Ich glaube …

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Gesunder Glaube auf festem Fundament

Kennen alle das Gleichnis vom Hausbau? Auf Felsen oder auf Sand gebaut? Jesus hat dieses Bildwort in der Bergpredigt gebraucht im Bezug auf seine Worte, Gottes Worte. Wir lesen in Matthäus 7,24–27 „Ein jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, fiel es nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleich sein, der sein Haus auf den Sand baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasserströme kamen und die Winde stürmten und an dieses Haus stießen, da stürzte es ein, und sein Einsturz war gewaltig.“
Es kommt also auf das Fundament an. Aber um was geht es da? Die Christen haben mit diesem Bildwort schon immer das christliche Leben verstanden, den Glauben. Was liegt diesem Glauben zugrunde? Was ist christlicher Glaube? Wie sieht der aus? Was ist “Glaube” überhaupt?
Ich wurde gefragt, ob ich nach der Kohelet-Reihe vielleicht über Glaubensgrundlagen predigen könnte. Über Fundamente. Ich habe mir das so überlegt und habe dann eine Eingebung bekommen. Glaubensgrundlagen, also das, was den christlichen Glauben ausmacht, was wichtig ist, es richtig zu haben, wurden schon sehr früh in der Kirche ausformuliert. Von paulinischen Hymnen (vor allem zur Person Jesu Christi; vrgl Phil 2,5-11; Kol 1,15-20; Eph 1,3-14) über Taufbekenntnissen und allgemeinen Glaubensbekenntnissen bis zu den Katechismen aus Rom oder später der Reformatoren. Die Grundlagen finden wir also in diesen Bekenntnissen.
Als eines der ältesten gilt das Apostolikum, das Apostolische Glaubensbekenntnis. Ich musste es damals im Religionsunterricht noch auswendig lernen. Ihr auch? Man kann es in den meisten Kirchenliederbücher finden - so auch in unserem grünen Liederbuch, ganz hinten. Wir wollen uns also in dieser Predigtreihe dem Apostolikum entlanghangeln.

Apostolikum

Lesen wir: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.“
Aber warum sollte man so ein Bekenntnis brauchen? Schon sehr früh entstanden sogenannte Taufbekenntnisse, die bei der Taufe von neu Bekehrten gebraucht wurden. Damit bekannten sie sich öffentlich zum christlichen Glauben - und lösten sich von ihrer heidnischen Religion (Abgrenzung!). Die Taufe selbst galt so als Bestätigung der Aufnahme in den Leib Christi, der Gemeinde, der Kirche, und als Abgrenzung gegen die ungläubige Welt.
Aus einem dieser römischen Taufbekenntnisse wurde das Apostolikum. Man glaubte zuerst, es stamme von den Aposteln, daher der Name. Das stimmt zwar nicht, aber es beinhaltet die Lehre der Apostel. Es ist eines der ältesten und ist seit dem 5 Jh AD belegt. Es beginnt mit “Ich glaube”, “Credo”, also ein persönliches Bekenntnis. Es besteht aus drei Teilen: Den Glauben an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist.
Eine Frage: Für wen ist das Bekenntnis bestimmt? Normalerweise wird es sonntags von Millionen Christen in der ganzen Welt in Gemeinschaft rezitiert. Ist es also nur so ein Interna, eine Geheimformel nur für Eingeweihte, ein Passwort für Erleuchtete, ein Art Ritual oder Ausschmückung der Moderation? Habt ihr es schon mal gehört als Antwort auf die Frage von Ungläubigen oder Interessierten, in einem Austausch oder einer Diskussion: “Was glaubst du denn eigentlich?” oder “Warum gehst du in die Kirche?” Ein Bekenntnis ist doch immer nach aussen gerichtet: Ich gebe meine Zugehörigkeit zu etwas oder jemanden öffentlich bekannt. Das kann risikoreich sein. “Ich bin ein FCSG Fan” ist je nach Ort und Menschenmenge um einen rum ziemlich gefährlich. Auch sich zu dem Gott der Bibel und seinem Sohn Jesus Christus ist mitunter risikobehaftet. Und doch sind wir als Nachfolger Christi aufgerufen, dies auch zu tun (Mt 28,19f; 1. Petr 2,9). Warum nicht auch mal dieses Bekenntnis zu Hilfe nehmen? Ist vielleicht ungewohnt. Aber es hat einen Vorteil: Wir können genau sagen, wir wissen, was und an wen wir glauben.
Aber es ist nicht nur ein “einfaches” Bekenntnis, sondern es sagt auch die Dinge aus, die so in der Bibel stehen. Es wirkt also auch als Abgrenzung gegen andere Religionen, oder Irrlehren. Es definiert den christlichen Glauben. Das ist wichtig. Wir wollen ja auf Stein bauen, nicht auf Sand.
Wir merken uns also für diese Predigtreihe: Es geht um das Fundament unseres Glaubens., das uns hilft, einen reinen, gesunden Glauben zu bilden und zu halten. Im besten Fall lernen wir, Irrlehren zu erkennen. Wollen wir anfangen?

Ich

In der Handelsschule wurde uns im Fach Korrespondenz immer wieder gesagt, man solle einen Brief nie mit “Ich” anfangen. Auf der anderen Seite wird gesagt, dass in Konflikten Ich-Botschaften notwendig sind. Als Christ ist man da im Konflikt, schliesslich will man ja nicht egozentrisch gelten. Und man will ja nicht so reden, wie die Welt redet.
Aber das hier beginnt genau mit diesem ominösen Wort Ich. Und das ist nicht schlimm. Damit ist es in guter biblischer Tradition. Denken wir z.Bsp. an die Psalmisten, die vielfach ihre eigene Not oder ihr Glück vor Gott bringen: Psalm 130,1 „…Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr:“; Psalm 34,2Ich will den Herrn preisen allezeit, sein Lob soll immerzu in meinem Mund sein.“; und viele mehr.
Der Glaube war schon immer persönlicher Natur. Öffentlich, ja, aber persönlich. Ich kann nicht in einer Gemeinschaft mitschwimmen und allein durch meine Mitgliedschaft auf Erlösung hoffen. Gott fordert jeden Menschen persönlich auf, ihm zu glauben und zu gehorchen. Genau darum steht da kein “Wir glauben”. Der persönliche Glaube kann nicht von jemand anderem stellvertretend übernommen werden. Jeder ist selbst für sich vor Gott verantwortlich. Darum “Ich”. Nicht aus egozentrischen Gründen, sondern weil Gott das so vorgesehen hat. Und weil diese “Ichs” sowieso eingebettet sind in der Gemeinschaft der Gläubigen. Bei den Psalmisten war dies der Glauben Israels. Bei uns der Glaube an Christus.
“Ich” - persönlich - öffentlich - eingebettet. Paulus schreibt in 1. Petrus 3,15 „Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung;“ Sozusagen mit eigenen Worten Zeugnis über den eigenen Glauben geben. Wenn die Worte fehlen, könnte man ja das Apostolikum anwenden, nicht?

Ich glaube …

Ein Beispiel: “Glauben heisst: Nicht wissen!” Auch schon mal gehört? Im Alltag kommt uns das so entgegen. “Ich glaube, morgen ist das Wetter gut” oder “Ich glaube schon, dass dieser Pilz nicht giftig ist”. Hier bedeutet glauben so etwas wie vermuten oder annehmen - man weiss es eben nicht genau. In den Gesprächen um den Glauben kommt genau dieser Umstand immer wieder hervor, gell.
Das Glaubensbekenntnis verwendet im Gegenteil das biblische Verständnis von “glauben”. Genesis 15,6 „Und Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.“ Das klingt nicht nach “vermuten”, oder? Das hebräische Ursprungswort für „Glauben“ („aman“, aus dem später unser „Amen“ hervorgeht) meint so viel wie „fest“, „beständig“, „treu“ oder eben „vertrauensvoll sein“. Wenn also Abraham „dem Herrn glaubt“, so geht es gar nicht um seine Meinung, auch nicht um seine Meinung über Gott, oder eine Mutmassung, sondern darum, dass er sich an Gottes Verheißung „festmacht“, ihm vertraut. Der Glaube meint also eine bestimmte Beziehung, ein unbedingtes Vertrauensverhältnis zu Gott. Vertrauen ist ungleich grösser als vermuten. Sind wir uns da einig?
Im NT begegnet uns das beim Hauptmann, der Jesus um die Heilung seines Knechtes bittet: Matthäus 8,8.10 „Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund werden! Als Jesus das hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen, die nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Einen so großen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden!“ Der Hauptmann vertraut auf Jesus, dass dieser das Wunder vollbringen kann. Er glaubt an ihn. Er verlässt sich auf ihn. Das ist der Glaube, den Gott von den Menschen erwartet: Sich auf Gott verlassen, und nur auf ihn, er wird’s gut machen. Das ist der biblische Glaube, der christliche Glaube.
Im Hebräerbrief wird das so beschrieben: Hebräer 11,1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht.“ Es gibt viele Dinge, die sind wirklich, die wir aber mit unseren beschränkten Sinnen nicht erfassen können. So ist unsere Sicht auf Gott nicht klar. Das ist unserer Beschränktheit geschuldet. Wir sind seine Geschöpfe, endlich, begrenzt. In unserer Begrenztheit auf Gott zu vertrauen, ist das, für was Gott uns schon seit jeher vorbestimmt hat.
Das Vertrauen auf Gott ist ein Aspekt des christlichen Glaubens. Ein anderer klingt hier auch schon im Hebräerbrief an. In diesem Kapitel (Heb 11) werden einige wichtige Menschen der Bibel beschrieben, die nicht einfach blindlings glaubten. Z. Bsp. Abraham, der nicht einfach blind glaubte, sondern wusste, auf was er sich einliess: Verheissung auf Land, Nachkommen, Segen. Und es gereichte ihm zur Gerechtigkeit, wie wir vorhin gelesen haben. Auch weitere wie Mose, Noah, Jakob, aber auch Sara oder Rahab. Und bei allen sehen wir: Sie blickten auf Gott, glaubten an ihn und blickten nach vorn. Da ist keine Blindheit, oder Unwissenheit. Die Bibel spricht Klartext, was uns im Glauben und auch im Unglauben erwartet. Glauben ist nicht wissen? Von wegen!
Um es mit einem alten Kirchenlied zu sagen: “Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.”
Ich weiß, woran ich glaube … und darum heisst es im Glaubensbekenntnis auch nicht nur “Ich glaube” sondern “Ich glaube an …” An was genau, werden wir miteinander in der Predigtreihe anschauen. Wir sollten uns genau anschauen, was und an wen wir glauben und uns das verinnerlichen. Nur so gewinnen wir Sicherheit, und ist es uns möglich, Angriffe abzuwehren. Amen
Wir wollen beten, dass Gott in uns einen reinen Glauben (vrgl 2. Tim 1,13) schafft und bewahrt.
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