Frei zum Loben
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Einleitung zur Predigt – Psalm 103: Frei zum Lob
Einleitung zur Predigt – Psalm 103: Frei zum Lob
Wenn man an die großen Hits denkt, die es in die Charts schaffen, dann erwartet man dort nicht unbedingt christliche Musik.
Aber das passiert immer wieder.
Vor ein paar Jahren haben die O’Bros, zwei junge Christen aus Deutschland, mit ihrem Rap über den Glauben die Charts gestürmt.
Und wer schon ein bisschen länger dabei ist, erinnert sich vielleicht noch an Delirious?, eine Band aus England, die in den 90ern mit ihrem Song “Deeper” auch international bekannt wurde.
Und dann ist da dieser Lobpreis-Hit, den fast jeder kennt: “10.000 Reasons (Bless the Lord)” von Matt Redman.
Ein Lied, das auf der ganzen Welt gesungen wird – in Kirchen, auf Festivals, bei Taufen, Hochzeiten, ja sogar auf Beerdigungen.
Ein Lied, das nicht einfach nur erfolgreich war.
Es hat zwei Grammy Awards gewonnen.
Und trotzdem war das gar nicht das Ziel des Songwriters.
Matt Redman wollte nicht Preise sammeln.
Er wollte Menschen helfen, wieder Gott zu begegnen.
Weil er selbst Heilung gebraucht hat.
Denn hinter diesem Lied steckt eine Geschichte voller Schmerz.
Matt Redman war noch ein Kind, als er seinen Vater verlor.
Erst Jahre später erfuhr er, dass sich sein Vater das Leben genommen hatte.
Diese Erfahrung hat ihn tief geprägt.
In dieser Dunkelheit hat er angefangen, Lieder zu schreiben.
Nicht, weil er besonders musikalisch sein wollte, sondern weil das seine Art war, mit Gott zu reden.
Lobpreis wurde für ihn ein Ort der Heilung.
Ein Ort, wo er spürte: Gott ist da, auch wenn das Leben weh tut.
Und genau aus dieser Erfahrung heraus entstand “10.000 Reasons”.
Ein Lied, das sagt: Ich will Gott loben – egal, was passiert.
Ich will ihm danken, auch wenn mir nicht danach ist.
Ich will mich erinnern, was er mir Gutes getan hat.
Und damit sind wir mitten in unserem Psalm heute: Psalm 103.
Dort heißt es:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Dieser Satz könnte genauso gut der Refrain von 10.000 Reasons sein.
Aber bevor wir darüber reden, wie man frei wird zum Loben, müssen wir ehrlich sein: Oft sind wir es nicht.
Wir hängen fest.
In Enttäuschungen, in Sorgen, in Erlebnissen, die uns wehgetan haben.
Und genau das hält uns oft davon ab, frei zu werden – frei zum Lob.
Darum geht es heute: Wie kann das Herz wieder lernen, zu danken?
Wie kommen wir raus aus dieser inneren Gefangenheit im Negativen – hinein in die Freiheit, Gott zu loben?
Teil 2 – Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
Teil 2 – Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
Manchmal ist es, als würde unsere Seele ein Eigenleben führen.
Der Kopf weiß: Es gibt so vieles, wofür ich dankbar sein könnte – aber das Herz zieht nach unten.
Und genau da setzt der Psalmbeter an.
Er redet mit sich selbst.
Er sagt nicht: “Lobe den Herrn, ihr alle!” – sondern: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Er spricht seine eigene Seele an.
Als müsste er sie wachrütteln.
Als müsste er sie aus der Dunkelheit holen.
Wir alle kennen das, oder?
Diese inneren Gespräche.
Wenn du dich selbst ermahnst: “Komm schon!
Wach auf!”
Oder: “Reiß dich zusammen!”
Nur dass es hier nicht um Leistung geht, sondern um Erinnerung.
Um das Bewusstmachen: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Denn vergessen – das passiert schnell.
Und das, was wir vergessen, formt, wie wir leben.
Neurowissenschaftler sagen: Unser Gehirn speichert negative Erfahrungen viel intensiver ab als positive.
Verletzungen, Kränkungen, Verlust – das bleibt hängen.
Lob, Anerkennung, Freude – das verpufft schnell.
Manche Forscher sprechen sogar von einem Verhältnis von fünf zu eins:
Wir brauchen fünf gute Erlebnisse, um ein negatives auszugleichen.
Kein Wunder also, dass wir innerlich oft gefangen sind.
Gefangen in dem, was weh tat.
Gefangen im Mangel, im Ärger, in dem, was fehlt.
Aber genau da setzt der Psalm an.
Er sagt: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Also: Denk bewusst nach.
Zähl die Spuren der Güte Gottes.
Schau nicht nur auf das, was dich verletzt hat, sondern auch auf das, was dich getragen hat.
Und das ist kein Schönreden.
Das ist ein Perspektivwechsel.
Ein geistlicher Widerstand gegen das Vergessen.
Vielleicht ist das, was uns gefangen hält, gar nicht so sehr das Böse, das uns begegnet, sondern das Gute, das wir übersehen.
Wir sehen das Dunkle sofort – das Helle müssen wir suchen.
Und manchmal braucht es genau das: dass wir uns selbst daran erinnern, dass Gott schon längst mehr getan hat, als wir gerade fühlen.
Wenn der Psalmbeter seine Seele auffordert, den Herrn zu loben, dann tut er das nicht, weil alles gut ist, sondern gerade, weil es nicht so ist.
Er übt sich darin, frei zu werden – frei zum Lob.
Denn Lob verändert nicht zuerst die Umstände, aber es verändert das Herz.
Teil 3 – Die fünf Wohltaten Gottes (Psalm 103,3–5)
Teil 3 – Die fünf Wohltaten Gottes (Psalm 103,3–5)
Nachdem der Psalmbeter sich selbst erinnert hat, beginnt er, die Wohltaten Gottes aufzuzählen.
Erinnern braucht Worte, konkrete Bilder, greifbare Erlebnisse.
Sonst bleibt es theoretisch.
Darum nennt er Dinge, die man spüren kann.
Und mit jedem Satz merkt man: Das Herz wird leichter, der Blick klarer.
Jede Erinnerung wird zu einem kleinen Schritt in die Freiheit.
1. Er vergibt dir alle deine Sünden.
1. Er vergibt dir alle deine Sünden.
Das ist der Anfang – und zwar ein echter Neuanfang.
Ich denke an eine Frau, die mir einmal erzählte, sie habe sich seit Jahren selbst nicht mehr in den Spiegel schauen können, weil sie in einer schweren Entscheidung jemandem wehgetan hatte.
Sie wusste, Gott vergibt.
Aber sie konnte es selbst nicht glauben.
Erst, als sie in einem Gottesdienst beim Abendmahl die Worte hörte: „Dir sind deine Sünden vergeben“, konnte sie zum ersten Mal wieder tief durchatmen.
Diese Freiheit – das ist gemeint.
Gott hält dich nicht an deiner Vergangenheit fest.
Er öffnet die Tür nach vorn.
2. Er heilt alle deine Gebrechen.
2. Er heilt alle deine Gebrechen.
Heilung hat viele Gesichter.
Es gibt Menschen, die seit Jahren mit einer Krankheit oder einem Handicap leben – wie etwa Samuel Koch, der nach seinem Unfall öffentlich darüber gesprochen hat, wie er im Glauben Hoffnung findet, obwohl seine körperlichen Grenzen bleiben.
Solche Geschichten zeigen: Heilung kann bedeuten, Trost zu erfahren, wo Wunden bleiben.
Mut zu finden, obwohl der Schmerz nicht weicht.
Frieden zu spüren, auch wenn sich das Äußere nicht verändert.
Und manchmal geschieht Heilung erst dort, wo kein Leid mehr ist – in Gottes Ewigkeit.
3. Er erlöst dein Leben vom Verderben.
3. Er erlöst dein Leben vom Verderben.
Manchmal rettet Gott ganz praktisch.
Ich habe immer wieder erlebt oder gehört, dass Menschen in schwierigen Situationen bewahrt worden sind – manchmal ganz sichtbar, manchmal nur knapp, manchmal still und unscheinbar.
Gott hält Menschen fest, die am Ende ihrer Kräfte stehen.
Er schenkt Mut, wenn alles grau ist.
Und oft erkennt man erst im Rückblick, dass man getragen wurde – dass jemand unsichtbar durchgetragen hat.
4. Er krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit.
4. Er krönt dich mit Gnade und Barmherzigkeit.
Ich sehe dabei das Bild eines Menschen, der gedemütigt wurde, sich klein fühlt, den Kopf gesenkt.
Immer wieder begegne ich Menschen, die durch Mobbing, psychische oder körperliche Gewalt gezeichnet sind, die in Gemeinden oder anderen Gemeinschaften religiösen Druck erlebt haben oder deren Selbstbild zerstört wurde.
In all diesen Situationen zeigt sich, wie tief Verletzungen wirken können und wie sehr Menschen danach hungern, wieder aufgerichtet zu werden.
Und Gott stellt sich vor ihn, hebt das Kinn an und sagt: „Du bist wertvoll.“
Eine Krone steht für Würde.
Gott gibt dir deine Würde zurück – nicht, weil du etwas erreicht hast, sondern weil du ihm gehörst.
Vielleicht wurde dir im Leben vieles genommen: Ansehen, Vertrauen, Selbstachtung.
Aber Gott setzt dir Würde auf den Kopf wie eine Krone, die niemand mehr abnimmt.
5. Er sättigt dich mit Gutem.
5. Er sättigt dich mit Gutem.
Manchmal spürt man das, wenn man an einem Abend mit Freunden lacht oder im Sonnenlicht sitzt und merkt: „Ich lebe.“
Ich habe oft erlebt, dass Menschen in schwierigen Zeiten plötzlich eine Erfahrung machen, die sie trägt – ein gutes Wort, eine unerwartete Begegnung, eine Kraft, die sie gar nicht erklären können.
Solche Momente sind wie kleine Zeichen: Gott sorgt für dich.
Er stillt nicht nur den Hunger nach Brot, sondern auch den nach Hoffnung.
Das ist dieses „Er sättigt dich mit Gutem“ – Gott füllt das Herz mit neuem Mut und einem Frieden, der hält, selbst wenn nicht alles leicht ist.
Das sind keine leeren Glaubenssätze.
Das sind Spuren im Leben.
Wenn man sie zählt, öffnet sich etwas.
Das Herz weitet sich.
Und genau das ist der Weg in die Freiheit – der Weg, auf dem man das Gute wieder sieht und das Lob neu lernt.
Wenn Lob schwerfällt
Wenn Lob schwerfällt
Manchmal fällt Loben einfach schwer.
Da ist zu viel los, zu viel Schmerz, zu viel Sorge.
Man sitzt da und denkt: Wofür soll ich danken?
Genau da hinein spricht der Psalm.
Der Psalmbeter lobt Gott nicht, weil alles glatt läuft, sondern mitten im Chaos des Lebens.
In Vers 9 und 10 steht: „Gott wird nicht für immer zornig sein.
Er vergilt uns nicht nach unseren Fehlern.“ Diese Worte kommen von jemandem, der seine Grenzen kennt.
Jemand, der erlebt hat, dass Gott trotzdem gnädig bleibt.
Das ist ehrliches Lob – Lob mit Narben.
Dann sagt der Psalm: „Gott weiß, dass wir Staub sind.“ Dieser Satz ist schlicht, aber stark.
Er erinnert daran, dass Gott uns kennt – mit unserer Schwäche, unserer Müdigkeit, unseren Zweifeln.
Er rechnet damit.
Und er bleibt da.
Das befreit: Ich muss mich nicht stark fühlen, um zu loben.
Ich darf ehrlich sein.
Ich darf Gott mein ganzes Herz hinhalten, wie es gerade ist.
Paulus und Silas – zwei Männer aus dem Neuen Testament – erlebten etwas Ähnliches.
Sie wurden verhaftet, weil sie von Jesus erzählt hatten.
In der Nacht, gefesselt im Gefängnis, beginnen sie zu singen.
Nicht aus Kraft, sondern aus Vertrauen.
Sie halten fest an Gott, obwohl alles dagegen spricht.
Und plötzlich öffnet sich etwas – Türen, Ketten, Herzen.
Das ist der Kern dieses Psalms: Lob ist kein Ausweichen, sondern ein Festhalten.
Kein „Alles ist gut“, sondern ein „Gott bleibt gut“.
Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Glauben – Gott zu loben, während das Leben noch schmerzt.
Teil 5 – Frei zum Lob werden
Teil 5 – Frei zum Lob werden
Wenn wir das alles hören, dann merken wir: Lob ist kein Automatismus.
Es wächst.
Frei zum Lob zu werden – das ist ein Prozess.
Manche von uns kennen das Gefühl, innerlich blockiert zu sein.
Man möchte danken, aber die Worte bleiben stecken, weil unsere Realität nicht nach Lob aussieht.
Und doch – genau da fängt etwas an zu wachsen, wenn man sich bewusst erinnert, was Gott Gutes getan hat.
Das ist der erste Schritt: sich erinnern.
Vielleicht hilft dir das ganz praktisch: Nimm dir in der Woche einmal einen Moment, um zurückzuschauen.
Nicht auf das, was fehlt, sondern auf das, was war.
Auf kleine Spuren von Güte.
Ein Gespräch, das dich getragen hat.
Ein Lächeln, das dir gutgetan hat.
Ein Moment, in dem du gespürt hast: Ich bin nicht allein.
Wenn du solche Dinge sammelst, wird das Herz offener.
Und das Lob fällt leichter.
Im Grunde lädt der Psalm uns ein, unser Denken zu verändern.
Er sagt: Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.
Wer sich erinnert, bleibt empfänglich für das Gute.
Und wer das Gute sieht, kann danken.
Und wer danken lernt, wird frei.
Frei zum Lob heißt nicht: Alles ist hell.
Es heißt: Ich entscheide mich, im Dunkeln auf das Licht zu schauen.
Ich sehe, was Gott getan hat – und ich halte mich daran fest.
Und vielleicht spürst du irgendwann, dass das Lob dich selbst verändert.
Dass du leichter atmest.
Dass du freier wirst.
Und dass du neu sagen kannst: „Lobe den Herrn, meine Seele.“ Amen.
