Gerecht leben Matthäus 6,1-4

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Ja, ihr Lieben, heute kommt der zweite Teil unserer neuen Predigtreihe in der Passionszeit. Wie geht das gute Leben? Letzte Woche haben wir schon angefangen mit der Reihe und es ging um das achtsame Leben. Du kannst dir die Predigt gerne auf Youtube noch anschauen. Ich weiss nicht, ob du weißt, wie das gute Leben geht? Die Frage ist ja, was ist eigentlich gutes Leben? Und wenn wir jetzt hier eine Umfrage machen würden, kämen ganz viele unterschiedliche Meinungen dazu raus. Das ist so ein Kennzeichen unserer heutigen Zeit und auch unserer Gesellschaft. Wir leben in einer individualisierten Gesellschaft und das heißt, es ist eine Gesellschaft, in der nicht mehr Traditionen oder feste soziale Rollen den Lebensweg bestimmen, sondern jeder Mensch sein Leben selbst gestalten kann. Also nur weil dein Vater Landwirt war, musst du heute nicht mehr Landwirt werden und du musst auch nciht Christ werden, weil deine Familie Christen sind. Dadurch entstehen große Freiheiten bei der Wahl von Beruf, Beziehungen, Glauben und Lebensform. Das ist auf der einen Seite richtig gut, aber auf der anderen Seite wächst auch der Druck, für Erfolg, Identität und Lebenssinn allein verantwortlich zu sein. Und da verliert man schnell an Orientierung. Wie geht das gute Leben? Die einen sagen so, die anderen sagen so und in den tausenden Angeboten und Möglichkeiten, Leben zu leben, finden viele überhaupt keinen Weg mehr. Try und error, so lange, bist du einen Weg gefunden hast oder unter die Räder gekommen bist. Daher glaube ich, ist diese Predigtreihe wirklich wichtig und vielleicht besonders wichtig für deine Freunde, deine Nachbarin oder deinen Arbeitskollegen, die gerade orientierungslos sind. Bring sie doch einfach mal mit. Ist gar nicht so schwer und viele sind heute offener den je, mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen.
Ich bin überzeugt davon ,dass Jesus uns so unglaublich gute Orientung geben kann und auf die Frage: Wie geht das gute Leben? wirklich gute Antworten hat. Mit einer Predigt ist es da nicht getan, daher beschäftigen wir uns 8 Wochen lang damit. Und jede Woche wird uns eine andere Facette vorgestellt. Wenn du also auf der Suche nach dem guten Leben bist, nach Orientierung und dich fragst, wie kann es gut werden, dann komm nicht nut einmal oder zweimal, sondern hör dir alle Predigten dazu an. Beschäftige dich in der Woche mit dem Thema, anhand dieses Heftes, das du über den Newsletter oder als Kopie haben kannst. Gutes Leben passiert nicht einfach von selbst. Es braucht Beschäftigung damit, Gespräch mit anderen, Auseinandersetzung, Reflexion, oft auch konkrete Entscheidungen und Zeit. Denn Veränderungen passieren nicht von jetzt auf gleich. Sie brauchen Zeit, Begleitung und Ausdauer. Aber du bist damit nicht allein. Also, wie geht das gute Leben? Lasst uns in die Worte Jesu gucken:
BasisBibel Kapitel 6

1 »Hütet euch, eure Gerechtigkeit

vor den Menschen zur Schau zu stellen.

Sonst habt ihr von eurem Vater im Himmel

keinen Lohn mehr zu erwarten.«

2 »Wenn du also den Armen etwas gibst,

häng es nicht an die große Glocke!

So verhalten sich die Scheinheiligen

in den Synagogen und auf den Straßen,

damit die Leute sie bewundern.

Amen, das sage ich euch:

Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen.

3 Wenn du den Armen etwas gibst,

soll deine linke Hand nicht wissen,

was die rechte tut.

4 So bleibt deine Gabe im Verborgenen.

Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,

wird dich dafür belohnen.«

Es geht heute um den Aspekt: gerecht leben. Das, was Jesus hier anspricht – Armen zu geben –, ist im Judentum keine freiwillige Zusatzleistung und kein moralisches Extra für besonders Fromme. Es gehört zur Frömmigkeit wie das Zähneputzen zum Morgen, wie Trinken, wenn man Durst hat, wie das Aufladen des Handys, wenn der Akku leer ist: selbstverständlich, notwendig und Teil des ganz normalen Lebens. In der jüdischen Tradition ist das Geben an Bedürftige Ausdruck der gelebten Gottesbeziehung, weil Gerechtigkeit nicht gedacht, sondern getan wird. Es ist die konkrete Antwort des Menschen auf Gottes Zuwendung – gelebter Glaube ganz praktisch. Es galt im ersten Jahrhundert als eine der wichtigsten religiösen Pflichten zur Unterstützung der Armen. Es war nicht nach dem Motto: „Wenn du noch etwas übrig hast, dann spende halt“, sondern es gehörte ganz selbstverständlich zum jüdischen Leben und zur Frömmigkeit dazu – so normal wie Essen und Trinken im Alltag. Du musst bedenken, es gab zur dieser Zeit kein Sozialversicherungssystem. Kein Bürgergeld, keine Versicherungen. Wer arm wurde, war auf die Barmherzigkeit anderer angewiesen. Wer arbeitsunfähig war, wäre ohne diese Barmherzigkeit verhungert. Die Menschen um Jesus herum sind also nicht erstaunt gewesen, dass er über das Geben spricht, denn das war gelebte Praxis und Ausdruck ihrer Gottesbeziehung. Und Jesus stellt das auch nicht grundsätzlich in Frage – im Gegenteil: Er setzt voraus, dass sie geben.
1.Ist es Ausdruck meiner Frömigkeit?
Und das ist die erste Frage, die ich heute stellen möchte: Für Jesus ist es völlig selbstverständlich, dass Menschen, die ihm nachfolgen, den Armen geben. Wenn wir also fragen, wie Nachfolge konkret gelebt wird, kommen wir an diesem Punkt nicht vorbei. Darum die persönliche Frage an dich: Ist das ein Ausdruck deines Glaubens – gehört das zu deinem Leben dazu oder nicht? Nicht als moralischer Zeigefinger und nicht im Sinn von „Spende ich genug?“, denn darum geht es Jesus überhaupt nicht. Es geht ihm nicht um ein gutes Gewissen, nicht um die Menge, sondern um etwas viel Tieferes – und das wird sichtbar, wenn wir den Text genauer anschauen.
Jesus sagt: „Hütet euch davor, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen.“ Schaut man in den griechischen Text, merkt man: Mit dieser „Gerechtigkeit“ ist ganz konkret das Geben gemeint – die Spende, das Almosen, die Wohltat. Dass es hier trotzdem mit „Gerechtigkeit“ übersetzt wird, macht deutlich, worum es eigentlich geht: Dieses Tun ist nicht einfach eine gute Tat, sondern Ausdruck dessen, was vor Gott richtig ist. Wer gibt, handelt gerecht, weil er anerkennt: Alles, was ich habe, kommt von Gott und gehört nicht mir allein. Darum ist das Teilen mit den Bedürftigen keine fromme Zusatzleistung, sondern gelebte Gerechtigkeit – sichtbar gewordene Gottesbeziehung.
Das Wort „Gerechtigkeit“ kann leicht missverstanden werden, weil wir Menschen darunter oft etwas anderes verstehen – Leistung, Fairness oder Moral. Wie du mir, so ich dir. Weil ich viel habe, kann ich auch was geben. Das empfinden wir als gerecht. Aber dieses Geben hier, gibt weil es gut und richtig ist und es dem Willen Gottes entspricht. Dieses richtige Tun entsteht, weil wir unser Leben danach ausrichten, was Gott als gut und richtig bestimmt. Und dieses Almosen geben, diese Barmherzigkeit, ist genau der Ausdruck dafür, dass wir verstanden haben: Gutes und gerechtes Leben heißt, nach Gottes Herzen zu handeln.
Es geht hier nicht darum: „Ich habe so viel, ich bin reich beschenkt, jetzt gebe ich mal etwas.“ Oft denken wir so über Geben – aber das meint Jesus hier nicht. Es geht um eine Grundeinstellung des Lebens, etwas Selbstverständliches: Weil ich verstanden habe, wie Gott ist und wie er meint, dass Leben gut ist, gebe ich. Ich tue es nicht, um Anerkennung zu bekommen oder um ein gutes Gefühl zu haben – es ist einfach Ausdruck meines Verständnisses von einem guten Leben. Und was ich so schön finde: Viele Menschen tun das, auch wenn sie gar nicht an Gott glauben. Das zeigt, wie viel Göttliches in uns Menschen verankert ist – wie sehr die Idee eines guten, gerechten Lebens auch bei denen lebt, die Gott vielleicht gar nicht bewusst wahrnehmen.
Und jetzt kommt die Frage an dich: Ist das ein natürlicher Ausdruck deines Lebens als Christin oder Christ? Dieses Geben und Teilen – nicht aus dem Gedanken „Ich habe schon genug getan“ und auch nicht aus „Wenn ich gebe, bekomme ich etwas zurück“ – sondern aus dem einfachen Wissen: Gott erachtet das als gut. Ich möchte dich einladen, das für dich selbst zu hinterfragen – nicht mit einer moralischen Keule, sondern mit der Frage: „Wie lebe ich eigentlich mein Leben?“ Es ist ein wesentlicher Aspekt dessen, was Nachfolge bedeutet, und er hat etwas mit deinem Herzen zu tun. In dein Herz kann niemand hineinschauen – nur du selbst und Gott. Und die Frage ist: Was passiert in deinem Herzen, dass das Thema Geben für dich schwer ist? Meistens hat das etwas zu tun mit den Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben.
2. Wenn nein, warum nicht?
Lasst uns kurz tiefer hinschauen: Ist das Geben ein natürlicher Ausdruck deines Lebens? Gehört es zu dir? Wenn nicht, warum nicht? Ich will noch vorweg nehmen: Es geht hier nich um Besser oder Schlechter, nicht um Bewertung, nicht um einen moralischen Zeigefinger.
Oft hängt das mit tiefen persönlichen Mangelerfahrungen zusammen. Vielleicht hast du in deinem Leben, in deiner Kindheit oder später erlebt, dass du nicht bekommen hast, was du gebraucht hättest – Armut, Vernachlässigung, das Gefühl, nicht gesehen oder versorgt zu werden. Solche Erfahrungen erschweren es, sich zu öffnen, weil innere Sicherungsmechanismen sagen: „Ich muss mich zuerst selbst schützen, ich muss alles für mich behalten.“
Vielleicht hast du auch negative Erfahrungen mit Geben gemacht: Du hattest ein großes Herz, hast gegeben, wurdest aber verletzt, dein Vertrauen missbraucht. Manche denken: „Ich gebe nur, wenn ich etwas zurückbekomme.“ Das kann aus Prägungen entstehen, in denen wir gelernt haben: Gutes tun heißt, Belohnung zu erwarten. Viele von uns wurden so in der Erziehung geprägt. Manchmal übertragen wir solche Erfahrungen auch auf Gott: Wer Mangel erlebt hat, tut sich schwer darin zu erwarten, dass Gott versorgt, dass Bedürftige unterstützt werden. Das kann tiefe Verletzungen hinterlassen.
Es gibt also viele Gründe, warum Menschen nicht geben – Mangel, Verletzungen, Angst, Leistungsdenken, Überforderung. Deshalb betone ich immer: Es geht hier nicht um Moral oder Schuld, sondern um die Heilung und Ausrichtung des Herzens. Erst dadurch wird Gottes Gerechtigkeit sichtbar – zuerst in deinem Leben, in deinem Herzen, und dann in deinem Tun.
Ich möchte dich einladen, einmal in deinem Herzen hineinzuspüren und zu schauen: Was ist da eigentlich? Vielleicht hast du einen Mangel erlebt, vielleicht gibt es Bereiche in deinem Leben und in deinem Herzen, die Heilung brauchen. Und ich möchte dich ermutigen, damit nicht alleine zu bleiben, sondern seelsorgerliche Hilfe oder Begleitung zu suchen. Jesus hat uns gezeigt, wie das gute Leben aussieht, und um wieder dorthin zurückzukommen, braucht es oft Heilung und Transformation des Herzens.
3. Wenn ja, was steckt dahinter?
Vielleicht gehörst du auch zu denen, die sagen: Ja, das Geben gehört ganz selbstverständlich zu meinem Leben mit Jesus dazu. Genau euch spricht Jesus hier ja an. Deshalb lasst uns gemeinsam hinschauen: Was steckt eigentlich dahinter? Denn es geht ihm nicht nur um das Tun selbst, sondern um die Haltung des Herzens. Darum möchte ich auch dich einladen, in dein Herz hineinzuschauen.
Jetzt musst du wissen, dass es zur Zeit Jesu eine Praxis beim Spenden gab: Wenn jemand besonders viel gegeben hat, wurde das öffentlich sichtbar gemacht – man blies sogar Posaunen, in den Synagogen und auf der Straße. Ursprünglich war das eine schöne Idee: Es sollte andere ermutigen, ebenfalls zu geben. Ich kann mir das so gut vorstellen, weil ich etwas Ähnliches auf dem Weihnachtsmarkt letztes Jahr erlebt habe. Wir standen an einem Glühweinstand und es wurde eine Glocke geläutet. Ich habe gefragt: „Warum bimmelt ihr?“ – „Na, wenn es Trinkgeld gibt.“ Und in dem Moment merkte ich: Jetzt will ich auch, dass diese Glocke klingelt, wenn ich etwas gebe. Nicht, weil ich Gutes tun wollte, nicht, weil es einfach gut und richtig ist – sondern weil ich wollte dass die Glocke bimmelt. Also es hat auf jeden Fall funktioniert, weil ich angereft wurde, Trinkgeld zu geben, aber mein Motiv war fragwürdig, würde ich sagen.
Und jetzt stell dir das mal vor: jedes Mal ertönt die Posaune – auf der Straße, in der Synagoge – und die Menschen drehen sich um: „Schaut mal, er hat wieder gegeben!“, „Wie großzügig sie ist!“ Es bringt Aufmerksamkeit, es bringt Anerkennung, es bringt dieses Gefühl: Ich werde gesehen. Stell dir vor, jemand lässt ständig die Posaunen für sich ertönen, weil er oder sie immer wieder spendet. Dann steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt, der Hilfe braucht, sondern der Mensch, der gibt. Das Geben wird zur Bühne – und aus der gelebten Gottesbeziehung wird eine Möglichkeit, sich selbst groß zu machen.
Und dazu sagt Jesus: Stop, hier wird was verdreht. Und diese Verdrehung will ich uns mal vor Augen führen. Wie schnell kann etwas, das aus Gottes Herzen kommt, zu etwas werden, das unser eigenes Herz groß machen soll.
Das, was eigentlich gemeint ist – tu Gutes, tu Gerechtigkeit, ich habe das ja schon erklärt – ist: Tu es einfach, weil es gut ist, weil Gott sagt, es ist gut. Punkt. Daraus wird aber etwas verdreht. Dann heißt es plötzlich: Ich tue nach außen Gutes, ich zeige, dass ich das gute Leben lebe – aber nach innen passiert etwas ganz anderes. Merkst du das? Die Grundlage des Herzens ist eine andere. Das Herz sagt nämlich: Ich möchte gesehen werden. Ich tue Gutes, damit ihr seht, wie toll ich bin.
Und das ist das, was Jesus mit dem Lohn meint: Der Lohn für dieses Herz besteht darin, dass ich mich gut fühle, weil alle gehört haben, dass ich viel gespendet habe, dass ich eine große Summe gegeben habe, dass es sich einfach gut anfühlt, wenn alle es sehen.
Das Herz aber, das das Gute einfach tut, ist ein ganz anderes Herz. Es sagt: Gott ist gut. Gott ist durch und durch gut. Er ist Liebe, er ist Gerechtigkeit. Und weil Gott sagt: Tu den Armen Gutes – deswegen tue ich es. Nicht für mich, nicht für meine Anerkennung, nicht für mein gutes Gefühl, nicht für mein schlechtes Gewissen, sondern für den Menschen, der von Gott geliebt und gerade bedürftig ist. Ich tue es, weil Gott gut ist. Weil es die logische Folge davon ist, dass ich mit Gott lebe.
Merkst du diesen Unterschied der Herzen?
Das ist so, als würdest du auf einem Geburtstag dein Geschenk erst dann überreichen, wenn alle hinschauen – weil du möchtest, dass alle sehen, was für ein tolles Geschenk du gebracht hast. Oder du lebst in einer WG, räumst nie auf – aber wenn Besuch kommt, dann plötzlich doch, und alle denken: „Wow, wie ordentlich!“ Und jemand anderes räumt auf, ohne dass es jemand merkt, einfach damit sich alle wohlfühlen. Oder du gibst nur da Trinkgeld, wo extra für dich eine Glocke geläutet wird.
Merkst du den Unterschied zwischen einem Leben, das auf der Bühne geführt wird – für Lob, Anerkennung, Gesehenwerden und ein gutes Gefühl – und einem Leben, das aus der Beziehung zu Gott lebt?
4. Was heißt also gut und gerecht leben?
Das ist schon kein einfaches Thema, weil ich glaube, dass wir alle unglaublich viel tun, um Anerkennung zu bekommen. Und ich glaube, es ist auch eine Folge unseres individualistischen Lebens, weil wir eben immer auf der Suche sind: Wie kann ich gut sein? Was kann ich tun, um mich zu beweisen? Wie finde ich Lebenssinn? Wenn wir da keine Orientierung haben, landen wir so schnell darin, anderen Gutes zu tun – und das Gute darin liegt eben darin, dass ich mich hinterher gut fühle.
Jetzt die Frage: Wie kommen wir da raus? Das ist wirklich ein tiefes Thema. Wir merken: Gerechtes Leben ist schon eine schwierige Sache. Jesus sagt: Wenn du den Armen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut. So bleibt deine Gabe verborgen, und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.
Was heißt das jetzt für uns? Zuerst einmal: keine Posaune mehr. Aber es geht eben nicht nur darum, das Posaunensignal oder die Glocke abzustellen. Jesus hat hier noch viel mehr für uns, aber wir werden nicht herausfinden was, wenn wir auf die Posaunen hoffen. Das Bild mit den Händen ist ein sprichwörtlicher Ausdruck dafür, in welchem Bewusstsein wir etwas tun. Die beiden Hände stehen für zwei Aspekte deines Bewusstseins. Ein Teil deines Bewusstseins soll sich gar nicht mehr damit beschäftigen, was du gutes tust. Das heißt: keine Aufzeichnungen, kein Tagebuch, kein Zählen, wann man zuletzt gespendet hat. Gib so oft und so selbstverständlich, dass du überhaupt nicht mehr darauf achtest, wie viel du gibst. Mach es zu etwas Alltäglichem, wie Mahlzeiten einnehmen. Dann bleibt deine Gabe verborgen – und genau darin liegt die Kraft. Das Ziel ist nicht, dass du Frieden empfindest, weil du dich selbst belohnst mit deinem Geben. Wir kennen doch dieses Gefühl: Ich gebe einem Obdachlosen fünf Euro statt einem – und „wow, das tut gut, ich war aber heute großzügig”. Und wir tun so oft Gutes, um Gott zu zeigen: „Schau, ich bin ein guter Mensch, ich habe etwas gegeben, ich habe etwas Gutes getan.“ Aber auch das geht an dem vorbei, was Jesus meint. Deine Beziehung zu Gott kannst du nicht dadurch gestalten, dass du dir selbst ein gutes Gefühl verschaffst und ihn mit deinen Taten beeindruckst. Wenn deine linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, dann hütest du deine Liebe an der innersten Stelle, ganz tief in deinem Herzen, damit sie selbstlos bleibt. Und darum geht es Jesus im letzten: um Selbstlosigkeit.
Das ist eine zutiefst geistliche Übung. Und die kannst du ganzes Leben lang trainieren. Geben wird so zu einem Training für Selbstlosigkeit: geben, weil es gut ist, selbstlos, ohne jegliche Eigenmotivation. In dieser Selbstlosigkeit begegnest du Gott auf besondere Weise. Jesus hat es uns vorgemacht: Er hat sein Leben selbstlos gegeben, aus tiefer Liebe zu dir, zu mir, zu allen Menschen. Er hat alles gegeben, damit du in das gute Leben hinein finden kannst. Das Leben, das keine Bühne mehr braucht weil es in der Beziehung mit Gott alles findet, was es braucht. Genau das ist Nachfolge. Das ist das gute Leben, in dem sich gerecht leben durch Selbstlosigkeit zeigt. Und bitte: es ist ekeine Competition der Selbstlosigkeit. Das wäre ein Widerspruch in sich. Jesus geht es nicht um Perfektion, sondern um dein Herz.
Ich lade dich ein: Nimm das in dieser kommenden Woche als konkrete Fastenübung auf. Das Heft gibt noch ein paar Anregungen. Komm am Mittwoch um 10 zu Bibelstunde, um weiter an dem Thema dran zu bleiben, triff dich mit deinem Hauskreis oder besprich das Thema mit Freunden. Lass Jesus zu diesem Thema dein Herz berühren und lass dich ein auf diesen Weg der Transformation.
Dafür möchte ich gerne predigen und lade euch danach auch zum Gebet ein.
Gebetszeit
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