Christus, unsere Gerechtigkeit

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PREDIGT · CHRISTUS IM ZENTRUM (3/10)
Christus, unsere Gerechtigkeit
Bekleidet mit seiner Gerechtigkeit
Predigttext: Römer 3,21-26  ·  Schlachter 2000

Einleitung

Stell dir vor, du müsstest bei einem Gericht erscheinen, und der Richter selbst würde für dich eintreten, deine Schuld tragen und dir seinen eigenen makellosen Namen geben. Genau das ist die Botschaft, um die es heute geht – die vielleicht wichtigste Frage, die ein Mensch sich stellen kann: Wie kann ich vor Gott bestehen?
Von Anfang an hat der Mensch versucht, diese Frage mit eigenen Mitteln zu lösen. Adam und Eva nähten sich Feigenblätter zusammen. Israel brachte Opfer, hielt Gesetze, baute Tempel. Und doch bleibt die ehrliche Erfahrung jedes Menschen dieselbe wie die des Paulus: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Römer 7,24). Unsere eigene Gerechtigkeit reicht nicht aus – sie ist, wie Jesaja sagt, „wie ein beflecktes Kleid“ (Jesaja 64,5).
Der Römerbrief antwortet mit einer der befreiendsten Aussagen der ganzen Bibel:
Römer 3,21-24 (Schlachter 2000):  21 Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, 22 nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle kommt, die glauben. Denn es ist kein Unterschied; 23 denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, 24 sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.

I. Das Problem: Keiner ist gerecht

Bevor Paulus von der Lösung spricht, benennt er schonungslos das Problem: „Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten“ (Vers 23). Das griechische Wort für „sündigen“ bedeutet wörtlich „das Ziel verfehlen“. Es geht nicht nur um einzelne Fehltritte, sondern um eine grundlegende Verfehlung: Wir alle sind hinter dem zurückgeblieben, wofür Gott uns geschaffen hat.
Das ist keine angenehme Diagnose, aber sie ist notwendig. Erst wenn wir verstehen, dass wir keine eigene Gerechtigkeit vorzuweisen haben, wird die Antwort des Evangeliums zu dem, was sie wirklich ist: eine überwältigende, unverdiente Gabe.

II. Die Lösung: Ein Tausch, den nur Christus vollziehen konnte

Paulus nennt es „die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus“ (Vers 22). Das ist keine Gerechtigkeit, die wir erarbeiten, sondern eine, die uns geschenkt wird – weil Christus an unserer Stelle den Tausch vollzogen hat.
2. Korinther 5,21 (Schlachter 2000):  Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Am Kreuz geschah ein doppelter Tausch: Christus nahm unsere Sünde auf sich, die er nicht hatte, und wir empfangen seine Gerechtigkeit, die wir nicht haben. Das ist die eigentliche Bedeutung des Wortes „Rechtfertigung“ – nicht, dass wir plötzlich sündlos wären, sondern dass Gott uns ansieht und behandelt, als hätten wir Christi vollkommenes Leben gelebt.
„Christus wurde so behandelt, wie wir es verdient haben. Damit wollte er erreichen, dass uns die Behandlung zuteil würde, die eigentlich ihm zukam. Er wurde um unserer Sünde willen, an der er keinen Teil hatte, verdammt, damit wir durch seine Gerechtigkeit, an der wir keinen Teil haben, gerechtfertigt würden.“
— Ellen G. White, Das Leben Jesu, S. 15
Diese wenigen Sätze fassen das ganze Evangelium zusammen. Es ist kein Handel, den wir mit Gott aushandeln, sondern eine Gabe, die er uns aus Liebe bereitet hat, lange bevor wir sie verdienen konnten.

III. Der Name, der es schon immer verhieß

Diese Wahrheit ist keine neue Erfindung des Neuen Testaments. Schon Jeremia kündigte den Messias mit einem bemerkenswerten Namen an:
Jeremia 23,6 (Schlachter 2000):  In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, und Israel wird sicher wohnen. Und dies ist sein Name, den man ihm geben wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit!
„Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“ – nicht: der Herr zeigt uns den Weg zur Gerechtigkeit, oder: der Herr hilft uns, gerecht zu werden. Er selbst ist unsere Gerechtigkeit. Das ist der Kern der biblischen Botschaft von Anfang bis Ende: Rettung ist nicht etwas, das wir erreichen, sondern jemand, den wir empfangen.

IV. Was das für dich bedeutet

Vielleicht kennst du das Gefühl, nie genug zu sein – nie treu genug, nie diszipliniert genug, nie heilig genug. Diese Gedanken sind eine der ältesten Waffen des Feindes gegen den Glauben: Er will, dass wir unsere Beziehung zu Gott auf unsere eigene Leistung gründen, denn dann werden wir entweder hochmütig oder verzweifelt.
Das Evangelium durchbricht diesen Kreislauf. Deine Stellung vor Gott hängt nicht davon ab, wie gut dein gestriger Tag war, sondern davon, wer Christus für dich ist. Wenn du an ihn glaubst, sieht Gott dich nicht durch das Raster deiner Fehler, sondern bekleidet mit der Gerechtigkeit seines Sohnes.
Das bedeutet nicht, dass ein heiliges Leben unwichtig wäre – im Gegenteil: Wo diese Gnade wirklich verstanden wird, folgt ihr die Liebe zu Gottes Gesetz von selbst, nicht aus Zwang, sondern aus Dankbarkeit. Aber die Reihenfolge ist entscheidend: Erst die Gerechtigkeit, die wir empfangen – dann das Leben, das aus ihr wächst.

Schluss

Du musst dir deine Gerechtigkeit vor Gott nicht erarbeiten – du kannst sie nicht erarbeiten. Aber du darfst sie annehmen. Christus, dein Hoherpriester, steht bereit, dir das zu geben, was er dir bereits am Kreuz erworben hat: seinen eigenen, makellosen Namen – „Der Herr ist unsere Gerechtigkeit“.
Glaubst du das für dich? Dann bist du heute, in diesem Moment, vor Gott gerecht – nicht weil du es geschafft hast, sondern weil Christus es für dich vollbracht hat.
Amen.
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