineingelegt. Du bist dazu bestimmt. Das Gute zu tun heißt nicht, dass du etwas Großes oder Besonderes leisten musst. Das Gute zu tun, bedeutet, anzunehmen, dass du und deine Mitmenschen wertvoll sind und danach zu handeln. Mehr ist es nicht. Es bedeutet: Ich glaube daran, dass Gott mich liebt. Ich glaube daran, dass Gott meine Mitmenschen liebt. Ich werde diesen Glauben leben. Deine Berufung ist es dich selbst und andere liebevoll zu sehen. Mehr ist es nicht. Leb dein Leben so, als wärst du wirklich das, was Gott in dir sieht: Ein Gedanke, den er wunderbar Realität werden ließ.

Das Vorher - Inwiefern ist diese göttliche Bestimmung bereits wertgebend bevor das Leben überhaupt gedacht wird?

Diesen Wert kann dir die Welt nicht geben und sie kann ihn dir auch nicht nehmen. Niemand in dieser Welt kann dir diesen Wert absprechen. Es wird Menschen geben, die es versuchen. Es wird Situationen geben, die das in Frage stellen. Es wird Momente geben, in denen du das nicht glaubst und vielleicht sogar denkst, dass das eine Lüge ist, weil das Diesseits so präsent, so klar vor dir ist und sagt: Du musst mehr tun. Du musst besser sein. Du musst anders sein. Jenseits von alledem steht aber ein Zuspruch, der schon vor deinem Leben über dich ausgesprochen wurde.
Jeremia 1,5 BB
»Bevor ich dich im Mutterleib geformt habe, kannte ich dich. Bevor du von deiner Mutter geboren wurdest, warst du schon heilig für mich. Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.«
Das ist ein Wort Gottes, das an Jeremia gerichtet ist. Gott hatte eine Bestimmung für ihn. Schon bevor er geboren wurde, wusste Gott, das Jeremia ein besonderer Mann werden würde. Ein Mann, der seinem Volk verkündigen würde, was Gott ihnen zu sagen hatte. Jeremia soll die Gerechtigkeit und Gnade Gottes in Israel verkündigen. Der Geist Gottes war auf Jeremia. Die Menschen wollten nicht auf ihn hören und gingen sogar gegen ihn vor, aber er wusste: Nicht was die Welt sagt, sondern was Gott sagt, ist wahr. Das ist die Geschichte Jeremias. Er hat den Ruf Gottes gehört und angenommen. Und das ist die Frage, die bleibt: Was machst du mit dem Ruf, den Gott über dein Leben spricht? Wenn du Menschen ihren Wert absprichst oder wenn dir dein Wert abgesprochen wird, dann kann es sein, dass die Gedanken Gottes niemals in dir Frucht tragen. Die Abhängigkeit vom Wert dieser Welt kann dazu führen, dass du niemals deine Berufung zum Guten lebst. Dein Umgang mit anderen kann dazu führen, dass sie niemals ihre Berufung leben. Wenn du dich geliebt und berufen weißt, dann kannst du ganz anders auf dein Leben sehen und mit dem umgehen, was dir im Leben begegnet. Wenn du weißt, dass in dir das Potential zum Guten steckt, dann kannst du ganz anders durch diese Welt gehen. Wenn du andere so behandelst, dass sie erkennen wie geliebt sie sind, dann können sie auch ihr Potential entdecken. Lasst uns das Gute tun. Lasst uns gemeinsam die Liebe groß machen. Lasst uns gemeinsam annehmen, was Gott schon in jedem Menschen sieht, lange bevor er hier auf dieser Welt ist. Sprecht mir nach: Gott kennt mich. Gott sieht mich. Ich bin geliebt. Ich bin berufen. Ich bin wertvoll. Amen.
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