Joh 11,35 - Bestattungspredigt

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Liebe Trauerfamilie
Markus hat keine großen Worte um seine eigene Person gemacht. Daher passt es, wenn wir uns heute auf den kürzesten Vers des Neuen Testaments konzentrieren. Er steht im Johannesevangelium und hat zwei Worte: „Jesus weinte“ (Joh 11,35 Elb).
Die Situation damals war ganz ähnlich wie heute. Jesus steht vor dem Grab eines guten Freundes. In den besten Lebensjahren hat ihn eine schwere Krankheit innerhalb kurzer Zeit aus dem Leben gerissen. So schnell, dass Jesus und seine Jünger buchstäblich nicht hinterher kamen. Erst Tage später kommen sie bei der Trauergemeinde an.
Jesus lässt sich das Grab seines Freundes zeigen und dann heißt es in der Bibel ganz kurz und knapp: „Jesus weinte.“
In diesen beiden Worten liegt viel Trost: Jesus lässt sich persönlich berühren vom Leid der Menschen. Er fühlt mit und leidet mit. Er ist innerlich tief verbunden mit denen, die trauern. Er ist ihnen nahe im Schmerz.
Wir dürfen das heute in dieser schweren Stunde ganz persönlich nehmen. Jesus Christus ist ja nicht einfach nur ein Mensch gewesen, sondern Gottes Sohn. Und er hat versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Und dieses Versprechen gilt auch heute, wo eine gemeinsame Welt für uns zu Ende geht oder schon längst zusammengebrochen ist.
Darum: Wenn wir hier stehen, innerlich oder äußerlich weinen, ist Jesus Christus bei uns und weint mit uns. Er kennt und versteht unseren Schmerz. Er fühlt mit uns und leidet mit uns. Ob wir das spüren oder nicht. Er ist da.
Petra, du hast dir ein schönes Lied ausgesucht, in dem diese Wahrheit schön in Worte gefasst ist:
Gott sieht unsre Tränen Gott fühlt unseren Schmerz Gott kennt unser Sehnen Weiß um unser Herz Er kann uns verstehen, wie keiner uns versteht Trost und Liebe geben, wenn uns die Hoffnung fehlt… Seht der Himmel weint, im Leid mit uns vereint.
„Jesus weinte.“ - Ich bin sehr froh, dass es diesen Vers in der Bibel gibt. Denn er lässt die Fragen offen. Er maßt sich nicht an, eine schnelle fromme Antwort auf alles zu haben.
Es sind ja viele Fragen, die uns beschäftigen und manchmal bis tief in die Nacht quälen: Warum Markus? Warum so früh? Haben die Ärzte etwas versäumt? Was wäre gewesen, wenn… und so weiter.
Auf die meisten Fragen werden wir keine Antwort finden können. Irgendwann wird es Zeit sein, sie ruhen zu lassen. Sie dürfen offen bleiben. Denn auch Jesus beantwortet in dieser Geschichte nicht alle Fragen.
Es kommt aber die Zeit, da wird Gott alle Fragen beantworten und alle Tränen trocknen. Das verspricht die Bibel. Aber nicht für unser Leben hier und jetzt, sondern für die Ewigkeit. So heißt es in der Offenbarung des Johannes:
„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offb 21,4-5)
Dass das keine leeren Worte sind – und auch kein billiger Trost – das hat Jesus selbst bewiesen – den Menschen damals, die mit ihm um den Freund trauern, und uns heute, die wir um Markus trauern.
Jesus tritt an das Grab heran und ruft: „Komm heraus!“ Und tatsächlich: Sein Freund steht von den Toten auf und lebt! Alle sehen und erleben: Jesus ist stärker. Stärker als das Leid, stärker als Krankheit und Tod. Auch im Tod sind wir in Gottes Hand und nicht verloren. Er schenkt neues und ewiges Leben.
Liebe Petra, lieber Adrian und Fabio, liebe Trauerfamilie
Heute ist ein Tag der Tränen. Ein Tag der offenen Fragen. Es wird Zeit brauchen, vielleicht viel Zeit, bis die Freude langsam den Weg in euer Leben zurück findet. Es wird nie mehr so sein wie vorher.
Doch in allem lässt euch Jesus Christus nicht alleine. Er weint heute mit euch. Er wird, wenn die Zeit kommt, eure Tränen trocknen und mit euch den Weg zurück ins Leben gehen. Wir wünschen euch von Herzen, dass ihr es spüren und erleben könnt.
Amen.
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