Eine Frage des Erinnerns
Bibelwoche 2025/2026 • Sermon • Submitted • Presented
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Eine Frage des Erinnerns
Eine Frage des Erinnerns
Thema
Thema
Begrüßung
Begrüßung
Herzlich willkommen zum siebten und letzten Abend unserer Bibelwoche auf Raten.
Sieben Abende lang haben wir gemeinsam das Buch Ester gelesen. Wir haben erlebt, wie aus einer scheinbar einfachen Hofgeschichte eine große Glaubensgeschichte geworden ist.
Wir haben über Ehre und Schönheit nachgedacht – und darüber, worauf es im Leben wirklich ankommt.
Wir haben Ester kennengelernt, die den Mut fand, Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie den Ausgang ihres Handelns nicht kannte.
Wir haben gesehen, wie wichtig Geduld, Klugheit und die richtige Zeit sind. Nicht jede Tür muss sofort aufgestoßen werden. Manchmal führt Gott Menschen Schritt für Schritt.
Beim letzten Mal haben wir uns mit einer schweren Frage beschäftigt: mit Opfern und Tätern, mit Schuld und Verantwortung. Wir haben gesehen, dass Rettung nicht bedeutet, dass alles einfach wird. Auch nachdem Haman gestürzt ist, bleiben die Folgen seines Handelns bestehen. Unrecht verschwindet nicht von selbst.
Und heute?
Heute kommen wir an das Ende des Esterbuches.
Man könnte erwarten, dass die Geschichte mit dem Sieg endet. Dass nach der Rettung einfach der Schlussstrich gezogen wird.
Doch genau das geschieht nicht.
Stattdessen erzählt das Buch von einem Fest.
Von Menschen, die sich entschließen, nicht zu vergessen.
Der heutige Abend steht unter der Überschrift:
„Eine Frage des Erinnerns.“
Das klingt zunächst unscheinbar.
Aber vielleicht ist Erinnern eine der wichtigsten geistlichen Übungen überhaupt.
Denn wir Menschen vergessen schnell.
Wir vergessen Sorgen oft langsamer als Gottes Hilfe.
Wir erinnern uns an Verletzungen – aber nicht immer an die Wege, auf denen Gott uns getragen hat.
Genau deshalb entsteht das Purimfest.
Nicht als Feier eines militärischen Sieges.
Nicht als Verherrlichung menschlicher Helden.
Sondern als jährliche Erinnerung daran, dass Gott sein Volk bewahrt hat – auch dort, wo sein Name im ganzen Buch kein einziges Mal genannt wird.
Am Ende des Esterbuches geht es deshalb um mehr als um ein jüdisches Fest.
Es geht um die Frage, was unseren Glauben trägt.
Wovon leben wir morgen, wenn die großen Ereignisse längst vergangen sind?
Was geben wir an unsere Kinder und Enkel weiter?
Und welche Geschichten von Gottes Treue erzählen wir auch in Zukunft?
Als Christen kennen wir diese Frage ebenfalls.
Jesus selbst hat seiner Gemeinde ein Erinnerungsmahl geschenkt.
Nicht, weil Gott vergesslich wäre.
Sondern weil wir es sind.
Darum wollen wir heute Abend miteinander entdecken, wie Erinnern den Glauben lebendig hält, wie aus einer erfahrenen Rettung eine bleibende Hoffnung wird und warum das Esterbuch nicht mit einem Triumph endet, sondern mit einem Fest.
Ich lade Sie ein, noch einmal aufmerksam zuzuhören, mitzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Vielleicht entdecken wir dabei nicht nur neu die Geschichte Israels, sondern erinnern uns auch an Gottes Treue in unserem eigenen Leben.
Losung
Losung
Psalm 30,1–13 (BB)
Psalm 30,1–13 (BB)
Hoch über alles will ich dich loben, HERR! Denn du hast mich aus der Tiefe gezogen. Du hast meine Feinde nicht über mich triumphieren lassen.
HERR, mein Gott, ich schrie zu dir um Hilfe, und du hast mich wieder gesund gemacht.
HERR, aus dem Totenreich hast du mich geholt und mir ein neues Leben geschenkt. Dabei zählte ich schon zu den Menschen, die hinabmussten ins Grab.
Singt für den HERRN, ihr Frommen! Dankt ihm und denkt daran: Heilig ist er!
Nur einen Augenblick dauert sein Zorn, doch seine Güte umfasst das ganze Leben. Am Abend fließen die Tränen, doch am Morgen herrscht wieder Freude.
Ich aber dachte in meiner Sorglosigkeit: Nichts kann mich umwerfen, nichts in der Welt!
Denn du, HERR, hast in deiner Güte dafür gesorgt, dass ich fest wie ein Berg dastand. Doch dann hast du dein Angesicht verborgen. Da verlor ich vor Schreck jeden Halt.
Zu dir, HERR, rief ich und flehte zu dir, meinem Gott:
»Was hast du denn davon, wenn ich ins Grab hinabmuss? Kann etwa der Staub dir danken? Oder kann er deine Treue verkünden?
Hör mich, HERR, und hab Erbarmen mit mir! Du, HERR kannst mir doch helfen.«
Du hast meine Klage in einen Freudentanz verwandelt. Das Trauergewand hast du mir ausgezogen und mir ein Festkleid angelegt.
Mit Liedern will ich dich loben und nicht schweigen. HERR, mein Gott, für immer will ich dir danken.
Amen.
Gebet
Gebet
Treuer Gott,
wir danken dir für die gemeinsame Zeit, die wir in dieser Bibelwoche miteinander verbringen durften.
Danke für die Geschichten, die wir im Buch Ester entdecken konnten – Geschichten von Mut und Angst, von Bedrohung und Bewahrung, von Menschen, die dir vertraut haben.
An diesem letzten Abend bitten wir dich:
Öffne unsere Herzen für dein Wort.
Hilf uns, deine Treue nicht zu vergessen, sondern sie in unserem Leben immer wieder neu zu entdecken.
Schenke uns offene Ohren füreinander und einen wachen Blick für das, was du uns heute sagen möchtest.
Und lass uns neu erkennen, dass du auch dann bei uns bist, wenn dein Handeln verborgen bleibt.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
Lied Nr. 4 – Herr, in deinem Namen treffen wir uns hier
Lied Nr. 4 – Herr, in deinem Namen treffen wir uns hier
Essen
Essen
Lied Nr. 5 – Herr, deine Güte reicht so weit
Lied Nr. 5 – Herr, deine Güte reicht so weit
Bibelarbeit - Eine Frage des Erinnerns Ester 9,17–10,3
Bibelarbeit - Eine Frage des Erinnerns Ester 9,17–10,3
Einstieg
Einstieg
Ich möchte mit einer einfachen Frage beginnen: Ich habe da etwas mit gebracht. Es ist das alte Backbuch meiner Großmutter.
Warum bewahren Menschen eigentlich Erinnerungsstücke auf?
Vielleicht habt Ihr auch zu Hause eine alte Taufkerze, ein Hochzeitsfoto, den ersten Strampler Eures Kindes oder einen Brief eines lieben Menschen, der längst gestorben ist. Solche Dinge haben oft keinen großen materiellen Wert. Trotzdem würden wir sie niemals wegwerfen.
Warum? Weil Erinnerungen unser Leben prägen. Sie erzählen uns, wer wir sind und woher wir kommen. Ein Mensch, der alles vergisst, verliert irgendwann seine Identität.
Das gilt nicht nur für einzelne Menschen. Es gilt auch für Familien, für Völker – und für den Glauben. Genau darum geht es am Ende des Esterbuches.
Man könnte erwarten, dass das Buch mit dem Sieg über Haman endet. Oder mit der Rettung des jüdischen Volkes. Doch das tut es nicht. Das eigentliche Finale besteht in der Einsetzung eines Festes.
Warum? Weil der eigentliche Kampf nicht mehr gegen Haman geführt werden muss. Der eigentliche Kampf beginnt jetzt: der Kampf gegen das Vergessen.
Wir wollen den letzten Abschnitt lesen. Achtet beim Hören auf eine Frage: Warum ist es Mordechai so wichtig, dass aus diesem Ereignis ein jährlich wiederkehrendes Fest wird?
Textlesung
Textlesung
17 Das alles spielte sich am 13. Tag im Monat Adar ab. Am Tag danach, dem 14. im Monat, hatten die Juden Ruhe. Sie machten ihn zu einem Tag des Festes und der Freude. 18 Die Juden in Susa kamen am 13. und 14. Tag zusammen. Sie hatten erst am 15. Tag ihre Ruhe. Sie machten ihn zu einem Tag des Fests und der Freude. 19 Die Juden auf dem Land feiern am 14. Tag im Monat Adar. In den Ortschaften ist es ein Feiertag, und es gibt ein fröhliches Festessen. Man schenkt sich gegenseitig etwas zu essen. 20 Mordechai schrieb auf, was geschehen war. Er schickte einen Brief an alle Juden in nah und fern in den Provinzen von König Xerxes. 21 Er verpflichtete sie dazu, den 14. und 15. Tag im Monat Adar zu feiern. Jedes Jahr sollten diese Tage Feiertage sein. 22 Denn es waren die Tage, an denen die Juden Ruhe vor ihren Feinden hatten. In diesem Monat wurde für sie aus Trauer Freude, und aus Klage wurden Festtage. Darum sollten sie diese Tage zu Tagen der Freude und zu Feiertagen machen. Jeder sollte seinen Nachbarn Geschenke machen und den Armen etwas geben. 23 Diese Feiertage machten die Juden zum festen Brauch. Sie hatten damit begonnen, als Mordechai es ihnen vorgeschrieben hatte. 24 Es begann mit dem Plan von Haman, dem Agagiter. Er war der Sohn von Hammedata und Feind aller Juden. Sein Plan war es, alle Juden zu vernichten. Darum hatte er Lose geworfen, die »Pur« hießen. So wollte er den Zeitpunkt bestimmen, wann er die Juden bedrängen und vernichten konnte. 25 Doch der König erfuhr davon und schrieb einen Erlass: Haman und seine Söhne wurden am Galgen aufgehängt. Das Böse, das Haman gegen die Juden geplant hatte, sollte auf ihn selbst zurückfallen. 26 Nach dem Namen »Pur« heißen die Feiertage »Purim«. Weil sie das alles gesehen und erlebt hatten und wegen des Briefs 27 übernahmen die Juden den Brauch. Sie verpflichteten sich und ihre Nachkommen dazu, die Feiertage einzuhalten. Das sollte auch für alle gelten, die sich ihnen fest angeschlossen hatten. Die Tage sollten jedes Jahr zur richtigen Zeit so begangen werden, wie sie festgeschrieben sind. 28 Sie sollten bei den Juden in Erinnerung bleiben und niemals übergangen werden. Das galt für jede einzelne Generation und Familie, für jede einzelne Provinz und jede Stadt. Auch die Nachkommen der Juden sollten sich immer an diese Purim-Tage erinnern. 29 Königin Ester, die Tochter von Abihajil, und der Jude Mordechai schrieben einen zweiten Brief. Er sollte mit allem Nachdruck die Pflicht bestätigen, das Fest »Purim« zu feiern. 30 Ester schickte das Schreiben an alle Juden in den 127 Provinzen im Königreich von Xerxes. Es enthielt Worte des Friedens und der Treue. 31 Das Schreiben bestätigte das, was Mordechai, der Jude, und Königin Ester im ersten Brief angeordnet hatten: Das Purim-Fest muss zur richtigen Zeit gefeiert werden. Mordechai und Ester verpflichteten sich selbst dazu, die Vorschriften zum Fasten und Klagen einzuhalten. Das sollte auch für ihre Nachkommen gelten. 32 Die Anordnung von Ester bestätigte diese Pflichten. Die Regeln für die Tage des Purim-Fests wurden in einem Buch aufgeschrieben. 1 König Xerxes legte eine Steuer fest für das ganze Reich mit allen Inseln im Meer. 2 Alle seine mächtigen und gewaltigen Taten sind aufgeschrieben in den Büchern der Geschichte über die Könige von Persien und Medien. Dort findet sich auch ein Bericht darüber, welche Bedeutung der König Mordechai verliehen hatte. 3 Denn der Jude Mordechai war nach König Xerxes der zweite Mann im Reich. Er war hoch angesehen bei den Juden und beliebt bei allen seinen Mitmenschen. Er kümmerte sich um sein Volk und verkündete dessen Nachkommen Frieden.
I. Erinnern verändert unseren Blick auf die Vergangenheit
I. Erinnern verändert unseren Blick auf die Vergangenheit
Ester 9,17–22
Ester 9,17–22
Der erste Abschnitt beginnt überraschend unspektakulär.
Die Kämpfe sind vorbei.
Die Waffen schweigen.
Die Menschen kommen zur Ruhe.
Im Hebräischen steht hier das Verb nûaḥ. Es bedeutet nicht nur „aufhören zu kämpfen", sondern „Ruhe finden", „aufatmen", „ankommen". Es gehört zum gleichen Wortfeld wie die Sabbatruhe.
Schon das ist bemerkenswert. Das Buch Ester endet nicht mit dem Kampf. Es endet mit Ruhe. Das zeigt einen wichtigen Grundsatz der Bibel.
Gott rettet Menschen nicht für einen endlosen Kampf. Er rettet sie zum Frieden.
Der eigentliche Mittelpunkt dieses Abschnittes ist im Kapitel 9 der Vers 22:
„…als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden und als der Monat, in dem sich ihre Trauer in Freude und ihre Klage in einen Festtag verwandelt hatte." (Luther 2017)
Das Schlüsselwort lautet: nehpakh
Es bedeutet:
umkehren
verwandeln
auf den Kopf stellen.
Dieses Wort beschreibt eigentlich das ganze Esterbuch.
Fast jede Szene lebt von einer überraschenden Umkehr.
Haman baut einen Galgen – und stirbt selbst daran.
Mordechai soll gedemütigt werden – stattdessen wird er geehrt.
Aus einem Vernichtungstag wird ein Festtag.
Aus Angst wird Freude.
Gerade deshalb feiern die Juden nicht den militärischen Sieg.
Sie feiern die Rettung Gottes.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wer nur Siege feiert, lebt irgendwann vom Triumph.
Wer Rettung feiert, lebt aus Dankbarkeit.
Gespräch
Gespräch
Warum feiern die Juden nicht den Kampf, sondern die Ruhe danach?
Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Ihren Glauben verändert?
II. Erinnern verändert unser Leben in der Gegenwart
II. Erinnern verändert unser Leben in der Gegenwart
Ester 9,20–32
Ester 9,20–32
Jetzt geschieht etwas Entscheidendes.
Mordechai schreibt alles auf.
Warum?
Weil Menschen vergessen.
Das gilt übrigens auch für gläubige Menschen.
Schon Mose musste Israel immer wieder sagen: „Vergiss nicht!"
Die Bibel weiß: Nicht das Leid ist unser größtes Problem. Sondern das Vergessen der Hilfe Gottes.
Darum entsteht Purim.
Interessant ist:
Purim ist das einzige jüdische Fest, das nicht in der Tora eingesetzt wird. Es entsteht aus einer konkreten historischen Erfahrung der Bewahrung Gottes. Wahrscheinlich existierte das Fest bereits in Ansätzen und das Esterbuch erklärt seine Bedeutung und verankert sie theologisch.
Doch Mordechai ordnet nicht einfach eine Gedenkminute an.
Er ordnet ein Fest an.
Mit gutem Essen.
Mit Freude.
Mit Geschenken füreinander.
Und mit Gaben für Arme.
Das ist erstaunlich.
Freude bleibt niemals privat.
Sie wird geteilt.
Besonders auffällig sind die Geschenke an Bedürftige.
Wer selbst Rettung erfahren hat, soll andere daran teilhaben lassen.
Das ist bis heute ein Kennzeichen des Purimfestes. Hier begegnet uns ein typisch biblisches Verständnis von Erinnerung.
Das hebräische Wort zākar bedeutet mehr als sich an etwas erinnern.
Es bedeutet: etwas heute wirksam werden lassen.
Erinnerung ist im Alten Testament niemals bloße Vergangenheit.
Sie schafft Gegenwart.
Deshalb feiern Juden bis heute Purim.
Und deshalb feiern Christen Abendmahl.
Jesus sagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis."
Das griechische Wort anamnēsis meint ebenso wenig nur ein Zurückdenken. Im Abendmahl wird das Heilshandeln Christi der Gemeinde gegenwärtig zugesprochen. Die Kirche lebt von dieser vergegenwärtigten Erinnerung.
Gespräch
Gespräch
Warum vergessen wir Gottes Hilfe oft so schnell?
Welche Rituale helfen Ihrem Glauben?
Wie erzählen wir die Geschichten von Gottes Treue an die nächste Generation weiter?
Exkurs: Was ist Purim – und was können Christen daraus lernen?
Exkurs: Was ist Purim – und was können Christen daraus lernen?
1. Was feiern Juden an Purim?
1. Was feiern Juden an Purim?
Purim erinnert an Gottes Bewahrung seines Volkes in einer Zeit größter Bedrohung.
Dabei fällt etwas Besonderes auf:
Es wird nicht der Krieg gefeiert.
Nicht die Gewalt.
Nicht Mordechai oder Ester.
Gefeiert wird,
dass Gott sein Volk bewahrt hat,
dass Trauer in Freude verwandelt wurde,
dass Angst nicht das letzte Wort hatte.
Bis heute gehört deshalb zu Purim:
die Lesung der Esterrolle,
ein fröhliches Festessen,
gegenseitige Geschenke (), Mischloach Manot
Geld- und Lebensmittelspenden für Bedürftige (), Matanot la-Evjonim
Freude, Musik und Gemeinschaft.
Das zeigt: Freude wird geteilt.
Nicht jeder feiert für sich allein.
Gerade die Armen gehören dazu.
Das ist ein zutiefst biblischer Gedanke.
2. Was bedeutet Purim für Christen?
2. Was bedeutet Purim für Christen?
Christen feiern Purim normalerweise nicht als eigenes kirchliches Fest.
Und das ist auch richtig. Purim gehört zum lebendigen Glauben Israels.
Aber Christen können viel daraus lernen.
Zum Beispiel: Erinnern gehört zum Glauben.
Jesus macht genau dasselbe beim Abendmahl. "Tut dies zu meinem Gedächtnis."
Auch dort wird Gottes Rettung nicht vergessen.
Gottes Wirken ist oft verborgen.
Gottes Wirken ist oft verborgen.
Im Esterbuch wird Gottes Name kein einziges Mal genannt.
Trotzdem ist Gott überall am Werk. Das kennen viele Christen.
Nicht immer erleben wir spektakuläre Wunder. Oft erkennen wir Gottes Führung erst im Rückblick.
Freude gehört zum Glauben.
Freude gehört zum Glauben.
Purim ist kein stiller Gedenktag. Es ist ein Freudenfest.
Das fordert uns vielleicht sogar heraus.
Christlicher Glaube ist nicht nur Karfreitag. Er lebt von Ostern.
Niemand soll vergessen werden.
Niemand soll vergessen werden.
Geschenke für Arme gehören untrennbar zu Purim. Erinnerung führt immer zu Nächstenliebe.
Das passt wunderbar zu Jakobus: "Glaube ohne Werke ist tot."
3. Könnten Christen Purim feiern?
3. Könnten Christen Purim feiern?
Ich würde bewusst sagen: Nicht im eigentlichen Sinn.
Purim ist und bleibt ein jüdisches Fest.
Es wäre nicht angemessen, wenn die Kirche es einfach übernimmt oder ersetzt.
Aber Gemeinden können sich inspirieren lassen.
Zum Beispiel könnte einmal im Jahr ein Dank- und Erinnerungsgottesdienst stattfinden.
Darin erzählen Gemeindeglieder: Wo haben wir Gottes Treue erlebt?
Oder: Welche Gebete hat Gott im vergangenen Jahr erhört?
Man könnte kleine Kärtchen schreiben: "Dafür danke ich Gott."
Oder Menschen erzählen ihre persönliche "Ester-Geschichte": Wo habe ich Gottes verborgenes Handeln erlebt?
Auch ein gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst würde gut zu Ester passen.
Und natürlich gehört das Teilen dazu. Man könnte bewusst für eine diakonische Einrichtung sammeln oder Lebensmittel spenden. Damit würde der Geist von Purim aufgenommen, ohne das jüdische Fest zu vereinnahmen.
III. Erinnern verändert unsere Zukunft
III. Erinnern verändert unsere Zukunft
Ester 10,1–3
Ester 10,1–3
Das Buch endet überraschend.
Nicht Ester steht am Schluss.
Nicht Purim.
Nicht einmal die Rettung.
Sondern Mordechai.
Warum?
Weil Erinnerung immer Folgen hat.
Über Mordechai heißt es: Er suchte das Wohl seines Volkes und redete Frieden.
Im Hebräischen steht: dōrēš ṭôv
Er suchte das Gute.
Und: dōvēr šālôm
Er sprach Frieden.
Hier zeigt sich, worauf das ganze Buch hinausläuft.
Gottes Rettung soll Menschen verändern.
Nicht in stolze Sieger.
Sondern in Menschen, die Frieden suchen.
Das ist bemerkenswert.
Purim endet nicht mit Selbstfeier.
Es endet mit Verantwortung.
Wer Gottes Hilfe erfahren hat, lebt anders.
Er dient.
Er sucht das Wohl anderer.
Damit öffnet sich auch die Perspektive auf Jesus Christus.
Wie Mordechai tritt er für sein Volk ein.
Aber Christus geht weit darüber hinaus.
Er rettet nicht nur vor einem historischen Vernichtungsbefehl.
Er rettet von Sünde, Tod und Gottesferne.
Und auch er setzt ein Erinnerungsmahl ein.
Nicht weil wir so vergesslich wären?
Doch – genau deshalb.
Im Abendmahl erinnert Christus seine Gemeinde immer wieder neu daran:
Ich habe euch erlöst.
Ihr gehört zu mir.
Lebt aus dieser Hoffnung.
Gespräch:
Gespräch:
Woran sollen sich Menschen einmal erinnern, wenn sie auf Ihr Leben und Ihren Glauben zurückblicken?
Wie können wir als Gemeinde eine Kultur des Erinnerns pflegen – damit Gottes Treue nicht nur Vergangenheit bleibt, sondern unsere Zukunft prägt?
Schluss
Schluss
Das Buch Ester endet ungewöhnlich.
Nicht mit einem Wunder.
Nicht mit einem Engel.
Nicht einmal mit einem Gebet.
Sondern mit einem Fest.
Das ist kein Zufall.
Denn Glaube lebt nicht nur von außergewöhnlichen Erfahrungen.
Er lebt davon, dass Gottes Treue erinnert wird.
Vielleicht brauchen wir heute weniger neue geistliche Erlebnisse und mehr ein geübtes Gedächtnis für Gottes Wirken in unserem Leben.
Martin Luther sagte einmal sinngemäß, der Glaube lebe von den Verheißungen Gottes, nicht von unseren wechselnden Gefühlen. Purim und das Abendmahl helfen genau dabei: Sie richten unseren Blick weg von uns selbst und hin zu Gottes Treue.
Wenn Israel Purim feiert, bekennt es: Gott hat uns nicht vergessen.
Wenn wir Abendmahl feiern, bekennt die Gemeinde: Christus hat uns nicht vergessen.
Beides lebt von derselben Hoffnung: Gottes Rettung gehört nicht nur der Vergangenheit. Sie trägt unsere Gegenwart und eröffnet unsere Zukunft.
Darum ist die entscheidende Frage am Ende des Esterbuches vielleicht nicht: „Was ist damals geschehen?" Sondern: „Woran wollen wir uns erinnern, damit unser Glaube morgen noch lebt?"
Amen.
Lied Nr. 40 – Nun danket alle Gott
Lied Nr. 40 – Nun danket alle Gott
Gebet
Gebet
Vaterunser
Vaterunser
Segen
Segen
Treuer Gott,
wir danken dir für diese Bibelwoche und für alles, was wir im Buch Ester entdecken durften.
Danke für die Geschichten von Mut und Vertrauen, von Angst und Hoffnung, von Menschen, die erfahren haben, dass du sie nicht aus den Augen verloren hast.
Bewahre auch uns davor, deine Treue zu vergessen.
Erinnere uns daran, dass du bei uns bist – nicht nur in den großen Augenblicken, sondern auch in den stillen und verborgenen Wegen unseres Lebens.
Lass die Hoffnung, die du schenkst, unser Denken prägen, unser Reden bestimmen und unser Handeln leiten.
Mache uns zu Menschen, die Frieden suchen, Gutes weitergeben und anderen von deiner Treue erzählen.
Begleite uns auf unserem Weg durch die kommende Woche.
Stärke die Müden, tröste die Traurigen, schenke den Ängstlichen Mut und den Suchenden Orientierung.
So segne uns der dreieinige Gott:
der Vater, der uns liebt,
der Sohn, der uns erlöst,
und der Heilige Geist, der uns erinnert und im Glauben erhält.
Amen.
Lied Nr. 58 – Geh unter der Gnade
Lied Nr. 58 – Geh unter der Gnade
