Predigt EfG Wölmersen, 22.11.2020
Die Gemeinde und ihre Struktur • Sermon • Submitted
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Gemeinschaft braucht Struktur
Gemeinschaft braucht Struktur
Einleitung
Einleitung
Mirjam hatte Aaron gebeten, sie ein wenig abseits vom Lager der Israeliten zu treffen. Es wäre gut, wenn Mose nicht gleich mitbekommen würde, dass sie sich unterhielten. So wie bisher konnte es ja nicht weitergehen. Mose gab sich als der Einzige, der den Kontakt zu Gott hatte. Der Einzige, durch den Gott zu den Israeliten sprach. Dabei hatte er sogar eine ausländische Frau geheiratet. Und noch dazu eine Schwarze.
“Redet der HERR allein durch Mose”, so sagten sie zueinander. “Redet er nicht auch durch uns”? Wie kann dieser Mann so einen Alleinvertretungsanspruch haben. Und dann auch noch von uns Gehorsam einfordern? So, als hätten nicht auch wir einen Draht zu Gott und als könnte Gott nicht auch durch uns sprechen.”
Sie planen eine Revolte gegen Mose. Und Gott greift schnell und deutlich ein. Mirjam wird aussätzig. Eine ganze Woche lang muss sie außerhalb des Lagers sein, bis Gott den Aussatz wieder wegnimmt.
Etwas später versuchte Korach, einer der Leviten, die für den Dienst am Heiligtum zuständig waren, einen Aufstand gegen Mose und Aaron. Es passte ihnen nicht, dass sie “nur” für den Auf- und Abbau der Stiftshütte zuständig waren und nicht ebenfalls opfern durften. Und so lehnen sie sich gegen diese Regelung auf. Sie beginnen einen Aufstand, der wiederum ganz eindeutig und radikal von Gott beendet wird. Und dann waren es sogar alle Stämme Israels, die sich darüber ärgerten, dass nur der Stamm Levi den Dienst am Heiligtum tun darf. Wieder greift Gott sehr deutlich und drastisch ein und bestätigt genau dies.
Ich habe diese Geschichten in den letzten Tagen in meiner persönlichen Bibellese gelesen. Ich muss sagen, dass ich die Geschichten selbst zwar kannte, aber noch nie in diesem Zusammenhang gesehen habe. Scheinbar verstehen Menschen eine bestimmte Ordnung und eine Struktur der Leitung immer wieder als etwas Bedrohliches. So, als würden Mirjam und Aaron weniger wichtig sein als Mose. Oder die Leviten nicht so bedeutend wie die Priester. Die anderen Stämme unbedeutender als der Stamm Levi.
Gott dagegen bestätigt in all diesen Fällen die gegebene Ordnung. Nicht, weil Mose so viel besser war als Mirjam und Aaron, oder die Leviten so viel heiliger als der Rest Israels. Sondern weil Strukturen und Ordnungen für unser Zusammenleben entscheidend sind. Denn immer dort, wo Menschen miteinander unterwegs sind, wo sie miteinander eine Aufgabe wahrnehmen, wo sie gemeinsam Gott dienen, braucht es solche Ordnungen. Ordnungen, die nicht darin begründet liegen, dass da die Einen besser oder wichtiger oder größer wären als die Anderen, sondern darin, dass Ordnungen für das menschliche Zusammenleben wichtig sind.
Gemeinschaft braucht Struktur, braucht Ordnung. Das ist das Thema, das mir für diese Predigt heute gegeben wurde. Wir wollen uns dazu zwei Bereiche etwas näher ansehen, in denen Gott solche Ordnungen gesetzt hat. Und wir wollen auch darüber nachdenken, was Autorität auf der einen Seite und Gehorsam auf der anderen in diesen Bereichen bedeuten. Was ist hier Gottes Plan? Wie sollen wir als Christen leben? Was bedeuten diese Strukturen und Ordnungen für uns als Gemeinde Jesu im 21. Jahrhundert?
Zwei Bereiche wollen wir - wie gesagt - betrachten. Den gesellschaftlich-sozialen Bereich und den geistlichen Bereich. Im gesellschaftlich-sozialen Bereich könnte man über Staat, Arbeit und Familie nachdenken, im geistlichen Bereich ist es die Gemeinde. Ich werde heute einmal den Staat auf der einen Seite herausgreifen und nur kurz auf Arbeit und Familie eingehen. Und dann natürlich auf die Gemeinde zu sprechen kommen. Mir ist es aber wichtig, dass wir erkennen, dass es sich bei unserem Thema um ein ganz entscheidendes Grundprinzip Gottes handelt, das nicht nur Konsequenzen für die Gemeinde hat. Deshalb beginne ich auch mit dem Thema “Der Staat und Gottes Ordnungen”. Das ist ja ein Thema, das gerade zur Zeit besonders aktuell ist.
1. Der Staat und Gottes Ordnungen
1. Der Staat und Gottes Ordnungen
Ich möchte euch zunächst einmal ein Staatsoberhaupt vorstellen. Eines mit einer fast uneingeschränkten Macht. So, wie wir das heute eigentlich nur noch aus Ländern wie Nordkorea kennen. Dieser Mann hatte eigentlich recht positiv angefangen, obwohl er vermutlich nur durch eine Intrige seiner Mutter an die Macht gekommen war. Er war zunächst bekannt für seine milden Urteile und dass ihm auch die unteren Bevölkerungsschichten am Herzen lagen. Aber es war wie so oft: Macht korrumpiert. Und absolute Macht korrumpiert nur allzu oft auch absolut. Und so versuchte er schon sehr bald, die unteren Bevölkerungsschichten durch seine “Brot- und-Spiele-Politik” auf seine Seite zu bringen und sich dadurch gegen die Oberschicht Roms, denen er in vielem ein Dorn im Auge war, durchzusetzen.
Es wird viel darüber spekuliert, ob es so war oder nicht, aber vieles spricht dafür, dass er zumindest mitverantwortlich war dafür, dass seine Regierungshauptstadt Rom im Jahr 64 n.Chr. abbrannte. Er, Kaiser Nero, wollte nämlich ein größeres, schöneres Rom aufbauen. Um die Schuld von sich selbst abzulenken, machte Nero die Christen, diese neue jüdische Sekte, dafür verantwortlich. Und diese Christen ließ er in grausamer Weise verfolgen und töten. Der römische Historiker Tacitus berichtet, dass die Christen in Tierhäute eingenäht und von Hunden zerfleischt wurden. Andere ließ Nero als lebendige Fackeln verbrennen.
Warum ich euch das alles erzähle? Weil ich euch gerne eine Bibelstelle vorlesen möchte, die Paulus an die Gemeinde in genau diesem Rom schreibt. Zu einer Zeit, als eben dieser Nero schon regierte. In Röm. 13,1-7 schreibt Paulus:
Jedermann sei untertan den Obrigkeiten, die ihm übergeordnet sind. Denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott ist; dort, wo es Obrigkeiten gibt, sind diese von Gott eingesetzt. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der stellt sich gegen die Anordnung Gottes; die sich ihr aber entgegenstellen, ziehen sich selbst eine Verurteilung zu. Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter Werke, sondern wegen böser. Wenn du dich also nicht fürchten willst vor der Obrigkeit, dann tue Gutes und du wirst von ihr Lob erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugute. Wenn du dagegen Böses tust, dann fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen. Nicht nur wegen des Strafgerichtes, sondern auch wegen des (eigenen) Gewissens. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. Denn sie ist der Diener Gottes, der diese Aufgabe beständig wahrnimmt. Deshalb gebt jedem das, was ihr ihm schuldig seid: Steuer dem, dem die Steuer zusteht. Zoll dem, dem der Zoll zusteht. Ehre dem, dem die Ehre zusteht. - Nachzulesen wie gesagt in Röm 13, die Verse 1-7.
Wow. Meint Paulus das jetzt wirklich ernst? Es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott selbst eingesetzt ist??? Auch Nero? Aber hat nicht Jesus genau dasselbe gesagt? “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!”? (Mt 22,17).
Rechtfertigt das nun jeden Machtmissbrauch? Macht uns das zu willenlosen Sklaven des Staates? Darf man seine Meinung nicht sagen?
Doch. Natürlich. Und ich bin sehr froh, dass wir in einem demokratischen Staat leben, in dem man offen anderer Meinung sein kann. Ein Staat, in dem es das Recht zu demonstrieren gibt. Ein Staat, in dem wir auch unseren Glauben offen bekennen dürfen. Anders, als das damals in Rom der Fall war.
Ich glaube, dass es Paulus um etwas ganz Anderes geht. Er will nicht Nero als Heiligen Gottes darstellen. Er möchte, dass wir ein wichtiges geistliches Prinzip verstehen: Dort, wo Menschen miteinander leben, brauchten sie eine Struktur. Es muss eine klare Ordnung geben. Autoritäten müssen klar geregelt sein. Denn sonst herrscht das Chaos. Sonst herrscht die Macht des Stärkeren und der Schwächere geht unter. Noch nie in der Weltgeschichte hat ein System der Anarchie - also der Herrschaftslosigkeit - funktioniert.
Wenn Paulus also sagt, dass jede Obrigkeit von Gott eingesetzt ist, dann legitimiert das nicht den Machtmissbrauch eines Nero oder eines Adolf Hitler. Dafür müssen diese sich einmal vor Gott und seinem Gericht verantworten. Es geht vielmehr darum, dass wir als Einzelner aufgefordert sind, dass wir uns der staatlichen Ordnung unterordnen, weil wir sie als Gottes Ordnung verstehen.
Natürlich gibt es da eine wichtige Grenze des von Gott geforderten Gehorsams. Die ist in der Bibel ganz klar definiert: “Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen”. (Apg 5,29) Dann, wenn der Staat uns unseren Glauben verbieten will, wenn er uns daran hindern will, dass wir laut und deutlich von Jesus Christus erzählen, dann gilt dieser Vers. Dann sind wir zum Ungehorsam gegenüber dem Staat aufgerufen.
Ich will es jetzt einmal ganz praktisch machen, auch auf die Gefahr hin, dass ich da dem einen oder anderen “zu nahe trete”. Wenn der Staat aufgrund einer Pandemie wie die Corona-Situation, die wir gerade erleben, auch uns als Christen verbietet zu singen, dann ist das nicht Christenverfolgung und erfordert keinen zivilen Ungehorsam von uns Christen. Dann machen wir das, weil der Staat das so sagt. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir das einsehen oder nicht.
Wenn der Staat von uns verlangt, dass wir uns zum Gottesdienst anmelden, oder dass wir Masken tragen im Gottesdienst oder beim Einkaufen oder im Bus, dann sind das keine Eingriffe in unser christliches Persönlichkeitsrecht und erfordert keinen zivilen Ungehorsam. Dann machen wir das, weil der Staat das so sagt. Ich kann mich nicht auf das “Gott mehr gehorchen als den Menschen” berufen und gleichzeitig Gottes Anordnung, dem Staat zu gehorchen, missachten. Denn wenn ich “Gott mehr gehorchen” will als den Menschen, dann muss ich ihm auch bei dem gehorchen, was wir hier in Röm. 13 gelesen haben. Privat dürfen wir gerne eine andere Meinung haben. Aber das befreit uns nicht von dem Gehorsam, den wir im Namen Gottes dem Staat schuldig sind. Ich bin ja als Motorradfahrer auch oft der Ansicht, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf einer schönen, kurvenreichen Strecke völlig unsinnig ist. Und doch halte ich mich daran.
Und zwar nicht, weil ich die Ordnungen und Gesetzt alle so toll finde, sondern weil ich Gott liebe und ihm diene. Und weil ich deshalb auch seine Ordnungen ehre und achte. Und eine dieser Ordnungen Gottes ist die Tatsache, dass menschliche Staaten von Obrigkeiten regiert werden, und dass diese Obrigkeiten das Recht haben, Gesetze zu erlassen, an die ich mich zu halten habe. Der Staat, so sagt Paulus, hat zurecht das Schwert, d.h. er hat die Entscheidungsgewalt und die richterliche Gewalt. Die Verantwortlichen in der Regierung müssen sich einmal für ihre Entscheidungen vor Gott verantworten. Ich dagegen muss mich dafür verantworten, ob ich diesen Entscheidungen gehorsam gewesen bin.
Noch einmal, damit das klar ist: Ich darf diese Entscheidungen des Staates kritisieren. Ich darf das in Deutschland glücklicherweise sogar laut und in aller Öffentlichkeit tun. Und vielleicht müssen wir das als Christen noch viel öfter tun, dass wir auch unsere Stimme zu Gehör bringen. Und gleichzeitig muss ich mich an das, halten, was mir da vorgeschrieben wird. Also fahre ich 50, wo 100 schön wäre. Ich trage eine Maske, selbst wenn ich 8 Stunden lang im Unterricht reden muss. Und, und, und.
Das, was ich jetzt aus gegebenem Anlass etwas ausführlicher zum Thema Staat und christlicher Gehorsam ausgeführt habe, gilt auch für die anderen beiden Aspekte im sozialen Bereich. Gott fordert auch hier, dass wir seine Ordnungen respektieren. Ich will sie wenigstens kurz ansprechen.
Da gibt es Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die einen führen und entscheiden, die anderen folgen und gehorchen. Und selbst in der kleinsten Zelle unserer Gesellschaft, der Familie, ist das so. Da sind Eltern, die entscheiden und Kinder, die ihnen gehorchen sollen. Und das Verhältnis von Mann und Frau? Ich glaube, dass auch hier Gott eine Ordnung gegeben hat. Das bedeutet, dass Gott den Mann einmal zur Verantwortung ziehen wird, wie und ob er seiner Aufgabe als Familienoberhaupt gerecht geworden ist.
Und auch hier: damit mich niemand falsch versteht: Ja, es gibt in all diesen Bereichen immer wieder Machtmissbrauch. Es gibt Arbeitgeber, denen es nur um ihren eigenen Profit geht, Eltern, die ihre Kinder misshandeln und missbrauchen, Ehemänner, die ihre Frauen nicht lieben, sondern beherrschen. Die Sünde ist wirklich in alle Bereiche unseres Lebens vorgedrungen. Wie gut, dass Gott einmal alle diese Ungerechtigkeiten vor sein göttliches Gericht bringen wird! Und dass wir in unserer Gesellschaft das Recht und die Möglichkeiten haben, sie schon heute anzuprangern. Und doch bleibt die Tatsache, dass diese Strukturen selbst grundsätzlich richtig und für menschliches Zusammenleben ganz entscheidend sind.
Ich möchte jetzt diesen gesellschaftlich-sozialen Bereich verlassen und zur Gemeinde kommen. Und auch hier stellen wir das gleiche Prinzip fest: Gott hat Ordnungen gegeben, die auch für die Struktur und das Leben der Gemeinde wesentlich sind.
2. Die Gemeinde und Gottes Ordnungen
2. Die Gemeinde und Gottes Ordnungen
Diese Predigt soll ja einige grundlegende Gedanken im Hinblick auf unsere Ältestenwahl entfalten. Dabei werde ich mich in erster Linie darauf beschränken zu untersuchen, wie diese Strukturen sein sollen und was das für uns als einzelne Gemeindeglieder bedeutet. Ich werde also außen vor lassen, was die Bibel denjenigen sagt, die in der Gemeinde Verantwortung tragen. Das wird dann in einer späteren Predigt untersucht werden müssen. So ähnlich habe ich das ja eben im gesellschaftlich-sozialen Bereich auch getan. Die Bibel hat natürlich auch den Herrschenden etwas zu sagen. Das habe ich jedoch bewusst ausgeklammert. Diese Predigt sollte ja auch irgendwann ein Ende haben ...
Was also sagt die Bibel über das Thema “Ordnungen in der Gemeinde”? Wir haben ja in den letzten Wochen über Apg. 2,42 nachgedacht. Die Lehre der Apostel, das war das erste Kennzeichen dieser jungen Gemeinde. Von Anfang an gab es also die einen, die lehrten und die anderen, die gelehrt wurden. Die Apostel, also diejnigen, die drei Jahre lang mit Jesus unterwegs gewesen waren, hatten in der Gemeinde eine besondere Stellung. Wir sehen das z.B. ein paar Jahre später, als es zu Spannungen zwischen juden- und heidenchristlichen Gemeinden gekommen war. In Apg. 15 lesen wir von dem sogenannten Apostelkonzil. Hier kamen die Apostel in Jerusalem zusammen, um für die gesamte Gemeinde Jesu im ganzen römischen Reich zu entscheiden. Und wenn man einmal den Brief in Apg. 15 liest, den sie dann geschrieben haben, wird deutlich, dass sie ganz klar erwarteten, dass die Anordnungen in den Gemeinden auch umgesetzt wurden.
Neben den Aposteln wurden dann sehr bald Diakone eingesetzt. Der Grund dafür war, dass die immer größer werdende Gemeinde Schwierigkeiten hatte, ihre sozialen Aufgaben wirklich gerecht zu erledigen. Es kam zu Spannungen in der Gemeinde und die Apostel konnten diese Probleme nicht mehr alleine lösen. Deshalb setzte man Diakone ein, die bei der Leitung der Gemeinde halfen. Neue Strukturen waren nötig, damit man als Gemeinde geistlich wachsen und vorankommen konnte.
Als dann der christliche Glaube immer weiter bekannt wurde und immer mehr Gemeinden dazu kamen, mussten auch für diese Gemeinden Strukturen entwickelt werden. Paulus beschreibt diese Struktur in Eph. 4,11-16 ausführlich. Er schreibt dort u.a.:
Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden. (Eph. 4,11-12).
Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Diese fünf Gruppen von Menschen leiteten also damals die Gemeinde. Ihre Aufgabe war es, die Gemeinde für ihren Dienst zuzurüsten. Sie waren also nicht die Angestellten der Gemeinde, die die Arbeit machten, sondern sie leiteten die Gemeinde und sorgten dafür, dass jeder für seine Aufgabe geschult und vorbereitet wurde. Dadurch, so sagt Paulus, soll der Leib Christi, die Gemeinde, erbaut werden.
Wir werden in den nächsten Wochen auch noch über diesen sogenannten “fünffachen Dienst” nachdenken. Das kann ich heute also überspringen.
Es ist nicht ganz klar, ob diese fünf Aufgaben alle von Ältesten übernommen wurden, oder ob es auch Diakone gab, die das taten. Denn das ist die andere Aufteilung, wie man die Leitung der Gemeinde in der Zeit des Neuen Testamentes charakterisieren kann. Die Ältesten hatten die geistliche Leitung der gesamten Gemeinde, die Diakone waren für verschiedene praktische Aufgabenbereiche zuständig. Auch hier gilt, dass wir in den nächsten Wochen noch ausführlich über die Aufgaben der Ältesten nachdenken werden. Heute möchte ich nur über ihre grundsätzliche Stellung und das Verhältnis zwischen Ältesten und Gemeinde reden.
Eindeutig ist jedenfalls, dass die Ältesten immer wieder dazu aufgerufen werden, ihren Dienst in Verantwortung gegenüber Gott auszuüben. Aber wisst ihr, das bedeutet dann aber auch, dass die Gemeinde die Aufgabe hat, der Leitung durch die Ältesten zu gehorchen. Denn ich kann niemand zur Verantwortung ziehen für etwas, das dieser überhaupt nicht in der Hand hat! Die Kehrseite der Verantwortung der Ältesten vor Gott ist der Gehorsam der Gemeinde gegenüber den Ältesten.
Ich weiß, dass das absolut unpolulär ist. Aber die Frage ist ja nicht, wie populär etwas ist, sondern was die Bibel sagt. Und die ist da eigentlich ziemlich eindeutig. In 1Thess 5,12-13 lesen wir:
Wir bitten euch aber, liebe Brüder, erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch ermahnen; habt sie umso lieber um ihres Werkes willen.
Und in Hebr. 13,17 heißt es:
Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen - und dafür müssen sie Rechenschaft geben - damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch.
Ich habe einmal gehört, wie jemand die Aussage dieses Verses “Gehorcht euren Lehrern” für Lehrer an Bibelschulen angewandt hat (keiner meiner Kollegen übrigens!). Aber so ist das nicht gemeint - so schön ich persönlich das auch finden würde … Das Wort, das Luther hier mit “Lehrern” übersetzt hat, bedeutet eigentlich “Leiter” oder “Führer”. Gehorcht denen, die euch leiten, erkennt an, die an euch arbeiten und euch vorstehen. Der Hebräerbrief macht dabei deutlich, dass diese Leitung, dieses Führen, auch Folgen für die Leiter selbst hat. Sie müssen dafür vor Gott Rechenschaft geben.
Wir sehen wieder das gleiche Prinzip, das wir schon mehrfach heute betrachtet haben: Die Leitenden haben Autorität. Man soll sich ihnen unterordnen und das tun, was sie sagen. Und sie selbst müssen sich vor Gott dafür verantworten.
Ich erinnere mich noch gut an eine Predigt vor vielen Jahren. Anton Schulte hat sie gehalten, und sie war auch im Vorfeld einer Ältestenwahl. Anton hat damals einen Satz gesagt, der mir unheimlich hängen geblieben ist:
“Überlegt euch gut, wem ihr gehorchen wollt!” - Ich möchte diesen Satz heute gerne wiederholen: Überlegt euch gut, wem ihr gehorchen wollt. Und dann tut es auch. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Ältesten jetzt zu unbeschränkten Herrschern werden. Und selbstverständlich rechtfertigt das nicht geistlichen Missbrauch oder Schlimmeres. Der 1. Petrusbrief ermahnt die Ältesten, dass sie nicht “als Herren über die Gemeinde” herrschen sollen, sondern “Vorbilder der Herde” werden. Aber das ist - wie gesagt - ein Thema für eine andere Predigt.
Es ist heute unheimlich populär geworden, diejenigen zu kritisieren, die Leitungsaufgaben haben. Auch in der Gemeinde. Auch hier in Wölmersen. Vielleicht sollten wir stattdessen mehr für unsere Ältesten beten? Und dankbar dafür sein, dass sie so viel Zeit und Energie in die Arbeit der Gemeinde stecken. Natürlich dürfen wir auch kritisches äußern. Und anderer Meinung sein. Und bei der nächsten Ältestenwahl jemand anders wählen. Aber das NT ist da ganz klar: wir sollen die Ältesten, die die Gemeinde leiten, ehren und achten und ihnen gehorchen, und zwar um Gottes willen!
Mir ging es heute Morgen darum, Gottes Ordnungen in Staat und Gemeinde als gute Ordnungen sehen zu lernen, denen wir uns gerne unterordnen, auch wenn wir in manchen Dingen eine andere Meinung haben. Die dürfen wir natürlich gerne sagen. Das ist ja das Schöne an einer Demonkratie und einer Gemeinde im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Wir dürfen und sollen uns mit unseren Meinungen einbringen. Aber gleichzeitig gilt es, die Leitenden in ihrem Dienst zu achten, für sie zu beten und ihnen gehorsam zu sein.
Ich möchte diese Predigt mit einem persönlichen Beispiel beenden. Es gab und gibt vermutlich immer noch eine Regelung in unserer Gemeinde, die ich nicht für biblisch halte. Sollte sie nicht mehr existieren, habe ich das vermutlich irgendwie nicht mitbekommen. Es ist die Regel, dass man erst mit 14 Jahren getauft werden kann. Ich habe immer argumentiert, dass - wenn man davon ausgeht, dass auch Kinder bereits eine echte Bekehrung, eine echte Hinwendung zu Jesus erleben können - dass man ihnen dann eigentlich nicht gut die Taufe verwehren kann. Meine Frau Bettina ist übrigens mit 10 Jahren getauft worden.
Unser Sohn Simon war etwa 12 Jahre, als er den Wunsch hatte, sich taufen zu lassen. Und wir als Eltern konnten es in seinem Leben durchaus sehen, dass er wirklich Jesus nachfolgte. Aber da gab es diese Regelung in unserer Gemeinde. Ich habe damals viel mit Klaus Schmidt darüber diskutiert. Er war ja Ältester der Gemeinde. Und ich konnte ihn nicht überzeugen.
Also habe ich das getan, was nach meiner Überzeugung die Bibel fordert: Ich habe mich dieser Anordnung untergeordnet und wir haben gewartet, bis Simon 14 Jahre alt war. Ich habe nie mit meiner anderen Meinung hinter dem Berg gehalten. Aber ich bin auch nicht in eine andere Gemeinde gegangen und habe Simon da taufen lassen. Denn es war es mir wichtig, Gottes Ordnungen zu achten, selbst wenn ich diese spezielle Ordnung nicht für biblisch richtig hielt und halte.
Fassen wir zusammen:
Gott hat in allen Bereichen, in denen Menschen miteinander leben und arbeiten, Ordnungen gesetzt. Ordnungen, die wichtig sind, damit das Zusammenleben gelingt. Es gibt Menschen, die Verantwortung tragen und andere, deren Verantwortung es ist, zu folgen. Nicht, weil die Führenden besser wären oder wichtiger oder man selber weniger wichtig, sondern einfach weil diese Strukturen für uns wichtig sind. Weil Gott sie will. Um Gottes willen!
Amen
