Das Team-Mindset

Gewinnen, wenn's zählt  •  Sermon  •  Submitted   •  Presented
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1. Einleitung: Rote Erde und der Traum vom großen Pott

Wir stecken mitten in unserer Predigtreihe „Gewinnen, wenn’s zählt“.
Und wenn wir in diesen Wochen auf die großen Bildschirme schauen, auf die Stadien, die Millionenevents, dann sehen wir die absolute Perfektion.
Durchgestylte Athleten, perfekt einstudierte Spielzüge, High-Tech-Trikots.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin:
Wenn ich an Fußball denke, dann denke ich nicht gleich an die Fußball WM, sondern an etwas völlig anderes.
Dann denke ich auch nicht an die Allianz Arena oder an Wembley.
Ich denke an meine Kindheit.
An Lübeck und meine Freunde.
Da gab es einen alten Ascheplatz.
Rote Erde.
Wer von euch schon mal auf Asche Fußball gespielt hat, weiß genau, wie das riecht – und vor allem, wie sich das anfühlt, wenn man hinfällt und die nächsten drei Wochen die Steine aus den Knien pult.
[Schmunzeln] Aber für uns war das das San Siro von Lübeck.
Wir waren ein riesiger Haufen Jungs in der Grundschule.
Und irgendwann haben wir gesagt: Wir machen unsere eigene Liga.
Es gab keine Trainer, keine Sponsoren, kein Verband.
Wir haben das selbst organisiert.
Jeder von uns hat sein Erspartes geopfert – 5 bis 10 Mark hat jeder in den Topf geschmissen.
Und das Erste, was wir gemacht haben: Wir sind in die Stadt gerannt und haben von dem Geld einen Pokal gekauft.
Einen echten, glänzenden, majestätischen Pokal.
Der stand dann da auf einer Holzkiste am Spielfeldrand.
Wochenlang haben wir gebolzt.
Wir haben zuerst Mannschaften gegründet, einen Spielplan gemacht… und dann haben wir geschwitzt, geschrien, gefeiert.
Es war eine absolut grandiose Zeit.
Und jetzt wollt ihr natürlich wissen, wer den Pokal geholt hat.
Nun… [kurze Kunstpause, lächeln] meine Mannschaft war es nicht.
Wir haben das Ding grandios verfehlt.
Aber wisst ihr, was das Faszinierende war?
Wir haben damals, ohne es zu wissen, eine Lektion gelernt, die viel mehr wert war als dieses Stück Blech.
Wir haben gelernt: Du kannst den genialsten Stürmer der ganzen Schule in deinem Team haben – wenn der den Ball nicht abgibt, verliert ihr gegen die Jungs, die miteinander laufen.
Auf dieser roten Erde in Lübeck ging es um das Spiel, um die Leidenschaft, um das Team.
Da zählte das Miteinander.

2. Das Problem: Wenn das Ego den Albtraum regiert

Wie schnell dieser Geist verloren gehen kann, sehen wir, wenn das eigene Ego die Führung übernimmt.
Und das passiert nicht nur auf dem Bolzplatz, das passiert auf den ganz großen Bühnen des Lebens.
Es gibt eine vierteilige Dokumentation, die es in der ZDF-Mediathek und auf YouTube gibt: „WM 1994 – Elf Helden, ein Albtraum“.
Diese Doku blickt zurück auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA.
Deutschland reiste damals als amtierender Weltmeister an.
Die Mannschaft war vollgestopft mit Weltstars, mit unfassbarem Talent.
Eigentlich die perfekten Voraussetzungen, um zu „gewinnen, wenn’s zählt“.
Doch die WM wurde zu einem sportlichen und menschlichen Desaster, das im Viertelfinale gegen Bulgarien endete.
Und die Dokumentation arbeitet messerscharf heraus, warum:
Weil da zwar elf Genies auf dem Platz standen, aber keine Mannschaft.
Es herrschte ein mörderischer Konkurrenzkampf.
Da gab es die Fraktion um Lothar Matthäus, die Fraktion um Jürgen Klinsmann, und mittendrin zerrieb sich alles.
Mario Basler war damals dabei.
Und er bringt es in dieser Dokumentation in einem Interview im Rückblick auf den Punkt.
Er redet über diesen alten Mythos vom deutschen Teamgeist und sagt ungeschminkt:
„11 Freunde? Von wegen. Das war Lug und Trug.“
Das war das ehrliche Eingeständnis: Wir haben nach außen das Trikot der Nationalmannschaft getragen, aber im Herzen hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht.
Es ging um Egos, um Werbeverträge, um Eitelkeiten, um Machtkämpfe.
Jeder wollte der Star sein.
Und das Ergebnis?
Ein Albtraum.
Sie haben verloren, als es zählte.
Wenn wir ehrlich sind, ist das kein reines Fußball-Problem.
Das ist das Grundproblem unseres Menschseins.
Wir alle wollen gewinnen, wenn’s zählt.
In unserer Ehe, in unserer Familie, an unserem Arbeitsplatz, in der Schule, ja, und auch hier als Gemeinde.
Wir wollen, dass Gemeinschaft gelingt.
Wir sehnen uns nach Einheit.
Aber wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir im Alltag genau diese (meist kleinen) Machtkämpfe haben?
Nach außen hin lächeln wir, wir singen die Lieder, wir unterschreiben den Arbeitsvertrag, wir sagen „Ja“ am Altar.
Aber im Alltag dominieren dann doch die kleinen, galligen Egos.
Wer hat Recht?
Wer wird mehr gesehen?
Warum kriegt der Kollege das Lob und ich nicht?
Warum muss ich mich eigentlich immer entschuldigen?
Der Lehrer hat mir gar nichts zu sagen!
Wenn das passiert, ziehen wir das alte Ego-Trikot an.
Wir werden zu Einzelkämpfern, die zufällig dasselbe Gebäude teilen.
Und dann scheitern wir an den Beziehungen, die uns eigentlich am wichtigsten sind.
Wir verlieren genau dann, wenn es zählt.
Aber was wäre denn der wahre Gewinn?
Es ist ja kein Blechpokal, den wir uns ins Wohnzimmer stellen.
Der echte Gewinn, nach dem wir uns doch alle sehnen, sind heile Beziehungen.
Der Gewinn ist eine Ehe, in der man sich blind vertrauen kann.
Der Gewinn ist ein Arbeitsplatz, an dem man nicht ständig das Messer im Rücken fürchten muss.
Der Gewinn ist eine Gemeinde, die sich anfühlt wie ein sicheres Zuhause.
Das ist der Pokal!
Aber den gewinnen wir nicht mit dem alten Ego-Trikot.

3. Der theologische Kern: Kein Moralkurs, sondern ein Trikottausch

Nun könnte man sagen: „Mensch, dann streng dich halt mal an!
Sei mal ein bisschen netter, nimm dich mal zurück, reiß dich zusammen!“
Aber genau hier unterscheidet sich die Botschaft der Bibel von einer billigen Moralpredigt.
Gott gibt uns heute keine Verhaltensregeln für besseres Teamplay.
Er gibt uns eine völlig neue Identität aus der wir uns heraus neu verhalten.
Der Apostel Paulus schreibt aus dem Gefängnis an die Gemeinde in Ephesus und an die Gemeinde in Philippi.
Das waren keineswegs perfekten Gemeinden, da gab es ordentlich Zoff im Team.
Und Paulus sagt ihnen nicht: „Ihr müsst moralischer werden.“
Er sagt: „Schaut hin, wer ihr in Christus seid!“
Hören wir hinein in das Wort Gottes, zunächst aus Epheser 4, die Verse 22 bis 24:
Epheser 4,22–24 LU17
22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Paulus nutzt hier ein Bild aus der Umkleidekabine.
Er sagt: Raus aus den alten Klamotten!
Wenn du zum Training kommst und deine Sachen sind komplett verschwitzt, voller Schlamm und stinken vom letzten Match – dann ziehst du die doch nicht wieder an!
Der „alte Mensch“, das ist unser Ego-Trip.
Dieses ständige Kreisen um mich selbst, das Misstrauen, die Rechthaberei, das Nachtragen, der Neid, die Geltungssucht, die Manipulation anderer, die Missgunst, und so weiter.
Paulus sagt: Das richtet euch zugrunde.
Das zerstört das Spiel.
Das zerstört eure Beziehungen.
Aber – und das ist das Entscheidende!
– du musst dir das neue Kleid nicht selbst nähen.
Du musst dir die Demut nicht krampfhaft abringen.
Du ziehst etwas an, das schon längst bereitliegt.
Der „neue Mensch“ ist eine Neuschöpfung Gottes.
Und wie sieht dieses neue Gewand aus?
Dazu wechseln wir die Kabine und schauen nach Philipper 2, die Verse 3 bis 5:
Philipper 2,3–5 LU17
3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, 4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. 5 Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:
„In Demut achte einer den andern höher als sich selbst.“
Wenn wir das Wort „Demut“ hören, zucken viele heute oft zusammen.
Wir denken an Duckmäusertum, an Schwäche, an jemanden, der sich zum Fußabtreter machen lässt.
Aber das ist ein Missverständnis.
Rick Warren hat in seinem Buch „Leben mit Vision“ geschrieben: „Demut bedeutet nicht, dass ich weniger von mir selbst denke, sondern dass ich weniger an mich selbst denke.“
Es ist also die Freiheit, nicht permanent um das eigene Spiegelbild kreisen zu müssen.
Und warum können wir das?
Weil wir einen Spielmacher haben, der uns diesen Weg freigespielt hat.
Der Text sagt: „Seid so gesinnt, wie es Christus entspricht.“
Jesus Christus hatte den höchsten Status, den man überhaupt haben kann (so heißt es in den darauffolgenden Versen): Er war Gott gleich.
Er saß auf dem Thron.
Aber er hat diesen Status nicht festgehalten wie eine Beute.
Er hat sich selbst entäußert, hat die Kapitänsbinde abgelegt, hat das Knechtstrikot angezogen und ist ganz tief hinabgestiegen – bis zum Tod am Kreuz.
Warum hat er das getan?
Weil er den Ball abgegeben hat, damit wir das Tor schießen können.
Er hat sein Leben gegeben, um uns aus unserem Ego-Albtraum zu befreien.
Das ist keine Moral, ihr Lieben!
Das ist pure Gnade!
Unser geistlicher Sieg wird nicht dadurch errungen, dass wir uns moralisch zusammenreißen, sondern er ist bereits errungen worden – von Jesus am Kreuz.
Und wenn du zu ihm gehörst, dann stehst du auf der Siegerseite.
Du trägst bereits sein Trikot.
Du musst es nicht verdienen; du musst morgen früh nur bewusst hineinschlüpfen.

4. Die Praxis: Wie spielen wir morgen?

Die Frage für uns ist also: Wie sieht dieses Team-Mindset ab morgen aus, wenn wir aus dieser „Gemeindekabine“ hier herausgehen und der Alltag wieder anpfeift?
Was bedeutet es konkret, das Trikot Jesu zu tragen?
Es bedeutet erstens: Such den „Assist“ – die Torvorlage.
Im modernen Fußball wird nicht nur der gefeiert, der das Tor schießt, sondern immer mehr auch der, der den genialen Pass gespielt hat – der Assist.
Wenn du morgen zur Arbeit gehst, in deine Familie kommst, in deinen Freundeskreis: Suchst du das Solo, um selbst zu glänzen?
Oder bist du bereit, den Ball abzuspielen?
Kannst du den anderen nach vorn schieben, ihn groß machen, sein Talent fördern und dich von Herzen mitfreuen, wenn er den Treffer landet?
In der Gesinnung Jesu zu leben heißt, eine Kultur der Torvorlagen zu schaffen.
Es bedeutet zweitens: Deck den Rücken deines Mitspielers.
Jeder im Team hat mal einen schlechten Tag.
Der Partner vergisst etwas, der Kollege macht einen Fehler, der Bruder in der Gemeinde verhält sich ungeschickt.
Was machst du dann?
Ziehst du sofort das Trikot des Schiedsrichters an, holst die gelbe Karte raus und pfeifst ihn zurück?
Oder hältst du ihm den Rücken frei?
Paulus schreibt im Epheserbrief weiter: Redet, was gut ist, was erbaut und was im Moment notwendig ist.
Das heißt im Klartext: Weniger übereinander reden, mehr miteinander.
Wenn ein Mitspieler am Boden liegt, treten wir nicht nach, sondern wir laufen die Meter für ihn mit.
Wisst ihr, was dann passiert?
Dann entsteht echter Frieden.
Das ist der Moment, in dem aus Kollegen plötzlich Freunde werden.
Das ist der Moment, in dem eine festgefahrene Ehekrise aufbricht, weil einer aufhört, Recht haben zu wollen.
Die Freiheit von unserem eigenen Ego-Trip ist der größte Gewinn für unsere psychische Gesundheit und für die Menschen um uns herum.
Es heilt unsere Beziehungen.
Du musst diese Kraft nicht aus dir selbst holen.
Wenn du morgen aufstehst, schau auf Jesus und sag: „Herr, danke, dass du mir heute dein Gewand schenkst.
Ich muss mich heute nicht selbst beweisen.
Ich bin geliebt, ich bin angenommen.
Lass mich heute in deinem Team spielen.“

5. Schluss: Das unschlagbare Team

„Gewinnen, wenn’s zählt“ – das entscheidet sich nicht auf den glitzernden Tribünen dieser Welt.
Das entscheidet sich morgen früh an deinem Küchentisch, das entscheidet sich in deinen Konflikten, das entscheidet sich in unserer Einmütigkeit hier als Gemeinde.
Gott baut hier keine Ansammlung von Solostars.
Er baut einen lebendigen Leib, ein echtes Team.
Wir sind Teil von etwas viel Größerem.
Diese Predigt heute ist nur ein Puzzlestück in Gottes großem Plan für unser Leben und für diese Stadt.
Lassen wir das „Lug und Trug“ der Egos hinter uns.
Kehren wir zurück zu dieser echten, puren Leidenschaft, die wie ich zum Beispiel damals als Kind auf den Bolzplatz  hatte: Wo es einfach nur eine riesige Freude war, dazuzugehören, füreinander zu laufen und ein gemeinsames Ziel vor Augen zu haben.
Das neue Gewand liegt bereit.
Jesus hat es mit seinem Leben bezahlt und schenkt es uns jeden Tag neu.
Und vielleicht bist du heute Morgen hier und merkst tief drinnen: „Ich habe dieses Trikot noch nie bewusst angezogen.
Ich renne mich auf dem Platz meines Lebens eigentlich nur noch müde, weil ich alles alleine im Ego-Modus schaffen will.“
Dann gilt diese Einladung heute dir ganz persönlich: Du musst kein perfekter Spieler sein und du musst dich für dieses Team nicht erst qualifizieren.
Jesus hält dir sein Trikot hin.
Du darfst heute in deinem Herzen einfach „Ja“ zu ihm sagen, deine alte Last in der Kabine lassen und in sein Team wechseln.
Und für uns alle gilt: Gehen wir raus, ziehen wir es an und spielen wir so, wie er es uns gezeigt hat.
Denn unser Pokal glänzt nicht im Regal.
Unser Pokal sind versöhnte Familien, es sind ehrliche Freundschaften und es ist eine Gemeinde, in der die Liebe Jesu spürbar ist.
Wenn seine Haltung in uns siegt, dann gewinnen wir wirklich – genau dann, wenn es zählt.
Amen.
——

Segen

Geht nun hin in diese neue Woche, getragen von der Gnade dessen, der sich selbst für uns hingegeben hat.
Der Herr segne euch und behüte euch.
Möge er euch die tiefe Gelassenheit schenken, nicht mehr aus eigener Kraft bestehen zu müssen, sondern vollständig in seiner Liebe zu ruhen.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Möge er eure Herzen weich machen. Möge er euch die Kraft geben, das Alte – den Stolz, den ständigen Vergleich und das Kreisen um euch selbst – hinter euch zu lassen und einander stattdessen mit jener Sanftmut zu begegnen, die Jesus uns vorgelebt hat.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Möge sein Friede durch euch in eure Familien, eure Freundschaften und euren Alltag fließen, damit dort Heilung geschieht und sichtbar wird, was wirklich zählt.
So segne und begleite euch der allmächtige und barmherzige Gott:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
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