Eine Frage von Opfern und Tätern

Bibelwoche 2025/2026  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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Eine Frage von Opfern und Tätern

Thema

Begrüßung

Herzlich willkommen zum sechsten Abend unserer Bibelwoche auf Raten.
Wir sind schon ein gutes Stück miteinander durch das Buch Esther gegangen. Wir haben über Ehre, Schönheit und Haltung nachgedacht. Wir haben gefragt, was Mut bedeutet. Und beim letzten Mal stand die Strategie im Mittelpunkt: nicht vorschnell handeln, nicht planlos reagieren, sondern klug, aufmerksam und verantwortlich den nächsten Schritt tun.
Heute wird es noch einmal ernster.
Denn heute geht es um eine Frage, die uns nicht leicht loslässt: Wer ist Opfer? Wer ist Täter? Und was geschieht, wenn Opfer plötzlich wieder Handlungsspielraum bekommen?
Der heutige Abend steht unter der Überschrift:

„Eine Frage von Opfern und Tätern“

Im Text, den wir heute hören, ist Haman bereits gestürzt. Der Täter ist entlarvt. Aber das Unheil ist noch nicht vorbei.
Denn sein tödlicher Erlass ist noch unterwegs. Seine Worte wirken weiter. Sein Hass ist zu Recht geworden. Seine Gewalt hat eine Struktur bekommen.
Und genau das macht diesen Abschnitt so aktuell. Auch heute wissen wir: Ein Täter kann benannt sein — und trotzdem bleiben Wunden. Ein Unrecht kann aufgedeckt sein — und trotzdem wirken die Folgen weiter. Eine Schuld kann sichtbar werden — und trotzdem brauchen Opfer Schutz, Stimme und Gerechtigkeit.
Esther tritt noch einmal vor den König. Sie bittet nicht für sich selbst. Sie bittet für ihr Volk. Sie wird zur Fürsprecherin der Bedrohten.
Und zugleich bleibt der Text herausfordernd. Denn die Rettung geschieht nicht glatt und harmlos. Die Machtverhältnisse kehren sich um. Die Opfer werden handlungsfähig. Und damit stellt sich die Frage: Wie gehen Menschen mit neuer Macht um? Wie wird aus Rettung nicht Rache? Wie wird aus Gerechtigkeit nicht neue Gewalt?
Wir hören heute also eine Rettungsgeschichte — aber keine einfache. Eine Geschichte von Gottes verborgenem Handeln. Von menschlichem Mut. Von notwendiger Gegenwehr. Von offenen Wunden. Und von der Hoffnung, dass am Ende nicht Rache das Ziel ist, sondern Ruhe, Freude und neues Leben.
Lasst uns auch heute aufmerksam zuhören, ehrlich miteinander ins Gespräch kommen und darauf vertrauen, dass Gottes Wort uns hilft, genauer hinzusehen — auf Opfer, auf Täter, auf Mitläufer und auch auf uns selbst.

Losung

Psalm 30,1–13 (BB)

Hoch über alles will ich dich loben, HERR! Denn du hast mich aus der Tiefe gezogen. Du hast meine Feinde nicht über mich triumphieren lassen.
HERR, mein Gott, ich schrie zu dir um Hilfe, und du hast mich wieder gesund gemacht.
HERR, aus dem Totenreich hast du mich geholt und mir ein neues Leben geschenkt. Dabei zählte ich schon zu den Menschen, die hinabmussten ins Grab.
Singt für den HERRN, ihr Frommen! Dankt ihm und denkt daran: Heilig ist er!
Nur einen Augenblick dauert sein Zorn, doch seine Güte umfasst das ganze Leben. Am Abend fließen die Tränen, doch am Morgen herrscht wieder Freude.
Ich aber dachte in meiner Sorglosigkeit: Nichts kann mich umwerfen, nichts in der Welt!
Denn du, HERR, hast in deiner Güte dafür gesorgt, dass ich fest wie ein Berg dastand. Doch dann hast du dein Angesicht verborgen. Da verlor ich vor Schreck jeden Halt.
Zu dir, HERR, rief ich und flehte zu dir, meinem Gott:
»Was hast du denn davon, wenn ich ins Grab hinabmuss? Kann etwa der Staub dir danken? Oder kann er deine Treue verkünden?
Hör mich, HERR, und hab Erbarmen mit mir! Du, HERR kannst mir doch helfen.«
Du hast meine Klage in einen Freudentanz verwandelt. Das Trauergewand hast du mir ausgezogen und mir ein Festkleid angelegt.
Mit Liedern will ich dich loben und nicht schweigen. HERR, mein Gott, für immer will ich dir danken.
Amen.

Gebet

Gott, wir bitten dich um deinen Segen für diesen Abend.
Öffne unsere Ohren für dein Wort, unsere Herzen für deine Wahrheit und unseren Blick für die Menschen, die Schutz, Stimme und Gerechtigkeit brauchen.
Hilf uns, ehrlich hinzusehen: auf Opfer, auf Täter, auf Mitläufer und auch auf uns selbst.
Schenke uns Weisheit im Reden, Achtsamkeit im Hören und Vertrauen darauf, dass du auch im Verborgenen wirkst.
Amen.

Lied GiuG Nr. 7 – Du bist meine Zuflucht und Stärke

Essen

Lied GiuG Nr. 49 – Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg

Bibelarbeit

Wenn Rettung nötig ist — und Befreiung nicht einfach bleibt
Ziel: Die Teilnehmenden entdecken, wie Ester 8–9 von Rettung, Mut, Gottes verborgenem Handeln und der schwierigen Frage erzählt: Was geschieht, wenn Opfer wieder Macht bekommen?
Leitgedanke: Gott gibt Bedrohten Stimme, Schutz und Würde zurück. Aber Rettung soll nicht in Rache enden, sondern in Ruhe, Erinnerung, Freude und Verantwortung.
Diese gekürzte Fassung verdichtet die bisherigen exegetischen Ergebnisse und die von dir eingebrachten Aussagen zu Gottes verborgener Hand, dem Gegendekret, Purim, Opfer- und Täterrollen sowie heutiger Gerechtigkeitspraxis.
1. Starke Einleitung: Der Täter ist tot — aber sein Brief ist noch unterwegs
Haman ist tot. Der Täter ist entlarvt. Man könnte denken: Jetzt ist alles gut.
Aber genau hier beginnt unser Text.
Denn Hamans Vernichtungserlass ist noch unterwegs. Seine Worte sind verschickt. Sein Hass ist zu Recht geworden. Seine Gewalt hat eine Struktur bekommen.
Das ist erschreckend aktuell. Auch heute erleben Menschen: Ein Täter kann weg sein — und trotzdem bleibt das Unheil. In Familien, Institutionen, Gemeinden, Gesellschaften. Nach Gewalt, Missbrauch, Rufmord, Antisemitismus, Rassismus oder Machtmissbrauch ist nicht automatisch alles heil, nur weil jemand bestraft wurde.
Ester 8–9 ist deshalb kein einfacher Happy-End-Text. Es ist eine Rettungsgeschichte mit offenen Wunden.
Der Text fragt uns:
Wie bekommen Opfer wieder eine Stimme?
Wie werden tödliche Strukturen verändert?
Wie kann Rettung gelingen, ohne dass sie in Vergeltung kippt?
Und wo ist Gott, wenn sein Name gar nicht genannt wird?
Im Esterbuch bleibt Gott verborgen. Aber verborgen heißt nicht abwesend. Seine Hand zeigt sich in Wendungen, Zeitpunkten, Mut, Klugheit und Rettung.
Einstiegsfrage: Wo erleben Menschen heute, dass ein Täter zwar benannt ist, aber die Folgen seines Handelns weiterwirken?
2. Textlesung aus der BasisBibel

Textlesung (Ester 8,3–9,19 nach der BasisBibel)

Ester 8,3–9,19 BB
3 Ester aber wandte sich noch einmal an den König. Sie warf sich ihm zu Füßen, weinte und flehte ihn an: »Wende den bösen Plan von Haman, dem Agagiter, ab! Er richtet sich gegen die Juden.« 4 Der König streckte Ester den goldenen Herrscherstab entgegen. Da stand Ester auf und trat vor den König. 5 Sie sagte: »Wenn es dem König gefällt, finde ich dann Gnade bei ihm? Scheint dem König die Sache angemessen? Wenn er meine Meinung für richtig hält, dann soll er eine schriftliche Anordnung treffen: Er soll das Schreiben widerrufen, das den Plan von Haman, dem Agagiter, enthält. Haman, Sohn von Hammedata, hat es nur aufsetzen lassen, um alle Juden zu vernichten – alle, die in den Provinzen des Reichs leben. 6 Wie könnte ich das Unheil mit ansehen, das mein Volk treffen soll? Wie könnte ich das Verderben ertragen, das meine Verwandten erleben sollen?« 7 Da sagte König Xerxes zu Königin Ester und zu dem Juden Mordechai: »Ich habe Ester das Haus von Haman geschenkt. Man hat Haman an den Galgen gehängt, weil er die Juden umbringen wollte. 8 Schreibt ihr nun über die Juden, was ihr für richtig haltet. Schreibt im Namen des Königs! Es muss ein Erlass sein, der im Namen des Königs verfasst ist. Er wird mit dem Siegel des Königs verschlossen und kann nicht wieder zurückgenommen werden.« 9 Dann wurden gleich die Schreiber gerufen. Das war am 23. Tag im dritten Monat, dem Siwan. Die Schreiben wurden genau so aufgesetzt, wie Mordechai es anordnete. Jede Provinz bekam den Erlass in der eigenen Schrift und jedes Volk in seiner eigenen Sprache. Es ging an die Juden, an die Statthalter des Königs und an die oberen und niederen Verwalter der Provinzen – in allen 127 Provinzen von Indien bis Kusch. Auch die Juden selbst wurden in ihrer Schrift und Sprache angeschrieben. 10 Mordechai schrieb im Namen von König Xerxes und versiegelte den Brief mit dem königlichen Siegel. Dann verschickte er die Briefe durch Boten. Sie ritten auf schnellen Pferden aus dem königlichen Stall. 11 Der König erlaubte es den Juden, sich für ihr Leben einzusetzen: Sie durften sich in jeder einzelnen Stadt versammeln. Wenn sie angegriffen wurden, durften sie alle bewaffneten Gruppen ausrotten, vernichten und töten – sogar Frauen und Kinder. Sie durften deren Besitz plündern. 12 Das sollte in allen Provinzen von König Xerxes am selben Tag geschehen: am 13. Tag im zwölften Monat, dem Adar. 13 Von dem Erlass fertigte man Abschriften an, um das Gesetz in jeder Provinz bekannt zu machen. Alle Leute sollten davon erfahren. Die Juden sollten am festgelegten Tag bereitstehen, um sich an ihren Feinden zu rächen. 14 Auf Befehl des Königs machten sich die Eilboten auf, sofort und in großer Eile. Sie ritten auf den königlichen Pferden. Das Gesetz wurde auch in Susa bekannt, in der befestigten Stadt. 15 Mordechai aber verließ den König, ganz in königliche Gewänder gekleidet. Sie waren weiß und violett gefärbt. Dazu trug er einen purpurroten Mantel aus Leinen und eine große goldene Krone. In der Stadt Susa freute man sich und jubelte. 16 Bei allen Juden herrschte große Freude. Sie jubelten, denn sie hatten neues Ansehen gewonnen. 17 In jeder einzelnen Provinz und jeder einzelnen Stadt herrschte große Freude bei den Juden. Sie jubelten überall, wo das Schreiben mit dem Gesetz des Königs galt. Es war ein Feiertag und ein Fest. Viele Menschen aus verschiedenen Völkern der Erde bekannten sich nun als Juden. Sie hatten nämlich Angst vor den Juden bekommen. 1 Es kam der 13. Tag im zwölften Monat, dem Adar. Befehl und Gesetz des Königs sollten ausgeführt werden. Die Feinde der Juden hatten gehofft, die Juden an diesem Tag überwältigen zu können. Es kam aber umgekehrt: An diesem Tag überwältigten die Juden alle die, von denen sie gehasst worden waren. 2 Die Juden versammelten sich in allen Provinzen, in allen ihren Städten im Reich von König Xerxes. Sie griffen die an, die ihren Untergang gewollt hatten. Niemand konnte ihnen widerstehen, denn Furcht vor ihnen hatte alle Leute gepackt. 3 Alle oberen und niederen Verwalter der Provinzen, die Statthalter des Königs und alle Aufseher unterstützten die Juden. Sie hatten Angst vor Mordechai. 4 Mordechai war ein wichtiger Mann am Königshof. In allen Provinzen war er bekannt, und er wurde immer mächtiger. 5 Die Juden rotteten alle ihre Feinde aus, töteten und vernichteten sie. Sie machten das, was sie für richtig hielten, mit jenen, von denen sie gehasst worden waren. 6 Die Juden töteten auch in der befestigten Stadt Susa. Sie brachten 500 Menschen um. 7 Darunter waren auch die zehn Söhne von Haman: Paraschandata, Dalfon, Aspata, 8 Porata, Adalja, Aridata, 9 Parmaschta, Arisai, Aridai und Wajesata. 10 Sie brachten diese Enkel von Hammedata um, weil ihr Vater ein Feind der Juden war. Sie plünderten aber nicht den Besitz ihrer Feinde. 11 Die Zahl der Toten in der befestigten Stadt Susa wurde dem König am selben Tag gemeldet. 12 Da sagte der König zu Königin Ester »In der Festung Susa haben die Juden zugeschlagen. Sie haben 500 Menschen umgebracht, darunter die zehn Söhne von Haman. Was haben sie in anderen Provinzen des Königs getan? Worum bittest du noch? Es soll dir gegeben werden. Und was wünschst du darüber hinaus? Du sollst es bekommen.« 13 Ester bat: »Wenn es dem König recht ist, dürfen die Juden in Susa morgen noch einmal dasselbe tun. Und man soll die Leichen der zehn Söhne von Haman öffentlich am Galgen aufhängen.« 14 Der König antwortete: »So soll es geschehen.« Ein entsprechendes Gesetz wurde in Susa erlassen, und man hängte die zehn Söhne von Haman auf. 15 In Susa versammelten sich die Juden am 14. Tag im Monat Adar ein zweites Mal. Sie töteten in Susa noch einmal 300 Menschen. Den Besitz ihrer Feinde plünderten sie aber nicht. 16 Die anderen Juden in den königlichen Provinzen waren ebenfalls zusammengekommen, um sich für ihr Leben einzusetzen. Jetzt hatten sie Ruhe vor ihren Feinden. Sie hatten 75.000 Menschen getötet, von denen sie gehasst worden waren. Den Besitz ihrer Feinde plünderten sie aber nicht. 17 Das alles spielte sich am 13. Tag im Monat Adar ab. Am Tag danach, dem 14. im Monat, hatten die Juden Ruhe. Sie machten ihn zu einem Tag des Festes und der Freude. 18 Die Juden in Susa kamen am 13. und 14. Tag zusammen. Sie hatten erst am 15. Tag ihre Ruhe. Sie machten ihn zu einem Tag des Fests und der Freude. 19 Die Juden auf dem Land feiern am 14. Tag im Monat Adar. In den Ortschaften ist es ein Feiertag, und es gibt ein fröhliches Festessen. Man schenkt sich gegenseitig etwas zu essen.
Damit genug Zeit zum Gespräch bleibt, empfehle ich keine vollständige Lesung am Stück, sondern eine fokussierte Lesung mit erzählten Übergängen.
Lesung 1: Ester 8,3–8
Ester bittet um Rettung.
Übergang erzählen: Mordechai verfasst ein neues Edikt. Es wird in alle Provinzen gesandt. Die Juden erhalten das Recht, sich zu versammeln und zu verteidigen.
Lesung 2: Ester 8,15–17
Aus Angst wird Freude.
Übergang erzählen: Der 13. Adar kommt — der Tag, an dem Hamans Vernichtungsplan ausgeführt werden sollte. Aber die Situation kehrt sich um.
Lesung 3: Ester 9,1–2.10.16–19
Der Tag der Umkehrung und der Ursprung von Purim.
Nach der Lesung kurze Stille.
Frage nach der Lesung: Welches Wort, welches Bild oder welche Irritation bleibt bei mir hängen?
3. Abschnitt I: Opfer bekommen eine Stimme
Ester 8,3–8
Kurzimpuls
Ester tritt erneut vor den König. Haman ist tot, aber sein Erlass lebt weiter. Darum fällt Ester nieder, weint und fleht.
Sie handelt nicht aus persönlichem Interesse. Sie bittet um Rettung für ihr Volk. Im Hebräischen wird Hamans Anschlag als maḥăšebet bezeichnet — als Plan, Anschlag, Absicht. Gewalt beginnt nicht erst mit der Tat. Sie beginnt im Denken, Reden, Planen und Verwalten.
Ester benennt das Unheil. Sie verweigert die Zuschauerrolle. Sie nutzt ihren Zugang zur Macht für die Bedrohten.
Das ist geistlich stark: Opfer brauchen Menschen, die nicht wegsehen. Und Unrecht braucht mehr als Mitleid — es braucht Fürsprache.
Kernpunkt
Der Tod Hamans reicht nicht. Ein Täter kann gestürzt sein, aber seine Folgen wirken weiter. Darum braucht es Wahrheit, Schutz und neue Ordnungen.
Gesprächsfragen
Warum reicht es nicht, dass Haman bestraft wurde?
Was beeindruckt dich an Esters Auftreten?
Wo wird Schweigen heute zur Mitschuld?
Für wen müsste ich meine Stimme erheben?
4. Abschnitt II: Rettung braucht konkrete Strukturen
Ester 8,9–17
Kurzimpuls
Der König erlaubt ein neues Edikt. Das alte kann nicht einfach aufgehoben werden, aber ihm wird ein rettendes Gegenwort entgegengesetzt.
Die Juden bekommen das Recht, sich zu versammeln und für ihr Leben einzustehen. Hebräisch: ləhikkāhēl wəlaʿămōd ʿal-nafšām — „sich versammeln und für ihr Leben einstehen“.
Das ist mehr als Selbstverteidigung. Es ist Rückgabe von Würde. Aus vereinzelten Opfern wird eine handlungsfähige Gemeinschaft.
Mordechai erscheint in königlicher Kleidung. Für die Juden gibt es Licht, Freude, Jubel und Ehre: ʾôrāh, śimḥāh, śāśôn, yəqār.
Aber auch hier bleibt der Text realistisch: Viele schließen sich den Juden an, weil sie nun Angst vor ihnen haben. Das kann echte Umkehr sein — oder Opportunismus. Nicht jeder Seitenwechsel ist schon Herzenswandel.
Kernpunkt
Gerechtigkeit braucht konkrete Formen: klare Worte, Schutzräume, Öffentlichkeit, Verantwortung und Gemeinschaft.
Gesprächsfragen
Was bedeutet es heute, „für das eigene Leben einzustehen“?
Wo brauchen Menschen nicht nur Trost, sondern Schutz?
Was wäre in unserer Gemeinde ein konkretes „Gegenedikt“ gegen Angst, Schweigen oder Unrecht?
Wo stehen Menschen erst dann auf der richtigen Seite, wenn es nichts mehr kostet?
5. Abschnitt III: Der Tag der Umkehrung
Ester 9,1–19
Kurzimpuls
Dann kommt der 13. Adar. Der Tag, an dem die Juden vernichtet werden sollten. Aber der Text sagt: wənahăfôḵ hûʾ — „Es kehrte sich um.“
Das ist der Schlüssel des Abschnitts.
Die Opfer bleiben nicht ausgeliefert. Sie werden handlungsfähig. Das ist zuerst eine Befreiungsbotschaft: Das Unheil behält nicht das letzte Wort.
Aber der Text ist schwer. Es wird getötet. Hamans Söhne werden öffentlich aufgehängt. Ester bittet in Susa sogar um einen weiteren Tag. Das darf man nicht verharmlosen.
Wichtig ist deshalb die dreifache Bemerkung: An die Beute legten sie ihre Hand nicht. Die Juden nutzen ihre neue Macht nicht zur Bereicherung. Es geht nicht um Plünderung. Und doch bleibt die Frage: Wo endet notwendige Gegenwehr? Wo beginnt Vergeltung?
Das Ziel des Textes ist nicht endlose Gewalt, sondern nôaḥ — Ruhe. Aus Rettung wird Erinnerung, Fest, Freude und Teilen. Daraus entsteht Purim.
Christlicher Spiegel
Christlich gelesen schauen wir von Ester her auf Christus: Die tiefste Umkehrung geschieht nicht durch Gegengewalt, sondern durch Kreuz und Auferstehung.
Aus Tod wird Leben. Aus Schuld wird Gnade. Aus Angst wird Hoffnung.
Dazu passen besonders: Titus 3,4–7; Titus 2,11–14; Johannes 16,33; Römer 8,28–39.
Kernpunkt
Opfer dürfen geschützt werden. Täter müssen benannt werden. Aber Rettung darf nicht in Rache enden. Gottes Ziel ist nicht Vergeltung, sondern Gerechtigkeit, Heilung und Ruhe.
Gesprächsfragen
Was löst der Satz „Es kehrte sich um“ in dir aus?
Wo ist Gegenwehr notwendig?
Wo kann Gegenwehr in Vergeltung kippen?
Warum ist es wichtig, dass die Juden keine Beute nehmen?
Was bedeutet „Ruhe finden“ nach einer Zeit der Bedrohung?
6. Schluss: Was lernen wir über Opfer, Täter und Gottes Gerechtigkeit?
Ester 8–9 lässt uns nicht in einfache Schubladen fliehen.
Haman ist Täter. Der König ist Mitverantwortlicher. Die Beamten sind Mitläufer. Ester wird zur Fürsprecherin. Mordechai bekommt Macht und Verantwortung. Die Juden sind Opfer — und werden zugleich vor die Frage gestellt, wie sie mit neuer Macht umgehen.
Der Text sagt:
Opfer müssen gehört werden. Täter müssen benannt werden. Mitläufer dürfen sich nicht verstecken. Strukturen müssen verändert werden. Macht muss dem Schutz dienen. Rettung soll in Ruhe münden, nicht in Rache.
Drei Lernwege
1. Vom Schweigen zur Stimme
Ester spricht. Sie riskiert etwas. Gemeinden sollen Orte sein, an denen Wahrheit gesagt werden darf — auch unbequeme Wahrheit.
Frage: Wem fällt es bei uns schwer, gehört zu werden?
2. Von der Ohnmacht zur Verantwortung
Die Juden werden nicht nur getröstet. Sie werden geschützt und handlungsfähig. Glaube braucht nicht nur gute Worte, sondern konkrete Schritte.
Frage: Wo brauchen wir als Gemeinde klarere Schutzräume und Verantwortung?
3. Von der Rettung zur Ruhe
Das Ziel ist nicht Triumph über andere. Das Ziel ist Ruhe, Freude, Erinnerung und Teilen.
Frage: Was hilft Menschen nach Verletzung, wieder frei und ruhig atmen zu können?
7. Konkrete Anwendung
Nicht jeder hat Esters Zugang zum König. Aber jeder hat irgendeinen Einfluss: Worte, Beziehungen, Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, Gebet, Verantwortung.
Die Frage ist nicht: Habe ich viel Macht? Die Frage ist: Wie nutze ich den Einfluss, den ich habe?
Im Kleinen
nicht mitlachen, wenn jemand abgewertet wird;
Gerüchte stoppen;
Betroffenen zuhören;
jemanden begleiten;
für jemanden sprechen, der keine Stimme hat;
praktische Hilfe anbieten.
Im Großen
Schutzkonzepte ernst nehmen;
Macht transparent machen;
Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit widersprechen;
diakonische Arbeit stärken;
Strukturen prüfen: Wen schützen sie? Wen übersehen sie?
8. Abschließende Gesprächsrunde
Was nehme ich aus Ester 8–9 neu mit?
Welche Rolle im Text spricht mich besonders an?
Wo brauche ich Mut wie Ester?
Wo habe ich Einfluss, den ich zum Schutz anderer einsetzen kann?
Wo besteht die Gefahr, aus Verletzung bitter zu werden?
Was wäre für uns ein Schritt zu mehr Licht, Freude, Würde und Ruhe?
9. Schlusssatz
Gott ist nicht abwesend, nur weil er verborgen handelt. Er gibt Bedrohten Stimme, Ohnmächtigen Würde und Geretteten Verantwortung. Darum suchen wir Gerechtigkeit — nicht aus Rache, sondern aus Hoffnung.
10. Kurzes Abschlussgebet
Gott, du siehst Opfer, Täter und Mitläufer. Du siehst auch unser Schweigen.
Gib uns Esters Mut, Mordechais Klarheit und ein waches Herz für die Bedrohten.
Hilf uns, Unrecht zu benennen, Opfer zu schützen und Verantwortung zu übernehmen.
Lass aus Angst Vertrauen wachsen, aus Schmerz nicht Rache, sondern Gerechtigkeit.
Führe uns zu deiner Ruhe. Amen.

Lied GiuG 29 – Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin

Gebet

Vaterunser

Segen

Gott, wir danken dir für diesen Abend, für dein Wort, für das Hören, Fragen und Teilen.
Du siehst die Opfer, du kennst die Täter, du vergisst die Mitläufer nicht und du siehst auch unser eigenes Herz.
Segne uns mit Mut, wo wir sprechen sollen. Segne uns mit Weisheit, wo wir handeln müssen. Segne uns mit Barmherzigkeit, wo Wunden heilen sollen. Und segne uns mit Klarheit, wo Unrecht benannt werden muss.
Lass uns Menschen sein, die nicht wegsehen, die Schutz geben, die Wahrheit suchen und Frieden stiften.
So segne und behüte uns der barmherzige und gerechte Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Lied GiuG Nr. 16 – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

GiuG Nr. 56 – Schalom, Schalom, der Herr segne uns
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