Volkstrauertag 2025 – Andacht & Kranzniederlegung
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Volkstrauertag 2025 – Andacht & Kranzniederlegung
Volkstrauertag 2025 – Andacht & Kranzniederlegung
„Erinnern. Menschlich bleiben. Frieden suchen.“
„Erinnern. Menschlich bleiben. Frieden suchen.“
Begrüßung
Begrüßung
Liebe Anwesende,
ob Sie gläubig sind oder nicht – heute stehen wir gemeinsam am Ort der Erinnerung. Wir halten an, denken an Leid und Verlust und fragen: Was hilft uns, menschlich zu bleiben – heute und morgen? Der Volkstrauertag will genau das: erinnern, trauern, Verantwortung übernehmen.
Einstimmung
Einstimmung
Vor über 100 Jahren sagte der Politiker Paul Löbe in einer Zeit voller Feindseligkeit:
„Leiden zu lindern, Wunden zu heilen … bedeutet Abkehr vom Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe – und unsere Welt hat die Liebe not.“
Dieser einfache Satz bleibt aktuell. Er ist kein Kirchenwort – er ist Menschenwort.
Hinweis an die Versammelten
Wir sprechen hier auch Gebete. Wer das nicht mitsprechen möchte, ist herzlich eingeladen, die Stille mitzutragen.
Wir hören die Schalmeien:
Musik / Choral
Musik / Choral
(Instrumental nach Absprache)
Totengedenken (amtliche Fassung 2025)
Totengedenken (amtliche Fassung 2025)
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen,
die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren, etwa wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität, oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten, Polizisten und anderen Einsatzkräfte, die im Einsatz für unser Land ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind.
Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.
Lesung
Lesung
5 Und als einige von dem Tempel sagten, dass er mit schönen Steinen und Weihegaben geschmückt sei, sprach er: 6 Es wird die Zeit kommen, in der von dem allen, was ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde. 7 Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein, wenn das geschehen wird? 8 Er aber sprach: Seht zu, lasst euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s, und: Die Zeit ist herbeigekommen. – Lauft ihnen nicht nach! 9 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Unruhen, so entsetzt euch nicht. Denn das muss zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da. 10 Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere, 11 und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen. 12 Aber vor diesem allen werden sie Hand an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten den Synagogen und Gefängnissen und euch vor Könige und Statthalter führen um meines Namens willen. 13 Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis. 14 So nehmt nun zu Herzen, dass ihr euch nicht sorgt, wie ihr euch verteidigen sollt. 15 Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht widerstehen noch widersprechen können. 16 Ihr werdet aber verraten werden von Eltern und Geschwistern, Verwandten und Freunden; und sie werden einige von euch zu Tode bringen. 17 Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. 18 Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen. 19 Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.
Ansprache zum Volkstrauertag 2025
Ansprache zum Volkstrauertag 2025
Liebe Anwesende,
wir stehen heute 80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges gemeinsam hier vor dem Denkmal. Der Volkstrauertag ist ein stiller Tag. Er bittet uns, für einen Moment die Zeit anzuhalten: nachzudenken, zu fühlen, zu erinnern – und uns zu fragen, was wir aus der Erinnerung für heute lernen. Gerade hier im Wieratal, wo einst auch damals die Wiege der Deutschen Christen in Thüringen war.
Drei Worte können uns leiten: Erinnern. Trauern. Handeln.
Erstens: Erinnern.
Erinnern heißt aber nicht, in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Erinnern heißt, das Vergangene ernst zu nehmen, mit ihm zu leben, damit die Zukunft menschlicher wird. Wir erinnern uns heute der Menschen – nicht irgendwelchen Zahlen. Wir denken an Namen und Gesichter, an Lebensgeschichten, die durch Krieg, Gewalt, Terror, Verfolgung oder Flucht abgebrochen wurden. Auch hier im Wieratal.
Dann macht in diesem Jahr die offizielle Fassung des Totengedenkens ausdrücklich auf Gruppen aufmerksam, die lange zu wenig gesehen wurden – etwa Menschen, die wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer Behinderung oder ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität verfolgt wurden. Auch jene, die im Dienst für andere starben – Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten, und Einsatzkräfte – rücken in den Blick. Das ist mehr als eine sprachliche Ergänzung. Es ist ein wichtiger Schritt zu genauerer Gerechtigkeit: Wer erinnert wird, zählt. Wer nicht erinnert wird, droht ein zweites Mal zu verschwinden – in der Vergessenheit.
Erinnern schützt. Denn wo wir die Ursachen von Unrecht beim Namen nennen – Ideologien des Hasses, Menschenverachtung, Gleichgültigkeit – da werden wir wachsamer in der Gegenwart. Vielleicht ist das die wichtigste Aufgabe dieses Tages: Wachsamkeit einüben.
Zweitens: Trauern.
Trauer ist keine Schwäche. Trauer ist die ehrliche Antwort des Herzens auf Verlust. Sie macht still, sie weitet den Blick und sie verbindet über Weltanschauungen hinweg. Man kann auch ohne großen Glauben sagen: Am Umgang mit den Toten zeigt sich die Menschlichkeit einer Gesellschaft. Trauer fragt nicht zuerst: „Auf welcher Seite standst du?“ Trauer fragt: „Was ist dir widerfahren? Wer trauert um dich? Und was schulden wir einander, damit so etwas nicht wieder passiert?“
Viele spüren heute eine Müdigkeit: zu viele Nachrichten, zu viele Krisen, zu viel Lautstärke. Vielleicht denken manche: „Was ändern denn meine paar Tränen?“ Ich glaube und denke: Mitgefühl ist nie umsonst. Es schützt unser eigenes Herz vor dem Abstumpfen. Und es öffnet die Tür zu Solidarität – erst innerlich, dann ganz praktisch.
Drittens: Handeln.
In unruhigen Zeiten hat Jesus – im Lukasevangelium – einen einfachen Rat gegeben: „Seht zu, lasst euch nicht verführen... Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben gewinnen.“ Man muss kein Theologe sein, um das zu verstehen. Zwei Sätze, die tragen:
• „Seht zu, lasst euch nicht verführen...“ – Das ist ja gerade auch die Aufforderung der Jahreslosung in diesem Jahr “Prüft alles und behaltet das Gute.” Aus 1. Thess 5,21 Darum prüft, wem ihr Glauben schenkt. Nicht jede laute, einfache Parole meint das Gute. Fragt: Dient das dem Leben? Dient es der Würde von Menschen – auch derer, die anders sind als ich?
• „Seid standhaft“ – Das ist kein passives Warten. Es ist die Mischung aus innerer Ruhe und verlässlicher Bereitschaft zum Guten. Dranzubleiben, auch wenn’s schwer wird. Nicht nach dem ersten Gegenwind aufgeben.
Was heißt das konkret?
Vielleicht so:
• Im Kleinen widersprechen, wenn abwertend über Gruppen und über Menschen gesprochen wird. Sachlich, freundlich, aber klar.
• Zuhören, auch wenn Menschen anders denken (und auch bei den ganz Rechten und ganz Linken) – und gemeinsam nach Fakten fragen. Wahrheit ist kein Privatbesitz. In unserem Land regiert schon viel zu lange die Intoleranz der Toleranz.
• Helfen, wo Hilfe naheliegt: einen Besuch machen, ein Gespräch anbieten, eine Entschuldigung wagen, wenn wir selbst verletzend waren.
• Erinnerungsorte pflegen – wie diesen hier in Frohnsdorf. Sie sind keine Dekoration des Kalenders, sondern Lernorte für die Gegenwart. Sie geben von Generation zu Generation das Vergangene weiter.
Ich behaupte nicht, dass kleine Schritte alle großen Probleme lösen. Aber ich bin überzeugt: Kleines Gutes bleibt nicht klein. Es verändert die Atmosphäre, in der wir leben. Es stützt die, die Verantwortung tragen. Und schützt uns selbst vor Zynismus. Wer glaubt, nennt das Hoffnung. Wer anders spricht, kann es Anstand oder Humanität nennen. Der Inhalt ist derselbe: dem Leben dienen.
Darf ich Ihnen einen ganz schlichten Vorschlag machen? Nehmen wir uns für die kommende Woche eine Friedenshandlung vor – jede und jeder eine andere, ganz nach Möglichkeit: ein Anruf, ein Dank, eine Entschuldigung, ein erster Schritt auf jemanden zu, dem ich aus dem Weg gegangen bin. Keine Heldentat. Nur der nächste, mögliche Schritt.
Gleich legen wir den Kranz nieder und werden schweigen. Der Kranz ist ein Zeichen der Trauer – und zugleich ein Versprechen. Er sagt: Wir wollen der Erinnerung treu bleiben. Wir wollen wach sein gegenüber Unrecht. Wir wollen unseren Teil zum Frieden beitragen – im Großen, wo wir Verantwortung tragen, und im Kleinen, wo wir leben.
Ich lade Sie ein, dieses Versprechen innerlich mitzusprechen – jede und jeder in eigenen Worten: als Gebet, als stillen Wunsch, als Entscheidung.
Und wenn Sie mögen, fügen Sie im Herzen einen Namen hinzu – einen Menschen, an den Sie heute besonders denken.
Möge die Erinnerung uns wachhalten.
Möge die Trauer uns menschlich machen.
Möge der Wille zum Frieden unsere Schritte leiten.
Amen.
Fürbitten / Wunschworte
Leitwort: „Wir beten – wer mag, schließt sich innerlich an; andere halten die Stille.“
Für die Leidtragenden: Gott, nimm die Trauernden in den Blick. Schenke Trost, Menschen an der Seite und Wege durch die Nacht. – Stille –
Für die Wahrheitsliebenden: Stärke alle, die Hass widersprechen, die Fakten klären, die Brücken bauen – in Politik, Medien, Nachbarschaft. – Stille –
Für den Frieden: Lehre uns unterscheiden, was Leben fördert, und gib uns langen Atem. – Stille –
Wir beten das Vaterunser – wer möchte, spricht mit; alle anderen bleiben in der Stille.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Kranzniederlegung & Schweigeminute
Kranzniederlegung & Schweigeminute
„Im stillen Gedenken legen wir den Kranz nieder. Er steht für unsere Trauer – und für unsere Verpflichtung zur Versöhnung und zum Frieden.“
Musik
Musik
Dank
Dank
Dank an alle Mitwirkenden, Vereine, Schule, Musik, Feuerwehr/Bundeswehr/Polizei.
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Schluss Christlicher Segen:
Schluss Christlicher Segen:
Der Gott des Friedens stärke euch in Wahrheit und Liebe,
er richte euch aus auf das Gute.
So segne euch der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
