Herr, lehre uns beten

OpenDoors 2025  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
0 ratings
· 7 views

OpenDoors 2025

Notes
Transcript

Herr, lehre uns beten.

Liebe Gemeinde,
es ist 22:41 Uhr auf dem Handy plopp über Threema ein kurze Nachricht auf: “betet jetzt. Sie stehe vor dem Haus.” Weiter nichts, kein Name, kein Ort. Nur Betet, jetzt.
Wer so schreibt, der bittet nicht um irgendwelche Kommentare oder Nachfragen, nicht um Erklärungen, sondern um das Einzige, um den einzigen Dienst, den man über Entfernungen hinweg tun kann.
Vielleicht kennen wir auch solche Momente, nicht in Verfolgungssituationen, aber in anderen bedrohlichen Lebenssituationen, wo wir spüren: Hier wird unser Gebet, unsere Fürbitte gebraucht. Nicht später, nicht irgendwann, sondern jetzt.
Auch die Gemeinde in Jerusalem stand genau an so einem Punkt. Da war Drohung, Druck und Unsicherheit. Und sie tat das Naheliegende- und zugleich das Mächtigste: Sie betet und zwar gemeinsam.
Wir hören dazu aus der Apostelgeschichte, Kapitel 4, die Verse 23-31:
Apostelgeschichte 4,23–31 BB
23 Nach ihrer Freilassung gingen Petrus und Johannes zur versammelten Gemeinde. Sie berichteten, was die führenden Priester und die Ratsältesten zu ihnen gesagt hatten. 24 Als sie das gehört hatten, wandten sie sich an Gott. Alle zusammen beteten sie: » Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen mit allem, was darin ist. 25 Du hast unseren Vorfahren David, deinen Diener, durch den Heiligen Geist sagen lassen: ›Warum sind die Völker in Aufruhr geraten? Wozu schmieden die Nationen sinnlose Pläne? 26 Die Könige der Welt haben sich aufgelehnt; die Machthaber haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten.‹ 27 Tatsächlich ist es hier in dieser Stadt genauso gekommen: Herodes und Pontius Pilatus, Heiden und Menschen aus dem Volk Israel haben sich verbündet – gegen Jesus, deinen heiligen Diener, den du zum Christus gemacht hast. 28 Sie haben das ausgeführt, was du in deiner Macht und nach deinem Plan schon längst vorherbestimmt hast. 29 Herr , höre jetzt, wie sie uns drohen. Hilf uns, deinen Dienern, deine Botschaft mutig und offen zu verkünden. 30 Strecke deine Hand aus und heile Kranke! Lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Dieners Jesus.« 31 Nachdem sie so gebetet hatten, bebte die Erde an dem Ort, wo sie versammelt waren. Der Heilige Geist erfüllte sie alle, und sie verkündeten das Wort Gottes mutig und offen.
Soweit die Worte aus der Apostelgeschichte. Was fällt hier auf? Die Gemeinde beginnt das Gebet nicht mit Drohung, sondern mit Gott. “ Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen ...” Das ist keine Verdrängung, sondern eine Einordnung der Situation. Denn wer so betet, der macht die Augen nicht vor der Realität zu, sondern im Gegenteil: Er schaut zuerst auf den, der größer ist als alle Lebenswirklichkeit, und kann die Realität nüchtern ansehen. Das lerne ich: Nicht das Problem zuerst, sondern Gott – dann ordnet sich die Angst im Licht seiner Größe.
Genau das ist der erste Dienst wir nennen Gott unter anderem durch Lobpreis groß, bevor wir das Leid und die Not groß nennen.
Die Gemeinde betet mit der Bibel: Sie nimmt Worte aus Psalm 2 in den Mund – und dieser Psalm gibt den Grundton vor, wie sie ihre Lage versteht und was sie nun bittet. Psalm 2 sagt: Was uns geschieht, überrascht Gott nicht. Er behält die Hand über allem – darum beten wir nicht panisch, sondern vertrauend.“ Dass die Welt gegen Christus Widerspruch einlegt ist kein Betriebsunfall, sondern Teil der Geschichte, seitdem die Menschen sich gegen Gott stellen. Das klingt vielleicht hart, dennoch tröstet das auch: Wir sind nicht ausgeliefert und Gott verliert weder den Überblick noch die Steuerung. Es überrascht Gott nicht. Er behält die Hand über allem.
Die Gemeinde stellte Jesus in die Mitte: Die Feindschaft, die ihn traf, trifft auch seine Jüngerinnen und Jünger, als alle die ihm nachfolgen. Das ist ernüchternd, aber nicht entmutigend. Denn wenn Jesus uns im Leid beisteht und nicht von unserer Seite weicht, dann ist die Verfolgung nicht der Ort seiner Abwesenheit, sondern der Ort seiner Nähe. Es hilft uns vielleicht, wenn wir uns das bewusstmachen und es auch aussprechen: “Herr Jesus, wir glauben, dass du bei denen bist, die um deinetwillen leiden.”
Es ist aber auch bemerkenswert worum die Gemeinde hier in der Apostelgeschichte nicht bittet und worum sie bittet. Sie bittet nicht um Sicherheit, sie bittet nicht um Bewahrung vor der Härte. Sie bittet aber um Mut. Sie bittet um Freimut, um Offenheit, um Standhaftigkeit - darum dass sie zum Wort Gottes steht. Und sie bittet außerdem, dass Gottes Hand in positiver Weise sichtbar wirkt: in Heilung, in Hilfe und in Zeichen der Liebe. Da geht es nicht um eine religiöse Show, sondern es geht um Menschen, die krank sind, verwundet, traumatisiert sind. Es geht um Herzen, die Trost und beistand brauchen, um Türen, die von Menschen zugeschlagen wurden und die Gott trotz alldem wieder öffnen vermag.
Wenn wir diesen Text hier ernst nehmen, dann ist die Bitte um Mut und die Bitte um die Hand Gottes zwei Seiten einer Medaille: Wir sprechen -Gott handelt und wirkt. Wir stehen - Gott hält. Wir bitten - Gott tröstet.
Und dann antwortet Gott. Sicher nicht immer wird die Erde beben. Hier ist es so. Vielleicht damit es unübersehbar wird: Gemeinsames Beten ist eben nicht nur ein frommes Gefühl, ein frommes Erleben, nein es ist wirklich Teil von Gottes Handeln in unserer Welt. Aber was wichtiger ist als das Beben: Alle werden neu erfüllt mit dem Heiligen Geist. Sie können weiterreden, weiter Zeugnis geben, werden gestärkt in ihrem Glauben. Mut ist in der Bibel nie bloße Charakterstärke oder Begabung, sondern ein Geschenk. Das nimmt von uns den Druck und weckt die Sehnsucht: “Herr. gib es uns auch.”
Was bedeutet das für uns heute, wenn wir jetzt für unsere Schwestern und Brüder in Myanmar und Nicaragua beten? Ich sehe hier drei konkrete Schritte!
Erstens: Wir beginnen mit Gott. Bevor wir Namen und Länder nennen, sagen wir: Du bist Herr über Himmel und Erde. Du siehst es. Du weißt es. Du lässt niemanden fallen. Das erdet uns und richtet uns aus. Das machen wir mit zwei Liedern.
Zweitens: Wir beten mit dem Blick auf das Kreuz von Jesus und auf den Auferstandenen. Wir reden nicht nur über Täter und Systeme, sondern nennen bewusst Jesus beim Namen. Sein Weg ging durch das Leiden zum Leben. Darum beten wir ohne Spott, ohne Bitterkeit, verlieren nicht den Mut und verhärten nicht das Herz.
Drittens: Wir bitten um Mut – für unsere Geschwister und für uns. Für die Geschwister, die bedroht, überwacht, eingeschüchtert werden: um einen offenen Mund, um weise Worte, um bewahrte Herzen. Und für uns, die wir oft schon beim Stirnrunzeln der Umgebung leise werden: um einen freundlichen, klaren Ton, um Rückgrat und um Phantasie in der Nächstenliebe.
Lasst uns heute im Geist der ersten Gemeinde beten mit solchen Sätzen: „Herr, du Schöpfer, nichts entgleitet deiner Hand.“ – „Jesus, du leidest mit deinem Leib, tröste die, die heute um deinetwillen weinen.“ – „Gib deiner Gemeinde Mut, das Evangelium nicht zu verschweigen.“ – „Strecke deine Hand aus: Heile, was verwundet ist. Bewahre, was bedroht ist. Öffne, was verschlossen scheint.“ – „Bewege die Herzen der Mächtigen. Schenke Umkehr, wo Härte regiert.“ – „Lass Zeichen deiner Liebe geschehen, die Glauben wecken und Hoffnung pflanzen.“
Dennoch fragen wir uns manchmal, ob unser Gebet überhaupt etwas bewirkt. Da sehen wir keine schnellen Ergebnisse. Es geschehen keine Erdbeben. Und doch beginnt das Entscheidende im Verborgenen: Gott richtet Herzen auf, lässt Menschen durchhalten, gibt ihnen Kraft für den nächsten Schritt. Und dann verändert das Gebet zuerst uns: Es nimmt uns aus der Zuschauerrolle heraus und stellt uns an die Seite derer, die leiden. Wir werden zu Mitleidenden. Da bleibt es nicht bei einer Nachricht auf dem Display, sondern wir werden Geschwister, die treu mitgehen. Wer betet, verbindet sich, vernetzt sich – und das über Kontinente hinweg – mit dem Leib Christi. Und dieser Leib ist nie ohnmächtig, weil sein Haupt lebt.
Wir beten heute für Menschen, die verfolgt werden und leiden müssen. Doch wir selbst werden gerade auch heute eingeladen im Kleinen mutig zu werden. Vielleicht ist es nicht für uns der entscheidende Punkt, ob wir im großen Augenblick standhaft sind, sondern ob wir im Alltag den Mund für Christus öffnen – freundlich, respektvoll, aber nicht ängstlich. Mut wächst dann, wenn wir ihn üben. Und er wird gestärkt durch das gemeinsames Gebet. Die Gemeinde in Jerusalem war zusammen. Gemeinsam getragen, gemeinsam mutig. Vielleicht ist das der unscheinbarste, aber wichtigste Auftrag heute: Haltet zusammen im Gebet. Wieder und wieder. Kurze, treue, bibelfeste Gebete – und Gott füllt auf, was uns fehlt.
Wenn die Gemeinde Jesu betet, muss nicht immer der Boden beben. Aber die Angst kann weichen. Der Mut kann wachsen. Die Türen können aufgehen. Ja, Menschen werden heil. Und vor allem: Jesus Christus wird bekannt. Darum beten wir. Wir stehen ein – mit Worten, die uns geschenkt werden; mit Herzen, die Gott ausrichtet; mit der Hoffnung, die aus dem Kreuz Jesu kommt. So beten wir für heute unsere verfolgten Schwestern und Brüder, und wir beten heute, morgen, und so lange, bis Gerechtigkeit wohnt, wo Unrecht herrscht, und Friede, wo Drohung war. Herr, lehre uns beten. Und tu, was wir nicht können.
Am Schluss der Predigt halten wir heute, am 9. November, noch kurz inne. Denn er ist auch ein „Schicksalstag“ in unserer Deutschen Geschichte. Wir sammeln darum Freude und Schmerz unserer Geschichte: ehrliches Gedenken, dankbare Erinnerung – und Fürbitte für uns und unserer Geschwister heute.
Der 9. November – am Anfang drei Ereignisse, die nicht ganz so markant sind - dann die beiden, die bei uns auch heute diesen Tag mit prägen:
1848: Hinrichtung Robert Blums in Wien - Ende der Märzrevolution – zerschlagene Freiheits­hoffnungen.
1918: Ende der Monarchie, Ausrufung der Republik- Prinz Max von Baden verkündet die Abdankung Wilhelms II.; in Berlin rufen Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ und kurz darauf Karl Liebknecht eine „freie sozialistische Republik“ aus.
1923: Gescheiterter Hitler-Ludendorff-Putsch in München.
1938: Novemberpogrome – In der Nacht 9./10. 11. werden Synagogen und jüdische Einrichtungen im ganzen Reich zerstört; über 1.200 Synagogen und Tausende Geschäfte beschädigt, Zehntausende jüdische Männer – etwa 20.000–30.000 – verhaftet und in KZs verschleppt.
1989: Öffnung der Berliner Mauer: Nach Schabowskis Pressekonferenz („sofort, unverzüglich“) öffnen Grenzer am Übergang Bornholmer Straße noch am späten Abend des 9. 11. die Schlagbäume; die Menschen strömen in den Westen.
Kurzes Gebet Gott des Erbarmens, wir gedenken der Opfer von Hass und Gewalt – besonders unserer jüdischen Schwestern und Brüder. Wir danken dir für geöffnete Türen 1989 und bitten: Bewahre unsere Demokratie, heile Wunden, wende Herzen. Stärke alle, die heute bedrängt werden – auch unsere verfolgten Geschwister weltweit.
Vater im Himmel, ich bete für deine verfolgte Kirche weltweit. Dass du mit ihnen bist, Jesus, dass du mit ihnen bist, ihnen die richtigen Worte gibst, ihnen Weisheit gibst, sie schützt und sie gebrauchst als Werkzeuge für dein Evangelium. Wie oft habe ich von verfolgten Christen gelesen, dass sie mutig dich bekannt haben, dass es ihrem Glauben nicht geschadet hat, im Gegenteil. Dass sie mutige Bekenner des Glaubens gewesen sind. Und das wünsche ich mir für mein eigenes Leben. Auch ich möchte eintreten für meine Geschwister, möchte beten für sie und möchte selbst auch diesen Mut haben. Aufzustehen, da wo Menschen, deine Kinder und auch deine Geschöpfe verfolgt werden, missachtet werden und möchte mutig meinen Mund aufmachen und nicht mehr schweigen. Danke, dass auch du mir die richtigen Worte dafür gibst. Amen.
Related Media
See more
Related Sermons
See more
Earn an accredited degree from Redemption Seminary with Logos.