Neustart: Gnade

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Notes
Transcript
Kontext
Kurzer Abriss über Geschichte Israels bisher:
Wir befinden uns vermutlich im Jahr 1446 v. Chr. Das Volk Israel war 400 Jahre in Ägypten in der Gefangenschaft, musste dort hart arbeiten und wurde von den Ägyptern unterdrückt.
Aber Gott entgeht das Ganze nicht, er weiß um das Leid seines Volkes und er gebraucht Mose, um das Volk aus Israel zu befreien. Das hat etwas gedauert, weil der Pharao das Volk nicht einfach gehen lassen wollte, letztendlich hat Gott aber diesen Kampf gewonnen und das Volk wurde frei gelassen. Kurze Zeit später teilt Gott das Schilfmeer und rettet so die Israeliten endgültig vor den Ägyptern. Es ist also eine spektakuläre und nie dagewesene Rettungsaktion, die Gott hier vollbringt, aber jetzt ist das Volk frei.
Und jetzt, wo Gott selbst das Volk Israel befreit hat bietet er dem Volk einen Bund an. Wir können das mit der Ehe / einem Ehebund vergleichen. Die Ehe schafft nicht die Beziehung zwischen zwei Leuten, sondern die Ehe regelt den Rahmen dieser Beziehung. Und genau das soll dieser Bund auch tun – nicht Beziehung schaffen, sondern die Beziehung zw. Gott und dem Volk regeln.
Gott bietet dem Volk also diese Beziehung an (= „Heiratsantrag“), das Volk zögert nicht lange und willigt jubelnd ein. Deswegen kommt es zum Bundesschluss (= „Hochzeit“). Gott verspricht dem Volk, dass er ihr Gott sein wird und dass sie sein Volk sein sollen. Dazu soll das Volk aber die Gebote einhalten, die Gott ihnen gibt. Das muss so sein, weil Gott heilig ist. Er kann nicht einfach in der Gegenwart sündiger Menschen leben, deswegen gibt er die Gebote, die genau regeln, wie ein unheiliges Volk in Gemeinschaft mit einem heiligen Gott leben kann.
Das klingt ja alles schön und gut, wenn da nicht 2Mose 32 wäre.
Während Mose auf dem Berg Sinai die Gebote von Gott bekommt, baut sich das Volk ein goldenes Kalb, das sie als ihren Gott anbeten! Sie erleben die ganze Rettung Gottes, Wunder über Wunder – und danken einem selbstgebauten, goldenen Kalb dafür, anstatt den wahren Gott anzubeten. Sie begehen Ehebruch. Und das ist tatsächlich ein Bruch: Mose wird von Gott runtergeschickt und als er das sieht, zerbricht er die Tafeln mit den 10 Geboten – als ein Zeichen dafür, dass dieser gerade geschlossene Bund gebrochen ist! Mose ist wütend auf das Volk, Gott ist es auch. Wie reagiert Gott? Er sagt:
Ich habe dieses Volk gesehen, und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. 10 Und nun lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und ich sie vernichte! Dich aber will ich zu einer großen Nation machen (Ex 32,9-10)
Gott will das Projekt „Israel“ neustarten. Er will das Volk vernichten und seinen Weg mit Mose weitergehen. Und damit beginnt ein spannender und sehr wichtiger Dialog zwischen Gott und Mose.
Gott
Mose
Ich will das Volk vernichten und mit dir weitermachen
Du hast es doch gerade mit großer Macht aus Ägypten befreit
Was sollen die Ägypter sagen?
Denk an deinen Bund mit Abraham, Isaak & Jakob (Nachkommen, Land)
Gott lässt ab von seinem Plan
Mose beim Volk – Zerstörung des Kalbs – Tod durch Leviten
Bitte um Vergebung
Ich werde zu gegebener Zeit strafen
Ich werde euch einen Engel mitschicken, aber nicht selbst mit euch gehen
Sag mir, was du mit uns vor hast
Vergiss nicht, dass Israel dein Volk ist
Ich werde mit dir gehen
Wenn du nicht mit uns gehst, dann lass uns lieber gleich hier
Ja, ich werde mit euch gehen
Lass mich deine Herrlichkeit sehen – versprich es mir; „sag es mir ins Gesicht“
Das werde ich, aber nur teilweise
Genau an dieser Stelle knüpft unser Text jetzt an: Gott sagt Mose, dass er an Mose vorbeigehen wird und dass Mose ihn dann von hinten anschauen darf! Das soll ihm dann als Beweis dienen, dass Gott es wirklich ernst meint und mit dem Volk Israel weitergehen wird, obwohl das Volk gerade untreu gewesen ist.

1. Bloß eine 2. Chance? (Ex 34,1-4)

Erklärung

Nachdem Mose jetzt also mit Gott „verhandelt“ hat, dass Gott das Volk Israel nicht vernichten, sondern weiterhin mit ihnen gehen wird, ist ja immer noch die Frage offen, wie es mit diesem Bund zwischen Gott und dem Volk weitergeht. Der Bund ist ja trotzdem gebrochen und damit auch diese gegenseitige Verpflichtung zwischen Gott und dem Volk.
Wir finden hier in diesem Abschnitt einige Anweisungen Gottes an Mose, was er machen soll. Wir erinnern uns an die Bitte von Mose, Gottes Herrlichkeit sehen zu dürfen und Gott hat es ihm zugesagt (zumindest so weit, dass Mose nicht dabei sterben muss).
Welche Anweisungen gibt Gott hier also an Mose weiter?
1. 2 Steintafeln zurechthauen
Vergleich zum 1. Bundesschluss am Sinai: Gott gibt Mose die beschriebenen Steintafeln, nachdem er die 10 Gebote genannt hat. Hier muss Mose die Tafeln selbst anfertigen.
2. Für nächsten Morgen bereithalten
Vergleich zum 1. Bundesschluss: Das ganze Volk sollte sich reinigen und auf die Begegnung mit Gott vorbereiten. Sie hatten 3 Tage Zeit dazu.
Hier darf nur Mose kommen und er hat auch nicht lange Zeit sich vorzubereiten, sondern er soll sich darauf vorbereiten, direkt am nächsten Morgen zu kommen.
3. Nur Mose darf kommen
Vergleich zum 1. Bundesschluss: Aaron, Nadab, Abihu, Josua und 70 Älteste durften teilweise mit, sie haben sogar mit Gott gegessen, heißt es da. Hier ist es Gott sehr wichtig, dass nur Mose auf den Berg kommen darf. Gott hat versprochen, sich teilweise zu zeigen, und da darf niemand anwesend sein als nur Mose allein!
Außerdem soll Mose direkt auf den Gipfel des Berges kommen. Beim 1. Bundesschluss ist Mose auf den Berg gestiegen, wurde dann aber nochmal gesondert auf den Gipfel des Berges gerufen. Hier gibt Gott ihm die Anweisung, dass Mose direkt bis auf den Gipfel kommen soll.
4. Abstand des Volkes und des Viehs
Die Grenze um den Sinai wurde schon zum 1. Bundesschluss gezogen. Da hatte Gott schon angeordnet, dass kein Unbefugter diese Grenze überqueren durfte.
Im Vergleich zum 1. Bundesschluss fällt auf: Das Volk wurde am Fuß des Berges versammelt, während Mose und die anderen auf dem Berg waren und Mose dann auch die Gebote und Steintafeln von Gott bekommen hat. Hier betont Gott nochmal ganz deutlich die Grenze und sagt, dass nicht mal das Vieh in die Nähe des Berges kommen darf.
Vielleicht wird damit auch so ein bisschen die geistliche Entfernung zwischen Gott und dem Volk veranschaulicht. Steht zwar nicht wörtlich im Text, ist aber möglich, wenn man bedenkt, dass die Beziehung zwischen Gott und dem Volk scheinbar zerbrochen ist.
Also wir sehen hier schon mal, dass die Rahmenbedingungen zumindest ähnlich zu denen sind, die wir beim 1. Bundesschluss finden, aber es scheint trotzdem alles ein bisschen anders zu sein. Aber die Frage ist: Was macht Gott jetzt? Wie reagiert Gott?
Wird er dem Volk jetzt einfach noch einmal alles sagen, was er vorher gesagt hat? Wird er die gleichen Gebote geben, die er vorher gegeben hat? Wird Gott dem Volk wieder einen Bund anbieten? Ist eine 2. Chance nicht zum Scheitern verurteilt, wenn alles so läuft wie vorher?
Weil das Problem ist ja noch immer nicht beseitigt. Der Bund ist gebrochen, die Sünde des Volkes ist nach wie vor da. Beim letzten Mal haben sie es gerade mal 40 Tage ausgehalten, Gott treu zu bleiben. Wie lange schaffen sie es dieses Mal?
Und selbst wenn sie es ein bisschen länger schaffen, vielleicht 50 Tage, 1 Jahr oder 10 Jahre, so ist das eigentliche Problem noch immer nicht gelöst. Die Sünde ist immer noch da, sie ist wie ein Parasit, der in dem Menschen sitzt.
Wenn Gott dem Volk hier eine 2. Chance geben sollte, ist das dann wirklich eine langfristige Lösung? Eine 2. Chance für das Volk wäre ja schon pure Gnade. Gott müsste das nicht geben. Aber ich glaube, dass auch eine 2. Chance hier nicht ausreicht.

Veranschaulichung

Wenn ich dich bitte, einen LKW ohne Werkzeug anzuheben, dann ist es egal, wie viele Versuche ich dir dafür gebe. Ob du nach dem ersten gescheiterten Versuch nochmal eine Chance bekommst oder 1000 weitere Chancen, du wirst es nicht schaffen.
Wenn ich dir sage: Sündige eine Woche nicht. Also lebe eine Woche zu 100% so, dass es Gott gefällt. Jede Sekunde, jeder Moment dieser Woche muss makellos und tadellos sein. Ich hoffe ich trete dir nicht zu Nahe, wenn ich sage, dass du das aus dir heraus nicht schaffen wirst. Dann bringt es dir auch nichts, wenn du nach der ersten gescheiterten Woche einfach nochmal eine Chance bekommst und es nochmal versuchst. Eine zweite Chance alleine wird da einfach nicht ausreichen.
Die ganze Ausgangssituation muss sich ändern!

Überleitung

Und genau das passiert jetzt! Gott weiß, dass die Israeliten nicht in der Lage sind, diesen Bund in seiner ganzen Fülle einzuhalten. Und mir ist wichtig zu betonen: Israel ist immer noch Gottes Volk. Sie sind nicht erst mit dem Bund, den sie mit Gott geschlossen haben, zu seinem Volk geworden. Gott rettet sein Volk aus Gnade. Dann bietet er ihnen den Bund an, den sie freiwillig und bereitwillig angenommen haben.
Aber weil Gott weiß, dass sein Volk es nicht schaffen wird, diese Bedingungen des Bundes aus sich heraus einzuhalten, geht Gott einen Schritt weiter.
Er setzt alles auf Anfang!

2. Alles auf Anfang (Ex 34,5-10)

Mose steht hier also auf dem Gipfel des Berges Sinai. Und jetzt passiert etwas, das Mose schon mal erlebt hat: Gott kommt in einer Wolke auf diesen Berg herab.
Nebenbemerkung: Eindrucksvolles Bild, dass Mose auf den höchsten Punkt geht (Gipfel des Berges), wo sonst niemand hinauf gehen kann/darf, während Gott auf den Berg herabkommt. Gott „erniedrigt“ sich also wieder, er kommt auf den Berg herab. Und beide treffen sich gefühlt zwischen Himmel und Erde.
Trotzdem ist hier einiges anders als beim 1. Bundesschluss. Dort lesen wir davon, dass es geblitzt und gedonnert hat, dass der Berg gebebt hat, dass Rauch von dem Berg aufgestiegen ist, dass lauter Hörnerschall da war usw. Hier lesen wir nichts davon. Keine Blitze, kein Donner, kein Hörnerschall. Nur Gott, der in der Wolke auf den Berg zu Mose kommt.
Es scheint so, als wäre diese Situation irgendwie persönlicher, vertrauter und auch ein bisschen geheimnisvoller.
Im Zentrum dieser Begebenheit steht nämlich nicht, was Gott macht. Er muss hier nicht seine Allmacht unter Beweis stellen. Im Zentrum dieser Begebenheit steht sein Wesen, wer er ist.
Und jetzt geht Gott wie versprochen an Mose vorüber. Mose darf hier zumindest einen Teil von Gott sehen! Ist das nicht unglaublich? Wenn ich mir eine Begebenheit aus der Bibel aussuchen könnte, bei der ich dabei sein dürfte, dann wäre diese Begebenheit wahrscheinlich ganz oben dabei!
Wir wissen nicht, was für eine Gestalt Gott hat. Gott ist Geist. Aber die Beschreibung wirkt auch irgendwie menschlich, weil Gott ja verspricht, dass Mose ihn von hinten sehen darf. Es wirkt menschlich, dass Gott seine Hand über Mose hält, bis er an ihm vorbeigegangen ist. Es wirkt menschlich, dass hier steht, dass Gott neben Mose „trat“. Andererseits können das auch einfach Beschreibungen sein, die unseren menschlichen Vorstellungen irgendwie entsprechen, damit wir zumindest ansatzweise eine Vorstellung von alldem haben. Deswegen können wir aus dieser Stelle nicht direkt ableiten, wie Gott wohl aussieht.
Wie gesagt: Steht auch nicht im Zentrum, wie er aussieht, sondern wer er ist!
Und mit der Erscheinung der Herrlichkeit Gottes lesen wir auch eine Beschreibung des Wesens Gottes.
2 kurze Vorbemerkungen:
1. Aus dem Text wird nicht ganz deutlich, wer diese Beschreibung Gottes ausspricht, ob das direkt von Gott kommt oder ob Mose das sagt. Vermutlich ist es Mose, aber es ist eben nicht 100% klar. Das spielt aber auch keine bedeutende Rolle, weil in beiden Fällen ohnehin nur das gesagt wird, was Gott von sich offenbaren möchte. Entweder spricht er selbst zu Mose oder sein Geist spricht durch Mose.
2. Früher war ein Name Programm. Namen wurden nicht zufällig vergeben, sondern ganz oft hatte der Name etwas mit der Berufung oder mit dem Charakter einer Person direkt zu tun. Gerade in Bezug auf Gott sind die Namen und Wesenszüge, die wir hier finden, nicht zufällig oder von jemandem ausgedacht, sondern beschreiben tatsächlich das Wesen Gottes. – Ich maße mir nicht an, auch nur ansatzweise das Wesen Gottes so beschreiben zu können, dass es ihm entspricht. Er ist so viel größer und herrlicher und so viel mehr, als wir uns das vorstellen können. Aber ich möchte versuchen das, was Gott selbst hier von sich preisgibt, auszulegen.
Welche Selbstoffenbarung Gottes finden wir hier also? Wie stellt Gott sich Mose (und auch uns, weil er immer noch der Gleiche ist) vor?
Jahwe, Jahwe
Jahwe ist der Eigenname Gottes, der „Ich bin, der ich bin“ / „Ich werde sein, der ich sein werde“.  Das ist der Name, mit dem Gott sich Mose im brennenden Dornbusch und später auch dem ganzen Volk Israel vorgestellt hat.
Der Name Jahwe ist also der Name, mit dem das Volk Israel seinen Gott benennt. Dieser Name drückt diese persönliche Beziehung zwischen Gott und dem Volk aus.
Ein Kind sagt nicht zu jedem beliebigen Mann „Papa“, sondern nur zum eigenen Vater. Und so ist auch der Name Jahwe zu dieser Zeit der Name, mit dem sich Gott selbst seinem Volk offenbart. Er ist der Gott Israels, der Gott, der schon Abraham, Isaak und Jakob erschienen ist.
Und wenn Gott sich hier mit dem Namen Jahwe nennt, dann muss das Volk unweigerlich daran denken, dass Gott sich ihrer angenommen hat, dass er ihr Gott ist und dass sie sein Volk sein sollen. Gott ist ein Gott der Beziehung, was sich auch in seinem Namen widerspiegelt.
Er ist wirklich derGott Israels!
Gott
Hier wird der Name „El“ verwendet. Wir kennen diese Form zum Beispiel aus dem Namen „Immanuel“, was bedeutet „Gott ist mit uns“.
Das ist spannend, denn eben wurde Gott noch mit seinem Namen Jahwe benannt, der sich ja speziell auf das Volk Israel bezieht. Die Bezeichnung „El“ für „Gott“ ist aber nicht speziell auf Israel bezogen. Zur damaligen Zeit war es einfach die übliche Bezeichnung für Gott, so wie wir es im Deutschen auch kennen.
Ich denke daraus können wir auch entnehmen, dass Gott eben nicht nur der Gott speziell für Israel ist, sondern dass er ganz allgemein „Gott“ ist. Er will der Gott aller Menschen sein, nicht nur eines einzigen Volkes – und das nicht erst im NT, sondern von Anfang an. Denn ER ist Gott und kein anderer!
Und jetzt beschreibt er auch einige Wesensmerkmale.
Auffällig ist, dass hier die Gnade Gottes besonders im Fokus steht. 3x wird hier die Gnade wörtlich erwähnt. Aber gehen wir das mal Stück für Stück durch.
1.  Barmherzig und gnädig
Barmherzigkeit drückt das Mitgefühl Gottes aus. Ihm ist die Not und das Leid der Menschen nicht egal, sondern er erbarmt sich.
Die Gnade Gottes drückt das unverdient Gute aus, das Gott schenkt. Gnade erleben wir dann, wenn wir eigentlich eine Strafe / Konsequenz für etwas verdient haben, aber das dann doch nicht bekommen.
Weil Gott barmherzig ist, weil die Not der Menschen sieht und er Mitgefühl mit ihnen hat, deswegen ist Gott gnädig und schenkt unverdient Gutes. Aber was hat das mit dieser Situation zu tun?
2. Langsam zum Zorn
Er ist ein geduldiger Gott, der nicht unkontrolliert ausrastet. Umso erstaunlicher finde ich es, dass Gott das Volk Israel vernichten wollte, nachdem sie das goldene Kalb angebetet haben. Das war ja kein Aussetzer von Gott, dass er ein bisschen zu stark reagiert hätte oder so, sondern zeigt, wie abscheulich und schrecklich diese Sünde vor Gott war, dass das Maß voll war!
3. Reich an Gnade und Treue
Gott ist gnädig. Das wurde eben schon erwähnt, wird hier aber nochmal wiederholt und damit stärker betont. Aber Gott ist auch treu. Er steht zu seinem Wort, er hält sein Wort genauso ein, wie er es versprochen hat.
Und damit ist er das exakte Gegenteil zum Volk Israel.
Gott schließt diesen 1. Bund mit dem Volk – aber: Israel wird untreu, sie stehen nicht zu ihrem Versprechen, sondern brechen den Bund. Ganz anders ist Gott! Er hält, was er verspricht. Und obwohl Israel seinen Part gebrochen hat, hält Gott trotzdem daran fest! Denn er ist treu, selbst wenn der Mensch untreu ist (2Tim 2,13).
Und hier wird auch betont, dass Gott reich an Gnade und Treue ist. Spätestens hier zeigt sich der krasse Gegensatz zum Menschen.
Wenn wir in 1Mose 6 gucken, sehen wir:
Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen auf der Erde groß [reich] war und alles Sinnen der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. (Gen 6,5)
Gott ist reich an Gnade und Treue. Der Mensch ist reich an Bosheit und Sünde.
4. Bewahrt Gnade an tausenden von Generationen
Gott ist über Generationen hinweg gnädig! Seine Gnade ist nicht auf bestimmte Zeitabschnitte oder bestimmte Menschen beschränkt! Seine Gnade erstreckt sich über tausende Generationen, sie ist beständig, auch bis ins Jahr 2026 und darüber hinaus!
5. Der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt
Ich habe mich gefragt, warum hier 3 Begriffe genannt werden, die doch scheinbar gleich sind. Aber ich glaube, dass dadurch deutlich werden soll, wie umfassend Gottes Vergebung sind. Sämtliche Abweichung vom Maßstab Gottes, von seinem Willen, egal ob gegen Gott oder gegen einen Menschen, er vergibt! Seine Vergebung scheint nicht begrenzt, sondern umfassend zu sein! Darin äußert sich die Gnade Gottes ganz zentral: Da ist Schuld, da ist Sünde, aber Gott vergibt.
Die Frage ist: Wie? Wie kann Gott all diese Dinge vergeben?  Die Sünde ist ja immer noch im Raum, die löst sich ja nicht einfach in Luft auf!
Deswegen sehen wir auch weiter:
6. Keineswegs ungestraft lässt, sondern Schuld heimsucht
Gott ist auch ein gerechter Gott! Er lässt Sünde nicht ungestraft, er kann Sünde nicht ungestraft lassen, weil er vollkommen gerecht und heilig ist. Also Sündenvergebung heißt nicht, dass die Sünde dann einfach weg ist – sie muss gestraft werden, sie muss bezahlt werden!
Und das betrifft die Sünde, die das Volk durch das goldene Kalb auf sich geladen hat, genauso wie die Sünde, die du und ich tagtäglich begehen.
Aber was hat es mit der Aussage auf sich, dass Gott die Schuld an den Kindern heimsucht bis in die 4. Generation? Wenn ich heute irgendwo Schulden mache und dann aber sterbe, dann vererbe ich nicht nur meinen Besitz, sondern auch meine Schulden. Meine Schulden werden dann zu den Schulden meiner Kinder. Aber ist das mit der Sünde genauso? Können meine Kinder / Nachkommen für meine persönliche Schuld bestraft werden? Ist das nicht ungerecht, dass ein „unschuldiges“ Kind für die Schuld der Eltern bestraft wird?
Exkurs: Schuld an Generationen
Es gibt Begebenheiten in der Bibel, in denen ein Kind sterben musste, weil die Eltern gesündigt haben. Z.B. nach dem Ehebruch von David und Batseba, da musste das Kind, das dabei gezeugt wurde, sterben. Das war ein Gericht Gottes an Davidund wird auch von Gott begründet. Aber ist das die Regel? Handelt Gott so? Oder sind solche Begebenheiten Einzelfälle?
In 5Mose 24,16 finden wir die Aussage:
„16 Nicht sollen Väter um der Söhne willen getötet werden und Söhne sollen nicht um der Väter willen getötet werden; sie sollen jeder für seine ⟨eigene⟩ Sündegetötet werden.“
Die Sünde eines Menschen ist also nicht irgendwie vererbbar. Sondern jeder, der für eine Sünde bestraft wird, der soll für seine eigene, persönliche Sünde bestraft werden.
Was hier in 2Mose 34 gemeint ist, ist also nicht, dass Gott automatisch die Kinder und Enkel dafür straft, wenn eine Person sündigt. Was aber ganz deutlich wird: Sünde hat das Potenzial und die große Gefahr, dass sie sich in der Familie verbreitet und dass die Folgen der Sünde sich ganz deutlich in einer Familie bemerkbar machen können. Und genau das passiert in der Bibel zuhauf:
Wenn wir uns z.B. die Könige in Israel angucken, dann lesen wir ganz oft davon, dass ein Sohn in den Wegen seines Vaters gegangen ist, also dass er in der gleichen Art gesündigt hat, wie sein Vater es vor ihm getan hat. Wie soll er auch anders, er wurde ja in dieser Sünde erzogen und kennt es nicht anders. Da ist es eine Besonderheit, wenn da ein Hiskia oder ein Josia auftreten, die auf einmal nicht so Handeln wie ihre gottlosen Väter.
Auch in der Geschichte von Jakob sehen wir das. Er arbeitet insgesamt 14 Jahre, um letztendlich Rahel zu heiraten. Als sie dann von Laban fliehen wollten, da hat Rahel einen Hausgötzen von ihrem Vater geklaut und später behauptet, dass sie ihn nicht hat. Also Rahel wird nicht für den Götzendienst ihres Vaters bestraft, aber sie ist vermutlich seit ihrer Kindheit mit dieser Sünde konfrontiert und glaubt jetzt scheinbar auch selbst daran.
Zudem war es damals üblich, dass mehrere Generationen zusammengelebt haben. Es gab also nicht so eine starke Trennung wie heute häufig, sondern es haben ganze Sippschaften gemeinsam gelebt. So kam z.B. Jakob mit seinen Söhnen und deren Häusern, also deren Familien / Großfamilien nach Ägypten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich die Sünde eines Familienoberhauptes auch über mehrere Generationen hindurchzieht und bemerkbar macht, weil sie eben alle relativ eng zusammengelebt haben.
Ich glaube in dieser Weise ist der Text hier auch zu verstehen. Gott sagt hier nicht, dass er über Generationen hinweg strafen wird.
Ein paar Verse vorher sagt er sogar zu Mose:
„Wer gegen mich gesündigt hat, den lösche ich aus meinem Buch aus“ (Ex 32,33)
Aber Sünde birgt dieses zerstörerisch Potenzial, sich über mehrere Generationen hindurchzuziehen.
Die Neue evangelistische Übersetzung übersetzt es hier so, dass Gott
„die Schuld der Väter an den Kindern und Enkeln bis in die dritte und vierte Generation verfolgt“
Exkurs Ende
Wir sehen hier also das Wesen Gottes. Gott ist gnädig, er ist treu, er ist geduldig, er vergibt. Aber er kann Sünde auch nicht ungestraft lassen, Sünde muss bezahlt werden, ist zerstörerisch und kann sich über mehrere Generationen erstrecken.
Ich habe früher immer gedacht: Der Gott, der uns im AT beschrieben wird, ist ein zorniger Gott, der viel straft, manchmal auch brutal scheint. Erst im NT lesen wir dann vom gnädigen und liebenden Gott.
Aber guckt euch mal diesen Text an: Ja, wir finden auch den Aspekt der Gerechtigkeit und des Gerichts, aber im Fokus dieser Begebenheit steht die Gnade, die Treue, die Güte Gottes! Und so ist Gott im AT wie im NT gnädig, er ist aber auch im AT wie im NT gerecht und muss Sünde strafen. Sein Wesen ändert sich nicht, sondern er ist beständig!
Und als Mose dieses Wesen Gottes sieht, da kann er nicht anders, als sich anbetend auf den Boden zu werfen. Er betet Gott dafür an, wer er ist und wie er ist!
Wenn wir hier mal kurz anhalten: Wann hast du das letzte Mal Gott dafür angebetet, wer er ist? Nicht dafür, was er getan hat, nicht dafür, was er dir gegeben hat, sondern einfach dafür, wer er ist. Dass er ein gnädiger Gott ist, dass er treu ist, dass er heilig ist, dass er allmächtig ist, dass er Gott ist. Darum geht es doch – dass wir ihn für seine Herrlichkeit anbeten!
Und Mose bringt sein Anliegen nochmal zu Gott. Er bittet um das Wohlwollen (Gunst) Gottes, obwohl Gott ihm das am Tag vorher noch zugesagt hat (Ex 33,17).
Er bezeichnet Gott hier als „Herr“, aber eher in einer unterwürfigen und demütigen Form.
Er bittet Gott, dass er trotzdem weiter mit diesem Volk geht, was Gott ihm auch schon am Vortag zugesagt hat.
Mose bittet stellvertretend für das Volk um die Vergebung Gottes, weil Gott sich eben noch als vergebender Gott offenbart hat. Er ist sich bewusst, dass das Volk halsstarrig. Gott selbst hat das Volk als halsstarrig bezeichnet (Ex 32,9), weil sie sich gegen Gottes Willen und gegen den Bund aufgelehnt haben.
Deswegen wollte Gott das Volk ja vernichten und nicht mehr mit ihnen sein. Aber genau darauf zielt die Bitte von Mose. Er weiß um die Sünde und Hartnäckigkeit des Volkes und trotzdem – ja gerade deswegen – bittet er Gott um Vergebung und Gnade.
Mose appelliert hier an den vergebungswilligen und gnädigen Gott, dem er gerade begegnet ist. Er fleht regelrecht um Gottes Gnade für dieses sündige Volk!
Und Gott antwortet:
10 Er sprach: Siehe, ich schließe einen Bund: Vor deinem ganzen Volk will ich Wunder tun, wie sie ⟨bisher⟩ nicht vollbracht worden sind auf der ganzen Erde und unter allen Nationen. Und das ganze Volk, in dessen Mitte du ⟨lebst⟩, soll das Tun des HERRN sehen; denn furchterregend ist, was ich an dir tun werde.
Gott sagt hier: Okay, ich bin bereit weiter mit euch zu gehen! Gott schließt hier einen neuen Bund. Man könnte auch sagen: Gott erneuert den 1. Bund, den das Volk ja direkt wieder gebrochen hat.
Aber dieses mal scheint alles anders. Anstatt den ersten Bund einfach zu wiederholen und den Israeliten einzuschärfen, dass sie sich unbedingt an die Bedingungen halten müssen, fällt auf: Gott nennt keine Bedingungen für Israel!
Gott sagt hier, dass Erder Handelnde sein wird, unabhängig vom Volk Israel.
Er wird Wunder tun, die es noch nie gab.
Das Volk wird sehen, was Er tut.
Furchterregend wird es sein, was Er an und mit Israel tun wird.
Später verheißt er, dass Er Israel in das verheißene Land führen wird und dass Er die Feinde von dort vertreiben wird.
Dieser erneuerte Bund setzt also alles auf Anfang. Wir sprechen hier von einem einseitigen Bund, einem Schenkungsbund. Gott schließt zwar den Bund mit dem Volk, aber der Bund hängt nicht mehr von dem ab, was die Israeliten tun. Gott wird treu sein, Gott wird gnädig sein, Gott wird vergeben.
Im Umkehrschluss heißt das: Auch wenn das Volk wieder gegen Gott sündigen wird, auch wenn sie wieder gegen die Gebote Gottes verstoßen, auch wenn sie wieder andere Götter anbeten werden (und das werden sie!), selbst dann wird Gott treu sein. Selbst dann wird Gott gnädig sein! Selbst dann wird Gott vergeben!
Dieser Bund stellt einen Neustart da, einen Neustart, der allein auf der Gnade Gottes basiert! Deswegen kann dieser Bund nicht gebrochen werden, weil Gott zu seinem Versprechen steht!

Anwendung

Vielleicht fragst du dich jetzt: Das ist ja alles schön und gut, was wir hier gelesen haben. Interessante Geschichte vom Volk Israel, danke. Aber was hat das Ganze jetzt mit meinem Leben zu tun? Wir reden hier die ganze Zeit nur von Israel, aber hat der Text auch eine Aussage für mich heute?
Ich glaube, ja! Dieser Text ist natürlich erstmal ein historischer Text, eine Erzählung, die uns die Begebenheiten von vor etwa 3.500 Jahren schildert. Und so sollten wir den Text auch lesen und verstehen.
Aber ich bin überzeugt, dass die Ereignisse aus 2Mose 34 trotzdem auch für dich und mich etwas zu bedeuten haben. Gottes Wesen ändert sich nicht, niemals! Gott ist heute derselbe, der er vor 3.500 Jahren war.
Und wenn wir uns den ganzen Heilsplan Gottes aus unserem heutigen Standpunkt mal anschauen, dann verstehen wir umso besser, wie sich Gottes Gnade, seine Vergebung aber auch die Strafe für die Sünde gezeigt und erfüllt haben.
Ich glaube, dass dieser Bund, den Gott hier schließt, ein Vorschatten auf das ist, was später im Propheten Jeremia angekündigt wird. Dort lesen wir:
31 Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da schließe ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund: 32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen – diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war, spricht der HERR. [Also Israel war untreu, obwohl Gott seinen Teil des Bundes voll eingehalten hat] 33 Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und werde es auf ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. 34 Dann wird nicht mehr einer seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren und sagen: Erkennt den HERRN! Denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Schuld vergeben und an ihre Sünde nicht mehr denken. – Jer 31,31-34
Also auch hier lesen wir von einem Gesetz. Aber nicht mehr ein Gesetz, das Gott auf Steintafeln schreibt, sondern Gott schreibt es auf das Herz. Er kündigt hier eine Veränderung des Herzens an, die viel größer ist als das äußere Einhalten von Gesetzen.
Denn Gott wird die Schuld vergeben und nicht mehr an die Sünde denken! Was für ein unglaubliches Versprechen Gottes!
Aber die eine grundlegende Frage bleibt: Wieso kann Gott das hier sagen? Wieso kündigt Gott schon in 2Mose 34 und später auch in Jer 31 die Sündenvergebung an? Wir haben doch gelesen, dass Sünde nicht ungestraft bleiben kann, sondern dass Sünde bezahlt werden muss. Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst?
Weißt du, ich glaube, dass 2Mose 34 und auch Jer 31 wie historische Wegweiser auf ein Ereignis hindeuten, das vor 2000 Jahren geschehen ist. Ich glaube, dass Gottes Gnade und die Vergebung der Sünden wie ein großer roter Pfeil auf das Kommen von Jesus Christus hindeuten. Wir haben gerade Weihnachten hinter uns, wo wir gefeiert haben, dass Gott selbst als Mensch auf diese Erde gekommen ist.
Im Johannesevangelium Kap 1,14 lesen wir:
14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Einzigen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Jesus Christus ist Mensch geworden. So wie Mose einen Teil von Gottes Herrlichkeit auf dem Berg sehen durfte, so durften die Menschen den Sohn Gottes in seiner Herrlichkeit sehen – und er war voller Gnade und Wahrheit.
Jesus Christus ist gekommen, um uns die Gnade Gottes zu bringen. In V. 16 steht:
16 Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und ⟨zwar⟩ Gnade um Gnade
Kurz vor seiner Kreuzigung setzt Jesus diesen neuen Bund ein, der uns in Jer 31 angekündigt wird. Dort sagt er:
Denn dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden – Mt 26,28
Hier finden wir endlich die Vergebung der Sünden. Gott kündigt schon vor Tausenden von Jahren auf dem Berg Sinai an, dass er die Sünden vergeben wird, er bestätigt diese Aussage später durch den Propheten Jeremia (u.a.), aber immer war die Frage offen, wie das passieren wird. Hier sehen wir, dass sich das alles in Jesus Christus höchstpersönlich erfüllt. Gott kann die Sünden vergeben und gleichzeitig Sünde nicht ungestraft lassen. Das widerspricht sich nicht. Denn Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat sein Leben gegeben, er hat deine und meine Sünde auf sich genommen und die Strafe dafür ertragen, er ist dafür gestorben! Und dadurch kann Gott dir und mir die Schuld vergeben. Darin zeigt sich seine Treue, seine Gnade, seine Barmherzigkeit, seine Geduld, seine Heiligkeit! Alles ist vereint und erfüllt in Jesus Christus! Er ist das Zentrum der Geschichte und er allein verdient es im Zentrum meines Lebens zu stehen!
Anwendung
Und als Christian mich gefragt hat, ob ich an Silvester die Kurzpredigt halten will und ich so überlegt habe, welchen Text ich dafür betrachten will, da hat Gott mir diesen Text im Unterricht in der Bibelschule ganz besonders aufs Herz gelegt! Ich finde das AT grundsätzlich sehr spannend, aber dieser Text hat mich ganz besonders bewegt.
Am Ende eines Jahres oder am Anfang eines neuen Jahres ist es doch häufig so: Man reflektiert und man macht sich Vorsätze.
Man reflektiert das vergangene Jahr:
Was habe ich erlebt? Wem bin ich im letzten Jahr begegnet? Wo bin ich gewachsen? Wie hat sich mein Glaubensleben entwickelt? Welche Glaubensschritte bin ich gegangen? Wo habe ich versagt? Welche Schicksalsschläge habe ich vielleicht zu verarbeiten? Und vieles weiteres.
Ich glaube es ist gut, sich bewusst Zeit für persönliche Reflexion zu nehmen. Ich merke, dass ich das selber noch viel stärker machen sollte, weil es wirklich wertvoll ist.
Aber wenn ich dann so reflektiere wird mir sehr schnell auch mein Versagen in vielerlei Hinsicht bewusst.
Ich hatte Situationen in denen ich zornig war, ich war egoistisch, ich war habgierig, ich hatte böse Gedanken, habe schlecht über andere gesprochen, ich habe meine Rolle als Ehemann und Vater nicht so ausgelebt, wie Gott es von mir möchte, war vielleicht faul auf der Arbeit oder im Haushalt, … Wenn ich nur mein Versagen im letzten Jahr auflisten würde, dann käme da eine sehr lange Liste raus. Und wenn ich dann überlege, welche Vorsätze ich mir am Anfang des Jahres gesetzt hatte, ist das noch viel deprimierender. Ich weiß nicht ob ihr das kennt, aber in solchen Relfexionszeiten wird mir oft auch einfach mein Versagen und mein mangelndes Gottvertrauen bewusst.
Da musste ich an diese Begebenheit mit dem Volk Israel denken. Sie haben feierlich diesen Bund mit Gott geschlossen und alles schien in bester Ordnung, aber dann brechen sie diesen Bund, indem sie das Kalb anbeten. Sie versagen auf ganzer Linie.
Umso krasser und beeindruckender ist das Wesen Gottes im Gegensatz dazu. Gott kennt dieses Versagen des Volkes, aber anstatt bloß eine zweite Chance zu geben, dass sie es nochmal versuchen können, setzt er alles auf Anfang. Nicht das bloße Einhalten von Geboten hält die Israeliten in der Beziehung zu Gott, sondern es ist Gottes Gnade!
Er verspricht Gnade, Treue, Vergebung, Geduld.
Und ich glaube das Wesen Gottes hat sich nicht geändert. Ich glaube, dass Gott auch heute noch gnädig, treu, vergebend und geduldig ist. Er hat es uns in Jesus Christus gezeigt. Ich darf zu ihm kommen und meine Liste des Versagens bei ihm abgeben in der Gewissheit aus Kolosser 2,14
14 Er hat den Schuldschein, der mit seinen Forderungen gegen uns gerichtet war, für ungültig erklärt. Er hat ihn ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt. – Kol 2,14 (NeÜ)
Deswegen möchte ich dich mit dieser Predigt heute ermutigen: Ein weiteres Jahr liegt hinter uns. Wir haben viel erlebt, sowohl Höhen als auch Tiefen. Freude und Trauer. Gesundheit und Krankheit. Hochphasen und Tiefphasen in der Beziehung zu Gott. Und es ist gut, all das zu reflektieren, das sollten wir tun.
Aber reflektiere nicht nur um des Reflektierens willen, sondern bring all das, was dich im letzten Jahr bewegt hat zu Gott!
Bring das Gute, das du erlebt hast, zu Gott, indem du ihm dafür dankst, indem du ihn dafür lobst, indem du ihm dafür die Ehre gibst und anderen davon berichtest, wie Gott dich in seiner Treue durchgetragen hat. Lasst uns Gott danken und loben für das Gute, dass er uns schenkt und dass er an uns tut – das werden wir zum Teil auch die nächsten Tage in der Gebetswoche tun.
Bring aber vor allem auch dein Versagen zu Gott. Bekenne ihm Sünde, offenbare ihm dein Herz, wo du aus egoistischen und eigensüchtigen Motiven gehandelt hast. Bekenne ihm, wo du in deinem Leben auf etwas anderes als auf ihn allein vertraut hast. Gib all das, was dich bewegt, bei Gott ab. Gib es bei ihm ab und beginne das Jahr 2026 mit der Gnade Gottes.
Es ist mir persönlich so ein Anliegen und mein Wunsch für dich, dass die Gnade unseres Gottes und unseres Herrn Jesus Christus unser festes Fundament für das kommende Jahr 2026 ist! Baue auf ihn! Stütze dich auf seine Gnade und lass dich durch seine Gnade motivieren, voll für ihn durchzustarten. Wir dürfen zuversichtlich und mit Freude auf das nächste Jahr zugehen, auch wenn wir nicht wissen, was passiert. Aber wir wissen, dass die Gnade Gottes niemals aufhört, sondern dass sie jeden Morgen neu ist und wir jeden Morgen neu darauf bauen dürfen.
Und wenn du noch nicht persönlich mit Jesus Christus lebst, dann will ich gerade dich einladen: Nimm diese Gnade, dieses unverdiente Geschenk Gottes heute in Anspruch. Keine Sünde ist zu groß, als dass Gott sie nicht vergeben könnte! Er ist stellvertretend für dich gestorben, er bietet dir heute die Vergebung deiner Sünden an. Du musst es nur annehmen. Gott bietet dir heute einen Neustart an, dieser Neustart ist seine Gnade.
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