Warten

Tagesandachten in Zeiten von Corona  •  Sermon  •  Submitted
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Warten

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen!

Tagesverse

Kohelet 3,1–8 LU
1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Ein ajegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Warten

Ob er kommt? Er wird bestimmt kommen, immerhin hat er es versprochen. Aber wann? Na, bald wird er kommen. Er hat es einfach nur heute noch nicht geschafft. Und so warten die beiden und warten und warten. Oft schon wollten die beiden aufbrechen. Aber sie machen es doch nicht, stattdessen warten sie auf ihn. Ob er jemals kommt? Das erfahren die Zuschauer*innen und Leser*innen von Becketts “Warten auf Godot” nie.
Und irgendwie erinnern mich diese Tage an Wladimir und Estragon. Wir alle sind Wladimir und Estragon. Und Godot? Godot, dass ist der Tag der auf sich warten lässt, aber bestimmt kommt. Aber Warten, dass kann quälend sein. Vor allem, wenn ich mich auf etwas freue, dann kann warten unendlich sein. Denk mal drüber nach. Damals als du klein warst und der Geburtstag noch drei Tage entfernt war. Drei Tage! Das war eine Ewigkeit! Die gingen nie vorbei. Oder damals, als du auf dein Date gewartet hast. Tagelang hattet ihr geplant, wann und wo ihr euch treffen werdet. Und dann stand man da und wartete. Jede Sekunde die das Date auf sich warten lässt, fühlt sich endlos lange an.
Warten ist ein quälendes Gefühl. Denn das Warten macht uns immer wieder bewusst: Die Zeit ist unbestechlich. Sie lässt sich nicht schneller herbeirufen. Die Zeit läuft stur ihre Bahn in ihrem stetig gleichen Tempo und je ungeduldiger wir warten, desto mehr werden wir uns der Zeit bis in die Sekunde genau hinein bewusst.
Sich der Zeit bewusst zu werden, kann dann auch etwas heilsames haben. Zeit ist nämlich unser ständiger und treuster Begleiter. Zeit ist immer da. Von der Sekunde unserer Geburt, bis zu unserem letzten Atemzug ist sie treu an unserer Seite.
Der Prediger Kohelet fasst das mit den Worten “Alles hat seine Zeit” () zusammen. Aber auch Jesus und Paulus nehmen das Warten und die Zeit auf. Denn schon früh stellte sich bei den ersten Christ*innen die Frage ein: Wann kommt der Christus wieder. Aufgrund der gefährlichen Zeit für das junge Christentum, war Paulus überzeugt, dass die Zeit nahe ist (vgl. ). Wie wir wissen, war die Zeit noch nicht so nah, denn wir warten noch immer. Aber Paulus hat da wahrscheinlich einen ähnlichen Gedanken gehabt wie wir: Warten ist ätzend!
Wie lange müssen wir also noch warten? Ich kann es nicht sagen. Vielleicht wäre es aber eine Überlegung wert nicht ungeduldig auf den Tag zu warten, wann alles vorbei ist, sondern jeden Tag einzeln anzugehen. Ich lebe heute und morgen lebe ich morgen erst.
Amen!

Gebet

Lieber Gott, manchmal fällt es so schwer, auf etwas warten zu müssen, dann vergeht die Zeit so langsam. Doch du bist bei allen Menschen, die warten müssen. Du lässt sie nicht allein. Schenke uns jetzt in diesen Tagen viel Geduld. Amen!

Segen

Der unbegreifliche Gott erfülle Dein Leben mit seiner Kraft, dass du entbehren kannst, ohne hart zu werden, dass du leiden kannst, ohne zu zerbrechen, dass du Niederlagen hinnehmen kannst, ohne dich aufzugeben, dass du schuldig werden kannst, ohne dich zu verachten, dass du mit Unbeantwortbarem leben kannst, ohne die Hoffnung preis zu geben. Amen
(Sabine Naegeli)
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