Philipper 4,1-3

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Notes
Transcript

Einheit und wie sie möglich ist

Ist Einheit möglich?

Einleitung

Guten Tag ihr Lieben,
Ich möchte meine Predigt heute mit einer Frage starten, “Ist Frieden und einheit in der heutigen Zeit noch möglich?”
Ich meine seien wir mal ganz ehrlich wir schauen in die Welt um uns herum und wir sehen vor allem eins Uneinigkeit und Streit. Die Meschen streiten sich in der Politik, in der Familie, auf der Arbeit, in der Kirche und sonst überall wo wir hinschauen. Rechts gegen Links, Vater gegen Mutter, Eltern gegen Kinder, Chef gegen Mitarbeiter, Pastor gegen Gemeindeglieder und auch Christen untereinander, um nur einige Beispiele zu nennen.
Und wenn wir das sehen, stellt sich uns doch die Frage: “Ist Einheit überhaupt möglich?”
Wir wollen uns heute in der Predigt anschauen, ob Einheit überhaupt möglich ist und wenn ja wie diese Möglich ist.
Ihr dürft gerne mit aufschlagen, wir möchten und heute aus dem Philipperbrief im Kapitel 4 die ersten drei Verse anschauen:

1 Daher, meine geliebten und ersehnten Brüder, meine Freude und mein Siegeskranz, steht in dieser Weise fest im Herrn, Geliebte! 2 Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, dieselbe Gesinnung zu haben im Herrn! 3 Ja, ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.

Hauptteil

Fester Stand im Herrn

Paulus beginnt hier unseren Abschnitt mit einem “Daher”, damit sagt er den Philippern, dass weil sie Bürger des neuen Reiches sind, sollen sie fest im Herrn stehen.
Sein Argument von der Einheit beginnt Paulus hier mit einer Aufforderung an die Philipper, dass sie feststehen sollen. Dem geübten Zuhörer wird auffallen, dass das nichts neues für die Philipper ist, bereits in Kapitel eins hat Paulus zu einem festen Stand in Christus aufgerufen. Doch Paulus ist es nicht lästig seinen Empfängern immmer wieder das selbe zu schreiben. Paulus zeigt hier im gesamten Brief ein großes Bild das sich Stück für Stück entfaltet und hier in Kapitel vier kommen wir zu einer Art Zusammenfassung und Paulus macht es wie in vielen seiner Briefen, er wird sehr persönlich, hier sogar so, dass er zwei Personen direkt mit Namen nennt.
Wie gesagt Paulus beginnt hier in Vers eins mit dem festen Stand in Christus, und das ist sehr wichtig, denn es ist die Grundlage auf dem seine folgenden Aussagen aufbauen.
Diese Grundlage wollen wir uns mal anschauen.
Paulus beginnt damit dass er die Philipper als geliebte und ersehnte Brüder und als Freude und Siegeskranz anredet. Dafür gibt es auch einen Grund, er hat es schon im ersten Kapitel erwähnt, er glaubt dass die Philipper Anteilhaber nicht nur seines Galubens sondern auch seiner Leiden sind. Und aus diesem Grund redet er sie hier so freudig an.
Paulus liebte diese Gemeinde so sehr dass er sie in einem regelrechten Schwall von Lob hier anspricht und hier sehen wir auch wieso es ihm so wichtig war, dass die Gemeinde Einheit hatte, worauf wir gleich ja zu sprechen kommen, weil er sie wirklich liebte und sie ihm am Herzen lagen.
Die Philipper werden hier dazu aufgerufen fest im Herrn zu stehen, aber was das heißt und wie das aussieht, das hat Paulus zum Teil bereits in den vorherigen Kapiteln gezeigt. An Jesus zu glauben, fest in ihm zu bleiben und sich nicht von der Wahrheit abbringen zu lassen.
Auch die nächsten beiden Punkte zeigen uns was es heißt ein festen Stand im Herrn zu haben und sie liefern uns auch die Antworten auf die am Anfang gestellten Fragen, nach Einheit.

Versöhnung für Einheit

Kommen wir nun zum zweiten Punkt, Versöhnung für Einheit.

2 Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, dieselbe Gesinnung zu haben im Herrn!

Wie gesagt spricht Paulus hier direkt zwei Frauen aus der Gemeinde an, bei denen es wahrscheinlich eine Meinungsverschiedenheit oder einen Streit gab. Evodia und Syntyche, waren keine Störenfriede oder Unruhestifter, nein Paulus erwähnt, dass er mit ihnen gemeinsam am Evangelium gekämpft hat. Trotzdem gibt es für Paulus einen Grund beide zu ermahnen, damit sie eines Sinnes sind im Herrn.
Hier beantwortet sich unsere Frage, ob Einheit überhaupt möglich ist. Ja ist sie, aber nur dann wenn man eines Sinnes im Herrn ist.
Doch was heißt es eines Sinnes im Hern zu sein.
Stellt euch zwei Männer vor, die Gott mächtig gebraucht. Zwei Prediger, durch die Tausende zum Glauben kommen. Zwei leidenschaftliche Diener Jesu – und doch geraten sie heftig aneinander. John Wesley und George Whitefield, vielleicht sind das Namen die ihr schonmal gehört habt, sie waren führende Köpfe der Erweckungsbewegung im 18. Jahrhundert, sie waren sich jedoch in einer zentralen theologischen Frage uneins. Ihre Diskussion war nicht höflich, sondern scharf. Ihre Anhänger spalteten sich. Die Einheit stand auf dem Spiel.
Und doch geschah etwas Bemerkenswertes: Trotz aller Differenzen hielten beide an einer Wahrheit fest – Christus ist größer als unsere Meinungsverschiedenheiten. Sie hörten nicht auf, einander Bruder zu nennen. Sie weigerten sich, den anderen zum Feind zu machen. Whitefield ging sogar so weit, dass er John Wesley bat, die Predigt bei seiner Beerdigung zu halten.
Als Whitefield starb, stand Wesley tatsächlich am Sarg und ehrte ihn als treuen Knecht Christi.
Was für ein Bild. Keine perfekte Harmonie. Aber echte Einheit. Keine Gleichschaltung. Sondern ein gemeinsames Zentrum: Jesus Christus.
Genau darum geht es auch hier in Vers 2. Paulus fordert Evodia und Syntyche nicht auf, in allem gleich zu denken. Er sagt: „Seid eines Sinnes im Herrn.“ Nicht im eigenen Recht. Nicht in der eigenen Position. Sondern im Herrn.
Wahre Einheit in der Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass wir alle gleich werden – sondern dadurch, dass wir gemeinsam auf denselben Herrn schauen.
Also nochmal die Frage, ist Einheit überhaupt möglich, die Antwort ja wenn man ein gemeinsames Zentrum hat, Jesus Christus den Herrn.
Doch was heißt das heute für dich und für mich?
Beispiele
Du kennst das wahrscheinlich da gibt es diese eine Person in deinem Leben die einfach anders ist als du, sie denkt anders, kleidet sich anders und redet anders. Und schon haben wir Streit, nicht wegen etwas wichtigem, sondern weil wir uns in Nebensächlichkeiten uneinig sind.
Aber wir haben gesehen dass Einheit möglich ist, wenn wir uns auf das Wesentliche, Jesus Christus fokussieren.
Und wenn du sagst, ich bin aber garnicht gläubig, du kennst das Problem doch trotzdem auch oder? Ich werde dir am Ende zeigen wie auch du wirklichen Frieden und wirkliche Einheit bekommen kannst.

Gemeinschaft für Einheit

Kommen wir nun zum zweiten Punkt, Geminschaft für Einheit.

3 Ja, ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.

Wenn Einheit entstehen soll, dann braucht man in den aller meisten Fällen einen Vermittler, der das Wesentliche im Auge behält und somit zu einer gemeinsamen Lösung beitragen kann.
Im Fall der Philipper spricht Paulus hier eine Person aus der Gemeinde an, wir wissen nicht genau wer das ist, da wird viel spekuliert. Wichtig ist aber dass wir sehen dass es einer dritten Partei bedarf um eine Einheit zu schaffen die auch wirklich dauerhaft bleibt und stark ist. Das was wir hier lernen können ist glaube ich vor allem dass Einheit keine Sache des einzelnen ist, sondern dass es die Arbeit aller Beteiligten benötigt um Einheit zu erlangen und zu bewahren.
Anfang des 18. Jahrhunderts entstand in Herrnhut (Sachsen) eine christliche Gemeinschaft, die zunächst voller Hoffnung begann. Gläubige aus verschiedenen geistlichen Prägungen lebten dort zusammen: Lutheraner, Reformierte, Pietisten. Alle bekannten Christus – und trotzdem entstanden Spannungen, Streit, Lagerbildung. Theologische Nuancen wurden wichtiger als Liebe. Die Gemeinschaft drohte zu zerbrechen.
Und genau hier geschah das, was Paulus in Vers 3 beschreibt: Es brauchte jemanden, der bewusst vermittelte, der half, die Geschwister wieder zusammenzubringen.
Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der Gründer der Siedlung, griff ein. Er führte viele persönliche Gespräche. Er brachte die Menschen zurück zur Mitte: nicht zu ihren Meinungen, sondern zu Christus. Er betonte immer wieder: Wir gehören nicht zuerst zu einer Richtung – wir gehören zu Jesus.
1727 kam es zu einem gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst, der als Wendepunkt in die Geschichte einging. Zeitzeugen berichten, dass alte Konflikte bekannt wurden, Schuld bekannt wurde, Tränen flossen, Versöhnung geschah. Danach entstand eine tiefe geistliche Einheit, die zur Grundlage einer der stärksten Missionsbewegungen der Kirchengeschichte wurde.
Was war der Schlüssel hier und auch damals in Philippi? Nicht, dass plötzlich alle gleich dachten. Sondern dass Menschen bereit waren, aktiv zur Versöhnung beizutragen.
Schaut mal Paulus sagt nicht nur zu Evodia und Syntyche: „Vertragt euch.“ Er sagt zu einer Person in der Gemeinde: Hilf ihnen dabei. Unterstütze sie. Geh dazwischen. Trage zur Versöhnung bei.
Einheit ist keine Privatangelegenheit. Frieden in der Gemeinde ist Verantwortung für alle.
Eine gesunde Gemeinde braucht nicht nur Menschen mit Überzeugungen – sie braucht Menschen mit versöhnlichem Herzen. Menschen, die Brücken bauen. Menschen, die sagen: „Christus ist wichtiger als mein Recht.“
Beispiele
Du kennst bestimmt Christen in deinem Umfeld die im Streit miteinander leben, dann ist es deine Aufgabe, sie daran zu erinnern was wirklich wichtig ist, nämlich die Einheit in Jesus, dass sie einen gemeinsamen Herrn haben, dass sie Geschwister sind.
Und warum sollst du dich darum kümmern?
Naja wir wünschen uns doch alle Einheit und Frieden, dann sollte es auch dein Anliegen sein, dass diese Einheit nicht nur bei dir ist, sondern auch bei allen Menschen um dich herum.

Schluss

Ich möchte jetzt zum Schluss kommen und nochmal zusammenfassen:
Einheit ist Verantwortung für alle.
Das heißt ganz praktisch:
Wenn du merkst, dass zwei Geschwister aneinandergeraten sind, dann geh nicht auf Abstand – sondern geh dazwischen. Nicht als Richter, sondern als Bruder. Nicht mit Klatsch, sondern mit Gebet. Nicht mit Partei, sondern mit Liebe.
Frag nicht zuerst: „Wer hat recht?“ Frag zuerst: „Wie können wir Christus in der Mitte behalten?“
Manchmal bedeutet das, zuzuhören statt zu argumentieren. Manchmal bedeutet es, Brücken zu bauen, wo andere Mauern errichten. Und manchmal bedeutet es, den ersten Schritt zu tun – auch wenn du überzeugt bist, im Recht zu sein.
Eine Gemeinde bleibt nicht stark, weil alle perfekt sind. Sie bleibt stark, weil Menschen bereit sind, sich immer wieder versöhnen zu lassen.
Und genau das ehrt Christus.
Vielleicht sitzt du hier und denkst dir, ok damit habe ich nichts zu tun, ich bin kein Christ, ich bin in keiner Gemeinde. Und trotzdem kennst du das doch oder: Streit, Spannungen, verletzte Beziehungen, Stolz, Rückzug. Zerbrochene Freundschaften. Fronten, die sich verhärten.
Die Bibel spricht diese Realität erstaunlich ehrlich an. Auch in der ersten Gemeinde gab es Konflikte. Christen waren sich nicht immer einig. Aber der entscheidende Unterschied war: Sie hatten eine gemeinsame Mitte. Nicht ihre Meinung. Nicht ihr Ego. Sondern Jesus Christus.
Paulus zeigt hier zwei Dinge: Erstens: Einheit ist möglich, doch sie entsteht nicht automatisch. Sie braucht Bereitschaft zur Versöhnung. Zweitens: Einheit braucht Hilfe. Menschen, die vermitteln. Menschen, die Brücken bauen.
Und genau hier wird das Evangelium praktisch: Christus ist der, der Frieden und Einheit stiftet – zwischen Gott und Mensch und zwischen Menschen untereinander. Wer ihm vertraut, bekommt ein neues Herz, neue Perspektive, neue Kraft zur Versöhnung. Nicht perfekt. Aber verändert.
Vielleicht ist das heute eine Einladung an dich: Nicht zuerst, religiös zu werden. Sondern Jesus kennenzulernen. Den, der Stolz weich macht. Den, der Vergebung möglich macht. Den, der echte Einheit schafft – im Herzen und in Beziehungen.
Denn echter Friede beginnt nicht mit besseren Argumenten. Er beginnt mit einem neuen Herzen.
Amen!
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