Allianz Gebetswoche 2026 - Tag 8
Sermon • Submitted • Presented
0 ratings
· 7 viewsNotes
Transcript
Gott ist treu - Unsere Botschaft für die Welt
Gott ist treu - Unsere Botschaft für die Welt
Ich weiß nicht, ob es euch schon aufgefallen ist, aber wir - du und ich - wir werden immer älter :-). Und je älter wir werden, umso mehr spüren wir das. Jedenfalls ist das bei mir so. Schon mit Anfang 40 hat mir ein Ortopäde, zu dem ich wegen Schmerzen in der Hüfte gekommen war, gesagt: “Was wollen Sie, Sie sind über 40. Wenn Sie morgens aufwachen und es tut ihnen nichts weh, dann sind Sie tot.” Seither stelle ich jeden Morgen fest, dass ich noch lebe :-)
Das war - wie gesagt - mit Anfang 40, also vor über 20 Jahren. Und ganz ehrlich, es ist nicht wirklich besser geworden seither. Eine Brille trage ich schon lange, eine künstliche Hüfte habe ich auch schon ein paar Jahre, schon längst sind nicht mehr alle meine Zähle Originale, und jetzt kommt wohl bald ein Höhrgerät dazu. Mein Vater hat das einmal “die Abbruchgeräusche unserer Leiblichkeit” genannt.
Kennst du das auch? Erschreckt dich das? Denkst du auch manchmal, was da wohl noch alles kommen wird? Das ist übrigens nichts Neues, sondern so alt wie die Menschheit. In dem Buch Prediger gibt es einen spannenden Text, der diesen zunehmenden Verfall, diese “Abbruchgeräusche unserer Leiblichkeit” sehr schön und bildhaft beschreibt. Er steht in Pred. 12,1-7 und beginnt mit den Worten:
Prediger 12,1 „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: »Sie gefallen mir nicht«;“
Die “bösen Tage” und die Jahre, die uns nicht gefallen - so beschreibt der Prediger hier das Älterwerden. Und dann folgen viele Bilder, mit denen er dieses Älterwerden beschreibt.
Dabei sind es ja meistens überhaupt nicht die körperlichen Beschwerden, die uns die meiste Angst vor dem Alter machen. Als ich so darüber nachgedacht habe, wurde mir klar, dass es eigentlich etwas ganz Anderes ist. Es ist die Unausweichlichkeit, das Abschiednehmen, dass ich immer mehr feststelle, wie wenig ich dieses Leben und meine eigene Zukunft in der Hand habe. Und dass dieses Leben unweigerlich auf den Tod zuläuft. Das gilt auch schon für ganz junge Menschen. Aber je älter wir werden, umso mehr werden wir damit konfrontiert, können wir der Tatsache nicht mehr ausweichen.
In diese Überlegungen leuchtet das Thema unserer Allianz-Gebetswoche wie ein helles Scheinwerferlicht hinein: Gott ist treu! Auf ihn kann ich mich verlassen, auch wenn alles in dieser Welt unsicher wird und alle menschlichen Sicherheiten nach und nach vergehen. Gott ist treu - und das ist unsere Botschaft für die Welt!
Der Bibeltext, der für heute ausgesucht worden ist, steht in Ps. 71 und er nimmt, wenn wir den Psalm einmal als Ganzes lesen, den Gedanken, mit dem ich diese Predigt begonnen habe, auf. Ich lese jetzt nicht den ganzen Psalm, aber ich möchte uns doch kurz zeigen, wie er aufgebaut ist:
Psalm 71
Wir erfahren weder, wer diesen Psalm geschrieben hat, noch in welcher Situation er enstanden ist. Aber ganz offensichtlich stammt er von einem Menschen, der in seinem Leben immer wieder erfahren hat, dass Gott treu ist und ihm in den unterschiedlichsten Situationen geholfen hat. Er beginnt mit den Worten “Herr, ich traue auf dich”, oder - wie man wörtlich übersetzen könnte - “In dir, Herr, suche ich Zuflucht (berge ich mich)” (V.1). In den ersten drei Versen beschreibt der Psalmist dann, wie er sich in allen Schwierigkeiten seines Lebens an diesen Herrn wendet.
In den Versen 4-11 erfahren wir, dass Gott dem Psalmschreiber immer wieder geholfen hat. Und weil das so ist, bittet er darum, dass Gott ihn auch im Alter nicht allein lassen möge: “Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde” (V.9).
Dann wendet sich der Psalmist an Gott und bittet ihn, dass er ihn auch jetzt retten möge vor allen seinen Feinden (12-13) und verspricht Gott, dass er ihn von ganzem Herzen preisen und ihm danken will für eben diese Rettung (14-16). In diesem Abschnitt stehen auch die beiden Verse, die für unsere Predigt heute angegeben sind:
Psalmen 71,15–16 „Mein Mund soll erzählen von deiner Gerechtigkeit, den ganzen Tag über von deiner Rettung, fürwahr, ich kann sie nicht zählen. Ich gehe einher in den Machttagen Gottes des Herrn; ich bringe in Erinnerung deine Gerechtigkeit allein.“
Nach diesem Aufruf, Gott zu loben, greift der Psalmschreiber noch einmal den Gedanken auf, dass Gott ihm von Jugend an geholfen habe und bittet erneut, ihn nun auch im Alter zu bewahren und zu begleiten (17-21). Schließlich endet der Psalm damit, dass der Schreiber sich selbst auffordert, Gott für diese Hilfe und diesen Schutz zu loben und ihn zu preisen. Und eigentlich könnte man jetzt den Psalm wieder von Anfang an singen und beten: “In dir, Herr, suche ich Zuflucht” ...
Zwei kurze Gedanken zu unserem Bibeltext:
Gott ist treu - die Grundlage unserer Beziehung zu ihm
Gott ist treu - unsere Botschaft für die Welt
1. Gott ist treu - die Grundlage unserer Beziehung zu ihm
1. Gott ist treu - die Grundlage unserer Beziehung zu ihm
Der Psalmschreiber in unserem Psalm hat in seinem Leben immer wieder erfahren, dass Gott ihm hilft und ihm nahe ist. Gott ist sein Schutz und seine Zuflucht gewesen und hat ihm aus Not herausgeholfen. Dieses Wissen, diese Erfahrung, bestärken ihn, auch für seine Zukunft, sein Alter, auf diesen Gott zu vertrauen. Denn so wie Gott sich in der Vergangenheit als treu und zuverlässig erwiesen hat, wird er es auch in Zukunft tun.
Eigentlich steckt diese Botschaft von der Treue Gottes schon in dem Namen Gottes: Jahwe. Übersetzt bedeutet der Name Gottes “Er ist”, und Gott selbst erläutert diesen Namen mit den Worten “Ich bin, der ich bin” bzw. - wie man auch übersetzen kann - “ich werde sein, der ich sein werde” (Ex 3,14). Gott offenbart diese Bedeutung seines Namens, als er Mose an dem brennenden Dornbusch beruft, sein Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten zu führen.
“Ich bin, der ich bin” bzw. “Ich werde sein, der ich sein werde” - das beschreibt das Wesen und die Zuverlässigkeit und Treue Gottes. Denn Gott hatte es ja den Vätern Abraham, Isaak und Jakob versprochen, dass er ihre Nachkommen in das Land Kanaan führen und es ihnen als Erbe geben werde. Nun also würde sich zeigen, dass Gott wirklich treu ist, indem er sein Versprechen den Vätern gegenüber erfüllen würde. Der Pharao und die Knechtschaft in Ägypten waren nicht das letzte Wort. Das hat immer Gott und der ist heute noch derselbst wie damals. Was er versprochen hat, das tut er auch. Er ist, der er ist! Er ist treu.
Das gilt auch heute noch. Gott ist treu. Er hat uns in der Bibel sein Wort gegeben und sich damit festgelegt. Gottes Wort - das ist ein fester Fels, eine zuverlässige Grundlage, ein bleibendes und tragendes Fundament. Klaus Schmidt hat am letzten Sonntag im Eröffnungsgottesdienst zur Allianz-Gebetswoche von diesem Fundament gesprochen. Vielleicht erinnert ihr euch noch an den schiefen Millenium-Tower in San Francisco, der sich aufgrund eines unzureichenden Fundamentes immer weiter neigt, zurzeit mit ca. 6-8 cm pro Jahr.
Gottes Wort dagegen ist zuverlässig. Denn Gott selbst ist zuverlässig. Wir können uns zu 100% auf ihn und sein Wort verlassen.
Entscheidend ist nun unsere Antwort auf dieses Treue-Angebot Gottes. Es ist spannend zu sehen, dass die Worte für “Treue” im hebräischen Alten Testament und im griechischen Neuen Testament die gleichen Worte sind, die wir an vielen Stellen mit “Glauben” übersetzen. Glaube, das ist also nicht das für-wahr-halten von theologischen Richtigkeiten. Glaube ist eine Beziehung der Treue zu dem Gott, der selbst die Treue in Person ist. Das ist übrigens auch der Grund, warum die wichtigste Forderung Gottes an sein Volk im Alten Testament in 5Mo 6,4-6 steht:
Deuteronomium 6,4–6 „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen“
Diese Aufforderung, Gott zu lieben und sich von ganzem Herzen und mit aller Kraft an diesem Gott auszurichten - ihm treu zu sein - ist im jüdischen Glauben das Zentrum des ganzen Gesetzes. Und Jesus hat das auch für uns neutestamentlich Gläubige bestätigt. Darin hängt, so sagt Jesus, das ganze Gesetz und die Propheten.
Gott sucht Menschen, die auf seine Treue reagieren, indem sie ihm die Treue halten - ihn von ganzem Herzen lieben und ihm mit ganzer Kraft nachfolgen!
2. Gott ist treu - unsere Botschaft für die Welt
2. Gott ist treu - unsere Botschaft für die Welt
Gott ist treu - diese Botschaft ist wie ein Fels in der Brandung, ein sicherer Ort im Treibsand, ein Fundament, das auch in den Stürmen der Welt trägt. Und es ist der einzige Fels, das einzige Fundament, das es gibt.
Nichts in dieser Welt ist sicher - du kannst heute kerngesund sein und morgen todkrank, heute finanziell abgesichert und morgen bankrott, heute mit einer glücklichen Familie gesegnet und morgen allein. Alle Sicherheiten, die wir in dieser Welt haben, können morgen weg sein. Je älter ich werde, umso deutlich wird mir das.
Es ist, als wären wir auf einem Meer unterwegs. Heute ist nur wenig Wellengang und die Sonne scheint. Aber das kann sich morgen schon ändern. Nichts ist wirklich sicher, solange wir Wind und Wellen ausgesetzt sind.
Aber wenn wir in einer sicheren Bucht fest verankert sind, dann sind wir geschützt vor Wind und Wellen. Und ja, dieses Bild hinkt - wie jedes Bild. Ein solcher Anker hilft natürlich nur in normalen Situationen. Gegen einen Tsunami ist auch das kein Schutz. Und doch denke ist, ist es ein gutes Bild: der Anker.
Die Evangelische Allianz hat deshalb als Symbol für diese Gebetswoche den Anker genommen. Ein Anker hilft übrigens nur dann, wenn er außerhalb des Bootes festgemacht wird. Der beste Anker ist nutzlos, solange er im Boot liegt. Solange wir Sicherheit suchen in irgendwelchen materiellen Absicherungen, also im Boot, bleiben diese Absicherungen ungewiss und können jederzeit wegbrechen.
Die entscheidende Frage ist also, ob du den Anker deines Lebens schon außerhalb deines Lebensbootes in dem Gott festgemacht hast, der treu ist? Hast du auf Gottes Treueangebot schon mit deiner Treue, deinem Glauben - und das ist wie gesagt in der Bibel dasselbe! - geantwortet?
Wenn es also in diesem Punkt heißt: “Gott ist treu - unsere Botschaft für die Welt”, dann sind zwei Dinge damit gemeint:
1. Gottes Treue ist die Botschaft, die diese Welt dringend braucht!
Wenn wir uns in unserer Gesellschaft umschauen, dann hat man den Eindruck, dass das große Stichwort unserer Zeit “Verunsicherung” ist. Wo man hinschaut, sind die Menschen verunsichert. Da sind die vielen Kriege, die uns teilweise so nahe gekommen sind. Da ist eine zunehmende Unsicherheit im politischen Bereich, wo plötzlich nichts mehr sicher zu sein scheint und man sich auf kein gegebenes Versprechen mehr verlassen kann. Da ist die Verunsicherung in ethischen Fragen, wo man plötzlich alte Selbstverständlichkeiten wie die Polarität der Geschlechter von Mann und Frau infrage stellt. All das führt zu einer Zunahme von einseitigen und radikalen Antworten links und rechts, weil Menschen einfache Antworten suchen, Dinge, an denen sie sich festhalten können.
Was diese Welt so dringend wie nichts anderes braucht, ist Sicherheit, Zuverlässigkeit, Treue. Gottes Treue ist deshalb die Botschaft, die diese Welt dringend braucht!
2. Gottes Treue ist das Angebot, das diese Welt dringend braucht!
“Gott ist treu” - das ist ein Angebot. Gott will uns beschenken mit seiner Vergebung und seiner liebevollen Gegenwart. Aber - noch einmal - das ist ein Angebot. Das gilt nicht einfach so für alle Menschen.
Ein Geschenk muss man annehmen. Falls ihr nicht wisst, wie das geht - nehmt ein Stück Schokolade, sucht euch ein Kind und bietet es ihm an. Kindern muss man nicht erklären, dass man ein Geschenk annehmen muss. Sie zeigen es uns.
Wir sind als Christen dafür verantwortlich, dieses Geschenk der Vergebung und der Treue Gottes den Menschen unserer Umgebung weiterzugeben. Nicht mehr und nicht weniger. Wir müssen Menschen nicht verändern - das macht Gott. Wir müssen Menschen nicht letzte Sicherheiten geben - das macht Gott. Wir müssen ihnen das nur sagen. Und ihnen vorleben, was es heißt, Gott gegenüber treu zu sein, ihm zu glauben und zu vertrauen.
Auch hier gilt: es geht nicht darum, dass wir Menschen ein theologisches Glaubensgebäude vorhalten und sie auffordern, dieses Glaubenssätze nachzusprechen und für wahr zu halten. Natürlich muss unser Glaube an Gott sich auch in Form von theologischen Wahrheiten ausdrücken. Aber das ist nicht das Enscheidende. Das Entscheidende ist, dass wir Menschen sind, die Gott lieben und ehren, die ihm folgen und sich in ihrem Alltag an Gott und seinem Wort ausrichten.
Gott ist nicht daran interessiert, dass wir alle Glaubenssätze fehlerfrei aufsagen können und sie alle für wahr halten. Das ist sicher gut und richtig. Aber was Gott eigentlich sucht, ist unsere Treue, unsere Hingabe an ihn, unser Glaube, der sich im Leben mit ihm zeigt.
Und genau das ist es, was unsere Welt wirklich braucht: Menschen, die treu zu dem Gott stehen, der die Treue in Person ist. Menschen, die dadurch in all den Unsicherheiten unserer Zeit und den gesellschaftlichen Herausforderungen zeigen, worauf man sich wirklich verlassen kann: auf Gott und sein Wort. Denn Gott ist treu. Amen
