Das Lamm, das verstummt
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Der schweigende Jesus
Der schweigende Jesus
Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Da schrie aber die ganze Menge und sprach: Hinweg mit diesem, und gib uns Barabbas frei! Der war wegen eines in der Stadt vorgefallenen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden. Nun redete ihnen Pilatus noch einmal zu, weil er Jesus freilassen wollte. Sie aber riefen dagegen und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn!
Und zum dritten Mal sprach er zu ihnen: Was hat dieser denn Böses getan? Ich habe keine des Todes würdige Schuld an ihm gefunden. Darum will ich ihn züchtigen und dann freilassen. Sie aber hielten an mit lautem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt werde; und ihr Geschrei und das der obersten Priester nahm überhand.
Bei der Schlachtung Jesu schreien die Menschen, Jesus aber schwieg. Wir wollen heute uns dieses schweigende Lamm vor unser inneres Auge malen und seine Schönheit bewundern.
1. Das Schweigen Jesu ist ein Wunder
1. Das Schweigen Jesu ist ein Wunder
Das Wort schweigt. Wir betrachten in Johannes gerade die Wahrheit, dass Jesus Christus das Wort ist. Das Wort redet. Es ist natürlich, dass es redet. Aber an diesem Punkt schweigt das Wort. Der dessen Name das Wort Gottes ist (Offenbarung) schweigt.
Das Reden ist Gottes Machtwerkzeug. Der, der durch sein Wort Welten schuf, schweigt. Der, der seiner Schöpfung Befehle gibt, schweigt. Es geht gegen seine Natur. Es ist nicht natürlich. Es ist ein Wunder. Das Wort schweigt.
Der, der durch ein Wort seine Situation sofort hätte ändern können, schweigt.
Der, der durch sein Wort nicht nur Dinge ändern kann, sondern auch Neues erschaffen kann, schweigt.
Und als er von den obersten Priestern und den Ältesten verklagt wurde, antwortete er nichts. Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen? Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, sodass der Statthalter sich sehr verwunderte.
Gewöhnlich ist es so, dass Menschen angesichts des Todes schreien. Sie flehen oder sie flennen, sie winden sich und wehren sich gegen das Schicksal.
Jesus ist nicht gewöhnlich. Jesu Schweigen ist ein Wunder.
2. Das Schweigen Jesu ist Demut
2. Das Schweigen Jesu ist Demut
Gewöhnlich ist es so, dass Menschen, die ihre Schuld nicht einsehen, laut nörgeln, zettern oder anfangen viel zu reden.
Wenn der allwissende und gerechte schweigt ist es Demut.
Ich bin die Wahrheit, sagt Jesus. Er kennt alle Wirklichkeit. Er kennt alle Fakten. Er braucht keine Zeugen, um ein gerechtes Urteil zu sprechen. Er schweigt nicht aus Unwissenheit. Er verzichtet aus Demut.
Jesus ist gerecht. Er ist das vollkommene Lamm ohne Sünde. Er hätte das Recht zu reden und sich zu verteidigen. Er verzichtet auf sein Recht aus Demut.
Der, der in der Ewigkeit dienstbare Geister, Engel, um sich her hat. Derjenige, der laut und deutlich Gehorsam verlangen darf, schweigt aus Demut.
“aber er beugte sich”
Ich habe es oft erlebt, dass ein Kind, welches wegen irgend etwas zur Rede gestellt wird, anfängt laut und viel zu reden. Diese wollen nicht schuld sein.
Im anderen Moment steht das Kind ruhig da und und schweigt traurig. Es hat anerkannt, dass es schuldig ist. Es akzeptiert auch eine gerechte Strafe.
Jesus schweigt, weil er die Schuld auf sich nimmt. Es ist Gnade. Damit sind wir beim letzten Punkt.
3. Das Schweigen Jesu ist Gnade
3. Das Schweigen Jesu ist Gnade
Der Allmächtige aber beugt sich. Wäre Jesus so wie ich, würde man schreiben müssen: Er wurde mishandelt, deshalb/dann beugte er sich.
Doch bei Jesus:
Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Das ABER zeigt einen Kontrast auf.
Wer wird hier verwundet? Der, der andere geheilt hat!
Wer wird hier getötet? Der, der andere aus den Toten auferweckt hat!
Wer wird mit dem Stock geschlagen? Der, von dem das Zepter in Ewigkeit nicht weggenommen wird!
Wer wird hier angespuckt? Der, der uns das Leben eingehaucht hat.
Wer einen starken reizt, muss Schläge erwarten. Über den Leviatan heisst es in Hiob
Niemand ist so kühn, dass er ihn zu reizen wagt. – Wer ist denn, der vor mir bestehen könnte? Wer kann mir entgegentreten und ich lasse ihn unversehrt? Alles unter dem Himmel ist mein!
Der König ist zu fürchten wie ein brüllender Löwe;
wer sich seinen Zorn zuzieht, verwirkt sein Leben.
Aber Jesus ist gnädig.
Oder meinst du, ich könnte nicht jetzt meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken?
Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen? Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester begann und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes!
Jesus aber schwieg. Und so durfte der Hohepriester nach Hause und seine Familie sehen. Das Schweigen Jesu hat ihm das Leben erhalten.
Abschluss
Abschluss
Wir wollen heute an diesem Karfreitag besonders an unseren Herrn Jesus blicken. Hoffentlich wird es heute ein ruhiger Tag, frei von Hetze, Stress, Spaß und Ablenkung. Ein Tag des Fastens, des Verzichts. Verzichte auch auf unnötiges Reden. Genieße die Stille, in der der Herr redet. Denke an den schweigenden Jesus.
Ich möchte zum Abschluss ein Gedicht lesen, dann beten wir den Herrn gemeinsam an:
Im Prätorium stehst Du ganz still.
Du, der Schöpfer aller Kreatur!
Ahnungslos der Mensch Gott foltern will!
Und Du wehrst ihm nicht, Du wartest nur!?
Stock und Spucke der Kohorte,
ausgesetzt der wilden Horde,
Gottes Sohn!
Ohne Hass und ohne Droh'n!
Wer von ihnen bliebe unversehrt,
hätte Christus damals sich gewehrt?
Ausgepeitscht und verwundet stehst Du da.
„Welch ein Mensch!“, sprach Pilatus, der Dich sah,
gab Dich frei für den Tod auf Golgatha.
Angenagelt, gottverlassen,
mit der Last der Sündenmasse
hängst Du dort!
Bleibst Dir treu und hältst Dein Wort!
O, wie wäre wohl der Weltverlauf,
hättest Du nicht unsre Schuld gekauft!
Tag für Tag gibst Du uns die Gnadenfrist,
zu erkennen, dass Du doch König bist
und uns Menschen in Zukunft richten wirst.
Für den Spott und Zungenhiebe,
die Verachtung Deiner Liebe,
die uns gilt!
Für das haltlose Gottesbild!
Im Prätorium stehst Du ganz still.
Du, der Schöpfer aller Kreatur!
Ahnungslos der Mensch Gott foltern will!
Und Du wehrst ihm nicht, Du wartest nur!?
