Kohelet (7)

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Transcript

Einleitung

Wir haben uns in dieser Predigtreihe mit den vielen kritischen und zermürbenden Gedanken des Predigers auseinandergesetzt. In den Kapiteln 8 bis 10 finden wir viele Wiederholungen dieser Gedanken, mit andern Nuancen oder aus einem anderen Blickwinkel. Daher wollen wir uns heute mit drei kurzen Abschnitten aus diesen Kapiteln und dem Kapitel 11 begnügen.

Erster Abschnitt: 8,10-13

Prediger 8,10–13 „10 Ich sah dann auch, wie Gottlose begraben wurden und zur Ruhe eingingen, während solche, die recht gehandelt hatten, den heiligen Ort verlassen mussten und vergessen wurden in der Stadt; auch das ist nichtig! 11 Weil der Richterspruch über die böse Tat nicht rasch vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder davon erfüllt, Böses zu tun. 12 Wenn auch ein Sünder hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es denen gut gehen wird, die Gott fürchten, die sich scheuen vor seinem Angesicht. 13 Aber dem Gottlosen wird es nicht gut ergehen, und er wird, dem Schatten gleich, seine Tage nicht verlängern, weil er Gott nicht fürchtet!“
Im Vers 10 wiederholt der Prediger die Einsicht, dass “unter der Sonne” die Ungerechtigkeit und die Torheit mehr erblühen als Gerechtigkeit und Weisheit. Es scheint wie ein Gesetz dieser Welt zu sein. Bemerkenswert ist dabei, dass die göttliche Vergeltung hinausgezögert wird (wie wir sehen werden, aus Gnade) - und doch führt das nur zu mehr Ungerechtigkeit und Bosheit. Solange nichts passiert, fährt man fort mit seinen Taten, man kommt ja durch, ja gewinnt sogar (vrgl Röm 2,4f!). Sie leben ein Leben in Saus und Braus, bleiben unbehelligt bis zu ihrem Tod. Und werden dann auch noch ehrenvoll bestattet und bleiben in guter Erinnerung. Die Gerechten werden dabei vergessen - Nichtigkeit.
Jetzt klingt aber an, was der Prediger immer meint: Jenseits der Sonne wird Ungerechtigkeit oder Bosheit bestraft. Sie wird Konsequenzen haben, und keine guten. Auch wenn die Bösen lange leben, wird es ihnen eines Tages schlecht ergehen - sie werden ihr Leben nicht verlängern, dem Gerechten wird das aber zuteil, da sie in Gottesfurcht leben. Ihre Tage werden verlängert werden, in der Ewigkeit. Hier erkennen wir wiederum, um was es dem Kohelet geht, wir haben das letztes Mal schon erkannt: Es geht ihm um Gottesfurcht - das ist Demut und Ehrfurcht vor Gott. Das ist das einzige, das kein Haschen nach Wind ist, keine Nichtigkeit. Es ist das, was zählt. Alle Menschen sind seiner Hand ausgeliefert. Ganz zuletzt wird er Recht sprechen und alles in Ordnung bringen, und dann werden die belohnt, die ihr Leben nach seinem Willen gestaltet haben. Es geht aber nicht nur um Gottesfurcht, sondern auch um Hoffnung, diese Aussicht auf das, was noch nicht ist (vrgl Heb 11), Recht, Ordnung, Gerechtigkeit!
Das bringt uns zum Evangelium. Petrus schrieb einmal in 2. Petrus 3,9: „Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.“ Diese Zeit, die den Gottlosen gegeben wird, ist Gnadenzeit. Hier wird Gottes Wesen überdeutlich. Diese Hoffnung der Predigers, unsere Hoffnung, ist eine Hoffnung auf den gerechten und gnädigen Gott.

Zweiter Abschnitt: 9,3-6

Prediger 9,2–6 „2 Alles geschieht gleicherweise allen. Es kann dem Gerechten dasselbe begegnen wie dem Gottlosen, dem Guten und Reinen wie dem Unreinen, dem, der Opfer darbringt, wie dem, der keine Opfer darbringt; dem Guten wie dem Sünder, dem, der schwört, wie dem, der sich vor dem Eid fürchtet. 3 Das ist das Schlimme bei allem, was unter der Sonne geschieht, dass allen dasselbe begegnet; daher wird auch das Herz der Menschen voll Bosheit, und Tollheit ist in ihren Herzen ihr Leben lang, und danach geht es zu den Toten! 4 Denn für jeden, der noch zu den Lebenden gehört, gibt es Hoffnung; denn ein lebendiger Hund ist besser daran als ein toter Löwe. 5 Denn die Lebendigen wissen, dass sie sterben müssen; aber die Toten wissen gar nichts, und es wird ihnen auch keine Belohnung mehr zuteil; denn man denkt nicht mehr an sie. 6 Ihre Liebe und ihr Hass wie auch ihr Eifer sind längst vergangen, und sie haben auf ewig keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht.“
Auch hier begegnen wir wieder diesem fast verzweifelnden Unterton des Predigers. Unter der Sonne ändert sich nichts, und Allen widerfährt das Gleiche. Das Leben ist unberechenbar, es gibt keine Sicherheiten. Ausser eine: Der Tod kommt zu allen. Wo bleibt die Hoffnung?
Die kommt in Vers 4 und 5. Wer gestorben ist, kann nichts mehr ändern, wer aber noch lebt, hat noch Möglichkeiten. Zum Beispiel sein Leben ganz Gott unterzuordnen. Hier klingt doch der Psalm 90,12 an: „Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen!“ Im Angesicht der Realität des Todes, dass das Leben hier unter der Sonne nicht ewig währt, ist es doch weise, seine Leben auf die Ewigkeit auszurichten, auf Stein zu bauen,das Einzige, das bleibt und sich nicht ändert. Diese Ausrichtung auf die Ewigkeit, wohlgemerkt, ist kein tatenloses Warten auf den Tod, sondern aktive Lebensgestaltung nach dem Willen Gottes. Diese Worte erinnern mich auch an etwas, das Paulus gesagt hat. Römer 8,20f „Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit [Nichtigkeit] unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ Die Nichtigkeit, oder Vergänglichkeit, oder Sinnlosigkeit der Welt zeigt direkt zur Hoffnung hin, die wir haben dürfen. Nämlich die Erlösung durch unseren gnädigen Herrn.

Dritter Abschnitt: 11,1-6

Wir kommen langsam ans Ende des Buches, ans Ende der Überlegungen Kohelets. Der Ton ändert sich, die Zielrichtung ist der Lebensabend. Wenn uns die vielen Gedanken zur Nichtigkeit der Welt, allen Strebens und Erfolg vielleicht erschrecken, uns zum Aufgeben und zur Verzweiflung bringen, dann müssen wir die letzten beiden Kapitel lesen. Schon zuvor hat uns der Prediger mit einzelnen hoffnungsvollen und mutmachenden Versen überrascht, doch hier folgt ein längerer Text, warum wir nicht verzweifeln oder aufgeben sollen. Wir lesen
Prediger 11,1–6 „1 Sende dein Brot übers Wasser, so wirst du es nach langer Zeit wiederfinden; 2 verteile es an sieben und an acht, denn du weißt nicht, was Schlimmes auf Erden geschehen wird! 3 Wenn die Wolken mit Regen erfüllt sind, so ergießen sie sich auf die Erde. Und wenn ein Baum fällt, ob nach Süden oder nach Norden – an dem Ort, wo der Baum fällt, da bleibt er liegen. 4 Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht. 5 Gleichwie du nicht weißt, was der Weg des Windes ist, noch wie die Gebeine im Bauch der Schwangeren bereitet werden, so kennst du auch das Werk Gottes nicht, der alles wirkt. 6 Am Morgen säe deinen Samen, und am Abend lass deine Hand nicht ruhen; denn du weißt nicht, ob dieses oder jenes gedeihen wird, oder ob beides zugleich gut wird.
Der Prediger benutzt hier wieder viele Bilder aus der Natur und der Landwirtschaft. Am Anfang dieses Abschnitts gibt Kohelet den Rat zur Mildtätigkeit. Das Brot “über das Wasser senden” bedeutet, dass diese Mildtätigkeit ohne Erwartung auf Belohnung erfolgen soll - quasi auf Gutglück barmherzig sein. Brot=Grundbedürfnisse - Nahrung, Kleidung, Unterkunft. Mit “an sieben oder an acht” meint er, in Fülle und darüber hinaus zu geben. Da greift er auf das Gebot zurück, in dem Gott sagt, das Volk soll sich um die Ärmsten und Machtlosesten (Witwen und Waisen) kümmern (vrgl Ex 22,21; Dtn 24,17; u.a.). Da die Propheten dies immer wieder ansprechen mussten, zeigt auf, wie ernst zu nehmen dieses Gebot war und ist und wie lasch damit umgegangen wurde. Die letzte Bemerkung (“…Schlimmes auf Erden…”) erinnert uns vielleicht an das Gleichnis vom untreuen Verwalter, und wo Jesus am Ende sagt Lukas 16,9 „Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn ihr Mangel habt, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten!“
Bei den Versen 3-5 haben wir ein Sandwich. Eine wichtige Aussage klemmt der Prediger in einen zweifachen Hinweis auf die Unvorhersehbarkeit und Unberechenbarkeit des Lebens - die Bilder vom Regen, vom gefällten Baum und dass wir das Werk Gottes nicht erkennen können. In Vers 4 sagt er aber auch, dass wir deswegen nicht in Passivität verfallen sollen. Wer nur immer auf die Umstände achtet und auf den perfekten Moment wartet, tut nie etwas. Das kennen wir doch auch, nicht wahr? Geistlich gesehen: Wer auf den perfekten Moment zum Bibellesen wartet, wird nie anfangen zu lesen. Wer auf der Suche nach der perfekten Gemeinde ist, wird nie einer beitreten. Wer auf den perfekten Dienst wartet, wird nie dienen.
Und dann gibt er hier den ultimativen Rat im Vers 6: Auf Hoffnung hin sollen wir Dinge tun, Bibel lesen, einer Gemeinde beitreten, dienen. Denn wenn der Bauer auf das perfekte Wetter wartet um zu säen, oder um zu ernten, wird er verhungern. Wir werden auch verhungern, wenn wir, statt auf Hoffnung hin zu handeln, auf den perfekten Moment warten. Er wird nie kommen. Hoffnung (auf Gott) aber zahlt sich in jedem Fall aus. Gerade wer nicht weiss, wie alles funktioniert und was die Zukunft bringt, soll in vielerlei Hinsicht tätig werden. Das wäre weise. Wie sagte (angeblich) Luther noch so schön? „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ (Luther zugeschrieben, aber erst im letzten Jahrhundert aufgetaucht)
Auf Hoffnung hin sollen wir fleissig sein, handeln, Hilfe leisten, im Glauben wachsen, Gutes tun, das Evangelium predigen. Auch wenn unter der Sonne dies zu nichts zu führen scheint und keinen Lohn am Ende wartet - erinnern wir uns lieber an das Wort Jesu in Matthäus 6,20 „Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder die Motten noch der Rost sie fressen und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen!“ Jenseits der Sonne wartet ein Lohn!
Vielleicht können wir hier auch mit einem Pauluswort abschliessen und diese Texte zusammenfassen: 1. Korinther 13,13 „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei…“
Amen
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