Mt 3,13-17

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Transcript
Liebe Gemeinde,
1. Sonntag nach Epiphanias I
Predigt am 11. Januar 2015 in Plattenhardt
Liebe Gemeinde,
[a] »Jede Reise, und sei sie noch so lang, beginnt immer mit dem ersten Schritt« so lautet eine chinesische Weisheit.
Manchmal ist es ein kleiner Schritt – dieser erste Schritt.
Vielleicht ist es ein Schritt, dem wir gar keine große Bedeutung zumessen.
Oft denken wir beim ersten Schritt auch noch nicht an das Ende oder Ziel der Reise – so weit ist es von diesem ersten kleinen Schritt entfernt.
Manchmal aber zeigt sich schon bei diesem ersten Schritt, wohin die Reise geht und entscheidet sich, wie wir ankommen.
[b] Unser Predigttext führt uns auch an einen Weganfang – oder Reiseanfang.
Es ist der Anfang des Weges, den Jesus in die Öffentlichkeit geht.
Der erste Schritt auf diesem Weg war seine Taufe durch Johannes am Jordan.
Und bei Jesus war es so: Schon beim ersten Schritt entscheidet und zeigt sich, wie er am Ziel ankommt.
Predigttext
[a] Alle haben sie gewartet!
Dort am Jordan, wo Johannes die Menschen taufte und predigte.
Alle haben sie auf den einen gewartet, von dem Johannes sprach und den er ankündigte:
Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen;
der wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen.
Wann würde er kommen?
Und wie würde es sein, wenn er kommt?
Die Menschen lebten in der Erwartung, dass Gott seinen Erlöser schickt.
Dass Gott endlich eingreift und das Steuer dieser Welt herumreißt.
Alle haben sie gewartet - und am meisten Johannes - der Täufer.
[b] Und plötzlich steht er da - Jesus – der, auf den sie so lange und so sehnsüchtig gewartet haben.
Er kommt, um sich taufen zu lassen.
Damit hat wohl keiner gerechnet: Dass der, der ohne Sünde ist, kommt, um sich der Taufe zur Buße für die Sünder zu unterziehen.
»Das soll der Weg Gottes mit seinem Messias sein?
So kommt er?
Nicht als Herrscher, nicht als König, nicht als Feldherr, sondern wie ein Sünder und lässt sich mit den Sündern taufen?«
[c] Keiner hat damit gerechnet - aber genau so beginnt der Weg Jesu Christi – mit diesem ersten Schritt.
Und er geht auf diesem Weg - bis nach Jerusalem, bis nach Getsemane, und bis hinauf auf den Hügel Golgatha, wo er am Kreuz stirbt.
Und es gilt: Hier am Anfang des Weges entscheidet sich und zeigt sich uns, wo sein Weg hinführt und wie er mit seinem Weg ans Ziel kommt.
[d] Der Anfang in der Taufe am Jordan und das Ende des Weges Jesu am Kreuz vor den Toren Jerusalems gehören untrennbar zusammen.
Denn schon hier, beim ersten Schritt auf dem Weg Jesu, wird deutlich, was das für ein Weg ist, den er geht.
Den er für uns geht:
[1] Jesus geht den Weg, der in die Tiefe führt.
[2] Jesus geht den Weg, der uns Gottes Gerechtigkeit bringt.
[3] Jesus geht den Weg, auf dem ihn der Vater verherrlicht.

1. Jesus geht den Weg, der in die Tiefe führt

[a] Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
Rein geografisch gesehen war es ein Weg nach unten.
Von Nazareth, 350 m.ü.d.M hinunter an den Jordan - fast 400 m.u.d. Meeresspiegel. 750 Höhenmeter nach unten.
Dort, am tiefsten Landpunkt dieser Erde geht Jesus die ersten Schritte in die Öffentlichkeit.
Aber nicht nur geografisch war es ein Weg in die Tiefe.
Das, was hier äußerlich sichtbar wird, stimmt mit dem ganzen Leben Jesu überein.
Es war ein Weg in die Tiefe, ein Weg der Erniedrigung und des Gehorsams.
Wie es dieses alte christliche Lied im Philipperbrief besingt, das wir als Schriftlesung gehört haben.
Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an.
... Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
Jesus geht den Weg, der in die Tiefe führt.
[b] Hier in der Tiefe am Jordan beginnt sein Weg.
Hier am Jordan, wo keiner mehr eine weiße Weste anhat, wo keiner gut dasteht, da taucht er auf.
Hier, wo Menschen mit der Last ihrer Sünde stehen, wo sie sich den Dreck ihres Lebens abwaschen lassen wollen, da tritt er hinein.
Hier, wo Menschen vor Gott ihren Bankrott erklären, und wissen, dass sie so vor Gott nicht bestehen können, da stellt Jesus sich an ihre Seite.
Dort, wo die Sünder sind, dort in dieser Tiefe fängt sein Weg an.
[c] Jesus ist nicht zufällig am Jordan vorbeigekommen.
Er kommt mit einer klaren Absicht: Er kommt, dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber warum geht er diesen Weg, warum lässt er sich hier taufen?
Er wäre doch der Einzige gewesen, der diese Sündertaufe nicht nötig gehabt hätte.
Er ist doch ohne Sünde, er braucht doch keine Buße, keine Umkehr zu Gott, weil er Gottes Sohn ist.
Warum also lässt er sich hier taufen?
Die Antwort lautet: Weil er der ist, der die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt.
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.
So sagte Johannes.
Lassen Sie es mich bildhaft so sagen: Jesus nimmt dort am Jordan in seiner Taufe die ganze Sünde, die durch all die Menschen, die hier getauft sind, in diesem Wasser schwimmt, auf sich.
Er lässt sich taufen wie die Sünder, stellt sich neben sie, um das Versagen ihres Lebens auf sich zu nehmen.
[d] Jesus lässt sich taufen - er wird zum Sündenträger für die Menschen, die dort am Jordan standen und auch für uns, für dich und für mich.
Das ist der Weg Jesu in die Tiefe - in die Tiefe unserer Schuld.
Die Taufe Jesu steht wie das Kreuz dafür: Er badet aus, was wir verbrochen haben.
Er nimmt auf sich, was uns unter Gottes Zorngericht stellt.
Gott hat - wie Paulus sagt, den, der von keiner Sünde wusste für uns zur Sünde gemacht.
In unserer Wohlstandsgesellschaft heute gibt es keine Versorgungsprobleme mehr.
Dafür haben wir ein Entsorgungsproblem.
Wir wissen nicht mehr wohin mit dem Müll, mit den Sonderabfällen und mit dem Atommüll.
Auch wir Menschen - jeder einzelne von uns – haben ein Entsorgungsproblem: Wohin mit der Schuld?
· Verdrängen ist keine Lösung;
· auf andere schieben eine Katastrophe;
· verharmlosen hilft nicht –
Sünde be­deutet unter Gottes Zorn zu stehen.
Weil wir ein Entsorgungsproblem mit unserer Sünde haben, weil wir unsere Schuld nicht anders loswerden können – wirklich loswerden können – darum ist Jesus gekommen – aus Liebe zu uns.
Und darum ist er den Weg in die Tiefe gegangen, den Weg zu uns Sündern, um unsere Schuld auf sich zu nehmen, um sie wegzutragen, um uns zu entlasten, um uns frei zu machen, um uns aufatmen zu lassen.
Jesus geht den Weg, der in die Tiefe führt.

2 Jesus geht den Weg, der uns Gottes Gerechtigkeit bringt.

[a] Jesus kommt, um sich taufen zu lassen.
Aber Johannes tritt ihm in den Weg.
Ja, er versperrt ihm den Weg:
»Alle habe ich getauft, weil sie es nötig hatten.
Aber Du nicht!
Du hast es nicht nö­tig, von mir getauft zu werden, Jesus, du nicht!«
Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete ihm und sprach: Lass es jetzt geschehen!
Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.
Da ließ er’s geschehen.
Johannes hat erkannt, was auch wir erkannt haben: Jesus hat es nicht nötig, getauft zu werden.
Und dennoch kommt er.
[b] Jesus erklärt in seiner Antwort nicht viel von dem, was da geschieht.
Nur soviel: Es geht hier in der Taufe Jesu darum, die Gerechtigkeit zu erfüllen.
Die Gerechtigkeit zu erfüllen - das bedeutet: Den Weg zum Heil, den Weg zu Gott für die Menschen zu öffnen.
Dazu ist Jesus gekommen, um Gottes Gerechtigkeit zu erfüllen.
Um uns Sünder vor Gott so zu machen, dass wir vor ihm bestehen können, ja, dass wir Menschen sind, über die er sich freuen kann – und nicht zornig sein muss.
Auch hier gehören die Taufe Jesu und sein Kreuz zusammen: Beidesmal geht es um ein- und dasselbe: Dass Gottes Gerechtigkeit erfüllt wird.
In einem anderen Bild gesprochen: Dass die Sünde ausgeräumt wird, die uns von Gott trennt.
Immer wieder kommt es vor, dass die Straße in ein Bergtal durch eine Lawine verschüttet wird.
Dann sind die Bewohner dieses Tales von der Außenwelt abgeschnitten.
Die Schneemassen haben die Verbindung unterbrochen.
Fieberhaft bemühen sich die Hilfskräfte, die Lawine wegzuräumen.
So wie mit der Lawine ist das auch mit der Sünde.
Unsere Schuld und Sünde trennt uns von Gott und die Verbindung zu Gott ist unterbrochen.
Bei uns muss die Sünde ausgeräumt werden.
Die Sünde ausräumen - Das meint dieser Begriff: Die Gerechtigkeit Gottes wird erfüllt.
Das, was uns Menschen vor Gott gerecht macht, das wird von Jesus erfüllt.
In der Taufe und am Kreuz.
[c] Jesus fordert Johannes auf: Lass es jetzt geschehen!
Und Johannes lässt es geschehen.
Er steht Jesus nicht länger im Weg, er lässt geschehen, was um unseretwillen geschehen muss.
[d] Liebe Gemeinde, Lass es jetzt geschehen – diese Aufforderung gilt auch uns.
Es geht darum, dass wir Jesus an unser Leben heranlassen, dass wir uns von ihm helfen lassen.
· Lass es jetzt geschehen, dass Du aufhörst, selbst mit der Schuld in deinem Leben fertig zu werden, sie zu verdrängen, oder dein Versagen einfach nicht wahrhaben zu wollen – deine Lieblosigkeit, deinen Egoismus, den Streit mit den Nachbarn, in der Familie.
· Lass es jetzt geschehen, dass Jesus dir deine Sünde abnimmt, dass du ganz neu mit ihm anfängst – auch in diesen für dich scheinbar so kleinen, nebensächlichen Dingen.
· Lass es jetzt geschehen, dass Jesus in deinem Leben ganz einkehrt und dich mit seiner Vergebung und Freude erfüllt.
· Lass es geschehen – steh ihm doch nicht länger im Weg.
· Lass dir von ihm helfen.
Er entlastet – er befreit – er begnadet dich.

3 Jesus geht den Weg, auf dem ihn der Vater verherrlicht

[a] Was der Evangelist Matthäus berichtet, ist keine prunkvolle Amts­einführung, wie wir sie vielleicht aus dem Fernsehen kennen:
Keine Würdenträger aus Staat, Kirche und Gesellschaft, kein feierlicher Rahmen.
Nur diese Sünder­gemeinde am Jordan und der Täufer Johannes in seinem Kamel­haargewand.
Das, was Matthäus berichtet ist nicht prunkvoll.
Und doch ist es die herrlichste Amtseinführung, die je stattgefunden hat.
Denn hier wird Jesus, der wahre Hirte und wahre Bischof unserer Seelen in sein Amt als Retter dieser Welt eingesetzt.
[b] Martin Luther sagte: Dieser Tag, der Tag der Taufe Jesu ist der erste Tag des Neuen Testaments.
Hier hört das Alte Testament auf und fängt das Neue an.
[1] Bisher haben die Herren dieser Welt regiert, nun aber ist Er eingesetzt, dessen Herrschaft kein Ende hat.
[2] Bisher haben die Engel von ihm gesprochen, nun aber verherrlicht Gott selbst ihn, indem er selbst bezeugt: Siehe, dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Auch der Heilige Geist bezeugt es, indem er sichtbar wie eine Taube auf Jesus kommt.
Nun ist Jesus ist als der Christus in sein Amt eingesetzt.
[c] Er ist eingesetzt, er hat den ersten Schritt auf seinem Weg getan – auf einem Weg, dessen Verlauf viele Menschen bis heute nicht verstehen – aber es ist der Weg, auf dem ihn Gott verherrlicht.
· Hier in der Taufe: Als Jesus getauft war, als er sich gehorsam neben die Sünder gestellt hatte, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.
· Und am Ostermorgen: Als Jesus gestorben war - als er gehorsam den Tod für uns Sün­der erlitt, stieg er alsbald aus dem Grab.
· Hier in der Taufe: als der Himmel sich öffnete, und der Zugang zu Gott frei wurde,
· So in seiner Sterbestunde am Karfreitag, als der Vorhang im Tempel zerriss, um zu zeigen: Jesus macht den Weg frei zu Gott.
Gott hat es selbst bestätigt: Der Weg, den Jesus geht, der Weg dort am Jordan ins Sündenwasser dieser Welt und der Weg dort in Jerusalem ans Kreuz, ist Gottes Weg.
Der Weg, der Jesus in die Erniedrigung führt, Der Weg, auf dem Jesus alle Gerechtigkeit erfüllt und der Weg, auf dem Gott ihn verherrlicht.
Liebe Gemeinde, seit er seinen Weg dort am Jordan begann und seit er dort am Kreuz rief: „Es ist vollbracht“ – ist der Weg zu Gott für uns wieder offen.
Auf seinen Namen sind wir getauft.
Mit ihm dürfen wir leben.
Sein Herz schlägt für uns.
Amen.

EG 349,1-4 Ich freu mich in dem Herren

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