Wie soll ich dich empfangen?

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Notes
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Weihnachten hat seine Botschaft verloren.

Weihnachten und Kitsch gehören schon länger zusammen.
Als ich klein war, gab es schon das Christkind auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt. Das ist eine Mischung aus Rauschgoldengel und Teenagermädchen. Dann kam Santa Claus, eine Mischung aus dem Heiligen Nikolaus und einem dicken Opa, der Geschenke verteilt. Heute ist es der übelgelaunte Grinch, der anderen den Spaß an Weihnachten vermiest.
Überall wird Weihnachten gefeiert, aber längst nicht allen Menschen ist klar, dass wir eigentlich die Geburt Jesu, des Retters der Welt, feiern. Auch Josef stand kurz davor, die Bedeutung dieses Moments zu verpassen.
Wenn wir heute über seine Geschichte nachdenken, dann so, dass wir der Gnade Gottes nachspüren wollen, die ihn dazu gebracht hat, der “Vater” von Jesus sein zu dürfen.

Gottesfürchtig und blind.

“Zur Geburt von Jesus kam es so …” Die Überschrift macht noch einmal deutlich, dass es im Evangelium um Jesus Christus geht.
Jesus erscheint nicht einfach aus dem Nichts. Er wird als Mensch geboren. Wie wir alle.
In eine jüdische Familie hinein geboren und somit unter das Gesetz getan: Gal 4,4-5
Galater 4,4–5 SLT
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen.
Als jemand, der das Leben genauso schwer und herausfordernd erlebt wie wir: Hebr 4,15
Hebräer 4,15 SLT
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde.
Er muss leben und sterben, damit wir erlöst werden:
Kolosser 1,21–22 SLT
Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt wart in den bösen Werken, hat er jetzt versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht,
Und er hat einen ganz gewöhnlichen Namen: Jesus, die griech. Übersetzung des hebräischen Josua, d.h. Jahwe ist Rettung. Ein Name, den viele jüdische Eltern ihren Kinder gegeben haben, um ihre Hoffnung auf Gottes Rettung vor Unterdrückung zum Ausdruck zu bringen. Und damals waren die Juden von den Römern unterdrückt.
In Jesus wird Gott wirklich Mensch!
Dabei sind aber immer Menschen im Spiel. Da muss eine Jungfrau schwanger werden. Und das Kind muss wie alle anderen auch leibhaftig zur Welt kommen. Und noch bevor es seinen ersten Schrei als Baby ausstößt, müssen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Dinge tun. So wie Josef, der es fast vermasselt hätte.
Maria und Josef sind verlobt. D.h., die Ehe ist beschlossen und gültig. Sie ist nur noch nicht vollzogen. Das kam in der Regel nach einem Jahr dieser Verlobung. Aber deshalb muss sie auch durch eine Scheidung aufgehoben werden. (Heute ist es ja oft anders herum. Aber jede Zeit hat ihre eigenen Moralvorstellungen. Auch wenn wir als Christen nicht allem zustimmen müssen.)
Von daher wird Josef schon getestet und in eine Spannung gestellt. Er hat nicht mir ihr geschlafen. Schwanger ist sie trotzdem. Und das ist jetzt ein echter Konflikt.
Wenn wir die Bibel langsam lesen, dann spüren wir geradezu, was in Josefs Kopf passiert.
Ich gehe ganz stark davon aus, dass Josef und Maria über diese Schwangerschaft gesprochen haben. Maria hat das ganz genau erzählt - Wort für Wort. Das, was der Engel zu ihr gesagt hat. Ihre Anwort darauf. Und dass alles wahr ist - auch wenn sie selbst nicht weiß wie.
Wie reagiert man da? Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Welche wählt Josef?
Matthäus 1,18–25 SLT
Aber Joseph, ihr Mann, der gerecht war und sie doch nicht der öffentlichen Schande preisgeben wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen.
Zwei Dinge lernen wir über Josef. Er ist gerecht und will Maria nicht der öffentlichen Schande preisgeben.
Er ist gerecht. Er tut Gottes Willen. Und er kommt in eine solche Lage. Er wollte alles richtig machen. Und das hat er auch. Und weil das auch beinhaltet, nicht auf seinem Recht zu bestehen und Liebe zu üben, will er seine Frau heimlich “entlassen”. Ohne Aufsehen und öffentliche Schande.
Wie soll man sonst aus einer solchen Situation herauskommen?

Daran, daß der Christus in seinem Hause aufwachsen werde, hatte Joseph nicht von ferne gedacht. Gottes Werk hat ihn völlig überrascht, und es kam ihm vor, nun sei es ganz unmöglich, daß Maria noch seine Frau bleibe. Unsere Gedanken, sagt Matthäus, hat das, was Gott durch Jesus tat, von Anfang an umgestoßen. Wir haben nicht nach unseren eigenen Wünschen an seinem Werk Anteil bekommen, sondern mußten uns alle selbst verleugnen und im Gehorsam handeln, der sich dem göttlichen Befehl unterwirft.

Das Offensichtliche und das Menschliche - auch das gut gemeinte - führen in die Irre. Was Josef jetzt braucht ist das Reden Gottes. Er weiß es nicht, aber er geht am Wunder vorbei, wenn Gott es ihm nicht offenbart.
Weihnachten ist nicht umsonst missverstanden. Damals wie heute gehen viele Menschen daran vorbei.
Wir können ja nicht dem Fest entkommen. Es sind zwei Feiertage! Wir entkommen weder der Werbung noch der Atmosphäre. Trotzdem verpassen viele Menschen die Bedeutung dieser Zeit.
Sie sehen es nicht. Und wir hätten es auch nicht gesehen, wenn es uns Gott nicht offenbart hätte.

Nur ein Traum bringt Josef auf die richtige Spur

Matthäus 1,20 SLT
Während er aber dies im Sinn hatte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum, der sprach: Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was in ihr gezeugt ist, das ist vom Heiligen Geist.
Josef denkt nach. Er überlegt. Und in seinem Kopf entwickelt sich der Plan, Maria zu verlassen.
Wir wissen nicht, wie es in seinem Herzen aussah. Ob er über den Verrat seiner Verlobten traurig war? Oder wütend darüber, dass sie schwanger ist? Ob er vor Liebe blind war und überlegt hat, sie trotzdem zu heiraten? Ob er einen Gedanken daran verschwendet hat zu überlegen, “was könnten denn die Leute denken?”
Wie lange braucht man, bis man nach einer solchen Nachricht einen vernünftigen Gedanken fassen kann, der beide Parteien das Gesicht wahren lässt?
Es passiert jedenfalls nicht über Nacht. Denn in der Nacht hat Josef einen Traum. Ein Engel erscheint ihm. Der spricht zu ihm:
Schlachter 2000 Kapitel 1

Joseph, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen

Und der Engel offenbart, dass Jesus der Messias und Retter sein wird. Denn in ihm sollen sich die Verheißungen des AT erfüllen, die Gott seinem Volk gemacht hat.
Das ist die erste von vielen Verheißungen, die Matthäus zitiert, die sich in Jesus erfüllen.
Dass sich das alles in Jesus erfüllt, gibt auch uns die Sicherheit, dass Gott treu zu seinem Wort steht. Damals so wie heute!
Das Zeichen für die Rettung ist die schwangere Jungfrau. Als 700 Jahre vor Jesu Geburt der Prophet Jesaja diese Worte aussprach, konnte man erwarten, dass es ein Zeichen ist, das sich in der damaligen Zeit erfüllen würde.
Aber jetzt kommt es in Jesus zur wahren Erfülllung. Als Matthäus das aufschreibt, bezieht er sich auf diese Prophetie des Jesaja. Und natürlich trifft auch der Name “Immanuel” (Im - mit. anu - uns. el - Gott.) so im tiefsten Sinn nur auf den zu, den sie Jesus nennen sollen.
An dieser Aussage scheiden sich die Geister. Denn damit ist ein Anspruch verbunden. Es wird darum gehen, diesem Menschen zu vertrauen und seinem Wort zu gehorchen. Noch sehen wir nichts davon. Es wird nicht königlich geboren. Aber als er seinen Dienst beginnt, kommt es zur Trennung. Es gibt die, die an ihn glauben. Und es gibt die, die ihm widersprechen. Und dazwischen viele Hoffende und auch genug Zweifler.
Jesus wird seine Jünger einmal danach fragen, was die Menschen über ihn denken:
Lukas 9,18 SLT
Und es geschah, als er einmal für sich allein betete, dass die Jünger in seiner Nähe waren; und er fragte sie und sprach: Für wen halten mich die Leute?
Da kommen ganz unterschiedliche Antworten. Nur Petrus antwortet und sagt: “Du bist der Christus Gottes!” (V 20)
Jesus ist nicht unwiderstehlich!
Das ist für mich eine der großen Anfechtungen des Weihnachtsfestes.
Viele Menschen haben damals die Bedeutung nicht erfasst. Und heute ist es immer noch so. So viele Lichter. So viele Geschenke. Aber wer erkennt in dem Kind, dass Gott in diese Welt gekommen ist?
Wie sollte man das in dem Baby auch sehen können? Mehr als 30 Jahre später am Kreuz sehen es viele immer noch nicht.
Und auch die Tatsache, dass es so lange dauert. Es sind ja schon 9 Monate von der Empfängnis bis zur Geburt. Und dann so viele Jahre bis zum Beginn seines Dienstes. Und dann “nur” drei Jahre bis zum Tod am Kreuz.
Wie könnten wir Gott begegnen, wenn er sich nicht klein machen würde?
Wie könnten wir im Glauben wachsen, wenn er nicht geduldig wäre? Petrus wird es einmal so ausdrücken:
2. Petrus 3,9 SLT
Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.
Es gibt viele Gründe, die Bedeutung von Jesu Geburt zu verpassen.
Selbst Josef braucht einen Traum! Was brauchst du?

Josef nimmt die Herausforderung an.

Matthäus 1,24–25 SLT
Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, handelte er so, wie es ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich; und er erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus.
Matthew B. The King’s Amazing Birth (1:18–25)

The character of these two young adults reminds us that God fulfills his purposes by using people of strong character and unquestioning obedience.

In einem Kommentar habe ich diese Aussage gefunden: “Das Wesen dieser zwei jungen Erwachsenen erinnert uns daran, dass Gott seine Absichten erreicht, in dem er Menschen mit starkem Charakter und bedinungslosem Gehorsam benutzt.”
Ja. Und dann nutzt er auch Zweifler.
Lasst euch nicht einreden, ihr müsstet perfekt sein, damit Gott euch gebrauchen kann.
Da ist dieser - wahrscheinlich - junge Mann, der Gott gehorcht. So wird er Teil dieser Geschichte. Also geht es ohne Gehorsam nicht.
Nein, es geht nicht, ohne dass wir auch wollen. Es geht nicht, ohne dass wir auf Gott hören. Sei es im Traum oder weil plötzlich ein Engel im Raum ist, wie bei Maria (Lk 1,26ff). Es geht nicht ohne uns, weil Gott es nicht ohne uns will.
Auch Josef ist kein perfekter Mensch! Er und seine Frau Maria sind keine Heilige, die man auf einen Sockel stellen muss. Und dennoch ist Josef ein faszinierendes Vorbild.
Er hört, er glaubt und er gehorcht.
Er nimmt sich zurück. Damit Raum für Jesus ist. Er bleibt bei Maria. Damit sich die Verheißung erfüllen kann. Er hat verstanden, dass es in dieser Geschichte nicht um ihn geht. Es geht darum, dem Retter der Welt/dem “Gott mitten unter uns” eine Familie zu geben.
Wenn mein Herz mich verführt, dann will ich Gottes Stimme gehorchen. Wenn ich glaube, dass ich Recht habe, dann möchte ich, dass Gott mir den richtigen Weg zeigt.
Josef nimmt die Herausforderung an. Er weiß sicher noch nicht, dass er bis nach Ägypten ziehen und unter einem fremden Volk leben muss. Aber er ist bereit, Gott zu gehorchen.
Dann kann Jesus kommen.
Wenn ich bereit bin, hinzuhören. Wenn ich bereit bin, meine Pläne zu ändern. Wenn ich mir ein Beispiel an Josef nehme.
Ich lade euch ein, in diesen Weihnachtstagen euch Zeit zu nehmen.
Überlegen, wo ihr im letzten Jahr Gottesbegegnungen hattet. Momente, wo Gott geredet hat.
Was ihr getan habt, damit Jesus in dieser Welt Raum findet.
Wohin euch die Reise mit Gott in 2026 führen soll.
Amen.
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