Ein Gott, der spricht - Das Herz Gottes

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Wer Gott hören will, muss das Herz Gottes kennenlernen und Gott selbst zum wesentlichen machen.

Notes
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Das Hören - Wieso sollte ich Gott hören wollen?

Wer kennt nicht diese Momente, in denen sich aus dem Nichts etwas in einem meldet und die Frage stellt: War das gerade richtig? Habe ich richtig gehandelt? Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Wie komme ich überhaupt zum Richtigen? Das ist eine Frage, die wir uns immer wieder stellen. Das ist eine Suche, die niemals endet. Die Suche nach der Wahrheit. Die Suche nach dem Richtigen. Die Suche nach einer Stimme, die uns hilft zu verstehen, was richtig und wichtig ist. Diese Stimme suchen wir im Großen, wenn wir versuchen zu beurteilen, wohin die Welt sich bewegt. Diese Stimme suchen wir um Kleinen, wenn wir vor alltäglichen Entscheidungen stehen, die uns überfordern. Wir suchen unser Gewissen. Wir suchen unser Innerstes, was uns sagt, worum es im Leben eigentlich geht und wie wir unsere Entscheidungen darauf ausrichten können. Es ist die Suche nach Gottes Stimme. Es ist die Suche nach einem Weg, der nicht allein um mich kreist. Es ist die Suche nach Wahrheit und Klarheit in unserem Leben. Denn ansonsten geht es uns oft, wie es Hosea beschreibt:
Hosea 2,8 BB
Darum lasse ich ihren Weg von Dornen überwuchern und versperre ihn mit einer Mauer aus Steinen. So wird sie ihre Wege nicht mehr finden.
Wir sind umgeben von Dornen, die uns schmerzen und auf die wir treten, wenn wir Entscheidungen treffen. Wir verletzen uns und andere. Wir sind umgeben von einer Mauer, die sich immer höher aufbaut und Beziehungen immer schwerer werden lässt. Hosea ist ein Prophet. Er nimmt die umliegende Gesellschaft wahrnimmt, analysiert sie, wirft einen Blick von Außen darauf und gibt eine göttliche Perspektive dazu. Hosea sieht ein Volk vor sich, dass die Wahrheit und Klarheit verloren hat. Es ist ein Volk, dass sich von allem abgewandt hat, für das es einmal stand. Sie hören nicht mehr diese Stimme. Sie wissen nicht mehr, wer Gott ist. Sie haben noch viele Rituale, die an Gott erinnern, aber sie haben ihre Beziehung zu ihm verloren. Wie sieht es bei uns aus? Leben wir mit Gott oder erfüllen wir Erwartungen? Ist uns Gott ein Gegenüber, das wir hören oder bauen wir allein auf unser Gewissen? Meine Wahrnehmung ist: Wir haben unsere Beziehung zu Gott verloren. Wir fragen nach der Wahrheit. Wir fragen nach richtig und falsch, aber wenn wir Gott kennen würden, müssten wir dann überhaupt diese Frage stellen? Oder vielleicht eher die Frage: Wen hören wir eigentlich, wenn wir nach richtig und falsch fragen? Die Menschheit sucht ihr Gewissen, aber eigentlich sollten sie Gott suchen. Hosea beschreibt, was passiert, wenn der Mensch allein auf sich und sein Gewissen hört:
Hosea 4,1–3 BB
Hört die Rede des Herrn, ihr Israeliten! Ja, der Herr geht ins Gericht mit denen, die im Land wohnen. Denn es fehlt ihnen an Treue und Liebe. Niemand im Land schert sich mehr um Gott. Sie fluchen, lügen, morden und stehlen. Sie brechen die Ehe, wohin man schaut, und begehen eine Bluttat nach der anderen. Darum verfällt die Erde in Trauer, und alles verwelkt, was auf ihr lebt: Es verenden die wilden Tiere und die Vögel am Himmel. Selbst die Fische im Meer gehen ein.
Es ist schon ernüchternd, wenn man feststellen muss: Genau das passiert auch heute. Die Konsequenzen, die Hosea hier aufzählt, sind Teil unseres Alltags. Wilde Tiere, Vögel und Fische verenden und gehen ein. Wir ziehen meistens nicht den Rückschluss auf unser moralisches Handeln, aber unser Alltag zeigt, auf wen wir hören, hat vom Kleinen bis hin zum Großen Einfluss darauf, was mit unserer Welt passiert. Wenn es an Liebe und Treue fehlt, wenn es keine Verbundenheit mehr gibt, wenn es okay ist zu fluchen, zu lügen, zu morden und zu stehlen, dann hat das nicht nur Einfluss auf unser Leben, sondern auf die ganze Welt. Wenn wir Gott nicht mehr hören und die höchste Instanz der Mensch selbst wird, dann werden Liebe und Treue fehlen und die Erde wird trauern.

Gottes Herz - Was hat das Hören Gottes mit seinem Herzen zu tun?

Gott zu hören ist also eigentlich keine nette Option, die wir in Erwägung ziehen sollten, wenn wir selbst nicht mehr weiter wissen. Gott zu hören ist kein Upgrade unseres Gewissens. Es geht nicht darum, dass Gott ein Über-Ich ist, dass es besser macht und weiß. Gott zu hören bedeutet, dass wir uns auf ein anderes Herz einlassen. Es ist mehr Beziehung als allein eine Richtschnur, denn das ist es, was Gott ausmacht:
Hosea 11,1–4 BB
Als Israel jung war, gewann ich es lieb. Aus Ägypten rief ich sie wie ein Vater seinen Sohn. Doch kaum hatte ich sie gerufen, liefen sie von mir davon: Sie brachten Schlachtopfer dar für die Baal-Götter und Räucheropfer für die Götterbilder. Dabei war ich es, der Efraim das Laufen beibrachte. Ich habe das Volk an die Hand genommen. Doch sie wollten von meiner Fürsorge nichts wissen. Ich war zu ihnen wie jemand, der sein Tier schonend am Strick zieht und es leitet. Ich führte sie liebevoll an einem Seil. Ich war zu ihnen wie eine Mutter, die ihren Säugling an die Wangen hebt. Ich beugte mich zu ihm, um ihn zu füttern.
Gott ist ein Vater. Ein Vater ist nicht einfach nur das Gewissen eines Menschen. Ein Vater sagt dir nicht einfach nur, was richtig und was falsch ist. Ja, ein Vater gibt Orientierung, aber er ist auch mehr. Er ruft. Er zieht dich zu ihm hin. Ein Vater unterstützt dich, damit du lernst zu laufen. Er hält dich an deinen Händen, damit du nicht fällst. Bei der Erziehung meiner Kinder geht es nicht einfach darum, dass sie die Dinge tun sollen, die ich mir vorstelle. Ich zwinge sie nicht einfach den Weg zu gehen, den ich für richtig halte. Bei unserer Erziehung geht es darum, dass wir unsere Kinder dabei unterstützen einen Weg zu finden. Es geht darum, ihnen zu helfen mit den Herausforderungen umzugehen, die ihnen auf diesem Weg begegnen. Das ist meine Aufgabe als Vater. Ich zwinge nicht, sondern ich leite, ermutige, bestärke und manchmal Weise ich auch zurecht. Gott ist eine Mutter. Sie versorgt dich. Sie füttert dich. Sie gibt dir, was du brauchst. Sie nimmt dich in den Arm. Du liegst Gott am Herzen. Sein Herz ist gefüllt voll Liebe zu dir. Gott möchte dich sanft führen. Er schlägt dich nicht. Er packt dich nicht fest an dem Arm. Er schreit dich nicht an. Wenn wir Gott hören wollen, und seine Worte in uns wie erbarmungslose Peitschenhiebe sind, dann kann das nicht die Stimme Gottes sein. Wenn wir Gott hören wollen, und diese Stimme in uns dazu aufruft Erbarmungslos oder ausgrenzend zu sein, dann kann das nicht Gottes Stimme sein. Damit wir Gott hören können, müssen wir ihn kennenlernen, denn nur so funktionieren Beziehungen. Wir müssen Gottes Herz kennen, damit wir ihn wirklich hören und nicht einfach unser Gewissen mit ein bisschen mehr Liebe upgraden, denn es kann auch ganz schnell passieren, dass wir unsere Stimme für Gott halten.

Gottes Herzschlag - Wie kann ich Gottes Herz kennenlernen?

Wie komme ich aber an diesen Punkt? Wie verhindere ich, dass ich mich selbst mit Gott verwechsle? Wie kann ich Gott hören und ist das überhaupt wichtig? Wir können ja zu dem Schluss kommen, dass es eigentlich gar nicht so wichtig ist, zu unterscheiden, was göttlich und was menschlich ist. Ich meine wenn mein Gewissen mich zur Liebe ruft, dann macht es doch keinen Unterschied, ob es von mir oder von Gott kommt. Wenn ich ein guter, netter Typ bin, ist es dann wirklich wichtig, was mich dazu motiviert? Es macht einen Unterschied, denn es geht nicht darum einfach nur das Richtige zu tun. Es geht nicht darum, die richtigen Prioritäten zu setzen. Es geht nicht darum einfach nur nett zu sein. Es geht darum, dass wir verstehen wer wir sind und wer Gott ist. Es macht einen Unterschied, weil Gottes Erbarmen nicht aus uns kommt, sondern uns verändert.
Hosea 11,8–10 BB
Wie könnte ich dich aufgeben, Efraim? Wie könnte ich dich ausliefern, Israel? Sollte ich dich aufgeben wie die Stadt Adma oder so behandeln wie die Stadt Zebojim? Ich bin hin und her gerissen. Mein ganzes Mitleid brennt in meinem Herzen: Ich lasse meinen glühenden Zorn nicht zur Tat werden. Ich werde Efraim nicht noch einmal verderben. Denn ich bin Gott und kein Mensch. Ich bin der Heilige in deiner Mitte. Ich lasse mich nicht vom Zorn hinreißen. Dem Herrn werden sie folgen. Denn er wird wie ein Löwe brüllen. Und wenn er brüllt, werden sie aufschrecken und vom Volk im Westen nach Hause ziehen.
Ich bin Gott und kein Mensch! Gott ist Gott. Gott ist kein Mensch. Es gibt einen Unterschied zwischen ihm und uns. Wir geben auf. Wir geben Menschen auf. Wir liefern Menschen aus. Wir behandeln andere Menschen schlecht. Wir lassen unseren Zorn zur Tat werden. Gott steht dem entgegen. Wenn wir uns fragen: Was ist Gott und was bin ich, dann zeigt das, wie schwer es ist Gott zu hören. Jeder Mensch hat seine eigene Stimme und genauso hat auch Gott seine Stimme. Gottes Stimme hat keinen bestimmten Akzent, kein Singsang, keine Höhen oder Tiefen. Gottes Stimme hört sich nicht an, wie die Stimme eines alten, weisen Mannes. Gottes Stimme erkennt man nicht am Klang, sondern am Herzen. Es ist ein Herz, das von Erbarmen trieft. Gottes Stimme brüllt wie ein Löwe, weil es sie schmerzt zu sehen, wie Beziehungen kaputt gehen, wir uns abkapseln und uns und andere zerstören. Gottes Herz sehnt wie kein anderes nach dir. Gottes Stimme ist diejenige in dir, die dich zu ihm ruft. Es ist die Stimme in dir, die dich wieder zu deinen Mitmenschen führt. Es ist die Stimme, die dich in deiner Dunkelheit sieht und sagt: Komm zu mir. Gottes Stimme wirbt für Nachsicht, wenn wir streiten wollen. Gottes Stimme wirbt für Zusammenhalt, wenn wir auseinandergehen wollen. Gottes Stimme kämpft für das Leben.
Wie gerne möchte ich mein eigenes Leben an diese Gottheit binden, die immer auf unserer Seite steht. Die uns in einem Erbarmen begegnet, das manchmal unterträglich ist. Die uns mit einer unendlichen Gnade behandelt, wie wir sie uns selbst nur selten zugestehen würden. - Sebastian Rink: Wenn Gott reklamiert, 37.
Gottes Herz lernen wir kennen, indem wir Gott zutrauen, anders zu sein als wir.

Gott selbst - Wie wird Gott das Wesentliche?

Wie wird das jetzt aber praktisch? Wie kann ich Gottes Stimme hören?
Hosea 6,6 BB
Nächstenliebe will ich, keine Schlachtopfer. Gott sollt ihr erkennen, nicht Opferfeste feiern.
Hosea bringt hier etwas auf den Punkt, das entscheidend dafür ist, Gottes Stimme zu hören. Wir machen uns sehr oft Gedanken um die Form, die etwas hat. Wir wünschen uns zum Beispiel freien Lobpreis. Die Leute sollen stehen, jubeln, klatschen, tanzen. Oder wir wünschen uns tiefe Gebete, in denen die Menschen ihr Herz offenbaren, Visionen erscheinen und Menschen geheilt werden. Oder wir wünschen uns Predigten, die uns ganz persönlich betreffen. Sie sollen unser Innerstes ansprechen, uns herausfordern und möglichst etwas bereithalten, dass uns einen neuen Horizont gibt. All diese Formen und Arten der Opfer, dessen was wir vor Gott bringen, können uns helfen Gott nahe zu sein. Sie können dazu führen, dass wir in Gemeinschaft etwas von Gott erleben. Die Formen, mit denen wir unser Glaubensleben füllen, ersetzen allerdings nicht das Zentrum von alldem: Gott. Wir können im Lobpreis, Gebet und Predigten tiefe emotionale Momente haben. Wir können geistliche Erfahrungen machen, allerdings darf nicht die Form wichtiger sein, als der um den es dabei geht. Es ist nicht wichtig, ob wir im Lobpreis stehen oder sitzen. Es ist nicht wichtig, ob bei unseren Gebetszeiten jedes Mal Menschen geheilt werden. Es ist nicht wichtig, ob jede Predigt mich persönlich anspricht. Natürlich wünschen wir uns das. Es ist auch richtig sich das zu wünschen, aber noch wichtiger ist es, dass der Glaube aus den Formen herauskommt. Wir verlieren uns oft in der Frage: Wie müssen wir die Form anpassen, damit sie mehr beim Menschen ist? Das trifft aber nicht das eigentliche Problem. Wir werden Gottes Stimme nur hören, wenn der Glaube Teil unseres Alltags ist. Das Volk Israel hat Gott vergessen, weil der Alltag gefüllt war von vielen Dingen, die nichts mit Gott zu tun hatten. Sie hatten ihre Schlachtopfer. Sie hatten ihre Opferfeste. Sie sind in die Synagogen gegangen und haben Regeln befolgt. Gott war aber nicht Teil ihres Lebens. Wir haben unsere Gottesdienste, unsere Gebetszeiten, unsere Predigten, unsere Kleingruppen. Wenn wir Gott hören wollen, dann muss er Teil unseres Alltags sein. Dann ist es weniger wichtig, wie wir Lobpreis machen und wichtiger ob wir einander in Liebe begegnen. Dann ist es weniger wichtig, ob jede Predigt meinen persönlichen Geschmack oder meine persönliche Situation trifft, und wichtiger Gott zu erkennen. All die Formen können dazu dienen, dass wir uns auf Gott ausrichten. All die Formen können den gelebten Glauben nicht ersetzen. Es gibt Menschen, die sitzen beim Lobpreis, sind einfache Beter und schlafen während der Predigt, aber der Glaube ist das Zentrum ihres Alltags, auch wenn die Form für uns komisch erscheint. Es gibt Menschen, die springen und tanzen im Gottesdienst, sprechen die schönsten Gebete und rufen Halleluja bei jedem zweiten Satz der Predigt, aber ihr Leben ist kein Zeugnis dafür. Wo stehst du bei Gott? Wie nahe bist du an seinem Herz? Bringst du Schlachtopfer und feierst Opferfeste, oder liebst du deinen Nächsten und erkennst Gott im Alltag? Gott will nicht unsere besten Momente, er will unser ganz normales Leben.
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