Ein Gott, der verändert - Von blind zu sehend
Ein Gott, der verändert • Sermon • Submitted • Presented
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· 13 viewsOft denken wir, dass wir sehen, obwohl wir blind sind. Deshalb sollten wir eher davon ausgehen, dass wir blind sind, um eine Veränderung von Gott zu erwarten.
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Der Sehende - Was bedeutet es zu sehen?
Der Sehende - Was bedeutet es zu sehen?
Kennt ihr so Sätze, die ein Kompliment und gleichzeitig eine Beleidigung sein können? Ein Satz bei dem es mir so geht ist: Du hast dich ja gar nicht verändert. Äußerlich ein Kompliment, charakterlich eine Beleidigung. Wenn ich jemanden treffe, den ich lange nicht gesehen habe und er mir aufgrund meines Verhaltens sagt: Also du hast dich wirklich gar nicht verändert. Dann trifft mich das. Und vielleicht könnt ihr das gar nicht verstehen. Ist doch super so eine jugendliche Leichtigkeit zu behalten und das mag auch in mancherlei Hinsicht stimmen, aber es gibt auch viele Felder in meinem Leben, in denen ich mir Veränderung wünsche. Ich war früher zum Beispiel sehr verurteilend. Wenn jemand nicht so dachte wie ich, dann lag er falsch. Ich hatte das Gefühl: Ich bin der Sehende unter den Blinden. Ich hatte ein hartes Herz. Es hat sich aber etwas in mir verändert. Durch Brasilien und mein Theologiestudium wurde etwas in mir anders. Mein Herz wurde weicher. Ich habe das Gefühl, dass ich vom Urteilen zum Lieben gekommen bin. Ich wurde mir meiner Blindheit bewusst, was sehr schwer und schmerzhaft war. Ich musste Dinge loslassen und anderen Dingen Raum geben. Das habe ich nicht allein geschafft, sondern etwas bzw. jemand hat das in mir bewirkt: Gott. Gott hat mich verändert. Gott verändert mich und auch dich. Das ist sein Weg mit uns in dieser Welt. Gott ist ein Gott, der Menschen bewegt. Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Menschen durch Gott verändert werden. Ein Mörder wird zum Anführer eines Volkes. Ein Hirte wird zum König. Ein Verfolger wird Nachfolger. Wir glauben an einen Gott, der verändert. Wie macht er das? Das wollen wir uns ansehen. Bis zu den Sommerferien wollen wir darüber nachdenken, wie Gott uns verändert. Und dazu schauen wir uns Paulus an. Paulus war ein gebildeter Mann. Paulus war ein gläubiger Mann. Paulus wusste, was Gut und Falsch war und er tat das Gute. Er war der Sehende unter den Blinden, zumindest dachte er das.
Also, du bezeichnest dich als Jude.
Du verlässt dich auf das Gesetz
und bist stolz, dass du zu Gott gehörst.
Du kennst seinen Willen.
Du kannst beurteilen, worauf es ankommt,
denn das hat dich das Gesetz gelehrt.
Du meinst, du bist ein Blindenführer,
ein Licht für alle, die im Dunkel leben.
Du hältst dich für einen Erzieher der Unverständigen
und einen Lehrer der Unmündigen.
Du bist überzeugt, dass du im Gesetz
die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit besitzt.
Am Anfang dieser Zeilen steht: Du bezeichnest dich als Jude. Wir könnten das für uns genauso gut ersetzen mit: Du bezeichnest dich als wahrer Christ. Oder du setzt einfach deinen Namen ein. Wir können unseren Namen dort einsetzen, denn oft fühlt es sich doch für uns genauso an. Früher hätte ich diese Sätze wirklich für mich mitsprechen können. Man denkt sich: Bin ich eigentlich der Einzige normale hier? Bin ich der Einzige, der versteht? Bin ich der Einzige, der das sieht? Wir blicken von oben herab und denken, dass wir das Licht sind, das leuchtet und aus der Dunkelheit des Unverständnisses führt. Ich bin der, der sieht. Ich bin der, der die Wahrheit hat. Zu sehen heißt, dass wir verstehen, klar sind, beurteilen können und dabei beginnt dort unsere Blindheit. Zu sehen heißt: Ich habe die Erkenntnis. Paulus dachte, dass er alles weiß. Er dachte, dass er sieht. Er war gebildet, kam aus gutem Haus, hatte Einfluss. Er tat das Gute und er kämpfte gegen das Schlechte. In Wahrheit war er blind.
Der Blinde - Was bedeutet es blind zu sein?
Der Blinde - Was bedeutet es blind zu sein?
Paulus kämpfte gegen die Christen. Paulus verfolgte sie. Er führte sie vor Gericht. Paulus war blind vor Wut. Und dann kam der Moment, in dem ihm seine Blindheit bewusst gemacht wurde.
Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt,
umstrahlte ihn plötzlich ein Licht vom Himmel.
Er stürzte zu Boden
und hörte eine Stimme, die zu ihm sagte:
»Saul, Saul, warum verfolgst du mich?«
Er fragte: »Wer bist du, Herr?«
Die Stimme antwortete: »Ich bin Jesus, den du verfolgst.
Doch jetzt steh auf und geh in die Stadt.
Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.«
Den Männern, die Saulus begleiteten,
verschlug es die Sprache.
Sie hörten zwar die Stimme, doch sie sahen niemanden.
Saulus erhob sich vom Boden.
Aber als er die Augen öffnete, konnte er nichts sehen.
Seine Begleiter nahmen ihn an der Hand
und führten ihn nach Damaskus.
Damit Paulus verstand, dass er blind war, musste er erst blind werden. Paulus begegnet Jesus. Demjenigen, den er verfolgt. Demjenigen, gegen den er kämpft. Ein beliebtes Format bei YouTube ist, dass Prominente auf ihre Hater treffen. Sie konfrontieren sie dann und aus Scham werden sie dann meistens ganz kleinlaut. Ihnen wird auf einmal bewusst: Vor mir steht ein echter Mensch. Es ist nicht einfach eine Idee, ein Foto oder ein Profil, sondern ich habe es mit einem Gegenüber zu tun. Aus einer Meinung wird ein Mensch. Hinter den Bildern, hinter den Äußerungen steckt eine Geschichte. Für Paulus wird Jesus auf einmal ein Gegenüber. Dieser Moment ändert alles für Paulus, denn die Menschen folgten keiner Idee. Sie folgten einem Menschen: Jesus. Paulus hat nicht nur böse Kommentare geschrieben oder schlecht gesprochen. Paulus verfolgte Menschen, die an diese Idee Jesus glaubten. Er kämpfte gegen sie. Er stellte sie vor Gericht. Was Paulus getan hat, war hart. Es war brutal. Es war rücksichtslos. Seine Überzeugungen, seine Wahrheit allein war richtig und der Rest wurde niedergemäht. Seine größte Blindheit war nicht, dass er nichts wusste, sondern dass er sich sicher war. Blindheit bedeutet, dass wir uns selbst nicht richtig sehen. Und genau das beschreibt Paulus im Römerbrief:
Doch wieso belehrst du andere,
aber dich selbst belehrst du nicht?
Wieso verkündest du, nicht zu stehlen,
und stiehlst selbst?
Wieso forderst du, die Ehe nicht zu brechen,
und du selbst brichst sie?
Wieso verachtest du die Götzenbilder
und bereicherst dich trotzdem an ihnen?
Du bist stolz auf das Gesetz.
Aber du verstößt dagegen
und raubst damit Gott die Ehre!
Wir sehen sehr gut, aber sind eigentlich blind. Wir sehen sehr gut, wenn es um andere geht. Wir sind blind, wenn es um uns selbst geht. Ich musste verstehen, dass ich selbst nicht erfülle, was ich predige. Ich musste verstehen, dass ich selbst Schuld auf mir habe. Als mir bewusst wurde, dass ich eigentlich blind bin, konnte ich Jesus anders sehen. Ich konnte ihn als Gegemüber sehen. Erst wenn Jesus uns gegenübersteht, erkennen wir unsere Blindheit. Wenn wir Jesus sehen, können wir uns selbst erkennen. Wo bist du blind? Wo kannst du deine Mitmenschen nicht sehen?
Der Lernende - Wieso sollten wir davon ausgehen, dass wir blind sind?
Der Lernende - Wieso sollten wir davon ausgehen, dass wir blind sind?
Es ist kein Problem blind zu sein. Es ist kein Problem, dass wir uns selbst nicht richtig erkennen. Es wird aber zu einem Problem, wenn es uns nicht bewusst ist. Paulus erblindet nicht nur bildlich gesprochen sondern physisch. Er sieht nichts mehr. Er ist mitten auf einer Straße auf dem Weg in eine große Stadt. Er steht jetzt da. Er sieht Nichts. Es ist keine abgerenzte Straße und auch kein abgegrenzter Weg mit Leitplanken an denen er sich festhalten könnte. Links und Rechts von der Straße war einfach nur Steppe. Wenn Paulus einfach weitergelaufen wäre, hätte er sein Ziel nie erreicht. Mein Gefühl ist es, dass genau das oft in unserem Leben passiert. Wir sind vielleicht wie Paulus auf einer Mission. Wir wollen etwas unbedingt. Wir machen uns dann auf den Weg und vielleicht erleben wir dann, dass wir das Ziel so nie erreichen werden. Vielleicht gibt es auch diesen Moment, wo wir Jesus begegnen, seine Stimme hören und dann trotzdem einfach weiterlaufen. Wir laufen weiter und kommen niemals in der Stadt an. Paulus hörte die Worte Jesu. Und er gehorchte ihnen, aber nicht indem er einfach allein weiterging, sondern mit der Hilfe seiner Begleiter. Sie halfen ihm dort anzukommen, wo er hin sollte. Durch sie kam er dort an, wo sein Leben eine ganz neue Wende nahm. Bitten wir unsere Begleiter um Hilfe, wenn Jesus mit uns gesprochen hat und wir verstehen, dass wir blind sind? Bitten wir um Hilfe, wenn wir es selbst nicht schaffen? Bitten wir um Hilfe, wenn wir in Sünde gefangen sind und nicht mehr dort hinauskommen? Ich hoffe es. Ich hoffe, dass wir solche Begleiter in der Gemeinde, im Freundeskreis und in der Familie finden. Das wir Menschen haben, die uns helfen dort anzukommen, wo Jesus uns haben möchte. Ich hoffe, dass wir nicht zu stolz sind, um nach Hilfe zu fragen. Ich hoffe, dass wir nicht zu stolz sind, anzuerkennen, dass wir blind sind. Narah und ich dürften es in den letzten 2 Monaten erleben, was es heißt, dass Menschen zu Begleitern werden, wenn man nicht mehr richtig sehen kann. Als Sofia 2 Monate im Krankenhaus war und wir Angst um ihr Leben hatten, da konnten wir nicht klar sehen. Wir konnten vieles gar nicht mehr wahrnehmen. Wir konnte uns nicht um unseren Sohn so kümmern, wie wir es hätten tun sollen. Ich konnte nicht arbeiten. Das Haus verwilderte. Ich kann gar nicht sagen, was ich in diesen Monaten alles gefühlt habe. Ich habe aber erlebt: Wir haben Begleiter. Wir haben Menschen, die uns helfen ans Ziel zu kommen, auch wenn wir den Weg nicht sehen. Das wart ihr als Gemeinde. Das war meine Familie. Das war Jesus.
Der Veränderte - Inwiefern hilft es blind zu sein, damit Gott uns verändert?
Der Veränderte - Inwiefern hilft es blind zu sein, damit Gott uns verändert?
Wo bist du blind? Wo musst du anerkennen, dass du nicht allein weiter kannst? Meine Erfahrung ist, dass Gott uns verändert, wenn wir uns in seine Abhängigkeit begeben. Als Paulus erlebt, als er in Damaskus ankommt ist eigentlich noch verrückter, als das was vorher passiert ist. Apostelgeschichte 9,9-19
Drei Tage lang war Saulus blind.
Er aß nichts und trank nichts.
In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias.
Dem erschien der Herr
und sagte zu ihm: »Hananias!«
Hananias antwortete: »Hier bin ich, Herr!«
Der Herr sagte: »Steh auf
und geh in die Gerade Straße.
Dort sollst du im Haus von Judas
nach Saulus aus Tarsus fragen.
Er ist dort und betet.
In einer Erscheinung
hat er einen Mann namens Hananias gesehen.
Der kam zu ihm und legte ihm die Hände auf,
damit er wieder sehen konnte.«
Hananias antwortete:
»Herr, ich habe schon viel von diesem Mann gehört.
Er hat deinen Heiligen in Jerusalem viel Böses angetan.
Und jetzt ist er mit einer Vollmacht
von den führenden Priestern hierhergekommen.
Er will alle festnehmen, die deinen Namen anrufen.«
Aber der Herr sagte zu ihm: »Geh nur hin!
Denn gerade ihn habe ich mir als Werkzeug gewählt.
Er soll meinen Namen bekannt machen –
vor den Völkern und ihren Königen
wie auch vor dem Volk Israel.
Ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss,
weil er sich zu mir bekennt.«
Da machte sich Hananias auf den Weg
und ging in das Haus.
Er legte Saulus die Hände auf und sagte:
»Saul, mein Bruder,
der Herr hat mich gesandt –
Jesus , der dir auf dem Weg hierher erschienen ist.
Du sollst wieder sehen können
und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.«
Sofort fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen,
und er konnte wieder sehen.
Er stand auf und ließ sich taufen.
Dann aß er etwas und kam wieder zu Kräften.
Danach verbrachte Saulus einige Zeit
bei den Jüngern in Damaskus.
Ein blinder Paulus kommt in Damaskus an. Aber die Geschichte endet nicht dort. Gott spricht noch zu jemandem: Hananias. Der ihn von seiner Blindheit heilen soll, ist Hananias. Ich kann mir gar nicht vorstelllen, was in Hananias vorging, als er diese Nachricht von Gott bekam. Er wusste wer Paulus war. Er wusste, warum Paulus da war. Paulus wollte die Christen gefangen nehmen und vor das Gericht bringen. Paulus war ein Feind. Hananias war vielleicht sogar froh, dass Paulus nun blind war. Denn Paulus war unfähig seine Mission fortzusetzen. Hananias sollte ihn aber wieder sehend machen. In dieser Geschichte geht es nicht nur um Paulus. Hananias, der Gott schon kannte, zeigt, was passiert, wenn ein Mensch in Abhängigkeit von Gott lebt: Er tut Dinge, die er vorher nicht für möglich gehalten hat. Er soll für seinen Feind beten. Er wurde ein Werkzeug Gottes, dass den blinden Paulus wieder sehend macht. Paulus ließ sich taufen. Blieb bei den Jüngern in Damaskus und von dort aus beginnt die Geschichte des größten Missionars der Menschheitsgeschichte. Diese Geschichte macht mir Hoffnung. Oft habe ich Angst vor Veränderung. Veränderungen sind schwer. Zu erkennen, dass man sich selbst nicht richtig erkennt, tut weh. Zu verstehen, dass man falsch liegt, ist demütigend. Am Ende dieser Blindheit kann aber etwas auf uns warten, dass viel größer und bedeutender ist, als alles woran wir vorher festgehalten haben. Die Mission von Paulus begann erst, als er seine Mission verlor. Paulus konnte erst richtig sehen, als er blind wurde. Sei bereit, deine blinden Flecken anzuerkennen, vielleicht wartet Jesus dort auf dich.
