Verloren und gefunden
Die Umkehr-Revolution: Weihnachten für Übersehene • Sermon • Submitted • Presented
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Nicht aufzufinden
Nicht aufzufinden
Guten Morgen zusammen! Schön, dass ihr da seid.
Ich weiß ja nicht, wie bei euch so der aktuelle Stresspegel aussieht. Wahrscheinlich alles super entspannt, Geschenke liegen schon fertig verpackt im Schrank, oder? ... Ja, genau. Wer’s glaubt.
In Wahrheit ist das ja oft die Zeit, wo das pure Chaos regiert. Und vor allem ist es die Zeit, wo man Dinge sucht. Den passenden Parkplatz, das letzte Geschenk... oder die Nerven, die man irgendwo zwischen Glühweinstand und Kasse verloren hat.
Als ich mich auf heute vorbereitet habe, musste ich sofort an eine Geschichte aus meiner Kindheit denken.
Ich habe ja einen jüngeren Bruder. Und als wir noch klein waren, da war er eines Tages einfach weg.
Wir haben ihn gesucht.
Im Kinderzimmer. Nix.
Wohnzimmer. Nix.
Küche, Bad, unter den Betten. Nichts.
Langsam kommt die Panik. Wo ist nur dieser Kerl?
Wir suchen also noch intensiver. In den Schränken. Hinter der Couch.
Aber langsam wurde meinen Eltern echt mulmig.
Wir haben wirklich die komplette Wohnung umgegraben. Ihr müsst euch das vorstellen: Meine Eltern rennen durch die Zimmer, rufen seinen Namen, schauen sogar in die Waschmaschine – kein Witz! – und kriegen so langsam richtig Panik.
Mein Vater war, glaub ich, kurz davor, die Polizei zu rufen. Weil... er war einfach unauffindbar. Wie vom Erdboden verschluckt.
Und dann... irgendwann – ich weiß gar nicht mehr, wer es war, aber da saß er in einer Ecke und lachte sich ins Fäustchen.
Wir hatten da so eine Zimmerecke im Wohnzimmer. Und da waren zwei Türen. Eine ging so auf... und die andere so. Und wenn beide Türen offen standen, dann bildete sich dahinter so ein toter Winkel. So eine kleine Höhle, die man einfach nicht sieht, wenn man nicht exakt dahinter guckt. Man läuft dran vorbei und checkt es nicht.
Jedenfalls zieht einer die Tür weg... und da sitzt er.
Ganz entspannt. Grinst uns an.
Er hatte die beste Zeit seines Lebens, während wir fast einen Herzinfarkt bekommen haben.
(Kurze Pause)
Warum erzähle ich euch das heute?
Mein Bruder war die ganze Zeit da. Er war mitten in der Wohnung. Aber er war in einem Bereich, den wir übersehen haben. Er war quasi unsichtbar für uns, weil wir nicht damit gerechnet haben, ihn dort zu finden.
Und genau das ist der Startpunkt für unsere neue Predigtserie.
Wir starten heute eine vierteilige Reise, und die Serie heißt: „Die Umkehr-Revolution – Weihnachten für Übersehene“.
Weihnachten ist nämlich eigentlich eine ziemlich revolutionäre Geschichte. Wir denken ja oft: Religion heißt, wir müssen Gott suchen. Wir müssen ihn finden, wir müssen performen.
Aber die Weihnachtsgeschichte dreht den Spieß um. Es ist eine Umkehr. Gott wartet nicht, bis wir ihn finden. Er macht sich auf den Weg. Er kommt in unser Chaos. Und er sucht besonders die, die übersehen werden:
Die, die keiner auf dem Zettel hat.
Die, die sich vielleicht sogar selbst verloren fühlen.
Wie diese Revolution genau aussieht und was das mit uns zu tun hat, da tauchen wir heute mal ein.
Der suchende Gott & Zachäus
Der suchende Gott & Zachäus
Diese Panik, die meine Eltern damals hatten... dieses ‚Ich muss ihn finden, egal was es kostet‘... das ist genau der Herzschlag von Gott.
Viele Menschen heute denken ja oft, Gott ist so eine distanzierte Macht, die darauf wartet, dass wir alles richtig machen. Aber Jesus zeichnet ein ganz anderes Bild.
In Lukas 15 erzählt er ein Gleichnis, um genau das zu erklären. Er fragt die Leute um sich herum:
‚Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und eins von ihnen verliert, der nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und dem verlorenen nachgeht, bis er es findet?‘ (Lukas 15,4)
Achtet mal auf das Wort: ‚Bis‘.
Nicht ‚solange er Lust hat‘. Nicht ‚während es noch hell ist ‘. Sondern: Bis er es findet.
Gott ist der Hirte, der die sichere Mehrheit verlässt, um das eine Übersehene zu finden.
Und Jesus belässt es nicht bei Geschichten. Er lebt das.
Ein paar Kapitel weiter, in Lukas 19, wird das dann ganz real. Da trifft Jesus auf Zachäus.
Ihr kennt die Story vielleicht aus der Kinderbibel, aber lasst uns mal kurz tiefer reinschauen.
Zachäus war Oberzöllner. Er war reich, aber er war sozial komplett isoliert. Er hat mit den Römern paktiert und er hat Leute abgezockt. Für die frommen Leute damals war er nicht nur ‚verloren‘, er war der Feind.
Zachäus will Jesus sehen, aber er ist zu klein – und wahrscheinlich wollte er auch nicht gesehen werden. Also klettert er auf einen Maulbeerfeigenbaum. Er versteckt sich quasi hinter den Blättern, genau wie mein Bruder hinter der Tür. Er beobachtet aus dem sicheren Abstand.
Und dann passiert das Unfassbare. In Vers 5 heißt es:
‚Als Jesus an die Stelle kam, sah er hoch...‘
Jesus läuft nicht vorbei. Er bleibt genau unter dem Versteck stehen. Er schaut in den toten Winkel. Und dann sagt er:
‚...Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben.‘ (Lukas 19,5)
Das ist die Umkehr-Revolution.
Zachäus hat nicht gebetet. Er hat nicht Buße getan. Er hat noch nicht mal ‚Hallo‘ gesagt.
Aber Jesus lädt sich selbst ein. Er durchbricht die soziale Barriere. Er geht zu dem, den alle anderen übersehen oder verachten wollen.
Die Leute damals fanden das übrigens furchtbar, was Jesus tat. Die haben sich sofort aufgeregt: ‚Wie kann er nur bei so einem Sünder einkehren?‘
Aber Jesus beendet diese Begegnung mit einem Satz, der eigentlich über der ganzen Bibel stehen könnte – und auch über unserer Predigtserie. Das ist quasi Gottes Mission-Statement. Er sagt in Vers 10:
‚Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.‘ (Lukas 19,10)
Merkte ihr was? Hier steht nicht: ‚Der Menschensohn ist gekommen, um zu warten, dass die Verlorenen ihn finden.‘
Nein. Er sucht.
Weihnachten bedeutet: Gott startet eine Suchaktion.Er kommt in unsere Welt, in unsere Städte, in unsere ‚toten Winkel‘, um die zu finden, die übersehen wurden.
Wer ist eigentlich verloren?
Wer ist eigentlich verloren?
(Ruhigerer Tonfall, etwas nachdenklicher)
Okay, wir haben gehört: Jesus ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Aber hier ist das Problem mit diesem Wort ‚verloren‘. Das ist so ein typisches Kirchen-Wort.
Wenn ich euch heute auf der Straße treffe und frage: ‚Na, fühlst du dich verloren?‘, dann würdet ihr mich wahrscheinlich schräg anschauen. Wir fühlen uns nicht verloren.
Wir fühlen uns gestresst. Müde. Vielleicht ein bisschen orientierungslos. Aber verloren? Wir wissen doch, wo wir wohnen. Wir haben Google Maps. Wir wissen, wo wir stehen.
Aber kann es sein, dass wir uns da täuschen?
Es gab da 2012 eine wahre Geschichte aus Island, die ging durch die Nachrichten. Vielleicht habt ihr davon gehört.
Da war eine Reisegruppe mit einem Bus unterwegs in der Nähe einer Vulkanlandschaft. Nach einer Wandertour ging eine Frau schnell in den Bus, um sich schnell ein bisschen frisch zu machen und sich umzuziehen.
Kurz darauf fiel dem Reiseleiter auf: Eine Frau fehlt.
Panik bricht aus. Der Reiseleiter ruft die Gruppe zusammen: ‚Wir vermissen eine Frau, ca. 1,60 groß, dunkle Jacke. Wir müssen sie finden, es wird bald dunkel!‘
Und alle machen mit. Auch die Frau, die sich umgezogen hatte. Sie denkt sich: ‚Mensch, die Arme, hoffentlich finden wir die in dieser Einöde.‘
Sie schließen sich einem Suchtrupp an. Sie laufen bis tief in die Nacht durch die vulkanische Landschaft, rufen, suchen. Sogar die Küstenwache wird alarmiert und ist mit einem Hubschrauber unterwegs.
Erst um 3 Uhr morgens fällt jemandem auf: Die Beschreibung der Vermissten passt exakt auf die Frau, die im Suchtrupp in der ersten Reihe mitläuft.
Sie hat sich selbst gesucht.
Sie war Teil des Suchtrupps, aber sie war gleichzeitig die Vermisste. Sie wusste einfach nicht, dass sie gemeint war.
(Pause, wirken lassen)
Warum erzähle ich das?
Weil das ein geniales Bild für das ist, was in der Gemeinde oft passiert.
Wir sitzen hier. Wir singen. Wir hören zu. Wir denken: ‚Ja klar, Jesus sucht die Verlorenen. Die da draußen. Die, die ihr Leben nicht im Griff haben. Die Zachäusse auf den Bäumen.‘
Wir fühlen uns wie der Suchtrupp.
Aber Jesus bringt heute eine Umkehr-Revolution in unser Denken.
In der Religion – und auch in unseren Köpfen – denken wir oft in Kreisen.
Es gibt einen Kreis.
Drinnen sind die Guten, die Frommen, die Geretteten.
Draußen sind die Bösen, die Verlorenen, die ‚Übersehenen‘.
Und das Ziel ist: Komm von draußen in den Kreis rein. Benimm dich, glaub das Richtige, dann bist du ‚drinnen‘.
Aber Jesus schaut nicht auf Kreise. Jesus schaut auf die Richtung. Er schaut auf Pfeile.
Bei Zachäus war das so:
Zachäus war definitiv ‚draußen‘. Er war weit weg vom frommen Kreis.
Aber in dem Moment, wo Jesus ihn anspricht, ändert sich seine Richtung. Er bewegt sich auf Jesus zu.
Und die frommen Leute damals? Die Pharisäer?
Die saßen mitten im Kreis. Die waren theologisch korrekt. Aber ihre Herzen waren hart. Sie haben sich von Jesus wegbewegt. Sie haben ihn kritisiert, sie hatten keine Liebe für den Verlorenen.
Was bedeutet also ‚verloren sein‘?
Verloren sein heißt nicht, dass du ein schlechter Mensch bist oder nicht in die Kirche gehst.
Verloren sein ist eine Richtung.
Es bedeutet, dass du dich von dem Gott wegbewegst, der dich gemacht hat. Dass du dich von seiner Liebe und seinen Plänen entfernst – selbst wenn du dabei in der ersten Reihe im Gottesdienst sitzt, so ähnlich wie die Frau im Suchtrupp.
Zachäus hat an diesem Tag seine Richtung geändert. Das war die Revolution.
Er war nicht mit einem Fingerschnipp perfekt. Aber er bewegte sich hin zu Jesus. Sein Bewegungspfeil zeigte auf Christus.
Der rennende Vater & Operation Christmas
Der rennende Vater & Operation Christmas
(Stimmungswechsel: Emotional, eindringlich)
Wisst ihr, am Ende läuft alles auf ein einziges Bild hinaus.
Jesus erzählt ja in Lukas 15 noch eine dritte Geschichte. Die vom verlorenen Sohn.
Der Sohn hat alles verprasst, kommt nach Hause, stinkt nach Schweinestall, hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Er übt schon seine Entschuldigungsrede.
Aber dann passiert das, was ich die absolute Umkehr-Revolution nenne.
Der Vater sieht ihn von weitem. Und in der damaligen Kultur war ein alter, würdiger Mann eine Respektsperson. Der rannte nicht. Rennen war unwürdig. Rennen war peinlich.
Aber dieser Vater pfeift auf seine Würde. Er hebt sein Gewand und rennt. Er rennt dem Sohn entgegen, bevor der auch nur einen Satz sagen kann.
Warum? Weil er nicht warten kann. Weil seine Liebe schneller ist als die Scham des Sohnes.
Vielleicht sitzt du heute hier und denkst: ‚Okay, nettes Bild. Aber ich bin zu weit weg. Ich hab mich zu tief in meinem eigenen Dschungel verlaufen. Mich findet keiner mehr.‘
Dazu möchte ich euch zum Schluss eine wahre Begebenheit erzählen, die mich total berührt hat.
Wir gehen kurz nach Kolumbien.
Dort herrschte jahrzehntelang ein blutiger Bürgerkrieg mit den FARC-Rebellen. Die Guerillas saßen tief im Dschungel, unerreichbar für das Militär. Gewalt hat nichts gebracht.
Da hatte ein Werbeexperte – Jose Miguel Sokoloff – eine verrückte Idee. Er sagte: ‚Wir müssen nicht mit Waffen kämpfen, sondern mit Weihnachten.‘
Sie starteten die ‚Operation Christmas‘.
Elite-Soldaten schlichen sich nachts tief in das Rebellen-Gebiet. Aber nicht, um zu schießen. Sie hatten Lichterketten dabei. Sie suchten sich riesige Bäume mitten im Dschungel, mitten im Feindesland, und schmückten sie. Und sie stellten Bewegungsmelder auf.
Wenn nun nachts die Rebellen an diesen Bäumen vorbeikamen, gingen plötzlich die Lichter an. Mitten in der Dunkelheit leuchtete ein Weihnachtsbaum. Und daneben hing ein Schild. Darauf stand:
‚Wenn Weihnachten in den Dschungel kommen kann, dann kannst du auch nach Hause kommen. Demobilisiere dich. Zu Hause wartet alles auf dich.‘
Und wisst ihr was? Es hat funktioniert. Hunderte von knallharten Rebellen haben ihre Waffen niedergelegt, sind aus dem Dschungel gekommen und haben angefangen zu weinen, nur weil sie dieses Licht gesehen haben. Sie sind nach Hause gegangen.
(Pause. Blick ins Publikum)
Freunde, genau das ist Weihnachten.
Weihnachten ist Gottes ‚Operation Christmas‘.
Wir haben uns vielleicht im Dschungel verlaufen. Wir haben uns verrannt in Sorgen, in Schuld, in Egoismus, in Stress. Wir sitzen in unseren toten Winkeln.
Aber Gott sagt nicht: ‚Komm erst raus, dann reden wir.‘
Er pflanzt sein Licht mitten in deinen Dschungel. Er kommt als Baby in diese dunkle Welt, genau da hin, wo es wehtut.
Immanuel. Das ist der Name, der die ganze Weihnachtsgeschichte zusammenfasst. Immanuel bedeutet: Gott ist mitten unter uns. Er ist genau da, wo du stehst.
Und seine Botschaft an dich heute Morgen ist exakt dieselbe:
Wenn Gott in diese Welt kommen kann, dann kannst du nach Hause kommen.
Es ist egal, wie weit du weg bist. Es ist egal, wie lange du in die falsche Richtung gelaufen bist.
Heute kann der Tag der Umkehr sein.
Du musst nur die Richtung ändern. Dreh dich um. Der Vater rennt dir schon entgegen.
Und für alle von uns, die sagen: ‚Ich bin schon zu Hause‘ – für uns ist das der Auftrag.
Lasst uns in dieser Advents- und Weihnachtszeit die Lichter im Dschungel für andere sein. Lasst uns die Übersehenen suchen. Lasst uns die sein, die sagen: ‚Komm heim.‘
Das ist erst der Start unserer Reise. In den nächsten drei Wochen schauen wir uns an, was diese Revolution ganz praktisch für unser Leben bedeutet. Aber heute fängt es mit diesem einen Schritt an:
Lass dich finden.
Amen.
—-
Überleitung zum Lied IMMANUEL (Ein Stern scheint)
Wir haben heute über den rennenden Vater gesprochen, der uns im Dschungel sucht.
Und wir haben gehört, wie dieses Licht mitten in unsere Dunkelheit leuchtet.
Genau dafür steht der Name, den wir gerade gehört haben: Immanuel.
Gott mit uns.
Wir wollen jetzt in die Anbetung übergehen mit einem Lied, das wir in dieser Gemeinde noch nicht so oft gesungen haben.
Es trägt diesen Namen – Immanuel.
Ich lade euch ein: Steht gerne auf.
Versucht, vor allem im Refrain mitzusingen, da er sehr eingängig ist.
Wenn euch das Lied noch fremd ist, dann lasst die Worte einfach auf euch wirken.
Meditiert über diese Wahrheit: Gott ist hier. Immanuel.
—-
Segenswort zum Abschluss
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Gott, dessen ewiges Licht in die Dunkelheit unserer Welt kam, möge eure Herzen erleuchten und euch neue Klarheit schenken.
Er, die unerschöpfliche Quelle aller Liebe und Gnade, der uns sucht und annimmt, möge euch die tiefe Gewissheit schenken:
Ihr seid wertvoll. Ihr seid geliebt. Ihr seid in seiner Gegenwart geborgen.
Der Herr stärke euch an Seele und Leib, damit ihr den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens mutig gehen könnt und eure Schritte in seine gute Richtung lenkt.
Und der Name Immanuel, Gott mit uns, begleite euch in allen Herausforderungen und in jedem Moment der Freude. Er erinnere euch daran: In ihm habt ihr alles, was ihr braucht.
Geht im Frieden,
Gott ist mit euch.
Amen.
