Tiefe & Weite

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1. Letzte Woche ging es um die Ernte. Und jetzt?

Letzten Sonntag haben wir uns Matthäus 9 angeschaut.
Jesus sieht die Menschen.
Er sieht ihre Not.
Er hat Erbarmen mit ihnen.
Und dann sagt er: „Die Ernte ist groß, aber es gibt wenige Arbeiter.“
Und wir haben uns gefragt:
Warum sollten wir uns eigentlich einbringen?
Nicht einfach, weil wir ein gutes Programm brauchen.
Nicht einfach, weil sonst jemand fehlt.
Sondern weil Jesus Menschen sieht.
Und wir dürfen dabei helfen, dass Menschen Jesus kennenlernen.
Heute möchte ich gern einen Schritt weitergehen.
Denn irgendwann kommt die Frage:
Und was passiert dann?
Was passiert, wenn ein Mensch Jesus tatsächlich entdeckt?
Wenn jemand anfängt zu glauben?
Wenn ein Teenager sagt: „Ich will Jesus nachfolgen.“
Wenn ein Kind irgendwann versteht: „Jesus liebt mich. Ich will zu ihm gehören.“
Ist damit das Ziel erreicht?
Oder fängt da eigentlich erst etwas an?

2. „Mir ist alle Macht gegeben“

Matthäus 28,18–20 NeÜ
Da trat Jesus auf sie zu und sagte: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern. Dabei sollt ihr sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen und sie belehren, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch bis zum Ende der Zeit!“
Jesus ist auferstanden.
Seine Jünger stehen vor ihm.
Und Jesus sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.“
nicht nur ein bisschen
Teufel - Jesus - Trump
ALLE Macht
Das ist der Ausgangspunkt des Ganzen.
Jesus ist der König.
VON dem Königreich, das er selbst angekündigt hat. “Das Reich Gottes ist nahe”
Jetzt steht dieser König - Jesus vor seinen Jüngern – auferstanden.
Das Reich Gottes ist keine Idee.
Keine besondere Atmosphäre.
Keine christliche Kultur.
Keine Gemeindeordnung.
Da ist ein König & DER gibt jetzt einen Auftrag an seine Leute:
Und deshalb kommt das „Darum“: „Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker …“
Rückt unsere Perspektive gerade:
Christlicher Auftrag beginnt nicht bei uns. (Weil wir Lust haben oder auch nicht …)
Er beginnt bei Jesus.

Macht zu Jüngern!

Interessanterweise sagt Jesus nicht einfach:
„Sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen Christen werden.“ (einfach…)
Er sagt:
„Macht zu Jüngern.“
Das ist ein Unterschied.
Jesus will nicht nur Menschen, die irgendwann einmal gesagt haben:
„Ja, ich glaube an Jesus.“
Er will Menschen, die mit ihm leben lernen.
Das viel umfassender als „Bringt sie dazu, eine Entscheidung zu treffen, und dann ist das Ziel erreicht.“
Menschen sollen Jesus kennenlernen – und lernen, mit Jesus zu leben.
Das ist Jüngerschaft.

Jünger sein: was heißt das?

Doch damit betreten wir einen Spannungsbogen, der für uns als Gemeinde sehr relevant ist:
Was heißt eigentlich:
Jesus nachfolgen?
Natürlich gehört dazu:
Ich habe Jesus erkannt.
Ich glaube an ihn.
Ich nehme seine Vergebung an.
Ich erkenne an, dass IHM alle Macht gegeben ist | dass ER der König ist
(über Himmel & Erde, über Tod & Leben, über Gegenwärtiges & Zukünftiges)
Aber dann geht es weiter:
Wenn Jesus mein König ist, dann interessiert mich auch, was er von meinem Leben möchte.
Dann frage ich irgendwann (muss ich fragen):
Wie gehe ich mit Geld um?
Wie gehe ich mit Beziehungen um?
Wie rede ich über andere?
Wie vergebe ich?
Wie gehe ich mit Sexualität um?
Wie treffe ich Entscheidungen?
Wie gehe ich mit Menschen um, die anders denken?
Wie gehe ich mit meiner Zeit um?
Wie gehe ich mit meinem Beruf um?
Jesus ist nicht nur der, der mir meine Schuld vergibt.
Er ist auch der, dem ich mein Leben anvertraue.
Und deshalb ist das was Jesus sagt so wichtig:
„Lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“
Das ist die Seite von Jüngerschaft, die manchmal etwas unbequemer ist.
Denn Nachfolge bedeutet nicht nur:
Jesus liebt mich.
Sondern auch:
Jesus darf mein Leben prägen. (WEIL er König ist - und ich halt nicht)

Wo ist die Mitte?

Und genau hier wird es spannend.
Denn wenn wir ernst nehmen, dass Jesus uns lehrt, wie wir leben sollen, entsteht eine neue Frage:
Was genau hat Jesus eigentlich geboten?
Und: Wie gehen wir miteinander um, wenn Christen über einzelne Fragen unterschiedlich denken?
Denn die Bibel ist ziemlich klar:
Es gibt Dinge, bei denen wir nicht einfach sagen können:
„Ist halt Ansichtssache.“
Jesus Christus ist nicht Ansichtssache.
Sein Tod und seine Auferstehung sind nicht Ansichtssache.
Vergebung durch ihn ist nicht Ansichtssache.
Seine Auferstehung, seine Herrschaft, sein Ruf zur Nachfolge – das sind keine Nebensachen.
Das ist unsere Mitte.
Aber daneben gibt es andere Fragen, bei denen Christen aufrichtig unterschiedlicher Meinung sein können.
Und genau dieses Problem hatten die ersten Christen schon.
Das Neue Testament tut nämlich nicht so, als würde plötzlich jeder Christ überall dasselbe denken.
Römer 14,1–5 NeÜ
Nehmt den, der im Glauben schwach ist, vorbehaltlos an, und streitet nicht über seine Ansichten mit ihm! Einer glaubt zum Beispiel, er dürfe alles essen. Der Schwache jedoch ernährt sich rein vegetarisch. Wer alles isst, soll den nicht verachten, der nicht alles isst! Und wer nicht alles isst, soll den nicht verurteilen, der alles isst, denn Gott hat ihn ja angenommen. Wie kommst du denn dazu, den Diener eines anderen zur Rechenschaft zu ziehen? Ob er mit seinem Tun bestehen kann oder nicht, geht nur seinen Herrn etwas an. Und er wird bestehen, denn sein Herr ist in der Lage, dafür zu sorgen. Der eine hebt bestimmte Tage hervor, für den anderen ist jeder Tag gleich. Aber jeder soll mit voller Überzeugung zu seiner Auffassung stehen!
Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom.
Und da gibt es Christen, die bestimmte Dinge essen – und andere, die bestimmte Dinge nicht essen.
Es gibt unterschiedliche Überzeugungen.
Und Paulus sagt erstaunlicherweise nicht: „Dann muss einer von beiden jetzt endlich die richtige Meinung übernehmen.“
Er sagt: “Nehmt den, der im Glauben schwach ist, vorbehaltlos an, und streitet nicht über seine Ansichten mit ihm!” (Vers 1)
Und ein paar Verse später: “Warum verurteilst du dann deinen Bruder? Und du, warum verachtest du ihn?” (Vers 10)
Und: „Jeder soll mit voller Überzeugung zu seiner Auffassung stehen!” (Vers 5)
Das ist bemerkenswert.
Paulus hält also zwei Dinge gleichzeitig fest:
Es gibt Überzeugungen.
Du musst nicht jeden Christen verurteilen, der etwas anders sieht als du.
Warum?
Weil Jesus größer ist als unsere Fähigkeit, in allen Fragen dasselbe zu denken.

Das Gleichgewicht halten.

Vielleicht gibt es bei uns manchmal zwei Versuchungen.
Die eine lautet: „Wir müssen genau wissen, was richtig ist.“
Das ist grundsätzlich etwas Gutes.
Denn wenn Jesus mein Herr ist, dann möchte ich wissen, was er sagt.
Ich möchte die Bibel ernst nehmen.
Ich möchte mein Leben daran ausrichten.
Ich möchte nicht einfach nach dem Motto leben: „Ich mache, was sich für mich richtig anfühlt.“
Das wäre keine Nachfolge.
Aber diese gute Sehnsucht kann kippen.
Dann wird aus:
„Ich möchte Jesus gehorchen“
„Wer Jesus wirklich verstanden hat, muss es genauso sehen wie ich.“
Und plötzlich wird aus Klarheit Härte.
Die andere Versuchung ist genau andersherum:
„Hauptsache, wir lieben uns. Jeder soll seinen Weg gehen.“
Das klingt zunächst sehr schön.
Und natürlich ist Liebe zentral.
Aber wenn daraus wird: „Eigentlich ist doch alles egal“,
dann fehlt ebenfalls etwas.
Denn Jesus sagt: „Lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“
Liebe ohne Wahrheit wird beliebig.
Aber Wahrheit ohne Liebe wird hart.

Ein Beispiel an Jesus nehmen.

Und ich glaube, genau darin liegt eine wichtige Perspektive für uns.
Wir müssen nicht wählen zwischen Wahrheit und Liebe.
Jesus selbst verbindet beides.
Er sagt: „Lehrt sie alles, was ich euch geboten habe.“
Aber derselbe Jesus geht mit Menschen unglaublich geduldig um.
Er begegnet Menschen auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen.
Manche verstehen sofort etwas.
Andere brauchen Jahre.
Manche stellen die richtigen Fragen.
Andere kommen zuerst mit völlig falschen Fragen.
Manche verändern ihr Leben radikal.
Bei anderen geht es viel langsamer.
Und Jesus hat mit ihnen Geduld.
Denkt an die Jünger.
Wenn man die Evangelien liest, könnte man manchmal meinen:
Die müssen ja wirklich gar nichts verstanden haben.
Sie streiten darüber, wer der Größte ist.
Sie verstehen Jesus nicht.
Sie haben Angst.
Petrus verleugnet ihn.
Thomas zweifelt.
Und Jesus? Er sagt nicht: „Das reicht mir. Mit euch kann man nichts anfangen.“
Er bleibt bei ihnen.
Er korrigiert sie.
Er fordert sie heraus.
Er vergibt ihnen.
Und er führt sie weiter.
Das ist Jüngerschaft.

Gemeinsam Jesus nachfolgen.

Wir fragen manchmal: „Was ist richtig?“
Und diese Frage ist wichtig.
Aber vielleicht reicht sie nicht.
Eine zweite Frage muss dazukommen:
„Wie gehe ich mit jemandem um, der gerade noch nicht so weit ist wie ich?“
Das ist nämlich auch eine biblische Frage.
Paulus schreibt: „Die Erkenntnis bläht auf; die Liebe dagegen baut auf.“
Das steht in 1. Korinther 8,1
Und das ist ein heftiger Satz.
Denn Paulus sagt nicht: „Erkenntnis ist schlecht.“
Nein. Erkenntnis ist wichtig.
Aber Wissen allein kann mich sogar dazu bringen, auf andere herabzusehen.
Ich kann etwas richtig verstanden haben – und trotzdem falsch mit einem Menschen umgehen. (Jesus - Jünger - Pharisäer)
Denn stell dir einmal vor:
Ein Mensch kommt zum ersten Mal in unsere Gemeinde.
Er hat noch keine Ahnung, wie wir bestimmte Dinge sehen.
Er kennt vielleicht die Bibel kaum.
Er bringt Fragen mit.
Vielleicht sogar Überzeugungen, bei denen wir denken: „Wie kann man das denn bitte glauben?“
Was braucht dieser Mensch zuerst?
Eine vollständige Liste unserer Positionen?
Oder jemanden, der ihm hilft, Jesus kennenzulernen?
Natürlich brauchen wir irgendwann auch Lehre.
Darum sagt Jesus ja: „Lehrt sie.“
Aber die Reihenfolge ist interessant:
Geht. Macht zu Jüngern. Taucht sie. Lehrt sie.
Das ist ein Weg. (Missionar)
(Ladet ein | lehrt | tauft | dann kommt noch ein bisschen Nachfolge)
Menschen müssen nicht auf unserem geistlichen Entwicklungsstand anfangen, um mit Jesus anzufangen.

ankommen & auf dem Weg sein

Das erste Missverständnis: „Ich muss erst alles verstehen, bevor ich Jesus folgen darf.“
Nein. - Die Jünger hatten längst nicht alles verstanden, als sie Jesus nachfolgten.
Das zweite Missverstädnis: „Ich bin jetzt Christ. Jetzt muss ich nichts mehr lernen.“
Auch nein. Jesus sagt: „Lehrt sie.“
Christsein bedeutet:
Ich bin angekommen – und gleichzeitig bin ich unterwegs.
Ich gehöre zu Jesus.
Und gleichzeitig lerne ich jeden Tag mehr, wie es heißt, ihm zu folgen.

12. Vielleicht ist genau das unser Auftrag als Gemeinde

Eine Gemeinde sollte deshalb einen Ort schaffen, an dem beides möglich ist:
eine klare Mitte & eine große Weite
Gemeindevision: “Unsere Gemeinde soll uns herausfordern, in der Weite, Tiefe und Lebendigkeit des Glaubens zu wachsen.”
Eine klare Mitte bedeutet:
Wir wissen, warum wir hier sind.
Jesus Christus.
Sein Kreuz.
Seine Auferstehung.
Seine Vergebung.
Seine Herrschaft.
Die Bibel als Maßstab für unser Leben.
Der Ruf zur Nachfolge.
Das ist nicht beliebig. Darauf können wir gemeinsam stehen.
Aber auf diesem gemeinsamen Fundament dürfen Menschen unterschiedlich weit unterwegs sein.
Und das müssen wir aushalten lernen.
Nicht, weil uns alles egal ist. Sondern weil wir wissen:
Ich kann von etwas überzeugt sein, ohne den anderen dafür abzuschreiben,
wenn er zu einer anderen Erkenntnis kommt
bzw. vielleicht einfach noch nicht so weit ist, wie ich
Ich kann sagen: „Ich glaube wirklich, dass die Bibel hier etwas Bestimmtes sagt.“
Und gleichzeitig: „Ich muss nicht jeden Menschen zwingen, auf meinem Erkenntnisstand anzukommen.“
Und manchmal kann sogar passieren:
Ich liege falsch.
Auch das gehört zur Demut.
(Beispiel: Jesus & die Kinderschar)

Ich bin bei euch.

Er beendet seinen Auftrag mit: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Das finde ich wunderschön.
Denn Jesus gibt uns einen riesigen Auftrag:
Geht.
Macht Jünger.
Tauft.
Lehrt.
Aber er sagt gleichzeitig:
Ihr macht das nicht alleine. (Jesus macht das - wir dürfen helfen).
Ich bin bei euch.
Auch wenn ihr nicht alles im Griff habt.
Auch wenn ihr merkt, dass ihr selbst noch unterwegs seid.
Auch wenn ihr unterschiedliche Menschen begleiten & unterschiedliche Meinungen aushalten müsst.
Auch wenn Gemeinde manchmal anstrengend ist.
Ich. Bin. Bei. Euch.

Schluss

Vielleicht lässt sich diese ganze Predigt in einem Satz zusammenfassen:
Wir wollen Jesus treu sein – und gerade deshalb wollen wir Menschen nicht von ihm wegstoßen, die noch unterwegs sind.
Wir brauchen eine klare Mitte.
Denn ohne Wahrheit wird Glaube beliebig.
Aber wir brauchen auch Weite.
Denn ohne Liebe wird Wahrheit zu einem Hindernis.
Und vielleicht ist deshalb eine der wichtigsten Fragen für uns als Gemeinde nicht:
„Wer hat bei dieser Frage recht?“
Sondern zuerst:
„Was hilft diesem Menschen, Jesus näherzukommen?“
Und die zweite Frage:
„Was hilft mir, Jesus selbst immer ähnlicher zu werden?“
Denn beides gehört zusammen.
Wir wollen Menschen für Jesus gewinnen.
Und wir wollen Menschen lehren, Jesus zu folgen.
Klar in der Mitte. Weit auf dem Weg.
Und über allem steht die Zusage des Königs:
„Ich bin bei euch.“
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