Predigt (unbenannt) (3)

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Wenn das Wasser sich bewegt

„1Danach war ein Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. 2Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, der heißt auf Hebräisch Betesda. Dort sind fünf Hallen; 3in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Ausgezehrte.
5Es war aber dort ein Mensch, der war seit achtunddreißig Jahren krank. 6Als Jesus ihn liegen sah und vernahm, dass er schon so lange krank war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? 7Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. 8Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! 9Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.
Es war aber Sabbat an diesem Tag. 10Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Heute ist Sabbat, es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen. 11Er aber antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin! 12Sie fragten ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und geh hin? 13Der aber geheilt worden war, wusste nicht, wer es war; denn Jesus war fortgegangen, da so viel Volk an dem Ort war.
14Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre. 15Der Mensch ging hin und berichtete den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. 16Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbatgetan hatte.“
Jesus brach die väterlichen Traditionen des Sabbats, um auf den wahren Sabbat aufmerksam zu machen. Warum trat Jesus den Juden so nahe, indem er bewusst die väterlichen Traditionen brach?
Wenn das Wasser sich bewegt: Was hat es mit dem Wasser auf sich? Warten wir auf die Bewegung des Wassers, bis dass etwas passiert? Tun wir das eventuell auch in unserem Leben?
Was tun wir mit den Kranken und Blinden, Lahmen und Ausgezehrten um uns herum?
Interessanterweise passt dieser Text zu den Themen der vergangenen Sonntage. Was tun wir mit den Leidenden unter uns? Sind wir mehr mit unseren Regeln beschäftigt als mit der Barmherzigkeit? In Jesaja 58 rief der Prophet lauthals die Sünden des Volkes heraus. Sie hielten den Sabbat wohl ein, doch im selben Moment verachteten sie den Nächsten, hoben die Finger, richteten und unterdrückten.
Was ist die Bewegung des Wassers? Auf welche Bewegung warten wir in unserem Leben? Was ist das Wasser in unserem Leben? Dieser Mann wartete 38 Jahre auf eine Veränderung in seinem Leben. Er war hilflos und sehnte sich nach Hilfe. Ja, ich weiß, dieser Text handelt von dem Traditionsbruch Jesu. Er heilte am Sabbath. Das war gegen die Gesetze der Väter. Doch eines will ich euch trotzdem sagen, das hat mich nicht mehr losgelassen: Was hält dich in deinem Leben fest? Was hält dich gebunden? Worauf wartest du und du erhältst keine Antwort? Der Mann wartete 38 Jahre auf Heilung. Er saß dort fest und konnte nicht weg von dort. Er war gebunden durch diesen Aberglauben. Welche falschen Hoffnungen halten dich gebunden? Seine Heilung war nicht dort zu finden, wo er hinschaute! Seine Heilung war direkt vor ihm, doch er sah sie nicht.
Dieser Mann war gebunden in einem System der Religion. Es war ein System, das auf ihn herabsah. Er war krank. Er war bestraft. Sie kümmerten sich nicht um seine Heilung, ihnen war die Einhaltung der Regeln wichtiger als die liebevolle Zuwendung des Messias. Religion kann unser Herz verderben. Religion macht uns hart. Religion zeigt uns die Regeln ohne die Gnade. Religion tötet.
Regeln, Regeln, Regeln. Religion ist ein System, das uns Menschen gefangenhält. Unser Verstand wird verfinstert. Unser Herz verdorben. Die Menschen mögen uns nicht mehr. Wie kann es sein, dass Jesus eine Freund der Sünder und Zöllner genannt wurde?
Jesus brach ihre Vorstellung von Religion. Er brach niemals die Tora! Er brach die väterlichen Gesetze um die Tora herum. Er kam, um die Tora zu erfüllen.
Es gibt eine Religion, die Gott sehr wohl gefällt. Das ist diese: Die Witwen und Waisen in ihrer Not zu besuchen und sich unbefleckt halten von der Welt.
Liebe Gemeinde, ich frage uns: Wollen wir das Herz des Vaters oder das Herz der Religion haben? Wonach sehnen wir uns? Ich gehe sogar weiter, und das habe ich beobachtet: Religion macht mental krank. Sie ist so unbarmherzig. Sie verdammt die Unschuldigen. Sie hasst die Wahrheit und sie hasst Gott. Es ist der Kain gegen Abel Geist hinter ihr.
Wo sind unsere Traditionen so stark geworden, dass sie Gottes Wort ersetzen? Wo sind wir gebunden an unsere Traditionen, dass wir Jesus gar nicht mehr sehen? Für mich bedeutet reformiert zu sein, immer wieder den Blick auf Jesus zu erneuern.
Liebe Gemeinde, ich war auch gebunden von Religion, wenn ich so offen mit Ihnen sprechen darf. Ich lebte nicht aus der Vergebung, aus der Liebe Gottes, aus der Barmherzigkeit, sondern um die Vergebung und Liebe Gottes zu erlangen.
Religion hat eine blendende Kraft. Ich definiere Religion heute als “Schein einer Frömmigkeit”. Du magst es sogar gut meinen, doch hält es dich gebunden an Ort und Stelle.
-Du erlebst und bist gefangen im Perfektionismus.
-Du erlebst tiefen Selbst-Hass. Dein Selbstwert ist sehr gering.
-Du gehst auf Eierschalen, was dein Gedankenleben angeht. So wie es im Kinderlied schon heißt: “Pass auf, kleines Auge, was du siehst. Denn der Vater in den Himmeln schaut herab auf dich. Pass auf, kleines Auge, was du siehst.”
-mentale Krankheiten, wie Angststörungen, Depression oder Essstörungen
Einführung in die Religionspsychologie: Negative Beziehung zwischen Religiösität und psychischer Gesundheit.
-”zudem führt die Mitgliedschaft in einer religiösen Gruppierung und damit verbundenes konsequentes religiöses Leben nicht selten zum “Anderssein”. In der Folge kann dieses “Anderssein” zur Ausgrenzung durch die soziale Umgebung aber auch zu Intoleranz und Ablehnung von Andersdenkenden führen. Gerade für Kinder und Jugendliche, die ihren Platz unter Gleichaltrigen finden müssen, bringt das “Anderssein” eine hohe Belastung mit sich.”
Lukas 18 erzählt uns von einem Pharisäer, der sich für fromm und gerecht hielt und die anderen verachtete. Er sieht sich als anders an. Sie wollten sich auch nicht den Sündern gleichmachen und gingen daher nicht in das Taufwasser des Johannes. Die Taufe macht uns alle gleich.
-kognitive Rigidität:
Die kognitive Struktur, die die Religion Menschen geben kann, kann zu einer kognitiven Rigidität führen, die alternative und zeitgemäße Denkansätze nicht zulässt. Das unreflektierte Festhalten an gelernten Glaubenssätzen kann zu irrationalen religiösen Annahmen führen wie “Gott liebt mich nur, wenn ich perfekt bin.”, die die Entstehung einer depressiven, zwanghaften oder Angststörung begünstigen können.
Der Glaube wird so zu einem Werk, theologisch gesprochen. Und dieser muss richtig sein. Mit Zweifeln kann nicht umgegangen werden. Sie werden unterdrückt.
-Strenge moralische Richtlinien:
Moralische Richtlinien können zu einem Korsett werden, das sowohl das Ausleben von positiven Gefühlen, wie z.B. Vergnügen und Genuss, als auch von negativen Gefühlen, wie z.B. Aggressionen, verbietet. Langfristig unterstützt diese Haltung die Ausbildung von depressiven Störungen, da positive Ressourcen nicht genutzt oder vorhandene interpersonale Konflikte nicht ausgetragen werden dürfen.
Zudem können zu hohe moralische Ansprüche dazu führen, dass ein Individuum diesen nicht gerecht werden kann und dadurch fortgesetzt unter dem Gefühl von Versagen und Überforderung leidet.
Glaube an die Allmacht Gottes
Der Glaube an einen souveränen, allmächtigen Gott, der in das Weltgeschehen und in das Schicksal eines jeden Einzelnen eingreift, kann dazu führen, dass das Individuum sich selbst als ohnmächtig und fremdbestimmt wahrnimmt. Dieses Lebensgefühl fördert eine passive Haltung hinsichtlich der eigenen Problembewältigungskompetenz und schränkt die eigenverantwortliche Lebensgestaltung und Entscheidungsfreiheit ein.
Negative Emotionen
-Angst vor Sünde, Angst vor Bestrafung, Angst vor Krankheit oder Verfolgung, durch die Gott einen prüfen will.
Idealisierung der alternativen Werte
-eigene Bedürfnisse nicht zugelassen, Leid passiv ertragen
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