4. Zeichen - Speisung der Fünftausend (Joh 6,1-14)

Die 7 Zeichen Jesu in Johannes Evangelium  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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INTRO: Zeichen sind mehr als Wunder

Bei Johannes ist ja kein Wunder „nur“ ein Wunder, sondern immer ein Zeichen (σημεῖον), das auf etwas Tieferes verweist.
Finger (Wunder/Zeichen), Mund (das was gesehen werden soll).

Die ersten 3. Zeichen - was wollte sie uns zeigen?

Die 7 Zeichen von Johannes wollen uns auf das Neue Gottes, das mit Jesus beginnt.

1. Zeichen - Wasser im Wein - Das Zeichen der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–11)

Johannes schließt den Bericht mit einem programmatischen Satz:
„So tat Jesus sein erstes Zeichen … und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.“ (Joh 2,11)
Das Zeichen ist also Offenbarung – nicht bloß Problemlösung.

Was zeigt dieses Zeichen?

1. Jesus bringt die Fülle der neuen Zeit Gottes

Der Wein geht aus – ein Bild für:
Erschöpfung,
Mangel,
das Ende menschlicher Möglichkeiten.
Jesus schafft Überfluss:
ca. 500–600 Liter,
besserer Wein als zuvor.
➡️ Zeichenbedeutung: Mit Jesus beginnt die messianische Freudenzeit (vgl. Am 9,13; Jes 25,6). Nicht Mangel, sondern überströmende Gnade kennzeichnet das Reich Gottes.

2. Übergang vom Alten zum Neuen Bund

Das Wasser steht in:
„sechs steinernen Wasserkrügen zur Reinigung nach jüdischer Sitte“ (Joh 2,6)
Das ist entscheidend:
Wasser = rituelle Reinigung
Krüge = jüdisches Gesetz und Kult
Jesus verwandelt Reinigungswasser in Freudenwein.
➡️ Zeichenbedeutung: Nicht Abschaffung, sondern Erfüllung und Überbietung:
vom äußeren Reinwerden
zur inneren Erneuerung,
vom Gesetz zur Gnade.
Johannes sagt damit: In Jesus kommt etwas qualitativ Neues (καινός).

3. Offenbarung der Herrlichkeit Jesu

„Herrlichkeit“ (δόξα) bei Johannes meint:
die Gegenwart Gottes selbst,
wie sie im AT im Tempel erschien.
Hier ist bemerkenswert:
kein Donner,
kein Spektakel,
nur Diener und Jünger merken es.
➡️ Das Zeichen zeigt: Gottes Herrlichkeit erscheint verborgen, unscheinbar, im Alltag – aber real und lebensverändernd.

4. Hochzeit als Bild für Gottes Beziehung zu seinem Volk

Im AT ist Gott der Bräutigam Israels (Hos 2; Jes 54).
Dass Jesus:
auf einer Hochzeit handelt,
und dort die Fülle schenkt,
sagt unausgesprochen:
Der Bräutigam ist da.
Diese Linie zieht Johannes später explizit (Joh 3,29).

5. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“

Jesu Antwort an Maria (Joh 2,4) weist voraus:
auf Kreuz und Auferstehung,
wo seine Herrlichkeit voll sichtbar wird.
➡️ Kana ist ein Vorschein der kommenden Stunde: Freude und Fülle kosten etwas – letztlich Jesu eigenes Leben.

Kurz gesagt: Das Zeichen von Kana bedeutet

Mit Jesus beginnt die neue Schöpfung
Er bringt überfließende Gnade statt leerer Rituale
Er offenbart verborgene Herrlichkeit
Er ist der Bräutigam, der die Hochzeit Gottes mit den Menschen eröffnet
Es ist ein Vorspiel des Kreuzes, wo Wasser und Blut fließen (Joh 19,34)

2. Zeichen - die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten – ohne körperliche Nähe. (Joh 4,46–54)

Was will dieses zweite Zeichen offenbaren?

Johannes selbst markiert es ausdrücklich:
„Dies ist das zweite Zeichen, das Jesus tat …“ (Joh 4,54)
Damit lädt er uns ein, genauer hinzusehen.

1. Jesu Wort hat schöpferische, lebensschaffende Macht

Jesus sagt nur:
„Geh hin, dein Sohn lebt.“ (Joh 4,50)
Kein Berühren. Kein Gebet. Kein Ritual.
Das Wort allein genügt.
Das erinnert bewusst an:
Gen 1: „Gott sprach – und es geschah“
Joh 1: „Alles ist durch das Wort geworden“
Offenbarung: Jesus wirkt mit göttlicher Autorität. Entfernung, Raum, Zeit begrenzen ihn nicht.

2. Glaube an das Wort – nicht an sichtbare Zeichen

Der Beamte steht vor einer Entscheidung:
Glaubt er Jesu Wort?
Oder verlangt er einen Beweis?
Johannes schreibt:
„Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.“ (Joh 4,50)
Das Zeichen zeigt:
Reifer Glaube entsteht nicht durch Sehen,
sondern durch Vertrauen ins Wort Jesu.
Das ist ein Schlüsselthema im ganzen Evangelium (vgl. Joh 20,29).

3. Leben statt Tod – ein zentrales johanneisches Motiv

Der Sohn war „todkrank“. Jesus sagt nicht: „Er wird gesund“, sondern:
„Dein Sohn lebt.“
👉 Das Zeichen verweist über Heilung hinaus auf:
Jesu Sendung als Lebensspender
das große Thema von Leben vs. Tod bei Johannes
Später kulminiert das in:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh 11,25)

4. Universaler Glaube – über Israel hinaus

Der Geheilte ist:
ein königlicher Beamter,
vermutlich im Dienst des Herodes,
also kein klassischer frommer Jude.
Das Zeichen offenbart: Glaube an Jesus ist nicht an Herkunft, Status oder religiöse Nähe gebunden.
Das passt zur unmittelbaren Umgebung:
Samariterin (Joh 4),
Samariterdorf,
nun ein Nicht-Jude mit Glauben.

5. Vom Zeichen zum Glauben – nicht umgekehrt

Am Ende heißt es:
„Und er glaubte mit seinem ganzen Haus.“ (Joh 4,53)
Wichtig:
Der Glaube wächst durch Erfahrung mit dem Wort Jesu
nicht durch Sensation
Zeichen sind Einladungen, keine Endstation.

Kurz zusammengefasst

Das zweite Zeichen offenbart:
Die lebenschaffende Macht des Wortes Jesu
Einen Glauben, der nicht sehen muss
Jesu göttliche Autorität über Raum, Krankheit und Tod
Die Universalität des Heils
Den Weg vom Vertrauen zum vertieften Glauben

3. Zeichen – Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda (Joh 5,1–18)

Auch wenn Johannes es hier nicht nummeriert, wird es in der inneren Logik der Zeichenfolge klar als drittes Offenbarungszeichen erkennbar.

Was offenbart dieses dritte Zeichen?

1. Jesus ist Herr über den Sabbat

Der entscheidende Konfliktpunkt:
Die Heilung geschieht am Sabbat.
Jesus sagt:
„Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke auch.“ (Joh 5,17)
Offenbarung: Jesus stellt sich auf eine Ebene mit Gott. Sabbatruhe bedeutet nicht Stillstand der göttlichen Lebensmacht.
Das Zeichen enthüllt Jesu göttliche Autorität, nicht nur seine Barmherzigkeit.

2. Jesus schenkt Leben jenseits religiöser Systeme

Der Gelähmte:
38 Jahre krank,
gefangen in Hoffnungslosigkeit,
abhängig von einem magisch-religiösen System (Teich, Bewegung des Wassers).
Jesus fragt:
„Willst du gesund werden?“ (Joh 5,6)
Zeichenbedeutung: Heil kommt nicht aus religiösen Mechanismen, sondern aus der persönlichen Begegnung mit Jesus.

3. Jesu Wort richtet auf – ohne äußere Hilfe

Wie beim zweiten Zeichen:
„Steh auf, nimm dein Bett und geh!“ (Joh 5,8)
Kein Wasser. Kein Engel. Kein Ritual.
Offenbarung: Das Wort Jesu schafft neue Wirklichkeit – sogar dort, wo alles festgefahren ist.

4. Von Heilung zu Gericht und Leben - Befreiung von lähmenden religiösen Systemen

Das Zeichen löst die erste große Redediskussion Jesu aus (Joh 5,19–47).
Darin sagt Jesus:
Er gibt Leben, wem er will (5,21)
Er ist der Richter (5,22)
Wer seine Stimme hört, geht vom Tod ins Leben (5,24)
Das Zeichen ist ein sichtbares Gleichnis: Der Gelähmte steht für den geistlich Gelähmten Menschen.

5. Zuspitzung des Konflikts

Johannes schreibt:
„Darum suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten“ (Joh 5,18)
Offenbarung: Je klarer Jesus sich offenbart, desto schärfer wird die Ablehnung.
Zeichen führen nicht automatisch zum Glauben – sie entlarven die Herzen.

Kurz zusammengefasst

Das dritte Zeichen offenbart:
Jesus als Sabbat-Herr
Seine göttliche Sohnschaft
Die lebensschaffende Macht seines Wortes
Befreiung von lähmenden religiösen Systemen
Die beginnende Eskalation zwischen Offenbarung und Widerstand

4. Zeichen – Das Zeichen der Brotvermehrung (Joh 6,1-15 und 6,22-66)

Johannes will mit der Brotvermehrung vor allem Jesus als den von Gott gesandten Lebensspender offenbaren.

1. Jesus ist das wahre Brot vom Himmel

Das Zeichen deutet über sich hinaus auf Jesu eigene Auslegung in Joh 6,35:
„Ich bin das Brot des Lebens.“
Nicht das Brot selbst steht im Zentrum, sondern Jesus als Quelle des wahren Lebens – Leben, das nicht nur den Magen füllt, sondern den Menschen ganz.
Das Zeichen korrigiert die Erwartung: Nicht mehr Brot, sondern der richtige Geber ist entscheidend.

2. Erfüllung und Überbietung des Exodus (Manna)

Johannes verknüpft das Wunder bewusst mit:
Mose und dem Manna (Joh 6,31–32)
Passah-Zeit (Joh 6,4)
Das Zeichen sagt:
Jesus ist größer als Mose. Er gibt nicht nur Nahrung auf dem Weg – er ist selbst das Ziel.
Das Manna hielt einen Tag am Leben, das Brot, das Jesus gibt, schenkt ewiges Leben.

3. Offenbarung der messianischen Identität Jesu

Die Reaktion der Menge (Joh 6,14):
„Das ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.“
Das Zeichen zeigt:
Jesus erfüllt die messianischen Verheißungen
aber anders, als die Menschen erwarten
Sie wollen ihn zum König machen – Jesus entzieht sich (Joh 6,15), weil sein Reich nicht politisch, sondern hingebend ist.

4. Vertiefung des Brotwunders: Einladung zum Glauben – nicht zum Konsum

Ein zentrales johanneisches Motiv:
Zeichen fordern eine Entscheidung.
Viele folgen Jesus wegen des Brotes, aber wenden sich ab, als er von:
Hingabe,
Kreuz,
„sein Fleisch essen und sein Blut trinken“ spricht (Joh 6,60–66).
Das Zeichen entlarvt:
oberflächlichen Glauben
und lädt zu vertrauendem, bleibendem Glauben ein.
Korrektur der Messias-Erwartung: Jesus ist nicht nur der Versorger, sondern der göttliche Retter selbst.

Kurz zusammengefasst

Das Zeichen der Brotvermehrung zeigt:
Jesus stillt tieferen Hunger als nur den körperlichen
Er ist das wahre Brot vom Himmel
Er überbietet Mose und das Manna
Er lädt zum Glauben an seine Person, nicht nur zu seinen Gaben
John 6:1–14 ELB 2006
Mt 14,13–21; Mk 6,30–44; Lk 9,10–17; vgl. Mt 15,32–39; Mk 8,1–9 Danach ging Jesus weg auf die andere Seite des Sees von Galiläa ⟨oder⟩ von Tiberias; und es folgte ihm eine große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber das Passah nahe, das Fest der Juden. Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, dass eine große Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, dass diese essen? Dies sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, dass jeder ⟨auch nur⟩ ein wenig bekommt. Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, spricht zu ihm: Es ist ein kleiner Junge hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat. Aber was ist dies unter so viele? 10 Jesus sprach: Macht, dass die Leute sich lagern! Es war aber viel Gras an dem Ort. Es lagerten sich nun die Männer, an Zahl etwa fünftausend. 11 Jesus aber nahm die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er sie denen aus, die da lagerten; ebenso auch von den Fischen, so viel sie wollten. 12 Als sie aber gesättigt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts umkommt! 13 Sie sammelten nun und füllten zwölf Handkörbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, welche denen, die gegessen hatten, übrig blieben. 14 Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.
Philipper 4,6-12
Film: Joahannes Evangelium
https://youtu.be/pLkivw5knR0?si=ECgQWH6ZZY1gX7c7
Hier einige Kerngedanken, die Wright zu den Zeichen betont:
Wasser zu Wein (Joh 2,1-11) – Dieses Zeichen weist auf die neue Schöpfung und die kommende messianische Hochzeit hin. Jesus bringt die Freude und Fülle des Reiches Gottes.
Heilung des Sohnes des königlichen Beamten (Joh 4,46-54) – Ein Zeichen des Lebens, das zeigt, dass Jesu Macht über Distanz hinweg wirkt und er der wahre Lebensspender ist.
Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda (Joh 5,1-15) – Symbol für die Erneuerung Israels und die Überwindung der alten Ordnung durch Jesus.
Speisung der Fünftausend (Joh 6,1-14) – Jesu Versorgung erinnert an das Manna in der Wüste, aber zeigt, dass er selbst das wahre Brot des Lebens ist.
Wandel auf dem Wasser (Joh 6,16-21) – Ein Zeichen der göttlichen Autorität über das Chaos und der Einladung zum Glauben.
Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1-41) – Zeigt, dass Jesus Licht in die Welt bringt und geistliche Blindheit überwindet.
Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-44) – Das ultimative Zeichen, dass Jesus der Herr über Leben und Tod ist und auf seine eigene Auferstehung hinweist.
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