Ein Gott, der spricht - Prophetie
Ein Gott, der spricht • Sermon • Submitted • Presented
0 ratings
· 5 viewsJeder Christ sollte ein Prophet sein, dessen Reden von Gott inspiriert wird, um zu ermahnen, ermutigen, lehren und bekehren.
Notes
Transcript
Der Prophet - Was ist ein Prophet?
Der Prophet - Was ist ein Prophet?
Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung. Jeder Mensch hat sein eigenes Leben. Die Anderen sollen ihr Leben ruhig leben, wie sie es für richtig halten. Ich habe meinen Weg und jeder andere geht seinen Weg. Wir haben unsere Wahrheit, unseren Weg und die Menschen um uns herum machen Dinge, die etwas in uns auslösen, aber wir sprechen es lieber nicht an, sondern behalten es für uns. Beziehungsweise sprechen wir darüber, aber nicht mit der Person selbst. In so einer Gesellschaft in der die Individualität eines der höchsten Güter ist, ist es nicht einfach in das Leben anderer hineinzusprechen. Es ist nicht einfach, von einer übergeordneten Instanz zu sprechen, die eine Nachricht für dein Leben hat. Eine Nachricht, ein Wort, dass dich ermahnt, ermutigt, lehrt oder vielleicht sogar bekehrt. Eine Nachricht, die in das Leben anderer hineinspricht. Es wirkt sehr schnell übergriffig. Ich habe kein Problem hier vor euch auf der Bühne anzusprechen, aber im Alltag, im Miteinander ist es sehr schwer. Darum soll es heute aber gehen. Es geht um eine Aufgabe, die jeder Christ in der Gemeinde hat. Es geht um einen Weg, der nicht nur sich selbst sieht, sondern seine Mitmenschen wahrnimmt. Es soll darum gehen, Gott nicht nur für sich, sondern für andere zu hören, denn jeder Christ sollte ein Prophet sein.
Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!
Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt –
vor allem aber danach, als Prophet zu reden.
Wir sollen danach streben als Propheten zu reden. Wir sollen in das Leben anderer Menschen hineinsprechen. Das ist ein Brief den Paulus an die Gemeinde in Korinth geschrieben hat. Diesen Brief schreibt er nicht, an die geistlichen Leiter der Gemeinde, sondern dieser Brief wird in der ganzen Gemeinde vorgelesen. Er richtet sich nicht an eine geistliche Elite, die prophetisch reden soll, sondern an die ganze Gemeinde. Er richtet sich an dich und mich. Wir sollen prophetisch reden. Wir sollen Propheten sein. Du sollst ein Prophet sein. Gott möchte durch mich reden. Sprecht das einmal mit mir: Gott möchte durch mich reden. Wer würde von sich sagen, dass er ein Prophet ist? Warum wir das von uns nicht sagen, hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Der erste ist, dass wir ein Bild von Prophetie haben, dass hier nicht gemeint ist. Wir denken dabei an Menschen, die die Zukunft voraussagen. Propheten sind so etwas wie christliche Wahrsager, die sagen was in den nächsten Tagen, Monaten oder Jahren passieren wird. Sie wenden sich an ein ganzes Volk und zeichnen Schreckens- und Sehnsuchtsorte. Es ist riesig. Es ist unüberschaubar. Es ist überfordernd, ein Prophet zu sein. Das ist es aber nicht, von dem Paulus hier schreibt.
Wer dagegen als Prophet redet,
spricht zu den Menschen.
Er baut die Gemeinde auf,
er ermutigt die Menschen und tröstet sie.
Ein Prophet spricht zu den Menschen. Ein Prophet sieht den Einzelnen. Er sieht die Gemeinde. Er baut die Gemeinde auf. Er trägt dazu bei, dass die Gemeinde geistlich und nummerisch wächst. Er ermutigt die Menschen. Er sieht, wo sie stehen und was sie bewegt. Er zeigt ihnen auf, wo ein anderer Weg sinnvoll ist oder bestärkt sie auf ihrem Weg. Er nimmt ihr Leid wahr, und spricht ihnen trost zu. Ein Prophet ist nicht der Superchrist. Ein Prophet ist ein Christ, der seine Mitchristen wahrnimmt. Er kennt sie. Sie sind ihm wichtig. Und er möchte ihnen etwas von Gott mitgeben.
Der Weg der Liebe - Wie werde ich ein Prophet?
Der Weg der Liebe - Wie werde ich ein Prophet?
Der zweite Grund ist, dass wir oft nicht wissen wie. Wie werde ich ein Prophet und wie spreche ich die Dinge an, die mir auffallen? Ich möchte dafür noch einmal auf einen Vers zurückkommen, den ich vorher vorgelesen habe:
Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe!
Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt –
vor allem aber danach, als Prophet zu reden.
Wir sollen unbeirrt auf dem Weg der Liebe bleiben. Der Weg der Liebe ist der Weg mit dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist macht uns zu Propheten. Gott selbst macht uns zu Propheten, denn er möchte durch mich reden. Sprecht es noch einmal mit mir: Gott möchte durch mich reden. Beim Weg der Liebe kommt bei mir gleich wieder der Induvidualismus hoch. Die Liebe kann sich ganz unterschiedlich ausdrücken. Sie hat in jedem Leben einen ganz eigenen Weg. Jeder fühlt sich zu jemand anderem hingezogen. Die romantische Liebe ist aber nicht damit gemeint. Es geht um einen Weg, auf dem wir als Christen alle unterwegs sind. Ein Weg, der ganz am Anfang der Geschichte Gottes mit dieser Welt begonnen hat und bis heute weiter geht. Es ist der Weg, der die Gottes- und Nächstenliebe über alles stellt. Es ist ein Weg, der davon ausgeht, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist. Ein Geschöpf, das wertvoll und geliebt ist und auch so behandelt werden sollte. Genau da ist der Knackpunkt, an dem sich unser Weg miteinander vereint und in dem prophetisches Reden wichtig wird, denn in der Theorie ist Wertschätzung und Liebe sehr schön. In der Praxis ist es aber umso schwerer. An dem Punkt, wo wir Liebe und Wertschätzung so leben wollen, wie es dem Weg der Liebe entspricht, wird es geistlich. Dort braucht es mehr als unseren Willen. Dort braucht es einen Geist, der nicht menschlich ist. Ich erlebe Christen, die die Wahrheit in Anspruch nehmen, um verletztende Dinge zu sagen. Ich erlebe Christen, die alles kritisch beäugen und keine wertschätzende Art für Andersdenkende finden. Ich erlebe Christen, die gegeneinander einen heiligen Krieg führen, anstatt miteinander unterwegs zu sein. In den Momenten, wo uns die Liebe und Wertschätzung fehlt, braucht es einen Geist, der nicht menschlich ist, denn unser menschlicher Geist ist begrenzt. Er ist begrenzt durch die Liebe, die wir nicht erfahren haben. Er ist begrenzt durch die Wertschätzung, die uns nicht zugesprochen wurde. Er ist begrenzt durch die Fehler, die uns nie vergeben wurden oder die wir nicht vergeben konnten. Der Heilige Geist befreit uns von diesen Begrenzungen. Er zeigt uns diese Grenzen auf und hilft uns sie zu überwinden.
Das Wort der Liebe - Wie kann mein Reden von Gott inspiriert werden?
Das Wort der Liebe - Wie kann mein Reden von Gott inspiriert werden?
Diese Grenzen betreffen aber nicht nur uns. Diese Grenzen finden sich im Leben eines jeden Menschen. Genau das ist es, was Prophetie aufzeigt und wofür sie dient: Die Grenzen der Liebe und Wertschätzung werden deutlich gemacht. Das ist es, was prophetisches Reden bewirken soll. Sie zeigt auf, wo wir vom Weg der Liebe abkommen. Sie zeigt, wo wir von Gott abkommen. Es kann sein, dass wir auf einem falschen Weg unterwegs sind. Es kann sein, dass wir unsere Kraft auf dem richtigen Weg verlieren. Es kann sein, dass wir uns in uns selbst verfangen. Wo wir dem Weg der Liebe folgen, können wir erleben, dass unser Reden von Gott inspiriert wird. Dort dürfen wir uns trauen, in das Leben von Menschen zu sprechen, denn es geht uns nicht darum andere bloßzustellen. Es geht uns nicht darum, einfach unsere Meinung in einem geistlichen Deckmantel zu verkünden. Es geht uns darum, dass Wertschätzung und Liebe wächst. Ich habe schon oft erlebt, dass unter dem Deckmantel der Geistlichkeit persönliche Meinungen als Gottes Wort verkündet wurden. Ich selbst stehe ja bei jeder Predigt auf dem schmalen Grad zwischen Prophetie und Selbstoffenbarung. Manchmal ist das auch schwer auseinander zu halten. Woran wir erkennen, ob wir prophetisch und persönlich gesprochen haben, beschreibt Paulus das folgendermaßen:
Das gilt auch für euch.
Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes.
Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen.
Davon könnt ihr nicht genug haben.
Wir sollen die Gemeinde aufbauen. Die Prophetie ist eine Gabe, die uns aufbauen soll. Sie soll dazu führen, dass wir geistlich wachsen. Sie soll uns gegenseitig in Verantwortung rufen. Sie soll die Liebe in der Gemeinde wachsen lassen. Wenn die Prophetie mehr Raum in der Gemeinde einnimmt, dann werden wir erleben, wie Menschen ihre Verantwortung wahrnehmen. Menschen werden ermutigt und aus Gottvertrauen leben. Menschen werden Trost in Trauer finden. Menschen werden zum Glauben kommen und sich taufen lassen. Neulich sprach ich mit jemandem aus der Gemeinde, der mir sagte, wie er die Gemeinde wahrnimmt und ohne es vielleicht selbst zu wissen, ein prophetisches Wort für unsere Gemeinde hatte. Er hat gesagt, dass es an der Zeit ist, dass die Gemeinde für uns alle wichtiger wird, so wie sie es für unsere Eltern war und ist. Die Gemeinde muss eine höhere Priorität für uns haben, damit wir als Gemeinde vorankommen. Ich fand das sehr stark und noch stärker als ich später in mein Mailpostfach geguckt habe und eine Nachricht von der Schule hatte, dass sie uns ermöglichen wollen, jeden Sonntag hier Gottesdienste zu feiern. Ich dachte mir: Wenn wir als Gemeinde dieses Wort annehmen, dann kann das was werden. Und so passiert das, was wir gemeinsam schon öfter miteinander gesprochen habe, aber jetzt in anderer Form: Gott redet durch mich. Sagt es mit mir: Gott redet durch mich.
Meine Liebe - Was passiert, wenn ich als Prophet rede?
Meine Liebe - Was passiert, wenn ich als Prophet rede?
Wenn wir alle zu Propheten werden, dann hat das aber nicht nur Einfluss auf uns. Wir werden als Gemeinde geistlich wachsen. Wir werden einen liebevollen und wertschätzenden Umgang in der Gemeinde erleben. Wir werden auch erleben, wie Menschen zum Glauben kommen:
Oder alle in der Gemeinde reden als Propheten.
Wenn jetzt ein Ungläubiger oder Unkundiger dazukommt,
fühlt er sich von allen zur Rechenschaft gezogen.
Er weiß sich von allen geprüft.
Was in seinem Herzen verborgen ist,
kommt ans Licht.
Er wird sich niederwerfen, Gott anbeten und bekennen:
»Gott ist wirklich mitten unter euch!«
Propheten bewirken in der Gemeinde, dass Gott wahrnehmbar wird. Gott wird real, durch das, was gesagt wird. Gott wird real durch das was du sagst. Das Herz der Menschen wird angesprochen. Ihr Innerstes wird aufgedeckt. Es ist der Übergang vom Individualismus zur Gemeinschaft mit Gott. Wir hatten einen jungen Mann hier, der nach einigen Gottesdiensten zu mir kam und gesagt hat: Wenn ich hier bei euch bin, dann spüre ich einen Frieden, wie ich ihn sonst nie in meinem Leben habe. Ich fühle mich hier aber fehl am Platz, weil hier alle ihr perfektes, kleines Familienleben haben und das hat Nichts mit meiner Realität zu tun. Er hat erlebt, was der Glaube bewirkt. Er hat den Frieden Gottes gespürt, aber er hat Gott nicht erlebt. Prophetie ist nicht der Schlüssel dazu, dass jeder Mensch den wir kennen zum Glauben kommt. Es ist aber ein Teil des Weges der Liebe, der Gott durch Ermahnung, Ermutigung und Trost erfahrbar werden lässt. Das ist es, was die Menschen brauchen. Ermahnung muss uns keine Angst machen, wenn sie das Beste für uns im Sinn hat. Ermutigung müssen keine frommen Floskeln sein, wenn sie uns wirklich im Blick haben. Trost muss nicht unangenehm sein, wenn er von Herzen kommt. Gott möchte, dass wir Propheten sind. Er wünscht es sich, denn das Herz eines Propheten ist gefüllt von Liebe für Gott und für seine Mitmenschen. Gott redet durch mich. Sprecht es mir nach: Gott redet durch mich. Was wäre, wenn wir als Gemeinde so miteinander reden würden? Das wollen wir miteinander erleben. Wir werden nach unserer nächsten Lobpreiszeit einen Moment haben, in der wir Raum geben wollen, wo ihr zu Wort kommt. Vielleicht hat Gott euch etwas aufs Herz gelegt. Vielleicht etwas, das für deine ganze Gemeinde gedacht ist, dann kommt gerne nachher nach vorne. Vielleicht hat er euch etwas auf Herz gelegt für jemand anderen aus der Gemeinde. Dann geht nach dem Gottesdienst auf ihn oder sie zu. Lasst uns Propheten sein. Gott redet durch dich. Amen.
