Korruption & Trauer | Genesis 5,1-6,8
Notes
Transcript
Der Bibeltext wird vorher vom Moderator vorgelesen
Start mit Folie 1
Einleitung
Einleitung
Meine Frau und ich wurden einmal in Liverpool von einer lieben christlichen Familie beherbergt, als wir dort waren wegen einem Vortragsdienst.
Am Sonntag am Mittagstisch kam dann doch die älteste Tochter hinzu. Sie ist eine Dozentin für Geschichte an einem College in Liverpool. Wir unterhielten uns viel über Geschichte, und wenn man mal einen deutschen im Wohnzimmer hat, kommt man natrülich auch auf die Nazizeit und den 2. Weltkrieg zu sprechen.
Während dem Gespräch fragte sie mich mehr als einmal:
“Wie konnte es soweit kommen?”
Wie konnte es soweit kommen, dass wir Menschen uns mit einem Heer von 110 Millionen Soltaten Weltweit gegenseitig abschlachteten, wobei 70-80 Millionen Menschen in einer Zeitspanne von gerade einmal 6 Jahren getötet wurden, darunter ein versuchter Genozid mit etwa 6 Millionen Juden die systematisch, mit ausgeklügelten Systemen in Massen vernichtet wurden?
Sie war Gechichtsdozentin und weiß ziemlich gut, welche Faktoren vorhanden waren, die dazu führten… und dennoch war das Entsetzen in ihr Gesicht geschrieben und sie fragte nur immer wieder: “Wie konnte es sowei kommen?”
Das Gefühl der Trauer und der Ratlosigkeit kam in uns hoch…
Heute wird es auch um eben diese Frage gehen, aber in einem tieferen Kern.
Bei der Erschaffung des Menschen hieß es noch:
Genesis 1,31 „31a Und Gott sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut.
und zum Ende unseres heutigen Textes heißt es:
Genesis 6,6 „6 da reute es den Herrn, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es betrübte ihn in seinem Herzen.“
Wie konnte es soweit kommen, dass Gott diese erschütternde Bilanz zieht?
Das wird heute Thema.
3 Punkte habe ich für uns aus dem Text mitgebracht:^
Folie
Hauptteil
Hauptteil
Tod (5,1-32)
Tabubruch (6,1-4)
Trauer (6,5-8)
Auch hier könnte man vielen Details nachgehen, aber der Fokus wird auf dem großen Ganzen bleiben.
Wir starten mit Kapitel 5 und dem ersten Punkt:
Folie
1. Tod (5,1-32)
1. Tod (5,1-32)
Im gesamten Buch Genesis gibt es zehn sogenannte “Dies sind die Geschlechter von” Abschnitte, hebräisch ‘Toledot’ genannt.
Das gesamte Kapitel 5 ist eine vertikale Liste die den Stammbaum von Adam über Seth bis zu Noah darstellt.
Folie - Bild mit Genealogie
Wer von euch ist gerade dabei, weil er das Wort Stammbaum gehört hat, innerlich abzuschalten? :D
Das scheinen oft Bibelstellen zu sein, mit denen man nichts anfangen kann, ein bisschen so wie wenn man im Abi Algebra gelernt hat und dass dann nie wieder im Leben anweden wird..
Aber ich will dich vom Gegenteil überzeugen, Stammbäume sind wichtig für uns, auch dieser hier! Dazu müssen wir aber erstmal Beobachtungen aufstellen:
Als erstes müssen wir festellen, dass diese Abstammungslinie hier eine Gegenüberstellung ist mit der aus Kapitel 4.
Kapitel 4 zeigt die Kain-Linie, Kapitel 5 die Seth-Linie.
Die von Kain nennt keine Lebensalter.
Doch die Linie von Seth gibt uns 3 Alter an.
Das Geburtsalter
Die Anzahl der Jahre, die er nach der Geburt weiterlebte
Das Gesamtalter
D.h.: Jeder Einzelne Name hier im 5.Kapitel ist von Bedeutung für Gottes Rettungsplan.
Es gibt noch mehr Gegenüberstellungen:
Beide Listen enden mit drei Söhnen. (Jabal, Jubal, Tubal-Kain [4,20–22]; Sem, Ham, Jafet [5,32]).
In beiden Listen spricht nur ein Mann – Lamech in der Kain-Linie (4,23–24) und ein anderer Lamech in der Seth-Linie (5,29). Der Kainiter-Lamech verspottet den Fluch der Sünde (4,24), während der Setiter-Lamech unter dem Fluch klagt und Trost bei seinem Sohn Noah sucht (5,29).
In der Liste aus Kap 4 ist Lamech der 6. und er tritt auf als Kriegsherr und Gewaltmensch, in der Liste aus Kap 5 ist Henoch der 7. und er tritt auf als einer der ganz nah mit Gott lebte und sogar entrückt wurde.
Die Linie von Kain in Kapitel 4 umfasst sechs Generationen (von Kain bis Lamech); die Linie von Seht zählt zehn (von Adam bis Noah).
Das ist kein Zufall, die Zahlen der Stammbäume sprechen für die Hebräer eine symbolische Sprache: 6 steht für menschliche Unvollkommenheit, 7 und 10 für göttliche Vollkommenheit.
D.h. die Bedeutung der Liste hier liegt nicht so sehr in einer komplett dargestellten Ahnenkette sondern vielmehr in Gottes zusage: “Einer kommt, der der Schlange den Kopf zertreten wird!” - Die Stammbäume sind Heilsgeschichtlich zu verstehen.
Damit ist Seht zwar nicht der versprochene Same aber er ist Träger dieser Linie, der Ast aus dem der eine hervorsprießen wird.
Wenn wir auf Bäume klettern wollen, müssen wir schauen, welche Äste uns halten und welche nachgeben. Dann ist es wichtig, dass wir uns auf den Ast stützen, der uns sicher an Ziel bringt. So ist es auch hier, der Ast Kains kann nicht mehr halten, deshalb kommt Sehts Ast - die Linie, die wieder anfing Gott anzubeten, wie wir letzte Woche gesehen haben.
Die Kain-Linie legte ihre Hoffnung in kulturellen Fortschritt und in die Eigenkraft.
Die Seht-Linie legte ihre Hoffnung in Gott. Worin legst du deine Hoffnung?
Auf welchen Ast stütz du dich? Wenn du auf Kains Ast stehst, wird er irgendwann wegbrechen, denn ab jetzt kommt dieser Ast nie wieder vor.
Im Geschlechtsregister hier in Kap 5 hält Mose eine weitere Tatsache nochmal fest und erweitert sie:
Der Mensch, ist nach dem Bilde Gottes geschaffen (V. 1) und Adam’s Sohn Seth wurde nach dem Bilde Adams geschaffen (3).
D.h. der Mensch ist ‘Imago Dei’ - Gottebenbildlich und das betrifft alle Menschen auch nach dem Sündenfall. Die Gottebenbildlichkeit wird mitvererbt.
Wir sind nicht getrieben von Instinkten sondern mit Vernunft und Sinn beschenkt,
Wir sind geschaffen für Beziehungen,
Wir haben die Fähigkeit geschenkt bekommen, Gut und Böse zu unterscheiden.
Wir sind nicht nur physische Wesen; wir haben Seelen, die in der Lage sind, Gottes Gegenwart zu erfahren und darauf zu reagieren.
Damit komm die Klarheit, dass jeder Mensch dieselbe gottgegebene Würde hat und dass ein Mensch erst dann nach seiner Bestimmung lebt, wenn er Gottes Wesen wiederspiegelt.
In diesen 10 Generationen lesen wir immer wieder: “und zeugte Söhne und Töchter”. Das alles in einem Mimimum von über 1000 Jahren bei Lebensspannen von über 900 Jahren, heißt nichts anderes als das es viele, viele Millionen Menschen bis zur Zeit Noahs gab, die alle Träger des Bildes Gottes waren, alle mit Würde von Gott ausgestattet waren. Alle die die Herrlichkeit Gottes wiederspiegeln sollten.
Mose kommentiert nicht, warum die Menschen damals so lange lebten, es scheint viele Hinweise darauf zu geben, dass die vorsintflutliche Lebenswelt sehr anders war - aber für Mose scheint das nicht wichtig.
Etwas anderes kommt hier zum Vorschein:
Zum einen sehen wir hier, wie das Leben Hoffnung schenkt. Das lange Leben als auch die vielen Kinder:
Man heiratet, baut sich ein Heim, gründet eine Familie, bekommt Enkelkinder - Jahrhundert für Jahrhundert vergeht und man hat das Gefühl es würde ewig so weitergehen - bis plötzlich ein Nebensatz aufkreuzt: “und er starb.” - (V. 5, 8, 11, 14, 17, 20, 27, 31) - wie ein Rhytmus.
Kapitel 5 zu lesen ist wie über einen Friedhof zu stolpern. Die Namen hat der Regen schon von den Grabsteinen abgewaschen.
900 Jahre + leben… und dann der Tod...
Wenn der Moment des Todes kommt, ist es egal wie lange man gelebt hat - alles scheint zu kurz gewesen zu sein.
Gestern war man noch jung und lief durch die Felder, morgen liegt man schon auf dem Sterbebett und der Kreislauf geht immer weiter.
Denkst du schon an deinen Tod?
Folie
In Psalm 90 heißt es:
12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Manche Menschen sagen: “Hauptsache Gesund” .. aber was dann? Die einen Leben so, als ob es den Tod nicht gäbe, sie ignorieren ihn einfach und werden dann überwältigt, andere leben so, als ob der Tod volkommen normal sei, etwas, was eben dazu gehört…
Unsere säkulare Gesellschaft klammert am Leben und ignoriert den Tod. Neuerdings normalisieren wir den Tod oder fördern ihn sogar durch Sterbehilfe…
Aber die Bibel will es immer wieder klar machen: Der Tod ist nicht normal - er sollte nicht sein - er gehört nicht zu uns!
Warum gibt es ihn dann? Paulus schlussfolgert:
Folie
12 Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hingelangt ist, weil sie alle gesündigt haben
Adam wurde seinem Wesen nach ein Sünder daher musste Adam sterben. Aber weil alle von Adam abstammen und dadurch seine sündige Natur erben müssen alle sterben.
Und unsere Tatsünden sind Beweis für unsere Abstammung von Adam. Adam ist unser Uropa.
Gleiches zeugt gleiches. Ein Apfelbaum reproduziert einen Apfelbaum, eine Katze reproduziert eine Katze, und ein Sündiger Mensch zeugt sündige Menschen.
Der Tod trifft auch die Linie Sehts, die die Gott anbeten...
Sie lebten wie alle anderen unter dem zweischneidigen Schwert menschlicher Erfahrung:
Das Leben schenkt Hoffnung, der Tod zerschmetter sie.
Der Vater von Noah, der sethitische Lamech, klagt und ist untröstlich über den Tod und den Fluch der Erde (V 28).
Die Klage über den Tod ist gut - denn sie sagt: Der Tod ist unerträglich!
Du wirst sterben! Wir werden sterben! Viele von uns haben den Tod gesehen, bei Geliebten, in der Familie, bei Freunden… und wir klagen zurecht! Wir stöhnen, ächstzen und warten auf Erlösung aus dem Tod. Und wir klagen und das ist in Ordnung.
Denn unsere Klage ist nicht vergeblich wenn wir sie im Glauben klagen.
Lamech der 9. sah in Noah prophetisch einen Trost für seine Klage - die Hoffnung des Retters aus dem Samen der Frau lebte also weiter...
Henoch der 7. (v22) wandelte inmitten der Dunkelheit von Tod, Leid und Sünde mit Gott - und das 300 Jahre lang und Gott stattuierte an Ihm ein Exempel: Er nahm ihn zu sich. Henoch starb nicht. Er ist der erste Fingerzeig auf die Entrückung bzw. Evakuierung der Gläubigen, sowie später auch Elia.
Henoch war der 7. - Jesus ist im Stammbaum von Matthäus der 7x7. Henoch ist ein Fingerzeig auf Jesus.
Jesus ist der Rettersame. Er war kein Erbe der Natur Adams weil er vom Heiligen Geist gezeugt wurde. Er zertrat der Schlange den Kopf, und besiegte den Tod, als er am dritten Tag von den Toten auferstand.
Folie
Desshalb konnte er sagen:
25 Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das?
Diese frage will ich weiterreichen: Glaubst du das?
Der Weg Kains führt mit Lamech dem 6. ins Verderben.
Der Weg Seths führt mit Henoch dem 7. und Noah und Jesus den 7x7. ins ewige Leben.
Auf welchem Weg bist du unterwegs? Welche Zahl ist über dein Leben geschrieben? Auf welchen Ast bist du geklettert? Wer hält dich?
Steig auf den Ast Sehts. Lass Jesus dein Retter werden - und du wirst leben, auch wenn du stirbst!
Folie
Im Judasbrief wird Henoch als Prediger beschrieben.
14 Von diesen hat aber auch Henoch, der Siebte nach Adam, geweissagt, indem er sprach: »Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, 15 um Gericht zu halten über alle und alle Gottlosen unter ihnen zu strafen wegen all ihrer gottlosen Taten, womit sie sich vergangen haben, und wegen all der harten Worte, die gottlose Sünder gegen ihn geredet haben.«
Henoch wusste von einem kommenden Gericht Gottes.
Das Zitat von Judas kommt aus dem Buch Henoch, das Buch hat es nicht in den Kanon der Bibel geschafft und trotzdem wird klar:
Henoch war ein Prophet Gottes und warnte die Menschen vor der kommenden Strafe.
Auch Jesus kommt bald wieder, aber dann nicht um zu retten, sondern um die zu vernichten und die zu richten, die weiter auf dem Weg Kains unterwegs sind.
D.h. wenn du wie Henoch Gott glaubst, dann tu es ihm gleich und warne die Menschen vor dem kommenden Gericht
es ist besser für die Warnung ausgelacht und verfolgt zu werden, als mitanzusehen, wie bekannte Menschen ohne Warnung in das ewige Feuer gehen werden - richtig?
Wie konnte es soweit kommen, dass einer wie Henoch vor einem Gericht Gottes warnen musste?
Damit verlassen wir das Kapitel 5 und steigen ins sechste ein.
Folie
Wir schauen als erstes auf die ersten vier Verse mit dem zweiten Punkt:
2. Tabubruch (6,1-4)
2. Tabubruch (6,1-4)
In diesen 4 Versen wird von der drastischen Vermehrung der Menschheit berichtet.
Dann werden Töchter der Menschen erwähnt, dann Gottessöhne.
Dann wird davon berichtet wie diese Gottessöhne sich die Menschentöchter nahmen und sogenannte “Riesen”, auch Nephilim genannt, daraus entstanden sind, die die Helden der Vorzeit waren...
Mittendirn dann noch die Aussage von Gott, dass er den Menschen eine Frist von 120 Jahren gibt...
Das hier ist ein richtig harter Tobak, es ist eines der schwierigsten Bibelstellen der gesamten Bibel.
Wisst ihr wie sich das angefühlt hat zu verstehen, was die richtige Deutung davon ist?
Folie
Das ist wie, wenn man das erste mal vor dem Kreisverkehr namens Magic Roundabout steht. (Bild). Mehrspurig, 5 Ausfahrten, 5 Kreisverkehre innerhalb eines großen Kreisverkehrs. Alle Wege scheinen richtig, aber nichts macht Sinn.
So ist es mit der Deutung dieser Bibelstelle. Und 2000 Jahre Kirschengeschichte zeigen: Ich bin nicht alleine mit dieser Herausforderung - was mich etwas beruhigt hat.
Worum handelt es sich bei den Töchtern der Menschen und den Gottessöhnen?
Folie
Es gibt mindestens 3 Möglichkeiten abzubiegen, ich mach das mal im Crashkurs:
a. Gefallene Engel
b. Mischehen
c. Könige der Erde
a. Mit den Gottessöhnen können gefallene Engelwesen gemeint sein die sich menschliche Frauen nahmen und dadurch sind die Nephilim entstanden.
die, die das vertreten sehen in Bibelstellen vom Judasbrief und 1. und 2. Petrusbrief, wo von Engeln in Ketten berichtet wird, eine Anspielung auf diese stelle hier. Sie sehen das als den Ausbruch von okkutlischen Phänomänen.
Im Buch Hiob kommt auch das Wort Gottessöhne vor und bezieht sich auf Engel.
Andererseits wirft es die Frage auf, wieso hier im Text Menschen bestraft werden und nicht die Engel.
Und im NT sagt Jesus an einer Stelle deutlich, dass Engel keine Ehen eingehen können. (Mt 22,30).
Mit dieser Engel-Theorie ist das Internet überschwemmt und es gibt viele, die mehr Unfug darüber verbreiten als der Text bei weitem zulässt, also bitte vorsicht walten lassen.
b. Mit den Gottessöhnen können die Männer aus der göttlichen Linie Seths gemeint sein, die Mischehen mit ungläubigen Frauen aus der kainitischen Linie eingegangen sind.
die, die das vertreten sehen, dass bislang die beiden Linien getrennt voneinander lebten bis zu einem Zeipunkt dann Mischehen eingegangen worden sind.
Ein Anhaltspunkt sind die beien Stammbäume. Kains startet einfach mit Kain, aber Seths startet mit Gott selbst - daher deutet man den Ausdruck Gottessöhne hier auf die Nachfahren Seths.
es gibt aber in der Bibel gar keinen Anhaltspunkt dafür, dass das Mischehenverbot bis in die Zeit der Urgeschichte reichte.
und als zweites sehen wird, dass ja alle bestraft werden, nicht nur einzelne.
c. Mit den Gottessöhnen können allgemein Männer gemeint sein, die mehr wollten als ihnen zustand und sich daher viele Frauen nahmen, d.h. sie bildeten Harems und wollten Herrschaftsgebiete ausbauen.
die, die das vertreten verstehen die Söhne Gottes für alle herrschsüchtigen Männer der damaligen Welt.
Jeder Trug das Abbild Gottes mit sich, daher werden sie Söhne Gottes genannt.
Das Problem ist: Wieso die Unterscheidung von Gottessöhnen und Menschentöchter?
Wie dem auch sei, wie ihr merkt, kann man hier überall abbiegen und alles scheint richtig und falsch zu sein. Wichtig ist, zu sehen wo die Betonung liegt:
Die sprache hier im Text passt zu uns Menschen im Allgemeinen:
Folie
Es heißt hier im Text:
Sie sahen - sie begehrten - sie nahmen (6,2)
Kommt euch das bekannt vor? Auch bei Eva, als sie die Frucht nahm: sah sie, begehrte sie und nahm sie. (3,6)
Spätestens mit dem Ausdruck: “sie nahmen sich von allen jene zu Frauen, die sie begehrten”, muss man erkennen, dass es sich hier um Brutalität, willkürliche Frauenwahl und Vielweiberei handeln muss.
Es scheint eine maßlose sexuelle Ausschweifung gegeben zu haben, in der die Frauen ganz als zu beherrschende Objekte der Begierde behandelt wurden.
Und die Söhne die daraus entstanden, die Nephilim, was “Die Gefallenen oder Anfallenden” bedeutet, wurden zu starken, brutalen Kriegern was in maßloser Gewalt endete.
Auch Nimrod wird später als so ein Held bezeichtet wie die Nephilim. Es sind Menschen mit aggresiver Macht und Herrschsucht.
Alle dieser Auslegungen sind bibeltreue Versuche, alle haben ihre Pros und Contras und ich tue mich schwer damit, mich auf eine Festzulegen, auch wenn ich momentan am meisten mit der zweiten oder dritten Auslegung gehen würde, wahrscheinlich eher mit der dritten.
Aber wisst ihr: Im Endeffekt ist das nicht so wichtig! In allen drei Ansichten läuft es auf das selbe Prinzip hinaus und das müssen wir in diesem Kreisverkehrdjungle im Auge behalten:
Es ist das Prinzip sich etwas zu nehmen, was einem nicht zusteht. Grenzen zu überschreiten, einen Tabubruch zu wagen. Es ist unersättliche Neugier aus sündhafter Begierde.
Das Prinzip ist, dass hier etwas Gutes von Gottes Schöpfung in Ungehorsam und sündhaftem Aufbegehren gegen Gott missbraucht wird.
Und wo die Sünde wächst muss Gott den Tod näher rücken lassen und setzt eine Frist von 120 Jahren - solange will er die Menschen noch ertragen, danach ist schluss.
Es ist für mich vernünfitger die 120 Jahre auf die Zeit bis zur Flut zu deuten, da die Menschen noch nach der Flut weit älter als 120 Jahre wurden.
120 Jahre war in etwa die Durchschnittszeit bis eine neue Generation auf die Welt kam - es gab also eine Eingenerationen-Gnadenfrist von Gott. Später mehr dazu.
Um Klartext zu reden:
Ich denke die sexuelle Unmoral und die Gewalt in unserer Zeit steht dem, was damals geschah nicht mehr in Vielem nach.
In den gottlosesten Zeiten entsteht die größte Unmoral.
Wie konnte es zum Holocaust der Faschisten und dem Hungertod von über 60 Millionen der der Chinesischen Kommunisten kommen? - Durch die Gottlose Weltanschauung der Darwinisten und Atheisten - dieses Gottlose Gedankengut hat für viele damals die Maßlosigkeit der Gewalt gerechtfertigt.
Sie haben zusammen mit Nietzsche Gott für tot erklärt und damit einen Tabubruch gewagt der in diese Katasprophe ausuferte.
Wo Gott ausgeblendet wird, feiert man das Böse und hasst das Gute.
Das selbe gilt auch für selbsterdachte Religion, wie wir letzte woche bereits gesehen haben.
Wo der Mensch meint, selbst bestimmen zu können, wer man sein kann, ist man nur knapp davor in die nächste globale Katastrophe zu schlittern.
Und die Gottessöhne machten mit...
Sie vergaßen die Zeit in der Henoch entrückt wurde.
Sie sahen und nahmen sich das, was ihnen nicht gehört und wollten Gott gleich sein.
Und bei uns?
Jedes mal wenn man meint, sich ein Porno anschauen zu müssen oder gewaltverherrlichende Filme oder Spiele reinziehen zu müssen, oder die Frau des Nächsten zu begehren oder vor der Ehe schon ins Bett steigen zu müssen - jedes mal, wenn man meint, dass man das Recht dazu hat, überschreitet man die gottgegebene Grenze von Gut zu Böse.
Man sieht etwas und nimmt etwas was einem nicht gehört. Man sieht es bei anderen und ahmt es nacht. Ein Tabu wird überschritten, viele überschreiten, und neue Grenzen werden gesetzt bis das nächste Tabu überschritten wird. Und so weiter… Wie eine Lawine die klein anfängt und dann zerstörerisch groß wird.
Wir spielen mit der Idee, dass Gefühle wichtiger sind als Wahrheit bzw. noch schlimmer: wir definieren Gefühle als Wahrheit.
Kann Liebe denn Sünde sein? Kann eine Beziehung zu einem Nichtchristen denn Sünde sein wenn man doch liebt? Können echte Gefühle von Mann zu Mann denn Bösartig sein? Kann ein Flirt auf der Arbeit denn falsch sein? Können Pornos so falsch sein?
Egal was du fühlst, egal was du denkst - Wenn Gott sagt: Grenze… dann ist es eine Grenze und wenn Gott sagt: Sünde… dann ist es Sünde. Wahrheit bleibt Objektiv mit dem Wort Gottes.
Und du bist jetzt an der Reihe zu überprüfen, wo du in Gefahr stehst ein Grenzüberschreiter zu sein.
Wenn du nicht wachsam bist und diese Dinge in deinem Leben siegreich beherrschst, wird es dich und deine Lieben um dich herum irgendwann in den Abgrund stürzen.
Habt ihr euch auch schonmal gefragt, wie es Gott wohl geht, wenn er diese Tabubrüche, die Abwärtsspirale des Bösen und des Leids sieht?
Oder habt ihr euch schonmal gefragt, ob Gott das Leid und das Böse in der Welt überhaupt bekümmert?
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Das führt uns zum 3. Punkt:
3. Trauer (6,5-8)
3. Trauer (6,5-8)
Die letzten 4 Verse heute zeigen Gottes Herz.
Gott sieht was geschieht.
Und Gott stellt über den Menschen fest: “Alles Trachten der Gedanken seines Herzens ist allezeit nur böse!”
Dieses Urteil ist von äußerster Schärfe.
Das Herz, also alle Gefühle, Wünsche, Vernunft- und Willensentschlüsse ist durch und durch mit Schlechtigkeit erfüllt. Der Mensch hat gewählt und sich für das Böse entschieden.
Chaos, Anarchie, Kriege, Perversion, Gewalt, sexuelle Maßlosigkeit, Ausnutzung der Schwachen und Kleinen, all das hat seinen Ursprung in der Sünde die so tief im Menschen sitzt, dass man Sünde und Mensch nicht mehr voneinander trennen kann.
Und der Text zeigt uns nun die Vorgänge im Herzen Gottes:
Gott kann über seine Menschen nur noch Kummer, Trauer und heiligen Zorn empfinden.
Und das alles kommt in einer fast zerreissenden Intensität zum Ausdruck, mit dem Satz: “Es reut mich, dass ich sie gemacht habe.”
In diesem Ausdruck liegt eine starke Spannung. Denn wir wissen, dass ein Allweiser und Souveräner Gott nicht wie ein Mensch ist, dass er sich etwas gereuen ließe (1Sam 15,29) und doch kann Gott das Gefühl der Reue sehr wohl empfinden.
Mose versucht hier auf menschliche Weise zu beschreiben was in Gott vorgeht, wenn er sieht was hier auf der Welt abgeht.
Gottes Schmerz zeigt, dass er für uns Empfindungen hat, dass er uns liebt.
Wenn du wissen willst, was in Gottes Herzen vor sich geht, wenn er dich sündigen sieht: Hier im Text hast du die Antwort!
Stören dich deine Sünden auch so wie Gott?
Belasten sie dich auch so, wie es Gott belastet?
Bist du “cool” mit einer Sünde?
Deine Sünden betrüben deinen himmlischen Vater bis ins Innerste.
Es ist so einfach für gerade uns, die wir jeden Sonntag in die Kirche gehen und das Evangelium kennen, dass wir vergessen wie schwerwiegend die Sünden in unserem Leben sind.
Wir machen Gottes Gnade dadurch billig.
Wir denken wir sind gar nicht so schlimm.
Aber der Moment wo du gewissenlos vor Gott sündigst ist er betrübt und zerissen bis ins Herz über jede deiner einzelnen Sünden.
Demut ist angesagt. Umkehr ist angesagt. Bevor es zu spät ist.
Denn irgendwann ist es zu spät:
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Gott kommt hier nämlich zu einem Entschluss:
“Ich will den Menschen … vertilgen!” (6,7)
Liebe Eltern, könnt ihr euch je vorstellen eines eurer geliebten Kinder anzusehen, nachdem es etwas schlimmes getan hat und auszusprechen: “Ich bereue es, dich gewollt zu haben?” Das ist doch unmöglich - aber Gott kommt zu diesem Punkt - er bereute es.
Verstehen wir wirklich, was Sünde für Gottes Herz bedeutet?
Und was Sünde mit unseren Herzen macht?
Gott hat damals alles vertilgt, weggewaschen und er wird es noch ein weiteres Mal tun durch Feuer, wenn das Ende dieses Zeitalters gekommen ist.
Wir dürfen uns hier nicht die Frage stellen, warum Gott jetzt alle vernichten will, sondern wir müssen uns fragen wieso er es so lange nicht gemacht hat.
Es gab nur einen einzigen Grund, warum Gott es überhaupt zuließ, dass der Mensch weiter existierte.
Der Grund liegt nicht im Menschen, sondern in Gott selbst!
Deine Geschichte kann hier enden, mit Vers 7, mit deiner Vernichtung...
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Oder sie endet mit Vers 8:
8 Noah aber fand Gnade in den Augen des Herrn.
Der einzige Grund, warum Gott es zuließ, dass der Mensch weiter existierte, dass es dich und mich als Nachfahren Noahs gibt, liegt in Gottes Gnade!
Noah war der einzige Überrest, den Gott sich bewahrte.
Gott erwählte Noah als neuen Träger der Linie des Retters, der kommen würde, um der Schlange den Kopf zu zertreten.
Noah fand Gnade, er fand die unverdiente Gunst Gottes für sich.
Deine Geschichte kann auch hier enden und nicht in Vers 7.
Noah ist der Vater Abrahams, der Vater Judas, der Vater Davids, der Vater Marias der Mutter Jesu - Noah ist der Träger der Heilslinie.
Als Jesus am Kreuz stellvertretend starb küssten sich Gnade und Gerechtigkeit. Gottes Zorn über die Sünde findet ein Ende in Ihm und Gottes Gnade findet ein Anfang in dir, wenn du daran glaubst.
Wenn du nach dieser Gnade, nach diesem Jesus greifst, gehört die Geschichte aus Vers 8 dir!
Und ab nächste Woche sehen wir mit Peter Töws zusammen, wie diese Heilsgeschichte weitergeht.
Damit kommen wir zum Schluss:
Schluss
Schluss
Wir haben über den Tod geklagt, der sich wie ein Schatten über die Menschheit legte.
Dabei sind wir der Frage nachgegangen ob uns bewusst ist, dass wir sterben werden.
Wir haben über Machtmissbrauch und sexuelle Ausschweifung geklagt, die immer weitere Tabubrüche nach sich zog.
Dabei sind wir der Frage nachgegangen, ob wir in Gefahr stehen diejenigen zu sein, die sehen, schön finden und nehmen, obwohl es nicht uns gehört.
Und wir haben gesehen wie Gott darüber trauert, wenn er sieht wie das menschliche Herz nur noch böse war.
Dabei sind wir der Frage nachgegangen, ob wir auch, so wie Gott, über unsere Sünden trauern.
Als die Dozentin für Geschichte mich damals in Liverpool fragte, wie es soweit kommen konnte mit dem Faschismus und dem Nazideutschland, war die grundlegende Antwort schon längst klar: Weil das Böse nicht vom Menschen zu trennen ist.
Als Historiker kann man sich aber auch eine weiter Frage stellen, die wichtiger ist: Wie konnte es soweit kommen, dass Gott der Vater seinen Sohn eben diesen bösen Menschen, uns, auslieferte und ihn brutal hinrichten ließ und wieso tat der Sohn es freiwillig?
Es gibt nur einen Grund und der liegt nur in Gott:
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10 Darin besteht die Liebe – nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.
Amen.
