KLA Das Leben Christi
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Frage 1
Frage 1
Beschreibe die Sadduzäer, Essener, Pharisäer, Zeloten, Herodianer und alten Chassidim und ihr jeweiliges Verständnis des Messias, falls vorhanden.
Die Sadduzäer
Die Sadduzäer
Die Sadduzäer waren eine einflussreiche jüdische Gruppierung der Jerusalemer Oberschicht, bestehend aus aristokratischen, reichen Priestern, die im Jerusalemer Synedrion Macht ausübten. Ihr Name leitet sich vermutlich von Zadok, einem Hohepriester aus der Zeit Davids, ab[1]. Theologisch zeichneten sie sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus: Sie akzeptierten nur die fünf Bücher Mose, lehnten mündliche Überlieferungen ab und betonten den freien Willen des Menschen. Zudem glaubten sie nicht an die Auferstehung der Toten, ewiges Leben, Engel oder Dämonen [3].
Ihre messianische Erwartung war sehr begrenzt: Sie sahen das messianische Reich eher als eine zukünftige Periode des Glücks für Israel unter einem von Gott gesandten König[4].
[1] Michael Ernst, „Religiöse Gruppierungen im Judentum“, in Herders neuer Bibelatlas, hg. von Wolfgang Zwickel, Renate Egger-Wenzel, und Michael Ernst (Freiburg; Basel; Wien: Herder, 2013), 274.
[3] Douglas Mangum, Lexham-Glossar Theologie, übers. von Dorothea Weiland (Lexham Press, 2023).
[4] A. Schlatter, „Saddueäer“, in Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriert, hg. von Paul Zeller (Calw; Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlung, 1912), 628–629.
Die Essener
Die Essener
Die Essener waren eine bedeutende jüdische Gemeinschaft zur Zeit Jesu mit sehr spezifischen religiösen und sozialen Praktiken. Sie waren eine wichtige Gruppe, die zwar im Neuen Testament nicht erwähnt wird, aber von Josephus beschrieben wurde. Sie lebten in geschlossenen Gemeinschaften, streng nach den Regeln der Torah [1].
Charakteristisch für sie war ein rigoroser Legalismus und eine dualistische Weltanschauung. Besonders interessant war ihre eschatologische Erwartung: Sie hofften auf zwei Messiasgestalten - einen priesterlichen und einen politischen - deren Rangordnung die hierarchische Struktur ihrer Gemeinschaft widerspiegelte[1].
Die Essener lehnten den Tempeldienst in Jerusalem ab und wollten das “wahre Israel” darstellen. Sie waren etwa 4000 Mitglieder, die verstreut in Israel lebten, in Armut, und legten größten Wert auf rituelle Reinheit. Die Einhaltung des Sabbats stand bei ihnen an oberster Stelle[2].
Letztendlich fielen sie dem 1. Jüdischen Krieg (66-70/74 n. Chr.) zum Opfer[1].
[1] Michael Ernst, „Religiöse Gruppierungen im Judentum“, in Herders neuer Bibelatlas, hg. von Wolfgang Zwickel, Renate Egger-Wenzel, und Michael Ernst (Freiburg; Basel; Wien: Herder, 2013), 275.
[2] Fritz Rienecker u. a., Hrsg., „Handschriften vom Toten Meer“, in Lexikon zur Bibel: Personen, Geschichte, Archäologie, Geografie und Theologie der Bibel (Witten: SCM R. Brockhaus, 2017), 474.
[3] Flavius Josephus, Geschichte des Jüdischen Krieges, übers. von Heinrich Clementz, Josephus-Ausgabe Heinrich Clementz (Halle: Otto Hendel, 1901), 208.
Die Pharisäer
Die Pharisäer
Die Pharisäer waren die einflussreichste religiöse Bewegung im Judentum zur Zeit Jesu, deren Name “Abgesonderte” bedeutet[1][2]. Sie waren die stärkste religiöse Partei, die das Erbe Israels verehrte und leidenschaftlich für die genaue Beobachtung des Gesetzes kämpfte, mit dem Ziel, durch Gesetzestreue die Vorbedingungen für die messianischen Verheißungen zu schaffen[1]. Dabei waren sie sehr exklusiv - es gab nur etwa 6000 Pharisäer, die in besonderer Angespanntheit auf den Messias warteten[2].
Sie eigneten sich die von Rabbinen entwickelte Gesetzeslehre an und strebten deren Erfüllung nach. Diese Gesetzeslehre entwickelte sich zu einem System von Satzungen, das das menschliche Handeln von Morgen bis Abend bis ins kleinste Detail bestimmte[3]. Charakteristisch war ihre kasuistische Gesetzesauslegung, bei der sie versuchten, für jeden Lebensfall eine Verhaltensregel abzuleiten - selbst Fragen wie “Darf ein am Sabbat gelegtes Ei gegessen werden?” wurden mit größter Ernsthaftigkeit behandelt[2].
Den Zusagen Gottes vertrauend, sahen sie das Glück des Volkes und die messianische Zeit als Gottes Werk. Riesner (2019) sagt “Im Gegensatz su den Essern erwarteten die Pharisäer nur einen Messias, nämlich den endzeitlichen Idealherrscher aus dem Davidshaus” (28) [5] Sie verwarfen die Herrschaft der Heiden, führten aber keine Kriege, sondern beteten und predigten und hofften auf Gottes Eingreifen[3]. Ihre Messiasvorstellungen und formale Gesetzlichkeit brachten sie jedoch in Konflikt mit Jesus Christus, wobei ihre Bewegung von liebloser Heuchelei bis zu echter Frömmigkeit reichte[4].
[1] Gute Nachricht Bibel 2018, Durchgesehene Neuausgabe (Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 2018), 1411.
[2] Paul Murdoch, „Philipperbrief“, in Galaterbrief, Epheserbrief, Philipperbrief und Kolosserbrief, hg. von Gerhard Maier, Bd. 3, Edition C Bibelkommentar Neues Testament (Holzgerlingen: Hänssler, 2007), 117.
[3] A. Schlatter, „Pharisäer“, in Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriert, hg. von Paul Zeller (Calw; Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlung, 1912), 563.
[4] Elberfelder Bibel (Witten; Dillenburg: SCM R. Brockhaus; Christliche Verlagsgesellschaft, 2016).
[5]
Riesner, Rainer. 2019. Messias Jesus. 2,. duchgesehene und erweiteret Auflage 2023, Gießen, Brunnen Verlag
Die Zeloten
Die Zeloten
Die Zeloten waren eine militante jüdische Bewegung im 1. Jahrhundert n. Chr., die eine militante jüdisch-nationalistische Unabhängigkeitsbewegung darstellte. Sie sahen im aktiven und passiven Widerstand gegen die römische Fremdherrschaft - einschließlich Aufständen, Gewalttaten und Steuerverweigerung - die notwendige Voraussetzung für den Anbruch des messianischen Reiches in Israel[1]. Ihr Ziel war es, durch Vertreibung der Römer das Reich des Messias aufzurichten. Ihre gewalttätigen Aktionen lösten schließlich den Jüdischen Krieg (66-70 n. Chr.) aus, der zur Zerstörung des Tempels führte[2].
Ihr Name leitet sich vom biblischen Vorbild des Hohenpriesters Pinchas ab und bedeutet “Eiferer für Gott”. Sie setzten sich für Freiheit, die Alleinherrschaft Gottes und Erlösung ein, wobei ihre politischen Ziele religiös motiviert waren und ihre Anführer messianische Ambitionen zeigten[3]. Als Zeloten waren sie überzeugt, dass Israel einen siegreichen, triumphierenden Messias haben müsse - nicht einen geschundenen, gehöhnten Jesus voller Todesqual[4]. Von den römerfreundlichen Sadduzäern und Herodianern wurden sie abgelehnt[2].
[1] Neues Testament Psalmen: Neue Genfer Übersetzung, 3. Auflage (Romanel-sur-Lausanne, Schweiz: Genfer Bibelgesellschaft; Deutsche Bibelgesellschaft, 2013), 814.
[2] Elberfelder Bibel (Witten; Dillenburg: SCM R. Brockhaus; Christliche Verlagsgesellschaft, 2016).
[3] Irina Wandrey, „Zeloten“, in Religion in Geschichte und Gegenwart, hg. von Hans Dieter Betz u. a. (Tübingen: Mohr Siebeck, 2005), 1832.
[4] Gerhard Maier, Lukas-Evangelium, hg. von Gerhard Maier, Bd. 2, Edition C Bibelkommentar Neues Testament (Holzgerlingen: Hänssler, 2007), 659.
Die Herodianer
Die Herodianer
Die Herodianer waren eine politische Gruppierung im Judentum zur Zeit Jesu, die als Splittergruppe aus Beamten und Anhängern des herodianischen Herrscherhauses existierte[1]. Politisch waren sie pro-hellenistisch und pro-römisch eingestellt und suchten gleichzeitig Unterstützung bei den Pharisäern, obwohl sie vom Volk verachtet wurden[1]. Sie treten im Neuen Testament nur an wenigen Stellen auf, meist in Verbindung mit den Pharisäern als Gegner Jesu, und zwar sowohl in Galiläa als auch in Jerusalem[2][3].
Ihr Zusammenschluss mit den Pharisäern erklärt sich dadurch, dass beiden ein solcher Messias wie Jesus unbequem war[3]. Sie sahen in Jesus eine direkte Herausforderung ihrer Autorität und Macht.
Im Bezug auf die messianische Hoffnung auf Frieden und Wohlstand, brachte “Herodes der Große” zum Ausdruck, dass diese durch seine Herrschaft in Erfüllung gegangen waren [5] (Horburry, 1991)
Markus berichtet, dass die Herodianer zusammen mit den Pharisäern erstmals einen Plan schmiedeten, Jesus aufgrund seines Verhaltens und Lehrens zu töten[4].
[1] Michael Ernst, „Religiöse Gruppierungen im Judentum“, in Herders neuer Bibelatlas, hg. von Wolfgang Zwickel, Renate Egger-Wenzel, und Michael Ernst (Freiburg; Basel; Wien: Herder, 2013), 274–275.
[2] Fritz Rienecker u. a., Hrsg., „Herodianer“, in Lexikon zur Bibel: Personen, Geschichte, Archäologie, Geografie und Theologie der Bibel (Witten: SCM R. Brockhaus, 2017), 516.
[3] E. Nestle, „Herodianer“, in Calwer Bibellexikon: Biblisches Handwörterbuch illustriert, hg. von Paul Zeller (Calw; Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlung, 1912), 281.
[4] Hans F. Bayer, Das Evangelium des Markus, hg. von Gerhard Maier u. a., 3., korrigierte Auflage, Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2018), 164–165.
[5] W. Horburry, Herod´s Temple and Herod´s Days, in: DERS,. Templum Amicitiae: Essays on the Second Temple Period for Ernst Bammel (JSNTS 48), Sheffield 1991, 103-149
Die alten Chassidim
Die alten Chassidim
Die Chassidim sind eine jüdische religiöse Bewegung mit einer komplexen Geschichte und einzigartigen Merkmalen. Ihre Ursprünge liegen in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als sich eine Gruppe um den Besht (Baal Schem Tov) formierte und nach seinem Tod im Jahr 1760 von Rabbi Dov Baer von Mezeritch weitergeführt wurde[1].
Ein zentrales und unterscheidendes Merkmal der Chassidim ist die Theorie und Praxis der Verehrung des Zaddiq. Der Zaddiq fungiert als spiritueller Mittler zwischen Gott und seinen Anhängern. Er trägt Verantwortung für die Gebete seiner Anhänger, bringt ihre Reue vor Gott, garantiert ihre Erlösung nach dem Tod und sorgt sogar für ihr weltliches Wohlergehen wie Gesundheit und Nachkommen[1].
Zwischen 1772 und 1815 verbreiteten die Jünger des Maggid den Chassidismus und gründeten neue Gemeinschaften, wodurch die Bewegung zu einem dominanten Faktor in Osteuropa wurde[1]. In dieser Zeit wurde das Prinzip der Erbfolge der Führer allgemein akzeptiert, und chassidische Dynastien begannen das orthodoxe jüdische Leben zu prägen[1].
Bezüglich des Messias gibt es in der jüdischen Tradition verschiedene Vorstellungen. Traditionell glaubte man, dass der Messias entweder in Herrlichkeit kommen würde, wenn Israel würdig ist, oder in Niedrigkeit, wenn Israel keine Verdienste vor Gott hat[2]. Eine messianische Vorstellung sieht vor, dass der Messias sich plötzlich offenbart, die Völker besiegt und eine neue Weltordnung etabliert, in der sich die Nationen seiner Herrschaft unterwerfen[2].
[1] Joseph Dan, „Chassidismus“, in Religion in Geschichte und Gegenwart, hg. von Hans Dieter Betz u. a. (Tübingen: Mohr Siebeck, 1999), 124–125.
[2] Hermann L. Strack und Paul Billerbeck, Exkurse zu Einzelnen Stellen des Neuen Testaments: Abhandlungen zur Neutestamentlichen Theologie und Archäologie, 4., unveränderte Auflage, Bd. 4, Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch (München: C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1928), 872–873.
Frage 2
Frage 2
Das zweite Kapitel befasst sich mit der gesamten “Weihnachtsgeschichte” und auch mit Jesu leiblicher Familie. Was in diesem Kapitel hat dein Verständnis von Jesu Geburt und Familie verändert oder erweitert?
Risener (2019) berichtet im 2. Kapitel über die messianische Geburt und die familären Hintergründe von Jesu Großfamilie. Er schreibt, dass der lukanische Stammbaum Hinweise darauf gibt, dass bei Jesu Vorfahren eine Hoffnung auf einen davidischen König lebendig war. Desweiteren schreibt er, dass die lukanische Geburtsgeschichte sehr stark von einer davidischen Messias-Erwartung geprägt war (68). Er schreibt
“durch seine außergwöhnliche Geburt war Jesus so etwas wie ein Messias designatus, ein zum Messias Vorherbestimmter, auf dem Hoffnungen ruhten” (67).
Auch wenn Jesu Geburt außergewöhnlich war und sich die messianischen Erwartungen für die Familie zu erfüllen schienen, folgten jedoch ca. drei - eher gewöhnliche - Jahrzehnte für die Familie Jesu. Riesner berichtet über die Familie Jesu, als eine fromme, jüdische Familie der Mittelschicht, die ihre Kinder in den jüdischen Traditionen und Bräuchen erzog (74-75). Die Evangelien berichten bis auf eine Ausnahme (Der Zwölfjährige Jesus im Tempel, nach Lk2, 41-52) nichts weiter Außergewöhnliches vom Leben Jesu, sowie dem Leben seiner Familie, bis zum Antritt seines öffentlichen Wirkens.
Riesner geht auf eine Stelle im Markusevanglium ein, die eine interessante Reaktion einiger Familienmitglieder beschreibt, nachdem Jesus sein öffentliches Wirken als der designierte Messias begann: “Und als seine Angehörigen es hörten, gingen sie los, um ihn zu greifen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen” (Mk 3, 21 ELB).
Riesner lässt anklingen, dass die messiansichen Erwartungen in Jesu Familie zwar durch seine außergwöhnliche Geburt hoch waren, sie aber möglicherweise durch sein - in der Zwischenzeit - eher gewöhnliches Leben, verblasst waren. Sein Leben in der Berufung als Messias bestätigte jedenfalls nicht ihre messianische Erwartung, sondern führte sie zu der Annahme, dass Jesus von Sinnen sei.
Dieser Punkt zeigt, das selbst die Menschen, die Jesu Kommen, also seine Geburt, so endrücklich erlebten, seine Berufung und sein Wirken als der gesandte Messias - wenn auch vorübergehend - nicht erkannten. Es ist auch heute noch ein warnendes Beispiel für falsche Erwartungen und Vorstellungen vom Wirken Jesu und dem Reich Gottes. Es gilt nicht nur wachsam und bereit zu sein, wenn Gott außergwöhnlich wirkt, sondern auch dann, wenn das Leben - auch über einen langen Zeitraum - eher gewöhnlich abläuft.
Frage 3
Frage 3
Fasse kurz die Bedeutung der Tauferzählung im Gespräch mit den relevanten alttestamentlichen Passagen zusammen.
Die Tauferzählung deutet Jesus als den von Gott erwählten Messias, der König, Gottesknecht und neuer Heilsbringer zugleich ist. Sie verknüpft Verheißungen aus den Psalmen, Propheten, Exodusmotiv und dem Gottesknechtslied aus dem ersten Testament und stellt Jesus als den dar, in dem sie sich erfüllen. Riesner nimmt Bezug auf den Schöpfungsbericht und schreibt über das Herabkommen des Heiligen Geistes: “Gott beginnt also mit der Taufe von Jesus eine neuen Schöpfung”. Er betont “dass Jesus bei der Taufe von Gott selbst durch eine besondere Geistbegabung in die Funktion des Messias und damit des endzeitlichen Herrschers eingesetzt” wird (96).
Frage 4
Was war die Botschaft des ersten Messias-Zeichens in Kana und wie war es mit dem alten Testament verbunden? Wie hängt das Zeichen mit der “Antrittspredigt” von Jesus zusammen?
Das erste Messias-Zeichen Jesu bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–11) ist nach Rainer Riesner keine bloße Machttat, sondern eine bewusst gesetzte Zeichenhandlung mit heilsgeschichtlicher Aussage. Durch die johanneische Bezeichnung als „Zeichen“ werde deutlich, dass das Geschehen auf die messianische Sendung Jesu verweist (Riesner 2023, 116). Die Hochzeit und auch die überreiche Menge des Weines verweisen auf die alttestamentlichen Verheißungen der kommenden Heilszeit und ihren Anbruch durch Jesus.
In enger Verbindung steht das Kana-Zeichen zur Antrittspredigt Jesu, in der dieser verkündet: „ Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, auszurufen das Gnadenjahr des HERRN” (Jesaja, 61, 1-2 ELB).
Während Jesus hier in Worten den Anbruch der Gottesherrschaft ankündigt, wird diese in Kana sichtbar in einer Zeichenhandlung. Riesner stellt im Bezug auf Lukas 4, 21 fest: “Jesus beanspruchte nichts weniger, als dass jenes im Prophetenwort verheißene ‚ gnädige Jahr des Herrn’ in seinem Auftreten die Erfüllung finde” (117). Das Zeichen bestätige damit bildhaft, dass mit Jesus die verheißene Heilszeit tatsächlich begonnen habe.
Frage 5
Was sind die Übersetzungs- und Bedeutungsmöglichkeiten für basilea tou theou? Was ist der Ursprung dieser Phrase? Welche Machttaten Jesu wiesen auf den Anbruch der Herrschaft Gottes hin?
Riesner schreibt, dass die Lutherbibel, aber auch die meisten deutschen Bibelübersetzungen den Ausdruck basileia tou theou mit “Reich Gottes” wiedergeben. Andere Übersetzungen sprechen aber auch von der “Herrschaft Gottes”, oder der “Königsherrschaft Gottes” (140). Er merkt an, dass unter Exegeten unterschiedlicher theologischer Richtungen ein breiter Konsens darüber besteht, dass die basileia tou theou das Hauptthema der öffentlichen Verkündigung von Jesus war (139).
Die Wurzeln von der Phrase “Königsherrschaft Gottes” reichen weit in die Geschichte des Volkes Israel zurück. Riesner schreibt: “bis in seine vorstaatliche Zeit reicht die Überzeugung zurück, dass Israel im Gegensatz zu allen anderen Völkern keinen menschlichen König haben kann, weil Gott sein alleiniger Herrscher ist” (140) und geht zurecht auf das dramatische Ereignis aus 1. Samuel 8, 7 ein, wo Gottes Volk ihn selbst als König verwirft, um einer weltlichen Vorstellung eines Herrschers zu folgen (141).
Frage 6
Erkläre die Unterschiede im “Vaterunser” nach Matthäus und Lukas sowie die mögliche Bedeutung der einzelnen Strophen.
Das Vaterunser ist ein zentrales Gebet der Christenheit mit interessanten Variationen zwischen den Evangelien nach Matthäus und Lukas. Es existieren zwei Hauptversionen, wobei die matthäische Fassung sieben Bitten umfasst und die lukanische Version nur fünf. Bei Lukas fehlen die Bitten „Dein Wille geschehe” und „Erlöse uns von dem Bösen”. Zudem unterscheiden sich die Formulierungen, beispielsweise bei der Brotbitte und der Vergebungsbitte. (July, 2013, 12-13).
Die Bedeutung der Strophen beziehen sich zunächst auf die Gottesbeziehung (“geheiligt werde dein Name”). Die zweite Strophe greift das wie bereits in der vorangehenden Frage behandelte Hauptthema Jesu “das Reich Gottes” auf. Die weiteren Strophen betreffen elementare, körperliche und geistige Bedürfnisse der Nachfolger Jesu (Versorgung mit Nahrung, die Vergebung und Bewahrung).
[1] Frank Otfried July, Das Gebet der Gebete: Gedanken zum Vaterunser (R.Brockhaus, 2013), 12–13.
Frage 7
Was hatte Jesus mit den Pharisäern, Zeloten, Essenern und Sadduzäern gemeinsam? Was trennt sie? Wie war das Verhältnis Jesu zu den Heiden und Samaritern?
Riesner zeigt, dass Jesus in vielfachem Austausch mit den religiösen und politischen Gruppierungen des Judentums seiner Zeit stand, jedoch zugleich deutliche Unterschiede zu ihnen aufwies.
Hinsichtlich der Pharisäer betont er, dass Jesu Verhältnis zu ihnen nicht nur von Gegensatz, sondern auch von grundlegender Übereinstimmung geprägt war. Beide teilten die Orientierung an der Heiligen Schrift, den Glauben an die Auferstehung der Toten sowie den Ernst der Frömmigkeit (233). Zugleich schreibt Riesner, dass es langfristig zum Konflikt kam, weil Jesus die pharisäische Halacha, also ihre eigene mündliche Gesetzesauslegung bestritt, eigene Vollmacht beanspruchte und durch seine Tischgemeinschaft mit Sündern das traditionelle Verständnis von Vergebung in Frage stellte (234).
Laut Riesner war Jesus mit den Zeloten insofern verbunden, dass sie die Heiligung des Gottes Namens über alles stellten. Den gewaltsamen Weg des Aufstands jedoch lehnte Jesus entschieden ab und rief zelotisch Gesinnte deshalb auch zur Umkehr auf (235-237).
Auch zu den Essenern sieht Riesner wichtige Berührungspunkte, etwa in der endzeitlichen Hoffnung auf die Erlösung Israels sowie in messianischen Erwartungen. Gleichzeitig betont er den grundlegenden Unterschied, dass Jesus nicht die Absonderung in einer reinen Gemeinschaft suchte, sondern öffentlich wirkte und bewusst mit Sündern Gemeinschaft hatte. So müssen die Essener, ebenso wie auch die Pharisäer, laut Riesner Anstoß an Jesu Tischgemeinschaft mit den Sündern genommen haben (238).
Zu den Sadduzäern, so schreibt Riesner, bestand die geringste Nähe. Sie lehnten Auferstehung und Eschatologie ab und gerieten wegen Jesu Tempelkritik und seiner Botschaft vom Reich Gottes in offenen Gegensatz zu ihm (239).
Bezüglich der Heiden betont Riesner ausdrücklich den Heilsvorrang Israels im Wirken Jesu. Jesu Sendung blieb zunächst auf die „verlorenen Schafe Israels“ beschränkt. Einzelne Heilungen von Heiden, etwa der syrophönizischen Frau oder eines heidnischen Hauptmanns, wertet Riesner als bewusste Ausnahmen in besonderen Glaubenssituationen. Diese Ausnahmen deuteten jedoch bereits die spätere Heidenmission nach Ostern an. Ähnlich beurteilt Riesner das Verhältnis zu den Samaritern: Trotz der tiefen Spannungen zwischen Juden und Samaritern begegnete Jesus ihnen in einzelnen Fällen offen, etwa im Gleichnis vom barmherzigen Samariter oder in der johanneischen Überlieferung von Sychar. Auch diese Begegnungen blieben Ausnahmen, wurden jedoch im Rückblick zu wichtigen theologischen Vorzeichen der späteren Mission (240-241).
Frage 8
Was spricht gegen das Petrusbekenntnis als locus classicus für den Primatanspruch des Papstes?
Riesner stellt fest, dass die Evangelien nicht nur eine Seligpreisung über Petrus bieten, sondern keineswegs den Tadel von Jesus verschweigen. Die Bedeutung dieser Seligpreisung im Bezug auf den Primat Anspruch der Päpste, sieht er als höchst umstritten an und begründet dies wie folgt: “Wahrscheinlich sind hier zwei ursprünglich selbstständige Jesus-Worte zusammengefügt worden. Das erste Wort besteht aus zwei gleich aufgebauten Strophen, während das zweite Wort davon abweicht. Außerdem existiert zu diesem letzten Ausspruch ein im Wortlaut weitgehend identisches Logion, dass die Binde- und Lösevollmacht, nämlich im Namen Gottes zu verbieten und zu vergeben, auf alle Jünger überträgt” (260-261).
Frage 9
Das zwölfte Kapitel befasst sich mit der gesamten “Passionsgeschichte”. Was in diesem Kapitel hat dein Verständnis vom letzten Abend mal bis zur Kreuzung verändert oder erweitert?
Mich bewegt in diesem Kapitel in besonderer Weise, dass Jesus kein fairer Prozess zu teilen wurde. Wiesner analysiert dass der Prozess gegen entscheidende Regeln verstieß. So gab es keine Zeugen zur Verteidigung und der Prozess wurde nachts durchgeführt. Außerdem widersprachen die Zeugen der Anklage einander und der Vorwurf des Verrats war kein Bestandteil der ursprünglichen Anklage. McClafin schreibt im Studienführer zu diesem Kurs, dass die Todesstrafe erst am Tag nach der Verhandlung verkündet werden dürfte (Mike McClafin, 1997, 161). Ein gerechter Gott wurde in einer ungerechten Welt zu Unrecht verurteilt, während ein überführter Mörder freigelassen wird.
