Die großen 5: Spannungen in Gemeinde
Die großen 5 • Sermon • Submitted • Presented
0 ratings
· 8 viewsDie Spannungen in Gemeinde haben zum Großteil nichts mit verschiedenen Werten oder Überzeugungen zu tun, sondern eher mit einem Selbstverständnis, dass dem Andersglaubenden die Ernsthaftigkeit abspricht und das einende gemeinsame Ziel aus den Augen verliert.
Notes
Transcript
Liberal vs. Konservativ - Welche Spannungen gibt es in der Gemeinde? Wieso spielen Werte und Überzeugungen dabei eher eine untergeordnete Rolle?
Liberal vs. Konservativ - Welche Spannungen gibt es in der Gemeinde? Wieso spielen Werte und Überzeugungen dabei eher eine untergeordnete Rolle?
Wir haben uns in den letzten knapp 3 Monaten mit verschiedenen Spannungen zwischen Glaube und Gesellschaft beschäftigt. Die leitende Frage war: Wo scheinen die Gesellschaft und der Glaube in Spannung zu stehen und wie kann man diese Spannung lösen bzw. Antworten auf die Spannungen finden? Es ging weniger darum zu sagen, wogegen wir sind und mehr darum zu werben für das, was uns wichtig ist. Über eine Spannung haben wir jedoch noch gar nicht gesprochen und das ist die Spannung, die mich persönlich am meisten verletzt, herausfordert und betrifft: Die Spannungen innerhalb von Gemeinde. Diese Spannungen nehmen meiner Wahrnehmung immer mehr zu. Es gibt immer mehr Positionen und Herausforderungen innerhalb von Gemeinde, die sich entgegenstehen, die gegeneinander kämpfen und die Wahrheit für sich beanspruchen. Es wird Menschen der Glaube abgesprochen. Es werden Menschen beleidigt. Es werden Menschen ausgeschlossen. Es wird Menschen der Intellekt abgesprochen, weil sie Teil eines anderen Lagers sind. Weil sie auf einer anderen Seite stehen. Weil sie nicht der gleichen Lehre, den gleichen Überzeugungen folgen, wie man selbst. Ich finde das schrecklich. Mich macht das extrem traurig, weil es immer mehr gegeneinander zwischen den Gemeinden gibt und immer weniger miteinander. Weil es nicht nur Einfluss auf die Gemeinde hat, sondern auch auf Freundschaften, auf Familien und Ehen. Aber was ist diese Spannung, von der ich heute reden möchte? Es ist die Spannung zwischen konservativ und liberal. Es ist die Spannung zwischen evangelikal und progressiv. Es ist der Spiegel der Gesellschaft in der Gemeinde, in der sich Rechts und Links gegenüberstehen. Lasst es mich an einem Beispiel deutlich machen, was das bedeutet. Es gibt verschiedene Verständnisse davon, wie unterschiedliche sexuelle Orientierungen zu verstehen sind. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die alles ablehnen, was außerhalb des traditionellen heteronormativen Weltbildes liegt. Also Sexualität sollte es nur zwischen Mann und Frau geben und die Bibel bezeugt das sehr klar. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die sagen, dass das biblische Zeugnis für damalige Verhältnisse klar war, weil beispielsweise die homosexuellen Beziehungen der damaligen Zeit von Betrug, Erniedrigung und Missbrauch geprägt waren, was die heutigen Beziehungen auf Augenhöhe und einem ähnlichen Wertesystem wie in einer heterosexuellen Beziehung nicht mehr betrifft. Es können Werte für Beziehungen aus diesen Aussagen abgeleitet werden, allerdings keine ewige Ordnung. Ich möchte jetzt weder für die eine noch für die andere Seite Partei ergreifen und ich werde es auch nach dem Gottesdienst nicht tun, wenn ihr mich darauf ansprecht, weil es mir nicht darum geht. Es geht mir darum deutlich zu machen: Innerhalb von Gemeinde gibt es diese Spannung und sie prägt sich immer weiter aus. Es gibt immer mehr Spaltung zwischen den Lagern. Immer mehr Menschen, die zur Spaltung beitragen, indem sie sich nur für das eine oder andere stark machen. Indem sie deutlich machen, dass es kein Zusammenfinden geben kann, wenn man an dieser oder jener Stelle unterschiedlich denkt. Die Gemeinden werden immer mehr zu einer Gemeinschaft derer, die nur eine Seite des Spektrums abdecken und wo es kein zusammenkommen der Unterschiedlichkeiten mehr gibt. Am Anfang war Gemeinde der Ort, an dem Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten und unterschiedlichsten Denkweisen zusammenkamen. Es waren Sklaven und Herren. Es waren Männer und Frauen. Es waren Juden und Heiden. Es waren Gebildete und Ungebildete. Es waren Arme und Reiche. Wir sind zum Großteil gebildete Mittelständler. Wenn wir jetzt noch immer alle einer Meinung sind, dann hat das wenig mit der Vielfalt zu tun, die in der ersten Gemeinde war. Die Spaltung zwischen Rechts und Links, zwischen konservativ und liberal ist nicht nur in Gemeinde, sondern auch deutlich in der Gesellschaft. Die Gemeinde ist hier ein Spiegel der Gesellschaft. Welchen Einfluss gesellschaftliches Denken auf die Gemeinde haben kann, welche Risiken mit solch einem trennenden Denken einhergehen und wie eine Lösung aussehen kann, lesen wir im 1.Korintherbrief:
Brüder und Schwestern ,
im Namen unseres Herrn Jesus Christus bitte ich euch:
Seid einig und lasst nicht zu,
dass sich verschiedene Lager unter euch bilden!
Haltet vielmehr zusammen
in gleicher Überzeugung und gleicher Meinung.
Meine Brüder und Schwestern,
ich habe von Chloes Leuten erfahren,
dass es unter euch Streit gibt.
Ich meine damit, dass jeder von euch etwas anderes sagt:
»Ich gehöre zu Paulus.« »Ich gehöre zu Apollos.«
»Ich gehöre zu Kephas.« »Ich gehöre zu Christus.«
Christus lässt sich doch nicht zerteilen!
Bin etwa ich, Paulus, für euch gekreuzigt worden?
Oder wurdet ihr im Namen von Paulus getauft?
Das Selbstverständnis - Welche Rolle spielt dabei das Selbstverständnis?
Das Selbstverständnis - Welche Rolle spielt dabei das Selbstverständnis?
In der damaligen Zeit hat man sich zu bestimmten Lehrern oder Lehren gestellt und gesagt: Dem gehöre ich an. Das war kein Phänomen der Gemeinden, sondern es war gesellschaftlich normal. Ich gehöre zu Paulus. Ich vertrete seine Lehren. Ich glaube, dass er der Beste Lehrer ist und danaben gibt es keinen Platz. Es war eine gesellschaftliche Strömung, die Einfluss in der Gemeinde in Korinth gewann. Die Leute in der Gemeinde stellten sich zu bestimmten Lehrern oder Lehrmeinungen und standen sich damit gegenüber. Der eine war Paulaner. Die andere war Appolanerin. Wieder ein anderer war ein Kephaner. Und dann gab es noch diejenigen, die den wahren Jesus für sich allein beanspruchten. Bei uns ist das etwas anders, weil wir meistens gar nicht wissen, woher unsere theologischen Überzeugungen kommen. Wir formulieren das eher mit: Bist du konservativ oder liberal? Ist für dich alles egal oder nimmst du alles wortwörtlich? Bist du Rechts oder Links? Diese gesellschaftliche Strömung in die Gemeinde hinein zu holen, ist sehr gefährlich. Diese Pole in der Gemeinde aufzumachen und Menschen in solche Schubladen zu stecken, ist problematisch. Es wird zu Lagern führen. Es wird dazu führen, dass wir in ein Selbstverständnis kommen, was keine Gemeinschaft bildet, sondern zerteilt. Das Problem dabei sind allerdings nicht die unterschiedlichen Überzeugungen. Paulus sagt nicht: Es gibt keine andere Lehre außer meine. Alle anderen haben Unrecht. Wenn Paulus von der gleichen Meinung oder Überzeugung spricht, dann redet er davon, dass wir nicht in Fraktionen oder Parteien denken sollen. Es ist nicht: Die gegen uns. Das Problem sind nicht unterschiedliche Meinungen in Hinblick auf Theologie, sondern das Problem ist, dass Menschen sich überhöhen. Das der eine über den anderen gestellt wird. Das es nicht mehr Brüder und Schwestern im Glauben sind, sondern Gläubige und Ungläubige. Sie glauben vielleicht alle an Jesus, aber der eine hat den wahren Glauben und der andere nicht. Ich erlebe das so viel auf Social Media, dass die einen sich über die anderen erhöhen. Wie Menschen einander den Glauben absprechen oder bloßstellen. Egal ob konservativ oder liberal. Alle denken, sie haben recht. Alle denken, sie haben die Wahrheit. Jedes Wort wird so auf die Goldwaage von Links oder Rechts gelegt, dass man sich gar nicht mehr traut etwas zu sagen. Es gibt Momente, wenn ich Predigten vorbereite, in denen ich mich frage: Darf oder soll ich dazu jetzt Stellung beziehen? Was wird dann über mich gesagt werden? Wirkt das zu Rechts oder zu Links? Wir müssen von unserem Hohen Ross runterkommen. Wir müssen uns davon frei machen zu glauben, dass wir es sind, die richtig liegen und alles verstanden haben. Die Christenheit braucht eins: Demut! Das ist die Antwort auf unsere Eitelkeit und Rechthaberei, wie Paulus es den Philipern schreibt:
Macht also meine Freude vollkommen
und seid euch einig.
Seid miteinander verbunden durch dieselbe Liebe,
und strebt einmütig dasselbe Ziel an.
Nicht Eigennutz oder Eitelkeit
soll euer Handeln bestimmen.
Vielmehr achtet in Demut den anderen
höher als euch selbst.
Hochmut - Wie wird dem Andersglaubenden seine Ernsthaftigkeit abgesprochen?
Hochmut - Wie wird dem Andersglaubenden seine Ernsthaftigkeit abgesprochen?
Bevor wir also jemand anderem seine Ernsthaftigkeit im Glauben absprechen, sollten wir demütig sein. Bevor wir Menschen sagen, dass sie gar nicht richtig glauben, sollten wir uns erst einmal selbst prüfen. Bevor wir Menschen unterstellen, dass sie gar nicht wirklich wiedergeboren sind, sollten wir sie erst einmal anhören und versuchen von ihnen zu lernen. Bevor wir anfangen Christus zu zerteilen, sollten wir um Einheit bemüht sein. Das erste was Paulus an diesem Punkt an die Korinther schreibt ist: Brüder und Schwestern. Ihr mögt aus verschiedenen Welten kommen. Ihr habt unterschiedliche Lebenserfahrungen. Ihr seid unterschiedlich geprägt. Ihr seid unterschiedlicher Meinung. Ihr seid Brüder und Schwestern. Wenn du an Jesus glaubst, dann bist du Bruder oder Schwester von jedem anderen, der an Jesus Christus glaubt. Das ist die einzige Voraussetzung. Und vielleicht willst du das nicht hören. Vielleicht sagst du: Der oder die gehört nicht zu mir! So darf man nicht glauben. Ich habe eine ernüchternde Nachricht für dich: Familie kann man sich nicht aussuchen, denn die Familie, in der wir sind, besteht einzig und allein auf einer Grundlage: Der Liebe Jesu. Es ist die Liebe Jesu, die aus den Christen eine Familie macht. Es ist die Liebe Jesu, die uns Christen und unseren Umgang untereinander prägen soll. Es ist ein Geschenk, dass wir bekommen haben und jeden von uns an einer anderen Stelle getroffen hat und prägt. Wir sollen nicht bestimmte Brüder oder Schwestern verstoßen, weil sie anderer Meinung sind, sondern wir sollen einander ertragen und vergeben:
Gott hat euch als seine Heiligen erwählt,
denen er seine Liebe schenkt.
Darum legt nun das neue Gewand an.
Es besteht aus herzlichem Erbarmen,
Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld.
Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorwirft.
Wie der Herr euch vergeben hat,
so sollt auch ihr vergeben!
Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe.
Sie ist das Band,
das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt.
Und der Friede, den Christus schenkt,
lenke eure Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Und dafür sollt ihr dankbar sein!
Amen? Davon soll die Gemeinde geprägt sein: Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit, Geduld. Sprecht es mir einmal nach: Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit, Geduld. Nicht Übermut, Hass, Rechthaberei, Unfrieden oder Spaltung. Bei uns soll es anders sein als in der Gesellschaft. Bei uns soll nicht die Meinung eines Einzelnen darüber bestimmen, wie wir mit ihm umgehen oder ihn sehen, sondern die Liebe Jesu. Es ist wie Paulus schreibt: Christus lässt sich nicht zerteilen! Amen? Das wünsche ich mir für unsere Gemeinde. Das wünsche ich mir immer mehr für die Christenheit, dass wir miteinander eintreten für die Liebe Jesu. Das wir über unsere Differenzen hinausschauen und erkennen: Es gibt nur eine Wahrheit.
Das gemeinsame Ziel - Was ist das Ziel, dass einen kann?
Das gemeinsame Ziel - Was ist das Ziel, dass einen kann?
Ja, es gibt nur eine Wahrheit und das ist eine gute Nachricht! Diese Wahrheit, hat nichts mit Überzeugungen zu tun. Diese Wahrheit hat nichts damit zu tun, dass wir den Glauben richtig verstehen. Diese Wahrheit hat nämlich einen Namen: Jesus Christus! Jesus sagt über sich selbst:
»Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich.
Jesus ist der Weg. Er ist es, der uns zeigt, wo lang wir gehen sollen. Jesus ist die Wahrheit. Er ist ein Zeugnis davon, dass Gott es gut mit uns meint. Jesus ist das Leben. Er bringt die Erfüllung, nach der wir uns sehnen. Niemand und Nichts steht neben Jesus. Er führt uns zum Vater. Wenn wir diese Wahrheit akzeptieren, wenn wir Jesus als Wahrheit verstehen, dann wird in unseren Gemeinden, in unserem Leben das passieren, was Römer 14,19 beschreibt:
Wir wollen uns für das einsetzen, was dem Frieden
und dem Aufbau unserer Gemeinschaft dient.
Wenn Jesus die Wahrheit ist und wir Jesus nicht allein für uns beanspruchen können, sondern genauso die Gegenseite Jesus für sich beansprucht, dann können wir nur miteinander nach dem Frieden streben. Dann wird es uns nicht mehr darum gehen, zu sehen, was uns unterscheidet, sondern nach dem zu suchen, was uns eint. Es wird weniger um uns gehen und mehr um Jesus. Es wird um seinen Weg gehen. Seine Wahrheit. Sein Leben. Eine Sache, die ich in konservativen oder liberalen Kreisen wahrnehme, ist die leidenschaftliche Suche nach Jesus. Es ist die leidenschaftliche Suche nach der Wahrheit. Es ist eine Leidenschaft für den Glauben. Es ist eine Liebe zu Jesus. Diese Liebe kann zu unterschiedlichen Erkenntnissen führen, aber sie wird uns nicht trennen. Was trennt, ist der Mensch. Lasst uns gemeinsam nach der Wahrheit suchen. Lasst uns gemeinsam aus der Liebe Jesu leben. Lasst uns voneinander lernen. Lasst uns in Frieden leben und Gemeinschaft aufbauen. Amen?
Abendmahl: Durch die Reihen geben und dem Nachbarn zusprechen: Christi Blut für dich vergossen. Christi Leib für dich gegeben.
