Ich glaube … an Gott, den Vater
Notes
Transcript
Einleitung
Einleitung
An etwas glauben tun viele Menschen. Einige Musiker glauben an die Liebe, Humanisten an das Gute im Menschen, einige “Ratgeber” empfehlen, an sich selbst zu glauben. Geschäftsleute glauben an den Markt, den Wettbewerb. Kaiser Wilhelm II. rufte aus, als er die Erfindung des Autos erlebte: “Ich glaube an das Pferd”.
Als die ersten Christen die Bekenntnisse formulierten, sprachen sie nicht von der Liebe, vom Guten im Menschen oder vom Pferd. Sie sprachen von Gott: “Ich glaube an Gott”. Auch das tun viele. Nach neuesten Umfragen glauben etwa 55% der Deutschen “an einen Gott”. In der Schweiz sind das nocht 38%, während 39% an eine höhere Macht glauben. Doch, an welchen Gott glauben diese Menschen, oder anders gefragt, was verstehen die Menschen unter “Gott”? Martin Luther meinte einmal, für die meisten sei der “Mammon” ihr Gott. Doch das sei nicht der einzige Gott dieser Welt. Denn „auch, wer darauf traut und trotzt, dass er große Kunst, Klugheit, Gewalt, Gunst, Freundschaft und Ehre hat, der hat auch einen Gott“. Kurz: „Worauf du nun dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.“ Mit dem bloßen Satz „Ich glaube an Gott“ ist also noch gar nicht gesagt, um welchen Gott es hier geht.
Das zu erkennen ist immens wichtig. Das Dritte Reich sprach zu Anfang viel von Gott, sein Führer sei gottgesandt. Dasselbe lässt sich von vielen politischen, weltlichen Ideologien sagen. Wieviele Messiasse, Gottgesandte, Sprachrohre Gottes oder ähnliches haben wir schon erlebt! Und viele Male hatt sich deren Gott nicht als der Gott der Bibel herausgestellt.
Und genau darum haben unsere alten Geschwister diesen Gott näher beschrieben. Das Glaubensbekenntnis sagt nun mehr als nur “ich glaube an Gott”. Es beschreibt ihn auch als den Gott der Juden und später der Christen. Die Beschreibung im ersten Satz macht diesen Gott unverwechselbar. Dieser Gott tritt uns in der Bibel, in beiden Testamenten, einzigartig und vielfältig entgegen, aber genau beschrieben.
Und genau darum heisst “glauben” auch nicht “nicht wissen”. Die Botschaft der Bibel muss gewusst sein, bevor sie als verbindlich anerkennt werden kann. Ohne Kenntnis dieser Botschaft ist christlicher Glaube gar nicht möglich. Genau darum wurden damals die Täuflinge im Glauben unterwiesen (ich hoffe, auch heute noch). Im NT finden wir Zeugnis davon. Nehmen wir den Kämmerer aus Äthiopien (Apg 8,26-40), oder die Geschichte vom Gefängniswärter in Philippi. Dieser wurde erst getauft, als er und sein Haus von den Aposteln unterrichtet wurden (Apg 16,32).
Daher ist die Unterweisung, die Lehre (Katechese) nebst der Seelsorge wichtiger Bestandteil des kirchlichen Lebens. Von der Sonntagsschule über Kinderlager, Kindergottesdienste, Konf-Unterricht, Reli an der Schule, Bibelstunden, Vorträge oder Vorbereitungen zur Taufe, Ehe oder Amt. Wer es mit dem christlichen Glauben aufnimmt, muss wissen, worauf er sich einlässt.
Wir müssen wissen, an welchen Gott wir glauben. Ich will gerne in Erinnerung rufen, was wir miteinander in der Predigtreihe über Gottes Eigenschaften, also über Gott selbst, gelernt haben. Kleiner Hinweis: Die Skripte dazu können über theoblog.ch geladen werden. Im apostolischen Glaubensbekenntnis wird der Gott der Bibel also näher beschrieben. Und die erste Beschreibung ist:
…Gott, den Vater
…Gott, den Vater
Was ein Vater ist, weiss jedes Kind. Weil wir alle neben einer Mutter auch einen Vater haben. Und zwar unabhängig davon, welche Erfahrungen wir mit unserem Vater im Einzelnen gemacht haben. Gute und weniger gute, vielleicht sogar schlechte. Auch wenn der Vater gar nicht da war, aus unterschiedlichen Gründen, oder sich aus dem Staub gemacht hat und nur noch auf Fotos anwesend ist, alle haben einen Vater. Daher scheint es fast so, dass es keiner weiteren Erklärung bedarf, wenn wir sagen, wir glauben an “Gott, den Vater”.
Vatergeschichten
Vatergeschichten
Doch was machen wir mit den unterschiedlichen Vatererfahrungen, die wir alle haben? Nicht alle Väter sind gleich. Da gibt es liebevolle Väter, aber auch tyrannische, strenge Väter und tolerante, gleichgültige, fürsorgliche, sanfte oder gewaltsame Väter. Welche dieser einzelnenVatererfahrungen ist nun jene, die auf Gott zutrifft?
Anders gesagt, wenn wir Gott Vater nennen, neigen wir dazu, in Gott unsere Vatererfahrungen zu projizieren. Wer einen tyrannischen Vater hatte, sieht in Gott zuallererst den Tyrannen. Wer einen fürsorglichen Vater hatte, erkennt in Gottes Tun oft seine Fürsorge. Wer um die Aufmerksamkeit und Zuneigung seines Vaters kämpfen musste, hat nun das Gefühl, dies auch gegenüber Gott tun zu müssen. Wer Gewalt und Missbrauch durch den Vater erlebt hat, will von Gott nicht viel wissen.
Gottesbilder
Gottesbilder
Dass wir Gott mit menschlichen Eigenschaften ausstatten, die aus unserer Erfahrungswelt stammen, ist erstens mal sehr menschlich (weil wir in unserer Unvollkommenheit nur unsere Welt erkennen können), und zweitens finden wir diese Anthropomorphismen auch in der Bibel. Wir haben das schonmal miteinander angeschaut. Die Bibel ist voll von diesen menschlich klingenden Aussagen über Gott. Da lesen wir vom Vater, von der Mutter, König, Hirte, Richter, Arzt, Freund, Wächter u.a. Er kann lieben, zürnen, wachen oder ruhen, kann eifersüchtig oder enttäuscht sein, kann strafen oder es sich gereuen lassen. Es ist die Rede von seinen Händen, seinem Mund, Augen, Ohren oder Armen. Zwar sollen wir so Gott besser verstehen können, doch diese Anthropomorphismen sind auch problematisch. Dies hat der griechische Dichter und Philosoph Xenophanes (6. Jahrhundert vor Christus) mal in einem Gedicht veranschaulicht:
„Stumpfe Nasen und schwarz:
so sind Äthiopias Götter.
Blauäugig aber und blond:
so sehn ihre Götter die Thraker.
Aber die Rinder und Rosse und Löwen,
hätten sie Hände,
Hände wie Menschen zum Zeichnen,
zum Malen, ein Bildwerk zu formen,
Dann würden die Rosse die Götter gleich Rossen,
die Rinder gleich Rindern
Malen, und deren Gestalten,
die Formen der göttlichen Körper,
Nach ihrem eigenen Bilde erschaffen:
ein jedes nach seinem.“
Erkennt ihr den Zusammenhang mit unserer Vorstellung von Gott dem Vater? Jeder hat seine eigene Vorstellung von Gott dem Vater. Die Bibel spricht dieses Problem direkt an: Exodus 20,4 „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist.“ Jetzt wird es schwierig. Einerseits erkennen wir, dass unsere Erfahrungen mit unseren Vätern auf Gott bezogen auch solche Bilder sind. Die müssen wir loswerden. Andrerseits kommt aber auch die Frage auf, wenn doch Bilder verboten sind, wieso stehen in der Bibel denn soviele Bildworte über Gott?
Der andere Vater
Der andere Vater
Schauen wir uns diese Texte in der Bibel genauer an, machen wir aber eine interessante Beobachtung. Bei diesen Bildworten erkennen wir einerseits die menschliche Erfahrung dahinter, andererseits müssen wir uns dann häufig überraschen lassen, dass Gott so gar nicht diesen Erfahrungen entspricht. Nehmen wir mal diese berühmten Worte Hagars: Genesis 16,13 „…Du bist »der Gott, der mich sieht«!…“ Das wissen wir von Anfang an: Gott sieht mich, in allem was ich tue, was ich sage. Das weckt in einigen Menschen sofort Angst und Abwehr - Gott sieht alles, er kontrolliert mich. “Big brother is watching you” - Damit wurde Generationen von Kindern Angst gemacht. Doch bei Hagar geht es um was ganz anderes. Es geht darum, dass Gott einen völlig verlorenen und verzweifelten Menschen - Hagar auf der Flucht - nicht vergisst. Er ist da. Er ist der Retter aus der Lebensgefahr. Gottes sehen ist nicht Kontrolle, es ist anders, lebensrettend.
Wir lesen so viele Geschichten über Gott, wo er mit mit Bildern aus unserer Lebenswelt beschrieben wird, aber dennoch nicht wie ein Mensch handelt - schon gar nicht wie ein tyrannischer, gewalttätiger oder nicht anwesender Vater. Zum Beispiel als Weinbergbesitzer (Bild), der allen seinen Arbeitern trotz unterschiedlicher Arbeitsleistung den gleichen Lohn zahlt (anders, Mt 20,1-16). Oder der spät heimkehrende Hausherr (Bild), der seine Knechte trotz später Stunde zu Tisch bittet und sie bedient (undenkbar anders, Lk 12,35-38). Oder auch der Hirte (Bild), der entgegen aller Vernunft, sein Leben für die Schafe lässt (anders, Joh 10,11). Nicht zuletzt als König (Bild), dessen Krone nicht aus Gold und Edelsteinen besteht, sondern aus Dornen (anders, Mt 27,29).
Was erkennen wir? Gott beschreibt sich in Bildern aus unserer, menschlichen, beschränkten, Erfahrungswelt. Und doch ist und handelt er dann so gar nicht gemäss unserer Erfahrung, unserer Vorstellung. Sich ein Bild von Gott machen, das hatten wir vorher schon. Konkret: Wenn wir unsere Erfahrungen mit unseren Vätern auf Gott münzen, ist das zwar verständlich, aber wir verstossen gegen dieses Gebot. Und nicht nur das, wir belasten unser Glaubensleben, wir werden Kämpfe austragen, die wir nicht austragen müssen. Zum Beispiel gegen eine eingebildete Vaterfigur im Himmel. Wir schaden uns so selber. Unsere falschen Bilder Gottes führen uns unter Umständen und auch immer wieder auf Irrwege. Gott erkennen wir ausschliesslich durch sein Wort, nicht durch unsere mitgebrachten Erfahrungen.
Daher wäre es vielleicht mal gut, die eigenen Vatererfahrungen beiseite zu schieben, und uns auf eine ganz neue Vatererfahrung einzulassen - neue Erfahrungen zu machen und zu behalten.
Der neue Vater
Der neue Vater
Warum eigentlich “Vater”? Dazu müssen wir in der Zeit ein bisschen zurückgehen. In der antiken “patriarchalen” Gesellschft spielte der Vater eine überaus dominante Rolle. Da gibt es viele Gründe für, doch einen, vielleicht der wichtigste, Umstand wollen wir anschauen. Man war allgemein der Ansicht, dass das männliche Sperma der ausschliessliche Träger des Lebens sei. Der Leib der Frau war lediglich ein Gefäss, worin dieses Leben reifen konnte. Bevor wir anfangen zu lachen, sollten wir bedenken, dass diese Ansicht bis in die Neuzeit bestand. Erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurden weibliche Eizellen entdeckt, und diese zuerst bei Säugetieren. Jetzt kann man auch verstehen, warum dem Vater diese Stellung zuteil wurde: Als Lebensspender war er das unhinterfragte Oberhaupt der Familie und Sippschaft.
Lebensspender - Gott als Vater zu nennen, bedeutet also in erster Linie zu bekennen, dass er der Urheber des Lebens ist. Und somit auch das Oberhaupt der Schöpfung, der Menschen. Sein Wille geschieht, überall. Und doch lesen wir immer wieder von erstaunlichen Brüchen in dieser Vorstellung der Vaterschaft Gottes. So wird Gott zum “Vater der Waisen und Anwalt der Witwen” (Ps 68,6). In Ps 103,13 steht „Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, welche ihn fürchten;“. Das ist offensichtlich aber einen andere Furcht als diejenige, die Kinder angesichts eines bösen Vaters empfinden. Weil es eben nicht die gleichen Väter sind!
Schauen wir uns noch weitere Beispiele dieses anderen Vaterseins an. Als der “verlorene” Sohn nach Hause kommt, reagiert der Vater so völlig unangebracht, würdelos für einen Patriarchen jener Zeit. Lukas 15,20 „Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Gottes Vatersein ist anders. Jesus bezeichnet Gott als seinen Vater und ruft ihn in höchster Bedrängnis mit Abba an: Markus 14,36 „Und er sprach: Abba, Vater! Alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“ Im Unservater motiviert er die Jünger, und auch uns, es ihm gleichzutun, nämlich Gott als einen anderen, uns entgegen kommenden, barmherzigen und vergebenden Vater anzurufen. Paulus greift dies in seinem Brief an die Römer auf, als er schreibt Römer 8,15 „…ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ Einen neuen, kindlichen Geist, diesen gilt es zu kultivieren, und den alten, vor Vatererfahrungen strotzenden Geist (der Knechtschaft) loszulassen.
Der echte Vater
Der echte Vater
Ich verstehe gut, wenn Manche Schwierigkeiten bekommen, wenn die Bibel von Gott, als den Kriegsherrn, spricht. Oder von Gottes Zorn, Gewalt oder Eifersucht, der Sünden nicht ungestraft lässt. Das haben wir schon mal angeschaut, erinnert Ihr Euch? Wenn Dir dann der Gedanke kommt, das sei nicht Dein Gott oder entspräche nicht Deinem Gottesbild, dann erinnere ich gerne an Xenophanes. Du machst Dir dann Deinen Gott nach Deinem Empfinden. So kommst Du aber nicht weit.
Vielleicht erinnerst Du Dich aber an den allmächtigen Schöpfer und fängst dann an zu staunen, dass Du dieses Wesen Vater nennen darfst - und somit sein Kind wirst. Und wieso darfst Du das? Dieses Recht erhältst Du durch Deinen Glauben an Jesus Christus. Johannes 1,12 „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;“ Im Glauben an Christus wirst Du zum Gotteskind und Gott Dein rechter Vater.
Ich glaube an Gott, den Vater - so wie im Wort beschrieben, nicht gemäss unseren menschlichen Erfahrungen mit unseren Vätern. Das bedeutet Kindschaft, Errettung, Befreiung. Gott ist ein Vater der Barmherzigkeit, der Gnade. Aber eben nicht nur, er ist soviel mehr. Bete für die Erkenntnis. Lass Deine Vatererfahrungen los. Lass Dich von Gott und seinem Wort korrigieren und leiten. Halte fest am Glauben an Jesus, und Du bist Kind Gottes, des perfekten Vaters. Amen
Anhang
Anhang
