Wenn Gott größer ist als unsere Bilder

Gottes neue Wege  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
0 ratings
· 4 views
Notes
Transcript

Gottesbilder

Wisst ihr, ich hab mir neulich mal ne ganz simple Frage gestellt.
Wenn ich jetzt zu euch sage: Denkt mal an Gott.
Wie sieht er aus?
Was für ein Bild ploppt da sofort in eurem Kopf auf?
Seid ehrlich.
Vielleicht geht es euch da wie mir früher.
Als Kind war die Sache für mich völlig klar.
Gott ist dieser freundliche, etwas ältere Herr.
Er sitzt ganz gemütlich auf einer riesigen, flauschigen Wolke.
Hat so einen langen, weißen Rauschebart.
Und er guckt immer wohlwollend auf uns runter.
Im Grunde ist das so ein bisschen wie der Weihnachtsmann.
Nur dass dieser Gott halt das ganze Jahr über Dienst hat und nicht nur im Dezember.
Oder vielleicht seid ihr eher so vom Kino geprägt.
Wer von euch hat den Film Bruce Allmächtig gesehen?
Für ganz viele ist Gott seitdem Morgan Freeman.
Schöner weißer Anzug.
Unfassbar coole, ruhige Stimme.
Total entspannt.
Er hat für jedes Problem sofort eine Lösung, wischt einmal kurz mit dem Wischmopp durch und die Welt ist wieder in Ordnung.
Ein Kumpeltyp, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde.
Aber es gibt ja auch die andere Seite.
Vielleicht habt ihr ein ganz anderes Bild abgespeichert.
Eher so den strengen Polizisten im Himmel.
Der genau Buch führt über alles, was wir tun.
Der sofort den Blitz schleudert, wenn du mal bei Rot über die Ampel gehst oder im Streit was Böses sagst.
Ein Aufpasser, der keinen Spaß versteht und nur darauf wartet, dass wir einen Fehler machen.

Passt das Bild noch?

Das Ding ist ja folgendes.
Solange unser Leben glatt läuft, funktionieren diese Bilder super.
Wenn die Sonne scheint, passt der Opa auf der Wolke perfekt.
Wenn wir Erfolg haben, klatschen wir gedanklich mit Morgan Freeman ab.
Alles easy.
Aber was passiert, wenn es im Leben plötzlich ruckelt?
Wir stehen hier am Anfang von einem neuen Jahr.
Keiner von uns weiß, was die nächsten Monate bringen.
Und genau in den Momenten, wo das Leben nicht nach Plan läuft, merken wir oft: Unsere alten Vorstellungen kommen an ihre Grenzen.
Der nette Opa auf der Wolke ist zwar gemütlich.
Aber hilft er mir wirklich, wenn ich eine Nachricht bekomme, die mir den Boden unter den Füßen wegzieht?
Der strenge Polizist sorgt vielleicht für Ordnung.
Aber tröstet er mich, wenn ich mich nachts einsam fühle und nicht weiß, wie es weitergeht?
Irgendwie merken wir dann: Unsere Bilder sind zu klein.
Sie sind wie alte Landkarten, die in der neuen Umgebung nicht mehr stimmen.
Wir versuchen Gott in diese vertrauten Schablonen zu pressen, aber die Realität sprengt den Rahmen.
Wir haben oft so feste Vorstellungen davon, wie Gott sein muss und wie er zu handeln hat.
Aber was, wenn Gott viel größer ist als unsere Bilder?
Was, wenn er sich ganz anders zeigt, als wir das erwarten?
Genau darum geht es heute.
Und damit starten wir auch in unsere neue Predigtreihe „Gottes neue Wege“.
Wir wollen entdecken, was passiert, wenn wir die alten Schablonen mal beiseitelegen.
Wenn wir uns trauen, neu auf diesen Gott zu schauen.
Denn es gibt da einen Text in der Bibel, beim Propheten Jesaja.
Der ist uralt.
Aber der räumt radikal mit unseren Klischees auf.

Jesaja 42,14-16: Gott bricht das Schweigen und schafft Neues

Wir müssen uns mal kurz in die Lage der Leute versetzen, die das damals als Erste gehört haben.
Das Volk Israel sitzt in Babylon fest.
Und zwar nicht erst seit ein paar Wochen, sondern seit Jahrzehnten.
Für die war die Sache eigentlich klar.
Unser Gott, der Gott Israels, der hat verloren.
Die Götter von Babylon sind stärker, lauter und mächtiger.
Unser Gott scheint hier im Exil absolut nichts mehr zu melden zu haben.
Er schweigt.
Er ist weit weg.
Wahrscheinlich hat er uns vergessen oder er kann einfach nichts mehr tun.
Das war ihr Gottesbild.
Ein Verlierer-Gott.
Ein schweigender Gott.
Und dann lesen wir den Text davor und denken: Okay, jetzt greift Gott ein.
In den Versen davor wird er nämlich als Krieger beschrieben.
Einer, der laut brüllt, der in die Schlacht zieht.
Da denkt man als Hörer: Endlich!
Jetzt haut er drauf.
Jetzt zeigt er es den Babyloniern.
Aber dann kommt dieser Vers 14.
Und da macht Gott einen Cut, der alles verändert.
Ein totaler Stilbruch.
"Ich habe lange geschwiegen.
Ich habe mich zurückgehalten.
Aber jetzt schreie ich wie eine gebärende Frau.
Ich ringe nach Luft.
Ich atme schwer." (frei nach Jesaja 42,14)
Das müsst ihr mal wirklich an euch ranlassen.
In einer Welt, wo alle dachten, Gott ist tot oder schwach, sagt er: Ich bin gerade dabei, etwas Neues zu gebären.
Ich bin nicht am Ende, ich fange gerade erst an.
Und das ist mit Anstrengung verbunden.
Gott ist hier voller Leidenschaft, fast schon körperlich spürbar.
Er setzt alles ein, damit neues Leben in diese totenlose Situation kommt.
Aber Geburt ist ja nur der erste Schritt.
Wenn das neue Leben da ist, braucht es Platz.
Und das erklärt diesen seltsamen Vers 15, der erst mal ziemlich brutal klingt.
Da sagt Gott: Ich verwüste Berge und Hügel, ich lasse das Gras vertrocknen, ich mache Flüsse zu Inseln.
Auf den ersten Blick denkt man: Hä?
Warum macht er jetzt alles kaputt?
Eben war noch Geburt, jetzt wieder Zerstörung?
Aber schaut mal genauer hin.
Damals war die Natur oft wilde, undurchdringliche Wildnis.
Chaos.
Da kam man nicht durch.
Wenn Gott hier sagt, er macht die Berge platt und legt die Flüsse trocken, dann meint er damit: Ich schaffe Ordnung im Chaos.
Ich räume die Hindernisse weg.
Ich dränge die Wildnis zurück.
Er planiert das Gelände.
Nicht um es kaputtzumachen, sondern um eine Bahn zu bauen.
Er schafft einen Weg, wo vorher nur Gestrüpp und Felsen waren.
Er bereitet den Boden vor, damit man überhaupt laufen kann.
Und genau das ist die Brücke zu uns und zu Vers 16.
Weil Gott die Bahn frei macht, kann er dann sagen: "Und jetzt hole ich die Blinden und führe sie."
Er nimmt die Leute, die keine Hoffnung mehr haben, die den Weg vor lauter Chaos nicht sehen, und sagt: Kommt mit.
Ich habe den Weg für euch freigeräumt.
Er führt sie auf Pfaden, die sie nicht kannten.
Warum kannten sie die nicht?
Weil sie vorher gar nicht da waren.
Gott hat sie gerade erst neu geschaffen.
Das ist die Botschaft an die Leute damals in Babylon und auch an uns: Euer Gott ist nicht zu schwach.
Er ist dabei, mitten in eurem Chaos eine Schneise zu schlagen.
Er macht aus der Dunkelheit vor euch Licht und aus den holprigen Strecken einen ebenen Weg.
Er sagt: Ihr müsst den Weg nicht bauen.
Das mache ich.
Ihr müsst ihn nur gehen.

Gott ebnet den Weg im Chaos

Was heißt das jetzt für uns, am 25. Januar, mitten in unserem ganz normalen Leben?
Wir haben gesehen: Gott räumt auf.
Er schafft den Weg.
Aber der entscheidende Punkt in diesem Text ist der Zustand derer, die den Weg gehen.
Er nennt sie „Blinde“.
Und wenn wir ehrlich sind, sträubt sich da alles in uns.
Wir wollen nicht blind sein.
Wir leben in einer Zeit, in der wir alles wissen wollen.
Wir wollen die Diagnose sofort.
Wir wollen den Rentenbescheid schwarz auf weiß.
Wir wollen, dass Gott uns den Masterplan für 2026 als PDF schickt, damit wir ihn abheften und abhaken können.
Wir verwechseln oft Glauben mit Wissen.
Wir denken, starker Glaube heißt, dass ich genau weiß, was Gott vorhat.
Aber Jesaja sagt uns heute etwas viel Tieferes: Glaube heißt nicht, den Weg zu kennen.
Glaube heißt, den Führer zu kennen.
Es gibt da ein wunderbares Bild von Henri Nouwen, das diesen Moment der „Blindheit“ beschreibt.
Er hat sich mal lange mit Trapezkünstlern im Zirkus unterhalten.
Und einer der Artisten sagte ihm einen Satz, der alles verändert.
Er sagte: „Das Geheimnis ist: Der Flieger tut nichts.
Der Flieger muss loslassen und die Hände ausstrecken.
Aber er darf nie versuchen, den Fänger zu fangen.
Der Fänger fängt ihn.
Wenn der Flieger versucht, den Fänger zu greifen, brechen sich beide die Handgelenke.“
Das ist dieser Moment zwischen den Trapezen.
Du hast das alte losgelassen.
Du hast das neue noch nicht.
Du hängst in der Luft.
Du siehst nichts.
Du hast keinen Halt unter den Füßen.
Das ist genau dieser „Weg, den sie nicht kennen“, von dem Jesaja spricht.
Und die tiefste geistliche Übung für uns ist in diesem Moment: Nicht wild um uns zu schlagen.
Nicht krampfhaft versuchen, selbst neue Wege zu zimmern oder Gott zu spielen.
Sondern die Hände auszustrecken und darauf zu vertrauen, dass da drüben einer ist, der uns fängt.
Vielleicht steckst du gerade genau in so einer Schwebephase.
Vielleicht ist eine Beziehung zerbrochen.
Vielleicht ist im Job die alte Sicherheit weg (Berge wurden verwüstet).
Vielleicht fühlst du dich geistlich gerade blind.
Dann ist die Botschaft von heute nicht: „Reiß dich zusammen und such den Weg.“ Die Botschaft ist: Deine Blindheit, deine Unwissenheit über die Zukunft, ist kein Fehler im System.
Sie ist der Moment, wo Gott übernehmen kann.
Gott sagt: Ich mache das Dunkel hell.
Aber eben nicht, indem ich dir einen Scheinwerfer gebe, damit du alles kontrollieren kannst.
Sondern indem ich selbst das Licht bin.
Wir suchen oft nach Sicherheit.
Gott bietet uns etwas Besseres an: Geborgenheit.
Sicherheit heißt, ich habe die Karte.
Geborgenheit heißt, jemand hält meine Hand.

Wenn Gott uns auffängt

Stellt euch mal vor, was passieren würde, wenn wir das als Gemeinde wirklich leben.
Wenn wir aufhören, so zu tun, als hätten wir auf alles eine Antwort.
Wenn wir aufhören, Gott in unsere kleinen, frommen Boxen zu sperren, nur damit wir uns sicher fühlen.
Stattdessen werden wir eine Gemeinschaft von Mutigen.
Von Menschen, die sagen: „Okay Gott, ich sehe den Weg noch nicht.
Ich sehe nur Chaos, ich sehe verwüstete Hügel.
Aber ich weiß, wer du bist.
Du bist der, der schreit und kämpft, um Neues zu gebären.
Du bist der Fänger am anderen Trapez.“
Und dieses „Gebären“, von dem Jesaja spricht, das ist ja nicht nur ein altes Bild.
Das hat Gott ultimativ in Jesus Christus wahr gemacht.
Durch Jesus hat Gott neues Leben in diese Welt gepresst – durch den Schmerz am Kreuz, durch die Dunkelheit des Grabes hindurch, bis zum neuen Morgen der Auferstehung.
Da ist der Weg entstanden.
Der Weg ins Leben.
Und Taufe bedeutet ja nichts anderes, als dass ein Mensch sagt: „Genau dieses neue Leben, das Gott geboren hat, das will ich.
Ich lasse mein altes Leben, meine alten Bilder, meine Versuche, es selbst zu schaffen, los.
Ich lasse mich in Gottes Hände fallen.“
Wir haben das Vorrecht, dass wir heute nicht nur theoretisch darüber reden.
Wir haben jemanden unter uns, der genau an diesem Punkt steht.
Jemand, der sagt: Ich habe mich auf diesen neuen Weg eingelassen.
Bevor wir dieses Taufzeugnis gleich hören, nehmt noch diesen Satz aus Vers 16 mit, der wie ein Fels in der Brandung steht: „Das alles werde ich tun und nicht davon lassen.“
Er zieht nicht zurück.
Er lässt nicht los.
Related Media
See more
Related Sermons
See more
Earn an accredited degree from Redemption Seminary with Logos.