Predigt - Die Frucht des Geistes 2
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Einführung
Einführung
Ich hatte es zwar nicht geplant, denn die Prediger für die Sonntage im März standen schon fest, als wir die Predigtreihe beschlossen haben. Daher hatte ich es - wie gesagt - nicht geplant. Aber ich war ganz froh, dass ich nicht über “Geduld, Freundlichkeit und Güte” predigen musste. Man predigt ja nicht gerne über Dinge, die einen selbst noch zu sehr betreffen … Und da war es doch besser, dass Sigi Paulat darüber predigen sollte. Obwohl er mir im Vorfeld sagte, dass er sich auch gefragt hat, warum er gerade diese Begriffe bekommen habe, mit denen er selbst so seine Schwierigkeiten habe.
Nun ist Sigi ja leider kurzfristig ausgefallen. Ich vermute, dass er im Livestream zusieht oder die Predigt später nachhört. Daher auch an dieser Stelle von mir noch einmal gute Besserung! Und vielleicht können wir ja die Gedanken, die du dir schon zu dieser Predigt gemacht hast, später noch einmal in einer anderen Predigt hören? Schließlich kann ich heute ja nicht so ausführlich auf diese drei Begriffe eingehen, weil ich ja insgesamt sechs Begriff habe ...
Jetzt muss ich also doch auch über Geduld, Freundlichkeit und Güte sprechen … :-) - und musste mich in der Vorbereitung damit auseinandersetzen.
Die Predigtreihe selbst sollte ja die Frage beantworten, woran man uns als Christen eigentlich erkennen soll. Was uns auszeichnen soll. Für was wollen wir einmal bekannt sein? Was soll man einmal über uns und unser Christsein sagen? Und das sowohl im Blick auf uns ganz persönlich, als auch im Blick auf uns als Gemeinde.
Wenn wir nach Altenkirchen gezogen sind - was wird Wölmersen dann fehlen? An was werden sich die Menschen erinnern, wenn sie an uns denken? Und für was wollen wir in Altenkirchen bekannt werden? Was soll uns auszeichnen? Das neue, schöne Gebäude? Die coolen Gottesdienste, die tolle Musik, die technisch hervorragende Ausstattung ...? Oder vielleicht doch eher, dass wir Jesus wiederspiegeln, ihn groß machen, seinem Wesen immer ähnlicher werden?
Wir haben uns als Älteste schon oft darüber Gedanken gemacht, wie wir auf der einen Seite den Neubau und die ganzen Neustrukturierungen wirklich feiern und voranbringen können, ohne dass wir dabei den Kern, das Eigentliche unseres Glaubens hintenanstellen oder gar aus den Augen verlieren. Darum diese Predigtreihe. Darum diese Beschäftigung mit dem, was Paulus die Frucht des Geistes nennt. Denn - um es einmal ganz deutlich zu sagen - wenn wir Christen nicht dafür bekannt sind, dass wir das Wesen von dem widerspiegeln, dem wir nachfolgen, dann ist das alles nichts. Um noch einmal die Rechnung zu zitieren, die Jonathan in seiner Predigt über die Liebe aufgemacht hat: 1000x500x200x0=0!
Paulus zeigt uns in Gal 5,22-23, was wirklich zählt. Nicht unser Tun, nicht unsere Veranstaltungen, nicht unsere Leistungen, sondern nur das, was Gott durch seinen Geist in unserem Leben hervorbringt. Die “Frucht des Geistes”. Ich lese uns zunächst noch einmal diesen Text:
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung;
Drei Aspekte werden in diesem Abschnitt angesprochen: 1. Woran sollte man Christen erkennen? Christsein nach außen - Liebe, Freude Friede. Darüber hat Lisa Klotz vor 14 Tagen gepredigt, 2. Was sollte unser Miteinander prägen? Christsein nach innen - Geduld, Freundlichkeit, Güte (eigentlich Sigi) 3. Was sollte meinen Alltag prägen? Christsein, was kennzeichnet es? - Treue, Sanftmut, Selbstherrschung. Dabei ist interessant, dass diese Gliederung in drei Aspekte mit jeweils drei Begriffen schon sehr alt ist, denn im griechischen Text werden diese drei Begriffe jeweils mit einem Komma voneinander getrennt. Also: Liebe - Freude - Friede / Geduld - Freundlichkeit - Güte / Treue - Sanftmut - Selbstherrschung.
Heute wollen wir uns mit den Aspekten zwei und drei beschäftigen, also mit den Fragen, woran man Christen erkennen sollte und was meinen Alltag als Christ prägen sollte. Einsteigen aber möchte ich noch einmal mit einer eher grundsätzlichen Frage, die ich schon in meiner Einführungspredigt vor drei Wochen angesprochen habe. Paulus spricht hier ja von der “Frucht des Geistes”, also von etwas, was Gott durch seinen Geist in mir bewirkt. Was hat das jetzt mit mir zu tun? Oder anders gefragt: kann ich dafür eigentlich irgendetwas tun? Oder ist es nur Gott, der diese Frucht bewirkt?
1. Die Frucht des Geistes - und ich?
1. Die Frucht des Geistes - und ich?
Du gehst in einen dunklen Kellerraum. Fensterlos. Du tastest nach dem Lichtschalter und drückst ihn. Aber nichts passiert. Es bleibt dunkel. Woran kann das liegen? Und was machst du?
Wahrscheinlich gehst du zunächst einmal zum Sicherungskasten. Vielleicht ist ja die Sicherung herausgeflogen. Eigentlich müsstest du sogar noch einen Schritt weiter zurückgehen und zunächst einmal klären, ob dein Haus überhaupt an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist. Denn das ist ja die Grundvoraussetzung. Und natürlich, dass der Strom gerade nicht abgeschaltet ist. Dann klärst du in einem zweiten Schritt, ob dieser Strom, der da in dein Haus kommt, auch in dem Kellerraum ankommt. Und wenn das alles geklärt ist - Strom ist da, Sicherung ist drin - dann ist es vermutlich die Birne, die kaputt ist und ersetzt werden muss.
Und dann, wenn das alles geklärt ist und du jetzt wieder den Lichtschalter betätigst - wird es auf einmal hell in deinem Kellerraum.
Ich finde, das ist ein sehr gutes Bild dafür, wie das auch mit dem Heiligen Geist und der Frucht des Geistes ist. Da ist zunächst einmal die grundsätzliche Frage, ob dieser Geist überhaupt schon in deinem Leben angekommen ist. Bist du - im Bild gesprochen - an das Stromnetz angeschlossen? Hast du dich selbst schon auf Gottes großes Angebot der Versöhnung eingelassen? Hast du Vergebung deiner Schuld erfahren und bist du dadurch zu Gottes Kind geworden? Ist dein Leben angeschlossen an das Stromnetz des Heiligen Geistes? Das geht für keinen von uns automatisch! Auch nicht, wenn deine Eltern Christen sind und in der Gemeinde aktiv und du von klein auf in die Gemeinde mitgegangen bist. Jeder Mensch muss das einmal für sich ganz persönlich entscheiden. So wie jedes Haus einen eigenen Stromanschluss braucht, musst du ganz persönlich Gott in dein Leben einladen und ihm die Kontrolle über dein Leben übergeben.
Diese Frage muss - wie gesagt - jeder für sich selbst beantworten. Ich will dir kurz einen Moment Zeit geben, um darüber nachzudenken. Ist der Heilige Geist schon in dein Leben gekommen? Bist du angeschlossen an dieses “Stromnetz”?
Pause
Wenn du diese Frage für dich grundsätzlich geklärt hast, dann geht es jetzt sozusagen um den nächsten Schritt. Dieser Heilige Geist, diese göttliche Energie, muss in deinem Leben in alle Bereiche hineinkommen. Paulus drückt das in V.16 so aus: “Lebt im Geist” und in V. 25 sagt er: “Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.” Und in Eph. 5,18 schreibt Paulus: “lasst euch vom Geist erfüllen”.
Im Bild: wenn es keine Stromleitung gibt, die deinen Kellerraum mit dem Stromnetz verbindet, geht auch keine Lampe dort an. Das Gleiche gilt, wenn die Stromleitung irgendwie unterbrochen ist - es bleibt dunkel. Wenn es also Bereiche in deinem Leben gibt, in denen du keine Veränderung erlebst, in denen nichts zu spüren ist von der Kraft des Heiligen Geistes, der dich voranbringt, dann kann es daran liegen, dass du diese Bereiche Gott noch nicht hingegeben hast. Dass du ihm noch nicht gestattet hast, auch diese Bereiche zu durchdringen und dich dort zu verändern. Denn Gott drängt sich nie auf. Er wartet immer darauf, dass du ihn einlässt. Dass du ihm die Tür öffnest.
Gibt es solche Bereiche in deinem Leben, in denen du Gott noch nicht die Herrschaft übergeben hast? Vielleicht der Bereich deiner Freizeit? Der Bereich deines Geldes? Der Bereich deiner Ehre? Der Bereich deiner Sexualität? - Auch hier möchte ich dir einen Augenblick Zeit geben, darüber nachzudenken. Und wenn dir ein solcher Bereich einfällt, dann sag es Gott doch einfach im Gebet. Erlaube Gott, auch in diesem Bereich deines Lebens die Herrschaft zu übernehmen.
Pause
Wir haben jetzt darüber nachgedacht, was ganz grundsätzlich wichtig ist, damit Gott durch seinen Geist auch in uns die Frucht wirken kann, von der Paulus hier spricht. Aber ich möchte noch einen letzten Gedanken grundsätzlicher Art hier sagen. Lisa hat das in ihrer Predigt auch sehr schön deutlich gemacht. Denn die Dinge, von denen Paulus hier spricht, sind nicht nur “Frucht des Geistes”, sondern die Bibel fordert uns auch an vielen Stellen aktiv dazu auf, das zu tun.
So fordert schon das Alte Testament, dass wir unseren Nächsten lieben sollen. Und Jesus weitet das noch aus auf unsere Feinde. “Liebet eure Feinde”, sagt er. Liebe ist also nicht nur die erste und entscheidenste Frucht des Geiste, sie ist auch etwas, was wir aktiv tun sollen. So, wie du den Lichtschalter betätigen musst, um das Licht anzumachen, so wartet Gott auch auf deine Entscheidung und dein Tun. Gott will immer mit uns wirken, nicht nur an uns. So schreibt Paulus z.B. in Kolosser 3,12: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;“ Das ist aktiv: Zieht an! Zum Teil sind es die gleichen Begriffe, die in unserem Text die “Frucht des Geistes” sind, von denen Paulus uns hier auffordert, dass wir sie anziehen sollen.
Vielleicht erinnert sich manch einer noch an unsere Predigtreihe zum “geistlichen Wachstum”. Ein Grundsatz aus dem Buch “Wachstum ist kein Zufall” von Markus Schmidt, mit dem wir uns damals beschäftig haben, lautete: “Geistliches Wachstum geschieht automatisch, aber nicht zufällig”. Das kann man auch für die Frucht des Geistes sagen. Sie wächst automatisch, denn sie ist ja das, was Gott in uns bewirkt und hervorbringt. Und doch wächst sie nicht zufällig und ohne unser Mitmachen. So, wie die Jünger Jesus ihre fünf Brote und zwei Fische geben mussten, damit er damit 5000 Menschen sattmachen konnte, so wartet Gott auch darauf, dass wir aktiv daran mitarbeiten, so dass er durch seinen Geist in uns das bewirken kann, was wir selbst niemals könnten.
Schauen wir uns nun zunächst einmal an, woran man nach Gal. 5,22f uns Christen erkennen sollte:
2. Woran man Christen erkennen sollte
2. Woran man Christen erkennen sollte
Drei Aspekte der Frucht des Geistes sind es, von denen Paulus hier spricht: Geduld, Freundlichkeit und Güte. Ein paar Gedanken zu diesen Aspekten:
Geduld
Wer von euch würde von sich selbst sagen: “Ich bin eigentlich ein sehr geduldiger Mensch”? Also ich jedenfalls nicht. Geduld ist nicht meine Stärke. Schon während meines Studiums hatte ich das erkannt. Ich erinnere mich noch, wie ich einmal bei einem Spaziergang in der Nähe meiner Wohnung in Riehen bei Basel gebetet habe: “Herr, hilf mir, geduldiger sein zu können. Lehre mich Geduld.”
Ganz ehrlich - das hätte ich nicht beten sollen … :-) Gott nimmt unsere Gebete nämlich sehr ernst. Ich weiß nicht, ob es die direkte Folge dieses Gebetes war, aber ich habe in den nächsten Monaten öfter gedacht, dass ich das besser nicht gebete hätte. Denn eigentlich hatte ich gehofft, schon in diesem Sommer heiraten zu können. Ich hatte mir das schön vorgestellt, noch ein Jahr Studium in Basel und das gemeinsam mit Bettina - und dann mussten wir noch ein ganzes Jahr warten … Gott, lehre mich Geduld ...
Geduld - das griechische Wort meint, dass man einen langen Atem hat. Bis heute ist das etwas, woran ich buchstabiere. Denn auch wenn ich es sicher besser gelernt habe und dieser Teil der Frucht gewachsen ist - am Ende bin ich da noch lange nicht.
Wie ist das bei dir? Betest du auch: “Herr gib mir Geduld, aber möglichst schnell ...”?
Da fällt es mir etwas leichter mit dem Aspekt der “Freundlichkeit”. Obwohl - wenn ich mir den griechischen Begriff anschaue, dann stelle ich fest, dass er nicht nur Freundlichkeit, sondern auch “Güte” meint. Es geht hier also um etwas, was meine Beziehung zu meinen Mitmenschen betrifft. Und damit etwas, was gar nicht so selbstverständlich ist. Woran man uns Christen erkennen soll, so habe ich diesen Teil überschrieben. Und Paulus würde sagen: daran, dass du anderen Menschen zugewandt bist. Dich wirklich für sie interessierst und für sie einsetzt.
Der Begriff, der hier für Freundlichkeit steht, ist daher ganz nah verwandt mit dem dritten Begriff, den Luther mit “Güte” übersetzt hat. Man könnte hier auch “Gutes tun” wiedergeben. Die Freundlichkeit zeigt sich darin, dass wir unseren Mitmenschen Gutes tun. Und das in Geduld, denn - wie hat Marcel Achard gesagt - “die Nachbarn sind die Prüfungsaufgaben, die uns das Leben stellt”.
Geduldig, freundlich, zugewandt - so könnte man diese drei Aspekte beschreiben.
Vielleicht bist du schon von Geburt an ein Mensch, den man so beschreiben könnte. Das gibt es durchaus! Ich kenne solche Menschen. Und ich beneide sie oft. Denn mir fällt das manchmal schwer. Das ist also für mich sicher ein Bereich, in dem ich noch Wachstum brauche. Ein Bereich, in dem Gott durch seinen Geist Frucht bringen muss.
Wie ist das bei dir? Auch hier will ich dir wieder einen Augenblick zum Nachdenken geben. Und zum Gebet. Vielleicht traust du dich zu beten: “Herr, gibt mir Geduld” oder “Freundlichkeit” oder “Güte” … Aber sei gewiss: Gott wird ein solches ehrliches Gebet hören und er wird an dir arbeiten! Denn das ist ja etwas, woran man uns Christen erkennen sollte. Eben weil es nicht selbstverständlich ist!
Pause
Wir kommen nun zu den letzten drei Aspekten der Frucht des Geistes.
3. Was meinen Alltag prägen sollte
3. Was meinen Alltag prägen sollte
Luther hat den nächsten Begriff mit “Treue” übersetzt. Und das ist auch durchaus richtig. Aber wenn wir uns das griechische Wort anschauen, dann stellen wir fest, dass “Treue” nur ein Aspekt dieses Begriffes ist. Und noch nicht einmal der häufigste. Denn an den meisten Stellen, an denen dieses Wort im griechischen Neuen Testament steht, wird es mit “Glaube” übersetzt.
Glaube als eine Frucht des Geistes? Glaube ist doch die Voraussetzung für unser Christsein! Das, was am Anfang unseres Lebens als Christ steht! Und damit etwas, was jeder Christ haben muss, damit er überhaupt Christ ist! Wie kann es dann zugleich eine Frucht des Geistes sein?
Ich glaube, dass deshalb die Übersetzung “Treue” an dieser Stelle gar nicht falsch ist. Das Problem ist eher, dass unser deutsches Wort “Glaube” nicht wirklich alle Bereiche dessen wiedergibt, was der griechische Begriff eigentlich meint. Denn Glaube und Treue sind in der Bibel untrennbar eins. Glaube ist ja nicht eine bestimmte theologische Überzeugung zu haben. Glaube ist, dass wir eine Beziehung mit Gott im Himmel haben. Dass er unser Vater geworden ist. Dass wir ihm treu sind. Und dass wir deshalb als Christen auch zuverlässig sind. Übrigens wird deshalb auch von Gott gesagt, dass er “treu” (gläubig ...) ist!
Unser Glaube an Gott muss sich also in unserer Zuverlässigkeit als Menschen zeigen. Und darum geht es hier. Kann man sich auf dich verlassen? Ist dein “Ja” ein “Ja” - oder eher ein “Vielleicht” oder ein “Wenn ich es mir nicht anders überlege” …
Dazu passt auch der zweite Begriff, der hier steht: die “Sanftmut”. Ein treuer Mensch, ein Mensch, der anderen zugewandt lebt und verlässlich ist, ein solcher Mensch soll sich auch dadurch auszeichnen, dass er “sanftmütig” ist. Ich finde, das ist ein sehr spannendes Wort im Deutschen und es gibt auch sehr gut wider, was der griechische Begriff meint. Er bringt zwei Dinge zusammen, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen: “sanft” und “mutig”. Sanftmut - das ist also nicht die Haltung eines Menschen, der sich nicht wehren kann und immer nur nachgibt. Sanftmut ist etwas, was vor allem Jesus uns vorgelebt hat. In Matthäus 11,29 lesen wir: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“
Wenn wir uns Jesus anschauen, dann sehen wir, was Sanftmut ist. Aber Vorsicht! Jesus konnte auch sehr scharf sein! Er war nicht nur sanft, sondern auch mutig. Als er einmal im Tempel war und sah, wie dort Händler Tiere verkauften und Geld wechselten, machte er sich aus Stricken eine Geisel und mit der trieb er die Menschen aus dem Tempel. Er warf die Tische der Geldwechsler um und vertrieb sie aus dem Gotteshaus.
Wir sehen: sanftmütig sein heißt nicht, dass man nicht auch klare Kante zeigt. Dass man alles mit sich machen lässt. Später, im Garten Gethsemane wird deutlich, dass zu dieser Sanftmütigkeit von Jesus ganz viel “Mut” gehörte. Jesus hätte Gott bitten können und der hätte Tausende von Engeln geschickt, um Jesus aus dieser Lage zu befreien. Und Jesus hat den Mut, das nicht zu tun, sondern geht den Weg bis zum Ende. Bis zum Ende am Kreuz. Aber dazu mehr in knapp 14 Tagen an Karfreitag.
Ich hatte ja einleitend gesagt, dass ich ganz froh gewesen war, dass ich ursprünglich nicht die Sache mit der Geduld und der Güte bekommen hatte. Aber wenn ich es mir genau überlege - das mit der Sanftmut fällt mir auch sehr schwer. Vor allem der Aspekt “sanft” ist nicht meine persönliche Stärke und etwas, woran Gott noch arbeiten muss in meinem Leben ...
Das gilt dann aber noch stärker für den letzten Aspekt der Frucht des Geistes, den Paulus anführt. Hier gehen die Übersetzungen sehr auseinander. Luther spricht von “Keuschheit” - ein Begriff, der heute kaum noch verständlich ist und oft eher eine sexuelle Enthaltsamkeit bedeutet. Das ist auch die Übersetzung der Elberfelder Bibel: “Enthaltsamkeit”. Die neue Genfer Übersetzung dagegen hat hier “Selbstbeherrschung”. Ich glaube, das ist die deutlich bessere Übersetzung, denn es geht bei diesem Begriff um viel mehr als um den Bereich der Sexualität. An relativ vielen Stellen kann er mit “Mäßigkeit” oder “Maßvollem Verhalten” übersetzt werden. In dem griechischen Wort ist das Wort für “Kraft” enthalten. Gemeint ist eine Kraft, mit der ich mich selbst zurückhalte, mit der ich mich selbst beherrsche.
Ich will es einmal ganz persönlich machen. Dieser Aspekt ist für mich besonders schwierig. Und zwar vor allem in den Bereichen, an die wir bei der Übersetzung “Keuschheit” oder “Enthaltsamkeit” eigentlich gar nicht denken. Selbstbeherrschung beim Essen, Selbstbeherrschung beim Autofahren, Selbstbeherrschung wenn Menschen mir komisch kommen … Ihr könnt ja nachher mal meine Frau fragen. Sie wird euch bestätigen, dass ich da so meine Schwierigkeiten habe.
Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine Predigt vor drei Wochen. Ich hatte darin die “Frucht des Geistes” mit einem Fass verglichen, das ja aus einzelnen Brettern (sogenannten “Dauben”) zusammengesetzt ist. So, wie die einzelnen Aspekte dieser Frucht in Gal. 5. Und ich hatte gesagt, dass wir als Menschen oft schon von Geburt an in bestimmten Bereichen ganz gut sind. Manche sind schon immer sehr geduldig, andere strahlen eine natürliche Freundlichkeit aus. Und wieder andere sind von Geburt an schon sehr sanftmütig.
Gottes Geist arbeitet an uns, und zwar vor allem an den Dingen, in denen wir eben nicht von Geburt aus schon sehr gut sind. Unser geistliches Wachstum misst sich also nicht an den Dingen, die wir immer schon gut konnten, sondern an denen, in denen wir noch nie gut waren. So, wie man ein solches Fass nur füllen kann bis zur niedrigsten Daube. Danach läuft alles raus, auch wenn andere Dauben sehr viel höher sind.
Geduld, Güte und Selbstbeherrschung - das sind meine Dauben, an denen Gott besonders arbeitet. Wie ist das bei dir? Welche Aspekte der Frucht des Geistes sind in deinem Leben besonders deutlich zu sehen? Und welche müssen sich noch besonders deutlich entfalten? Und auch hier will ich dir noch einmal einen kurzen Augenblick des Nachdenkens geben.
Pause
Fazit
Fazit
Was machen wir nun mit unseren Erkenntnissen zu der Frucht des Geistes? Wie gehen wir damit um, wenn uns unsere Mängel bewusst geworden sind. Schließlich können wir das ja nicht einfach abstellen. Und wenn es die Frucht des Geistes ist, können wir es auch nicht selbst erreichen.
Drei Dinge möchte ich dir heute mitgeben:
Kläre, dass der Geist Gottes schon in dein Leben hinein gekommen ist. Dass du ein Kind Gottes geworden bist. Und wenn das nicht der Fall ist, oder wenn du dir da unsicher bist, dann kannst du gerne mich oder jemand anders aus der Gemeinde, zu dem du Vertrauen hast, ansprechen. Gerne beten wir mit dir und helfen dir, das zu klären und festzumachen.
Kläre, dass der Geist Gottes wirklich in allen Bereichen deines Lebens das Sagen hat. Und wenn dir bewusst geworden ist, dass es bestimmte Bereiche gibt, in denen das nicht der Fall ist, dann geh das an. Gib Gott im Gebet die Herrschaft über dein ganzes Leben, auch über diese Bereiche, die du bisher noch selbst gemanagt hast. Auch hier sind wir gerne bereit, mit dir zu beten und dir dabei zu helfen, dies in Angriff zu nehmen.
Werde aktiv. Auch wenn es die Frucht des Geistes ist, wartet Gott auf deine Bereitschaft und dein Mitarbeiten. Es ist vielleicht nur der Lichtschalter, den du umlegen kannst. Aber darauf wartet Gott. Lies in der Bibel, rede mit Gott, nimm ihn in deinen Alltag hinein - dann wird Gott durch seinen Geist in dir die Frucht hervorbringen, die ihm gefällt. Und dann wirst du - und werden wir als Gemeinde - zu einem Segen für die Menschen in unserer Umgebung. In Wölmersen, in Altenkirchen und wo immer du wohnst.
Amen
