Ich glaube … an Gott, den Allmächtigen
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Einleitung
Einleitung
Ich glaube an Gott … den Allmächtigen.
Wir haben ja etwa vor zwei Jahren diese Eigenschaft Gottes miteinander angeschaut. Zugegebenermassen ziemlich technisch, darum wollen wir heute einige andere Themenkreise zur Allmacht Gottes anschauen. Ich habe Euch den Text jener Predigt nochmals an das Skript von heute angehängt.
Dazu ein Zitat von Charles Hodge, presbyter. Professor (1797-1878): „Wir können sehr wenig tun. Gott kann tun, was er will. Wir müssen, abgesehen von sehr engen Grenzen, Mittel einsetzen, um unsere Ziele zu erreichen. Bei Gott sind Mittel unnötig. Er will, und es wird getan. Er sagte: Es werde Licht, und es wurde Licht. Er schuf durch seinen Willen den Himmel und die Erde. Auf den Willen Christi hin hörten die Winde auf, und es entstand eine große Stille. Durch einen Willensakt heilte er die Kranken, öffnete die Augen der Blinden und richtete die Toten auf. Diese einfache Vorstellung von der Allmacht Gottes, dass er ohne Anstrengung und durch einen Willen alles tun kann, was er will, ist die höchste denkbare Vorstellung von Macht und wird in der Heiligen Schrift deutlich dargestellt.“
Hodge formulierte hier die biblische Sicht auf Gottes Allmacht. Dabei spricht er quasi ein Denkfehler an, der uns Menschen oft passiert: Wir schliessen von uns auf Gott. Wenn wir an sehr mächtige Menschen denken, denken wir auch an Korruption, dann wird uns auch Gott suspekt. Wir fangen an zu hinterfragen. Dieses Fragen führt uns zu einer Frage, die nicht abschliessend beantwortet werden kann. Selbst die cleversten Theologen können das nicht. Wir kommen später darauf zurück. Es handelt sich um die sogenannte Theodizee.
Wenn wir sagen, Gott ist allmächtig, sagen wir gleichzeitig, dass niemand sonst mächtig ist. Zur Zeit des AT wurde das so verstanden, dass all die anderen Götter der anderen Völker keine Macht hatten. Er wirkt nicht, indem er seinen Willen mit Waffengewalt durchsetzt, sondern souverän durch sein schöpferisches Wort (Ps 33,9). Heute glauben wir, dass es keine anderen Götter gibt (vrgl 1.Tim 6,15). Heute verstehen wir die Allmacht so, wie es Hodge beschrieb: Gott will, und es wird, und niemand kann etwas dagegen tun.
Und doch erscheint in der Bibel diese Allmacht oft gebrochen. Otto Rodenberg (1920-1996) spricht von “Gottes Verlegenheiten”. Die Schrift vergleicht dabei Gott mit einem Bauern, dem sein Vieh wegläuft,mit einem Herrn, der der Kritik seiner Diener ausgeliefert ist, mit einem Mann, der von seiner Frau betrogen wird (Jes 1,3; 5,3; Hos 3,1). Auf seine ganz eigene Art bleibt Gott in all diesen »Verlegenheiten« dennoch der Herr.
Was macht das mit unserem Glauben? Und warum bekennen wir dies so speziell im Glaubensbekenntnis?
Gottvertrauen
Gottvertrauen
Da steht die Allmacht gleich neben dem Vater - wir glauben an den allmächtigen Gott und Vater. In der Bibel finden wir dieses Wort - Allmacht - nicht oft, und dann auch eher so nebensächlich. Diese Diskussionen um Gottes Allmacht, die immer wieder aufkommen und gross erscheinen, es ginge ja um Glauben oder Nichtglauben, findet in der Bibel keinen Widerhall. Was wir aber finden, sind von alters her Geschichten über die grossen Taten Gottes (vrgl Apg 2,11; Ps 106,2). Sie berichten über Schöpfung, um Befreiung, um Erlösung und um einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Solange wir diese Macht Gottes als eine menschliche Macht, ins Unendliche übersteigend, verstehen, kommen wir jedoch nicht hinter dieses Geheimnis. Psalm 89,9 „O Herr, Gott der Heerscharen, wer ist mächtig wie du, Herr? Und deine Treue ist um dich her!“ Es ist eine Macht der Treue, also des Wohlwollens. Sie wird nicht mit Waffengewalt durchgesetzt, sondern, wie heisst es so schön in Psalm 8,3 „Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du ein Lob bereitet um deiner Bedränger willen, um den Feind und den Rachgierigen zum Schweigen zu bringen.“
Hier finden wir diese Nähe zwischen Allmacht und Vater. Im NT geht es nämlich genauso weiter. Bei Jesu Verhaftung im Garten sagt unser Herr zu Petrus, er solle sein Schwert stecken lassen, Matthäus 26,53 „Oder meinst du, ich könnte nicht jetzt meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken?“ Gottes Macht wird nicht bezweifelt, doch wo er es für nötig befindet, muss er sie auch nicht gebrauchen. Er hält sich zurück. Paulus, der ja vor Gewalttaten nicht zurückschreckte, berichtete später 2. Korinther 12,9 „…denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen…“. Gottes Allmacht wird umso mehr tragend, je mehr der Mensch schwach wird - im Leid, im Schmerz, in der Unvollkommenheit.
Das genau unterscheidet Gott von jedem Tyrannen. Wo der Tyrann sich an keine Versprechen gebunden fühlt, kann Gott seine Macht nicht im Widerspruch zu seinem Wesen gebrauchen. Daher kann ich dem Tyrannen nicht vertrauen, Gott aber schon, weil er sich an das hält, was sein Wesen ist und was er in seinem Wort versprochen hat. Gott ist treu. Ihm kann ich vertrauen.
Theodizee
Theodizee
Wenn Gott nun kein Tyrann ist, sondern ein treuer Vater, dann ändert sich der Blick auf das Thema der immerwährenden Theodizee-Diskussionen: Das Leid, bzw. wie kann dieser liebender, allmächtiger Vater, der doch kein Tyrann ist, das Leid in meinem Leben, im Leben der Geschwister, oder in der ganzen Welt zulassen? In seiner Allmacht könnte er doch alles Leid wegnehmen, auflösen? Was ist mit jenen Schwerkranken, für die wir beten? Was ist mit den Erdbebenopfer und ihren Hinterbliebenen in Venezuela? Was ist mit den vielen, auf verschiedenste Arten missbrauchten Menschen in der Welt, in unserer Stadt? Oder warum liess er sein auserwähltes Volk vor rund achtzig Jahren durch die Hölle gehen?
Ihr kennt die Schlussfolgerungen dazu: Da er dieses vielfache Leid in der Welt nicht verhindert oder beseitigt, ist er entweder nicht allmächtig, oder er ist nicht willens, was ihn aber zu einem missgünstigen Herr macht (Gedankengang frei nach Epikur, griech. Philosoph, 341-271 BC). Bei vielen Menschen entscheidet sich an dieser Frage auch Glaube oder Unglaube.
Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) fasste diesen Gedankengang unter dem Wort Theodizee zusammen. Dieser Begriff bedeutet wörtlich “Rechtfertigung Gottes”. Gemeint ist aber, wie sich angesichts dieser Fragen der Glaube an Gott rechtfertigen lässt. Leibniz lieferte auch gleich die Antwort: Was wir als Problem oder Widerspruch empfinden, erklärt sich aus dem Unterschied zwischen Gott und Mensch. Gott ist vollkommen, der Mensch unvollkommen. Gott ist unendlich, der Mensch endlich. Gott hat die Übersicht, der Mensch eine Teilsicht. In seiner Sicht macht Leid einen Sinn, wir können das nur nicht immer erkennen. Zudem noch ein anderer Gedanke: Wer sind wir Menschen, dass wir meinen, Gott müsse sich uns erklären oder sogar rechtfertigen!
Und hier kommt das Gottvertrauen zum Zug. Kannst Du trotz all dem Unerkennbaren doch Gott vertrauen, dass er alles zum guten Ende führt? Und genau das bekennen wir im Glaubensbekenntnis.
Denken wir an die Märtyrer, die für ihren Glauben, für dieses Vertrauen in Gott, oft unter Qualen gestorben sind. Kennt Ihr nicht auch Geschwister, die in übler Krankheit oder im Sterben ein leuchtendes Zeugnis für den Glauben sind? Ich schon. Dazu noch eine Anekdote. Vom Preussenkönig Friedrich dem Grossen wird berichtet, dass er einen seiner Generäle gebeten habe, ihm wenigstens einen Gottesbeweis zu nennen. Die Antwort: „Majestät, die Juden.“
Wie zu Anfang gesagt, diese Fragestellung lässt sich nicht abschliessend beantworten. Diese Spannung müssen wir aushalten lernen. Denn wo bliebe die Hoffnung, wenn es Gott nicht gäbe, der gemäss Zeugnis der Schrift spätestens am Ende der Welt alles zum Guten wendet? Wer gerne lernen will, wie man den Glauben bewahrt trotz allem Leid, das es geben kann, findet ein Vorbild in Hiob. In der ganzen Bibel finden wir diesen Wiederspruch, diese Fragestellung nicht (darum auch keine Bibelstellen in diesem Abschnitt). Was wir finden, ist der Ruf des leidenden Menschen aus seiner Situation zu Gott. Das ist ein Zeugnis, das wir uns zu Herzen nehmen sollen.
Abgrenzung (Apologetik)
Abgrenzung (Apologetik)
Wir haben nun einen Grund entdeckt, warum diese Worte im Glaubensbekenntnis stehn. Es gibt aber noch einen anderen.
Wir haben gelernt, dass Bekenntnisse zwei Dinge tun, etwas weiches und etwas hartes (oder positiv und negativ): Einerseits wird bekennt, was geglaubt wird, das ist die weiche Seite. Andererseits wird bekennt, was eben anders geglaubt wird, als die Welt drumeherum glaubt, die harte Seite, die Abgrenzung.
Dieses Bekenntnis zur Allmacht Gottes, spricht gegen drei Strömungen dazumals.
Erstens gegen einen Polytheismus. Der Glaube an viele verschiedene Götter, deren Macht jeweils begrenzt, regional oder auf bestimmte Lebensbereiche aufgeteilt ist. Das Attribut „allmächtig“ stellt klar, dass es keinen anderen Gott neben ihm gibt und seine Macht absolut sowie universell (auf der ganzen Welt für alle Menschen) ist. Es gibt Strömungen, die Gott jeweils durch eine kulturelle Brille sehen, und der Glaube durch die Kultur einer Menschengruppe verfälscht wird. Kolosser 3,11 „…wo nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, noch Barbar, Skythe, Knecht, Freier – sondern alles und in allen Christus.“ Selbst ganz unterschiedliche Menschen und Kulturen sind im Glauben und in Christus vereint. Die Kulturen ordnen sich unter. Oder Römer 12,2 „Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“ Gott und sein Wille stehen über allem.
Zweitens gegen Fatalismus und Naturglaube. In der antiken Umwelt glaubten viele Menschen an ein blindes Schicksal oder die unumschränkte Herrschaft der Gestirne und Planeten über das menschliche Leben. Die Allmacht Gottes drückt aus, dass keine Schicksalsmacht, kein Stern und keine irdische Instanz höher steht als Gott. Der Glaube an das Schicksal finden wir heute oft bei Atheisten oder Agnostikern, die an eine unbekannte, höhere Macht glauben. Sprüche 16,9 „Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus, aber der Herr lenkt seine Schritte.“ Es gibt kein blindes Schicksal. Gott hat alles in der Hand.
Drittens gegen den Gnostizismus bzw. Dualismus. Diese Abgrenzung ist wahrscheinlich die Wichtigste. Dabei handelt es sich um eine Zwei-Götter-Vorstellung, beide mit beschränkter Macht und Wirkung. Wir gehen darauf bei der nächsten Predigt genauer ein. Gnostik heisst auf deutsch Erkenntnis. Gnostiker haschen einer höheren Erkenntnis oder Erleuchtung nach. Und wisst ihr was? Paulus hat dies gegenüber Timotheus angesprochen. 1. Timotheus 6,20f „O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten »Erkenntnis«! Zu dieser haben sich etliche bekannt und haben darüber das Glaubensziel verfehlt….“ Anscheinend war diese Bewegung sehr gefährlich und die Christen anfällig für ihre Lehre. Das ist heute noch so. Ein grosser Teil der Lehre in der sogenannten “Emerging Church” und dem dahinter liegenden progessiven Christentums gründet darauf. Ein paar Namen: Brian Mclaren, Rob Bell, Richard Rohr, Tony Jones, Bart Campolo… Das progressive Christentum verneint einen allmächtigen Gott, aber auch die Erlösung durch Christus am Kreuz. Es predigt eine Allversöhnung.
Schlusswort
Schlusswort
Wir haben entdeckt, dass Gottes Allmacht in der Bibel gar kein so grosses Thema für sich ist. Kommt sie dennoch mal vor, dann eher im selbstverständlichen Sinn. So segnet etwa Isaak den Jakob mit den Worten Genesis 28,3 „Und Gott, der Allmächtige, segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich,…“ Danach musste Jakob fliehen. Jesus sendete seine Jünger in eine bedrohliche Zukunft mit der Zusage, dass Lukas 21,18 „Doch kein Haar von eurem Haupt wird verlorengehen.“ Das ist ein Bild dafür, dass Gottes Allmacht soweit reicht, dass sie auch jedes noch so kleine Detail berührt. Die Allmacht Gottes kommt im Wort also immer dort vor, wo es Menschen gibt, die in Sorge, Anfechtung, Bedrängnis oder Angst befinden. Sie brauchen Trost. Und das ist genau das, was die Christen über Jahrhunderte erfahren haben: Trost im Leben, denn Gott ist allmächtig und hat das letzte Wort. Das Böse wird eines Tages besiegt, und Offenbarung 21,4 „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein…“ Er ist treu und unser Vater. Unser allmächtiger Vater. Amen
