Jesu Verhör
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Einführung
Einführung
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Während seine Jünger müde sind und noch ganz unter dem Eindruck des Passamahls stehen, ist Jesus hellwach. Er weiß, dass dies keine friedliche Nacht werden wird, in der er im Gebet mit seinem Vater sein kann.
Es ist ein Garten, in welchem er verhaftet wird. So wie damals die ersten noch unschuldigen Menschen auch in einem Garten von der Sünde verhaftet wurden. Die Geschichte wiederholt sich - nur mit umgekehrten Vorzeichen. Jesus ist nicht schuldig geworden. Und das der Verhaftung folgende Verhör wird hier nicht von Gott wie bei Adam und Eva durchgeführt, sondern durch den Hohenpriester und die Pharisäer.
Und dieses Verhör Jesu, welches in dokumentiert ist, wollen wir uns heute etwas genauer anschauen.
Textlesung
Textlesung
12 Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas; der war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. 14 Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es wäre gut, ein Mensch stürbe für das ganze Volk. 15 Simon Petrus aber folgte Jesus nach und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Palast des Hohenpriesters. 16 Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da kam der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, heraus und redete mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. 17 Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin’s nicht. 18 Es standen aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht, denn es war kalt und sie wärmten sich. Aber auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19 Der Hohepriester befragte nun Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. 21 Was fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, sie wissen, was ich gesagt habe. 22 Als er so redete, schlug einer von den Knechten, die dabeistanden, Jesus ins Gesicht und sprach: Sollst du dem Hohenpriester so antworten? 23 Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? 24 Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas. 25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht einer seiner Jünger? Er leugnete und sprach: Ich bin’s nicht. 26 Spricht einer von den Knechten des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? 27 Da leugnete Petrus abermals, und alsbald krähte der Hahn.
Joh 18:12-27
Auslegung
Auslegung
<Joh 18,12-27>
Auslegung
Auslegung
Was fällt beim Lesen auf? 2 Dinge möchte ich heute besonders herausstellen:
Was fällt beim Lesen auf?
Es gibt viele Menschen, die in diesem Kapitel auf der Bühne stehen. Aber nur von ganz wenigen werden die Namen genannt.
Zwei Namen werden besonders häufig genannt: Jesus und Petrus
Nun stellt sich die Frage, was Johannes damit bezwecken will.
Vers 12
Vers 12
Schauen wir uns Vers 12 an. Hier steht eine namenlose Masse an Menschen einer einzelnen Person gegenüber: Jesus.
Gott hat den Menschen aber als Individuum geschaffen. Als jemanden, der einen Namen hat, eine eigene Identität. Gott ist das wichtig. Darum sagt er so oft: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Und darum hat Gott im AT auch Namen von Menschen verändert.
Aber mal Hand aufs Herz: Wo fühlst du dich wohler? Allein als Individuum oder abgetaucht in der Menge der Menschen? Wer steht schon gern vor einer Menge von Menschen und hält eine Rede?
Als die Menschen damals die Stadt Babel gebaut haben, wollten sie auch vermeiden, dass sie zerstreut werden. Sie wollten lieber als großer Einheitsbrei unter der Fuchtel von Nimrod bleiben.
Die erste Entscheidung, welche Johannes uns also abverlangt, ist ob wir einen Namen haben wollen oder lieber in der Menge der Menschen verschwinden. Wie entscheidest du dich?
Aber Petrus
Aber Petrus
Nun werden in diesen Versen zwei Namen besonders häufig genannt: Petrus und Jesus. Und was wir gleich erkennen werden: Einen Namen zu haben heißt nicht automatisch, dass man alles richtig macht.
Denn Johannes stellt hier in diesen Versen das Verhalten Jesu dem Verhalten Petri gegenüber. Ganz oft schreibt Johannes: “Simon Petrus aber ...”: V15, V16, V18, V25
Jesu Befragung beim Hohepriester in den Versen 19-24 ist eingerahmt von einer Zustandsbeschreibung Petri. Unmittelbar vor und nach der Befragung ist geschrieben, dass Petrus sich wärmte. Hier stellt sich die Frage, warum Johannes dieses Detail erwähnt hat. Es hätte auch gereicht zu schreiben: "Aber auch Petrus stand bei ihnen."
Ein Grund könnte sein, dass Johannes damit angezeigt hat, dass Petrus sehr nahe bei den Knechten und Dienern stand. Denn um sich an einem Feuer wärmen zu können, muss man 1. nahe genug an der Feuerstelle stehen (die Temperatur fällt mit dem Abstand ² [Delta T = 1/r²] zur Feuerstelle - also sehr schnell) und 2. niemand anderes zwischen sich und er Feuerstelle haben. Denn sobald jemand zwischen mir und der Wärmequelle steht, stehe ich im Strahlungsschatten und kann mich nicht mehr wärmen. D.h. also, dass Petrus mit den anderen Knechten und Dienern zusammen in einem Kreis stand - und er - Petrus - als fester Teil des Kreises.
Verbindet man aber die Aussage "Petrus wärmte sich" mit der zuvor an ihn gerichteten Frage: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? und Petri Antwort, so schiebt sich hier noch eine geistliche Dimension in das "Sich-Wärmen".
Stellt man sich das Szenario bildlich vor, wie Petrus mit den anderen Knechten - Jesus wollte übrigens keine Knechte haben, sondern Jünger - zusammen in einem Kreis steht und er hier gefragt wird, ob er nicht auch zu Jesus gehört und das verneint, dann drängt sich einem der Eindruck auf, dass Petrus die Seiten gewechselt hat bzw. die Jahre an Jesu Seite wie weggeblasen sind. All die Lektionen, die Petrus gelernt hat, die Erlebnisse mit Jesus (auf dem Wasser des Sees Genezareth, in Samaria, in Jerusalem), seine Gotteserkenntnis - alles scheint in diesem Moment vergessen. Das geistliche Feuer in ihm scheint erloschen. Und so sucht er Wärme an diesem Feuer so wie früher, bevor er Jesus kennengelernt hat.
Als Kontrast zum Verhalten des Petrus finden sich in den Versen 19-24 die Befragung Jesu. Hier fällt auf, dass eigentlich nur Jesu Teil der Rede wörtlich wiedergegeben wird. Die Worte des Hohepriesters (s. V19) werden nur durch indirekte Rede wiedergegeben, was wohl den Fokus des Leser auf Jesu Worte lenken soll.
Jesus sagt hier im V20: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Jeder hat hören und wissen können, was Jesus gelehrt hat. Nichts ist im Verborgenen geschehen. Und Petrus? Er praktiziert draußen vor der Tür gerade genau das Gegenteil. Er leugnet zu Jesus zu gehören und hüllt sich in Schweigen. Und genau diesen Gegensatz zwischen Jesus und Petrus fokussiert Johannes in seinem Kapitel.
Anwendung
Anwendung
Wie oft bin ich wie Petrus in dieser Situation?! Nicht dass ich Jesus leugne. Aber so viel öfter könnte ich meinen Mund aufmachen und biblische Prinzipien in Diskussionen einbringen.
Wie geht es dir? Bist du eher ein Petrus oder ein Jesus?
Die gute Botschaft ist aber, dass Gott mit Petrus hier keinen Schlussstrich gezogen hat. Es war sicherlich nicht Petri Sternstunde, aber es war auch nicht das Ende. Später ist Petrus noch zu einer wichtigen Stütze in Gottes junger Gemeinde geworden.
Wie oft bin ich wie Petrus in dieser Situation. Nicht dass ich Jesus leugne. Aber so viel öfter könnte ich meinen Mund aufmachen und biblische Prinzipien in Diskussionen einbringen. Ich kann nur hoffen, dass Gott mit mir noch nicht fertig ist, so wie Gott mit Petrus in dieser Situation keinen Schlussstrich gezogen hat.
Und wenn wir uns heute eher mit dem Petrus in diesen Versen identifizieren, muss das nicht heißen, dass es immer so bleiben wird. Gott kann und will auch dich und mich verändern. Lässt du dich darauf ein?
Amen.
Aufruf
Aufruf
