Predigt (unbenannt) (2)

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Silvesterfreizeit 2025/2026
Die Schlacht um unser Herz - Die Feinde der Stille:
________________
Wir beschäftigen uns ja diese Freizeit mit dem Thema “Stille”, da liegt es nahe das man sich das ganze einmal von der technischen Seite ansieht:
Was schätzt ihr, welchen Geräuschpegel in Dezibel (dB) wir Menschen als „still“ wahrnehmen?
Schauen wir uns die Skala kurz an:
40 dB: Ein leises Gespräch oder die Hintergrundgeräusche einer ruhigen Wohnung.
30 dB: Flüstern oder das sanfte Rascheln von Blättern. Das gilt schon als idealer Schlafzimmerpegel.
10–20 dB: Das Ticken einer Uhr oder das eigene leise Atmen.
Aber die 0 dB? Die absolute Hörschwelle? Die ist auf der Erde nahezu unerreichbar. Es gibt auf der Welt nur ganz wenige, speziell angefertigte „schalltote Räume“, die diese 0-dB-Grenze fast erreichen. Aber es gibt einen Ort, an dem 0 dB der Standard sind: Das Weltall.
Im Weltraum herrscht ein nahezu perfektes Vakuum. Wo keine Luftmoleküle sind, kann kein Schall übertragen werden. Das Universum ist schlichtweg lautlos. Das enttäuscht jetzt womöglich einige Star Wars Fans.
Das klingt im ersten Moment friedlich, ist aber für uns Menschen eine psychologische Extremsituation. Die NASA muss ihre Astronauten intensiv trainieren, damit sie lernen, mit dieser absoluten Stille umzugehen. Warum? Weil es im All so leise ist, dass man plötzlich Dinge hört, die man auf der Erde niemals wahrnimmt.
Wenn der äußere Lärm komplett wegfällt, hörst du plötzlich das Reiben deiner eigenen Muskeln über die Knochen. Du hörst das Rauschen deines eigenen Blutes in den Adern. In dieser absoluten Geräuschlosigkeit fängt das Gehirn an, Töne zu produzieren, die gar nicht da sind. Diese Stille kann einen Menschen buchstäblich in den Wahnsinn treiben.
Sobald der Lärm verstummt, kommt die „Unruhe unter der Oberfläche“ zum Vorschein. Alles, was wir tagsüber erfolgreich weggedrückt haben, ploppt wie ein Wasserball, den man unter Wasser drückt, nach oben:
alte Verletzungen,
Neid,
Gier,
ungeklärte Fragen
Angst vor der Zukunft
Wir nutzen den Lärm oft als Betäubungsmittel. Wir lassen den Fernseher oder den Podcast laufen, oft nicht weil uns der Inhalt brennend interessiert, sondern weil wir die Begegnung mit uns selbst (und damit mit Gott) fürchten.
Aber hier liegt „Die Wahrheit“: Nur was an die Oberfläche kommt, kann von Gott geheilt werden. Stille ist der OP-Saal Gottes.
Obwohl die Möglichkeiten der Zerstreuung/Ablenkung gefühlt exponentiell zunehmen ist das kein neues Phänomen unserer digitalen Zeit. Schon im 17. Jahrhundert erkannte der Wissenschaftler und Theologe Blaise Pascal dieses Problem.
Er schrieb:
„Das ganze Unglück der Menschen rührt aus einem einzigen Umstand her, nämlich dass sie nicht in der Lage sind, ruhig in einem Zimmer zu bleiben.“
Den Grund für diese Unfähigkeit sah er in der „natürlichen Armut unseres schwachen und sterblichen Zustands“. Er war überzeugt: Unser Zustand ohne Gott ist so elend, dass uns nichts trösten kann, wenn wir wirklich näher darüber nachdenken.
Um genau das zu vermeiden – das „näher darüber nachdenken“ –, flüchten wir uns in das, was Pascal „Zerstreuung“ nennt. Wir nutzen den Lärm, um uns von uns selbst abzulenken.
„Daher kommt es, dass die Menschen Lärm und Trubel so sehr lieben; daher kommt es, dass das Gefängnis eine so schreckliche Strafe ist; daher kommt es, dass das Vergnügen der Einsamkeit etwas Unbegreifliches ist.“
Doch es gibt eine Spannung in uns. Pascal beobachtete, dass wir einen „anderen geheimen Instinkt“ haben – einen Überrest der Größe unserer ursprünglichen Natur (unserer Gottebenbildlichkeit). Dieser Instinkt flüstert uns zu, dass wahres Glück nur in der Ruhe besteht und nicht im Aufgewühltsein.
Hier entsteht ein seltsamer Konflikt: Wir sehnen uns nach Ruhe, aber wir suchen sie durch Aufregung. Wir entwickeln die verwirrte Vorstellung:
„Sie bilden sich stets ein, dass die Zufriedenheit, die sie nicht haben, sich einstellen wird, wenn sie nur die Schwierigkeiten überwinden, die vor ihnen liegen, und sich dadurch die Tür zur Ruhe öffnen können.“
Wir alle kennen diesen Gedanken: „Wenn erst einmal die Prüfungen vorbei sind... wenn der Stress bei der Arbeit nachlässt... wenn ich erst einmal mehr Zeit habe, dann werde ich still vor Gott.“ Das ist ein Trugschluss. „Mehr Zeit“ ist wie ein Vakuum – wenn keine tiefere Lösung gefunden wird, füllt sich die neue Zeit auf exakt dieselbe Weise wie die Zeit, die wir bereits haben: mit Lärm und Zerstreuung.
Der Weg zur Befreiung und zur echten Ruhe führt nicht über einen leereren Terminkalender. Er führt über eine bewusste Entscheidung und eine geistliche Praxis. Stille fällt uns nicht in den Schoß; wir müssen sie erobern.
Und ich hoffe die letzten beiden Abende haben euch schon einige Werkzeuge zur Hand gegeben wie wir in diese Stille finden und wie wir in dieser Stille Gott begegnen können. Heute wollen wir uns noch einmal konkret mit den Feinden der Stille beschäftigen und wie wir sie überwinden.
Ich möchte zwei Hauptfeinde identifizieren, die uns den Zugang zur Stille versperren. Der eine lockt uns mit Vergnügen und Lärm – das ist der Feind der Zerstreuung. Der andere treibt uns mit Pflichtgefühl und Leistung an – das ist der Feind der Geschäftigkeit. Beide sehen unterschiedlich aus, aber sie haben dasselbe Ziel: Sie wollen verhindern, dass wir in der Ruhe Gottes Stimme hören.

1. Der Feind der Zerstreuung:

Den ersten Feind haben wir in der Einleitung schon kurz angeschnitten. Dieser Feind greift von außen an. Blaise Pascal nannte es Zerstreuung oder Ablenkung. Es ist der Versuch, das unvermeidliche Nachdenken über den Tod, das Elend und die Sinnlosigkeit durch ständige Aktivität zu betäuben. Pascal bezog sich dabei zwar auf den Zustand eines Menschen, der Gott noch nicht kennt, aber ich denke auch als Christ kennt man diese Flucht in die Zerstreuung nur zu gut.
Wir leben in einer Zeit, in der Stille systematisch weggezüchtet wird. Die drei Minuten an der Bushaltestelle, der Moment im Wartezimmer, die Stille vor dem Einschlafen – jede Lücke wird sofort gefüllt.
Das offensichtlichste Werkzeug dafür ist das „Doomscrolling“.
Du kennst diese Situation vielleicht: Du kommst nach einem anstrengenden Schul- oder Arbeitstag nach Hause und hast das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung. Dein Gehirn ist müde, du willst „abschalten“ und nichts mehr denken. In der verwirrten Vorstellung, du würdest dich entspannen, nur weil du körperlich still auf dem Sofa liegst, greifst du zum Handy.
Doch die Realität sieht anders aus. Statt deinem Geist Ruhe zu gönnen, bombardierst du ihn mit bunten Lichtern, schnellen Schnitten, sozialen Vergleichen und einer endlosen Kette an Katastrophenmeldungen. Du scrollst durch TikTok, Instagram oder News-Feeds und überreizt dein Dopamin-System völlig.
Wir leben in einer „Instant-Kultur“. Wir sind es gewohnt, dass alles sofort verfügbar ist – Amazon Prime liefert am nächsten Tag, Twitter-Feeds aktualisieren sich sekündlich. Doch eine „Instant-Spiritualität“ gibt es nicht. Eine tiefe, lebendige Beziehung zu Gott wächst nicht im 5-Sekunden-Takt. Wer nur in Schlagzeilen und kurzen Clips denkt, verliert die Fähigkeit, der „leisen Stimme“ Gottes über längere Zeit zuzuhören. Gott ist kein Algorithmus, der uns unterhält; er ist eine Person, die Aufmerksamkeit fordert.
Das ist das Paradoxon: Du verhinderst die echte mentale Ruhe – die heilsame Langeweile – und fühlst dich nach einer Stunde am Bildschirm oft leerer und unruhiger als zuvor.
Apps wie Instagram oder TikTok wirken dabei scheinbar kostenlos. Doch der Preis ist deine Aufmerksamkeit. Hochbezahlte Ingenieure arbeiten rund um die Uhr daran, Algorithmen zu perfektionieren, die dir genau das nächste Video vorschlagen, das dich am Haken hält. Es ist unglaublich schwer, dem zu widerstehen.
Oder nimm die „laute Stille“:
Das ist ein Phänomen, das du sicher kennst, auch wenn du es selten hinterfragst. Es ist die Unfähigkeit, Stille auch nur für zehn Minuten zu ertragen. Stell dir vor, du gehst im Wald spazieren, sitzt im Auto oder putzt die Wohnung. Eigentlich wären das geschenkte Momente, in denen deine Seele aufatmen könnte. Doch sobald die Stille einsetzt, wirst du nervös. Du greifst reflexartig zu den Kopfhörern.
Du hörst True-Crime-Podcasts, politische Analysen oder intensive Musik – Hauptsache, es redet jemand. Deine fromme Ausrede lautet oft: „Ich nutze die Zeit produktiv, ich bilde mich weiter!“ Weil du insgeheim denkst: Stille ist unproduktive Zeit.
Die Wahrheit ist, dass du oft Angst davor hast, mit deinen eigenen Gedanken allein zu sein. Denn wenn es still wird, kommen die Fragen hoch, die du verdrängt hast. Wenn es still wird, spürst du vielleicht eine Unzufriedenheit oder eine leise Stimme Gottes, die dich korrigieren möchte. Also drehst du die Lautstärke auf. Du übertönst die innere Unruhe mit äußerem Lärm.
Eine andere Form der Zerstreuung nennt sich “Retail Therapy”, also Einkauftheraphie und beschreibt das Einkaufen, um die Stimmung zu heben, Stress abzubauen oder sich besser zu fühlen.
Hierbei geht es fast nie um das Produkt selbst. Du kaufst vielleicht die zehnte Jacke oder irgendein neues Gadget, aber brauchst es meistens gar nicht. Wonach du dich wirklich sehnst, ist ein Gefühl von Kontrolle, Belohnung und „Angekommensein“.
Du scrollst, findest ein Angebot, und schon steigt die Spannung. Der Klick auf „Bestellen“ gibt dir einen kurzen, intensiven Dopamin-Kick. Für einen Moment glaubst du dem leeren Versprechen der Werbung: „Wenn ich dieses neue Objekt besitze, wird mein Leben geordneter, schöner oder bedeutender sein.“
Du wartest sehnsüchtig auf das Paket, doch sobald du es ausgepackt hast, verfliegt der Zauber erschreckend schnell. Was bleibt, ist oft Reue über das ausgegebene Geld oder die ernüchternde Erkenntnis, dass du immer noch dieselben Sorgen hast wie vor dem Kauf. Es ist der Versuch, ein inneres, geistliches Loch mit äußeren, materiellen Dingen zu stopfen – doch die Seele lässt sich nicht mit Materie sattmachen.
Selbst unsere Erholung machen wir zur Arbeit: Der „Optimierungs-Urlaub“.
Man könnte es auch den Simeon-Urlaub nennen!
Du sehnst dich nach einer Auszeit vom Leistungsdruck, nach einer Pause vom Terminkalender, du willst einfach nur „sein“. Doch was tust du? Du holst dir den Druck über die Hintertür wieder herein.
Du planst die Reise wie ein Projekt: „Sieben Städte in zehn Tagen“, Wanderungen, Museen, die besten Restaurants, die man gesehen haben muss. Die Vorstellung dahinter ist: „Ich muss die Zeit maximal nutzen, damit sich der Urlaub lohnt. Nur wer viel erlebt, erholt sich.“
Die Realität nennt man „Freizeit-Stress“. Du kommst gestresster zurück, als du abgereist bist, weil du deine freie Zeit mit Terminen vollgestopft hast. Du hast Stille durch „Erlebnis-Konsum“ ersetzt. Du hast nicht geruht, du hast abgehakt.
Als ich nach Arten der Zerstreuung gesucht habe, habe ich mich schon bei dem ein oder anderen ertappt gefühlt und da bleibt die Frage: Warum tun wir das alles? Warum fällt es uns so schwer, zur Ruhe zu kommen ?
Ich denke ein Mitgrund ist, dass wir tief in uns einer Reihe von Lügen glauben denen wir auf den Leim gehen:

1. Hinter dem Doomscrolling (Smartphone)

Die Lüge: „Solange mein Körper still liegt, ruht auch mein Geist.“
Oder: „Ablenkung ist dasselbe wie Erholung.“

2. Hinter der „lauten Stille“ (Podcasts/Musik)

Die Lüge: „Stille ist unproduktive, tote Zeit.“
Oder: „Ich bin nicht genug; ich muss mich ständig informieren oder unterhalten lassen, um wertvoll zu sein.“

3. Hinter der Retail Therapy (Shopping)

Die Lüge: „Innerer Frieden ist käuflich.“
Oder: „Wenn ich etwas Neues besitze, werde ich ein neuer (besserer) Mensch sein.“
Kurz: „Glück ist lieferbar.“

4. Hinter dem Optimierungs-Urlaub

Die Lüge: „Ich entspanne nur, wenn ich etwas ‚leiste‘ oder erlebe.“
Oder: „Stille sein/Ruhen ist Verschwendung von Lebenszeit.“
Wir glauben, dass wir die innere Leere füllen können, wenn wir nur genug von außen hineinkippen. Aber das ist ein Trugschluss. All diese Dinge versprechen uns Erholung und Fülle, doch am Ende lassen sie uns nur noch leerer, ausgebrannter und unzufriedener zurück. Wir füllen das Vakuum nur mit Lärm, weil Lärm einfacher zu ertragen ist als die Fragen unserer Seele.
Lösungsansätze einbringen:
Wir haben nun die Feinde erkannt: Die Zerstreuung und die Geschäftigkeit. Aber wie kämpfen wir dagegen an? Wie sieht die Strategie für diese Schlacht um unser Herz aus? Ich möchte euch konkrete Lösungsansätze mitgeben, keine frommen Floskeln, sondern Werkzeuge.
Dazu müssen wir eines verstehen: Wir müssen die Stille aktiv gegen unsere Geräte verteidigen. Stille ist heute ein Akt des Widerstands. Sie passiert nicht einfach so. Stille ist eine Disziplin, keine Belohnung. Wenn wir nicht lernen, mitten im Chaos still zu werden, werden wir es auch in der absoluten Einsamkeit nicht können.

1) Entlarve den Impuls: Wenn du das nächste Mal zum Handy greifst, halte kurz inne. Frage dich: Warum tue ich das gerade? Bin ich müde? Bin ich gelangweilt? Will ich etwas verdrängen? Es gibt diesen Moment, wenn eine Webseite 3 Sekunden lädt und wir schon reflexartig WhatsApp öffnen. Widerstehe dem! Lass die Seite laden. Atme durch. Trainiere deinen „Aufmerksamkeits-Muskel“ wieder.

2) Schaffe heilige Räume (Das Handygefängnis): Unsere Smartphones sind ein Schweizer Taschenmesser der Ablenkung: Wecker, Fernseher, Postamt und Spielekonsole in einem. Wir müssen diese Funktionen wieder entkoppeln. Kauf dir einen analogen Wecker. Und dann: Hol dir ein ‚Handygefängnis‘. Leg einen Ort im Flur fest – vielleicht eine Schale oder eine Kiste. Wenn du nach Hause kommst, legst du das Gerät dort ab. Es ist nicht in deiner Hosentasche, es liegt nicht auf dem Tisch beim Essen. Sei präsent dort, wo deine Füße sind.

Drittens: Die 1-1-1 Regel. Um aus der Tretmühle auszubrechen, brauchen wir Rhythmus.
1 Stunde am Tag ohne Bildschirm (vielleicht die erste oder die letzte Stunde des Tages).
1 Tag in der Woche als Ruhetag (Sabbat), an dem Leistung keine Rolle spielt.
1 Woche im Jahr, die ganz Gott und der Erholung gehört (wie diese Freizeit hier). Such dir einen Partner, jemanden aus deiner Kleingruppe, und gebt euch gegenseitig Rechenschaft. Es ist schwer, das allein durchzuhalten. Aber es lohnt sich.“
Das hilft uns, die äußeren Störquellen auszuschalten. Aber seien wir ehrlich: Selbst wenn das Handy im Flur liegt, geht der Lärm im Kopf oft erst richtig los:

3) Der ‚To-Do-Listen‘-Feind

Ihr sitzt da, wollt beten, und plötzlich schießt es euch durch den Kopf: ‚Ich muss noch Oma anrufen!‘ oder ‚Ich habe vergessen, die Überweisung zu machen!‘. Der Fehler, den wir oft machen: Wir versuchen krampfhaft, den Gedanken zu unterdrücken – und denken dadurch nur noch intensiver daran.
Die Lösung: Legt euch Zettel und Stift parat. Wenn der Gedanke kommt, schreibt ihn kurz auf. Damit signalisiert ihr eurem Gehirn: ‚Es ist notiert, es geht nicht verloren.‘ So bekommt ihr den Gedanken aus dem Kopf auf das Papier und könnt sofort in die Stille zurückkehren.

4) Der ‚Ich-langweile-mich‘-Feind

Nach fünf Minuten ohne Input fühlt sich unser Gehirn oft auf Entzug. Wir werden hibbelig. Wir denken: ‚Hier passiert ja nichts.‘
Aber Langeweile ist oft nur die Maske unserer Ruhelosigkeit. Die Lösung: Akzeptiert die Langeweile. Lauft nicht weg. Sagt Gott ganz ehrlich: ‚Herr, ich langweile mich gerade zu Tode, aber ich bleibe trotzdem hier bei dir.‘ Das ist ein mächtiges Gebet, denn es bricht die Macht der ständigen Reizsuche. Es trainiert das Aushalten.

5) Der ‚Ich-mache-es-falsch‘-Feind

Das ist vielleicht der tückischste Feind. Wir sitzen da und warten auf das große geistliche Feuerwerk, die Gänsehaut, die Erleuchtung. Und wenn die ausbleibt, denken wir: ‚Ich kann das nicht. Ich bin nicht fromm genug. Es bringt nichts.‘
Die Wahrheit ist: Es gibt keine ‚perfekte‘ Stille. Der Erfolg der Stille liegt nicht in einem ekstatischen Gefühl, sondern in der bloßen Tatsache, dass ihr erschienen seid. Euer Erscheinen ist euer Geschenk an Gott. Dass du da bist, ist der Sieg.“
Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung!
Handy nur im Stehen zu nutzen! hat zwei Wochen gehalten, aber es macht das benutzen unattrativ!
Doch die Zerstreuung lauert nicht nur im Smartphones. Wenn wir das Handy weglegen, wartet oft schon der nächste, vielleicht noch tückischere Feind auf uns. Er tarnt sich als Tugend, als Fleiß oder als Pflichtbewusstsein.

2. Der Feind der Geschäftigkeit

Vielleicht sagst du: „Ich hänge gar nicht so viel am Handy.“ Aber wie sieht es mit deinem Terminkalender aus? Pascal beschreibt nicht nur die Flucht ins Vergnügen, sondern auch die Flucht in die Aktivität. Ein überfüllter Terminkalender kann die Seele genauso effektiv betäuben wie TikTok. Wir rennen von Termin zu Termin, erledigen, organisieren, „machen“. Oft verspüren wir womöglich sogar einen gewissen Stolz über unsere Geschäftigkeit, weil wir unsere Zeit ja nicht verplempern. In unserer Gesellschaft ist Stress ein Statussymbol:
Wer beschäftigt ist, ist wichtig
Wer keine Zeit hat, wird gebraucht 
Aber das Ergebnis ist dasselbe: Wir werden unfähig, Gottes sanfte Stimme zu hören, weil es in uns nie still wird.
Die Bibel kennt zwar kein Instagram, TikTok oder Netflix-Algorithmen, aber sie kennt das menschliche Herz. Und sie hat uns dazu etwas Wichtiges zu sagen.
In einer Geschichte, die viele kennen, sie steht in
Lukas 10,38-42 (Maria und Martha)
Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu. Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!« – »Martha, Martha«, erwiderte der Herr, »du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.«
Schauen wir uns genau an, was hier passiert. Jesus kommt mit seinen Jüngern – das sind mindestens 13 hungrige Männer. Stellt euch vor 13 Ramens kommen zu Besuch und du hast die Aufgabe sie satt zu bekommen!
Es ist völlig logisch, dass Martha alle Hände voll zu tun hat. Gastfreundschaft war im Orient heilig und so war Martha ihr Ruf als Gastgeberin zu gelten, sicher sehr wichtig.
Doch während Martha die Gäste bediente und alle Hände voll zutun hatte, war ihre Schwester Maria mit anderen Dingen beschäftigt. Sie saß zu den Füßen Jesu und hörte ihm zu.
Das war insofern ungewöhnlich, weil das Sitzen zu Füßen eines Rabbi (Lehrers) im Judentum eigentlich den Männern vorbehalten war. Zu jemandes Füßen zu sitzen symbolisierte die Beziehung eines Jüngers zu seinem Rabbi. Der Jünger wurde gelehrt wurde um später unter anderem selbst zu lehren.
So wie Paulus in Apg 22,3 schreibt: “Unterwiesen wurde ich zu den Füßen Gamaliels...”
Für Frauen gab es im damaligen religiösen Leben keinen Grund diese Rolle in der Art einzunehmen, weil sie selbst keine lehrende Rolle einnehmen konnten.
Womöglich war es also nicht bloß die fehlende Hilfe in der Küche die Martha störte, sondern auch, dass sich ihre Schwester eine Rolle anmaßte die in der damaligen Gesellschaft unüblich war.
Nachdem Martha hier immer gerügt wird, möchte ich eine positive Sache an ihr hervorheben, denn eine Sache macht sie vorbildlich:
Sie geht mit ihrem Frust zu Jesus!
Wobei ich mir nicht sicher bin ob es in der Situation nicht besser wäre, sie wäre mit ihrem Frust direkt zu ihrer Schwester gegangen!
Aber die Frage die sie stellt ist gefährlich: Es ist nämlich eine klassische Suggestivfrage.
Und hier ein Rat am Rande an alle Männer hier im Raum: Wenn euch eine Frau eine Frage in diesem Tonfall stellt, gibt es eigentlich nur falsche Antworten! Das ist genau diese Kategorie von Fragen wie:
„Fällt dir gar nichts Neues an mir auf?“
 (Der pure Horror. War sie beim Friseur? Neue Brille? Hat sie abgenommen? Egal was du sagst, wenn es das Falsche ist, bist du geliefert.)
„Oh, störe ich dich etwa beim Entspannen, während ich hier staubsauge?“
(Das ist genau Marthas Energie. Sie fragt nicht um Hilfe, sie verurteilt deine Ruhe.)
Egal was du sagst – du hast eigentlich schon verloren, bevor du den Mund aufmachst. Es ist keine Frage nach Information, es ist eine Falle.
Und genau das tut Martha hier. Sie fragt: „Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“
Seht ihr das Problem?
Marthas bittet nicht einfach um Hilfe beim Kartoffelschälen. Sie will, dass Jesus ihre Sicht bestätigt. Sie will hören: „Martha, du hast Recht. Was du tust, ist das Wichtigste. Maria sollte sich schämen, einfach nur dazusitzen.“
Sie ist gefangen in der Vorstellung, dass ihre Art zu dienen (das Machen) die einzig richtige ist. Und weil Maria nicht in dieses Schema passt, fühlt Martha sich ungerecht behandelt. Das ist das tragische Ergebnis, wenn Geschäftigkeit unser Herz regiert: Wir fangen an zu vergleichen. Wir schauen auf die, die „weniger tun“ oder „ruhiger sind“, und verurteilen sie.
Statt die Nähe Jesu zu genießen, klagt sie Maria an.
Wir lesen in V:
Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen.
andere Übersetzungen schreiben:
“Martha hingegen war völlig in Anspruch genommen von dem vielen Dienst.”
Es bedeutet wörtlich: „Sie wurde ringsum auseinandergezerrt.“ Es beschreibt jemanden, der innerlich in verschiedene Richtungen gezogen wird. Kennen wir auch aus dem Deutschen: mich zerreißts, hin- und hergerissen zu sein.
Doch Jesus lässt sich davon nicht blenden. Er kannte das, was Marthas Herz wirklich umtrieb, und er benennt es!
„Martha, Martha“, erwidert er – und die Wiederholung ihres Namens ist ein Zeichen liebevoller Dringlichkeit –, „du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe.“
in Sorge: Das bedeutet „geteilt sein“. Ihre Gedanken kreisen um das Gelingen des Essens, um ihren Ruf als Gastgeberin, um die Erwartungen der anderen.
Unruhe: Das bedeutet „Lärm machen“ oder „in Aufruhr sein“.
Jesus sagt im Grunde:
„Martha, du bedienst mich zwar, aber du verpasst mich. Du bist so beschäftigt damit, für mich zu arbeiten, dass du keine Zeit hast, mit mir zu sein.“
Du versuchst, dir durch dein Tun einen Wert zu erarbeiten, den du bei mir längst hast. Du bist so beschäftigt damit, für mich zu arbeiten, dass du mich dabei völlig verpasst.“
Martha repräsentiert viele von uns. Wir flüchten in die Arbeit – sei es im Job, in der Familie oder sogar im Gemeindedienst –, weil wir glauben, dass wir uns Gottes Liebe (oder die Anerkennung der Menschen) verdienen müssen. Wir ertragen die Stille nicht, wie Maria. Wir müssen „Macher“ sein, um uns wertvoll zu fühlen.
Unterschied: Viel zu tun haben und gehetzt/geschäftig zu sein:
Es gibt dazu ein faszinierendes Vorbild: Schau dir Jesus an.
Denk einmal kurz über seine Situation nach. Wenn irgendein Mensch in der Weltgeschichte einen Grund gehabt hätte, gestresst zu sein, dann er. Er hatte die wichtigste Mission aller Zeiten: Die Rettung der Menschheit. Und er hatte ein enges Zeitfenster: Nur drei Jahre öffentliches Wirken.
Und doch fällt eines auf, wenn man die Evangelien liest: Jesus war nie gestresst. Du findest keine Stelle, an der Jesus rennt. Du findest keine Stelle, an der er auf die Uhr schaut und sagt: „Tut mir leid, keine Zeit, ich bin spät dran.“
Er war beschäftigt, ja. Seine Tage waren voll. Aber er war nie in Eile. Ich denke es gibt einen Unterschied zwischen „viel zu tun haben“ und „gehetzt sein“. Jesus lebte in einer radikalen Präsenz. Das sehen wir am besten daran, wie er mit Unterbrechungen umging. Wenn er auf dem Weg zu einem wichtigen Ziel war – etwa zu Jairus’ sterbender Tochter – und eine kranke Frau ihn aufhielt, dann blieb er stehen. Er redete mit ihr. Er war ganz bei ihr. Er hat Zeit für das eine Kind, für den einen
Warum fällt uns das so schwer? Warum sind wir – im Gegensatz zu Jesus – innerlich so getrieben? Weil wir auch in dieser Hinsicht gern einer Lüge glauben - der Fata Morgana des „Irgendwann“.
Der Hoffnung auf bessere Umstände. Wir reden uns ein: „Wenn diese Freizeit erst vorbei ist...“ „Wenn die Prüfungsphase durch ist...“ „Wenn ich erst im Beruf angekommen bin... dann habe ich Zeit für Gott. Dann kehrt Ruhe ein.“
Wir glauben fälschlicherweise, Ruhe sei das Ergebnis eines leeren Terminkalenders. Wir bilden uns ein, wir müssten nur die nächste Schwierigkeit meistern, um die „Tür zur Ruhe“ zu öffnen. Doch Blaise Pascal hat uns gelehrt: Ruhe ist kein Ort, den man erreicht, wenn man alle Hindernisse überwunden hat.
Schau auf Jesus: Er hat nicht gewartet, bis die Umstände perfekt waren. Er hat nicht auf den „leeren Kalender“ gewartet, um Frieden zu haben. Er wusste: Die Tür zur Ruhe wird nicht durch äußere Umstände geöffnet, sondern durch eine innere Entscheidung!
Unser Fehler ist oft, dass wir unser Glück von der Zukunft abhängig machen. Und genau deshalb die Gegenwart verpassen!
Wie oft bist du körperlich anwesend, aber geistig schon ganz woanders? Wir sitzen im Gottesdienst, planen aber schon das Mittagessen. Wir spielen mit unseren Kindern oder reden mit Freunden, sind aber gedanklich schon bei der nächsten Anschaffung, beim nächsten Urlaub oder bei den Terminen der kommenden Woche. Wir behandeln die Gegenwart oft nur wie ein lästiges Wartezimmer auf dem Weg zu einem vermeintlich besseren „Dann“. Wir denken:
„Wenn erst Wochenende ist...“,
„Wenn erst der Urlaub da ist...“,
„Wenn ich erst das neue Auto habe, dann bin ich zufrieden.“
Aber dann am Wochenende bist du gedanklich schon in der nächsten Woche und im Urlaub machst du dir schon Gedanken über den nächsten Urlaub!
Aber Jesus hat uns etwas anderes vorgelebt. Er lebte nicht im „Morgen“, er lebte im „Heute“.
Wir müssen wieder lernen, präsent zu sein. Wir müssen lernen, da zu sein, wo unsere Füße sind. Denn Gott begegnet uns nicht in der Vergangenheit (die ist vorbei) und auch nicht in der Zukunft (die ist noch nicht da).
Wie ist Gottes Name?
Gott heißt „Ich bin“, nicht „Ich werde sein“. Man kann ihm nur in der Gegenwart begegnen.
Unsere Eile und unsere Gedankenflucht in die Zukunft sind oft ein Zeichen von fehlendem inneren Frieden. Wer innerlich satt ist und Gott vertraut, muss nicht in die Zukunft flüchten. Er kann den Moment aushalten – und ihn sogar genießen.
Unsere Eile ist oft kein Zeichen von Wichtigkeit, sondern ein Zeichen von fehlendem inneren Frieden.
Doch wie finden wir heraus, was uns wirklich aus dem Moment stiehlt? Wie entlarven wir den wahren Grund unserer Unruhe? Dazu hilft eine einfache Übung.
Vielleicht hast du diese Erfahrung heute in der Stillen Zeit am Nachmittag auch gemacht, wenn es außen herum stillt wird, nehmen wir plötzlich Dinge wahr, die sonst unter der Oberfläche bleiben:
Mach einmal den „Standby-Test“: wohin wandern deine Gedanken automatisch, wenn du sie nicht kontrollierst? Oder anders gefragt: Was ist gerade das Lauteste in dir, wenn es außen still wird:
Kreisen sie um die nächste Anschaffung? (Der Feind „Besitz“)
Kreisen sie um die Meinung anderer? (Der Feind „Anerkennung“)
Oder kreisen sie um Ängste und Sorgen?
Das, womit sich unsere Gedanken füllen, wenn wir im „Standby-Modus“ sind, das ist unser eigentlicher Schatz. Und Jesus sagt in Matthäus 6 so treffend: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“
Hier schließt sich der Kreis zu unseren Fluchtmechanismen:
Wenn dein Schatz Besitz ist, wirst du dich in die „Retail Therapy“ flüchten – du kaufst, um dich zu trösten, und sammelst Reichtümer, die Motten und Rost zerfressen.
Wenn dein Schatz Anerkennung ist, wirst du dich in Arbeit und Leistung flüchten – genau so wie Martha –, um zu beweisen, dass du gut genug bist.
Das führt uns zu einer tiefen Wahrheit über Martha – und über uns selbst: Götzendienst ist nichts anderes, als von etwas anderem als Gott erfüllt zu sein.
Marthas eigentliches Problem war nicht die Küche. Kochen ist nichts Schlechtes. Ihr Problem war, dass die Küche in diesem Moment größer war als Jesus. Sie wollte dem Herrn dienen, aber der Dienst wurde wichtiger als der Herr. Ihre Identität hing an der perfekten Gastgeber-Rolle, und deshalb wurde sie innerlich „auseinandergezogen“, als es stressig wurde.
Aber das Schöne an dieser Geschichte ist das Ende – oder besser gesagt, das, was danach passiert. Wir begegnen Martha nämlich später in der Bibel erneut, in Johannes 12.
Johannes 12, 1-2
Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus wieder nach Betanien, wo Lazarus wohnte, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort wurde nun Jesus zu Ehren ein Festessen gegeben. Martha bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus an dem Essen teilnahmen.
Und was tut sie? Sie dient wieder. Sie bewirtet Gäste. Aber dort lesen wir nichts mehr von Beschwerden, Vorwürfen oder Stress. Sie hat ihre Lektion gelernt. Sie hat gelernt, dass man dienen kann, ohne innerlich zerrissen zu sein. Sie hat gelernt, den inneren Feind zu besiegen, indem sie – wie ihre Schwester Maria – zuerst das eine Notwendige wählt. Sie dient jetzt aus der Ruhe heraus, nicht mehr aus der Sucht nach Anerkennung. Und genau da will Jesus auch mit uns hin.
Zusammenfassung und Abschluss:
Wir haben heute Abend viel gehört von der Schlacht um unser Herz. Vom Feind der Zerstreuung in von Doomscrolling bis zur „Instant-Kultur“, die uns glauben lässt, wir könnten geistliches Wachstum im 5-Sekunden-Takt konsumieren.
Wir haben den Feind der Geschäftigkeit und wie wir oft aus Lügen die wir glauben heraus handeln und denken: „Wenn ich erst alles erledigt habe, dann finde ich Ruhe.“
Wir haben gesehen wie anders Jesus war, das er nicht auf bessere Umstände gewartet hat, sondern die Tür zur Ruhe durch eine innere Entscheidung geöffnet hat!
Letztendlich ging es um die Frage: Womit ist dein Herz gefüllt? Wo suchst du Trost/Erfüllung etc.?
Im Lärm und der Zerstreuung oder bei dem, der unsere Seelen wirklich satt machen kann?
In Psalm 46,11 heißt es: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“
Stille ist essentiell, denn dort finden wir Gott!
Um die „Stimme des sanften Sausens“ zu hören, die erst dann hörbar wird, wenn der Sturm der Zerstreuung schweigt.
Ich möchte schließen mit einer Geschichte von Martin Luther King:
In der Hochphase des Bürgerrechtskampfs 1956 war er physisch und psychisch am Ende. Er erhielt bis zu 40 Drohanrufe am Tag. Der Druck war unmenschlich. Er wurde schikaniert, wo es nur ging – einmal wurde er verhaftet, weil er in einer 25-Meilen-Zone 30 gefahren war. Eines Nachts, es war kurz vor Mitternacht, klingelte das Telefon erneut. Eine hasserfüllte Stimme sagte ihm: „Nigger, wir haben es satt. In drei Tagen jagen wir dein Haus in die Luft und dich gleich mit.“
King war gelähmt vor Angst. Er konnte nicht schlafen, ging in die Küche und saß dort allein in der Dunkelheit. Er vergrub das Gesicht in den Händen und betete: „Herr, ich bin hier für das Recht. Aber ich habe Angst. Ich habe keine Kraft mehr. Ich bin am Ende.“
Und in diesem Moment der absoluten Stille, am Tiefpunkt seiner Angst, passierte es. King beschrieb es später so:
„Es war, als hörte ich eine innere Stimme, die mir sagte: ‚Martin Luther, steh auf für das Recht. Steh auf für die Gerechtigkeit. Steh auf für die Wahrheit. Und siehe, ich bin bei dir, bis ans Ende der Welt.‘“
Seine Angst verschwand. Drei Tage später wurde sein Haus tatsächlich bombardiert. Seine Frau und sein Kind waren drin (kamen aber unverletzt davon). King eilte nach Hause, sah die Trümmer – und blieb vollkommen ruhig. Er hatte die Kraft am Küchentisch empfangen. Er hatte Gottes Stimme gehört.
Und jetzt stellt euch die Frage: Was, wenn Martin Luther King ein Smartphone gehabt hätte?
Was, wenn er diese heiligen Minuten der Angst am Küchentisch einfach weggescrollt hätte? Ein bisschen Instagram zur Ablenkung? Ein schnelles Spiel gegen den Stress? Er hätte sich vielleicht kurzfristig betäubt. Aber er hätte die Stimme Gottes überhört. Er hätte die Kraft nicht bekommen. Die Geschichte wäre sicher anders verlaufen.
Die Anwendung für dich und mich heute Abend:
Gott möchte zu dir reden. Vielleicht will er dich trösten, vielleicht will er dich korrigieren, vielleicht will er dir einen Auftrag geben, so wie Martin Luther King. Aber er wird dich nicht anschreien. Er wartet im „sanften Sausen“.
Geben wir Gott die Chance, die Stille zu füllen, anstatt sie selbst zu betäuben.
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