Predigt Wohnwoche JayTea - Mt 6,1-8 & 16-18 - Dancing in your Victory
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1. Einstieg „Dancing in your Victory“
1. Einstieg „Dancing in your Victory“
Das Lied, mit dem ihr euch in dieser Woche beschäftigt, erinnert uns an eine zentrale Wahrheit des christlichen Glaubens:
Jesus hat uns durch seinen Tod von unserer Schuld
befreit.
Durch ihn dürfen wir zu Gott kommen und ihn unseren
Vater nennen. Wir bekommen eine neue Identität: Wir sind Kinder Gottes.
Doch daraus ergibt sich eine wichtige Frage:
Was bedeutet es, aus diesem Sieg Jesu zu leben?
Oder um auf unser Lied zurückzukommen: Was bedeutet es im Alltag durch Jesu Sieg zu tanzen?
I’m clean
Your love has overcome
And Your mercy is supreme
I'm dancing in Your victory
Oh hallelujah
Das klingt zunächst groß und spektakulär – fast wie eine Bühne,
auf der wir der Welt zeigen, wie siegreich und anders wir sind.
Nur Jesus macht uns einen Strich durch die Rechnung:
Jesus sagt: „Komm runter von der Bühne!“
Jesu Sieg nimmt uns die Bühne, auf der wir uns immer wieder beweisen müssen/wollen.
Die Echtheit deines Lebens mit Gott zeigt sich dort, wo keiner applaudiert.
Daher habe ich einen Abschnitt aus der Bergpredigt ausgewählt.
Darin zeigt Jesus, wie Menschen leben, die Gott ihren Vater nennen:
nicht nach der Logik dieser Welt, sondern nach der Logik des Himmels.
Wir lesen Matthäus 6,1–8 und 16–18:
1 »Hütet euch, eure Frömmigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen! Sonst habt ihr von eurem Vater im Himmel keinen Lohn mehr zu erwarten.«
2 »Wenn du zum Beispiel den Armen etwas gibst, lass es nicht vor dir her mit Posaunen ankündigen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten geehrt zu werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten.
3 Wenn du den Armen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.
4 Was du gibst, soll verborgen bleiben. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen.«
5 »Und wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler, die sich zum Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken stellen, um von den Leuten gesehen zu werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten.
6 Wenn du betest, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der ´auch` im Verborgenen ´gegenwärtig` ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.
7 Beim Beten sollt ihr nicht leere Worte aneinander reihen wie die Heiden, ´die Gott nicht kennen`. Sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet.
[…]
16 »Wenn ihr fastet, setzt keine Leidensmiene auf wie die Heuchler. Sie vernachlässigen ihr Aussehen, damit die Leute ihnen ansehen, dass sie fasten. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten.
17 Wenn du fastest, pflege dein Haar und wasche dir das Gesicht ´wie sonst auch`,
18 damit die Leute dir nicht ansehen, dass du fastest; nur dein Vater, der ´auch` im Verborgenen ´gegenwärtig` ist, ´soll es wissen`. Dann wird dein Vater, der ins Verborgene sieht, dich belohnen.«
Ich möchte mit euch in drei Schritten durch diesen Text gehen:
Erstens: Sei Licht – aber stell dich nicht ins Rampenlicht.
Zweitens: Komm runter von der Bühne – dein Vater sieht dich.
Und drittens: Bete wie ein Kind.
Schauen wir uns zuerst an, wovor Jesus seine Jünger eigentlich warnt.
1. Sei Licht – aber stell dich nicht ins Rampenlicht
1. Sei Licht – aber stell dich nicht ins Rampenlicht
Jesus nimmt in diesem Abschnitt drei normale Ausdrucksformen jüdischer Frömmigkeit in den Blick:
den Armen Geld oder Besitz geben, beten und fasten.
Das sind gute Dinge.
Jesus setzt sogar voraus, dass seine Jünger sie tun.
Aber jedes Mal warnt er vor derselben Gefahr:
Eine gute und fromme Handlung kann zur Bühne werden, auf der wir gesehen und bewundert werden wollen.
Darum wiederholt Jesus bei allen drei Beispielen denselben Gedanken:
Was du gibst, soll verborgen bleiben.
Wenn du betest, (dann verbirg dich) geh in dein Zimmer und schließ die Tür.
Wenn du fastest, lass es dir nicht ansehen.
Denn dein Vater ist im Verborgenen gegenwärtig, sieht ins Verborgene und wird dich belohnen.
Wer für den Applaus der Menschen lebt, bekommt seinen Lohn sofort:
Anerkennung und Bewunderung und das gute Gefühl von anderen gesehen zu werden.
Aber damit ist dieser „Lohn“ auch schon aufgebraucht.
Wer dagegen im Verborgenen handelt, überlässt den Lohn dem Vater und verzichtet auf den schnellen Lohn der anderen Menschen. (instant gratification)
Er vertraut darauf: Mein Vater sieht, was Menschen übersehen, und wird es mir eines Tages selbst vergelten.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
Was tue ich?
Sondern:
Tue ich das einzig allein, weil ich durch Jesus „gewaschen“
und „as good as new“ gemacht wurde
und Kind Gottes heißen darf
und mir schon alles Geschenkt wurde
und ich mir nichts zu verdienen brauche
– oder tue ich es vor allem, damit andere oder ich mich selbst bewundern kann?
Ich erinnere mich an eine Situation, als ich ungefähr 14 Jahre alt war.
In Mühlacker begegnete mir eine Frau im Rollstuhl, die Hilfe brauchte.
Ich dachte: Komm, ich packe mit an!
Und schob sie ungefähr hundert Meter weiter.
Während ich danach nach Hause lief, dachte ich:
„Wow Simon! Hab ich mich heute selbst verleugnet! Mein Kreuz auf mich genommen! Wirklich stark von dir! Sehr christlich!“
Ziemlich stolz erzählte ich meiner Familie sofort, was für eine gute Tat ich gerade vollbracht hatte.
Mein Vater sagte:
„Super gemacht. Aber beim nächsten Mal erzählst du es niemandem.“
Mein Vater hatte genau gemerkt, was in meinem Herzen passiert war.
Aus der guten Tat war innerhalb weniger Minuten eine kleine Trophäe geworden.
Vielleicht meint Jesus genau das, wenn er sagt:
„Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“
Bereite dir selbst keine Bühne: Auch nicht auf Instagram!
Tu das Gute. Aber trag es anschließend nicht wie einen Pokal vor dir her – weder vor anderen noch vor dir selbst.
Und genau deshalb ist der Übergang von Matthäus 5 zu Matthäus 6 so spannend.
Die Bergpredigt beginnt bereits ein Kapitel vorher.
In Matthäus 5,16 sagt Jesus:
„Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Und direkt danach lesen wir in Matthäus 6,1:
„Hütet euch, eure Frömmigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen!“
Das wirkt zunächst widersprüchlich. Sollen die Menschen unsere guten Werke nun sehen oder nicht?
Der Unterschied liegt im Ziel:
- In Matthäus 5 sehen Menschen das Gute und loben den Vater.
(Stell dein Licht nicht unter einen Eimer; Lass es Leuchten. Und Menschen werden Gott preisen!)
- In Matthäus 6 sehen Menschen das Gute und loben uns:
„Wow, was für ein beeindruckendes Gebet!“
„Wow, ist der großzügig!“
„Wow, ist die diszipliniert und gläubig!“
Jesus sagt nicht:
„Versteckt euren Glauben. Niemand darf sehen, wie ihr lebt.“
Er sagt:
„Seid keine christlichen Schauspieler. Macht euer Leben mit Gott nicht zur Bühne, auf der ihr nach Applaus sucht.
bereite dir selbst keine Bühne!“
Auch von Jesu Guten Taten ist uns ganz viel berichtet. Aber es ist kein Zufall, dass das Vier Andere verschriftlicht haben
und Jesus keine Autobiographie über seine tollen Taten geschrieben hat.
Also ja:
Liebt eure Feinde,
vergebt,
helft Menschen in Not,
betet und lebt euren Glauben.
Ein solches Leben wird auffallen, weil es anders ist als das, was in unserer Welt normalerweise als vernünftig gilt.
Manche werden euch dafür auslachen.
Andere werden tatsächlich euren Vater im Himmel preisen.
Aber macht eure Nachfolge nicht zur Bühne der Selbstdarstellung.
Jesus macht euch zum Licht der Welt – aber nicht zu Stars im Rampenlicht.
2. Komm runter von der Bühne – dein Vater sieht dich
2. Komm runter von der Bühne – dein Vater sieht dich
- Aber warum wollen wir überhaupt auf diese Bühne?
- Warum sehnen wir uns so sehr danach, gesehen, anerkannt und bewundert zu werden?
Wir wollen, dass jemand zu uns sagt:
„Das hast du gut gemacht.“
„Du bist wichtig.“
„Ich bin stolz auf dich.“
Und ich glaube, Jesus weiß, dass sich jedes Herz in diesem Raum nach solchen Worten sehnt.
Jesus sagt nicht:
„Dieser Wunsch, gesehen zu werden, ist falsch. Hör einfach auf damit!“
Er sagt:
„Du musst nicht mehr um den Blick der Menschen kämpfen. Denn du wirst bereits gesehen.“
Und zwar nicht von irgendwem.
Jesus erinnert seine Jünger daran, dass der allmächtige Gott ihr Vater ist.
Sie müssen Gott nicht mit „Eure Majestät“, „mein Auftraggeber“ oder „hochverehrter allmächtiger Gott“ ansprechen.
Immer wieder spricht Jesus in diesem Abschnitt vom Vater:
„Euer Vater im Himmel.“
„Bete zu Deinem Vater, der ins Verborgene sieht.“
„Euer Vater weiß, was ihr braucht.“
Jesus erinnert seine Jünger: Ihr habt einen Vater. Und das verändert alles.
Denn der Blick des Vaters ist etwas anderes als der Blick eines Publikums.
Ein Publikum sieht deine Leistung und entscheidet: Daumen hoch oder Daumen runter.
Es applaudiert heute und interessiert sich morgen vielleicht schon für jemand anderen.
Aber dein Vater kennt dich.
Er sieht das Gebet, das niemand hört.
Er sieht die Hilfe, für die sich niemand bedankt.
Er sieht deinen verborgenen Kampf, deine Angst und deine Sehnsucht nach Anerkennung.
Wenn Jesus sagt: „Dein Vater sieht ins Verborgene“, ist das deshalb keine Drohung:
- Nach dem Motto: „Pass auf, Gott beobachtet dich!“ . “Pass auf, kleines Auge, was du siehst”
Es ist eine Zusage:
Ja gerade im Unspektakulären,
dort, wo es sich nicht besonders heilig oder geistlich anfühlt,
bin ich gegenwärtig.
Ich sehe dich, ich höre dich und ich weiß, was du brauchst – auch wenn du nichts davon spürst.
Aber warum gilt das auch für dich?
Nicht weil du besonders gut betest, regelmäßig fastest oder geistlich überzeugend wirkst.
Es gilt für dich, weil Jesus dich durch sein Blut reingewaschen und zu Gott gebracht hat.
Ganz ohne dein Zutun.
Unser Fehler ist oft, dass wir Beten, Fasten, Geben und andere gute Taten wie eine Bewerbung behandeln:
· „Vielleicht beeindrucke ich Gott genug.“
· „Vielleicht sieht er, dass ich es ernst meine.“
· „Vielleicht gehöre ich dann wirklich dazu.“
Aber Gott veranstaltet kein Job-Casting, bei dem sich am Ende die geistlich Besten durchsetzen.
Paulus schreibt in Römer 8:
„Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wieder fürchten müsstet; sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“
Paulus stellt hier zwei völlig unterschiedliche Arten gegenüber, vor Gott zu leben.
Ein Knecht fragt:
· „War meine Leistung gut genug?“
· „Muss ich Angst haben, meinen Platz zu verlieren?“
Ein Kind darf rufen:
· „Abba! Vater!“ Kind ist Kind. Ob es gehorcht oder nicht!
Ich musste dabei an eine Geschichte aus meiner Kindheit denken:
Mein Vater hatte einen nagelneuen BMW.
Ich wollte einfach mal eine Qualitätskontrolle an diesem Auto durchführen.
Ich würde mal sagen: „durchgefallen“
Ich hing mich an den hinteren Scheibenwischer und er brach ab.
Völlig betröppelt klingelte ich an der Haustür.
Mein Vater öffnete, und meine erste Frage war:
„Papa, bin ich jetzt noch dein Sohn?“
Der Scheibenwischer war kaputt. Mein Vater war sicher nicht begeistert. Aber er antwortete: „Natürlich bist du noch mein Sohn!“
Ein Kind gehört nicht zur Familie, weil es sich jeden Tag neu als gut genug beweist.
Es gehört dazu, weil es in die Familie geboren wurde!
Durch Jesus darfst du dem heiligen und allmächtigen Gott so nahekommen wie ein Kind seinem Vater.
Du musst nach deinem Versagen nicht vor der Tür stehen und fragen:
„Bin ich jetzt noch dein Kind?“
Du darfst mit den “abgebrochenen Scheibenwischern deines Lebens” in der Hand rufen:
„Abba! Vater!“
Und genau das heißt, in Jesu Sieg zu “tanzen”:
- Du tanzt nicht, damit Gott dich bemerkt, sondern weil er dich bereits sieht.
- Du tanzt nicht, um dir einen Platz bei ihm zu verdienen, sondern weil Jesus dir einen Platz beim Vater geschenkt hat.
- Du tanzt nicht für den Applaus der Menschen, sondern aus dem Ja des Vaters heraus.
Darum beten wir nicht, damit Gott unser Vater wird. (wie läufts in deiner Beziehunug mit Gott? Kind ist Kind, egal wie die Tagesperformanz war!)
Wir geben nicht, damit Gott uns liebt.
Wir fasten nicht, damit Gott von uns beeindruckt ist.
Wir tun diese Dinge als Kinder, die bereits angenommen sind.
3. Bete wie ein Kind
3. Bete wie ein Kind
Und nirgendwo wird diese Freiheit der Kinder Gottes so praktisch wie im Gebet.
Wenn ich mit Gott wie mit einem strengen Auftraggeber rede, muss ich die richtigen Worte finden und möglichst überzeugend auftreten.
—> Wie ein Staubsaugerverkäufer, der von Tür zu Tür geht und seine Ware an den Mann bringen will
Wenn ich aber als Kind zu meinem Vater komme, darf ich ehrlich und einfach reden.
Einige Leute sagen mir:
- „Ich habe keine Zeit zu beten.“
- „Ich schaffe keine Stille Zeit.“
- „Morgens kann ich mich nicht konzentrieren.“
Und da frage ich mich manchmal:
Was stellt ihr euch eigentlich unter Beten vor?
Jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen, eine Kerze anzünden,
vier Stunden völlig konzentriert beten und am Ende noch eine geistgewirkte Gänsehaut bekommen?
Vielleicht ist nicht eure fehlende Zeit das eigentliche Problem.
Vielleicht habt ihr euch ein Bild vom Gebet gebaut, das Jesus euch nie gegeben hat.
Vielleicht denkt ihr immer noch wie Knechte:
- „Ich muss Gott eine gute Gebetsleistung präsentieren.“
- „Ich brauche die richtigen Worte, um ihn zu überreden.“
- „Und es muss sich geistlich anfühlen.“
Aber Jesus sagt:
„Beim Beten sollt ihr nicht leere Worte aneinanderreihen. Euer Vater weiß, was ihr braucht, schon bevor ihr ihn darum bittet.“
Ihr müsst Gott nicht so lange vollreden, bis er endlich nachgibt.
Oder ganz kurz gesagt: „Labert Gott nicht voll!“
Stellt euch ein vierjähriges Kind vor, das Hunger hat.
Statt einfach zu sagen:
„Papa, ich habe Hunger. Kann ich ein Brot haben?“
stellt es sich kerzengerade hin und sagt:
„Sehr geehrter Herr Papa, ich bitte Sie höflichst und mit größter Hochachtung,
mir möglicherweise eine Scheibe des Brotes von vorgestern zu reichen.
Selbstverständlich begehre ich kein frisches Brot,
denn ich möchte Ihnen nicht unnötig zur Last fallen.
Auch für Sie könnte meine Bitte von Vorteil sein:
Wenn ich satt bin, werde ich vermutlich weniger schnell schlechte Laune bekommen.
Wir würden also beide davon profitieren. Amen!“
Das wäre völlig absurd.
Das Kind redet mit seinem Vater, als müsste es einem fremden Herrn eine Geschäftsidee verkaufen.
Ein Kind muss seinen Vater nicht erst davon überzeugen, dass Hunger ein berechtigtes Bedürfnis ist. Es darf einfach sagen:
„Papa, ich habe Hunger.“
Und genau das meint Jesus:
Euer Vater weiß, was ihr braucht, schon bevor ihr ihn bittet.
Du musst Gott nicht mit vielen Worten beeindrucken.
Du musst deine Bitte nicht klug verkaufen.
Du darfst als Kind ehrlich sagen, was du brauchst.
Jesus erzählt einmal von zwei Männern, die zum Beten in den Tempel gehen.
Der eine ist ein Pharisäer. Er betet:
„Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die anderen Menschen, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines Einkommens.“
Er tut genau die Dinge aus unserem Bibeltext: Er betet, fastet und gibt.
Doch sein Gebet besteht fast nur aus:
„Ich. Ich. Ich.“
Er präsentiert Gott seine geistliche Bilanz und bewundert sich dabei selbst.
Der andere Mann ist ein Zöllner. Er traut sich nicht einmal ganz in den Tempel und sagt nur:
„Gott, sei mir Sünder gnädig.“
Keine beeindruckende Rede. Keine Liste seiner Leistungen. Nur eine ehrliche Bitte.
Und Jesus sagt: Dieser Mann ging gerechtfertigt nach Hause.
Der eine will sich vor Gott beweisen mit vielen frommen Worten.
Der andere kommt mit leeren Händen und bittet um Gnade.
Welcher der beiden willst du sein?
Vielleicht ist dein Problem also gar nicht, dass du nicht beten kannst.
Vielleicht versuchst du nur, ein gutes Gebet abzuliefern, anstatt ehrlich mit deinem Vater zu reden.
Wenn du Angst hast, sag:
„Vater, ich habe Angst.“
Wenn du schuldig geworden bist, sag:
„Vater, sei mir Sünder gnädig.“
Wenn du nicht weiterweißt, sag:
„Vater, hilf mir.“
Und wenn dir überhaupt keine Worte einfallen, dann bete das Gebet, das Jesus seinen Jüngern gibt:
„Vater unser im Himmel …“
Beten heißt nicht, Gott oder Menschen zu beeindrucken.
Beten heißt: Als Kind mit leeren Händen zum Vater kommen.
Darum möchte ich dich fragen:
Hast du einen verborgenen Ort, an dem du mit deinem Vater redest – im Bewusstsein: Er ist hier, er sieht mich und weiß, was ich brauche?
Hör diese Frage nicht als neues frommes To-do:
„Ab morgen muss ich endlich dreißig Minuten Stille Zeit machen, damit Gott mit mir zufrieden ist.“
Nein. Quatsch.
Die Frage ist:
Lebst du aus deinem Vorrecht als Kind Gottes – oder glaubst du noch immer, du müsstest dir Gottes Aufmerksamkeit verdienen?
Darum möchte ich euch für die Los-Wochos eine Challenge geben:
Nehmt euch jeden Morgen drei Minuten.
Nicht dreißig. Drei.
Geht an einen Ort, an dem ihr allein seid, und redet ganz einfach mit eurem Vater im Himmel.
Zum Beispiel:
Atme tief durch; komm kurz zur Ruhe. Mach dir bewusst Gott ist jetzt da und bete:
„Vater, bitte schenk meiner kranken Oma Gesundheit.
Hilf mir bei den Aufgaben dieses Tages und lass mich dich darin nicht vergessen.
Hilf mir heute ein Zeuge des Evangelium zu sein für meine Klassenkameraden.
Und vergib mir meine Schuld. Amen.“
Nichtmals Drei Minuten.
Keine Bühne.
Keine beeindruckende Rede.
Nur ein Kind, das mit seinem Vater redet.
Denn du betest nicht, um Gottes Kind zu werden.
Du betest, weil Gott dich in Christus längst zu seinem Kind gemacht hat.
